Essen – die neue Religion

Was mich ab und an nervt im Leben – vor allem in den sozialen Medien? Man muss sich entscheiden. Esse ich Fleisch, sind die Veganer empört, überfluten mich mit Bildern von gequälten Tieren und fühlen sich ethisch moralisch korrekt. Esse ich keines, spotten die Fleischesser und finden sich witzig.

Ich kann also essen, was ich will, ich trete damit immer wem auf die Füsse… und werde aufgrund dessen ver-/beurteilt. Ich bin Unmensch oder Esoteriker, grausam oder lebensfremd.

Da die Religionen um Gott so langsam nicht mehr in sind – man führt da die verbohrten Sichten und das Verurteilen Andersgläubiger ins Feld, musste man eine neue Religion schaffen. Man fand sie in der Ernährung.

Achte also gut darauf, was du isst, es könnte dich Freundschaften kosten….

Erkenntnisse

Merke:

  • wenn dich die Menschen fragen, wie es dir geht und noch vor deiner Antwort meinen, sie wüssten es genau,
  • wenn andere fragen, was du brauchst, und dir dann sagen, was es sein soll,
  • wenn andere Menschen dir Kraft wünschen, und sie dann für sich beanspruchen,

ist die Zeit grad übel und der Umgang der falsche…

Zweites lernt man meist in ersteren.

Schöne neue Online-Welt

In einer Welt,
die durch Klicks nur regiert,
zählt nicht mehr der Mensch,
zählt nur noch sein Schein.

Zurück bleiben Wesen,
nach Norm geformt,
die sich


likeswirksam

in Szene nur setzen
und propagier’n,
dass dies sei das Leben.

Zurück bleiben die,
welche ihr ganzes Sein
daran dann messen und
sich degradiern.

Steh hin!

Ich wurde kürzlich gefragt, wieso ich mich enerviere, wenn ich von Farid Bang lese. Ich wurde gefragt, wieso ich mich so einsetze, schreibe, mich aufrege, zum Hinschauen anrege. Es hat Gründe:

Ich habe viele Jahre damit zugebracht, Unrecht philosophisch und historisch zu erforschen. Und ich bin auf viel gestossen, von dem ich sagen möchte: Das darf nicht sein, das soll nicht sein, das dürfte nie mehr möglich sein. Wenn ich nun sehe, dass Texte, die genau solches Unrecht verherrlichen, ausgezeichnet werden, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dann kann ich nicht schweigen. Dann muss ich was sagen. Und das werde ich tun. Auf allen mir möglichen Wegen. Ich werde nicht schweigen, wenn Rechte mit Füssen getreten werden. Ich werde nicht schweigen, wenn Gewalt verherrlicht wird. Das muss man nicht verstehen. Das ist mein Weg. Und den gehe ich.

Wer schweigt, macht mit. Er denkt zwar, er sei aussen vor, aber dem ist nicht so. All die Schweiger sind die Masse, die trägt. Ich sage nicht, dass jeder in die Opposition gehen muss. Ich sage auch nicht, dass damals alle das hätten tun müssen. Die eigene Sicherheit ist immer wichtig. Denn: Wenn man nicht mehr ist, kann man nicht mehr hinstehen. Und es braucht Menschen, die hinstehen. Einige können es offensiver, andere verdeckt. Aber ignorieren und nur schweigen? Das geht nicht.

Wie seht ihr das? Und ach ja… Auslöser war dieses nette Video von Farid Bang:

„Frauen sind auch Lebewesen. Frauen sind auch Menschen. Und: Sie essen und trinken auch… genau… Wir müssen akzeptieren, dass wir mit denen zusammenleben…“

Sagt alles, oder? Mehr zu ihm und zu dieser ach so ehrvollen Echoverleihung HIER und HIER

Er hätte Talent. Schade, lenkt er es nicht in eine gute Richtung. Das finde ich wirklich schade. Aber das… ne, da schweige ich nicht. Witzig dazu:

„Freiheit“ hat ihre Grenzen…

Ich finde Rap grundsätzlich gut (Sprachgefühl, Lyrik, Rhythmus, Prägnanz). Ich finde künstlerische Freiheit wichtig. Und richtig. Aber darum geht es hier nicht. Wir haben hier zwei Individuen, die darüber Sprechgesang abliefern, oft mit Bildern markig untermalt, dass Frauen unterworfen werden sollen. Sie labern davon, von welchen Seiten man gegen jeglichen Willen vorgehen sollte, sie drohen, spotten, verhöhnen. Und wie sie es mit den Frauen tun, so verfahren sie auch mit anderem. Antisemitismus, Terrorismus, Hass gegen Minderheiten – alles da, alles wird glorifiziert.

