Rezension: Guillaume Musso – Nacht im Central Park

Die Jagd nach dem Mörder – oder umgekehrt

Als sie sich aufrichtete, stellte sie verdutzt fest, dass sie sich auf einer groben Holzbank befand und ein kräftiger Mann halb auf ihr lag. […] Sie zuckte zurück, doch der Mann bewegte sich nicht. Scheisse!

Als Alice aufwacht, findet sie sich an einem unbekannten Ort an einen unbekannten Mann gefesselt. Als auch dieser aufwacht, teilen die Beiden das Erstaunen über die Situation, beide wissen nicht, wie sie an diesen Ort – den sie bald als New Yorks Central Park erkennen – und in diese Situation gekommen sind. Dass ihnen ihre Habseligkeiten gestohlen worden sind und die Kleidung zudem mit Blut getränkt ist, macht alles noch merkwürdiger.

Gemeinsam machen sie sich auf die abenteuerliche Suche nach den Gründen. Das wird vor allem für Alice schmerzhaft, die sich mit den dunkelsten Erlebnissen ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Die Geschehnisse überstürzen sich, bald jagen sie einen Mörder – und sind selber gejagt.

Guillaume Musso ist einmal mehr ein Meisterwerk der Spannung gelungen. Die Geschichte entwickelt sich rasant, die Figuren sind plastisch und der Plot stimmig. Ein der Geschichte zugrundeliegendes Geheimnis wird nach und nach aufgelöst, man weiss nicht genau, wo die Wahrheit genau liegt und muss fast bis zur letzten Seite durchhalten, es zu erfahren. Kein Wunder, legt man das Buch nicht mehr aus der Hand, hat man mal mit Lesen begonnen.

Müsste man einen Makel finden, so wäre es das Ende – es ist zwar völlig unerwartet, was durchaus positiv ist, dabei aber ein bisschen zu kitschig im Vergleich zum Rest des Buches (zumindest für mich).

Fazit:
Einmal angefangen, lässt einen das Buch nicht mehr los. Spannung pur für den Strand oder den Liegestuhl zu Hause. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Guillaume Musso
Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren. Er arbeitete als Gymnasiallehrer und Universitätsdozent, bis er 2001 seinen von der Kritik hoch gelobten Debütroman veröffentlichte. Der große Durchbruch gelang ihm mit seinem zweiten Roman Ein Engel im Winter, den er nach einem schweren Autounfall geschrieben hatte. Auch seine Roman Eine himmlische Begegnung und Vielleicht morgen stürmten auf Anhieb die französischen Bestsellerlisten.

Angaben zum Buch:
MussoCentralTaschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. April 2016)
Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge
ISBN-Nr.: 978-3492309257
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

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Rezension: Joël Dicker – Die Geschichte der Baltimores

Drohendes Unheil im Paradies

Marcus Goldman, Protagonist und Erzähler, ist Schriftsteller. Er kauft sich ein Haus in Florida, um in Ruhe seinen nächsten Roman zu schreiben. Es soll der Roman seiner Familie werden.

„Samstag kommen die Baltimores, Sonntag die Montclairs.“ Was angfangs jedoch nur eine liebevolle Zuschreibung war, um uns leichter auseinanderhalten zu können, wurde im Laufe der Jahre zu einer Art Gütesiegel, das eine tiefe Spaltung im eigenen Clan ausdrückte.

Die drei Goldman-Cousins sind ein unzertrennbares Gespann. Hillel und Woody wohnen mit ihrer Familie in Baltimore, Marcus mit seiner in Montclair. wobei er sich dafür schämt, denn bei den Baltimores ist alles grösser, schöner und besser. Aus diesem Grund ist er auch so oft er kann in Baltimore, um mit seinem Onkel Saul, den er sehr bewundert, und Tante Anita, die wunderschön ist, vor allem aber mit seinen Cousins zusammen zu sein. Nichts kann das Trio auseinanderbringen, nicht einmal, dass sie sich in dieselbe Frau verlieben. Das denkt man zumindest, bis es zur Katastrophe kommt. Danach ist nichts mehr, wie es mal gewesen ist.

Joël Dickers Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert war ein Riesenerfolg, die Erwartungen an den neuen Roman waren entsprechend hoch. Gelingt Dicker erneut ein Pageturner? Schafft er es wieder, den Leser zu fesseln und nicht mehr loszulassen? Die Antwort ist eindeutig: Ja. Die Geschichte der Baltimores erzählt die Geschichte einer Familie in Amerika. Von der ersten Seite an weiss man, dass mit der Familie etwas schreckliches passieren wird, aber man hat keine Ahnung was. Ausser ein paar Andeutungen auf die kommende Katastrophe erzählt Dicker unterhaltsam von drei Jungen, ihren Gefühlen, ihrem Werdegang. Es gelingt ihm dabei, gekonnt zwischen den Zeiten zu wechseln, die Gegenwart des Schreibens mit der erinnerten Vergangenheit zu durchmischen und dadurch die Spannung immer grösser werden zu lassen.

Dicker überzeugt einmal mehr mit Erzählkunst auf ganz hohem Niveau: Plastische Figuren, stimmiger Plot, perfekt eingesetzter Spannungsaufbau. Müsste man dem Buch etwas Negatives anlasten, wäre es, dass die doch immerhin 509 Seiten viel zu schnell gelesen sind.

