David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick (Rezension)

Vom Pizzabäcker zum Starautor

Eine Besonderheit des Konzepts dieser Bibliothek liegt zudem darin, dass die Autoren ihren Platz in den Regalen frei wählen dürfen. Bevor man das eigene Anti-Vermächtnis einreiht, kann man noch ein wenig in den Werken der ebenfalls verstossenen Kollegen blättern.

Ein bretonischer Pizzabäcker schreibt heimlich einen Roman, den niemand will. So endet das Buch in der Bibliothek für von Verlagen abgelehnte Manuskripte und wäre da wohl auch für alle Tage liegen geblieben, hätte es nicht zufällig eine junge Lektorin gefunden. Das Buch wird ein Renner und mischt Frankreich, die Verlagsszene, Autoren und die Medien auf. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Kann es wirklich sein, dass ein Mann, der – so seine Witwe – Zeit seines Lebens kein Buch gelesen hat und höchstens mal eine Einkaufsliste schrieb, plötzlich einen so grandiosen Roman geschrieben hat? Wann und wie hat er das getan?

Der Erfolg ruft – das liegt in der Natur des Menschen – Neider hervor, welche dem geheimnisvollen Romanschreiber und dessen Geheimnis auf die Spur kommen wollen.

FoenkinosPickDavid Foenkinos hat die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte nicht erfunden, die gibt es wirklich: Die Richard Brautigan Library an der Westküste der USA. Ausgehend von dieser, wie er fand, schönen Idee schrieb er den vorliegenden Roman um Monsieur Pick. Entstanden ist ein satirischer und unterhaltsamer Roman, welcher den Buchmarkt kritisch unter die Lupe nimmt: Das Leiden an der Welt von erfolglosen Schriftstellern ist ebenso Thema wie blutrünstige Kritiker und die Mechanismen von nach Erfolg gierenden Verlagen.

Das Buch ist locker und leicht zu lesen, die Geschichte stimmig, wenn auch ab und an etwas zu sehr mit plakativen Allgemeinplätzen und Klischees behaftet. Auch fehlt mir hier ein wenig das Einfühlsame, das Tiefe, das Foenkinos beispielsweise bei seinem Buch Charlotte so meisterhaft beherrschte. Sehr gelungen ist die Wende am Schluss, welche der ganzen Geschichte nochmals neuen Auftrieb gibt. Alles in allem eine wunderbare Geschichte, die neben dem Unterhaltungswert auch immer wieder zum Nachdenken anregt.

Fazit:
Eine unterhaltsame, witzige, teilweise satirische Geschichte. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
David Foenkinos
David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“, der von Foenkinos selbst (zusammen mit seinem Bruder Stéphane) mit Audrey Tautou und François Damiens in den Hauptrollen verfilmt wurde. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Sein neuer Roman, „Charlotte“, wurde 2014 mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet und hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft.

Christian Kolb (Übersetzung)
Christian Kolb wurde 1970 geboren und studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Neben den Romanen von David Foenkinos übersetzte er u. a. auch Nicolas Fargues „Die Rolle meines Lebens“. Er lebt in Berlin.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (13. März 2017)
Übersetzung: Christian Kolb
ISBN-Nr.: 978- 3421047601
Preis: EUR 19.99 / CHF 28.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Erich Fried: Heimweg von Delphi

Das Gedicht musste leider gelöscht werden, da der Verlag mit rechtlichen Schritten drohte bei einer Publikation hier. Es kann nachgelesen werden in „Erich Fried: Warngedichte“

Im vorliegenden Gedicht haben wir ein lyrisches Ich, das seine Grösse daran erkennt, dass es die eigene Kleinheit sieht, seine Stärke daran, dass es sich die eigene Schwäche einsieht. Seine Klugheit aber zeigt sich daran, zu vergessen, dass es eben klein, schwach, dumm und vergesslich ist. Aufgrund seiner Ratio, seiner Vernunft neigt das lyrische Ich zu einer Selbstüberschätzung, die das Ich blind werden lässt gegenüber den eigenen Schwächen und Fehlern.

Der Titel weist auf das Orakel von Delphi hin. Die Inschrift am Apollotempel von Delphi lautet „Erkenne dich selbst“ (griech.: gnothi seauton, Γνῶθι σεαυτόν). Ursprünglich gemeint war damit, dass der Mensch seine eigene Begrenztheit erkennen solle (im Gegensatz zu den Göttern). Ziel dieser Erkenntnis sollte sein, nicht zu Selbstüberschätzung zu neigen, sondern bescheiden zu bleiben. Die Forderung zur Selbsterkenntnis wurde von verschiedenen Philosophen aufgenommen. Während die Philosophen vor Platon eher zur Bescheidenheit und zum Akzeptieren des eigenen Platzes in der Welt rieten, sah Platon nur noch den Körper als beschränkt, in ihm aber eine unsterbliche, gottähnliche Seele wohnend.

