Anita Terpstra: Anders (Rezension)

Spurlos verschwunden – die Hoffnung bleibt

Inhalt

Verzweifelt liess Alma das Licht der Taschenlampe über die Bäume gleiten. Der Klumpen in ihrem Magen wuchs mit jeder Minute. Würde sie Sander hinter diesem Baum finden? Oder hinter dem nächsten? Seit Stunden spielte sie bereits dieses Spiel.

TerpstraAndersZwei Jungen verschwinden in einem Ferienlager bei einer Nachtwanderung. Der eine wird bald darauf tot aufgefunden, vom andern, von Sander, fehlt jede Spur. Das Leben der bislang glücklichen Familie Meester ist aus den Fugen. Trotzdem die Jahre ins Land ziehen, verschwindet die Hoffnung, Sander zu finden, nicht ganz – und dann meldet sich plötzlich nach sechs Jahren ein junger Mann auf einer Polizeistation und sagt, er sei Sander.

Nach anfänglichem Glück kommen mehr und mehr Zweifel auf: Ist es wirklich Sander? Zu viele Reaktionen erscheinen vor allem der Mutter komisch.

Beurteilung
Eine gute Geschichte mit authentischen Figuren, feinen, leisen Tönen und einem geschickten Umgang mit wichtigen Themen wie Kindsmissbrauch, Konstellationen in Familien, Umgang mit einem Unglück. Gerade die Themen und auch die Art, wie Anita Terpstra diese behandelt, machen aus dem Buch mehr als nur einen spannenden Thriller. Es regt zum nachdenken an, es bleibt etwas hängen.

Schade war, dass (mir?) von Anfang an klar war, wie alles zusammen hängt, so dass die Spannung des Whodunit weg war, es blieb allein die Frage nach der Aufklärung. Auch waren gewisse Passagen gar langatmig, so dass ich versucht war, diese zu überblättern. Zu guter Letzt merkte man dem Buch an, dass es eine Übersetzung ist, kein deutsches Original. Das ist nicht per se schlecht, führte einfach teilweise zum Gefühl, dass die Sprache nicht echt ist.

Das mag nun nach grosser Kritik klingen, gar danach, dass ich das Buch nicht empfehle. Dem ist nicht so. Wenn man Krimis mag, die ohne grosse Gewalt und blutrünstige Szenen auskommen, wenn man Geschichten schätzt, die Tiefe haben und nicht einfach plakativ den Zeigefinger auf die Wunden halten, wenn man gerne zum Nachdenken angeregt wird und nicht nur möglichst viel Spannung bei der Tätersuche will, ist man mit diesem Buch sicher gut bedient. Es ist eine gute Lektüre für einen entspannten Sonntagnachmittag, durch das teilweise Überfliegen gewisser Passagen kommt man auch gut voran.

Fazit:
Ein Thriller der leisen Töne, der zum Nachdenken anregt, bei dem die Spannung aber nicht an oberster Stelle steht. Empfehlenswert.

Zum Autor
Die niederländische Schriftstellerin Anita Terpstra, geboren 1975, studierte Journalismus und Kunstgeschichte und arbeitete danach als freie Journalistin für einige Zeitschriften. »Anders« ist ihr erster Roman bei Blanvalet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (15. August 2016)
Übersetzung: Jörn Pinnow
ISBN-Nr 978-3734102578
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Fritz J. Raddatz: Rainer Maria Rilke (Rezension)

Überzähliges Dasein. Biogrraphie

„Ich bin wie eine leere Stelle“

Inhalt

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

RaddatzRilkeAm 4. Dezember 1875 wird Rainer (eigentlich René) Maria Rilke in Prag geboren. Die Kindheit ist schwierig, die Mutter verlässt die Familie bald, die Narben davon und auch einer dem sensiblen Gemüt schadenden Schulzeit werden den Dichter ein Leben lang begleiten. Schon früh ist Rilke klar, dass er Dichter werden will, sein erster Gedichtband erscheint 1894. Es folgt ein Leben auf Reisen, ein Leben mehrheitlich finanziert durch Gönner und Mäzeninnen. Entstanden ist dabei ein literarisch wertvolles, und grossartiges Werk.

Beurteilung
Fritz J. Raddatz zeichnet anhand verschiedener Themen und Lebensetappen das Leben des Rainer Maria Rilke nach. Er tut dies in einer pointierten, schonungslosen Art. Die Sprache ist oft verschnörkelt, als ober der Autor selber literarische Höhenflüge vollbringen statt eine Lebensbeschreibung vollbringen wollte. Trotzdem beeindruckt Raddatz durch ein grosses Literaturwissen, durch das er immer wieder Bezüge zu anderen Schriftsteller aus Rilkes Zeit ziehen konnte und so das Leben und Schreiben des Dichters in einen grösseren Zusammenhang stellte.

Bei den Interpretationen verschiedener Stücke Rilkes beweist Raddatz eine scharfe Sicht auf Details und weist auch auf häufige Irrtümer anderer Interpreten einzelner Stücke hin. Alles in allem ist das vorliegende Buch eine sehr zu empfehlende Sicht auf das Leben eines der – wie ich finde – grössten Dichter der deutschen Literatur. Da kann man dem Autoren die manchmal etwas mühselig zu lesende Sprache nachsehen.

Abgerundet wird das Buch durch eine kurze chronologische Auflistung der wichtigsten Etappen von Rilkes Leben sowie eine Auflistung der benutzten Primär- und Sekundärliteratur. Ein Index hilft, gezielt die in dieser Biographie erwähnten Personen im Text zu finden.

Fazit:
Eine sprachlich etwas schwierige, inhaltlich aber sehr überzeugende Beschreibung von Rilkes Leben und Werk. Sehr empfehlenswert!

Der Autor
Fritz J. Raddatz ist der widersprüchlichste deutsche Intellektuelle seiner Generation: eigensinnig, geistreich, gebildet, streitbar und umstritten. Geboren 1931 in Berlin, von 1960 bis 1969 stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlages. Von 1977 bis 1985 Feuilletonchef der ZEIT. 1986 wurde ihm von Franςois Mitterrand der Orden «Officier des Arts et des Lettres» verliehen. Von 1969 bis 2011 war er Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Stiftung, Herausgeber von Tucholskys «Gesammelten Werken», Autor in viele Sprachen übersetzter Romane und eines umfangreichen essayistischen Werks. 2010 erschienen seine hochgelobten und viel diskutierten «Tagebücher 1982-2001». Im selben Jahr wurde Raddatz mit dem Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm «Jahre mit Ledig». Der Autor verstarb im Februar 2015.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag (18. Dezember 2015)
ISBN-Nr: 978-3499269936
Preis: EUR 10.99 / CHF 16.90
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Mascha Kaléko: Liebesgedichte (Rezension

„Zur Heimat erkor ich mir die Liebe“

Ich und Du waren ein Paar
Jeder ein seliger Singular
Liebten einander als Ich und als Du
Jeglicher Morgen ein Rendevouz

Dies ein Ausschnitt aus Masha Kalékos Gedicht Ich und Du. Das vorliegende Buch vereint Liebesgedichte aus rund 50 Jahren. Es sind tiefe Gedichte voller Sprachschönheit, es sind oft nachdenkliche Gedichte, sie kommen in Dur und in Moll daher. Masha Kaléko hatte kein einfaches Leben.

