Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz
Ein digitaler Humanismus transformiert den Menschen nicht in eine Maschine und interpretiert Maschinen nicht als Menschen. Er hält an der Besonderheit des Menschen und seiner Fähigkeiten fest und bedient sich der digitalen Technologien, um diese zu erweitern, nicht um diese zu beschränken.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz sind die Schlagworte der Zeit. Die technische Entwicklung schreitet in immer schnellerem Tempo voran, der Mensch sieht sich einer sich immer schneller sich verändernden Welt gegenüber. Das wirft Fragen auf: Wird der Mensch bald durch Maschinen ersetzt? Was bleibt für den Mensch noch zu tun, wenn Maschinen alles übernehmen? Diese Fragen machen Angst. Auf der anderen Seite ist die technische Entwicklung spannend, bietet sie doch Chancen und weckt die Euphorie, was bald alles machbar sein wird.
Der Digitale Humanismus, wie Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld vorstellen, will eine Brücke schlagen zwischen der angstbesetzten Untergangsstimmung und der Euphorie. Der digitale Humanismus ist technik- und menschenfreundlich, er setzt auf die menschliche Vernunft, welche die Chancen gut nutzen kann, aber auch um die Grenzen digitaler Technik weiss. Die beiden Autoren vergleichen die digitale Gegenwart und mögliche Zukunft immer wieder mit Beispielen aus der Science-Fiction-Welt, zeigen auf, welche Vorstellungen einer digitalen Welt vormals als Mythen existierten, wo sie heute schon Realität geworden sind.
Das Buch behandelt eine ganze Bandbreite an relevanten Themen rund um die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz, alles immer mit literarischen und filmischen Beispielen untermalt sowie philosophisch analysiert und in einen grösseren Rahmen eingebettet. Dabei wird sichtbar, dass die digitale Technologie viele Vorteile bietet, dass uns künftig Roboter immer mehr zur Hand gehen und diverse Abläufe abnehmen können. Auch die Grenzen werden schlüssig aufgezeigt, der Unterschied Mensch – Maschine herausgearbeitet. So sind Menschen nicht einfach wandelnde Algorythmen, sondern durchaus entscheidungsfähige Wesen mit der Fähigkeit, zu denken. Das unterscheidet sie vom Computer, der keine eigene Denkleistung hat. Selbst die selbstlernenden und -optimierenden Maschinen sind nicht autonom denkend, sondern funktionieren nur nach vordefinierten Regeln. Was also wie eine eigenständige Denkleistung aussieht, ist in Tat und Wahrheit nur eine Simulation. Das gleiche trifft auch auf Gefühle zu.
Als nicht denkende und fühlende Einheiten stehen Computer und Roboter jenseits der Moral. Weder können sie selber moralische Urteile fällen, noch unterliegen sie moralischen Bewertungen. Sie werfen aber insofern moralische Fragen auf, als die technischen Entwicklungen den Menschen vor neue Herausforderungen stellen: Wie kommuniziert man mit Maschinen? Wie kommuniziert man als hinter Maschinen sitzendes Wesen mit anderen ebensolchen Wesen. Es werden zudem weitere Fragen aufgeworfen wie die Anforderungen an die Bildungssysteme, die Gefahren für unsere Demokratie im Zeitalter der immer mehr zurücktretenden vielfältigen journalistischen Medien und der vermehrten Nutzung des Internets.
Nida-Rümelin/Weidenfeld gelingt ein umfassender, kompetenter, gut verständlicher Überblick über das Gebiet des digitalen Humanismus mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung auf die gegenwärtige Welt. Der Spagat, sowohl Leser mit philosophischem Vorwissen als auch Fachfremde zu erreichen, ist den beiden gut gelungen. Dass dabei zusätzlich darauf verzichtet wurde, utopische Zukunftsszenarien zu entwerfen oder den Menschen zur (bald entwerteten und aussortierten) Maschine zu erklären, spricht zudem für das Buch.
Fazit:
Eine aktuelle, wichtige und komplexe Thematik fundiert und verständlich präsentiert. Philosophie, wie sie sein sollte: dem Leben dienend, nicht als abgehobener Selbstzweck ein Dasein im Elfenbeinturm pflegend. Absolut empfehlenswert.
Zum Autor:
Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld
Julian Nida-Rümelin wird am 28. November 1954 geboren und wächst in einer Künstlerfamilie in München auf. Nach seinem Abitur 1974 studiert er an den Universitäten München und Tübingen Philosophie, Physik, Mathematik und Politikwissenschaften und promoviert 1983 beim Münchner Wissenschaftstheoretiker Wolfgang Stegmüller. Es folgt 1989 die Habilitation und Stellen an diversen Unis in Deutschland und der USA. Von 1998 bis 2001 ist Julian Nida-Rümelin Kulturreferent der Stadt München und folgt im Jahr 2004 dem Ruf der LMU und besetzt zuerst den Lehrstuhl für Politische Theorie und Philosophie am Geschwister-Scholl-Institut, seit 2009 einen Lehrstuhl für Philosophie an der LMU. Von ihm erschienen sind unter anderem Über die menschliche Freiheit (2005), Demokratie und Wahrheit (2006), Philosophie und Lebensform (2009), Verantwortung (2011), Der Sokrates Club. Philosophische Gespräche mit Kindern (2012), Philosophie einer humanen Bildung (2013).
Er leitet den Bereich Kultur am Zentrum Digitalisierung Bayern.
Nathalie Weidenfeld studierte amerikanische Kulturwissenschaft und promovierte an der FU Berlin. Sie verfasste Romane und Sachbücher und arbeitete als Lektorin und Filmwissenschaftlerin.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Piper Verlag (4. September 2018)
ISBN-Nr: 978-3492058377
Preis: EUR 24; CHF 37.90
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