Fazit:
Eines der besten Bücher seit langem. Plot, Sprache, Charaktere – Erzählkunst auf höchstem Niveau. Packend, unterhaltend, wunderbar. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Joël Dicker
Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang zwei Romane geschrieben: Les Derniers Jours de nos Pères und La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert (Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert). Für Letzteren bekam er den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Das bei einem winzigen Verlag erschienene Buch wurde in Frankreich zur literarischen Sensation des Jahres 2012 und mittlerweile in über 30 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
DickerBaltimoresGebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Piper Verlag (2. Mai 2016)
Übersetzung: Andrea Alvermann, Brigitte Grosse
ISBN-Nr.: 978-3492057646
Preis: EUR 24 / CHF 27.90

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Rezension: Patrick Modiano – Gräser der Nacht

 

Was erinnern wir?

Niemand mehr, mit dem ich darüber reden könnte. Zwei oder drei noch lebende Zeugen müssten sich wohl finden lassen. Doch wahrscheinlich haben sie alles vergessen. Und ausserdem fragt man sich irgendwann, ob es wirklich Zeugen gegeben hat.

Jean, ein Schriftsteller, denkt zurück an die Zeit vor 30 Jahren, als er Dannie traf und sich verliebte. Er wusste nicht genau, woher sie kam. Sie schien mehrere Wohnorte zu haben und war sehr verschlossen, beantwortete ungern Fragen. Auch wusste er nicht genau, wie sie hiess, Dannie war wohl nicht ihr richtiger Name, aber er nannte sie so, weil sie ihm so vorgestellt worden war.

Dannie verkehrte mit mysteriösen Typen, die aus Marokko kamen oder Kontakte dahin hatten. Eines Tages wurde Jean sogar gewarnt, er solle sich fernhalten von diesen Menschen.

„Seien Sie vorsichtig! Die können Sie auf sehr schmutzige Wege führen. Ich rate Ihnen, die Verbindungen abzubrechen, solange noch Zeit ist.“

Jean fühlte die Gefahr nicht. Erst 30 Jahre später sieht er langsam die Zusammenhänge, erfährt, was wirklich passiert ist – aber vielleicht auch dann nicht wirklich.

So geht Jean durch die Zeiten, welche sich kreuzen und vermischen. Er liest seine Notizen von damals, die ihm Halt sind gegen das Vergessen. Er erlebt in Gedanken und Träumen nochmals die Vergangenheit und wandelt im Heute auf ihren Spuren.

Mir war als wie im Traum. Das passierte mir damals oft, vor allem nach Einbruch der Nacht. Müdigkeit? Oder jenes seltsame Déjà-vu-Gefühl, das einen ebenfalls aus Schlafmangel überkommt? Dan verschwimmt alles im Kopf, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, durch ein Phänomen der Überblendung.

Dieser Satz beschreibt eigentlich den Stil des ganzen Buches. Modiano zeichnet eine Geschichte, die sich über 30 Jahre erstreckt, bei der man nie genau weiss, in welcher Zeit man genau ist – oft weiss es nicht mal der Erzähler. Er pendelt zwischen Träumen, Erinnerungen und der Gegenwart, weiss oft nicht, was Traum, was Wirklichkeit ist. Er stellt Fragen, obwohl ihn die Antworten nicht zu interessieren scheinen, denkt an Menschen, obwohl sie ihm – so sagt er – alle gleichgültig sind.

Gräser der Nacht ist ein nachdenklicher Roman, ein Roman über Liebe, Lügen, Geheimnisse, Identität und Herkunft. Der Roman stellt fragen, wie es der Erzähler auch tut, die Antworten sind selten eindeutig. Modianos Sprache ist fliessend, fast schon monoton. Sie steht damit im Widerspruch zum wilden Durcheinander der Zeiten. Am Anfang kann dieses Monotone und doch Sprunghafte überfordern und auch langweilen. Es braucht seine Zeit, in die Geschichte reinzukommen, aber man sollte sie dem Buch geben, denn es lohnt sich. Einmal gepackt, taucht man ein und ungern wieder aus

Fazit
Die Geschichte fängt langwierig und verworren an, verstrickt sich, wird dichter und packt den Leser dann plötzlich, um ihn nicht mehr loszulassen. Also: Unbedingt durchhalten. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Patrick Jean Modiano wurde am 30.7.1945 in Boulogne-Billancourt als Sohn einer flämischen Schauspielerin und eines jüdischen Emigranten orientalischer Abstammung geboren. Sein Vater lebte während der deutschen Besatzungszeit im Untergrund und schlug sich mit Schwarzmarktgeschäften durch. Modiano erlebte eine chaotische Nachkriegskindheit: häufige Abwesenheit der Mutter, früher Tod des Bruders und Trennung der Eltern. Modiano widmete sich schon früh dem Schreiben und bereits mit 21 Jahren beendete er seinen ersten Roman. Seitdem publizierte er zahlreiche Romane, Kinderbücher sowie Theaterstücke und Drehbücher. Mit seinem Roman „Eine Jugend“ wurde er in Deutschland bekannt. 2014 ist Modiano mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Der Autor lebt in Paris.