„Ich habe mehr gelitten in den letzten zwei Jahren, als es menschenmöglich ist.“

So heisst es in einer Tagebuchnotiz aus dem Jahr 1938. Von ihrem Leben und Leiden berichtet auch das Nachwort von Gisela Zoch-Westphal, welcher Masha Kaléko ihr literarisches Erbe anvertraut hat. Das Nachwort hilft, die einzelnen Gedichte einzuordnen, die über die Zeit eines halben Jahrhunderts entstanden sind, die aus den unterschiedlichsten Lebensumständen heraus geschrieben wurden.

Trotz (oder gerade wegen?) all der Schwere und des Leidens, hat Mascha Kaléko immer wieder die Liebe beschrieben. Sie hat mit ihren Gedichten an die Seelen der Leser gerührt, diese mitten ins Herz getroffen.

Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, die sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort.

Durch den wirklich schönen Einband wird das schmale Büchlein zu einem wahren Kleinod – ein Geschenk für alle Sinne.

Fazit:
Ein wunderbar tiefer, sehr schön gestalteter Gedichtband, der mitten ins Herz trifft. Sehr empfehlenswert.

Autorin und Mitwirkende
Mascha Kaléko (1907 – 1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker- Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.

Eva-Maria Prokop lebt und arbeitet als Lektorin in München und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem schriftlichen Nachlass Mascha Kalékos.

Gisela Zoch-Westphal ist Erbin und Verwalterin des Nachlasses der Dichterin Mascha Kaléko und hat bei dtv drei Gedichtbände herausgegeben. Sie lebt in der Nähe von Zürich.

Angaben zum Buch:
KalekoLiebesgedichteTaschenbuch: 112 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. November 2015)
ISBN-Nr: 978-3423280631
Preis: EUR 10/ CHF 15.90
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Heimo Schwilk: Rilke und die Frauen (Rezension)

Biografie eines Liebenden

Das Lieben und Leiden des Rilke

Der Dichter einzig hat die Welt geeinigt,
die weit in jedem auseinanderfällt.
Das Schöne hat er unerhört bescheinigt,
doch da er selbst noch feiert, was ihn peinigt,
hat er unendlich den Ruin gereinigt:
und auch noch das Vernichtende wird Welt.

SchwilkRilkeFrauenRilke, einer der wohl grössten deutschen Dichter, hat ein Thema immer wieder in seine Verse gepackt: Die Liebe. Aus seiner Feder stammen Gedichte, welche daraufhin über Jahrzehnte zwischen Liebenden ausgetauscht wurden. Es sind Gedichte, welche die Liebe feiern, sie hochheben. Es sind aber auch Gedichte eines Mannes, der selber einerseits zeitlebens auf der Suche nach (mütterlicher) Liebe war, sie andererseits aber nie auf Dauer leben konnte.

Heimo Schwilk zeichnet im vorliegenden Buch das Bild eines Mannes, welcher früh von der Mutter verlassen wurde und der unter diesem Verlust zeitlebens litt. So sehr er seine Mutter teilweise in Briefen an verschiedene Adressaten beschuldigte und beschimpfte, so wenig kam er von ihr los. Davon zeugen nicht nur sein ganzes Leben begleitende Rituale, sondern auch ein lebenslanger Briefwechsel mit der Mutter sowie wohl auch sein Verhalten Frauen gegenüber. Und um dieses geht es im vorliegenden Buch.

Heimo Schwilk stellt Rilkes Beziehungen zu den unterschiedlichsten Frauen vor, den meisten von ihnen war eines gemeinsam: Sie unterstützten ihn (vor allem finanziell und teilweise auch emotional) in seiner Kunst. Seinem Schreiben gehörte wohl seine ganz grosse Liebe, denn diesem unterordnete er alles andere. So war denn auch die grösste Angst in seinem Leben immer wieder, ausgeschrieben zu sein. Sein Leben, dessen war er sich bewusst, gehörte der Kunst und für diese brauchte er eines dringend: Einsamkeit. Und natürlich das nötige Geld, um sich das Leben angenehm zu machen.

Wer nun denkt, er sei ein blosser Profiteur der Gunst der reichen Frauen gewesen, dem muss insofern widersprochen werden, als diese ja – vor allem verführt durch seine Worte in der Dichtung und in Briefen – ihn freiwillig unterstützten, weil sie an ihn und seine Dichtung glaubten. Zudem zeichnete Rilke eines ganz gewiss aus: Dankbarkeit. So sagte denn auch der Philosoph Hans Blumenberg über Rilke:

Zwar kein Meister der Verführung, aber ein Meister der Dankbarkeit. Er war es.

Heimo Schwilk gelingt es, in einer leicht lesbaren Weise das Leben und Lieben (auf seine Weise tat er durchaus) des Rainer Maria Rilke nachzuzeichnen anhand seiner Beziehungen zu verschiedenen Frauen. Ab und an tut er das auf eine fast schon spöttisch anmutende Weise, die nicht immer angebracht scheint, dabei beweist er aber grosse Kenntnis des Lebens und Werks Rilkes und öffnet einen Blick hinter die Kulissen des ganz in seiner Kunst aufgehenden Dichters.

Fazit:
Ein gut lesbares, tiefe Einblicke gewährendes Buch über das Leben und Lieben Rainer Maria Rilkes. Absolut empfehlenswert!

Der Autor
Heimo Schwilk, geboren 1952 in Stuttgart, Dr. phil., ist Autor zahlreicher Bücher über Politik und Literatur. Seine großen Biografien über Ernst Jünger und Hermann Hesse wurden im In- und Ausland hoch gelobt. Er war lange Jahre Leitender Redakteur der Welt am Sonntag und lebt in Berlin. 1991 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis für herausragenden Journalismus ausgezeichnet.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (1. Juni 2016)
ISBN-Nr: 978-3492308878
Preis: EUR 11/ CHF 16.90
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Liv Jansen: Oma wird erwachsen (Rezension)

Antistressprogramm an der Ostsee

Inhalt

Ich bin ja kerngesund, Klösschen, aber der Schörner hat gesagt, Edith, hat er gesagt, du musst mal kürzertreten und auch an dich denken. Du bist immer für alle da und zu wenig für dich.

