David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick (Rezension)

Vom Pizzabäcker zum Starautor

Eine Besonderheit des Konzepts dieser Bibliothek liegt zudem darin, dass die Autoren ihren Platz in den Regalen frei wählen dürfen. Bevor man das eigene Anti-Vermächtnis einreiht, kann man noch ein wenig in den Werken der ebenfalls verstossenen Kollegen blättern.

Ein bretonischer Pizzabäcker schreibt heimlich einen Roman, den niemand will. So endet das Buch in der Bibliothek für von Verlagen abgelehnte Manuskripte und wäre da wohl auch für alle Tage liegen geblieben, hätte es nicht zufällig eine junge Lektorin gefunden. Das Buch wird ein Renner und mischt Frankreich, die Verlagsszene, Autoren und die Medien auf. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Kann es wirklich sein, dass ein Mann, der – so seine Witwe – Zeit seines Lebens kein Buch gelesen hat und höchstens mal eine Einkaufsliste schrieb, plötzlich einen so grandiosen Roman geschrieben hat? Wann und wie hat er das getan?

Der Erfolg ruft – das liegt in der Natur des Menschen – Neider hervor, welche dem geheimnisvollen Romanschreiber und dessen Geheimnis auf die Spur kommen wollen.

FoenkinosPickDavid Foenkinos hat die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte nicht erfunden, die gibt es wirklich: Die Richard Brautigan Library an der Westküste der USA. Ausgehend von dieser, wie er fand, schönen Idee schrieb er den vorliegenden Roman um Monsieur Pick. Entstanden ist ein satirischer und unterhaltsamer Roman, welcher den Buchmarkt kritisch unter die Lupe nimmt: Das Leiden an der Welt von erfolglosen Schriftstellern ist ebenso Thema wie blutrünstige Kritiker und die Mechanismen von nach Erfolg gierenden Verlagen.

Das Buch ist locker und leicht zu lesen, die Geschichte stimmig, wenn auch ab und an etwas zu sehr mit plakativen Allgemeinplätzen und Klischees behaftet. Auch fehlt mir hier ein wenig das Einfühlsame, das Tiefe, das Foenkinos beispielsweise bei seinem Buch Charlotte so meisterhaft beherrschte. Sehr gelungen ist die Wende am Schluss, welche der ganzen Geschichte nochmals neuen Auftrieb gibt. Alles in allem eine wunderbare Geschichte, die neben dem Unterhaltungswert auch immer wieder zum Nachdenken anregt.

Fazit:
Eine unterhaltsame, witzige, teilweise satirische Geschichte. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
David Foenkinos
David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der von Foenkinos selbst (zusammen mit seinem Bruder Stéphane) mit Audrey Tautou und François Damiens in den Hauptrollen verfilmt wurde. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Sein neuer Roman, „Charlotte“, wurde 2014 mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet und hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft.

Christian Kolb (Übersetzung)
Christian Kolb wurde 1970 geboren und studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Neben den Romanen von David Foenkinos übersetzte er u. a. auch Nicolas Fargues „Die Rolle meines Lebens“. Er lebt in Berlin.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (13. März 2017)
Übersetzung: Christian Kolb
ISBN-Nr.: 978- 3421047601
Preis: EUR 19.99 / CHF 28.90
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Johannes Bobrowski: Gesammelte Gedichte (Rezension)

Poesie als sinnliche Rede

Zum Inhalt

Letzter Winter
Des Tages ist die Sonne und
nachts der Mond
über den Bergen.
Doch das Herz ist ertrunken
lang in den blauen Schatten
des Tals.

Am 9. April 2017 wäre Johannes Bobrowski 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat die DVA seine Gedichte neu in einem Band verlegt. Der Band besteht aus drei Teilen:

  • Die Gedichte: Sämtliche Gedichte, die Bobrowski selber herausgegeben oder für den Druck bestimmt hat
  • Gedichte aus dem Nachlass
  • Anhang

BobrowskiGesammelteGedichteDie Gedichte umfassen den Gedichtband Sarmatische Zeit (1961), Schattenlandströme (1962), und Wetterzeichen (leider nicht mehr zu Lebzeiten publiziert, aber für die Publikation vorbereitet). Diese drei Gedichtbände stellen Bobrowskis Hauptwerk dar. Daneben existieren vereinzelte Gedichte, die an unterschiedlichen Orten publiziert, aber zu keiner Sammlung vereinigt worden waren.

Teil 2 des vorliegenden Bandes umfasst die Gedichte aus dem Nachlass. Darin enthalten sind Gedichte aus den Jahren 1935 – 1965. An ihnen lässt sich auch gut die Entwicklung Bobrowskis als Lyriker ablesen.

Den Abschluss macht ein umfangreicher Anhang, der einerseits ein Nachwort von Helmut Böttinger (Literaturkritiker) enthält, des Weiteren editorische Nachbemerkungen, Bobrowskis Lebensdaten sowie ein alphabetisches Gesamtverzeichnis.

Bobrowskis Lyrik
Bobrowski bezeichnete Poesie einst als „vollkommen sinnliche Rede“. Dichtung solle dabei nicht anheimeln, sie solle die Zeit zeigen, wie sie ist, nicht verschönernd, sondern mit all ihren Dissonanzen, Unruhen und Spannungen. Er selber verwirklichte das oft mit Stilmitteln wie der Inversion und des Enjambements. Beide durchbrechen den normalen Fluss der Sprache, setzen Akzente und bauen Spannungen auf. Beide können sie Dissonanzen verstärken und Disharmonie herstellen – das, was Bobrowski auch in der Welt sah und ausdrücken wollte.

Die Enjambements tragen also den Inhalt in die Form und verstärken ihn so. Indem das Enjambement die Versgrenze überschreitet, widerspricht es dem eigentlichen Sprachgefühl und hat so eine akzentuierende Funktion im Gedicht. Dasselbe gilt für die Inversion, bei welcher das Subjekt an den Schluss gestellt wird, Prädikat und Adjektiv ihre angestammten Plätze in der Syntax verlassen, so dass sich eine Spannung hin zum Subjekt aufbaut.