Das Orakel von Delphi hatte einst Sokrates als weisesten Mann Athens bezeichnet, was dieser nicht verstehen konnte und sich auf die Suche nach jemandem machte, der weiser als er selber wäre – er fand keinen. Im Zusammenhang damit entstand das wohl bekannteste Diktum von Sokrates, dass er wisse, was er nicht wisse. Da er immerhin dieses wisse, könne er vielleicht doch als weiser Mann gelten, so seine Schlussfolgerung – wir kennen sie nur aus Platons Überlieferungen.[1]

Erich Fried hat sich in verschiedenen Gedichten und Texten mit Sokrates beschäftigt. Dabei fällt immer wieder seine Skepsis gegenüber der Vernunft auf. Fried spricht ihr die Fähigkeit ab, die wirkliche, „letzte Wahrheit“ über das Sein zu erkennen. Das zeigt sich auch in diesem Gedicht deutlich: Während die erste Strophe die eigentliche Selbsterkenntnis zeigt, wie sie das Orakel von Delphi mit seinem „Erkenne dich selbst“ fordert, kehrt das lyrische Ich zurück zu seinem Verstand und verschliesst sich gegenüber jeglicher Selbsterkenntnis.

Frieds Aussage: Wir, die wir uns für so klug halten, sehen eigentlich das Wesentliche nicht. Wir verschliessen unsere Augen vor der wirklichen Wahrheit, indem wir uns aufgrund unserer Ration eine zurechtbasteln. Analytisch, kompromisslos, deutlich – ein echter Fried halt!

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[1] Platon: Apologie des Sokrates (21d): Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas Tüchtiges oder Sonderliches wissen; allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.

Edgar Allan Poe: Unheimliche Geschichten (Rezension)

Schaurig schöne Geschichten

Von Madame L’Espanaye fehlte jede Spur. Doch aufgrund der ungewöhnlichen Menge Russ in der Feuerstelle wurde der Kamin inspiziert und (horribile dictu!) der Leichnam der Tochter, mit dem Kopf nach unten, herausgezogen. […] Nach gründlicher Durchsuchung aller Winkel des Hauses, die keine weiteren Aufschlüsse erbrachte, begab sich die Gruppe in einen kleinen, gepflasterten Hinterhof, wo der Leichnam der alten Frau lag; ihr Hals war so vollständig durchtrennt, dass, als man sie hochzuheben versuchte, der Kopf abfiel.

PoeUnheimlicheEdgar Allan Poe ist ein wahrer Meister des Grauens und er gilt auch als Erfinder des Detektivromans. Im vorliegenden Band zeigt er sich von seiner schaurig-schönsten Seite. Der Titel verspricht nicht zuviel, wenn von unheimlichen Geschichten die Rede ist.

Herausgegeben wurde das Buch von Charles Baudelaire, welcher sich schon in jungen Jahren von Poes Werk angezogen fühlte, es später durch seine Übersetzungen nach Europa brauchte.

Der vorliegende Band ist der erste einer geplanten fünfbändigen Neuauflage von Poes Werk. Er enthält folgende Geschichten:

  • Der Doppelmord in der Rue Morgue
  • Der entwendete Breif
  • Der Gold-Skarabäus
  • Ente einer Ballonfahrt
  • Das beispiellose Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall
  • „Manuskript in Flasche gefunden
  • Ein Sturz in den Malstrøm
  • Die Faktem im Fall von M. Valdemar
  • Mesmerische Offenbarung
  • Eine Geschichte aus den Ragged Mountains
  • Morella
  • Ligeia
  • Metzengerstein

Abgerundet wird das Buch durch einen Text von Charles Baudelaire zu Edgar Allen Poes Leben und Werk sowie durch ein Nachwort des Übersetzers Andreas Nohl, welcher eine wirklich herausragende Übersetzungsarbeit geleistet hat. Das Buch besticht zudem über ein schönes Layout und einen hochwertig gestalteten Schutzumschlag, Leinenbezug und ein Lesebändchen. Ein rundum wunderbares Lesevergnügen.

