Tequila

Kennst du das Land, wo das Geld nur regiert,
der Aktienkurs statt das Herz vibriert,
ein kühler Wind durch Gassen weht,
und Menschlichkeit ganz unten steht?
Kennst du es wohl?
Noch mehr, noch mehr
heisst der Wahlspruch, weil genug Stillstand wär.

Wann stehst du auf?

©Sandra Matteotti

Tierethik und Vegetarismus

Heute las ich den schönen Beitrag zur Tierethik bei Gerda Kazakou (HIER). Sie spricht Themen an, die mich auch schon sehr lange beschäftigen, die ich nie abschliessend beantworten konnte, immer mal wieder neu aufrollte für mich und meine Haltung überprüfte, mein Essverhalten auch.

Tierethik und Vegetarismus – zwei wichtige Themen. Ich frage mich immer wieder, ob es eines ist, tendiere aber dazu, die beiden zu trennen. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und war immer nahe an Bauernbetrieben dran, weil wir da Ferien machten. Ich habe als Kind Sommer für Sommer im Dorf den Metzger begleitet, wie er das Schwein aus dem Stall holte und wenige Meter davon schlachtete. Vom ersten Schuss bis zur fertigen Wurst haben wir Kinder zugeschaut. Es war für uns natürlich und wir durften das noch frische Brät probieren. Am Tag vorher hatten wir die Schweine noch im Stall gestreichelt.

Ja, ich möchte das heute nicht mehr so machen, gebe ich ehrlich zu, ich könnte es nicht mehr. Trotzdem bin ich der Ansicht, wenn der Fleischkonsum noch so wäre, dass Tiere nur so gehalten und geschlachtet würden, wie es da üblich war, dann wäre das durchaus ein schönes Leben für die Tiere. Ich denke nicht, dass der Konsum per se unethisch ist, es ist eher die Art und Weise, wie er sich entwickelt hat – mit all den Auswüchsen wie Massentierhaltung und Tierquälereien.

Die Haltung ist nur das Eine, weiter geht es mit der Tierproduktion: Es gibt immer weniger Metzger in Dörfern, oft werden die Tiere zuerst über weite Strecken hin in Schlachthöfe transportiert, stehen schon beim Verladen und auf dem Transport Todesängste aus, um dann im schlimmsten Fall erst mal ein Wochenende im Schlachthof auf engstem Raum und unterversorgt ein Wochenende durchzustehen, bis es schliesslich am Montag ans Lebendige geht. Auf diese Weise kann mehr und günstiger produziert werden, damit der Käufer schliesslich sein ordentliches Stück Fleisch zum Kilopreis von 10 Franken auf dem Tisch hat.

Ich hörte gerade heute im Radio, dass ein Dorf das wieder ändern will und einen Metzger anstellen. Sie wollen, dass die Tiere wieder auf dem Hof geschlachtet werden können und das Fleisch soll schliesslich auch da verkauft werden. Schön wäre, wenn auch sogenannte Grossverteiler solche Projekte aufgreifen würden und so auch wenig mobile Stadtmenschen wenigstens die Möglichkeit hätten, mitzuhelfen für eine tiergerechtere Haltung. In einem anderen Fall haben sie das gemacht:

Ein Bauer aus dem Zürcher Oberland wollte nicht mehr mitansehen, dass männliche Küken einfach getötet werden, weil sie keine Eier legen und bei der Aufzucht länger brauchen, bis sie Fleisch ansetzen. Er lässt sie leben, füttert sie doppelt so lange wie ihre weiblichen Geschwister und verkauft sie dann halt entsprechend teurer.

Wenn ich das höre, denke ich doch immer wieder: Es würde gehen, wenn wir alle umdenken würden. Für mich ist eine Tierhaltung, welche dem Tier ein gutes Leben ermöglicht und einen möglichst angst- und schmerzfreien Weg zum Schlachter durchaus ethisch. Möglich ist das alles aber nur, wenn wir nicht nur trieb- und lustgesteuert einkaufen, sondern bewusst unsere Haltung zum Leben (unserem und dem von Tieren) überdenken.

Ich war insgesamt 16 Jahre meines Lebens Vegetarier (mit Unterbrüchen), tendiere immer mal wieder in die Richtung, habe mich nun aber als 95%-Vegetarier eingependelt. Ich habe übrigens gemerkt, dass der Kräuterbutter auch auf grillierten Zucchetti unglaublich lecker schmeckt – kann ich jedem nur empfehlen.

