Rezension: Christoffer Carlsson: Der Turm der toten Seelen

Wie einer wird, was einer ist

Ich streiche um dein Haus herum, genau wie früher. Aber es ist nicht mehr dein Haus, du bist nicht hier. Warst lange nicht hier. Ich weiss das, denn ich verfolge dich. Nur ich bin hier. Und eigentlich nicht mal ich. Du kennst mich nicht. Keiner kennt mich mehr.

carlssonturmEine junge Frau wird in der Notschlafstelle, die sich im Haus von Leo Junker befindet, erschossen. Junker, aktuell vom Dienst suspendiert, weil er einen Kollegen erschossen hat, ist schnell am Tatort und gilt schon bald als Verdäc
htiger. Schon bald fühlt er, dass dieser Fall in der Tat etwas mit ihm zu tun hat und er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Der Turm der toten Seelen ist der erste Band einer Reine rund um Leo Junker. Vielleicht wird darum so viel Zeit darauf verwendet, dessen ganze Geschichte aufzurollen, von der Kindheit in einem sozial schwachen Umfeld über die erste Liebe, erste Freundschaft, hin zu Schlägereien und Jugendkriminalität. Zwar hat diese Geschichte durchaus Bezug zum aktuellen Fall, trotzdem wirkt sie oft zu ausschweifend, hemmt den Erzählfluss und bremst die Spannung.

Es lohnt sich, dranzubleiben (notfalls kann man das eine oder andere überblättern), denn das Buch nimmt mit der Zeit an Tempo zu und wird am Schluss wirklich spannend, so dass man sich auf weitere Fälle des vielschichtigen Ermittlers freut. Das ab und an schleppende Tempo wird aufgewogen durch eine eingängige und leicht lesbare Erzählweise, durch einen durchdachten und stimmigen Plot und komplexe Charaktere.

Fazit:
Stimmige Geschichte, die langsam anfängt, weit ausschweift, dann an Tempo zulegt und spannend wird. Empfehlenswert!

Zum Autor
Christoffer Carlsson, geboren 1986, ist promovierter Kriminologe und hat bereits während des Studiums mehrere Thriller veröffentlicht. Inzwischen zählt er zu den erfolgreichsten Krimiautoren Schwedens. Seine Leo-Junker-Serie erhielt international höchstes Lob und erscheint in 18 Ländern. Jetzt erscheint die Reihe erstmals im Taschenbuch.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (22. August 2016)
Übersetzer: Susanne Dahmann
ISBN-Nr.: 978-3328100416
Preis: EUR 10 / CHF 14.90
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Rezension: Nicci French: Böser Samstag

Die Vergangenheit lässt nie los

frenchbosersamstagNach all den Aufregungen der Vergangenheit wollte die Psychologin Frieda Klein eigentlich nichts mehr mit Polizeiarbeit und Ermittlungen zu tun haben. Sie wollte sich ganz auf ihre Praxis und ihr Privatleben konzentrieren. Doch sie schuldet noch jemandem einen Gefallen – und der hat es in sich:

Eines Nachts hatte die damals erst 18jährige Hannah Docherty ihre ganze Familie grausam umgebracht und wurde danach in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Bei ihrem ersten Besuch bei Hannah fällt Frieda Klein aus, in welch schrecklichem Zustand Hannah ist. Nicht nur scheint sie völlig verstört und redet nicht, sie ist auch geschunden und verletzt. Die Meinungen der Ärzte vor Ort (und auch die aller anderen Menschen) sind eindeutig: Die junge Frau sei gestört, gewalttätig und vor allem: Ganz bestimmt die Täterin von damals. Frieda ist sich da nicht sicher und will auf eigene Faust ermitteln, denn die Polizei weigert sich, den Fall neu aufzurollen.

Als wäre das nicht genug, melden sich auch Menschen aus Friedas eigener Vergangenheit wieder – ob nun der ganze Schrecken von früher nochmals losgeht?

Böser Samstag ist der sechste von acht Fällen um die Psychologin Frieda Klein. Auch wenn man die vorhergehenden Fälle nicht kennt, kommt man gut mit und sieht sich einem packenden und spannenden Fall ausgesetzt. Als Leser tappt man mit der Ermittlerin im Dunkeln, versucht genau wie sie, die verschiedenen Fäden zu packen und sich einen Reim drauf zu bilden. Es erstaunt nicht, dass man das Buch kaum mehr weglegen mag und genauso verbissen wie die Ermittlerin selber dran bleibt.

Am Schluss des Buches sitzt man da und hofft nur eines: Dass der siebte Fall bald erscheinen möge!

Fazit:
Authentische und plastische Charaktere, spannender und stimmiger Plot – packender Lesegenuss. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Nicci French – hinter diesem Namen verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit dem Erscheinen ihres Longsellers „Der Sommermörder“ sorgen sie mit ihren Psychothrillern international für Furore und verkauften weltweit über 8 Mio. Exemplare. Die beiden leben in Südengland. „Böser Samstag“ ist der sechste Band der achtteiligen Thrillerserie.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (31. Oktober 2016)
Übersetzer: Birgit Moosmüller
ISBN-Nr.: 978-3570102282
Preis: EUR 14.99 / CHF 22.90
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Rezension: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Schönheit und Verfall

Wenn ich einen Menschen sehr, sehr gern habe, verrate ich seinen Namen keiner Seele. Das käme mir so vor, als lieferte ich einen Teil von ihm aus.

wildegrayMit dem Bildnis des jungen und wunderschönen Dorian Gray ist dem Maler Basil Hallward ein Meisterwerk gelungen. Trotzdem will er es nicht ausstellen, zögert sogar, seinem Freund Lord Henry den Namen des Porträtierten preiszugeben. Erst zögerlich gesteht er, dem jungen Mann verfallen zu sein.

Jedes Bildnis, das mit Gefühl gemalt ist, ist ein Bildnis des Künstlers, nicht des Modells.

Hallward fürchtet denn auch, dass der jugendliche und naive Schöne durch den Einfluss von Lord Henry verdorben werden könnte, da dieser eine höchst spitze Zunge hat und die landläufig geglaubten Philosophien sowie die gepflegten Umgangsformen hinterfragt und ins ihr Gegenteil verdreht.

Aber die Schönheit, die wirkliche Schönheit hört da auf, wo der geistvolle Ausdruck anfängt. Geist ist an sich eine Art Übermass und zerstört die Harmonie des Gesichts. Im Moment, wo man sich hinsetzt, um zu denken, wird man nur Nase oder nur Stirn oder sonst etwas Greuliches.