Fazit:
Schaurige, grausame, abenteuerliche, skurile Geschichten und Menschen in einer mehr als gelungenen Neuauflage und Neuübersetzung. Unheilmliche Geschichten, die man jedem Edgar-Allan-Poe-Fan ans Herz legen möchte – und allen, die es werden möchten. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor und weiteren Mitwirkenden
Edgar Allan Poe, geboren 1809 in Boston als Sohn von Schauspielern, gilt als eigenwilligste und faszinierendste Dichterpersönlichkeit im Amerika des 19. Jahrhunderts. Sein kurzes, aber bewegtes Leben, das 1849 in Baltimore unter geheimnisvollen Umständen ein Ende fand, wurde schon bald zur Legende.

Charles Baudelaire, geboren 1821 in Paris, begründete als Herausgeber und Übersetzer der Werke Edgar Allan Poes dessen Weltruhm. Mit seinem Gedichtzyklus Fleurs du Mal (1857) setzte er ein neues Datum in der Dichtungsgeschichte. Er starb 1867 in seinem Geburtsort.

Andreas Nohl wurde 1954 in Mülheim an der Ruhr geboren. Seine Übersetzungen u.a. von Mark Twains Tom Sawyer & Huckleberry Finn und Rudyards Kiplings Dschungelbuch wurden von der Presse hochgelobt. Zuletzt erhielt er den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (10. März 2017)
Herausgeber: Charles Baudelaire
Übersetzer: Andreas Nohl
ISBN: 978-3423281188
Preis: EUR 28 / CHF 39.9’
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Leonard Cohen: I’m Your Man

Wenn zwei sich finden, wünschen sie sich, dass es klappt. Und sie wären zu vielem bereit, je das Ihre zu tun, dass es klappt. Welche Frau wünscht sich nicht ab und an den Mann, der einfach da wäre? Und ja, Frauen sind nicht ganz einfach, manchmal wechseln die Wünsche schneller, als Mann auf drei zählt. Wie schön wäre es, würde der Mann einfach immer dastehen und sagen:

Ich bin dein Mann!

Heute ist ihr nach Zärtlichkeit, morgen will sie Pferde stehlen, übermorgen einfach mal in den Arm genommen werden. Und immer steht er da und sagt:

Ich bin dein Mann!

Er schafft es wohl nicht immer, es ist auch nicht einfach. Gewisse Wünsche sind nicht nachvollziehbar, einige nie ausgesprochen. Ab und an wird es schwer und vielleicht bricht alles auseinander. Doch: Er möchte es sein. Möchte es bleiben. Und er setzt sich ein. Geht gar auf die Knie und sagt:

Ich bin dein Mann!

Klar, es ist ein gar idyllisches Bild und man könnte sagen: He, Mann, steh mal denselben und steh hin! Sag auch, was du willst! Und zur Frau: Sei nicht nur Prinzessin, was bietest du? Aber doch… so ganz tief drin im Herzen, wünscht man sich diese unbedingte und bedingungslose Liebe, diesen Partner, der einfach da ist, egal, was einen grad reitet.

Liebe ist, wenn einem das Glück des anderen mehr am Herzen liegt als das eigene. Wenn das eigene Glück wächst, wenn der andere glücklich ist. Das sollte natürlich auf beiden Seiten so sein. Aber… bei aller Emanzipation und allem Streben nach Gleichheit, ein paar romantische Ideen haben sich gehalten. Sie sitzen tief und sie wärmen das Herz. Die holde Prinzessin, die auf den tapferen Ritter in der goldenen Rüstung auf dem Schimmel wartet ist ein Bild, das irgendwo in romantischen Seelen festsitzt. Und dem wird das Lied gerecht. Er kommt, der Ritter, und sagt:

Ich bin dein Mann!

Leonard Cohen: I’m your man
If you want a lover, i’ll do anything you ask me to.

And if you want another kind of love, i’ll wear a mask for you.

If you want a partner, take my hand, or
If you want to strike me down in anger
Here I stand
I’m your man

If you want a boxer
I will step into the ring for you
And if you want a doctor
I’ll examine every inch of you
If you want a driver, climb inside
Or if you want to take me for a ride
You know you can
I’m your man

Ah, the moon’s too bright
The chain’s too tight
The beast won’t go to sleep
I’ve been running through
These promises to you
That I made and I could not keep

Ah, but a man never got a woman back
Not by begging on his knees
Or I’d crawl to you baby
And I’d fall at your feet
And I’d howl at your beauty
Like a dog in heat
And I’d claw at your heart
And I’d tear at your sheet
I’d say please, please
I’m your man

And if you’ve got to sleep a moment on the road
I will steer for you
And if you want to work the street alone
I’ll disappear for you
If you want a father for your child
Or only want to walk with me a while
Across the sand
I’m your man
If you want a lover
I’ll do anything that you ask me to
And if you want another kind of love, I’ll wear a mask for you.