Angaben zum Buch:
ModianoGräserTaschenbuch: 184 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. April 2016)
Übersetzung: Elisabeth Edl
ISBN-Nr.: 978-3423144940
Preis: 9.90 Euro /14.90 CHF

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Rezension: Ursula Fricker – Lügen von gestern und heute

 

Sie hatte ihn kaum gekannt, wie man einen Fremden kennt, dem man vertraut, weil man ihn nicht kennt. Bis es fast zu spät war, hatte sie überlegt, ob sie nicht besser zu hause bliebe, ob es nicht reichte, wenn sie an ihn dächte, und als es schon fast zu spät war, ging sie doch noch los.

Beba lebt in einem trostlosen Land unter trostlosen Menschen. Trostlose Menschen sind auch hoffnungslose Menschen und oft zeigen sie kaum Gefühle – wohl aus Selbstschutz. Für Beba war das nicht genug, sie wollte mehr vom Leben und Stefan versprach es ihr, er lädt sie in sein Land ein. Als Beba da ankommt, holt Stefan sie nicht ab, sie ist allein. Sie hat Glück, wird aufgefangen, nun arbeitet sie als Prostituierte. Und sie träumt davon, Musikerin zu sein, spart alles Geld, das sie nicht zu ihrer Familie schickt, um die zu unterstützen, für ein Klavier.

Isa fühlte sich angestarrt, gemustert, taxiert. […] An der Kleidung, dachte Isa, sieht man, wer was ist – am liebsten hätte sie sich das Zeug vom Leib gerissen.

Isa ist in einem gutbürgerlichen Haus aufgewachsen, behütet von interessierten Eltern. Das wirft sie diesen nun vor. Sie will ausbrechen, will etwas bewegen. Die Flüchtlinge kommen ihr gerade recht, da kann sie zeigen, was in ihr steckt. Sie kämpft mit allen Mitteln, weiss ab und an nicht, ob der Kampf ihrer Selbstbehauptung oder den Flüchtlingen gilt, aber das ist gar nicht wichtig. Sie hat einen Plan. Alle, die diesen nicht teilen, die ihr denken nicht teilen, haben keine Ahnung. Sie wird ihnen zeigen, was richtig ist.

Es war bizarr. Hier wurde verhandelt, was in einem Rechtsstaat eigentlich unverhandelbar sein sollte: das gleiche Recht für alle. […] war er einfach nur müde? Gleichzeitig entdeckte Otten in sich ein lange vergessenes ehrliches Gefühl der Verantwortung für diese Stadt, für die Menschen in ihr. Sol sollte es sein, so war es aber fast nie.

Otten ist verantwortlich für die harte Politik gegen die Flüchtlinge. Er steht unter Beschuss, nicht nur öffentlich und in der Politik, jemand hat es auf ihn persönlich abgesehen, bedroht sein Haus, bedroht damit sein Leben und das seiner Familie. Früher ist er auf der anderen Seite gestanden, hat gegen die Obrigkeit gekämpft, hatte Ideale. Wo sind sie heute? Ist er ein anderer geworden oder macht er nur, was getan werden muss, weil es schlicht keine andere Lösung gibt?

Drei Leben im Heute, die alle eine Vergangenheit haben. Die Herkunft prägt, sie lässt keinen los. Tief drin legt sie die Fäden und lässt die Menschen bis heute immer wieder zurückdenken, ihren Weg reflektieren, ihr Heute analysieren. So werden diese Menschen erfahrbar, verständlich in ihrem Tun. Sie haben Träume, Wünsche, sie lieben und leben und zahlen alle einen Preis für dieses Leben.

Ursula Fricker ist es gelungen, die gerade sehr aktuelle Flüchtlingsthematik literarisch so zu verarbeiten, dass man sie aus verschiedenen Blickpunkten betrachtet. Sie tut das wenig emotional, sehr objektiv, nie deskriptiv, sondern immer literarisch. Sie webt die Geschichten von verschiedenen Menschen mit unsichtbaren Fäden zusammen, lässt aus drei Geschichten eine werden. Als Leser taucht man in alle diese Welten ein, versteht sie, auch wenn man nicht immer teilt, was die jeweiligen Protagonisten denken oder tun.

Lügen von gestern und heute ist ein Buch über Politik, ein Buch über die Liebe, ein Buch auch über Herkunft und was sie aus einem Menschen macht, wie sie ihn beeinflusst. Es ist ein Buch, das in einer teilweise eigentümlichen Sprache geschrieben ist, indem die Syntax aus der Norm fällt, Sätze teilweise abrupt aufhören oder aber über die beschriebenen Inhalte hinausgehen, indem der Punkt fehlt, einfach ein Komma steht. Es ist ein Buch über Menschen, das in die Tiefe geht, psychologisch ist, ohne zu psychologisieren. Das Buch zeigt Missstände auf, ohne den belehrenden Zeigefinger zu heben. Es ist ein grossartiges Buch!

Fazit
Ein tiefgründiges, nachdenkliches, psychologisches, philosophisches, politisches und menschliches Buch – und noch viel mehr. Ein Buch, das einen in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, studierte Sozialarbeit in Bern, arbeitete in einem Heim für geistig behinderte Menschen und in der Theaterpädagogik. Neben journalistischen Texten veröffentlichte sie bislang drei Romane. Ihr Debütroman, ‚Fliehende Wasser‘, erschien 2004 und wurde mit dem Einzelwerkspreis der Schweizerischen Schillerstiftung und mit einem Werkjahr der Stadt Zürich ausgezeichnet. Es folgten 2009 ‚Das letzte Bild“ und 2012 ‚Außer sich‘, nominiert für den Schweizer Buchpreis im selben Jahr.