Der Tag nach dem Schweizer Jubeltag

Ich bin Schweizerin. So von Grund auf. So mit Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern, Urur…. ihr ahnt es schon. Und ja, ich bin dankbar, hier geboren worden zu sein. Ich finde nicht alles toll hier, einiges nervt mich, ärgert mich, langweilt mich, aber: Es hätte schlimmer kommen können, viel schlimmer. Dazu beigetragen habe ich nichts. Ich habe mir diesen Geburtsort nicht ausgesucht, es war schlicht und einfach nur Glück.

Gestern hat die Schweiz gefeiert. Wie alt sie nun genau wurde, darüber stritt man sich ein wenig in den sozialen Medien, die einen griffen auf 1291 zurück, die anderen auf 1848 – feiern tut man den 1. August übrigens seit 1891. Auf Facebook quoll meine Timeline über. Schweizer Flaggen, Schweizer Kühe, Schweizer Alphörner, Schweizer Fähnchen, Schweizer Würste, Schweizer Alpen, Schweizer Städte, Schweizer Musik. Lobreden auf die Schweiz zu Hauf, ihre Schönheit wurde in allen Tönen gelobt. Der ganze Schweizer Stolz zeigte sich in Worten und Bildern.

Neben all den Oden an die Schweiz kamen immer wieder in Nebensätzen die kleinen Spitzen mit rein: Der böse Islam müsse raus, der mache die schöne Schweiz kaputt. Die bösen Flüchtlinge sollen bitte dahin, wo sie herkamen, sie machen die schöne Schweiz kaputt. All die, welche nicht im Sinne der so Sprechenden sind und denken, würden auch am besten die Koffer packen und gehen. Damit man als guter Schweizer Bürger schön unter sich ist und die schöne Schweiz fortan ungestört geniessen kann. Schliesslich geht es uns hier gut. Schliesslich haben wir hier alles und haben dafür viel gearbeitet.

Gut, irgendwann holten wie die Italiener rein, damit sie helfen, weil wir ohne nicht mehr klar kamen. Aber he, die Italiener gehören heute quasi dazu. Das sind keine richtigen Ausländer, die haben auch so einen netten Akzent. Die mögen wir. Wir meinen nur die anderen. Dass die Kinder der Italiener damals als „Tschinggen“ verschrien wurden, das haben wir vergessen (oder verdrängen es oder finden, das sei ja nicht böse gemeint gewesen).

Dass viel von unserem Gut-Gehen von nicht immer ganz sauberen Finanzgeschäften abhängt, das will man auch nicht hören. Nazi-Gold? Alte Geschichten! Ich erinnere mich noch gut daran, als Stuart Eizenstat kam und die Schweizer Banken in die Knie zwang. Ich erinnere mich gut an damals, als die Bergier Kommission eingesetzt wurde. Der eine wurde als geldgeiler Anwalt betitelt, die anderen als Nestbeschmutzer. Wer konnte es wagen, an unserer weissen Weste zu kratzen?

Eine weisse Weste haben wir generell immer. Wir sind neutral, wir mischen uns nirgends ein. Dass wir Waffen verkaufen, hat damit nichts zu tun, von irgendwas müssen wir ja leben. Wir würden die ja auch allen verkaufen, die zahlen, insofern spricht das für unsere Neutralität.

All das, was wir also von all denen haben: Von der Mitarbeit der Italiener, von den Geldgeschäften und Waffenverkäufen (und vielen mehr), das möchten wir nun gerne behalten – und nicht teilen. Wir sind ja nicht Mutter Theresa – oder wie Polo Hofer sein halbes Leben lang sang: kein Kiosk. Und genau das haben sie gestern gefeiert. Sichtbar. Lesbar.