Trotz dieser Stilmittel sind Bobrowskis Gedichte oft in alten Gedichtformen verhaftet. Er legte grossen Wert auf Versmass und Metrum, es findet sich auch die klassische Ode in seinen Werken und Gedichte, die sich ganz offensichtlich an den alten Meistern orientieren. Trotzdem bewegt er sich inhaltlich in der Gegenwart.

Thema seiner Lyrik sind oft die Landschaften und Siedlungen Osteuropas, sind die Zeit und ihre Wunden durch den Krieg. Bobrowski war wies auf die Geschichichte und war dabei immer auch politisch. Er spielte eine einzigartige Rolle als Vermittler zwischen Ost und West, indem er auf eine Weise schrieb, die für den Osten eigentlich fast nicht denkbar schien.

In den Gedichten aus dem Nachlass finden sich aber auch leisere Töne. Gedichte über Blumen, die seine Sinnesschärfe und Beobachtungsgabe zeigen, die trotz leiser Töne auch ab und an kritische Zwischentöne mitklingen lassen, ohne dabei das schöne Bild zu stören.

Fazit:
Ein wunderbares Buch eines grossartigen Lyrikers. Laute und leise Töne, alte Formen und neue Inhalte, Poesie, die durchdringt, in der Form und Inhalt Hand in Hand gehen. Sehr empfehlenswert.

Autor
Johannes Bobrowski wurde am 9. April 1917 in Tilsit geboren. Ab 1949, nach der Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, lebte er in Ostberlin, wo er als Lektor arbeitete. 1961 publizierte er seinen ersten Lyrikband „Sarmatische Zeit“, der wie auch seine folgenden Bücher parallel in Ost- und Westdeutschland erschien. 1962 wurde ihm der Preis der Gruppe 47 verliehen, 1965 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis für den Roman „Levins Mühle“. 1965 starb der Dichter in Ostberlin. Seine Texte sind in über 35 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 752 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (13. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3421047625
Preis: EUR 34.99/ CHF 48.90
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Safiye Can: Kinder der verlorenen Gesellschaft (Rezension)

Die Verortung des Ich

Vielleicht ist Heimat eine Zeile Kurt Cobain
ein Vers Attilâ Ilhan
eine tausendjährige Sehnsucht, ergraut das Haar
[…]

CanKinderSafiye Can stellt Fragen. Sie fragt nach Heimat, nach Zugehörigkeit, Sie thematisiert das Fremdsein in der Welt mit einem klaren, unverstellten Blick. Can wurde als Tochter tscherkessischer Eltern in Offenbach am Main geboren. Es sind wohl autobiografische Fragen, aber es sind auch Fragen, die sich jeder stellt, der in dieser Welt lebt: Die Fragen nach dem eigenen Sein in dieser Gesellschaft, die ab und an nicht unsere zu sein scheint, auch wenn wir mitten drin sind.

Im vorliegenden Band kommen ganz unterschiedliche Gedichtformen der Lyrikerin zusammen: Langgedichte, kurze Alltagslyrik, visuelle und konkrete Poesie. Auch Liebesgedichte findet man:

Irgendwann
werden wir uns begegnen
und anblicken
wie zwei Kinder
die sich gegenüber stehen
wie einem Wunder.

Es sind Gedichte, die ohne Kitsch und abgedroschene Bilder auskommen, die von der Sprache leben, von dem, was ist und sein kann in leisen Tönen. Überhaupt besticht Safiye Cans Lyrik durch eine klare, schnörkellose Sprache. Es sind Worte, die offenlegen, eingängig sind, sich festsetzen, nachwirken.

Fazit:
Ein tiefgründiges, vielseitiges, hinterfragendes und nachhallendes Buch. Sehr empfehlenswert.

Autorin 
Safiye Can studierte Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main. Sie schreibt Lyrik und Prosa, übersetzt aus dem Türkischen und gibt Lyrikworkshops an Schulen. Safiye Can wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (2016) und dem Alfred Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur (2016). Sie lebt in Offenbach.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Wallstein (27. Februar 2017)
ISBN-Nr: 978-3835330481
Preis: EUR 18/ CHF 26.90
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Theodor Fontane: Jenseits des Tweed (Rezension)

Bilder und Briefe aus Schottland (Grosse Brandenburger Ausgabe)

Mit Fontane durch Schottland reisen

Eine Reise an der Seite eines Freundes ist eine Freundschaftsprobe, wie die Ehe eine Liebesprobe ist. Wir haben sie bestanden.

Im Sommer 1858 zieht Theodor Fontane mit seinem Freund Bernhard von Lepel los, um sich einen Wunsch zu erfüllen: Zwei Wochen wollen die beiden durch Schottland reisen.

„Nach Schottland also!“ Die Koffer waren gepackt, die Billets gelöst, und als der Spätzug sich endlich in Bewegung setzte und majestätisch aus der Halle des Kings-Cross-Bahnhofs hinausglitt, überlief es mich ähnlich wie vierzehn Jahre früher, wo es zum ersten Male für ich hiess: „Nach England!“

FontaneTweedVon Anfang an plante Fontane, die Reise mit Zeitungsartikeln und einem Buch zu dokumentieren, um einerseits seine Leser teilhaben zu lassen, wichtiger aber, um die Reise zu finanzieren. Entstanden ist eine wunderbare, unterhaltsame, sehr persönliche Reisebeschreibung – für Fontane-Liebhaber ein Muss. Der Schriftsteller berichtet über schottische Sagen ebenso wie über touristische Attraktionen und die beeindruckende Natur. Als Leser fühlt man sich teilweise wie der Dritte im Bunde mit den beiden Freunden und erlebt so die Reise im Geiste mit.