Als Dorian Gray sein Bildnis sieht, ist er hin und weg ob seiner Schönheit – um gleich darauf erschüttert zu sein: Nie mehr wird er so schön sein wie auf diesem Bild. Während dieses Bild die Schönheit behält, wird sie an ihm schwinden. Er äussert den folgenreichen Wunsch, dass es doch umgekehrt sein möge: Das Bild solle an seiner Statt altern.

Der Wunsch wird wahr, was umso tragischer ist, als in der einst unschuldigen Seele dunkle Seiten auftreten, welche sich nun in immer stärker verzerrten Gesichtszügen auf dem Bild festsetzen. Das Bildnis wird zum Abbild seiner Seele, seines Tuns.

Das Bildnis des Dorian Gray ist ein Buch der Meisterklasse. Es steigt in die Abgründe der menschlichen Seele hinab, zeigt, was die Regungen und Ansprüche der Menschen mit diesen machen. Oscare Wilde hält der immer oberflächlicher werdenden Gesellschaft den Spiegel vor. Während diese auf Äusserlichkeiten und zur Schau gestellte Anstandsregeln setzt, brodeln innerlich Gier, Wolllust, Machtstreben und vieles mehr.

Zentral ist sicher die Veränderung des Dorian Gray von einem wunderschönen, naiven und guten Jungen hin zu einem unmoralischen, destruktiven und bösen Mann. Wie kam es zu der Veränderung? Hat Lord Henry diese durch seine offensichtliche Manipulation angestossen, indem er Samen setzte, die wuchsen? Oder goss er nur die Anlagen, die schon in Samen vorhanden waren? Konnte Dorian Gray seine inneren Triebe erst da ausleben, als er das Bild hatte, das an seiner Stelle die Konsequenzen trug, indem es sich veränderte, er schön blieb, quasi den Schein wahrte? Oder steht das Bild für das Gewissen, welches so nach aussen geholt wurde und sichtbar wurde?

Ein Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite!

Fazit:
Ein Meisterwerk der Literatur – psychologisch, tiefgründig, das menschliche Sein und Tun und die Gesellschaft vorführend. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Oscar Wilde, der mit vollem Namen Oscar Fingal O’ Flahertie Wills Wilde hieß, wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin geboren und ist einer der bedeutendsten irischen Schriftsteller. Als schillernde Lichtgestalt des „L’art pour l’art“ wurde er im viktorianischen England u. a. für sein extravagantes Auftreten bewundert. Häufig war der Dandy auch wegen seiner skandalträchtigen Werke im Gespräch, in denen er die Prüderie der damaligen Gesellschaft vorführte. 1890 veröffentlichte Oscar Wilde seinen berühmten Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. 1895 wurde der Familienvater wegen Unzucht und Homosexualität zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe verließ er – verarmt und gebrochen – England und lebte bis zu seinem Tod am 30. November 1900 in Paris.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (24. Juli 1996)
ISBN-Nr.: 978-3257214116
Preis: EUR 10
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Rezension: Martha Grimes: Ein Mord macht noch keinen Sommer

Das gefährliche Verlagswesen

grimesmordsommerCindy Stella sitzt ihr ehemaliger Agent im Nacken, weil er für ein Roman Provision will, mit dem er eigentlich nichts zu tun hatte. Das will die junge Autorin nicht auf sich sitzen lassen. Zu Hilfe kommen zwei skurrile Auftragskiller, welche das Problem lösen sollen.

Nachdem ich einen Krimi im üblichen Stil von Martha Grimes erwartet hatte, war ich doch eher erstaunt – und enttäuscht. Das Ganze sollte wohl eine Persiflage sein, allein ich bin mit dem Stil nicht warm geworden. Es ging mir zu sehr hin und her, ich vermisste den roten Faden.

Vermutlich liegt die Enttäuschung aber an meinen Erwartungen, denn: Der Roman war als Roman und nicht als Thriller bezeichnet, ich habe mich wohl vom Namen der Autorin in die Irre leiten lassen.

Wenn man das beachtet und man solche Persiflagen mag, welche durch verschrobene Figuren, witzige Dialoge und durchaus einen durchdachten Plot glänzen, wird man sicher auf seine Kosten kommen beim Lesen. Auch schafft es die Autorin, die einzelnen Charaktere in ihrer Eigenart und Sprechweise authentisch wirken zu lassen.

Fazit:
Eine Persiflage, welche durch skurrile und plastische Charaktere glänzt.

Zum Autor
Martha Grimes zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen unserer Zeit. Lange Zeit unterrichtete sie kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University. Durch ihre Serien um Inspektor Richard Jury und die 12-jährige Ermittlerin Emma Graham wurde sie weltbekannt. Die „Mystery Writers of America“ kürten sie 2012 für ihr Lebenswerk zum „Grand Master“, und ihre Inspektor-Jury-Reihe wurde nun auch fürs deutsche Fernsehen entdeckt und erfolgreich verfilmt. Martha Grimes lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und in Santa Fe, New Mexico.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3442484546
Preis: EUR 14.99 / CHF 22.90
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Rezension: Beate Maxian: Mord in Schönbrunn

Märchenhafter Mord

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Frau Königin, Ihr seid die Schönste im Land.“

maxianschonbrunnAls Valentina wie so oft früh morgens durch den Schlosspark Schönbronn joggt, bietet sich ihr ein grausames Bild: Eine auf einem Tisch aufgebahrte Leiche in einem Hochzeitskleid, umgeben von Kerzen. Die Polizei identifiziert diese als die seit fünf Jahren vermisste Daniela Müller. Diese war kurz vor ihrer Hochzeit mit dem reichen Hotelier Felix Beermann verschwunden. Das Pikante an der Geschichte: Valentina war damals die Hochzeitsplanerin des Paares gewesen und sie wollte in zwei Wochen Felix Beermanns Ehefrau werden.

Nicht nur die Polizei tappt im Dunkeln, auch die Journalistin Sarah Pauli will der Sache auf den Grund gehen. Ihr Interesse wird noch dadurch angestachelt, dass sich rund um den Mord mystische und symbolische Zeichen offenbaren – Sarahs Steckenpferd.

Mord in Schönbrunn ist bereits der sechste Kriminalroman aus Wien mit der Journalistin Sarah Pauli. Man muss die ersten fünf aber nicht gelesen haben, um gleich in den Bann der Geschichte gezogen zu werden. Beate Maxian gelingt es, den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite zu spannen. Die Charaktere sind plastisch und authentisch und der Plot stimmig. Der Leser wird von Seite zu Seite getrieben von seiner eigenen Neugier, wer der Täter mit Märchenphantasie war und vor allem: Wer sein nächstes Opfer ist, denn eines ist klar: Es wird noch eines geben.