JansenOmaIsabell, unglücklich im Job, und ihr Nachbar und Freund Kalle, nicht weniger unglücklich in der Liebe, sind gefordert: Isabells Oma braucht Hilfe. Die rüstige Rentnerin ist immer im Einsatz für alle, die Hilfe brauchen, rennt vom Kirchenchor zur Häkelgruppe und von da reihum zu allen Nachbarn – und nun ist sie ausgebrannt. Weil sie nicht in eine Klinik will, reisen die Isabell und Kalle aus der Grossstadt in Omas kleinen Ort an der Ostsee, um ihr unter die Arme zu greifen und entwickeln quasi nebenbei eine Antistress-Therapie. Eigentlich könnten nun alle glücklich sein, gäbe es nicht jemanden, der ihnen in die Suppe spucken möchte.

Beurteilung
Eine sommerlich leichte Lektüre für zwischendurch. Die Charaktere werden authentisch und plastisch beschrieben. Neben den Hauptfiguren finden sich auch viele Nebenfiguren, die alle ihre Eigenarten mitbringen. Die Sprache ist locker und umgangssprachlich. Der Roman findet hauptsächlich in der direkten Rede statt, es gibt wenig erzählende Stellen. Das muss einem vom Stil her liegen.

Wenn man einen leicht zu lesenden Roman für den Liegestuhl sucht, gerne auch mal lacht beim Lesen und kein Gesprächemuffel ist, hat man mit Oma wird erwachsen sicher ein paar Momente Lesespass. Viel mehr gibt es aber auch nicht zu sagen, denn mehr gibt das Buch schlicht nicht her.

Fazit:
Locker-flockige Sommerlektüre für ein paar entspannte Lesemomente. Empfehlenswert.

Die Autorin
Liv Jansen, geb. 1979, arbeitete als Redakteurin für verschiedene Fernsehformate, bis sie vor Kurzem das Schreiben für sich entdeckte. Weil ihr das so gut gefällt, hat sie sich gleich mal an ein Buch gesetzt. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter macht sie gern Urlaub in Österreich, weil es da so leckeren Kaiserschmarrn gibt. Und wenn sie zu Hause in Frankfurt ist, trifft man sie eigentlich immer im Pferdestall bei ihrem Schimmel Romeo. Zornröschen ist ihr erster Roman.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Mira Taschenbuch (6. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3956496578
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Peter von Matt: Sieben Küsse (Rezension)

Glück und Unglück in der Literatur

Vom Küssen und den Folgen

Inhalt

Weil die Literatur immer konkret ist, denkt sie nicht in Begriffen, sondern in Szenen. Das Wissen vom Glück erscheint daher in der Literatur immer und immer wieder als die leibhaftige Begegnung zweier Menschen. Das Nachdenken darüber verkörpert sich in deren Geschichte und weiterem Schicksal.

Mit diesem Wissen beginnen wir unsere Reise durch die Welt der Literatur, wir lassen uns von Peter von Matt die Glück oder Unheil bringenden Küsse der Weltliteratur zeigen und deuten.

Literatur […] ist ein jahrtausendealtes Unternehmen der Welterklärung.

Sieben Küsse hat er sich vorgenommen, die Reise geht kreuz und quer durch die Zeiten und durch die Welt. Wir tauchen in die Welt von Virginia Woolfs Mrs Dalloway ein, erfahren mehr über die Rolle der Frau und ihr Selbstbild, das wohl als Bild der damaligen Zeit gelten kann. Wir feiern mit Gatsby die ausufernden Feste, die nur dazu gedacht sind, die einst Geküsste wiederzugewinnen. Daegen wirkt Gottfried Kellers Welt gar bürgerlich – und doch geht es auch da um einen Kuss, ebenso bei Grillparzer, Kleist, Duras und Tschechow.

Beurteilung
VonMattKüssePeter von Matt gelingt es, auf eine unglaublich schön lesbare Weise, mit viel Humor, Fachwissen und spürbarer Leidenschaft für die Literatur, tiefer in die literarischen Welten einzelner Bücher einzutauchen. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise quer durch die Zeit, analysiert einzelne Werke und stellt sie in einen grösseren Zusammenhang. Er legt literarische Mittel wie Symbole, Metaphern, Verweise und mehr offen und breitet dadurch vor dem Leser einen Fundus an Wissen aus.

Peter von Matt wird dieses Jahr 80. Aus seiner Feder stammen viele wunderbare Bücher zur Literatur, die immer auch ihn selber und seine Leidenschaft durchschimmern lassen. Ich bin dankbar, durfte ich bei diesem Mann studieren, der nicht nur fachlich, sondern auch menschlich toll ist. Er hat die Gabe, Bücher lebendig werden zu lassen. Er vermittelt einem Sichtweisen auf Texte, die helfen, diese mit ganz neuen Augen zu sehen, tiefer zu gehen, weiter zu forschen und mehr herauszuziehen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, das von der Liebe zur Literatur, dem immensen Fachwissen, allgegenwärtigem Humor lebt und Lust am (genauen) Lesen vermittelt. Absolute Leseempfehlung!

Der Autor
Peter von Matt, geboren 1937 in Luzern, war von 1876 bis 2002 Professor für Germanistik an der Universität Zürich. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Akademie der Künste Berlin und der Sächsischen Akademie der Künste. 2014 wurde Peter von Matt mit dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Er lebt bei Zürich.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (30. Januar 2017)
ISBN-Nr 978-3446254626
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
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Tim Parks: Thomas & Mary (Rezension)

Wenn Fronten härter und Gräben tiefer werden

Inhalt

Er fragt sich, ob er auf seine Frau warten und sie zur Rede stellen soll, aber es ist nur ein flüchtiger Gedanke. Im Grunde ist sie diejenige, die ihn zur Rede stellen sollte.

ParksThomasThomas und Mary sind seit 30 Jahren verheiratet. Sie leben ihr Leben in einer Routine, die sich über die Jahre gebildet hat. Das wirklich Verbindende sind wohl die Kinder, welche aber nun gross sind – die Tochter ist schon ausgezogen. An ihrer Stelle zieht ein Hund ein. Es ist mit ihm wie mit allem: Es ist nicht ganz klar, ob er der Ehe von Thomas und Mary eher zu- oder abträglich ist. Die beiden reden schon lange nicht mehr miteinander, was aber gar nicht neu zu sein scheint.

Tatsächlich ging es, wenn sie zusammen waren, oft darum, über ihre gemeinsamen Bekannten herzuziehen, was vielleicht der Grund ist, warum aus diesen Bekannten keine gemeinsamen Freunde wurden.