Das also will man nun ehren? Es ist nicht schlimmer, dass es in Deutschland passiert, es wäre in jedem Land eine Schande. Ich finde, wir sollten dringend mal davon weg kommen, dass D eh nicht dürfe – KEINER darf. Keiner sollte dürfen können. Es hinnehmen ist schon schlimm genug, es noch auszeichnen? Ich hoffe, das wird nicht passieren. Das hat nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun. Das ist schlicht KEINE OPTION und eine SCHANDE!

Hier mal ein „nettes“ Beispiel:

Artikel zur Verleihung des Echo HIER
Und wenn wir schon dabei sind: Die beiden sollen im Mai in Schaffhausen auftreten. Man fühlt sich „geehrt“, dass man sie dazu bewegen konnte…
Wir finden also toll, dass solches Gedankengut hochgehoben wird:
«Dein Chick ist ne Broke-Ass-Bitch, denn ich f**k sie, bis ihr Steissbein bricht»
Man könnte nun einwenden, wenn es schon keine Kunst sei, so doch Meinungsäusserungsfreiheit. Nur: Das hier Beschriebene stellt einen Straftatbestand dar, wenn denn die „Broke-Ass-Bitch“ nicht sagte, er solle doch bitte machen, bis alles bricht. Ich möchte das hier nun nicht mehr weiter ausführen, ich hoffe noch immer, dass genügend gesunder Menschenverstand durch die Welt fliegt, solchen Exemplaren nicht noch mehr Bühne zu geben.

Was tun wir mit unseren Mördern, Gesellschaft?

Man stelle sich vor:

Einer geht dahin, bringt eine Familie grausam um und plant schon die nächsten Taten. Man kommt ihm (zu früh) auf die Schliche, er kann die Folgetaten nicht vollbringen, legt sie aber dar. Unser Rechtssystem besagt, dass man den Menschen nicht lebenslang verwahren kann, da er so jung ist – er könnte geläutert werden. Sprich: Aus Saulus könnte Paulus werden.

Nun glaube ich natürlich an solche Wandlungen, sonst wäre mein eigener (Yoga-, aber auch wissenschaftlicher in Sachen Neurobiologie)Weg eine Farce. Nur: Sie sind von 0 auf 100 relativ selten. Und: Würden sie gelingen, wäre dem Erleuchteten egal, wo er sitzt.

Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Rolle spielen. Und das tun wir aufgrund von Regeln, nur so funktioniert ein Zusammenleben in dieser Welt. Wer dagegen verstösst, soll Konsequenzen spüren. Unser Rechtssystem verfolgt da interpretatorisch verschiedene Wege: Rache, Schutz der Allgemeinheit und Sühne sind Werte, die man subsummieren kann. (Sie lassen sich alle wissenschaftlich abstützen, ich verzichte hier der Lesbarkeit und des Umfangs wegen auf Ausführung).

Rache ist buddhistisch und yogisch kein Weg – er vergiftet den, der sie hegt. Schutz ist wichtig. Wenn man in Staaten lebt, soll sich jeder, der sich in diesem Staat befindet, den Werten desselben verpflichtet fühlen, im Gegenzug darauf bauen können. Wenn also einer seine Freiheit aufgibt, um in einem Staat leben zu können, muss er sicher sein können, dass der Staat dafür sorgt, dass Gefahren aus dem Weg geräumt werden (nicht letal, nur unmittelbar spürbar). Sühne ist für mich das Zauberwort. Da wirkt Ursache-Wirkung mit. Was ich tue, hat Folgen. Und wenn ich mein Tun nicht kontrollieren kann, dann soll es Wirkungen haben, die das unkontrollierte Tun unter Kontrolle bringen.