Meine Übersetzung

Wenn du einen Liebhaber willst, werde ich alles tun, worum du mich bittest.

Und wenn du eine andere Art der Liebe willst, werde ich eine Maske für dich tragen.

Wenn du einen Partner willst, nimm meine Hand, oder
wenn du mich niederschlagen willst im Zorn
stehe ich da
Ich bin dein Mann

Wenn du einen Boxer willst
werde ich für dich in den Ring steigen
und wenn du einen Arzt willst
untersuche ich jeden Centimeter von dir
Wenn du einen Fahrer willst, steiug ein
oder wenn du mich mitnehmen willst
weißt du, du kannst
Ich bin dein Mann

Oh, der Mond ist zu hell
die Ketten sind zu eng
der Dämon wird nicht schlafen gehen
Ich bin immer wieder hindurch gegangen
durch diese Versprechen an dich
die ich gemacht habe und nicht halten konnte

Oh, aber ein Mann kriegte nie eine Frau zurück
wenn er nicht auf Knien bat
Oder ich würde zu dir kriechen Baby
und mich dir zu Füssen legen
Ich würde deine Schönheit anheulen
wie ein räudiger Hund
Und ich würde nach deinem Herz greifen
und würde in dein Laken winen
Ich würde dich bitten, bitten
Ich bin dein Mann

Und wenn du auf deinem Weg einen Moment schläfst
würde ich für dich steuern
und wenn du den Weg alleine gehen willst
würde ich für dich verschwinden
und wenn du für deine Kinder einen Vater möchtest
oder auch nur eine Weile mit mir gehen möchtest
durch den Sand
Ich bin dein Mann
Wenn du einen Liebhaber willst
Ich würde alles für dich tun, worum du mich bittest
Und wenn du eine andere Art der Liebe möchtest, würde ich für dich eine Maske tragen.

Theodor Fontane: Rückblick

Es geht zu End’, und ich blicke zurück.
Wie war mein Leben? wie war mein Glück?

Ich saß und machte meine Schuh’;
Unter Lob und Tadel sah man mir zu.

„Du dichtest, das ist das Wichtigste…“
„‚Du dichtest, das ist das Nichtigste.‘“

„Wenn Dichtung uns nicht zum Himmel trüge…“
„‚Phantastereien, Unsinn, Lüge.‘“

„Göttlicher Funke, Prometheusfeuer…“
„‚Zirpende Grille, leere Scheuer.‘“

Von hundert geliebt, von tausend mißacht’t,
So hab’ ich meine Tage verbracht.

1895 schreibt Theodor Fontane dieses Gedicht. Er blickt auf 76 Jahre zurück, davon 46 Jahre als Schriftsteller. 1849 hatte er beschlossen, den Apothekerberuf aufzugeben, um ganz als freier Schriftsteller zu leben. Es waren nicht nur einfache Jahre, vor allem am Anfang waren er und seine Familie von finanziellen Sorgen geplagt. Manch einer wird ihm wohl gesagt haben, er hätte den falschen Schritt gewagt, manch einer sein Schreiben belächelt haben – und auch er selber zweifelte ab und an, meinte gar, nicht wirklich schreiben zu können. Zum Glück hat er nicht auf die anderen und eigenen Stimmen gehört.

1892 erkrankte Fontane an einer Gehirnischämie, worauf ihm der Arzt riet, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben. Auch entstanden in der Zeit einige seiner wundervollsten Werke, wie zum Beispiel Effi Briest, sowie auch die autobiografische Schrift Von Zwanzig bis Dreissig. Die Beschäftigung mit seiner Vergangenheit war also in diesen Jahren Programm.

So schaut das lyrische Ich also zurück, zieht quasi Bilanz. Es fragt nach seinem Leben, nach seinem Glück. Es sieht, wie es – ganz Schuster, der bei seinen Leisten blieb – tat, was ihm gegeben war. Es sieht auf die anderen, welche über es urteilten, mal positiv, mal negativ. Auch den Stellenwert der Dichtung bezieht es mit ein in seinen Rückblick: für die einen wichtig, für die anderen Unsinn. Und so kommt es zum Schluss, dass es wohl von weniger Menschen geliebt wurde als missachtet. Und doch: Wenn wir an den Anfang zurück gehen, sehen wir es: Da fragt das Ich nach dem Leben und nach dem Glück – es muss also ein solches gewesen sein.