Beurteilung
Thomas & Mary ist ein Buch über eine Ehe. Es ist eine Ehe, wie es vermutlich viele gibt, eine Ehe, die nicht durch spezielle Eskapaden, Ausbrüche oder Dramen daherkommt – und doch nicht wirklich eine Beziehung ist. Das Buch ist mehrheitlich aus Thomas’ Sicht geschrieben. Er reiht Erinnerungen aneinander, nicht chronologisch, einfach so, wie sie ihm in den Sinn kommen. So entsteht aus vielen kleinen Stücken langsam ein Bild. Es ist das Bild von vielen kleinen Lügen, Verletzungen, Verurteilungen.

Gezeichnet wird das ganz normale alltägliche Leben zweier Menschen, die sich selber in einer Beziehung gefangen haben und beständig an den Mauern arbeiten. Sie reden nicht miteinander, sondern eher aneinander vorbei. Sie haben die eingefahrenen Muster zweier Menschen, die über Jahre daran gearbeitet haben, sie zu entwickeln, und die diese nun meisterhaft beherrschen. Sichtbar werden sie an Bemerkungen, Gesten, Verhaltensweisen.

All das erzählt Tim Parks in einer einfachen, gut lesbaren Sprache, die fast mündlich anmutet – was in dem Fall gut passt, sind es doch Thomas’ Gedanken, denen wir meist folgen. So greift die Form den Inhalt auf und macht diesen noch authentischer.

Als Leser sitzt man vor dem Buch und fragt sich immer mehr: Kann das so weiter gehen? Kommen sie da nochmals raus? Und wenn ja: Wie? Tim Parks ist es gelungen, zu zeigen, dass es eigentlich keinen Schuldigen gibt in dieser Geschichte. Es ist das Miteinander, das langsam weniger wird. Es sind die Gräben, die tiefer werden durch ausbleibende Zärtlichkeiten, mangelndes Interesse, fehlendes Miteinander. So ist eine eigentlich stille, tiefe Geschichte entstanden, die aber bei alledem leicht erzählt wird. Das ist grosse Erzählkunst.

Fazit:
Ein authentisches, menschliches und sprachlich stimmig erzähltes Buch über die eingefahrenen Muster einer langjährigen Ehe. Empfehlenswert.

Der Autor
Tim Parks, geb. in Manchester, wuchs in London auf und studierte in Cambridge und Harvard. Seit 1981 lebt er in Italien.

Seine Romane, Sachbücher und Essays sind hochgelobt und mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. den Somerset Maugham, Betty Trask und Llewellny Rhys Awards. Er unterrichtet Literarisches Übersetzen an der Universität Mailand, schreibt für den New Yorker und die New Review of Books, und seine Übersetzungen umfassen die Werke von Moravia, Calvino, Calasso, Tabucchi und Machiavelli. Zuletzt erschien Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen (Kunstmann 2016).

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Piper Verlag (15. Februar 2017)
Übersetzung: Ulrike Becker
ISBN-Nr 978-3956141645
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
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Claudia Korthaus: Typografie und Layout (Rezension)

Schrift wirkt

Korthaus2Wenn ich an Layout und Typografie denke, geht meine Erinnerung weit zurück. Als Kind besuchte ich meinen Vater bei der Arbeit und lief dann zwischen seinen Bahnen Tischen durch, wo die einzelnen Seiten in Papierform lagen. Zu Hause hatten wir noch Bleisatz liegen. Seit da ist eine Menge passiert, die Arbeit passiert mehrheitlich am Bildschirm.

Es liegt auf der Hand, dass mein Interesse an der Typografie geblieben ist, auch wenn ich mich mehrheitlich mit dem Inhalt und weniger mit der Form beschäftige, so ist mir das Bild, der ästhetische Eindruck eines Textes immer auch wichtig.

Bei allem Wechsel im Bereich Gestaltung, ist der Grundsatz geblieben, dass Schrift Wirkung hat und man diese einsetzen sollte, um Inhalte zu transportieren.

Die Unterschiede und Ansprüche, die ein Werk entstehen und typographisch wachsen lassen, kann man grob unterteilen in

  1. den Inhalt, den es zu transportieren gilt, und
  2. die Lesart, mit der das Werk vom Leser erfasst wird.

Die Information, die Art des Werkes, bedingt gleichzeitig eine Lesesituation […]

Claudia Korthaus legt mit dem vorliegenden Buch ein Standardwerk vor – es ist zum 10-jährigen Jubiläum eine Neuauflage ihres Klassikers in Farbe. Unterteilt ist das Buch in 8 Kapitel:

  1. Basiswissen Schrift: Hintergründe, Schriftfamilien und Einteilungen von Schriften
  2. Das Zeichen: Bleisatz, Grösse und Räume
  3. Wort und Zeile: Ausrichtung, Zeilenlänge und –abstand sowie gängige Fehler
  4. Anforderung und Wirkung: Leseformen und die Wirkung von Schriften
  5. Die Seite: Raumaufteilung, Format, Raster und mehr
  6. Die Gesamtkomposition: Bild und Text sowie schmückende Elemente
  7. Typografie im Web und mobil: Unterschiede zwischen Print und Web, webtaugliche Schriften und mehr
  8. Schrifttechnologien

Den Abschluss macht ein Glossar, das die wichtigen Fachbegriffe nochmals aufgreift.

Korthaus3

Dieser Grundkurs sollte in keinem Regal von Layoutinteressierten und auch –profis fehlen. Es ist umfassend, gut lesbar geschrieben und schön illustriert. Die Theorie ist so gut nachvollziehbar und es werden auch häufige Fehler thematisiert sowie deren Umgehung.

Das Buch selber ist bester Beweis, wie schönes Layout aussieht, das Papier ist hochwertig, die Leimung ist gut, so dass mit dem Buch wirklich gearbeitet werden kann, ohne dass das Buch auseinander fällt.

Fazit:
Ein informatives, schön gestaltetes Standardwerk im Bereich Typografie und Layout. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Claudia Korthaus
Claudia Korthaus ist mit Leib und Seele Gestalterin: Seit ihrer Ausbildung zur Schriftsetzerin arbeitet sie in verschiedenen Bereichen rund um das Thema Gestaltung. Seit 1994 unterrichtet sie in der Druckvorstufe und arbeitet als Promoterin für verschiedene Software-Firmen. Sie arbeitet als Redakteurin und Autorin für Fachzeitschriften, hat bereits Bücher zum Thema Gestaltung und Design veröffentlicht und lehrt an der Hochschule der populären Künste FH (Berlin).