Ich las Empörung, dass ein solcher Mensch studieren wolle. Wieso? Er ist ein Mensch. Er will lernen, will wachsen. Das ist toll. Das steht ihm als Mensch zu. Er soll seine Würde behalten dürfen. Aber soll nie mehr andere Menschen in ihrem Wachsen hindern dürfen. Das ist eine reine Folge auf sein Tun. Keine Rache. Jeder schafft sich seinen Spielraum, in dem er agieren kann. Ursache – Wirkung. Man weiss es vorher. Und ja, das behaupte ich: Man weiss es. Wenn man behauptet, es nicht gewusst zu haben, ist eine lebenslange Verwahrung eh angebracht. Wenn man es wusste, aber doch einfachen Neigungen nachgab, dann muss man die Folgen tragen.

Das gilt ja für jeden. Beim Einen ist es das Vanilleeis, er sucht die Kleider in der Zeltabteilung, beim Anderen ist es der Drang nach Mord, er soll sein Auskommen in der Zelle finden. Ich bin hart? Der Vergleich hinkt? Ich denke nicht, zumal es nur eine Metapher war:

Der Weg des geringsten Widerstands ist immer verlockend. Wer ihm nicht widerstehen kann, der soll nicht über die Folgen jammern. Er hat sie sich selber beschert. Wenn sie ihm gefallen: Super, weiter so. Wenn nicht: Ändere was. Und genau da zeigt sich dann halt die Schwere… nicht alles ist einfach mal so wieder gut zu machen. Man kann aber immer das Beste draus machen. Für sich. Das würde jeder wirklich Geläuterte tun. Dazu muss man ihn nicht schon prophylaktisch freisprechen für irgendwann.

 

Glück oder Untergang? Das Unterhemd

Sie: „Sag mal, kannst du dich nicht mal ordentlich kleiden? Ich mein, das Unterhemd geht ja gar nicht.“

Er: „Ach komm, das ist so knallvergnügt. Das Leben ist schon trist genug. Und schau mal raus, das Wetter ist grau in grau, drückt aufs Gemüt, zieht runter, raubt Kraft und Energie, und das könnte schon fast ein neuer Hip-Hop-Hit sein, ich müsste es noch aufschreiben, und den Beat drunter legen, dann wäre es mitreissend, und Stimmung hebend, im Gegensatz zum Grau draussen, und wer nun noch nicht im Takt mitliest, hat schlicht kein Musikg’hör.“

Sie: „Sprich, du willst auf dieses ach so schreckliche Teil nicht verzichten, und fügst als Argument diesen Sermon an, der weder Rhythmus noch Reim hat?“

Er: „Ja!“

Wir wissen nicht, wie er endete…..

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Für die abc.etüden, Woche 04.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 06.18 kommt von Anna-Lena von visitenkartemyblog.wordpress.com

Sie lautet: Unterhemd, knallvergnügt, verzichten.

Der Ursprungspost: HIER

 

Zensur an der Kunst

Ein Gedicht wird von einer Hauswand gewischt (HIER) , Bilder in Museen werden abgehängt. (HIER ein Beispiel). Alles aus Gründen des Sexismus’.

Wir sind also so weit, Zensur an der Kunst zu üben, um eine Gesinnung zu schützen. Und ja, ich meine es, wie ich es schreibe. Heute scheint alles Sexismus zu sein, das in irgendeiner Form Frauen in Rollen zeigt, die man in den Kreisen, die ständig „Hier“ schreien, nicht haben will und zu Un-Rollen erklärt hat.

Ich bezweifle, dass solche Aktionen dem Anliegen von Frauen, gleiche Chancen und gleiche Behandlung zu erfahren, dient. Im Gegenteil. Ich denke erstens, dass man aufgrund solchen Irrsinns wirklich angebrachte Forderungen nicht mehr ernst nimmt. Ich denke zweitens, dass man dadurch so viel Energie von wichtigen Fragen abzieht, dass für diese – und damit eine Veränderung da, wo es Not täte – zu wenig bleibt.

Zensur an der Kunst hatten wir vor einigen Jahrzehnten. Und nein, ich will das hier nicht mit einem Holocaust vergleichen. Die Tragweite ist weit davon entfernt und die Grausamkeit von damals steht in keinem Vergleich. Aber: Die Mittel. Um etwas zu erreichen, eine eigene Sicht zu zementieren, geht man dahin und streicht, was nicht ins eigene Weltbild passt. Das allein lässt aufhorchen.

