Kreativität: Neues probieren

Guten Morgen

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer der, der er schon ist.“ Henry Ford

Es ist so verlockend, in sicheren Gewässern zu schwimmen. Man geht kaum Risiken ein, das Resultat wird ziemlich sicher gut. Ich mag das eigentlich, da ich mit Misserfolgen und Fehlern Mühe habe (wie wohl so viele). Und doch reizt es mich immer wieder, Neues auszuprobieren, neue kreative Welten zu entdecken. Gestern kochte ich zum Beispiel etwas, das ich noch nie gemacht hatte, es war eine Herausforderung, doch es hat sich gelohnt. Dasselbe versuche ich auch beim Malen. Ich habe mir vorgenommen, alle möglichen Medien auszuprobieren und zu sehen, wie sie sich anfühlen, was sich damit bewerkstelligen lässt, wie ich damit auch kreativ spielen oder sie sogar kombinieren kann. herausgekommen sind schon viele kleine Freuden, die mich bestärken, den Weg weiterzugehen und die gewohnten Gewässer hinter mir zu lassen.

Ganz schwer für mich ist immer, loszulassen, lockere zu werden, sprichwörtlich über den Rand hinauszumalen. Was für ein Gewühl. Wieviel Freiheit da plötzlich auskommt.

Dies war ein Versuch mit einfachen Neocolors im Skizzenbuch – meiner Spielwiese für alles momentan. Klecksereien, Aquarell, Filz- und Farbstifte, Collagen finden hier ihren geschützten Raum. Das Buch sieht schlussendlich nicht so perfekt durchgestylt aus wie viele, die man so sieht, aber ich liebe es genau so: mein Raum, meine Spielwiese.

Habt einen schönen Tag
Sandra 💕

Kreativität: Fehler machen

«Den grössten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.» Dieter Bonhoeffer

Angefangen hat alles als nett gedachter Blumenstrauss. Ich legte los, es fühlte sich nicht gut an. Ich dachte, das werde dann schon – wurde es auch, nämlich schlimmer. Und so unglaublich brav, dass mir selbst das Gesicht einschlief beim Betrachten. Also brachte ich wild Farbe rein. Und schaffte es tatsächlich, es noch schlimmer zu machen. Ich liess es liegen. Kam zurück, schaute es an, malte hier und da etwas, ohne dass es viel Gutes gebracht hätte. Und plötzlich. Der Impuls. Da muss was Neues her. Das war erst der Anfang. Was soll ich sagen. Ich liebe es. Es wäre nie entstanden ohne die kläglichen Anfänge, die ich als Fehler deklariert hatte.

Was man so alles lernt beim Malen – nicht nur für die Malerei. Fehler sind was Wunderbares, sie öffnen neue Wege. Und manchmal ist etwas nur auf den ersten Blick ein Fehler, auf den Zweiten der Anfang von was Gutem.

Ich wünsche euch einen schönen Tag! 💕

Gedankensplitter: Blumen überall

«There are always flowers for those who want to see them.» Henri Matisse

Gestern kam der Schnee und hüllte die Welt in eine märchenhafte Stille. Wo vorher noch Farben und Lärm und Unruhe war, breitete sich eine alles überdeckende Ruhe ein. Durch die Fenster sah ich die Schneeflocken tanzen, die Lichter verwandelten sie in funkelende Sterne, die vom Himmel fielen. Hätte ich nicht gewusst, dass ich später noch heimfahren muss mit dem Auto, hätte ich es noch viel mehr genossen. 

Als ich heute Morgen aufwachte, schaute ich in eine tief verschneite Winterlandschaft. Und selbst wenn ich den Winter nicht wirklich mag, weil er mir zu kalt ist, so verzaubern mich diese Momente doch immer wieder aufs Neue. 

Blumen sieht man draussen keine mehr, zum Glück steht bei mir zu Hause ein wunderbarer Blumenstrauss in den buntesten Herbstfarben, so dass mein Leben doch bunt bleibt. Vielleicht ist es ja immer so: Wenn man das Leben farbig will, muss man selbst zur Farbe greifen. 

Habt einen schönen Tag!

H. Walter Lack: Redouté: Book of Flowers

70648206-00-00Pierre-Joseph Redouté kam schon in jungen Jahren mit der Botanik in Berührung: Ein Mönch der Abtei S. Hubert führte ihn in dieselbe ein und hat damit wohl seine Liebe zu den Blumen geweckt. Später ging Redoute nach Amsterdam, wo er das Werk des berühmten Blumenmalers Jan van Huysum studierte, nachher nach Paris, um als Dekorateur und Bühnenmaler zu arbeiten. Er weckte mit seinem Können bald die Aufmerksamkeit und wurde fortan mit seiner Blumen-Aquarellmalerei gefördert, unter anderem von der Königin Marie Antoinette und später von der Kaiserin Joséphine.