Fazit:
Krimigenuss auf höchstem Niveau – Achtung: Suchtgefahr! Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Die Österreicherin Beate Maxian wurde in München geboren und verbrachte ihre Jugend u.a. in Bayern und im arabischen Raum. Heute lebt sie mit ihrer Familie abwechselnd in Oberösterreich und Wien und arbeitet neben dem Schreiben als Moderatorin und Journalistin sowie als Dozentin an der Talenteakademie. Ihre in Wien angesiedelten Krimis um die Journalistin Sarah Pauli haben eine treue Leserschaft erobert und sind Bestseller in Österreich. Des Weiteren ist Beate Maxian die Initiatorin und Organisatorin des ersten österreichischen Krimifestivals: Krimi-Literatur-Festival.at

Interview mit Beate Maxian: HIER

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3442482962
Preis: EUR 8.99 / CHF 13.90
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Rezension: Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Vom Lesen und Schreiben

Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles. Was es bedeutet, zu schreiben, was es bedeutet, für ein Publikum zu schreiben – und für welches Publikum. Was verspreche ich mir vom Schreiben?

Tim Parks ist wohl wie kein anderer dazu in der Lage, über das Schreiben und Geschriebenes zu reflektieren. Selber Autor von literarischen Werken, Artikeln, Essays und Übersetzungen, schreibt er nicht nur selber viel in verschiedenen Bereichen und für ein unterschiedliches Publikum, er setzt sich auch mit Geschriebenem auseinander, wenn er es übersetzen will oder seine Studenten anleitet, wie Übersetzungen funktionieren.

Was bedeutete es, zu lesen? Möchte ich lesen, was die anderen lesen, damit ich mich mit ihnen unterhalten kann? Welche anderen sind das? Warum will ich mich überhaupt mit ihnen unterhalten?

Alles, was geschrieben wird, trifft – so hofft der Schreibende – auf einen Leser. Doch wieso liest er? Und wie muss Literatur beschaffen sein, dass sie Leser hat? Was macht Literatur zu guter Literatur, vielleicht zu preisgekrönter? Tim Parks nimmt auch den ganzen Literaturbetrieb unter die Lupe, angefangen von den Lektoren über die Verlage bis hin zu den Jurys bekannter Preise im Literaturbereich.

Ein weiteres Thema ist immer wieder die Welt, in der wir leben. Sie prägt sowohl das Schreiben wie auch das Lesen – ein Umstand, der beim Thema Literatur nicht ausser Acht gelassen werden darf. Der Einfluss einer globalisierten Welt auf nationale Literatur, die Ausrichtung der Literatur am eigenen Kulturkreis oder aber deren Öffnung hin zu einer Weltliteratur bestimmen soswohl die Sprache als auch die Inhalte literarischer Werke.

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen ist ein trotz seiner Fundiertheit gut lesbares Buch über Bücher, welches Einblicke gewährt, die auf einer umfassenden Kenntnis der Branche und der Materie gründen.

Fazit:
Ein sehr informatives und auch inspirierendes Buch über Bücher, über die Literatur und ihre Autoren und Leser. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, wuchs in London auf und lebt seit 1981 in Italien. Seine Romane und seine erzählenden Sachbücher wurden von der Kritik hochgelobt und sind in viele Sprachen übersetzt. Er hat das Werk von Italo Calvino, Roberto Calasso, Alberto Moravia und Machiavelli ins Englische übersetzt und unterrichtet Literarisches Übersetzen an der Universität Mailand.

Angaben zum Buch:
parksbucherGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3956141300
Preis: EUR 20 / CHF 28.90
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Rezension: James Patterson: Die Tote Nr. 12

Vorhergesagte und verschwundene Leichen

Ich wurde von einem lauten Knall geweckt. Es klang, als hätte jemand direkt neben meinem Kopf eine Pistole abgefeuert. Ich riss die Augen auf und sass schlagartig aufrecht im Bett.

Ausgerechnet in einer Sturmnacht will die kleine Tochter von Lindsay Boxer zur Welt kommen. Der Weg ins Krankenhaus ist unmöglich, bleibt nur noch die Feuerwehr, die zu Hilfe eilt. Nachdem die Geburt problemlos vonstatten ging, freut sich Lindsay auf die Zeit zu Hause mit ihrer kleinen Familie, doch dann wird sie zum Dienst gerufen: Die Freundin eines bekannten Sportlers wurde umgebracht. Dass die Leiche kurz darauf aus der Pathologie verschwindet, macht den Fall noch komplizierter. Nun ist auch Lindsays Freundin Claire aus der Rechtsmedizin unter Strom.

Die dritte im Bunde des Women’s Murder Club, die Staatsanwältin Yuki, versucht zur selben Zeit, einen unsympathischen Anwalt für den Mord an seiner Frau und Tochter hinter Gitter zu bringen, und Cindy, ebenfalls Mitglied und Journalistin, versucht sich mit viel Einsatz in ihrem Beruf zu behaupten, wofür sie ihre Beziehung aufs Spiel setzt.

Als ob das alles nicht genug wäre, sagt ein verrückter Professor ständig neue Morde voraus, von welchen er geträumt habe – und sie passieren wirklich.

Die Tote Nr. 12 ist der zwölfte Band aus der Reihe um den Women’s Murder Club. Die vier Frauen stehen wieder einmal unter Strom, jede für sich und alle doch durch die gleichen Fälle verstrickt (diesmal allerdings weniger als in den vorherigen Bänden). Der anfänglich schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Personen und Schauplätzen kann etwas verwirren, aber das legt sich schnell und man ist als Leser in den Sog der Geschichte hineingezogen, der nicht mehr loslässt. Auch wenn man die ersten 11 Bände nicht kennt, kommt man gut mit, findet sich schnell in die Geschichte hinein.

James Patterson führt in 110 Kurzkapiteln rasant durchs Geschehen und reisst den Leser mit. Dadurch, dass jedes Kapitel nur 3-4 Seiten umfasst, liest man immer noch schnell eines, bis man schliesslich am Ende ist und der Fall gelöst.

Fazit
Rasant erzählte und packende Geschichte, die einen in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor:
James Patterson, geboren 1947, war Kreativdirektor bei einer großen amerikanischen Werbeagentur. Seine Thriller um den Kriminalpsychologen Alex Cross machten ihn zu einem der erfolgreichsten Bestsellerautoren der Welt. Auch die Romane seiner packenden Thrillerserie um Detective Lindsay Boxer und den „Women´s Murder Club“ erreichen regelmäßig die Spitzenplätze der internationalen Bestsellerlisten. James Patterson lebt mit seiner Familie in Palm Beach und Westchester, N.Y.

