jedem seine welt

meine welt ist
nicht glänzend
nicht ständig nur pink und gar
himmelblau strahlend

es gibt da die ganz
dunklen töne die
mitunter auch
das zepter einnehmen

es gibt da so diese
gar düsteren klänge
die statt in dur auch
moll halt verströmen

meine welt ist nicht
jeden tag glänzend
sie malt auch in matt und
dunkelblau – satt

das ist halt die welt die
die meine ich nenne
und wem’s nicht gefällt
der hat dann noch seine.

©Sandra Matteotti

Ausgeträumt

Und dann kam die Zeit
als Menschen verwert-
und austauschbar warn.

Wo nur noch Gewinn,
nur Leistung wert war –
niemals Gefühl.

Und dann kam die Zeit,
als wir uns verlorn
und Leere nur blieb,

weil die Illusion
der Jahre zuvor
im Sande verlief.

©Sandra Matteotti

Thich Nhat Hanh: Im Hier und Jetzt zuhause sein

Innehalten und den Augenblick wahrnehmen

Wir sollten versuchen, eine neue Kultur zu schaffen, in deren Zentrum das Sein steht. […] Lebendig zu sein. Frieden zu sein, Freude zu sein, zu lieben. Das ist, was die Welt am dringendsten braucht.

Thich Nhat Hanh beschäftigt sich in seinem Buch Im Hier und Jetzt zuhause sein mit der Achtsamkeit dem Augenblick gegenüber. Wir verplanen unser Leben, eilen von Termin zu Termin, hechten Zielen hinterher und verpassen dabei das, was wirkliches Leben ist, das einzige, das wir haben: Das Leben im Hier und Jetzt. Alles, was wir erstreben ist noch nicht da, alles, was uns prägt in unseren Entscheidungen, Meinungen und Gefühlen, liegt bereits in der Vergangenheit und hängt uns nach.

Bevor wir aber lernen, wirklich zu sein, fehlt uns die wirkliche und objektive Grundlage für jegliches Tun, stattdessen tun wir etwas, um überhaupt tätig zu sein.

Und wenn wir die Kunst beherrschen, friedlich zu sein, stabil zu sein, dann haben wir die Grundlage für jedes Handeln geschaffen, denn Grundlage jedes Tuns ist, zu sein.

Innehalten und Achtsamkeit üben helfen, wirklich zu sehen, zu verstehen und zu erkennen – Friede und Glück werden daraus wachsen.

In kurzen aber tiefgründigen Texten lädt Thich Nhat Hanh den Leser ein, dem Leben auf den Grund zu gehen, wirklich hinzusehen, im Augenblick zu leben, ihn achtsam wahrzunehmen. Das Gewahrsein, das Wahrnehmen dessen, was ist, ohne es nach hergebrachten Mustern zu beurteilen und mit über Jahre eingeprägten Gefühlen darauf zu reagieren, lässt uns erst wirklich lebendig sein. Dann sind wir nicht mehr Opfer unserer Gedanken und auch nicht unseren Emotionen ausgeliefert. Auch Leiden gehört zum Leben, lässt es uns doch erst das Glück wirklich spüren.

Lassen wir unser Herz ganz weit werden, damit wir wahrnehmen können, dass die Bedingungen für unser Glücklichsein schon da sind und die Ungerechtigkeit, die Grausamkeit oder Gemeinheit nicht ausreichen werden, um unser Leben zu zerstören.

Fazit
Ein wunderbares, kleines, lehrreiches Buch; eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHierGebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Herder Verlag, 3. Auflage (9. Februar 2010)
ISBN: 978-3451071003
Preis: EUR: 8.90 ; CHF 14.30

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Laetitia Colombani: Der Zopf

Es ist der Beginn einer Geschichte.
Einer neuen Geschichte, jedes Mal.
In meinen Händen erwacht sie zum Leben.

ColombaniDrei Frauen, drei Geschichten, die ihren Lauf nehmen. Smita, eine Frau aus Indien, die für ihre Tochter ein besseres Leben wünscht, als sie selber hatte, Giulia, die nach dem Tod des Vaters den Familienbetrieb retten will, und Sarah, Karrierefrau, die an Krebs erkrankt. Sie alle finden sich in den Gefängnissen ihres Lebens und setzen zum Befreiungsschlag. Sie alle könnten verschiedener nicht sein, leben an den unterschiedlichsten Orten, und doch: Etwas verbindet sie, bindet sie wie Strähnen eines Zopfes zusammen.