Angaben zum Buch:
KorthausTypografieBroschiert: 344 Seiten
Verlag: Rheinwerk Verlag (28. Juli 2016)
ISBN-Nr.: 978-3836240857
Preis: EUR 29.80 / CHF 42.90
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Claire Fuller: Eine englische Ehe (Rezension)

Was bleibt, wenn jemand aus seinem Leben verschwindet

Inhalt

Was ich liebe: wie wir damals waren und wie wir hätten werden können.

FullerEheIngrid, eine junge Literaturstudentin aus London, weiss, was sie will: Unabhängig sein, die Welt bereisen, Schriftstellerin werden. Diese Pläne sind bald vergessen, als sie sich in den älteren, attraktiven und sehr umschwärmten Literaturprofessor Gil Coleman verliebt. Spätestens als Ingrid schwanger ist, weiss sie, dass ihr Leben eine andere Bahn einschlagen wird.

Das Leben wird nicht leicht für Ingrid. Geldsorgen und ein untreuer Ehemann plagen sie. Meist ist sie mit zwei Kindern, Nan und Flora, allein in einem kleinen Ort an der englischen Küste. Weil der Schlaf ausbleibt, schreibt sie Gil Briefe, die sie in den Büchern der Bibliothek versteckt – und irgendwann verschwindet sie.

Die drei Zurückgebliebenen gehen unterschiedlich mit dem Verlust um. Nan, die ältere Tochter übernimmt tatkräftig die Mutterrolle, Flora und ihr Vater Gil pendeln zwischen der Hoffnung, dass Ingrid zurückkommt, und der Verzweiflung, dass sie tot sein könnte, hin und her.

Beurteilung
Eines der besten Bücher, das ich seit langem gelesen habe. Claire Fuller erzählt die Geschichte einer Familie einerseits aus der Sicht Ingrids durch ihre Briefe an Gil, andererseits aus Floras Sicht. So wird nach und nach das ganze Leben der vier aufgerollt und man sieht als Leser, wie alles kam, wie es heute, zum Zeitpunkt der aktuellen Handlung, ist.

Obwohl man wenig über die Äusserlichkeiten der einzelnen Figuren erfährt, werden sie durch ihre Handlungen, ihre Gedanken, plastisch und fast fühlbar. Man wird als Leser mehr und mehr in die Geschichte hineingezogen, lebt sie mit, will nicht mehr aus der Welt des Buches austreten, obwohl man zunehmend versteht, wieso Ingrid es durchaus wollte.

Eine englische Ehe ist die Geschichte einer Frau, die im falschen Leben gefangen ist und ausbrechen will. Es ist die Geschichte einer Liebe, die voller Hoffnung begann, wohl nie endete, und doch an einen Ort gelangte, an dem sie nie hätte ankommen sollen. Es ist die Geschichte zweier Mädchen, die mit der ganzen Situation überfordert waren und sind, und die ihren Weg, damit umzugehen, suchen mussten. Es ist aber auch eine Geschichte übers Schreiben

Geheime Wahrheiten[…] sind das Lebensblut des Schriftstellers. Eure Erinnerungen und eure eigenen Geheimnisse. Vergesst Handlungen, Charaktere, Struktur; wenn ihr euch Schriftsteller nennen wollt, müsst ihr die Hand bis zum Handgelenk ins Trübe stecken, bis zum Ellbogen, zur Schulter, und die dunkelsten, intimsten Wahrheiten hervorzerren.

und über Bücher:

Ein Buch wird erst lebendig, wenn es mit dem Leser kommuniziert. Was passiert denn eurer Meinung nach in den Lücken, mit den unausgesprochenen Dingen, mit dem, was ihr ausgelassen habt? Der Leser füllt all das mit seiner eigenen Fantasie.

Claire Fuller ist ein sehr lebendiges Buch gelungen. Es gelingt ihr, durch die verschiedenen Erzählperspektiven die Spannung hochzuhalten. Es gelingt ihr, Charaktere zu schaffen, mit denen man sich identifizieren kann, in die man sich hineinversetzen kann. Man sieht die Schauplätze vor sich, riecht das Gras, hört das Meer beim Lesen. Man lebt die Geschichte mit und wenn man die letzte Seite beendet hat, fällt der Abschied schwer.

Fazit:
Ein wunderbares Buch: Tief, lebendig, mitreissend, wunderbar erzählt. Ein Buch, das berührt und bereichert. Eine absolute Leseempfehlung.

Die Autorin
Claire Fuller lebt mit ihrem Mann in Winchester, England, und hat zwei erwachsene Kinder. Für ihren späten Debütroman „Our Endless Numbered Days“ erhielt sie viel Kritikerlob und wurde mit dem Desmond Elliot Award ausgezeichnet. „Eine englische Ehe“ ist ihr zweiter Roman und wurde in mehr als 10 Sprachen lizensiert.

Susanne Höbel übersetzt seit gut zwanzig Jahren aus dem Englischen und Amerikanischen, darunter Werke von John Updike, Thomas Wolfe, Graham Swift und Nicholson Baker. Sie lebt in Hamburg und Südengland.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Piper Verlag (1. März 2017)
Übersetzung: Susanne Höbel
ISBN-Nr: 978-3492057912
Preis: EUR 22 / CHF 31.90
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10 Bücher von Frauen zum Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag – wobei ich ja behaupte, jeder Tag ist für alle da. Nun will ich mal nicht so sein und nehme den Tag zum Anlass, 10 wundervolle Bücher von Schriftstellerinnen zu nennen. Ich achte ja grundsätzlich nicht darauf, welches Geschlecht der Autor hat, wenn ich mich für ein Buch entscheide, würde aber – so im Rückblick – behaupten, es waren wohl mehrheitlich Männer. Das lag wohl mehrheitlich daran, dass gerade früher Frauen gar nicht oder selten schrieben und ich über lange Strecken mehrheitlich Klassiker las.

Die Auswahl ist nicht aussagekräftig, sie bedient sich aus verschiedenen Sparten und Zeiten, es sind teilweise Klassiker, teilweise einfach Bücher, die mich berührt haben.

Legen wir los:

Hannah Arendt: Denken ohne Geländer
Das Buch vereint zentrale Texte aus Hannah Arendts Schaffen sowie Auszüge aus Briefen, die ihr Denken offenlegen – ein Denken, das wirklich ohne Geländer frei floss, das vor nichts Halt machte, sondern sich auch (und oft) unbequemen Dingen stellte.

Jane Austen: Stolz und Vorurteil
Töchter aus besserem Hause suchen standesgemässe Männer zwecks Heirat. Was so einfach klingt, stellt sich vor allem bei Elizabeth Bennet schwierig dar, ist sie doch – ihrer Zeit gar nicht gemäss – sehr kritisch, stolz und aufmüpfig unterwegs.