Angaben zum Buch:
patterson12Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. August 2016)
Übersetzung: Leo Strohm
ISBN: 978-3734103285
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 13.90
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Rezension: Lori Ostlund: Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

Die Suche nach dem eigenen Leben

Am liebsten wäre er sofort losgefahren, fand die Vorstellung, so spät noch aufzubrechen, dann aber doch nicht so gut. Dass der Transporter voll beladen in der Einfahrt stand, reichte schliesslich als Beweis seiner Absicht.

Aaron Englund ist 42 und er fängt ein neues Leben an. Er reist nach San Francisco, wo er eine Stelle als Sprachehrer für Fremdsprachige hat. Es ist das erste Mal, dass er einen Weg alleine geht, dass er tut, was er tun will, ohne sich von anderen leiten zu lassen oder sich denen anzupassen. Als Kind waren da sein cholerischer Vater und seine labile Mutter, denen er es recht machen wollte, später dann Walter. Walter lernte er kennen, als er noch ein Teenager war, und er lebte über 20 Jahre mit ihm zusammen.

Walter sah aus dem Fenster, eine gefühlte halbe Ewigkeit lang. „Ich habe dich gerettet, Aaron“, sagte er schliesslich. Sein Kopf sank auf die Tischplatte, schwer von Erinnerungen.

Aaron war dankbar für alles, was Walter für ihn gemacht hatte. Walter hatte ihn gerettet, aber in dieser Rettung lag auch eine Verpflichtung. Diese prägt die Rollen in einer Beziehung. Aaron musste diese Ketten sprengen.

…dankbar zu sein und Dankbarkeit abverlangt zu bekommen, waren zwei Paar Schuhe.

Das Leben ist ein merkwürdiger Ort ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf die Suche nach sich selber macht. Er lässt sein ganzes Leben hinter sich, wobei sich mit der Zeit die Frage stellt, was genau SEIN Leben war. In Rückblicken erfährt man mehr über seine Vergangenheit: Eine trostlose Kindheit geprägt von einem Vater, welcher mit seiner cholerischen Art mehr Schrecken als Halt war und geprägt von einer Mutter, welche ihn eher als Last denn als Freude sah und irgendwann einfach weg war. Später dann ein Leben geprägt von Walter, der ihn gerettet hatte und fortan sein Leben bestimmte. Er tat dies nicht dominant oder gar bösartig, es waren einfach die Rollen, in welche die beiden gewachsen waren.

Aaron ist ein stiller, eher passiver Charakter, der die Menschen zwar mag, sie aber kaum an sich ranlässt. Trotzdem trifft er immer wieder auf welche, die sich ihm annehmen und ihm helfen. Aarons Leben richtet sich immer wieder in gefestigten Bahnen ein, denen er dann getreu folgt, das ändert auch nach seinem Ausbruch in eine eigene Welt nicht. In vielen Rückblicken erfährt man als Leser, was Aaron in seinem Leben schon alles erlebt hat – und es ist viel. Fast ein wenig zuviel in der Summe. Fast mutet es an, als ob man sämtliche menschlichen Schwierigkeiten in Aarons Geschichte vereint habe: ein überdominanter Vater, eine labile Mutter, fanatisch religiöse Verwandte, körperliche Strafen, Sinn- und Selbstsuche, der Umgang mit der eigenen Homosexualität und einiges mehr.

Lori Ostlund hat eine tiefgründige, philosophisch und psychologisch dichte Geschichte in eine klare, leise und flüssig lesbare Sprache gepackt. Es ist ihr gelungen, vor allem den Protagonisten fass- und erlebbar darzustellen. Mitunter ist die Geschichte etwas langatmig, auch geschieht der Wechsel zwischen den Zeiten oft gar abrupt, indem einfach ein Satz aus einer anderen Zeit in die aktuelle Erzählzeit eingebaut wird. Trotzdem ist es ein sehr eingängiges Buch, eines, das tief geht und nachhallt.

Fazit
Die tiefgründig und einfühlsam geschriebene Geschichte eines Mannes, der sich aufmacht, sein eigenes Leben zu suchen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor und Übersetzer:
Lori Ostlund wuchs in Minnesota auf. Nach ihrem Studium in Minnesota und New Mexico arbeitete sie als Antiquitätenhändlerin und Englischlehrerin, u. a. in New Mexico, Spanien und Malaysia. Ihr Erzählungsband ›The Bigness of the World‹ erschien 2009 bei University of Georgia Press und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Flannery O’Connor Award for Short Fiction. ›Das Leben ist ein merkwürdiger Ort‹ ist ihr erster Roman. Lori Ostlund lebt und schreibt in San Francisco.

Pieke Biermann, geboren 1950, studierte Deutsche Literatur und Sprache bei Hans Mayer sowie Anglistik und Politische Wissenschaft in Hannover und Padua. Sie lebt in Berlin und ist seit 1976 freie Schriftstellerin und Übersetzerin, u.a. von Stefano Benni, Andrea Bajani, Dorothy Parker, Anya Ulinich, Tom Rachman und Ben Fountain. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, drei Mal erhielt sie den Deutschen Krimipreis.

Angaben zum Buch:
ostlundlebenGebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (26. August 2016)
Übersetzung: Pieke Biermann
ISBN: 978-3423280778
Preis: EUR: 22 ; CHF 28.90
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Lieblingsbücher zum Zweiten

Gestern schrieb ich über Lieblingsbücher und zitierte eine Liste der 100 liebsten Bücher der Deutschen. Heute möchte ich die Liste von BBC nachreichen. Das Projekt hiess The Big Read und BBC ermittelte dabei die liebsten Romane der Nation.