Die Grosse Brandenburger Ausgabe ist in Zusammenarbeit mit der Theodor-Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen entstanden, dieses ist der zweite Band des reiseliterarischen Werks Fontanes. Ziel ist es, das Werk des grossen Realisten vollständig zu publizieren und umfassend zu kommentieren. So wird denn der eigentliche Text auch durch einen sehr ausführlichen Anhang ergänzt, welcher von der Entstehungsgeschichte über die Rezeption, Stellenkommentare sowie editorische Informationen dieser Ausgabe alles enthält. Das Register nach Personen und Werken sowie geographischen Angaben hilft, gezielt im Text zu suchen.

Fazit:
Ein ausführlich und kompetent kommentierter Reisebericht eines wunderbaren Autoren. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Theodor Fontane
Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 im märkischen Neuruppin geboren. Er erlernte den Apothekerberuf, den er 1849 aufgab, um sich als Journalist und freier Schriftsteller zu etablieren. Ein Jahr später heiratete er Emilie Rouanet-Kummer. Nach seiner Rückkehr von einem mehrjährigen England-Aufenthalt galt sein Hauptinteresse den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Neben der umfangreichen Tätigkeit als Kriegsberichterstatter, Reiseschriftsteller und Theaterkritiker schuf er seine berühmt gewordenen Romane und Erzählungen sowie die beiden Erinnerungsbücher „Meine Kinderjahre“ und „Von Zwanzig bis Dreißig“. Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Zum Herausgeber
Maren Ermisch
Die Bandherausgeberin Maren Ermisch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universät Göttingen. Sie wurde 2014 mit einer Arbeit über Theodor Fontane und den deutschen Schottland-Reisebericht des 19. Jahrhunderts promoviert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag (19. Januar 2017)
Herausgeber: Maren Ermisch
ISBN: 978-3-351-03137-4
Preis: EUR 44 / CHF 58
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Anita Terpstra: Anders (Rezension)

Spurlos verschwunden – die Hoffnung bleibt

Inhalt

Verzweifelt liess Alma das Licht der Taschenlampe über die Bäume gleiten. Der Klumpen in ihrem Magen wuchs mit jeder Minute. Würde sie Sander hinter diesem Baum finden? Oder hinter dem nächsten? Seit Stunden spielte sie bereits dieses Spiel.

TerpstraAndersZwei Jungen verschwinden in einem Ferienlager bei einer Nachtwanderung. Der eine wird bald darauf tot aufgefunden, vom andern, von Sander, fehlt jede Spur. Das Leben der bislang glücklichen Familie Meester ist aus den Fugen. Trotzdem die Jahre ins Land ziehen, verschwindet die Hoffnung, Sander zu finden, nicht ganz – und dann meldet sich plötzlich nach sechs Jahren ein junger Mann auf einer Polizeistation und sagt, er sei Sander.

Nach anfänglichem Glück kommen mehr und mehr Zweifel auf: Ist es wirklich Sander? Zu viele Reaktionen erscheinen vor allem der Mutter komisch.

Beurteilung
Eine gute Geschichte mit authentischen Figuren, feinen, leisen Tönen und einem geschickten Umgang mit wichtigen Themen wie Kindsmissbrauch, Konstellationen in Familien, Umgang mit einem Unglück. Gerade die Themen und auch die Art, wie Anita Terpstra diese behandelt, machen aus dem Buch mehr als nur einen spannenden Thriller. Es regt zum nachdenken an, es bleibt etwas hängen.

Schade war, dass (mir?) von Anfang an klar war, wie alles zusammen hängt, so dass die Spannung des Whodunit weg war, es blieb allein die Frage nach der Aufklärung. Auch waren gewisse Passagen gar langatmig, so dass ich versucht war, diese zu überblättern. Zu guter Letzt merkte man dem Buch an, dass es eine Übersetzung ist, kein deutsches Original. Das ist nicht per se schlecht, führte einfach teilweise zum Gefühl, dass die Sprache nicht echt ist.

Das mag nun nach grosser Kritik klingen, gar danach, dass ich das Buch nicht empfehle. Dem ist nicht so. Wenn man Krimis mag, die ohne grosse Gewalt und blutrünstige Szenen auskommen, wenn man Geschichten schätzt, die Tiefe haben und nicht einfach plakativ den Zeigefinger auf die Wunden halten, wenn man gerne zum Nachdenken angeregt wird und nicht nur möglichst viel Spannung bei der Tätersuche will, ist man mit diesem Buch sicher gut bedient. Es ist eine gute Lektüre für einen entspannten Sonntagnachmittag, durch das teilweise Überfliegen gewisser Passagen kommt man auch gut voran.

Fazit:
Ein Thriller der leisen Töne, der zum Nachdenken anregt, bei dem die Spannung aber nicht an oberster Stelle steht. Empfehlenswert.

Zum Autor
Die niederländische Schriftstellerin Anita Terpstra, geboren 1975, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften. »Anders« ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. August 2016)
Übersetzung: Jörn Pinnow
ISBN-Nr 978-3734102578
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Liv Jansen: Oma wird erwachsen (Rezension)

Antistressprogramm an der Ostsee

Inhalt

Ich bin ja kerngesund, Klösschen, aber der Schörner hat gesagt, Edith, hat er gesagt, du musst mal kürzertreten und auch an dich denken. Du bist immer für alle da und zu wenig für dich.

JansenOmaIsabell, unglücklich im Job, und ihr Nachbar und Freund Kalle, nicht weniger unglücklich in der Liebe, sind gefordert: Isabells Oma braucht Hilfe. Die rüstige Rentnerin ist immer im Einsatz für alle, die Hilfe brauchen, rennt vom Kirchenchor zur Häkelgruppe und von da reihum zu allen Nachbarn – und nun ist sie ausgebrannt. Weil sie nicht in eine Klinik will, reisen die Isabell und Kalle aus der Grossstadt in Omas kleinen Ort an der Ostsee, um ihr unter die Arme zu greifen und entwickeln quasi nebenbei eine Antistress-Therapie. Eigentlich könnten nun alle glücklich sein, gäbe es nicht jemanden, der ihnen in die Suppe spucken möchte.