Ingeborg Bachmann: Gedichte
Gedichte, Bilder sprechen lassen, die von ihrer Sprachkraft leben. Bachmann will die Welt verändern mit ihren Gedichten, sie will etwas bewegen – und sie legt auch viel offen.

Diane Brasseur: Der Preis der Treue
Ein Mann schwankt zwischen zwei Frauen und muss sich zwischen dem Reiz des Neuen und der etwas abgeflachten Gewohnheit entscheiden. Am Schluss ist es eine Entscheidung aus Liebe.

Anne Frank: Das Tagebuch der Anne Frank
Das Zeugnis eines jüdischen Mädchens während des Zweiten Weltkriegs, geschrieben im Versteck vor den Nazis. Berührend, echt, tief.

Patricia Highsmith: Zwei Fremde im Zug
Das perfekte Verbrechen – zwei Fremde treffen sich im Zug und beschliessen, dem jeweils anderen zu helfen, einen Menschen loszuwerden.

Mascha Kaleko: Gedichte
Eine klare und schnörkellose Sprache, mal ironisch, mal melancholisch, immer tief(blickend).

Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes
Eine Liebesgeschichte der besonderen Art, die von der Liebe zwischen Menschen handelt, die gegen die gesellschaftlichen Zwänge kämpfen.

Susan Sontag: Tagebücher 1964 – 1980
Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke – so beschreibt Susan Sontag ihr Schreiben selber. Die Tagebücher sind das Zeugnis einer intelligenten, nachdenklichen, oft vom Leben enttäuschten Frau.

Virginia Woolf: Flush
Die Biographie eines Hundes und zwar nicht irgendeines Hundes, sondern des Hundes von Elizabeth Barrett Brwoning. Es ist die Geschichte einer sich entwickelnden Liebe und Beziehung über (Sprach-)Barrieren hinweg.

Elizabeth George: Wo kein Zeuge ist (Rezension)

Alles eine Frage der Gerechtigkeit?

Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. Nietzsche

georgezeugeDiese Zitat steht am Anfang des neusten Inspector-Lynley-Romans von Elizabeth George. Es regt zum Nachdenken an, es geht tief und hat viel Wahres. Es wäre schön, wäre der Roman so weiter gegangen. Nun wäre es wohl vermessen, eine Krimi-Autorin mit einem so grossen Philosophen messen zu wollen, drum lassen wir das.

Jugendliche werden ermordet. Die Polizei lässt es versanden, bis plötzlich nach drei Toten mit Migrationshintergrund ein Weisser Opfer wurde. Neben der Erkenntnis, dass es sich wohl um einen Serienmörder handelt, muss sich die Polizei auch mit dem Vorwurf des Rassismus auseinandersetzen.

Das altbewährte Team Lynley und Harver ist gefordert. Nur: Harver wurde erst kürzlich degradiert. Und sie versinkt zu Hause im Chaos. Und Elizabeth George wird nicht müde, beides zu betonen, ohne allerdings aufzuklären, was genau Sache ist. Liest man die Reihe kontinuierlich, weiss man das und ärgert sich über die ständigen Hinweise, liest man das Buch als alleinstehenden Krimi, ärgert man sich über die mit der Zeit nervenden Hinweise ohne Aufklärung. So oder so eine unglückliche Angelegenheit. Auch sonst wäre das Buch leicht um die Hälfte zu kürzen gewesen. Bei allem Verständnis für den Wunsch, auf kulturelle Unterschiede hinweisen zu wollen, waren viele Teile der Geschichte nicht förderlich, sie zogen sie nur in die Länge – dies vor allem am Anfang. Man muss sich wirklich sehr durchbeissen, bis der Fall endlich Fahrt aufnimmt.

Bei aller Kritik gelang es George, die Charaktere gut zu zeichnen, die Idee hinter allem ist gut und wenn das Buch mal zum Punkt kommt, packt es und reisst mit. Die vielen privaten Einschübe fungieren Spannungssteigerung – ab und an ein wenig zu viel des Guten für die „Fall-Versessenen“, interessant für die „Figuren-Anhänger“.

Fazit:
Ein Krimi mit einer guten Idee, plastischen Figuren, einem guten Plot und vielen Längen, die Geduld erfordern.

Die Autorin
Eine Amerikanerin in London – zumindest zeitweise lebt Elizabeth George in der britischen Hauptstadt. Dort recherchiert die preisgekrönte Krimiautorin detailversessen an den Orten des Geschehens. Ihre größtenteils verfilmten Geschichten sind eher Gesellschaftsromane als „nur“ spannende Storys – von denen George allerdings eine Menge versteht. Denn Handwerk und Kunst des Schreibens hat sie lange Jahre als Lehrerin für Englische Sprache und Literatur sowie später in Unikursen für Kreatives Schreiben unterrichtet. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Ermittlerduo Inspector Lynley und Sergeant Havers. Geboren wurde Elizabeth George 1949 in Warren im US-Bundesstaat Ohio. Nach vielen Jahren in Kalifornien lebt sie heute im Nordwesten der Vereinigten Staaten bei Seattle.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (21. November 2016)
Übersetzung: Ingrid Krane-Müschen
ISBN-Nr: 978-3442485246515
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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Steven Naifeh, Gregory White Smith – Van Gogh. Sein Leben (Rezension)

Das Leben und Scheitern eines Jahrhundertmalers

„Dieser Mensch ist entweder verrückt, oder er lässt uns alle weit hinter sich.“

Dem ersten Teil der Aussage von Camille Pissarro haben wohl viele in Vincent van Goghs Umfeld zugestimmt. Vincent van Gogh war alles andere als ein gewinnender Mensch. Er war störrisch, eigensinnig, eigenbrötlerisch, ablehnend, teilweise ungepflegt. Er war aufbrausend, fanatisch in allem, was er wollte, fordernd und nicht sehr umgänglich. Ob diese Eigenschaften Grund für sein ständiges Scheitern bei allem, was er anpackte, waren oder aber er so wurde, weil er von klein auf in seinen Sehnsüchten und Wünschen verstossen wurde und nicht reüssierte, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass er erst mit 30 Jahren zur Malerei kam, der Weg davor steinig war, der danach nicht weniger.

Vincent van Gogh wurde in eine Familie hineingeboren, in der Zusammenhalt und Familiensinn grossgeschrieben wurden. Diese Werte ins Herz gepflanzt muss es umso schmerzlicher gewesen sein, immer der Aussenseiter, gar der verstossene, „missratene“ Sohn zu sein. Vincent schwankte zwischen verzweifelten Annährungsversuchen und trotziger Abkehr von der Familie. Und er litt. Teilweise so sehr, dass er in Depressionen verfiel, sich völlig zurückzog von den Menschen und vom Leben – nicht dass er in weniger depressiven Momenten sehr sozial veranlagt gewesen wäre.