Angaben zum Buch:
FrickerLügenGebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (22. April 2016)
ISBN-Nr.: 978-3423280730
Preis: 21.99 Euro /28.90 CHF

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Rezension: Bettina Tietjen: Unter Tränen gelacht. Mein Vater, die Demenz und ich

Als am Sonntagabend gegen 22 Uhr mein Handy klingelt, weiss ich noch nicht, dass dieser Anruf mein Leben verändern wird.

Bettina Tietjens Vater ist an Demenz erkrankt. Zuerst waren es nur kleine Vergesslichkeiten, die nach und nach mehr wurden. Es ist bald klar, dass er nicht ewig im eigenen Haus leben kann, als der Umzug ins Seniorenheim dann ansteht, bringt er viele Veränderungen mit sich .

Bettina Tietjen begleitet ihren Vater in den zweieinhalb Jahren im Heim intensiv, erlebt eine ganz neue Nähe mit ihm. Sie beschreibt mit viel Humor die fröhlichen Momente, die Herausforderungen und auch die Ängste. Demenz ist ein Abschied auf Raten, der traurig macht und auch verzweifeln lässt, trotzdem beinhaltet die Zeit des Abschieds auch viele wunderbare Momente. Von all dem handelt dieses Buch.

Zum Autor
Bettina Tietjen, geboren 1960, arbeitete nach ihrem Germanistik- und Romanistikstudium als Moderatorin, Reporterin und Autorin für den RIAS Berlin, die Deutsche Welle, den WDR und diverse Printmedien. Seit 1993 ist sie beim NDR-Fernsehen Gastgeberin auf dem Roten Sofa der Sendung »DAS!«. Außerdem empfängt sie einmal im Monat prominente Gäste in ihrer Freitagabend-Talkshow, seit 2015 zusammen mit Alexander Bommes („Bettina und Bommes“). Seit 2008 talkt sie auch im Radio in ihrer Sendung »Tietjen talkt« bei NDR 2. Bettina Tietjen ist verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Fazit
Ein wunderbar einfühlsames, persönliches, humorvolles, tiefügründiges, trauriges, menschliches Buch. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch:
TietjenTränenGebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Piper Verlag (9. März 2015)
ISBN-Nr.: 978-3492056427
Preis: EUR 19.99 / CHF 29.90

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Rezension: Marjaleena Lembcke: Wir bleiben nicht lange

Jeden Morgen sagte sie zu ihrem Krebs: Du wirst mich nicht besiegen.
Der Krebs muss wissen, dass er einen starken Gegner hat, sagte sie.

Nach der Kindheit in Finnland trennen sich die Wege von Sisko und Mirja. Sisko geht nach England, Mirja nach Deutschland. Als Sisko an Krebs erkrankt, reist Mirja zu ihr und die Schwestern kommen sich wieder näher. Gemeinsam erleben sie ihre Kindheit nochmals durch ihre Erinnerungen.

In einer kurzen, knappen Sprache erzählt Marjaleena Lembcke die Geschichte der ungleichen Schwestern, lässt durch die bruchstüchhaften Erinnerungen die ganze Familiengeschichte langsam ans Tageslicht treten. Durchbrochen werden die Erinnerungen von aktuellen Ereignissen, die gezeichnet sind von Siskos Krankheit.

Fazit
In dichter Sprache bruchstüchhaft zusammengewürfeltes Mosaik eines Lebens – intensiv, bitter, schlicht und doch tief. Empfehlenswert.

Zum Autor
Marjaleena Lembcke wurde 1945 in Kokkola/Finnland geboren und studierte Theaterwissenschaften und Bildhauerei. Seit 1967 lebt sie in der Nähe von Münster in Westfalen. Sie schreibt für Kinder und Jugendliche ebenso wie für Erwachsene. Für ihre Bücher wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1999, und mehrfach nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ihr Werk wurde bisher in elf Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
LembckeBleibenGebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Verlag Nagel & Kimche AG (22. Februar 2016)
ISBN-Nr.: 978-3312006885
Preis: EUR 19.90

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Rezension: Hervé Le Tellier: Neun Tage in Lissabon

Als Vincent, ein Journalist, und Antonio, Pressefotograf, in Lissabon zusammenkommen, um über den Prozess eines Serienmörders zu berichten, interessieren sie sich weniger für die beruflichen Aufgaben als ihre persönlichen Geschichten – heute wie in der Vergangenheit.

In Lissabon schwelgen sie in Erinnerungen über alte, machen sich auf die Suche nach verlorenen und finden neue Lieben – das alles in der typischen Atmosphäre Lissabons.

Autor
Hervé Le Tellier wurde 1957 in Paris geboren. Er veröffentlichte viele sehr originelle Bücher, Romane, Erzählungen, Gedichte und Kolumnen. Seit 1992 ist er Mitglied der Autorengruppe OuLiPo (Ouvroir de Littérature Potentielle), die von François Le Lionnais und Raymond Queneau gegründet wurde und der Autoren wie Georges Perec, Italo Calvino oder auch Oskar Pastior angehörten. ›Kein Wort mehr über Liebe‹ ist das erste Buch von Hervé Le Tellier in deutscher Übersetzung.