Beurteilung
Eine sommerlich leichte Lektüre für zwischendurch. Die Charaktere werden authentisch und plastisch beschrieben. Neben den Hauptfiguren finden sich auch viele Nebenfiguren, die alle ihre Eigenarten mitbringen. Die Sprache ist locker und umgangssprachlich. Der Roman findet hauptsächlich in der direkten Rede statt, es gibt wenig erzählende Stellen. Das muss einem vom Stil her liegen.

Wenn man einen leicht zu lesenden Roman für den Liegestuhl sucht, gerne auch mal lacht beim Lesen und kein Gesprächemuffel ist, hat man mit Oma wird erwachsen sicher ein paar Momente Lesespass. Viel mehr gibt es aber auch nicht zu sagen, denn mehr gibt das Buch schlicht nicht her.

Fazit:
Locker-flockige Sommerlektüre für ein paar entspannte Lesemomente. Empfehlenswert.

Die Autorin
Liv Jansen, geb. 1979, arbeitete als Redakteurin für verschiedene Fernsehformate, bis sie vor Kurzem das Schreiben für sich entdeckte. Weil ihr das so gut gefällt, hat sie sich gleich mal an ein Buch gesetzt. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter macht sie gern Urlaub in Österreich, weil es da so leckeren Kaiserschmarrn gibt. Und wenn sie zu Hause in Frankfurt ist, trifft man sie eigentlich immer im Pferdestall bei ihrem Schimmel Romeo. Zornröschen ist ihr erster Roman.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Mira Taschenbuch (6. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3956496578
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Dali: Die Diners mit Gala (Rezension)

Kulinarische und ästhetische Freuden

„Mit sechs Jahren wollte ich Köchin werden.“

Dies schrieb Salvador Dali einst, geworden ist er Maler, einer der Grössten und Bekanntesten. Gaumenfreuden war er aber durchaus nie abgeneigt, wovon die 12 Diners zeugen, die in diesem Buch vorgestellt werden. Salvador Dali hat es verwirklicht, es wurde 1973 zum ersten Mal in französicher Sprache veröffentlicht und enthält 12 Kapitel mit klingenden Namen wie:

Fürstliche Torheiten
Herbliche Kanibalismen
Sodomisierte Zwischengerichte
Weiche Uhren im Halbschlaf
„Ich esse Gala“

Eingeleitet werden Die Diners mit Gala mit „Dalis kleinen Anthologie der Gastronomie“, in welcher man erfährt, wie für Dali Essen beschaffen sein muss, dass es ihm schmeckt:

Wirklich gern ess ich nur das, was eine klare und für den verstand begreifbare Form besitzt. Und wenn ich dieses schreckliche, erniedrigende Gemüse verabscheue, das sich Spinat nennt, so deshalb, weil Spinat formlos ist wie die Freiheit.

In der Folge erwarten den Leser 136 Rezepte von den besten Adressen der damaligen Gastronomie (Lasserre, La Tour d’Argent, Maxim’s – um nur einige zu nennen), die allesamt gut beschrieben sind, so dass sie nachkochbar wären. Wir können damit also das Essen der Diners geniessen, welche Dali mit seiner Gattin und Muse Gala veranstaltete. Dass die Zutaten für heutige Begriffe etwas eigenwillig erscheinen, erstaunt nicht, wenn man bedenkt, wer sie uns hier vorstellt.

Die Rezepte werden begleitet von Fotografien der gedeckten Tafeln, Illustrationen aus der Hand Dalis wie auch zum Thema passenden Bildern des surrealistischen Malers. Die Illustrationen der 12 Kapitelanfänge sind aus dem Werk von Hieronymus Bosch entnommen.

Das Buch darf mit Fug und Recht als wahre Augenweide bezeichnet werden, wozu auch die hochwertige Aufmachung beiträgt. Wenn auch nicht alle Rezepte jedem Gaumen schmeicheln mögen, so ist doch das eine oder andere dabei, welches auszuprobieren in den Fingern juckt. Jedes Kapitel wird mit wenigen Zeilen eingeleitet, die nicht nur vom Witz des Autors zeugen, sondern auch sonst einiges über ihn verraten.

Fazit
Ein wunderbar anzuschauendes, ab und an zum Schmunzeln anregendes und durchaus auch zum Kochen animierendes Buch. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
dalidinersGebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Taschen Verlag (25. September 2016)
ISBN: 978-3836508759
Preis: EUR: 49.99 ; CHF 68
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Picasso: Über Kunst (Rezension)

„Malerei ist Poesie“ – Picasso über die Kunst

Das schmale Bändchen enthält Auszüge aus Picassos Gedanken zum Thema Kunst und auch zum Leben als Künstler. Es ist ein kurzer Zusammenschnitt verschiedener Aussagen, die Picasso im Rahmen von Gesprächen mit Freunden gemacht hat.

Den Einstieg in seine Gedanken macht das Zitat:

Ich sage nicht alles, aber ich male alles.

Dass er doch einiges gesagt hat, beweist unter anderem das vorliegende Bändchen. Es folgen nämlich Gedanken zur Malerei und ihrem Zweck in der Welt:

Malerei ist nicht erfunden worden, um Wohnungen auszuschmücken! Sie ist eine Waffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind.

zur Existenz des Künstlers:

Der Künstler ist wie ein Sammelbehälter von Empfindungen

zu Bildern und deren Einordnung:

In den Museen sieht man nur „misslungene Bilder“. Was wir jetzt als „Meisterwerke“ ansehen, sind die Werke, die sich am weitesten von jenen Regeln entfernten, die die Meister der betreffenden Epoche aufstellten.

aber auch Philosophien zum Leben an sich:

Die Persönlichkeit kommt nicht dadurch zustande, dass man eine sein will. Wer darauf versessen ist, originell zu sein, verliert nur seine Zeit und täuscht sich; wenn er überhaupt etwas erreicht, so ahmt er nur nach, was ihm selbst gefällt, und wenn er noch darüber hinausgeht, bringt er etwas zuwege, das ihm nicht einmal mehr ähnlich sieht.

und der Welt, die Picasso um sich wahrnahm:

…weil der Mensch aufgehört hat, einfach zu sein. Er wollte weiter sehen und verlor die Fähigkeit, das zu begreifen, was er vor Augen hatte.