1. The Lord of the Rings, JRR Tolkien
2. Pride and Prejudice, Jane Austen
3. His Dark Materials, Philip Pullman
4. The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, Douglas Adams
5. Harry Potter and the Goblet of Fire, JK Rowling
6. To Kill a Mockingbird, Harper Lee
7. Winnie the Pooh, AA Milne
8. Nineteen Eighty-Four, George Orwell
9. The Lion, the Witch and the Wardrobe, CS Lewis
10. Jane Eyre, Charlotte Brontë
11. Catch-22, Joseph Heller
12. Wuthering Heights, Emily Brontë
13. Birdsong, Sebastian Faulks
14. Rebecca, Daphne du Maurier
15. The Catcher in the Rye, JD Salinger
16. The Wind in the Willows, Kenneth Grahame
17. Great Expectations, Charles Dickens
18. Little Women, Louisa May Alcott
19. Captain Corelli’s Mandolin, Louis de Bernieres
20. War and Peace, Leo Tolstoy
21. Gone with the Wind, Margaret Mitchell
22. Harry Potter And The Philosopher’s Stone, JK Rowling
23. Harry Potter And The Chamber Of Secrets, JK Rowling
24. Harry Potter And The Prisoner Of Azkaban, JK Rowling
25. The Hobbit, JRR Tolkien
26. Tess Of The D’Urbervilles, Thomas Hardy
27. Middlemarch, George Eliot
28. A Prayer For Owen Meany, John Irving
29. The Grapes Of Wrath, John Steinbeck
30. Alice’s Adventures In Wonderland, Lewis Carroll
31. The Story Of Tracy Beaker, Jacqueline Wilson
32. One Hundred Years Of Solitude, Gabriel García Márquez
33. The Pillars Of The Earth, Ken Follett
34. David Copperfield, Charles Dickens
35. Charlie And The Chocolate Factory, Roald Dahl
36. Treasure Island, Robert Louis Stevenson
37. A Town Like Alice, Nevil Shute
38. Persuasion, Jane Austen
39. Dune, Frank Herbert
40. Emma, Jane Austen
41. Anne Of Green Gables, LM Montgomery
42. Watership Down, Richard Adams
43. The Great Gatsby, F Scott Fitzgerald
44. The Count Of Monte Cristo, Alexandre Dumas
45. Brideshead Revisited, Evelyn Waugh
46. Animal Farm, George Orwell
47. A Christmas Carol, Charles Dickens
48. Far From The Madding Crowd, Thomas Hardy
49. Goodnight Mister Tom, Michelle Magorian
50. The Shell Seekers, Rosamunde Pilcher
51. The Secret Garden, Frances Hodgson Burnett
52. Of Mice And Men, John Steinbeck
53. The Stand, Stephen King
54. Anna Karenina, Leo Tolstoy
55. A Suitable Boy, Vikram Seth
56. The BFG, Roald Dahl
57. Swallows And Amazons, Arthur Ransome
58. Black Beauty, Anna Sewell
59. Artemis Fowl, Eoin Colfer
60. Crime And Punishment, Fyodor Dostoyevsky
61. Noughts And Crosses, Malorie Blackman
62. Memoirs Of A Geisha, Arthur Golden
63. A Tale Of Two Cities, Charles Dickens
64. The Thorn Birds, Colleen McCollough
65. Mort, Terry Pratchett
66. The Magic Faraway Tree, Enid Blyton
67. The Magus, John Fowles
68. Good Omens, Terry Pratchett and Neil Gaiman
69. Guards! Guards!, Terry Pratchett
70. Lord Of The Flies, William Golding
71. Perfume, Patrick Süskind
72. The Ragged Trousered Philanthropists, Robert Tressell
73. Night Watch, Terry Pratchett
74. Matilda, Roald Dahl
75. Bridget Jones’s Diary, Helen Fielding
76. The Secret History, Donna Tartt
77. The Woman In White, Wilkie Collins
78. Ulysses, James Joyce
79. Bleak House, Charles Dickens
80. Double Act, Jacqueline Wilson
81. The Twits, Roald Dahl
82. I Capture The Castle, Dodie Smith
83. Holes, Louis Sachar
84. Gormenghast, Mervyn Peake
85. The God Of Small Things, Arundhati Roy
86. Vicky Angel, Jacqueline Wilson
87. Brave New World, Aldous Huxley
88. Cold Comfort Farm, Stella Gibbons
89. Magician, Raymond E Feist
90. On The Road, Jack Kerouac
91. The Godfather, Mario Puzo
92. The Clan Of The Cave Bear, Jean M Auel
93. The Colour Of Magic, Terry Pratchett
94. The Alchemist, Paulo Coelho
95. Katherine, Anya Seton
96. Kane And Abel, Jeffrey Archer
97. Love In The Time Of Cholera, Gabriel García Márquez
98. Girls In Love, Jacqueline Wilson
99. The Princess Diaries, Meg Cabot
100. Midnight’s Children, Salman Rushdie

Was mir auffällt ist, dass hier keine Titel deutscher Autoren vertreten sind, auch die Franzosen fehlen. Während die Deutschen doch einige Bücher aus fernen Ländern und anderen Sprachen zu lieben scheinen, bleiben die Engländer ihrem Sprachkreis treu. Ob es dafür eine Erklärung gibt?

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr lieber deutsche Autoren oder englische oder kann man das nicht sagen? Wenn ihr fremdsprachige Autoren lest, bevorzugt ihr die Originalsprache oder lest ihr doch lieber die Übersetzung?

Lieblingsbücher

Immer wieder stösst man auf Fragen wie:

Was ist dein Lieblingsbuch? Welches Buch hat dich am meisten berührt, inspiriert im Leben?

Ich kann die Frage nicht beantworten, denn es sind zu viele Bücher, die ich liebe und liebte. Auch gibt es Bücher, die ich zu gewissen Zeiten liebte, später nicht mehr – und auch umgekehrt.

Zeitungen haben Ranglisten der besten Bücher der Woche, des Monats, des Jahres, es gibt einen Literaturkanon mit Büchern, die man gelesen haben muss. Kürzlich stiess im im Netz auf die Liste der 100 liebsten Bücher der Deutschen. Auch wenn ich eigentlich wenig von Listen halte, da ich immer finde, dass Literatur Stimmungs- und Geschmackssache ist, so mag ich diese Listen auch wieder. Sie zeigen, was andere Menschen gerne lesen, geben vielleicht auch den einen oder andern Tipp, was man selber noch lesen könnte – wobei ich dafür keine Anregung bräuchte, meine Liste der noch zu lesenden (oder wieder zu lesenden) Bücher wächst sowieso ins Unermessliche.

Hier die 100 liebsten Bücher der Deutschen:
1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien
2. Die Bibel
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfüm, Patrick Süskind
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
7. Der Medicus, Noah Gordon
8.Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11.Tintenherz, Cornelia Funke
12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17.Stolz und Vorurteil, Jane Austen
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
19. Illuminati, Dan Brown
20. Effi Briest, Theodor Fontane
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling
22. Der Zauberberg, Thomas Mann
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
50. Der Schwarm, Frank Schätzing
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling
53. Momo, Michael Ende
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
60. Wüstenblume, Waris Dirie Will
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
66.Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoîte Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood

Was haltet ihr von dieser Liste? Gibt es Bücher, die in euren Augen dringend noch mit drauf müssten? Oder Bücher, welche ihr ganz schlimm findet und nicht versteht, wieso sie drauf sind?