Es gibt im Leben immer andere, die sich herausnehmen, sich ein Urteil zu bilden und dieses als alleinige Wahrheit zu verkaufen. Da steht man dann und sieht sich auf sich selber zurückgeworfen, hinterfragt das eigene Tun, Zweifel kommen auf. Man es den anderen recht machen, nur: Wenn man das tut, kommen wieder andere, die wieder andere Wahrheiten verkünden. Allen wird man nie gerecht.

Es ist wohl richtig und wichtig, sich zu hinterfragen. Schlussendlich kann man nur seinen Weg gehen. Es gibt Menschen, die begleiten einen, andere ziehen weiter. Das ist das Leben. Und: Man stelle sich vor, Theodor Fontane hätte auf die kritischen und abwertenden Stimmen gehört und das Schreiben eingestellt. Nie hätten wir mit Effi Briest mitgelitten, nie seine Gedichte zu Gesicht bekommen. Auch dieses hier nicht.

Johannes Bobrowski: Gesammelte Gedichte (Rezension)

Poesie als sinnliche Rede

Zum Inhalt

Letzter Winter
Des Tages ist die Sonne und
nachts der Mond
über den Bergen.
Doch das Herz ist ertrunken
lang in den blauen Schatten
des Tals.

Am 9. April 2017 wäre Johannes Bobrowski 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat die DVA seine Gedichte neu in einem Band verlegt. Der Band besteht aus drei Teilen:

  • Die Gedichte: Sämtliche Gedichte, die Bobrowski selber herausgegeben oder für den Druck bestimmt hat
  • Gedichte aus dem Nachlass
  • Anhang

BobrowskiGesammelteGedichteDie Gedichte umfassen den Gedichtband Sarmatische Zeit (1961), Schattenlandströme (1962), und Wetterzeichen (leider nicht mehr zu Lebzeiten publiziert, aber für die Publikation vorbereitet). Diese drei Gedichtbände stellen Bobrowskis Hauptwerk dar. Daneben existieren vereinzelte Gedichte, die an unterschiedlichen Orten publiziert, aber zu keiner Sammlung vereinigt worden waren.

Teil 2 des vorliegenden Bandes umfasst die Gedichte aus dem Nachlass. Darin enthalten sind Gedichte aus den Jahren 1935 – 1965. An ihnen lässt sich auch gut die Entwicklung Bobrowskis als Lyriker ablesen.

Den Abschluss macht ein umfangreicher Anhang, der einerseits ein Nachwort von Helmut Böttinger (Literaturkritiker) enthält, des Weiteren editorische Nachbemerkungen, Bobrowskis Lebensdaten sowie ein alphabetisches Gesamtverzeichnis.

Bobrowskis Lyrik
Bobrowski bezeichnete Poesie einst als „vollkommen sinnliche Rede“. Dichtung solle dabei nicht anheimeln, sie solle die Zeit zeigen, wie sie ist, nicht verschönernd, sondern mit all ihren Dissonanzen, Unruhen und Spannungen. Er selber verwirklichte das oft mit Stilmitteln wie der Inversion und des Enjambements. Beide durchbrechen den normalen Fluss der Sprache, setzen Akzente und bauen Spannungen auf. Beide können sie Dissonanzen verstärken und Disharmonie herstellen – das, was Bobrowski auch in der Welt sah und ausdrücken wollte.

Die Enjambements tragen also den Inhalt in die Form und verstärken ihn so. Indem das Enjambement die Versgrenze überschreitet, widerspricht es dem eigentlichen Sprachgefühl und hat so eine akzentuierende Funktion im Gedicht. Dasselbe gilt für die Inversion, bei welcher das Subjekt an den Schluss gestellt wird, Prädikat und Adjektiv ihre angestammten Plätze in der Syntax verlassen, so dass sich eine Spannung hin zum Subjekt aufbaut.

Trotz dieser Stilmittel sind Bobrowskis Gedichte oft in alten Gedichtformen verhaftet. Er legte grossen Wert auf Versmass und Metrum, es findet sich auch die klassische Ode in seinen Werken und Gedichte, die sich ganz offensichtlich an den alten Meistern orientieren. Trotzdem bewegt er sich inhaltlich in der Gegenwart.

Thema seiner Lyrik sind oft die Landschaften und Siedlungen Osteuropas, sind die Zeit und ihre Wunden durch den Krieg. Bobrowski war wies auf die Geschichichte und war dabei immer auch politisch. Er spielte eine einzigartige Rolle als Vermittler zwischen Ost und West, indem er auf eine Weise schrieb, die für den Osten eigentlich fast nicht denkbar schien.