Daniel Keel hat die Aussagen zusammengestellt und sie mit Verweis auf das jeweilige Buch, aus welchem sie entnommen wurden, thematisch gegliedert. Abgerundet wird das Ganze mit sieben Zeichnungen des Meisters.

Fazit
Eine Auswahl von Zitaten Picassos, die einen Einblick in das Denken und Wirken des eigenwilligen Malers gewähren und Lust auf mehr machen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
PicassoKunstTaschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (1988)
ISBN-Nr.: 978-3257216745
Preis: EUR 8.90 / CHF 13.90

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Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Anregung zu Achtsamkeit.

Kreativität als ein Leben in Freiheit

Kreativität wird erst zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören, darüber nachzudenken, welchen Sinn unsere Arbeit hat, welche Richtung wir einschlagen wollen und wie wir die Welt besser hinterlassen. Die gute Botschaft … besteht darin, dass wir jederzeit die Möglichkeit haben, die Richtung zu ändern.

Frank Berzbach richtet sich mit diesem Buch an Menschen, für die „Kreativität eine grundsätzliche Lebensform ist“. Im Zentrum steht dabei die Frage „Wie wollen wir leben?“. Der Autor hat mit diesem Buch nicht nur einen Ratgeber unter vielen geschrieben, der zeigen soll, wie das Leben besser wäre. Er hat basierend auf Philosophie, Psychologie und Zen Buddhismus Werte und Wege zusammengetragen, wie das Leben so lebbar wird, wie man sich das selber wünscht.

Sie sind zwar nicht immer ihres Glückes Schmied, aber noch weniger sind sie NUR Opfer der Umstände.

Berzbach geht der Frage nach, was Kreativität ausmacht, wo wir uns beim Leben derselben im Weg stehen und wie wir sie in unseren Alltag integrieren. Er zeigt auf, wie wir diesen Alltag kreativ leben können. Wir alle sind immer äusseren Umständen unterworfen, können selten einfach von jetzt auf gleich alles umkrempeln und nur noch das leben, was wir gerade als für unsere eigene Entwicklung nötig und wichtig erachten. Wichtig ist aber, das Leben mit Achtsamkeit zu beschreiten, die Dinge nicht nur zu tun, weil sie grad gefordert sind. Indem wir uns bewusst werden, was wir selber vom Leben erwarten, können wir dem Leben auch die Richtung geben, die wir uns wünschen, die uns entspricht – und müssen uns nicht nur treiben lassen und Zwängen ausgeliefert sehen.

Bei all dem steht eine Balance zwischen Verstand und Gefühl im Zentrum. Gerade ein kreatives Leben ist auf Gefühle angewiesen, nur die rationale Herangehensweise an die Welt führt zu wenig weit. Trotzdem ist es wichtig, den Verstand zu gebrauchen, denn alles andere wäre dumm:

Dummheit ist entweder fremdgesteuert und hält sich an alle Befehle oder sie ist permanent egoistisch und feiert die prinzipielle Verweigerung.

Wenn zum eigenen Denken dann noch die leidenschaftliche Hingabe an eine Tätigkeit kommt, gepaart mit Achtsamkeit für die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten sowie die unserer Umwelt, kommen wir einem kreativen Leben schon viel näher.

Die Formel für Kreativität ist einfach. Finde heraus, was dich belastet, und lese es ab, so, wie man einen übervoll bepackten Koffer abstellt, den man viel zu lange getragen hat. Wenn wir frei sind und uns nichts beunruhigen kann (…), dann wird die in uns befindliche Schöpfung, egal was sie im Einzelnen sein mag, herausfliessen, völlig natürlich und einfach.

Fazit:
Ein inspirierendes und motivierendes Buch, das tief abgestützt ein kreatives Leben und Wege, es zu leben, aufzeigt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Frank Berzbach
Frank Berzbach, geboren 1971, hat in Köln und Bonn Pädagogik, Psychologie und Literaturwissenschaft studiert und an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main promoviert. Nach einigen jahren in der Bildungsforschung war er Fahrradkurier für einen schönen Buchladen. Er unterrichtet Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign/Akademie für Gestaltung und an der Fachhochschule Köln.

Angaben zum Buch:
BerzbachBroschiert:192 Seiten
Verlag: Verlag Hermann Schmidt (10. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-3874398299
Preis: EUR 29.80 / CHF 45.90

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10 Bücher von Frauen zum Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag – wobei ich ja behaupte, jeder Tag ist für alle da. Nun will ich mal nicht so sein und nehme den Tag zum Anlass, 10 wundervolle Bücher von Schriftstellerinnen zu nennen. Ich achte ja grundsätzlich nicht darauf, welches Geschlecht der Autor hat, wenn ich mich für ein Buch entscheide, würde aber – so im Rückblick – behaupten, es waren wohl mehrheitlich Männer. Das lag wohl mehrheitlich daran, dass gerade früher Frauen gar nicht oder selten schrieben und ich über lange Strecken mehrheitlich Klassiker las.

Die Auswahl ist nicht aussagekräftig, sie bedient sich aus verschiedenen Sparten und Zeiten, es sind teilweise Klassiker, teilweise einfach Bücher, die mich berührt haben.

Legen wir los:

Hannah Arendt: Denken ohne Geländer
Das Buch vereint zentrale Texte aus Hannah Arendts Schaffen sowie Auszüge aus Briefen, die ihr Denken offenlegen – ein Denken, das wirklich ohne Geländer frei floss, das vor nichts Halt machte, sondern sich auch (und oft) unbequemen Dingen stellte.