Ich bin gespannt!

Rezension: Stefan Zweig: Buchmendel & Die unsichtbare Sammlung

Halt in einer kalten Welt

Jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.

Ein Kunstantiquar reist zu Kriegszeiten aus Berlin in ein kleines Dorf, wo er einen Sammler alter Zeichnungen besucht, um ihm eventuell die eine oder andere abkaufen zu können. Er trifft einen alten Mann, der mittlerweile erblindet ist, dessen grösste Freude im Leben aber immer noch seine Kunstsammlung ist. Wer denkt, dass er diese wegen seiner Blindheit nicht mehr geniessen kann, der irrt, denn: Er kann sie gerade deswegen noch geniessen.

Jakob Mendel ist Buchtrödler mit Leib und Seele. Er kennt alle Bücher mit Namen, Seitenzahlen, Erscheinungsdatum- und Ort und mehr. Er wird mitunter auch „Magier und Makler der Bücher genannt“ und wer ihn sieht, der sieht einen alten Mann, der ganz im Lesen aufgeht – so wie andere Menschen im Beten.

Er las mit einer so rührenden Versunkenheit, dass alles Lesen von anderen Menschen mir seither immer profan erschien.

Von morgens bis abends sitzt Jakob Mendel im Hinterzimmer des Café Gluck in Wien und liest und empfängt die verschiedensten Menschen, die auf ihn hoffen in ihrer Büchersuche – bis er eines Tages von der Polizei abgeholt wird.

Stefan Zweig ist ein Meister der Personenbeschreibungen sowie der Beschreibung von Stimmungen. Dabei nennt er die Dinge nicht einfach profan beim Namen und stösst den Leser drauf, nein, er lässt den Leser die Geschichte erleben, indem er sie ihm plastisch macht in seiner wunderbar blumigen, von Metaphern durchsetzten Sprache. Man taucht ein in neue Welten, sitzt dabei, wenn was geschieht. Die Menschen der Geschichten werden einem vertrauter und man glaubt, sie zu kennen, sie zu erleben.

In diesen beiden Novellen zeichnet Stefan Zweig das Bild von zwei Liebhabern: einer liebt die Kunst, einer die Bücher – und beide tun sie das mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Sie finden ihr Glück, sie versinken in ihrem Tun und tauchen so selber in eine Welt ein, die ihnen Zuhause ist, Geborgenheit – selbst (oder gerade) wenn das Leben äusserlich wenig davon spüren lässt.

In einem Nachwort erfährt der Leser mehr über Stefan Zweigs Leben im Exil und seinen selbstgewählten Abschied von dieser Welt.

Begleitet werden die Geschichten durch Illustrationen von Joachim Brandenburg und Florian Arnold. Es ist ihnen auf ihre je eigene Weise gelungen, die Stimmung der Erzählung einzufangen und sie durch eine weitere, bildhafte Ebene zu erweitern. Dass das Buch selber sehr kunst- und liebevoll gestaltet ist, macht dieses Buch zu einer wahren Freude.

Fazit
Feinfühlige Personenbeschreibungen, philosophische Betrachtungen und Sprachschönheit verbunden mit wunderbaren Illustrationen, kunstvollem Layout und hochwertigen Materialien. Ein Fest für alle Sinne. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor und den Illustratoren:
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien als Sohn des Textilindustriellen Moritz Zweig geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien 1891-1899 studierte er Germanistik und Romanistik und wurde mit einer Arbeit über Die Ursprünge des zeitgenössischen Frankreich 1904 in Wien zum Dr. phil. promoviert. Unter dem Einfluß Hofmannsthals schrieb er früh Gedichte (Silberne Saiten, 1901). Seine ersten Novellen (D) erschienen 1904. Weitere Novellenbände (Brennendes Geheimnis, 1911, Amok, 1922, Sternstunden der Menschheit, 1927) folgten und machten ihn weltberühmt wie auch seine großen Biographien (Romain Rolland, 1921, Joseph Fouché, 1929, Maria Stuart, 1935,Magellan, 1938, Balzac, postum 1946). Viele Studien- und Vortragsreisen führten ihn nicht nur in die westeuropäischen Länder, sondern auch nach Indien 1910, Nord- und Mittelamerika 1912, die Sowjetunion 1928 und ab 1935 mehrfach nach Südamerika. 1938 war seine erste Ehe geschieden worden, 1939 heiratete er Lotte Altmann. Er lebte kurze Zeit in New York und siedelte 1941 nach Petropolis (Brasilien) über, wo er am 22. Februar 1942 zusammen mit seiner zweiten Frau den Freitod suchte.

Der 1979 in Günzburg geborene Joachim Brandenberg legte mit seiner Comic-Bearbeitung einer Kurzgeschichte von O. Henry („Tobisch“) eine visuell unverkennbare Visitenkarte seines Könnens als Illustrator vor. Das Buch erschien 2015 im Jaja Verlag, Berlin. Auf dem Comicsalon 2016 wurde „Tobisch“ mit dem ICOM Independent Comic Preis als „Bester Independent Comic 2015“ ausgezeichnet und für den „Max und Moritz Preis“ nominiert.

Florian L. Arnold wird 1977 in Ulm/Do. geboren und hat Kunstwissenschaften studiert.
Der Nachtarbeiter mit österreichischen Wurzeln arbeitet als freier Zeichner, Schriftsteller und Sprecher. Nach den satirisch-sprachspielerischen Publikationen „A biß Z! Handwörterbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“ (2012) und „Würstelessen mit Aliens“ (2013) erschien im Frühjahr 2015 die Novelle „Ein ungeheuerlicher Satz“ im Mirabilis Verlag. Das Buch wurde 2015 vom Kuratorium der Hotlist unter die besten 30 Bücher aus unabhängigen Verlagen gewählt.
Seit 2016 ist Florian L. Arnold zudem Mitbegründer des Literaturverlags „Topalian & Milani“.Florian L. Arnold lebt in Ulm und Leipzig.

