Neue Woche, neues Glück. Packen wir’s an.
Habt einen schönen Tag!
Denkzeiten – Sandra von Siebenthal
Philosophie und Lebens-Kunst
In den letzten Tagen habe ich einen Abstecher in die Welt der Mode, genauer der Modeillustration gemacht. Fasziniert von verschiedenen Künstlern, liess ich mich treiben, zeichnete mit klareren Linien, «zog meine vormals nackten Frauen an», liess sie gehen, stehen, tanzen. Ich experimentierte mit einem illustrativeren Stil und irgendwie gefiel mir das Aufgeräumte, die klaren Strukturen. Weniger Chaos, weniger Dreck, weniger Unordnung – sowohl auf dem Papier wie auch im Atelier. Als ordnungsliebender Mensch kam mir das sehr entgegen.
Und plötzlich merkte ich eine innere Unzufriedenheit. Da fehlte plötzlich was. Etwas, das mir die Kunst vorher gegeben hat: Die Freude am Erforschen. Ich hatte mein Grundthema verloren, nämlich den Menschen in seiner Welt und seinem Sein einen Ausdruck zu geben. Ich hatte ihn im wahrsten Sinne verkleidet.
Heute habe ich ihn wieder entkleidet. Gewisse Dinge werde ich aber mitnehmen aus der Zeit. Und genau das ist das Schöne, das wohl auch zu (meine)m Weg gehört: Immer wieder Neues erforschen, um dann mitzunehmen, was passt und wegzulassen, was doch nicht meins ist.
Habt einen schönen Tag!
Das Bild entstand nach einer Fotografie des Modehauses Chloé.
(Die Zeichnung habe ich eingescannt, um verschiedene Farbvariationen auszuprobieren. Den für solche Dinge eigens angeschafften Scanner einzurichten, war eine Herausforderung für sich….)
«Das Schöne, auch in der Kunst, ist ohne Scham nicht denkbar.» Hugo von Hofmannsthal
Als ich nach Zitaten über die Scham suchte, hatte ich natürlich etwas im Sinn. Allerdings entsprach das in keiner Weise dem, was ich gefunden habe. Scham, so landläufig die Ansicht, sei es bei Philosophen, Literaten oder in Religionsbüchern, wird als Zier und gebührliches Empfinden gesehen. Sie ist quasi der Hüter der Moral, der Wächter über Zucht und Ordnung.
Nun kann ich dieser Sicht durchaus etwas abgewinnen, doch mir ging es um etwas anderes: Um die Scham, die wir oft verspüren, wenn es um unsere Unzulänglichkeiten und vermeintlichen Unperfektheiten geht. Wir verstecken sie so gut wie möglich, verstecken damit uns selbst auch, denn indem wir diesen Teil verbergen, dringt nur noch eine halbherzige Version unserer selbst nach draussen. Wir vermitteln ein Bild, das nur in Teilen uns entspricht.
Das ist sicher gut und sinnvoll als Selbstschutz in gewissen Momenten, doch oft kann einem dieses Verhalten auch behindern. Wir stehen uns damit selbst im Weg, weil wir uns nicht trauen. Wir fürchten uns vor unseren Fehlern, fürchten uns vor den Reaktionen darauf, und wagen nicht, was wir eigentlich gerne tun und sein würden.
Das liegt sicher mit daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Fehler und Scheitern verteufelt werden, etwas, das es nicht geben darf. Wie schade. Wie oft zeigen sich gerade in Fehlern oder Dingen, die nicht gelingen neue Wege und Möglichkeiten? Kreativität entsteht da, wo dem freien Ausprobieren nichts im Wege steht. Und meiner Meinung nach entsteht dann das Schöne. In der Kunst und im Leben.
Habt einen schönen Tag!
«Wenn wir bedenken, dass wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.» Mark Twain
Habt ein schönes Wochenende!
Dieser Vogel ist Teil einer ganzen Serie, die in einer früheren Schaffensphase entstanden ist. Da ich ein neues Projekt in diesem Stil begonnen habe, möchte ich ein paar der Vögel nochmals aufleben lassen, weil sie für mich wichtig sind und ich sie nach wie vor liebe. Viele davon sind auch schon in neue Zuhause weggeflogen. Leider habe ich es verpasst, sie fotografisch festzuhalten. Das hole ich nun mit den noch vorhandenen nach.
Inhalt
«Kinderbücher sind oft grosse Sehnsuchtsobjekte. Sie leuchten positiv aus der Kindheit bis in die Gegenwart.»
Wer denkt nicht gern zurück an die ersten Bücher seines Lebens? Wie oft ist es doch eine Freude, diese wieder in den Händen zu haben, weil man sie dem eigenen Kind oder Enkel. Vorlesen kann? Eigentlich viel zu schade, so lange zu warten, sind diese Bücher doch kleine Lichtpunkte am Bücherhimmel, bestechend durch die kreativen Geschichten, die bunten Bilder, die Anregungen zum selbst Fantasieren.