Wenn er sich nicht um gute Gesellschaft bemühe, komme es daher, weil man „als Maler auf andere gesellschaftliche Bestrebungen verzichten muss“. Wenn er „zeitweilig unter Schwächeanfällen, Nervosität und Melancholie“ leide, liege es an „einer Eigenheit in der Natur jedes Malers“. Wenn er ein unruhiges, unkonventionelles Leben führe, dann weil es „zu meinem Beruf passt. […] Ich bin ein armer Maler.“

Er suchte zwar immer Anschluss, am liebsten familiären, war aber nicht in der Lage, diesen lange aufrecht zu erhalten. Er überwarf sich mit allen Menschen, die er anfänglich verehrte, die es auch gut mit ihm meinten.

Als er endlich zur Kunst fand, ging er darin auf. Wie alles zuvor betrieb er auch die Malerei fanatisch. Er war einerseits dankbar für jede Anleitung, die er finden konnte, schlug Ratschläge aber trotzdem schnell in den Wind, um seinen eigenen Weg zu gehen.

Sehr ausführlich beschreiben Steven Naifeh und Gregory White Smith Vincent van Goghs Leben und Schaffen. Quellen, Briefe und ältere Biographien fanden Eingang in dieses 1200 Seiten starke Buch, welches ein Leben präsentiert, das vom Scheitern geprägt war. Es bettet das Leben dieses Suchenden ein in den zeitlichen Kontext und legt seine Bezüge zur Umwelt, zu den Menschen seiner Zeit offen. Es zeigt auf, was Vincent van Gogh bewegte, umtrieb, teilweise auch umstiess. Sachlich, akribisch, nie langweilig entfaltet sich der gequälte Lebensweg eines Menschen, der von Sehnsüchten geplagt war, die sich nie erfüllten, und der ob seines eigenen Scheiterns verzweifelte – um sich dann doch wieder aufzuraffen und in ein neues Abenteuer zu stürzen. Die Malerei war das letzte. Auch da war der Weg hart, doch er ging ihn durch alle Schwierigkeiten hindurch. Glücklich hat er ihn nicht gemacht, aber unsterblich.

Fazit:
Ein Standardwerk – Genauer und detaillierter kann man das Leben und Schaffen eines Künstlers nicht erzählen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
VanGoghGebundene Ausgabe: 1216 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlag (9. Oktober 2012)
ISBN-Nr.: 978-3100515100
Preis: EUR 34 / CHF 48.90

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Jodi Picoult: Bis ans Ende der Geschichte (Rezension)

Die Vergangenheit schläft nie

Jede Erinnerung ist eine Papierblume im Ärmel eines Zauberers, gerade eben noch unsichtbar und gleich darauf so gegenwärtig und blühend, dass ich mir nicht vorstellen kann, wieso sie sich die ganze Zeit versteckt hatte.

picoultendeSage Singer hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und ist seit da durch eine Narbe gezeichnet. Sie entzieht sich gerne den Menschen, so dass ihr der Beruf der Bäckerin, den sie mit Leidenschaft ausübt, gerade recht kommt. Regelmässig besucht sie eine Trauer-Selbsthilfegruppe, wo sie auf Josef trifft. Josef ist auch Kunde in der Bäckerei, in der Sage arbeitet. Immer sitzt er da mit seinem Dackel und hat sein kleines Notizbuch auf dem Tisch.

Zwischen Josef und Sage entsteht eine Freundschaft. Beide waren sie allein, beide fühlen sie sich verstanden.

Es ist ein Unterschied, ob man die Vergangenheit mit jemandem teilt oder sie allein durchlebt. Es fühlt sich weniger nach Wunde, eher nach Verband an.

Eines Tages bittet Josef Sage um einen Gefallen: Sie soll ihn umbringen. Er erzählt ihr von seiner Vergangenheit als SS-Soldat. Sein Tod soll Sühne sein für seine Schuld. Sage steht vor einem Dilemma. Ist die Erfüllung dieses Wunsches moralisch legitim? Gesetzlich ist sie sicher nicht.

Bis ans Ende der Geschichte ist ein sehr vielschichtiger Roman. Er behandelt die unterschiedlichsten Themen, die alle für sich romanfüllend gewesen wären: Trauer nach einem Verlust, der Umgang mit eigenen Schwächen, Vergangenheitsbewältigung nach dem Holocaust – auf beiden Seiten, denn Sages Grossmutter ist eine Überlebende des Regimes.

Jodi Picoult schafft es, sehr glaubwürdige und stimmige Charaktere zu erschaffen, die alle ihre Geschichten als Erzählstränge in den Roman einbringen und diese langsam zu einem Netz weben. Das Buch regt zum Nachdenken an, es stellt viele ethische Fragen, auf die man Antworten finden muss und will.

Ab und an hat der Roman Längen, ganze Abschnitte erscheinen als sehr weit hergeholt und wenig zielführend, haben aber am Schluss ihren Sinn im Ganzen. Ein sehr durchdachtes, gut durchkomponiertes literarisches Werk, das sich dann und wann etwas zu sehr in die Länge zieht durch die Beschreibung zu vieler Details. Damit steht Jodi Picoult aber nicht alleine da, diese – wenn man es denn so nennen will – Schwäche teilt sie mit ganz Grossen der Literatur.

Fazit:
Ein kunstvoll durchkomponiertes, mit plastischen Figuren beseeltes, zum Nachdenken anregendes Werk, das einige Längen aufweist. Sehr empfehlenswert.

Die Autorin
Die gebürtige New Yorkerin Jodi Picoult eroberte im Sturm die Herzen ihrer Leser. Vor allem ihr Talent , mit Feingefühl vielschichtige zwischenmenschliche Beziehungen zu beschreiben, schätzen ihre Fans. Die 1967 geborene Autorin lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern in Hanover, New Hampshire. Bereits während ihres Studiums widmete sie sich dem Schreiben und arbeitete zunächst als Texterin und Lehrerin. Ihren ersten Roman verfasste sie 1992, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war. Damit sie für ihre Bücher effektiv recherchieren kann, hat ihr Mann seinen Beruf aufgegeben. Jodi Picoult kann so die Schauplätze ihrer Romane besuchen, um eine genaue und authentische Beschreibung zu liefern. Kein Wunder also, dass man mit ihren Romanhelden jedes Mal mitfiebert, als ob sie wirklich wären.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Penguin Verlag (22. August 2016)
Übersetzung: Elfriede Peschel
ISBN-Nr: 978-3328100515

Preis: EUR 10 / CHF 14.90
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Malte Herwig – Die Frau, die nein sagt (Françoise Gilot)

Muse, Malerin – Françoise Gilot über ihr Leben mit und ohne Picasso

Das Leben muss riskiert werden, um gelebt zu sein

Wenn du wirklich leben willst, musst du Dramatisches riskieren, sonst lohnt sich das Leben nicht. Wenn du riskierst, erlebst du auch schlimme Dinge, aber du lernst vor allem eine Menge und lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das Allerschlimmste: langweilig werden.