Fazit
Ein Versuch, Fado zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Wer Lissabon liebt, wird es in dem Buch finden.

Angaben zum Buch:
TellierLissabonTaschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juni 2013)
Übersetzung: Jürgen Ritte, Romy Ritte
ISBN-Nr.: 978-3423249683
Preis: EUR 14.90 / CHF 29.90

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Rezension: Gisa Klönne: Die Wahrscheinlichkeit des Glücks

Der Anrufer war nicht ihre Tochter, statt Aline redete eine Männerstimme auf sie ein, eine fremde Stimme mit niederländischem Akzent, die seltsam gebrochen klang und ihre Botschaft viel zu schnell hervorschleuderte, nein schrie, immer wieder dieselben Worte, und noch bevor Frieda irgendetwas verstand, fühlte etwas tief in ihr bereits, welch furchtbarer, grausamer, nicht wiedergutzumachender Fehler ihre gestohlene halbe Stunde gewesen war.

Drei Generationen, eine Geschichte. Henny, Mutter von Frieda, einer Astrophysikerin und Grossmutter von Aline, einer jungen Tänzerin, lebt durch ihre Demenz immer mehr in der Vergangenheit und kämpft mit den Geistern derselben. Sie schenkt ihrer Enkelin zu deren Verlobung eine Schachtel mit geheimnisvollem Inhalt, der die junge Frau so durcheinander bringt, dass sie aufgescheucht auf die Strasse rennt und von einem Auto erfasst wird. Ihr Leben hängt an einem seidenen Faden, es ist an Frieda, Licht ins Dunkel zu bringen und das Geheimnis hinter der Schachtel zu lüften.
Mit der Suche nach der Wahrheit kommt sie auch ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur. Damit gerät die bislang so ordentlich eingerichtete Welt der ehrgeizigen Wissenschaftlerin ins wanken.

Autor
Gisa Klönne, geboren 1964, ist die Autorin von mittlerweile fünf erfolgreichen Kriminalromanen um die Kommissarin Judith Krieger. Daneben legte die unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnete Autorin mit »Das Lied der Stare nach dem Frost« und »Die Wahrscheinlichkeit des Glücks« aber auch zwei Familienromane vor. Gisa Klönnes Romane sind Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Köln.

Fazit
Liebe, Lebenslügen, Geheimnisse und Verrat vor dem Hintergrund historischer Ereignisse in Siebenbürgen/Rumänien geschrieben in einer lesbaren Sprache. Berührend, spannend, tiefgründig. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch:
KlönneGlückTaschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (1. März 2016)
ISBN-Nr.: 978-3492308212
Preis: EUR 9.99 / CHF 29.90

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Rezension: François Roux: Die Summe unseres Glücks

So, wie ich aufgrund meines zarten Alters schon den Mai 1968 verpasst hatte, sollte ich auch diesen 10. Mai und jede Menge zukünftige Mairevolutionen verpassen- natürlich immer aus den allerbesten Gründen. Mit der Zeit entwickelte es sich übrigens fast zu einem Charakterzug, dass ich immer abseits der grossen Ereignisse stand, die meine Welt genauso prägen wie die der anderen.

François Mitterand gewinnt die Wahl, Rodolphe und seine Freunde feiern mit ganz Frankreich – die ganze Nation ist in Aufbruchstimmung. Rodolphs Weg führt in die Politik, er lebt den Erfolg, doch der hat seinen Preis – auch seine Freunde bezahlen für ihre Wege einen Preis. War er zu hoch? Mussten sie zu viele Opfer bringen, um ihre Ziele zu erreichen? Wo blieben ihre Träume aus der Jugend? Dies alles sind Themen, als sch die Freunde nach vielen Jahren wieder treffen.

Ein Buch über das Leben, die Lebenswege, den Preis, den man dafür zahlt, aber über Freundschaft und die Frage nach dem Glück.

Zum Autor
François Roux, geboren 1957, ist ein französischer Autor und Regisseur, dessen Filme auf internationalen Festivals mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Sein Roman »Die Summe unseres Glücks« wurde vom französischen Publikum und der Literaturkritik gleichermaßen euphorisch aufgenommen.

Fazit
Sprachlich eleganter und gut lesbarer Generationenroman, der die politische Vergangenheit (und Gegenwart) Frankreichs durch die Lebensgeschichten der Protagonisten erfahrbar macht.

Angaben zum Buch:
RouxGlückGebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Piper Verlag (5. Oktober 2015)
Übersetzung: Elsbeth Ranke
ISBN-Nr.: 978-3492056939
Preis: EUR 24

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Rezension: Alex Capus – Mein Nachbar Urs

Katzen, Kinder, Velopneus – das ganz normale Nachbarschaftsleben

Ich habe fünf Nachbarn, die mit Vornamen Urs heissen. […] Dann gibt es in unserer Nachbarschaft noch einen sechsten Urs, aber der will nicht, dass ich über ihn schreibe. Also sage ich, es seien nur fünf Urse.