In den Gedichten aus dem Nachlass finden sich aber auch leisere Töne. Gedichte über Blumen, die seine Sinnesschärfe und Beobachtungsgabe zeigen, die trotz leiser Töne auch ab und an kritische Zwischentöne mitklingen lassen, ohne dabei das schöne Bild zu stören.

Fazit:
Ein wunderbares Buch eines grossartigen Lyrikers. Laute und leise Töne, alte Formen und neue Inhalte, Poesie, die durchdringt, in der Form und Inhalt Hand in Hand gehen. Sehr empfehlenswert.

Autor
Johannes Bobrowski wurde am 9. April 1917 in Tilsit geboren. Ab 1949, nach der Rückkehr aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, lebte er in Ostberlin, wo er als Lektor arbeitete. 1961 publizierte er seinen ersten Lyrikband „Sarmatische Zeit“, der wie auch seine folgenden Bücher parallel in Ost- und Westdeutschland erschien. 1962 wurde ihm der Preis der Gruppe 47 verliehen, 1965 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis für den Roman „Levins Mühle“. 1965 starb der Dichter in Ostberlin. Seine Texte sind in über 35 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 752 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (13. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3421047625
Preis: EUR 34.99/ CHF 48.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Safiye Can: Kinder der verlorenen Gesellschaft (Rezension)

Die Verortung des Ich

Vielleicht ist Heimat eine Zeile Kurt Cobain
ein Vers Attilâ Ilhan
eine tausendjährige Sehnsucht, ergraut das Haar
[…]

CanKinderSafiye Can stellt Fragen. Sie fragt nach Heimat, nach Zugehörigkeit, Sie thematisiert das Fremdsein in der Welt mit einem klaren, unverstellten Blick. Can wurde als Tochter tscherkessischer Eltern in Offenbach am Main geboren. Es sind wohl autobiografische Fragen, aber es sind auch Fragen, die sich jeder stellt, der in dieser Welt lebt: Die Fragen nach dem eigenen Sein in dieser Gesellschaft, die ab und an nicht unsere zu sein scheint, auch wenn wir mitten drin sind.

Im vorliegenden Band kommen ganz unterschiedliche Gedichtformen der Lyrikerin zusammen: Langgedichte, kurze Alltagslyrik, visuelle und konkrete Poesie. Auch Liebesgedichte findet man:

Irgendwann
werden wir uns begegnen
und anblicken
wie zwei Kinder
die sich gegenüber stehen
wie einem Wunder.

Es sind Gedichte, die ohne Kitsch und abgedroschene Bilder auskommen, die von der Sprache leben, von dem, was ist und sein kann in leisen Tönen. Überhaupt besticht Safiye Cans Lyrik durch eine klare, schnörkellose Sprache. Es sind Worte, die offenlegen, eingängig sind, sich festsetzen, nachwirken.

Fazit:
Ein tiefgründiges, vielseitiges, hinterfragendes und nachhallendes Buch. Sehr empfehlenswert.

Autorin 
Safiye Can studierte Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main. Sie schreibt Lyrik und Prosa, übersetzt aus dem Türkischen und gibt Lyrikworkshops an Schulen. Safiye Can wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (2016) und dem Alfred Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur (2016). Sie lebt in Offenbach.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Wallstein (27. Februar 2017)
ISBN-Nr: 978-3835330481
Preis: EUR 18/ CHF 26.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Theodor Fontane: Jenseits des Tweed (Rezension)

Bilder und Briefe aus Schottland (Grosse Brandenburger Ausgabe)

Mit Fontane durch Schottland reisen

Eine Reise an der Seite eines Freundes ist eine Freundschaftsprobe, wie die Ehe eine Liebesprobe ist. Wir haben sie bestanden.

Im Sommer 1858 zieht Theodor Fontane mit seinem Freund Bernhard von Lepel los, um sich einen Wunsch zu erfüllen: Zwei Wochen wollen die beiden durch Schottland reisen.