François Gilot hat etwas riskiert im Leben. Immer wieder. Sie hat sich auf eine Beziehung zu Picasso eingelassen, dem sein Ruf über seinen Umgang mit Frauen vorauseilte. Trotz Warnungen von aussen und eigenem Wissen, dass es nicht gut enden kann, wurde Françoise die Frau an Picassos Seite. Die beiden hatten zwei Kinder und Françoise war es, die nach zehn Jahren für sich beschloss, die Beziehung zu beenden. Bis zuletzt hatte Picasso gehofft, das Ruder rumreissen zu können, als er sie wirklich abreisen sah, drohte er ihr, dass sie nie mehr einen Fuss auf den Boden der Kustwelt bringen würde. Er hatte sich geirrt.

Nachdem François Gilot 1964 selber ein Buch herausgegeben hat über ihre Zeit mit Picasso (Mein Leben mit Picasso), ist mit Die Frau, die nein sagt ein weiteres Zeugnis des Lebens dieser starken Frau erschienen. Malte Herwig hat die eigenwillige Françoise Gilot, welche mittlerweile 90 Jahre alt ist, in ihren Ateliers in New York und Paris besucht und in Gesprächen ihre Sicht vom Leben generell und dem mit Picasso ans Licht gebracht. Dass bei einer Malerin die Malerei immer eng mit dem Leben verknüpft ist, liegt in der Natur der Sache, so dass Gilots Ausführungen über ihr Malen immer auch Philosophien fürs Leben sind.

Du musst aus deinen Fehlern lernen, anstatt sie wegzuwischen. Ein falscher Strich, zu dick aufgetragene Farben müssen Teil einer neuen Bildgestaltung werden, bis alles passt – eine Lebensphilosophie, der Françoise nicht nur in ihren Werken bis heute treu geblieben ist. Was gelebt wurde, bleibt und kann nicht weggewaschen werden. Es ist für immer Teil von dir, aber am Ende zählt das Ganze, das du daraus machst. Das Leben als Gesamtkunstwerk.

Das Buch zitiert teilweise lange Passagen aus Gilots Werk, auch die Gespräche nehmen oft die Thematik jenes Buches auf: Das Leben mit Picasso, Picasso als Mensch und Maler und Kontakte zur Künstlerszene der damaligen Zeit. Gilot selber bleibt trotz allem eher undurchsichtig (was aber auch ihrem Naturell entspricht), sie wird auch in diesem Buch grossenteils durch ihre Beziehung zu Picasso vorgestellt. Es ist allerdings zu vermuten, dass dies trotz des selbst herbeigeführten Bruchs mit Picasso so ist, da auch Abkehr eine Form von Auseinandersetzung sein kann – vor allem, wenn sie von einem so prägenden Menschen und der Zeit mit diesem vonstatten geht.

Françoise machte sich zeitlebens viele Gedanken. Sie durchschaute viel und liess sich dann (trotzdem) bewusst auf die Dinge ein, auch auf die, welche von vornherein schwierig oder gar aussichtslos erschienen, von denen sie sich aber etwas für sich erhoffte – so auch wenn sie liebte und wusste, dass es vernünftig wäre, diese Liebe nicht zu leben. Allerdings wäre das nicht das Leben, wie sie es für sich definiert.

Aber die Vernunft ist kein Freund des Malers, du brauchst sie nicht unbedingt bei der Arbeit. Zum Malen brauchst du Leidenschaft, du musst in Schwung kommen und den Vogel Zweifel von der Schulter scheuchen.

In einigen Gesprächen geht Françoise Gilot auch auf ihr Malen und ihr Verständnis davon, was Malen heisst, ein. Sie schildert ihre Liebe zur Bilderwelt, zu der immer auch eine Liebe zur Sprache kommt.

[…]
Malen ist zuerst einmal Handwerk. Man braucht Fingerfertigkeit, Kenntnis der Werkzeuge und muss die Beziehungen der Farben untereinander studieren.
[…] Das Auge ist das wichtigste Instrument der Malerin
Ich wollte immer Malerin sein, aber die Sprache ist mir sehr wichtig. […] Wenn ich zeichne, ist das Wort nie weit. […] Irgendwo in den Ritzen ihrer Gemälde versteckte sich immer der Intellekt. Im Unterschied zu den männlichen Malerfürsten ihrer Generation trug sie dabei nie dick auf.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches sind die Erkenntnisse, die Malte Herwig aus den Gesprächen für sich selber zieht, als ob er gleichwohl dem Leser erklären möchte, was ihm die Aussagen von Gilot zwischen den Zeilen sagen könnten. Das macht aus dem Buch stellenweise eine Art Lebensratgeber und Selbsterfahrungsbericht. Ich hätte lieber mehr über François Gilot und ihre Malerei erfahren, möchte diesem Kritikpunkt aber nicht zuviel Gewicht geben innerhalb des Ganzen: Die Frau, die nein sagt ist ein informatives und tiefgbründiges Buch, das Einblicke in das bewegte Leben einer mutigen Frau gewährt und eine bereichernde Lektüre.

Fazit
Ein tiefgründiges Buch, das den Menschen François Gilot vorstellt und Einblicke in ihr bewegtes Leben mit und nach Picasso gibt. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Malte Herwig
Malte Herwig, Jahrgang 1972, ist Reporter beim Magazin der Süddeutschen Zeitung und lebt in Hamburg. Seine Artikel und Interviews sind in nationalen und internationalen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht worden.

François Gilot
Françoise Gilot, 1921 in Neuilly-sur-Seine geboren, lebt und arbeitet abwechselnd in New York und Paris. Ihre Bilder werden in Museen auf der ganzen Welt gezeigt (Museum of Modern Art, Musée Picasso in Antibes, Musée d’Art Moderne in Paris u. a.). Ihr erstes Buch »Leben mit Picasso« (1964) wurde ein internationaler Bestseller trotz der Versuche Pablo Picassos, die Veröffentlichung mit rechtlichen Mitteln zu verhindern und Gilot in der Kunstwelt zu isolieren.

Angaben zum Buch:
die_frau_die_nein_sagtTaschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Ankerherz Verlag (15. März 2015)
ISBN-Nr.: 978-3940138828
Preis: EUR 29.90 / CHF 48.90

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