Angaben zum Buch:
zweigbuchmendelGebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: Topalian & Milani Verlag (20. September 2016)
ISBN: 978-3946423058
Preis: EUR: 23 ; CHF 31.90
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Rezension: Connie Palmen: Du sagst es

Liebe, Leidenschaft und der Tod

Sie wollte nichts lieber, als jemanden lieben, aber sie hasste es, wenn sie es tatsächlich tat. Sie wollte nichts lieber, als geliebt werden, aber sie hat jeden, der sie je geliebt hat, gnadenlos für diese Liebe bestraft.

Sylvia Plath und Ted Hughes sind wohl eines der bekanntesten Schriftstellerehepaare des 20. Jahrhunderts – und eines der tragischsten. Sie lernten sich kennen, als sie beide noch nicht bekannt waren, trieben sich gegenseitig an in ihrem Schaffen. Sie lebten zusammen, liebten sich, waren glücklich – aber sie kämpften auch miteinander, wurden von Sylvia Plaths Depressionen, Komplexen und Ausbrüchen geschüttelt in ihrem Sein als Menschen und als Paar.

Ich hätte wissen müssen, dass eine Frau, die beisst, statt zu küssen, den, den sie liebt, auch bekämpft.

Ted Hughes hat sich Zeit seines Lebens nie zu seiner Beziehung zu Sylvia Plath geäussert. Er galt als Monster, sie wurde zur Märthyrerin verklärt. Er liess diese Sicht im Raum stehen. Connie Palmen wollte dies nicht so stehen lassen, sie schrieb mit Du sagst es einen Roman, in dem sie aus der Sicht von Ted Hughes die Beziehung der beiden bis hin zum Tod schildert. Sie hat Ted Hughes ihre Stimme geliehen und präsentiert dem Leser nun die ganze Geschichte aus dessen Sicht.

Entstanden ist ein sehr persönlicher, tiefgründiger, tiefgehender und mitreissender Roman. Allerdings muss man sich dabei immer wieder bewusst werden, dass es nicht Ted Hughes ist, der spricht, es ist Connie Palmen. Wir erfahren also nicht wirklich etwas über Hughes Sicht der Dinge, sondern lesen eine Interpretation aus dritter Hand. Die dargestellte Sylvia Plath ist deswegen auch nicht die wirkliche, echte Sylvia, sondern eine aus dritter Hand. Literatur darf das, schliesslich ist das Buch als Roman ausgewiesen und nicht als Biographie oder Autobiographie.

Fazit
Liebe und Leidenschaft, Leben und Tod – Das wohl berühmteste Schriftstellerehepaar des 20. Jahrhunderts als mitreissender, feinfühliger und tiefgründiger Roman. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Connie Palmen, geboren 1955, wuchs im Süden Hollands auf und kam 1978 nach Amsterdam, wo sie Philosophie und Niederländische Literatur studierte. Ihr erster Roman, ›Die Gesetze‹, erschien 1991 und wurde gleich ein internationaler Bestseller. Sie erhielt für ihre Werke zahlreiche Auszeichnungen, so wurde sie für den Roman ›Die Freundschaft‹ 1995 mit dem renommierten AKO-Literaturpreis ausgezeichnet. Connie Palmen lebt in Amsterdam.

Angaben zum Buch:
palmendusagstesTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (24. August 2016)
ISBN: 978-3257069747
Preis: EUR: 22 ; CHF 31.90
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Rezension: Rüdiger Görner: Hölderlin und die Folgen

Zwischen Wahnsinn und grosser Poesie

Seine Dichtung sanktioniert nichts, was wir heute tun. Was sie „stiftet“ ist die Anforderung, sich mit einer unerhörten Sprache auseinanderzusetzen, sprich: mit dem, was im Deutschen an poetischer Unerhörtheit möglich ist.

Hölderlin interessierte sich für die griechische Kultur, allen voran Sophokles und Pindar – letzteren übersetzte er auch. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in frühen Jahren als Hauslehrer, wo er seine grosse Liebe, die Frau seines Auftraggebers kennenlernte und sie zu Diotima machte in seinem Roman, er selber war Hyperion. Eine Zerreissprobe von Altem und Neuem, Antike und Moderne treffen aufeinander und Hölderlin hält die Fäden.

Zerrissenheit könnte man denn auch als Leitthema seines Lebens sehen. Die stete Sehnsucht, wegzugehen, abzubrechen im Kampf mit der Suche nach und der Verklärung der Heimat, das Fremde und das Eigene – in sich und in anderen, das Sein und das Werden..

Hölderlin liebte die Sprache. Wie kaum ein anderer vermied er alles Nichtssagene, alles Belanglose. Er suchte nach Werten in den Worten, durchleuchtete Metaphern und setze sie so ein, dass sich aus ihnen ein tieferer Sinn ergab.

Diese Gedichte sind keine Wegbegleiter, sondern ein schwindelerregender Gratwandel für jeden Leser.

Zu Hölderlins Lebzeiten wurde nur ein Teil seines Werks veröffentlicht, vor allem sein Spätwerk erschien erst posthum, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diesem Umstand ist wohl auch die bis heute nicht eindeutige Auslegung seines Werkes geschuldet, das nicht einheitlich festgelegt ist, sondern aus zahlreichen Texten besteht, die noch ihre Einordnung suchen.

Rüdiger Görner gelingt es im vorliegenden Buch, die Themen Hölderlins, dessen Sprache und auch Inhalte darzulegen. Er referiert die verschiedenen Ansätze der Rezeption u verschiedenen Zeiten, verweist auf die grossen Werke verschiedener Biographen, Philosophen und Literaturwissenschaftler ebenso wie er Hölderlin selber sprechen lässt durch dessen Texte. So arbeitet er sich quasi auf den Wortspuren durch Hölderlins Denken und Dichten und führt den interessierten Leser in dieses ein. Dank der wirklich fundierten Darlegung der relevanten Sekundärliteratur steht einem noch tieferen Eintauchen ins sprachlich wie auch inhaltlich grosse Werk Hölderlins nichts im Weg.

Lobenswert ist zu erwähnen, dass es Rüdiger Görner gelingt, all das in einer gut lesbaren Sprache zu vermitteln – eine wunderbare Ausnahme im sonst sprachlich eher abgehobenen literaturwissenschaftlichen Schreiben.