„Nach Schottland also!“ Die Koffer waren gepackt, die Billets gelöst, und als der Spätzug sich endlich in Bewegung setzte und majestätisch aus der Halle des Kings-Cross-Bahnhofs hinausglitt, überlief es mich ähnlich wie vierzehn Jahre früher, wo es zum ersten Male für ich hiess: „Nach England!“

FontaneTweedVon Anfang an plante Fontane, die Reise mit Zeitungsartikeln und einem Buch zu dokumentieren, um einerseits seine Leser teilhaben zu lassen, wichtiger aber, um die Reise zu finanzieren. Entstanden ist eine wunderbare, unterhaltsame, sehr persönliche Reisebeschreibung – für Fontane-Liebhaber ein Muss. Der Schriftsteller berichtet über schottische Sagen ebenso wie über touristische Attraktionen und die beeindruckende Natur. Als Leser fühlt man sich teilweise wie der Dritte im Bunde mit den beiden Freunden und erlebt so die Reise im Geiste mit.

Die Grosse Brandenburger Ausgabe ist in Zusammenarbeit mit der Theodor-Fontane-Arbeitsstelle der Universität Göttingen entstanden, dieses ist der zweite Band des reiseliterarischen Werks Fontanes. Ziel ist es, das Werk des grossen Realisten vollständig zu publizieren und umfassend zu kommentieren. So wird denn der eigentliche Text auch durch einen sehr ausführlichen Anhang ergänzt, welcher von der Entstehungsgeschichte über die Rezeption, Stellenkommentare sowie editorische Informationen dieser Ausgabe alles enthält. Das Register nach Personen und Werken sowie geographischen Angaben hilft, gezielt im Text zu suchen.

Fazit:
Ein ausführlich und kompetent kommentierter Reisebericht eines wunderbaren Autoren. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Theodor Fontane
Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 im märkischen Neuruppin geboren. Er erlernte den Apothekerberuf, den er 1849 aufgab, um sich als Journalist und freier Schriftsteller zu etablieren. Ein Jahr später heiratete er Emilie Rouanet-Kummer. Nach seiner Rückkehr von einem mehrjährigen England-Aufenthalt galt sein Hauptinteresse den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Neben der umfangreichen Tätigkeit als Kriegsberichterstatter, Reiseschriftsteller und Theaterkritiker schuf er seine berühmt gewordenen Romane und Erzählungen sowie die beiden Erinnerungsbücher „Meine Kinderjahre“ und „Von Zwanzig bis Dreißig“. Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Zum Herausgeber
Maren Ermisch
Die Bandherausgeberin Maren Ermisch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universät Göttingen. Sie wurde 2014 mit einer Arbeit über Theodor Fontane und den deutschen Schottland-Reisebericht des 19. Jahrhunderts promoviert.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag (19. Januar 2017)
Herausgeber: Maren Ermisch
ISBN: 978-3-351-03137-4
Preis: EUR 44 / CHF 58
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online beim Aufbau Verlag selber sowie bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rainer Maria Rilke: Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

6.11.1902, Paris

Der Panther ist wohl eines der bekanntesten Dinggedichte Rilkes. Bei Dingggedichten werden leblose oder lebendige Objekte zum Sujet des Gedichts, sie tragen die Botschaft. Rilke gilt als Schöpfer der Dinggedichte, sie sind bei ihm vor allem in den Neuen Gedichten (1907/08) zu finden.

Der Panther hat drei Strophen mit je vier Versen, die als Reimschema jeweils den Kreuzreim aufweisen. Auffällig ist auch der Binnenreim in der dritten Zeile, des Weiteren die Häufung des Umlauts ä, welche dem Gedicht einen eigenen Klang geben. Der Rhythmus mit dem stets gleich bleibenden jambischen Metrum nimmt den Inhalt auf, er wirkt träge. Indem man das Gedicht laut liest, spürt man die Bewegung des Panthers förmlich. Man sieht und hört, wie er hinter Stäben hin und her geht, wie er ganz auf sich zurückgeworfen ist, weil da ausser tausend Stäben keine Welt mehr zu sein scheint.

Indem Rilke den Panther von aussen beschreibt, in der ersten Strophe den Blick, dann den Gang, schliesslich das Auge, von wo er im Herzen landet, legt er gleichzeitig die Innensicht des Panthers offen. Wie der Blick scheint auch der Panther müde, er läuft nur in dem ewig gleichen Rhythmus hin und her. Zwar sieht man noch die Kraft, die in ihm steckte, allein sie ist betäubt – wie es auch sein Wille ist.

Und doch gibt es Momente, da wird er wach, da sieht er ein Stück Welt, die ihm ins Herz dringt, wo alles wieder endet. Danach könnte das Gedicht wieder von vorne beginnen.