Jane Austen: Stolz und Vorurteil
Töchter aus besserem Hause suchen standesgemässe Männer zwecks Heirat. Was so einfach klingt, stellt sich vor allem bei Elizabeth Bennet schwierig dar, ist sie doch – ihrer Zeit gar nicht gemäss – sehr kritisch, stolz und aufmüpfig unterwegs.

Ingeborg Bachmann: Gedichte
Gedichte, Bilder sprechen lassen, die von ihrer Sprachkraft leben. Bachmann will die Welt verändern mit ihren Gedichten, sie will etwas bewegen – und sie legt auch viel offen.

Diane Brasseur: Der Preis der Treue
Ein Mann schwankt zwischen zwei Frauen und muss sich zwischen dem Reiz des Neuen und der etwas abgeflachten Gewohnheit entscheiden. Am Schluss ist es eine Entscheidung aus Liebe.

Anne Frank: Das Tagebuch der Anne Frank
Das Zeugnis eines jüdischen Mädchens während des Zweiten Weltkriegs, geschrieben im Versteck vor den Nazis. Berührend, echt, tief.

Patricia Highsmith: Zwei Fremde im Zug
Das perfekte Verbrechen – zwei Fremde treffen sich im Zug und beschliessen, dem jeweils anderen zu helfen, einen Menschen loszuwerden.

Mascha Kaleko: Gedichte
Eine klare und schnörkellose Sprache, mal ironisch, mal melancholisch, immer tief(blickend).

Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes
Eine Liebesgeschichte der besonderen Art, die von der Liebe zwischen Menschen handelt, die gegen die gesellschaftlichen Zwänge kämpfen.

Susan Sontag: Tagebücher 1964 – 1980
Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke – so beschreibt Susan Sontag ihr Schreiben selber. Die Tagebücher sind das Zeugnis einer intelligenten, nachdenklichen, oft vom Leben enttäuschten Frau.

Virginia Woolf: Flush
Die Biographie eines Hundes und zwar nicht irgendeines Hundes, sondern des Hundes von Elizabeth Barrett Brwoning. Es ist die Geschichte einer sich entwickelnden Liebe und Beziehung über (Sprach-)Barrieren hinweg.

Achim Sommer (Hrsg.). – The World of Tim Burton (Rezension)

Manchmal sind die normalen Menschen die Monster

Zeichnen war ein Ventil für mich, um auszudrücken, was immer ich fühlte, um aus der geisttötenden Einförmigkeit der Vorstadt auszubrechen. (T.B.)

TB1Schon als Kind zeigte sich Tim Burtons zeichnerisches Talent, mit 13 Jahren drehte er seinen ersten Film. Nach einem Studium in Trickfilmkunst, finanziert durch die Disney-Studios und der Mitwirkung an mehreren Zeichentrickfilmen trat er auch als Autor und Regisseur den Erfolgskurs an (der Kurzfilm Vincent ist preisgekrönt).

Das Max Ernst Museum in Brühl holte nun mit der Ausstellung The World of Tim Burton das zeichnerische und malerische Werk des US-amerikanischen Popkünstlers nach Deutschland und macht sie hier einem breiten Publikum bekannt. Begleitend zu dieser Ausstellung ist der vorliegende Ausstellungskatalog erschienen. Als Einstieg fasst Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Max Ernst) die einzelnen Stationen und Meilensteine des originellen und kreativen Künstlers zusammen und setzt diesen in eine dialogische Beziehung zu Max Ernst. Auf zwei kurze Einleitungen durch den Herausgeber Achim Sommer sowie die Kuratorin Jenny He folgen eine kurze Stellungnahme von Tim Burton und seine Gefühle zu dieser Ausstellung sowie ein Interview, das Achim Sommer und Patrick Blümel (Ausstellungsassistent) mit Tom Burton geführt haben.

TB2Das Herzstück des Buchs sind sicher die 60 Seiten mit Bildern aus der Ausstellung. Sie bestechen durch ihre phantasievollen Szenerien, die makabren Ideen, gruselige, skurrile und abgründige Charaktere.

Manchmal fühle ich mich wie ein Alien, der zu nichts und niemandem in seinem Umfeld einen Zugang findet. (T.B.)

Tim Burton zeichnet eine surreale Welt, in der es thematisch immer wieder um den Tod und das Leben danach geht und die Beziehungen zwischen verschiedenen Welten aufgegriffen werden. Seine Helden sind oft Aussenseiter, melancholische, depressive Helden, welche unter der Welt um sie leiden.

Wie viele Menschen habe ich mich Aussenseitern immer verbunden gefühlt. Nicht in der Lage zu sein, dazuzugehören, das Gefühl, dass alles, was man anfasst, in der Luft zerrissen oder in den Schmutz gezogen wird…Es ist schön zu sehen, wenn ein Aussenseiter der Held ist – zu sehen, dass Anderssein nicht heissen muss, dass man nichts zu bieten hat und dass mitunter die sogenannten normalen Menschen die eigentlichen Monster sind. (T.B.)

Den Abschluss des Buches macht eine ausführliche und reich bebilderte Biographie des Künstlers. Alle Texte sind in Deutsch und Englisch verfasst.

Die Ausstellung ist noch bis am 3. Januar 2016 im Max Ernst Museum in Brühl zu sehen.

Fazit:
Ein informatives und sehr schön gestaltetes Buch zu einem aussergewöhnlichen Künstler, das den Betrachter in neue – skurrile, abgründige und auch zum Nachdenken anregende – Welten entführt. Absolut empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
TimBurtonCoverGebundene Ausgabe: 120 Seiten
Verlag: Hatje Cantz Verlag (14. August 2015)
ISBN-Nr.: 978-3775740296
Preis: EUR 24.80 / CHF 34.90

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Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte (Rezension)

Die Vergangenheit schläft nie

Jede Erinnerung ist eine Papierblume im Ärmel eines Zauberers, gerade eben noch unsichtbar und gleich darauf so gegenwärtig und blühend, dass ich mir nicht vorstellen kann, wieso sie sich die ganze Zeit versteckt hatte.

picoultendeSage Singer hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und ist seit da durch eine Narbe gezeichnet. Sie entzieht sich gerne den Menschen, so dass ihr der Beruf der Bäckerin, den sie mit Leidenschaft ausübt, gerade recht kommt. Regelmässig besucht sie eine Trauer-Selbsthilfegruppe, wo sie auf Josef trifft. Josef ist auch Kunde in der Bäckerei, in der Sage arbeitet. Immer sitzt er da mit seinem Dackel und hat sein kleines Notizbuch auf dem Tisch.