Fazit:
Eine kompetente, informative und weiterführende Lektüre zum Schaffen Hölderins und dessen Rezeption. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Rüdiger Görner
Rüdiger Görner lehrt als Professor für Neuere deutsche und vergleichende Literatur an der Queen Mary University of London. Er ist außerdem Schriftsteller und Kritiker und Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie Träger des Deutschen Sprachpreises (2012) und des Reimar Lüst-Preises der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Angaben zum Buch:
gornerhoelderlin_und_die_folgenGebundene Ausgabe: 157 Seiten
Verlag: J. B. Metzler (8. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3476026514
Preis: EUR 16.95 / CHF 19.90

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In derselben Reihe erschienen sind:

schiller_und_die_folgenHelmut Koppmann: Schiller und die Folgen

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heine_und_die_folgenJoseph A. Kruse: Heine und die Folgen

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Rezension: Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller

Einblicke und Ansichten

Der Wunsch, etwas über sich zu erzählen, begleitete Haruki Murakami schon eine Weile. Schrieb er die Texte anfänglich noch für sich selber und nicht für einen Verleger, fand er sie bei einem nachträglichen Lesen doch zu ungeschliffen und versuchte, sie so zu formulieren, als ob sie für ein Publikum gedacht wären. Während des Schreibens und Umschreibens lernte sich Haruki Murakami selber besser kennen. Er merkte, dass ihn gewisse Themen und Meinungen seit vielen Jahren begleiten.

Nun ist aus diesen Texten ein Buch geworden, welches auch dem Leser den Menschen und Schriftsteller Murakami näher bringt. Der sonst eher zurückgezogene Schriftsteller erzählt nicht nur von seinem Schreiben, er offenbart auch viel von seiner Biografie und seinem Denken.

Aus meiner Sicht lässt sich von den meisten, wenn auch natürlich nicht von allen Schriftstellern kaum behaupten, sie verfügten über ein ausgeglichenes Wesen und eine gerechte Weltsicht. Nicht wenige von ihnen haben überdies einen sehr eigenen Charakter, der schwerlich als Gegenstand der Bewunderung geeignet scheint, und legen zudem seltsame Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen an den Tag.

Wie sind Schriftsteller und was braucht man, wenn man einer sein will? Mit dieser Frage beschäftigt sich das erste Kapitel. Danach erzählt Haruki Murakami von seinem Weg zur Schriftstellerei, behandelt Themen wie Originalität, die Herkunft von Ideen und Inhalten, den Ort des Schreibens sowie auch seine Abneigung gegen die Schule, die Art und Weise, wie er Figuren entwirft oder für welche Leser er schreibt.

Wer nun selber Schrifsteller werden will, für den hat Haruki Murakami eine sehr aufmunternde Botschaft:

… einen Roman kann im Grunde jeder verfassen, der des Schreibens mächtig ist, einen Kugelschreiber und ein Heft zur Hand hat und vielleicht noch ein gewisse Fähigkeit zum Fabulieren besitzt.

Von Beruf Schriftsteller ist ein sehr persönliches und leises Buch. Haruki Murakami wirkt nie belehrend oder überheblich, er gibt keine unhaltbaren Versprechen, sondern erzählt in einer eingängigen und unterhaltsamen Weise von seinem Schreiben und davon, was dieses für ihn bedeutet.

Fazit:
Ein sehr persönliches und unterhaltsames Buch, das Einblicke ins Leben und Schaffen des Menschen und Schriftstellers Haruki Murakami gewährt. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor
Haruki Murakami
Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto, Japan geboren und wuchs in Kobe auf. Nach abgeschlossenem Studium verließ er 1975 die Waseda-Universität in Tokio, wo er anschließend sieben Jahre lang Eigentümer einer kleinen Jazz-Bar war. Haruki Murakamis Karriere als Schriftsteller begann 1974 an einem warmen Frühlingstag: Während eines Baseballspiels kam ihm die Inspiration zu seinem ersten Roman. Das war der Start einer beeindruckenden literarischen Laufbahn. Später verbrachte er mehrere Jahre als freier Schriftsteller und Dozent in Princeton, USA. Murakamis Leidenschaft für die Literatur kennt, im wahrsten Sinne des Wortes, keine Grenzen – übersetzt er doch auch berühmte Kollegen wie John Irving ins Japanische. Von Murakami erschienen sind unter anderem Kafka am Strand, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki, Naokos Lächeln, Südlich der Grenze, westlich der Sonne (früher Gefährliche Geliebte).

Angaben zum Buch:
murakamivonberufGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Dumont Verlag (13. Oktober 2016)
Übersetzung: Ursula Gräfe
ISBN-Nr.: 978-3832198435
Preis: EUR 23 / CHF 33.90

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Rezension: Martin F. Meyer: Illustrierte Geschichte der Philosophie

Eine Reise durch die Philosophie von der Antike bis in die Neuzeit

Epochen – Autoren – Werke, so heisst der Untertitel dieses reich bebilderten Übersichtswerk über die Geschichte der Philosophie. Martin F. Meyer startet bei den Vorsokratikern und führt den Leser in einer gut verständlichen Sprache durch die Zeit bis hin in die Neuzeit. Dabei bettet er die einzelnen Philosophen immer in ihre Zeit ein, gibt einen kurzen Einblick in ihre persönliche Herkunft und den Werdegang und geht dann auf die zentralen Werke und deren grundlegenden Aussagen ein.

Die Illustrierte Geschichte der Philosophie ist sehr geschmackvoll aufgemacht, das Layout ist schlicht, übersichtlich und überzeugt ästhetisch. Kleine Infoblöcke (in Kreisform, was dem Layout ein gewisses Etwas gibt) bieten schnell erfassbare Überblicke über die vorherrschenden Denker einer Zeit oder aber erläutern deren wichtigsten Theorien. Eine schöne Auswahl an Bildern rundet den Gesamteindruck ab.

Philosophie hat mitunter nicht den Ruf, sehr unterhaltsam und prickelnd zu sein, dieses Buch hat aber Suchtcharakter und es birgt die Gefahr, zur nächsten Buchhandlung rennen zu wollen und alle vorgestellten Bücher gleich auch noch lesen zu wollen. Ich kann es jedem, der sich mal einen Überblick über die Geschichte der Philosophie verschaffen will, nur ans Herz legen. Aber: Nicht nur denen, das Buch ist wirklich einfach eine wunderbare Unterhaltung und man entdeckt ja auch als alter Hase immer wieder etwas Neues oder findet etwas wieder, das in Vergessenheit geriet.

Fazit
Ein sehr fundiertes, umfassendes, lesbares und schön aufbereitetes Buch, das eine breite Übersicht über die Geschichte der Philosophie bietet und zu weiterer Lektüre verleitet. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Martin F. Meyer ist Privatdozent am Philosophie-Seminar der Universität Koblenz-Landau

Angaben zum Buch:
MeyerIlluPhiloTaschenbuch: 186 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (16. März 2016)
ISBN: 978-3476026484
Preis: EUR: 24.95 ; CHF 31.90

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