Der vorliegende Bildband präsentiert über 2000 seiner detailgetreuen und anmutigen Zeichnungen. Ergänzend liefert Professor H. Walter Lack, Experte für die Geschichte der Botanik, einen erläuternden Text, welcher in drei Sprachen publiziert ist.

70648206-63-00Das Buch ist mit seinen 608 Seiten, um die 4,5 kg und den Massen 26,7 x 5,7 x 36,2 cm
imposant, es besticht durch eine hochwertige Verarbeitung, klare Farben, ein schönes Layout. Ein wunderbares Buch, um in die filigrane Welt der Blumen und Blüten einzutauchen. Es gewährt einen Einblick in die Schönheit der Blumenpracht der vergangenen Pariser Gärten sowie in das herausragende Können des Künstlers Pierre-Joseph Redouté.

Fazit
Ein wunderbares Buch für Blumenliebhaber und Bewunderer herausragender Zeichenkunst. Absolute Empfehlung.

Angaben zum Buch:
Hardcover: 608
Verlag: Taschen Verlag (24. Februar 2018)
ISBN: 978-3836568937
Preis: EUR 50 / CHF 96.60

Erhältlich in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Des Schweizers Schweiz – Ordnung muss sein

IMG_8705Familie M. wohnte in einem Wohnblock am Rande der Stadt. Vor ihrem Haus war ein kleiner Hang mit einer wunderbaren, wilden Wiese, in welche Familie M. eigenhändig Mohn gesät hatte. Schon bald schauten die wunderschönen roten Blumen aus dem Grün der Wiese heraus – ein Meer mit roten Inseln. Wer immer vorbeilief, blieb stehen, freute sich, machte ein Bild und schickte es in die Welt hinaus.

Eines Tages stand auf dem Tagesplan des Hauswarts, dass sätmliche Wiesen gemäht werden müssen. Und: Was auf dem Plan stand, wurde ordungsgemäss durchgeführt. Der gute Mann packte also seinen Rasenmäher und tat, was man mit dem Ding eben tut: Er
mähte. Hatte sein Vorgänger vor kurzem um das Blumenmeer rumgemäht, zumal es sowieso an einem sonst nicht nutzbaren Hang neben dem Gehweg lag, machte dieser kurzen Prozess. Er metzelte sprichwörtlich alles nieder. Wo vorher noch einIMG_8704e Augenfreude herrschte, war nun ein Totenbett. Mit groben Zügen rechte der fleissige Mann das Grünzeug runter, sammelte es ein. Zurück blieb ein unansehlicher braun-grüner Hang.

Zufrieden wischte der Hauswart die Hände an den Hosen ab: Nun hatte alles seine Ordnung, ein Punkt weniger auf der Liste.

 

Arthur Schnitzler: Blumen

Innerer Monolog eines Mannes, der einer verflossenen Liebe gedenkt. Er denkt an ihre letzte Begegnung, denkt an den Abschied, an die Gefühle, die schon lange schweigen. Er erfährt von ihrem Tod, der ihm nichts bedeutet. Er fühlt sich gefühllos, hart. Alles ist kalt, alles ist tot, bis er Blumen erhält. Wie jeden Monat an einem bestimmten Tag, ihrem gemeinsamen Tag. Diesen Blumen gegenüber empfindet er all die Gefühle, welche er vorher nicht zulassen konnte. Er steht in ihrem Bann, sieht sie langsam verwelken, kann sich nicht trennen. Und er merkt, dass er alles beherrschen konnte und kann in seinem Leben, nur die eigene Erinnerung nicht. Und diese Erinnerung haftet an den Blumen.

Gespenster! – Sie sind, sie sind! – Tote Dinge spielen das Leben. Und wenn welkende Blumen nach Moder riechen, so ist das nur Erinnerung an die Zeit, wo sie blühten, dufteten. Und Gestorbene kommen wieder, solange wir sie nicht vergessen. 

Eine Geschichte über die Macht der Gedanken. Arthur Schnitzler, im Denken Freud und seiner Psychologie verwandt, zeigt auf, wie das Unbewusste sich an Dinge klammert, die man im Bewusstsein unterdrückt. Erst wenn man sie durchlebt, sie verarbeitet, kann man sich von ihnen befreien. Die Blumen in dieser Geschichte dienen als äusserer Anstoss für diese Arbeit an der Vergangenheit und an den eigenen Gefühlen. Oft ist es einfacher, die inneren Konflikte im Aussen zu sehen und zu lösen. Sinnbildlich für das Innen. Das Innen wird dem Aussen folgen.

Fazit: 

Eine grossartige Charakterstudie eines tiefgründigen Schriftstellers.

(Arthur Schnitzler: Blumen, in: Arthur Schnitzler: Fräulein Else, Fischer Taschenbuch Verlag, 17. Auflage, Frankfurt am Main 2000.)