Zwischen Josef und Sage entsteht eine Freundschaft. Beide waren sie allein, beide fühlen sie sich verstanden.

Es ist ein Unterschied, ob man die Vergangenheit mit jemandem teilt oder sie allein durchlebt. Es fühlt sich weniger nach Wunde, eher nach Verband an.

Eines Tages bittet Josef Sage um einen Gefallen: Sie soll ihn umbringen. Er erzählt ihr von seiner Vergangenheit als SS-Soldat. Sein Tod soll Sühne sein für seine Schuld. Sage steht vor einem Dilemma. Ist die Erfüllung dieses Wunsches moralisch legitim? Gesetzlich ist sie sicher nicht.

Bis ans Ende der Geschichte ist ein sehr vielschichtiger Roman. Er behandelt die unterschiedlichsten Themen, die alle für sich romanfüllend gewesen wären: Trauer nach einem Verlust, der Umgang mit eigenen Schwächen, Vergangenheitsbewältigung nach dem Holocaust – auf beiden Seiten, denn Sages Grossmutter ist eine Überlebende des Regimes.

Jodi Picoult schafft es, sehr glaubwürdige und stimmige Charaktere zu erschaffen, die alle ihre Geschichten als Erzählstränge in den Roman einbringen und diese langsam zu einem Netz weben. Das Buch regt zum Nachdenken an, es stellt viele ethische Fragen, auf die man Antworten finden muss und will.

Ab und an hat der Roman Längen, ganze Abschnitte erscheinen als sehr weit hergeholt und wenig zielführend, haben aber am Schluss ihren Sinn im Ganzen. Ein sehr durchdachtes, gut durchkomponiertes literarisches Werk, das sich dann und wann etwas zu sehr in die Länge zieht durch die Beschreibung zu vieler Details. Damit steht Jodi Picoult aber nicht alleine da, diese – wenn man es denn so nennen will – Schwäche teilt sie mit ganz Grossen der Literatur.

Fazit:
Ein kunstvoll durchkomponiertes, mit plastischen Figuren beseeltes, zum Nachdenken anregendes Werk, das einige Längen aufweist. Sehr empfehlenswert.

Die Autorin
Die gebürtige New Yorkerin Jodi Picoult eroberte im Sturm die Herzen ihrer Leser. Vor allem ihr Talent , mit Feingefühl vielschichtige zwischenmenschliche Beziehungen zu beschreiben, schätzen ihre Fans. Die 1967 geborene Autorin lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern in Hanover, New Hampshire. Bereits während ihres Studiums widmete sie sich dem Schreiben und arbeitete zunächst als Texterin und Lehrerin. Ihren ersten Roman verfasste sie 1992, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war. Damit sie für ihre Bücher effektiv recherchieren kann, hat ihr Mann seinen Beruf aufgegeben. Jodi Picoult kann so die Schauplätze ihrer Romane besuchen, um eine genaue und authentische Beschreibung zu liefern. Kein Wunder also, dass man mit ihren Romanhelden jedes Mal mitfiebert, als ob sie wirklich wären.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (22. August 2016)
Übersetzung: Elfriede Peschel
ISBN-Nr: 978-3328100515

Preis: EUR 10 / CHF 14.90
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James Patterson: Das 9. Urteil (Rezension)

Ein Serienkiller sorgt für Hochspannung

Pete drückte ab. Die Kugel zischte durch den Schalldämpfer, traf die Frau im Nacken. Sie legte die Hand an die Wunde. Blut spritzte zwischen ihren Fingern hervor. „Mein Baby“, keuchte sie.

patterson9Ein irrer Serienmörder tötet wahllos junge Mütter und deren Kleinkinder. Lindsay Boxer und die anderen Ermittler tappen im Dunkeln, zumal die Polizei von San Francisco gnadenlos unterbesetzt ist und ein in der Dringlichkeit höher eingestufter Fall sie auch beschäftigt: Der Mord an der Frau eines bekannten Filmstars.

Plötzlich geht eine Lösegeldforderung ein: Der Mörder will zwei Millionen Dollar, sonst tötet er weiter. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Der neunte Fall des Women’s Murder Club ist an Spannung kaum zu überbieten. Von der ersten Seite an wird man gepackt und will das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Patterson gelingt es, durch einen geschickten Wechsel zwischen verschiedenen Fällen immer wieder Cliffhanger einzubauen. Des Weiteren sind die verschiedenen privaten Geschichten der vier Frauen des Women’s Murderclub geschickt in die Ermittlungsarbeit eingewebt und sorgen für weitere Spannungsbögen.

Einmal mehr zeigt sich, dass James Patterson sein Handwerk beherrscht. Auch wenn es in den vergangenen Fällen die eine oder andere Flaute gab, ist diese Reihe mit etwas vom Besten, was es im Bereich Thriller gibt.

Fazit:
Beim neunten Fall des Women’s Murder Club schöpft Patterson wieder aus dem Vollen seines Könnens und liefert einen Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite an Spannung kaum zu überbieten ist. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel, Die 7 Sünden, Das 8. Geständnis und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (18. März 2013)
Co-Autorin: Maxine Paetro
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442372331
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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James Patterson: Das 8. Geständnis (Rezension)

Eine explosive Mischung

Es war eine kraftraubende und entmutigende Arbeit. Wir wussten immer noch nicht, ob der Tod des Ehepaars Bailey ein Unfall, ein kombinierter Mord/Selbstmord oder ein Doppelmord war. Klar war nur, dass auch den Experten, die Claire hinzugezogen hatte, nichts eingefallen war und dass die Öffentlichkeit verrückt spielte.

patterson8Ein Ehepaar aus besseren Kreisen wird tot im Bett aufgefunden, allerdings findet niemand heraus, woran die beiden gestorben waren. Der Fall hat für die Polizei oberste Priorität – Befehl von ganz oben, so dass keine Zeit bleibt, dem Mord an einem schwarzen Obdachlosen weiter nachzugehen, zumal dessen Aufklärung sowieso eher unwahrscheinlich erscheint.

