Wie die Mücke zum Elefanten wurde: Handshake

In der Schweiz kocht es mal wieder: Zwei Pubertierende wollen der Lehrerin die Hand nicht geben. Sie kamen damit durch. Die Pubertierenden waren Muslime, argumentiert wurde religiös.

Die Stimmen werden laut:

Unsere Kultur verlangt das Händeschütteln zur Begrüssung. Das geht gar nicht, dass das verweigert wird.

oder:

 Der Koran verbietet das gar nicht, das ist überzogen. Wie kann man nur, was geht da ab?

Ich musste als Kind nie einer Lehrerin die Hand geben. Einem Lehrer übrigens auch nicht (zum Glück, ich gebe nicht jedem gerne die Hand…man weiss nie, was der mit seiner vorher tat 😉 ). Ich weiss nicht, wann das eingeführt wurde und was der Zweck dafür sein soll. Wohl Beziehungsbindung, die man dann mit Einträgen für jedes noch so kleine Vergehen wieder kaputt macht (kannten wir in dem Stil auch nicht).

Was mich in der ganzen Sache etwas nervt ist folgendes: Da wird zwei Teenagern, die grad mit ihren Hirnzellen kämpfen wegen pubertär verursachten Umstrukturierungen ihres Hirns, eine Plattform geboten, die schlicht lächerlich ist. Das Ganze wird dann instrumentalisiert, um generell gegen Ausländer, Muslime im Speziellen, zu stänkern.

Wer nun findet, man müsse früh eingreifen, denn das gehe auf Kosten der Frau, welcher zu wenig Respekt gezollt wird, den möchte ich nur das fragen:

 Fördert ein erzwungener Handschlag den Respekt wirklich?

Andere Kulturen mögen andere Frauenbilder haben. Die gefallen mir nicht, die scheint man (nach aussen – es gibt sie ja auch bei uns, man beachte nur unsere Werbung und mehr….) hier abzulehnen. Diese Frauenbilder werden nicht ändern, weil man Pubertierende massregelt – oder eben durchmarschieren lässt. Die Frauen hierzulande haben es in der Hand, welchen Mann sie wählen, die Männer, welcher Frau sie gefallen wollen. Schlussendlich fängt Respekt im Hirn an, nicht bei der Hand, die eine andere berührt – Wirklicher Respekt kann nie erzwungen werden.

Handschlag muss sein

Kürzlich kursierte die Geschichte eines Mannes, der einer Frau den Handschlag verweigerte, in den Medien. Der Aufschrei war gross, man nutzte die Geschichte, um gegen Glaubensrichtungen zu schimpfen und berief sich auf Sitte und Anstand. Nur so grundsätzlich:

Nicht jeder Mensch mag Berührungen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nun haben wir in unseren Breitengraden die Konvention, dass ein Handschlag eine adäquate Begrüssung ist, die man dem Anstand schuldet. Es gab eine Bewegung, da mussten es drei Küsschen sein. Damit noch schlimmer für Berührungsablehnende.

Nehmen wir an, wir treffen einen Menschen, der uns freundlich anlächelt und uns grüsst. Ohne Handschlag. War er unfreundlich? Unhöflich? Wäre ein grummlig blickender Mensch ohne Worte aber mit Handschlag besser? Nehmen wir noch den Gruss dazu, lassen den grimmigen Blick, würde er die Konvention erfüllen. Besser? Wieso legen wir so viel Wert auf Äusserlichkeiten, die innere Haltung dabei ist aber weniger wichtig, wenn die Form eingehalten wird? Wäre es andersrum nicht sinnvoller?

Wer nun Gründe für den ausbleibenden Handschlag fordert, einige per se ausschliesst, andere anerkennt: Wohin nimmt er das Recht zu richten? Eine Krankheit ist gut, Glaube nicht?