Der Erfolg des Gedichts kommt wohl unter anderem daher, dass man sich selbst erkennt in diesem Panther. Auch als Mensch ist man oft müde von all den Alltäglichkeiten des Seins, von (von aussen und innen gebildeten) Gefängnissen und Einschränkungen. Man folgt ewig gleichen Pfaden über Tage Wochen, Jahre, glaubt kaum mehr, dass es irgendwann anders sein könnte – ausser vielleicht dann, wenn ein kleiner Hoffnungsschimmer ins Herz sticht, ausgelöst durch ein Bild, ein Wort, einen Gedanken.

Danach nimmt das Leben wieder seinen Lauf. Und man geht ihn mit, Schritt für Schritt in all den Schranken, die um einen sind.

Jutta Rosenkranz: Mascha Kaléko (Rezension)

Ein Leben in Versen

Anstatt der üblichen Statistik
Gönnt der Autorin etwas Mystik!
Die ganz privaten Lebensdaten
Wird euch ihr Grabstein einst verraten.
[…]

RosenkranzKalekoMascha Kaléko wird 1907 in Galizien als Kind jüdischer Eltern geboren. Mit ihren Eltern zieht sie schon in jungen Jahren mehrfach um, zuerst nach Frankfurt, danach nach Marburg, schliesslich nach Berlin. Die Eindrücke dieser Ortswechsel prägen Mascha Kaléko ein Leben lang, Themen wie Heimatslosigkeit, Verlassenheit, auch Einsamkeit durchziehen ihre Gedichte.

Mascha fängt früh an zu schreiben, anfänglich noch neben ihrem Brotberuf im Büro, welcher ihr immer auch Inspirationsquelle ist, weil sie da am Puls des Berliner Grossstadtlebens sitzt und hautnah mitkriegt, was die Menschen bewegt. Der Erfolg stellt sich bald ein, ihr erstes Buch verkauft sich gut, die Menschen erkennen sich in den Gedichten wieder, Mascha Kaléko schreibt ihnen aus der Seele.

[…]
Doch nun, als Mensch, im Hauptberuf Poet,
erleb ich, was kein Vogelhirn versteht,
So völlig unbekannt in der Natur
Ist jener Käfig, den man nennt „Zensur“
[…]

Das Regime der Nationalsozialisten und damit einhergehend ein Publikationsverbot bereiten dem Erfolg ein jähes Ende. Mascha muss mit ihrer Familie nach New York emigrieren, wo sie anfänglich sehr unter Heimweh leidet und auch ihr deutschsprachiges Publikum vermisst. Nach dem Krieg kann Mascha Kaléko an ihre früheren Erfolge anknüpfen, sie unternimmt lange Lesereisen durch Europa und findet langsam wieder zu ihrer gewohnten Sprache zurück, einer Mischung aus Melancholie, Satire und Scharfzüngigkeit. Ihr weiterer Weg führt sie nach Jerusalem, wo sie und ihr Mann immer mehr unter ihren – schon viele Jahre immer wieder beschwerlichen – Krankheiten leiden. Mascha klagt ist müde und ihre lyrische Stimme verstummt immer mehr.

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
[…]

Der Tod des Sohnes und später auch des Mannes nimmt Mascha fast gänzlich den Lebensmut. Es entstehen noch ein paar späte Gedichte, doch die Leichtigkeit von früher findet man nicht mehr. Mascha Kaléko stirbt 1975 in Zürich.

Jutta Rosenkranz legt hier eine sehr informative, gut recherchierte, warmherzige Biografie einer lange viel zu wenig beachteten Dichterin vor. Oft lässt sie Mascha Kaléko selber durch ihre Gedichte sprechen, so dass eine sehr aufschlussreiche Verknüpfung von Lebensgeschichte und dichterischem Werk entsteht. Das Buch ist trotz vieler Fakten und historischer Hintergründe gut lesbar. Man könnte der Biographin vielleicht vorwerfen, dass sie Kaléko etwas zu unkritisch sieht und das Bild der Dichterin und ihres Werkes dadurch sehr positiv gezeichnet ist, was man ihr aber nicht wirklich übel nehmen kann.

Fazit:
Ein wunderbares, gut recherchiertes und informatives Buch über eine grossartige Dichterin und ihr Werk. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Jutta Rosenkranz
Jutta Rosenkranz, geboren in Berlin, studierte Germanistik und Romanistik und lebt als freie Autorin und Journalistin in Berlin. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, zahlreiche Autoren-Porträts und Features für den Hörfunk geschrieben und ist Herausgeberin mehrerer Lyrik-Anthologien. Sie ist Herausgeberin der Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Mascha Kaléko und Autorin der ersten umfassenden Biografie über die Dichterin.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. März 2012)
ISBN-Nr.: 978-3423346719
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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