Es ist kunstfeindlich (und ohne Kunst und Kreativität wäre das Leben gar trist – wenn überhaupt noch lebbar auf Dauer), es ist undemokratisch, es ist unmenschlich (da ohne Kunst….man lese oben….). Die Kunst ist es doch erst, die uns immer wieder erinnert. Sie ist es, welche uns Dinge vor Augen führt. Sie ist es, die Freude bringt, Leben ins Leben bringt. Sie ist es, die ungehindert hinschauen können muss, da sie sonst keine Kunst, sondern Dekoration ist. Beschneiden wir sie, schneiden wir uns vom Leben ab.

Und drum nochmals hier. Nur für euch. Lesbar, auch wenn man es von Wänden wischt:

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador

(Eugen Gomringer, Alice Salomon Poetik Preis 2011)

Es soll immerhin ein neues Zuhause kriegen: HIER

Freitagsfragen – Ich hab Antworten

 

Ich stiess über Mia HIER  auf diese Fragen. Ich machte ja schon mal solche Bloggeraktionen mit, vom Freitagsfüller über Montagsirgendwas hin zu was weiss ich (man findet es alles im Blog, ich habe schlicht ein Sieb von Gedächtnis, das alles ad acta legt, was erledigt ist – so bleibt Platz für Neues und das kommt ja täglich dazu). Die Aktion stammt von der Brüllmaus, der Ursprungslink zu diesen Fragen ist HIER.

1.) Kommst Du gut mit Schlafmangel zurecht? Wie kämpfst Du gegen die Müdigkeit an?

Ich kannte früher Schlafmangel kaum. Er kam mit den Problemen, die das Leben in mein Dasein warf. Nacht für Nacht wachte ich um 2 oder 3 auf und konnte nicht mehr einschlafen. Sprich: 3-4 Stunden Schlaf pro Nacht, danach stand ich auf. Irgendwann ging ich wirklich auf dem Zahnfleisch. Seit ich wieder zurück auf der Yogamatte bin (ich musste pausieren), schlafe ich besser. Wenn ich mal nicht kann, wende ich etwas an, das Thich Nhat Han in einem Buch erwähnte: Liegen bleiben, bewusst atmen, mit dem Bewusstsein dem Atem folgen. Es hilft oft, wieder einzuschlafen, wenn ich doch mal mit Schlaflosigkeit kämpfe. Und ansonsten stehe ich auf und geh auf meine Yogamatte. Ich praktiziere erst eine fordernde, dann eine meditative Praxis. Und ja, danach fühle ich mich gestärkt für den Tag. Trotz Schlafmangel. Ab und an kommt am Nachmittag ein Zwischentief. Wenn ich kann, mache ich ein paar Yin-Yoga-Übungen oder Atemübungen. Zweites passt ja eigentlich immer rein.

2.) Es gibt Wiedergeburt und weil Du der 300 Milliardendste Gestorbene bist, darfst Du Dir aussuchen, als was Du wiedergeboren wirst. Was wird es sein?

Mein eigener Hund.

3.) Sammelst und benutzt Du Gutscheine, Rabattcoupons und dergleichen?

Ich behielt sie (sammeln wäre zu viel gesagt) lange, nutzte sie nie. Nun werfe ich sie weg. Ich hab sie eh nie dabei, wenn ich einkaufe.

4.) Die Wahl der Qual: ständig an Papier schneiden oder ständig etwas ins Auge bekommen?

Das klingt ein wenig nach „Das Leben ist scheisse, hättest du lieber Kuh- oder Pferdemist?“. Finde ich schade. Ja, das Leben ist nicht immer einfach. Eigentlich selten. Im Buddhismus heisst es, das Leben ist Leiden. Und das ist (zumindest bei mir) sehr oft so. Aber: Es gibt auch in den dunkelsten Stunden gute Seiten. Man muss sie auch sehen wollen. Und: Ganz viel Leid erschaffen wir uns selber. Wenn man das mal erkennt, kann man schon ganz viel mehr Licht ins Dunkel bringen. Das heisst dann nicht, dass man sich nicht mehr am Papier schneidet oder was ins Auge kriegt, aber man sieht auch, was man aufs Papier zeichnen kann und was mit den Augen sehen.

 

Ich wollte zuerst eine 1 bei Titel schreiben. Ich weiss aber nicht, ob ich das nochmals mache. Dieses Mal sprangen mich die Fragen an, drum machte ich mit.