Ein wunderbares Buch, das einnimmt und es in einem Zug lesen lässt. Die Geschichte, die aus drei Einzelgeschichten besteht, ist von Anfang an absehbar, was dem Buch keinen Abbruch tut. Colombani ist es gelungen, authentische Figuren zu schaffen, mit denen man weiter gehen will. Sie schafft es, Schicksalsschläge ohne zu viel Betroffenheit und doch mit viel Mitgefühl zu schildern, sie erzählt gekonnt, wie Menschen aus ihren (teilweise selber, teilweise von aussen geschaffenen) Gefängnissen auszubrechen, was in ihnen vorgeht, wie sie ihre Ängste und Muster überwinden.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, leicht zu lesen. Dass die Geschichte sehr absehbar ist, tut ihr keinen Abbruch. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Laetitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren, sie ist Filmschauspielerin und Regisseurin. ‚Der Zopf‘ ist ihr erster Roman und sorgte gleich nach Erscheinen für internationales Aufsehen. Der Roman steht seit Erscheinen weit oben auf der Bestsellerliste und erscheint in 27 Ländern. Die Filmrechte sind bereits vergeben. Laetitia Colombani lebt in Paris.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: S. FISCHER; Auflage: 3 (21. März 2018)
Übersetzung aus dem Englischen: Claudia Marquardt
ISBN: 978-3103973518
Preis: EUR 20/ CHF 29.90
Zu kaufen bei jedem Buchhändler vor Ort oder online unter anderem bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH

Alles was zählt

Ich spüre dich
im ganzen Körper,
ich fühle dich
mit jedem Wort.

Verstehe dich,
ohne zu denken,
ich liebe dich,
drum sei mein Hort.

Ich sehne mich,
mit jeder Faser
vermisse dich
mit Haut und Haar.

Ich höre dich,
auch wenn du nichts sagst,
was sind schon Worte –
es ist fühlbar.

©Sandra Matteotti

Die Angstfalle

Ich habe so Angst,
nicht zu genügen
so diese Angst,
nicht gut zu sein.

Es ist diese Angst,
dass einer käme,
und einfach nur fragte:
Was soll das sein?

Ich hab’ diese Angst,
nicht zu genügen,
dass einer schlicht sagt:
„Das reicht so nicht.“

Es ist diese Angst,
die stetig brodelt,
selbst einfach mal schlafen –
das geht schlicht nicht.

©Sandra Matteotti

Was bleibt

Ein Flügelschlag
ein Wort im Ohr
ein kurzer Satz
und alles dreht.

Ein Wendepunkt
und was mal war,
ist nun vorbei,
kommt nimmer mehr.

Ein Meilenstein,
der alles teilt
in vor und nach,
der Bruch besteht.

Was bleibt ist nur
die Dankbarkeit,
dass einmal war,
was immer zählt.

©Sandra Matteotti

Du bist, was du sprichst

Die Sprache verroht, es
ist ein Vergehen.
Worte, sie sterben,
was kommt, ist nur Bruch.

Was früher mal hold, ist
heute voll krass und
Schönes, das nennen sie
fett und voll geil.

Ich wünschte, es gäb’
eine Sprachpolizei, die
kümmerte sich um
diesen Verfall.

Dann würden wir reden,
wie Goethe einst schrieb und
hätten uns sicher
auch wieder lieb.

Denn Sprache, sie bildet
Charakter und Denken,
sie formt so den Menschen
in seinem Sein.

Drum wähle die Worte
behutsam und klug, denn
was du heut sagst, wirst
du morgen sein.

©Sandra Matteotti

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Für die abc.etüden, Woche 27.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 27.18 kommt von Werner Kastens (wkastens.wordpress.com)

Sie lautet: Sprachpolizei, verroht, vergehen

Der Ursprungspost: HIER

lebenstanz

ich mag keine
halben sachen
mag die dinge
richtig machen
denn zwei halbe
sind kein ganzes
sind 3/4
nur des tanzes
den man durch
das leben geht

und sich selbst
im wege steht
macht man nur so
halbe sachen

ich mag nur die
ganzen sachen
so mit haut und haar
und einem wachen
verstand noch
obendrein der
niemals doch
das herz besiegt
wenn wange sich
an wange schmiegt

©Sandra Matteotti