In zwölf Kurzgeschichten erzählt Alex Capus aus seinem Leben in Olten, genauer aus seiner Nachbarschaft, hauptsächlich im Zusammenhang mit seinen fünf Nachbarn, die alle Urs heissen. Es gibt noch weitere Menschen mit anderen Namen, von denen die Geschichten handeln, einer davon ist Herbert – allerdings könnte er auch Norbert oder Robert heissen und er wohnt auch nicht in der Nachbarschaft. Doch das ist die Ausnahme. Hier geht es um Urse und Alexs Leben mit ihnen.

Die fünf Urse sind unterschiedlichen Charakters und auch mit unterschiedlichen Berufen und Leben ausgestattet, aber sie haben auch einiges gemeinsam. Sie finden zum Beispiel Alexs Auftreten nicht so, wie es sein sollte:

„Noch nie hat man dich auf einem ordentlichen Velo gesehen. Diese zwanghafte Nachlässigkeit – irgendwie kindisch finde ich das.“

„Wenn’s nur das Velo wäre“, fügte der dritte Urs hinzu.. Bei dir ist aber, wenn man genau hinguckt, alles immer ein bisschen vage und ungefähr. Irgendwie lasch. Nichts für ungut.“

„Ein bisschen lauwarm“, sagte der zweite Urs und nickte.

Als einziger Nicht-Urs kann Alex das nicht stehen lassen:

„Ich verstehe, dass euch mein Lottervelo ein Dorn im Auge ist“, sagte ich. „Aber nehmt bitte zur Kenntnis, dass ich mich genauso ärgern könnte […] Ich tu’s nicht, aber ich könnte mich ärgern. […]“

Wer denkt, das sei es nun gewesen mit der guten Nachbarschaft, dem sei gesagt: Weit gefehlt. Es wird weiter auf dem Kiesplatz mit Bänken und Grill an der Elsastrasse zusammengesessen, gegrillt, Bier getrunken und über Gott und die Welt geredet – wie man es als gute Nachbarn eben tut.

Mein Nachbar Urs ist sicher kein grosser literarischer Wurf und steht, in der Kategorie gedacht, weit hinter Alex Capus’ Romanen zurück, aber: Es ist ein unterhaltsames, zutiefst menschliches, witziges und aus dem Leben gegriffenes Buch, das einen Einblick in Alex Capus’ Leben in seiner Heimat Olten gibt – oder es zumindest gekonnt so aussehen lässt. Man fühlt sich als Leser mittendrin, lacht mit, wundert sich, fragt sich, ist dabei. Wer Alex Capus schon live erlebt hat, erkennt ihn wieder und liest den Alex so, wie er ihn geben würde.

Ich dachte in einer schlaflosen Nacht, ich könnte mal eine Geschichte lesen (dazu eignen sich Kurzgeschichten wunderbar), um dann wieder weiterzuschlafen. Da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt (in diesem Fall Alex Capus) gemacht: Ich habe das ganze Buch in einem Zug durchgelesen. Also: Aufgepasst!

Fazit:
Ein unterhaltsames, kurzweiliges, witziges Buch rund um Alex Capus’ Leben mit seinen fünf Nachbarn namens Urs. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Alex Capus
Alex Capus wird am 23. Juli 1961 in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Die ersten fünf Lebensjahre lebt er mit seiner Familie in der Wohnung des Grossvaters in Paris, zieht nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Olten in die Schweiz. Neben seinem Studium der Geschichte, Philosophie und Ethnologie an der Universität Basel arbeitet er bei diversen Tageszeitungen als Journalist und ist während vier Jahren als Inlandredaktor einer bei einer Schweizerischen Depeschenagentur in Bern beschäftigt. Zwischen 2009 und 2012 fungiert er als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten. Von ihm erschienen sind unter anderem Munzinger Pascha (1997), Der König von Olten (2009), Léon und Louise (2011), Skidoo (2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013).

Hier gibt es ein Interview mit dem Autoren.

 
Angaben zum Buch:
Capusmein_nachbar_ursTaschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (23. Oktober 2015)
ISBN-Nr.: 978-3423144490
Preis: EUR 8.90 / CHF 11.90

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Rezension: John Boyne – Die Geschichte der Einsamkeit

Nichts gesehen, nichts gewusst – die Wege des Herrn…

Inhalt

„Du hast eine Berufung, Odran“, rief sie. „Du hast eine Berufung zum Priester!“

Sie musste es ja wissen, denn sie war meine Mutter, und man hatte mich dazu erzogen, alles zu glauben, was meine Mutter sagte.

Als Odran Yates’ Mutter aus einer Eingebung heraus beschliesst, ihr Sohn sei zum Priester berufen, schickt sich Odran in sein Schicksal, hinterfragt es nicht, widersetzt sich nicht, sondern geht den Weg hin zum Priester. Die längste Zeit seiner Laufbahn bverbringt er aber nicht in einer Gemeinde, sondern an einem Internat als Lehrer, betreut da die Bibliothek und fühlt sich Jahr für Jahr mehr zu Hause. Als er plötzlich aus diesem Zuhause gerissen und in eine Gemeinde versetzt wird, vertraut er den Versprechen, dass er wieder zurück darf, und schickt sich auch in das Schicksal.

…aus purem Egoismus beschloss ich, das Problem zu ignorieren.