Zwar versuchen Lindsay und ihr Partner Conklin, während ihrer Freizeit etwas Licht ins Dunkel zu bringen, aber das reicht Cindy, Lindsays Freundin und Reporterin beim Chronicle nicht. Sie ist empört über das Zweiklassendenken der Polizei und macht sich den Fall zu eigen – sie will den Mörder des Mannes, der auf der Strasse als Heiland verehrt wurde, finden.

Wie gewohnt spielen auch die verschiedenen Privatleben der Mitglieder des Women’s Murder Club verrückt, es wird geliebt, geweint, gebangt. Während man sich immer mehr fragt, ob das mit Joe und Lindsay wirklcih noch was wird, zumal Conklin eine nicht zu verachtende Konkurrenz für Joe zu sein scheint, lässt sich Cindy auf einen Mann ein, der das Potential hat, die Frauenfreundschaften zu durchbrechen.

Der achte Fall des Women’s Murder Club übertrifft die letzten Fälle um ein Vielfaches. Er ist von der ersten bis zur letzten Seite packend, lässt einen kaum atmen beim Umblättern, und das Buch wegzulegen ist keine Option. Gekonnt zieht Patterson seine Fäden, baut Cliffhanger ein, webt langsam Stück für Stück ein Netz, das sich mehr und mehr zusammenzieht, bis alles schlussendlich aufgeklärt ist und man als Leser ausser Atem das Buch weglegt – um möglichst schnell den nächsten Fall zu schnappen und loszulegen. Ganz grosses Kino!

Fazit:
Beim achten Fall des Women’s Murder Club übertrifft sich Patterson selber. Von der ersten Seite an ist man gefangen und legt das Buch erst zur Seite, wenn alles aufgeklärt ist. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel, Die 7 Sünden und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (19. Dezember 2011)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442372324
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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James Patterson: Die 7 Sünden (Rezension)

Feuerteufel und Todesengel?

„Lasst uns nicht allein!“
Er sah, wie die Flammen an den Vorhängen emporzüngelten, und hörte die erstickten Schreie seiner geliebten Frau, während die Haustür krachend ins Schloss fiel.

patterson7Eine Reihe von Brandanschlägen fordert mehrere Menschenleben, immer reiche Ehepaare. Lindsay Boxer steht vor einem Rätsel und weiss nur, dass sie bald mehr wissen muss, damit nicht noch mehr Menschen sterben.

Zur gleichen Zeit gibt es neue Hinweise im Fall des verschwundenen Michael Campion, des herzkranken Sohnes eines ehemaligen Gouverneurs. Er soll das letzte Mal bei einer Prostituierten gesehen worden sein, aus deren Haus er nie mehr rausgekommen ist. Als die bildschöne und mädchenhaft unschuldig aussehende Prostituierte ihre Tat gesteht, scheint wenigstens dieser Fall gelöst – bis sie das Geständnis widerruft. Und irgendwo vermutet Lindsay Boxer einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen, nur: Wo?

Zum Glück hat sich Lindsays Privatleben ein wenig normalisiert, fast könnte man es glücklich nennen, wären da nicht Lindsays Zweifel und ihr Zögern. Zudem raubt ihr der berufliche Ehrgeiz jegliche Zeit für ein Privatleben, so dass sie ihren Liebsten, der ihretwegen einige Opfer gebracht hat, kaum sieht, was auf Dauer nicht gut gehen kann. Die wenige Zeit, welche die beiden haben, verbringen sie in detailreich beschriebenen Liebesaktivitäten – hätten sie mehr Zeit, müsste man wohl die Genrewahl überdenken.

Der siebte Fall des Women’s Murder Club ist wieder gewohnt spannend. Von der ersten Seite an zieht er einen in den Bann und lässt nicht los, bis alles restlos aufgeklärt ist. Dass das Ende ein wenig gar überraschend und wenig befriedigend ist, bleibt als kleiner Wermutstropfen zurück. Trotzdem ist das Buch ein wirklicher Pageturner und ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Fazit:
Beim siebten Fall des Women’s Murder Club ist Patterson wieder gewohnt spannend und packend. Von der ersten Seite an ist man im Bann des Buches und legt dieses ungern wieder weg. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
James Patterson, geboren 1947, sagt von sich selbst: „Ich bin schnell. Ich bin ein Ja-Nein-Typ, ich hasse Vielleichts.“ Und er ist tatsächlich so schnell, dass er an mehreren Romanen gleichzeitig arbeitet und pro Jahr mitunter fünf Titel auf Platz 1 der Bestsellerlisten landet. Begonnen hat seine Karriere, als er mit 27 Jahren den „Edgar Allan Poe Award“ für seinen ersten Roman „Die Toten wissen gar nichts“ bekam. Seitdem arbeitet er pausenlos an den Thrillern der „Alex-Cross“-Reihe oder schreibt über Detektiv Lindsay Boxer und den „Women’s Murder Club“ (siehe auch Der 1. Mord, Die 2. Chance, Der 3. Grad, Die 4. Frau, Die 5. Plage, Die 6. Geisel und Die Tote Nr. 12). Hinzu kommen weitere Romane sowie Sach- und Kinderbücher. Patterson hat Englische Literatur studiert und war einige Jahre Chef einer Werbeagentur. Heute lebt er mit seiner Familie in Palm Beach City, Florida.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (15. November 2010)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN-Nr: 978-3442375851
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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