«Was es bedeutet, ein Kinderbuch tatsächlich umzusetzen, wird aber oft unterschätzt. Was kinderleicht daherkommt, entspringt einem fundierten Wissen.»
Michael Wrede und Annabelle von Sperber geben in dem vorliegenden Buch Einblicke die Gestaltung von Kinderbüchern. Sie zeigen die verschiedenen Arten von Kinderbüchern und was diese ausmacht, gehen auf Zielgruppen und Vermarktung ein und widmen sich dem kreativen Prozess der Entstehung. Wie entsteht eine Idee und was macht sie zur Geschichte? Wie entwickle ich einen Charakter und wie seine Umwelt. Was brauche ich, um das Ganze umzusetzen und wie wird am Schluss ein Buch daraus. Von den ersten Kritzeleien im Notizbuch bis hin zum fertigen Buch, welches veröffentlicht werden kann, wird der Leser in die Entstehung von Kinderbüchern eingeführt. Im Vordergrund steht in diesem Buch die Illustration, der Text spielt nur am Rand eine Rolle.
Ein Buch nicht nur für Menschen, die selbst ein Kinderbuch realisieren wollen, sondern auch für all die, welche sich für die Prozesse hinter dem Buch interessieren. Zudem machen die aufwendige und liebevolle Gestaltung des Buchs sowie die wunderbaren Illustrationen dieses selbst zu einer Augenweide.
Autoren
Michael Wrede ist selbstständiger Illustrator für Kinder und Jugendbuch, meistens auch Autor seiner eigenen Werke, war nach vielen Jahren der Lehrtätigkeit, u.a. an der BKA-Hamburg, Design Akademie Berlin, 2011 Mitbegründer der Akademie für Illustration und Design in Berlin (AID-Berlin). Zusammen mit Annabelle von Sperber unterrichtet er Kinder- und Jugendbuch. Er ist Initiator des 2017 erstmalig ausgetragenen Kinderbuchwettbewerbs „Buntspecht“.
Annabelle von Sperber ist selbstständige Illustratorin. Ihre Bilder zeichnen sich durch warme Farben, einen feinen Humor und der Liebe zum Detail aus. Bekannt durch zahlreiche Spitzentitel und Serien im Kinder- und Jugendbuch, die in viele Länder verkauft wurden, machte sie sich mit ihren Kunst- und Architektur-Wimmelbüchern international einen Namen. Diese wurden im Prestel Verlag in München, London und New York publiziert. Sie lehrt Illustration zusammen mit Michael Wrede an der Akademie für Illustration und Design in Berlin (AID-Berlin) und ist für den Fachbereich Illustration an der Faber Castell Akademie zuständig.
Angaben zum Buch
Da sitzt du nun und schaust den mit grossen Augen an, der dir das sagte. Du bist betroffen, betrübt, willst dich erklären, rechtfertigen, verteidigen. Es bringt alles nichts. Wieso nicht einfach antworten:
«Stimmt. Ich mag Esel.»
Schlussendlich sind wir nicht auf der Welt, um so zu sein, wie der andere uns gerne haben möchte. Zudem lebt es sich ganz wunderbar mit all den persönlichen Eigenheiten und Merkwürdigkeiten. Es wird uns nur zu oft weisgemacht, wir dürften diese nicht haben, sondern müssten uns anpassen, müssten irgendeiner Norm entsprechen. Und wir glauben es schlicht zu oft. Wieso eigentlich?
„Sei der Esel, der du schon immer sein wolltest.“
So oder so ähnlich könnte das neue Lebensmotto lauten.
Habt einen schönen Tag! 💕
«Uuun-fair!!!!» schallt es durchs Kinderzimmer. «Mama darf ins Kino! Papa darf fernsehen! Ella schläft! Nur ich soll aufräumen – das ist sowas von unfair!!!!»
Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, das sagt: «Alle anderen haben es viel besser als ich, nur ich muss…» oder «…nur ich darf nicht.»
So geht es Milo, der sein Zimmer aufräumen muss und denkt, dass die anderen seiner Familie es besser haben. Er steigert sich förmlich in dieses Gefühl hinein: die Wut steigt, das Leben erscheint ihm unfair. Ein Spielzeugritter will ihn mit Tadel und guten Argumenten belehren und zur Vernunft bringen. Damit kommt er bei Milo nicht weit. Da mischt sich das Schlaf-Schaf ein. Es zeigt Milo, dass jeder einen anderen Blick auf die Welt hat und jeder seine eigenen Schwierigkeiten mit sich trägt. Es ist manchmal gar nicht einfach, zu sagen, was fair und was unfair ist. Und gibt es schlussendlich nicht etwas, das über allem steht und viel wichtiger ist?
Ein wunderbares Buch darüber, dass es wichtig ist, verschiedene Standpunkte einzunehmen. Die Geschichte von Milo erinnert uns, dass wir immer nur einen Teil sehen und das oft nicht reicht, um wirklich ein Urteil zu bilden. Wenn Milo sein Zimmer aufräumen muss, bedeutet das auch, dass er eines hat und dass in diesem Zimmer viele Spielsachen liegen. Wäre das nicht eher ein Grund, dankbar zu sein als wütend?