Wie sein Schicksal, so plätschert auch der Rest des Lebens mitsamt seiner Abgründe an ihm vorbei. Er übersieht sie wirklich, ignoriert sie vielleicht oder verschliesst bewusst die Augen. Immerhin gehört er einer unantastbaren Gilde an, ist Respektsperson.

Auf dem Weg nach Hause, wo mich mein leeres Bett erwartete, ahnte ich mit einem Mal, dass es die Welt, die mir vertraut war und an die ich mein Leben lang geglaubt hatte, bald nicht mehr geben würde. Die alte Welt lag im Sterben, und die neue war noch nicht geboren.

Dieses Ansehen bröckelt über die Jahre nach und nach, die katholische Kirche kommt unter Beschuss. Irgendwann kann auch Odran den Tatsachen gegenüber nicht mehr die Augen verschliessen. Jetzt wäre es an der Zeit, Stellung zu beziehen.

Rezension

Boyne weidet die ganze Problematik der katholischen Kirche aus, ohne mit dem erhobenen Moralfinger zu wedeln, sondern indem er sie in die Biographie eines eher willensschwachen Priesters packt. Odran steht für die Ignoranz derer, die nicht sehen wollen. In Odrans Fall steckt keine Boshaftigkeit dahinter, auch Absicht möchte man ihm nicht unterstellen. Es ist eine Gleichgültigkeit und auch Abgestumpftheit dem Leben gegenüber. Es ist blinder Gehorsam gegenüber wahrgenommenen Obrigkeiten, dem man sich verpflichtet fühlt.

Die Geschichte der Einsamkeit wirft Fragen auf, regt zum Nachdenken an. Wo fängt (Mit-)Schuld an? Wo kann man aufbegehren, wo muss man? Wie weit reicht der eigene freie Wille, was ist vorgegeben.

Der Roman hat einige Längen, zieht sich ab und an sehr und nimmt Windungen, die nicht dringend nötig, aber auch nicht absolut überflüssig sind. Insgesamt ist der Plot stimmig, die Charaktere sind glaubwürdig und plastisch, glaubhaft in ihrem Verhalten. Boyne ist eine Studie der Realität gelungen, welcher auf Missstände hinweist, ohne dabei moralisierend oder psychologisierend zu werden. Er ermüdet nicht durch Urteile, sondern lässt durch die Erzählung dem Leser die Möglichkeit, seine eigenen Fragen zu stellen und sein eigenes Urteil zu fällen.

Fazit:
Ein Roman, welcher der Realität den Spiegel vorhält, der Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt. Empfehlenswert.

Zum Autor
John Boyne
John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde.

Angaben zum Buch:
BoyneEinsamkeitTaschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Paperback (5. Oktober 2015
Übersetzung: Sonja Finck
ISBN-Nr.: 978-3492060141
Preis: EUR 19.99 / CHF 23.90

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Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

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Rezension: Peng + Hu – Hirameki

Der geniale Klecks + Kritzel-Spass

Mit Linien und Punkten zum fertigen Bild

Ein kleiner Klecks offenbart durch das Hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters.

Ausmalbücher boomen. Der Ausmalende kann schwarze Linienkonstrukte mit Farbe füllen und es entstehen bunte Bilder. Dieses Buch ist anders. Die Farbe ist schon da – in Klecksen wild über die Seite verteilt. Hier ist man gefordert, durch das Hinzufügen von Strichen und Punkten etwas entstehen zu lassen. Bald schon zieren Tiere, Monster, ganze Welten die Seiten.

Hirameki weckt die eigene Kreativität, lässt einen die eigene Phantasie entfalten. Nichts ist vorgegeben ausser wilden Klecksen, die für sich nichts darstellen. Erst durch das Hinzufügen von Linien entsteht das Bild. Ganz individuell. Eine witzige Idee!

Fazit:
Ein witziges Buch zum Herauskitzeln der eigenen Phantasie und Kreativität. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Peng & Hu
Die Künstler Peng und Hu entdeckten das phantastische HIRAMEKI-Phänomen irgendwann auf ihren Pinsel-Abwischblättern, auf dem Atelierparkett, an den Wänden und auf ihren Hemden. Daraus entwickelten sie eine geniale Kunstform für Groß und Klein. Diese Meisterleistung wurde mit dem Kaiserlichen Klecks am Band ausgezeichnet und zwei Kritzlibären des Zoos von Zing wurden zur Feier des Tages nach den Künstlern benannt.

Hinter Peng & Hu stecken der Österreicher Günter Mayer und der Niederbayer Rudi Hurzlmeier. Beide sind als komische Künstler tätig, Hurzlmeier unter anderem für die Satirezeitschrift Titanic. Mayer ist als Karikaturist für österreichische Medien bekannt geworden.

Angaben zum Buch:
PengHuHiramekiBroschiert: 192 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (2. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3956140686
Preis: EUR 14.95 / CHF 21.90

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Rezension: Lotta Sjöberg – Family Living

Die ungeschönte Wahrheit

Familienleben – eine Idylle der anderen Art

Hätte ich meine Zeit mit Putzen verbracht, wäre dieses Buch nie zustande gekommen.