Dieses wunderbare Buch entführt den Betrachter – egal, ob gross oder klein – mit einer warmherzigen Geschichte und fröhlichen, bunten Illustrationen an einen Ort, an dem wir alle schon mal waren: Den des Vorurteils. Es zeigt, ohne belehrend zu wirken, dass die Dinge ganz anders sein können, als wir vorschnell denken. Es zeigt, wie wichtig es ist, unseren Standpunkt zu verlassen und das Leben auch von einer anderen Seite zu betrachten. Nicht zuletzt ist es ein Hinweis darauf, dass über allem immer etwas stehen sollte, das grösser ist: die Liebe. Mit ihrer Hilfe lassen sich viele Situationen besser bewältigen.
Fazit
Eine liebenswürdige, kindgerechte, zum Nachdenken anregende Geschichte mit wunderbar bunten Illustrationen für kleine und grosse Menschen. Das Buch eignet sich sowohl zum Vorlesen als auch als Erst-Lesebuch.
Wer hat’s gemacht?
Ole Puls, Executive Creative Director der Düsseldorfer Agentur komm.passion, schreibt täglich Storylines für große Marken. Manchmal kleine Geschichten für seinen sechsjährigen Sohn. Und beides mit der gleichen Freude an besonderen Erzählperspektiven.
Paul Trakies ist als freiberuflicher Illustrator für die Werbe- und Architekturbranche tätig, hat sich aber irgendwann eingebildet auch Kinderbücher zu illustrieren. Er lebt mit seiner Familie in Freising bei München.
Angaben zum Buch
Ich liebe Kinderbücher. Ich liebe die Illustrationen und die bildhaften, kreativen, verdichteten Texte, die zum Weiterdenken anregen. Auf wenigen Seiten entwickeln sich neue Welten, in die man eintauchen kann. Es sind Welten voller Phantasie und Schönheit. Es sind bunte Welten, die ab und zu dem Grau der Welt um uns ein Gegengewicht geben. Schön ist an diesen Büchern auch, dass man sie vorlesen kann (oder noch besser: vorgelesen bekommt).
Ich erinnere mich nicht an viele Momente, in denen mir vorgelesen wurde (drum lernte ich wohl sehr früh, selbst zu lesen). Ab und zu aber, wenn ich krank war als Kind, passierte es. Meine Muter las aus Grimms Märchen vor und ich wollte immer wieder die gleiche Geschichte hören: „Der eiserne Heinrich“. Der Schluss hatte es mir angetan: „Heinrich, ich glaub, der Wagen bricht“. Doch es war der Wagen nicht, es waren die Ketten um das Herz des treuen Dieners, der nun froh war, seinen Herrn wieder zu haben. Keine Geschichte beschreibt in meinen Augen Liebe, Treue und Freundschaft schöner als dieses Märchen.
Weil es so viele wunderbare Märchen- und Geschichtwelten gibt, möchte ich mich hier ab und zu auch diesen widmen. Ich bin überzeugt, dass Kinderbücher für Kinder wichtig und wertvoll sind. Und ich bin überzeugt, dass sie es auch für uns Erwachsenen sind. Heute hier von mir vier Bücher zum Vor- oder selbst Lesen:
Anka Schwelgin: Ich habe einen Traum, sagte die kleine Waldmaus (Oetinger Verlag)
Eine kleine Maus will mit Eicheln neue Bäume pflanzen. Da solche grossen Projekte allein schwer sind, sucht sie Helfer. Gemeinsam geht vieles besser.
Erich Kästner: Die Schildbürger (Atrium Verlag)
Es gibt Dinge, die gibt es nicht, denkt man. Falsch gedacht! In Schilda ist vieles möglich, da entstehen Häuser ohne Fenster und Krebse kommen vor Gericht. Doch was auch passiert, die Schildbürger wissen sich zu helfen und machen nicht selten aus der Not eine Tugend.
Christian Morgenstern für Grosse und Kleine. Gedichte (dtv)
Ein Seufzer fährt Schlittschuh, Maulwürfe küssen sich, ein Huhn steht in der Bahnhofshalle. Dies und viel mehr bringt Christian Morgenstern in humorvollen Versen zu Papier, die Zeichnungen dazu von Reinhard Michl sind schlicht wundervoll.
Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte, neu erzählt von Bettina Obrecht (Penguin Randomhouse)
Der Weihnachtsklassiker neu erzählt. Die Geschichte eines Geizhalses, der sein Herz findet und sein Leben ändert. Immer wieder herzerwärmend.
Welches Buch wurde euch als Kind vorgelesen?

Was ich heute denke,
bin ich morgen.
Was ich heute tue,
prägt mein Sein.

Wenn jemand sagt,
wie falsch du bist,
dann frag dich stets,
wes‘ Massstab spricht.

Oft sind es nicht
die grossen Reden,
ein kleines Wort
kann Herzen heben.