Sjöberg1Mit diesen Worten wird das Buch Family Living eingeleitet. Der Satz ist bezeichnend für das ganze Buch: Es könnte so schön sein mit dem Familienleben, wenn einen nur nicht die Realität einholen würde. Lotta Sjöberg erzählt aus dem ganz alltäglichen Familienirrsinn. Alles fängt damit an, dass mit den Kindern die ach so tolle Stadtwohnung zu klein und unpraktisch wird. Mehr Platz ist dringend nötig. Umzug und andere Strapazen bleiben nicht aus. Aber auch im Traumhaus ist nicht alles einfach. Kinder werden krank, der Spagat zwischen Beruf und Familie fordert seinen Tribut und auch das Leben als Paar hat so seine Tücken. Doch trotz all den täglichen Gewissenbissen, Hürden und Notlösungen ist es doch wunderbar, das Familienleben. Irgendwie.

Sjöberg2Lotta Sjöberg erzählt mit viel Humor und Sinn für die Alltäglichkeiten aus dem ganz normalen Familienleben. Illustriert hat sie das Buch mit herrlichen Zeichnungen, welche die Erzählung stützen und mit viel Liebe zum Detail weiterentwickeln, mit neuen Facetten würzen. Entstanden ist ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch. Family Living ist ein Buch, das mit Illusionen aufräumt, einem zeigt: Man ist nicht allein in diesem Wahnsinn, andern geht es genauso.

Fazit:
Ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch mit wunderbaren Illustrationen. Absolut empfehlenswert.

Die Autorin
Lotta Sjöberg
Lotta Sjöberg *1971, arbeitet als Zeichnerin und lebt mit ihren drei Töchtern, ihrem Mann und einem Hund in Stockholm.

Zum Buch gibt es auch eine Facebookseite: Family living the true story

Angaben zum Buch:
SjöbergFamilyGebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Moderne (1. Oktober 2015)
Übersetzung: Ulrike Samuelsson
ISBN-Nr: 978-3037311431
Preis: EUR 19.80 / CHF 29.90

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http://www.books.ch/shop/home/suchartikel/family_living/lotta_sjoeberg/EAN9783037311431/ID42374358.html?jumpId=31307229&suchId=9ffc1b1d-36c2-483c-9e40-96905cae1c85

Rezension: Doris Lecher – Spiegel, das Kätzchen

Nach einer Novelle von Gottfried Keller

Der Pakt mit dem Hexenmeister

Vor mehreren hundert Jahren wohnte in Seldwyla eine ältliche Person allein mit einem schönen, putzmunteren und aussergewöhnlich klugen Kätzchen namens Spiegel. […] Das vergnügte, zufriedene zusammenleben nahm aber plötzlich ein trauriges Ende, als Spiegels Herrin unversehens an Altersschwäche starb.

Damit nimmt Spiegels Schicksal seinen Lauf. Ohne Zuhause magert er ab, vor lauter Hunger verliert er fast den Verstand. Nur so ist es zu erklären, dass er sich auf den Hexenmeister Pineiss einlässt und einen fatalen Vertrag eingeht. Nun hilft ihm nur noch eine geschickte Fügung – oder aber der wiederkehrende Verstand, aus dieser Lage wieder herauszukommen.

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“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Nach einer Novelle von Gottfried Keller hat Doris Lecher die Geschichte um Spiegel, das Kätzchen neu erzählt (dabei etwas gekürzt) und mit wunderbaren Bildern illustriert. Um dem Stoff gerecht zu werden, hat sie auf ihre sonst bevorzugte Technik, das Aquarellieren, verzichtet und sich für den Kupferdruck entschieden. Eine gute Wahl, denn entstanden ist ein wunderbares Buch für Kinder und Erwachsene.

Doris Lecher ist es gelungen, mit ihren Bildern die Stimmung der Geschichte einzufangen. Durch ihre liebevollen Zeichnungen, die mit vielen Details und wunderbaren Farben aufwarten, wird aus Gottfried Kellers Novelle ein Lesevergnügen mit viel Freude beim Anschauen, Staunen und immer wieder Neues entdecken.

Fazit:
Ein wunderbar illustriertes Buch für Kinder und Erwachsene. Absolut empfehlenswert.

Das Interview mit der Illustratorin findet sich hier

Zum Buch gibt es auch einen wunderbaren Buchtrailer

Autor/Illustrator
Doris Lecher

Doris Lecher, geboren 1962 in Zürich, hat Illustration an der Parsons School of Design in New York studiert. Seither schreibt und malt sie für Kinder. Mit Ich will Wurst gewann sie 1997 dem Schweizer Bilderbuchpreis. Ihre Schneckengeschichte ein neues Haus für Charlie hat als Longseller schon viele Kinderherzen erobert. Doris Lecher liebt Kinder, Katzen, Eulen, Kellers Novellen – und vieles mehr.

Gottfried Keller
Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. Nachdem er sich an der Kunstakademie in München zum Maler ausbilden liess, reiste er zurück nach Zürich und fing wegen dem ausbleibenden Erfolg als Maler zu schreiben an. Er schrieb Werke wie Der grosse Heinrich und die Novellensammlung Die Leute aus Seldwyla, Teil welcher Spiegel das Kätzchen ist. Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich.

Angaben zum Buch:
LecherSpiegelGebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (1. Mai 2015)
ISBN-Nr: 978-3314102875
Preis: EUR 16.90 / CHF 23.90

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