Heute feiern sie nicht mehr. Heute bleibt nur noch das Motzen über all jene, welche die arme schöne Schweiz kaputt machen. Und über all die Dummen, die nicht mitmotzen, sondern dieses ganze Gerede von Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit nicht mehr lesen mögen. Und nun erklärt sich auch der Anfang meines Artikels hier: Liebe Leute, denen ich nun auf die Füsse getreten bin,: Ich kann nirgendwohin zurück (wurde mir schon vorgeschlagen bei früheren Artikeln). Ich bin schon da, wo ich herkomme. Und ich bin gerne hier. Und ja, ich finde auch, wir müssen aufpassen, dass es der Schweiz gut geht. Aber ich finde, wir haben auch eine Verantwortung als Menschen. Menschen helfen Menschen. Wo man das kann, soll man das tun. Wenn Menschen in Not sind, sollte man nicht einfach wegschauen, sondern menschenwürdige Lösungen zu finden versuchen. Für alle Beteiligten.

Ich sage nicht, dass es einfach ist, ich sage nicht, dass es Patentlösungen gibt, nur: Schotten dicht und alle anderen verdammen, hat noch nie zu was Gutem geführt.

Während ich das alles schreibe, sitze ich hier an meinem Pult in meinem Arbeitszimmer, das Fenster ist offen und es ist unglaublich still. Ab und an höre ich ein paar Vögel, dann und wann ein paar Kinderstimmen. Die Sonne scheint, alles grünt vor dem Fenster und ich denke für mich: Es ist unglaublich schön hier. Ja, ich bin dankbar, kann ich so leben, dankbar für alles, was ich hier in diesem Land habe und all die Möglichkeiten, die ich in meinem Leben hatte. Dieses Glück haben nicht alle auf dieser Welt. Und ja, es ist schlicht nur Glück, verdient haben wir es alle hier nicht.

Max Frisch: Fragebogen II

FrischFragebogenVor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER) Ich kündigte damals an, dass ich mir in unregelmässigen Abständen ausgewählte Fragen weiterer Fragebogen vornehme – heute kommen wir also zum zweiten Fragebogen. Er fiel mir schwerer als der erste, da ich die Fragen vielfach merkwürdig fand und das Thema an sich auch keines ist, das mich wirklich tief interessiert (obwohl ich eine Zeit lang sehr gerne Hochzeitssendungen schaute, was aber mehr mit der Zeremonie als mit der Institution zu tun hatte):

Fragebogen II

  1. Ist die Ehe für Sie noch ein Problem?

Nicht grundsätzlich. Einerseits erachte ich die Ehe als eine sinnvolle rechtliche Institution, die gewisse Dinge für die beiden Vertragspartner regelt. Des Weiteren hat die Ehe durchaus einen ideellen Wert für gewisse Menschen als Zeichen der Zusammengehörigkeit, als Bund vor Staat oder auch Kirche. Ich mag Hochzeiten und ich mag den Gedanken, dass zwei Menschen einen Weg miteinander gehen. Klar kann man sagen, das ginge auch ohne Trauschein – aber es geht auch mit. Jeder muss für sich selber entscheiden, welche Variante ihm besser zusagt – mit allen Konsequenzen.

    1. Was haben Sie andern öfter geraten:
      a) dass sie sich trennen?
      b) dass sie sich nicht trennen?

Ich halte wenig von solchen Ratschlägen, da schlussendlich der andere sein Leben leben muss. Wenn ich ihm raten würde, sich zu trennen, ist er nachher allein und muss damit umgehen. Klar kann ich für mich denken, dass ich mich in der Situation trennen würde (wobei ich nicht weiss, ob ich es auch wirklich täte, wenn ich in der Situation wäre – es ist also reine Spekulation). Ich kann dem anderen zuhören, kann versuchen, ihm zu helfen, eine für ihn gute Entscheidung zu treffen und ihn dann darin unterstützen. Alles andere ist in meinen Augen nicht angebracht.

  1. Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Keine. Sie bringt aber keine neuen wie eine schlechte.

  1. Wie erklären Sie es sich, dass Sie bei sich selbst oder beim Partner nach einer Schuld suchen, wenn Sie an Trennung denken?

Schon Heidegger sagte: Alles hat einen Grund. Es hilft uns, wenn wir einen Grund (mir ist das Wort lieber als Schuld, wobei ich umgangssprachlich wohl von Schuld sprechen würde, dies aber nicht im wirklichen Sinne des Wortes gemeint) für etwas haben, denn dann können wir unser Verhalten rechtfertigen und es dadurch auch vordergründig verstehen.

  1. Wenn Kinder vorhanden sind: fühlen Sie sich den Kindern gegenüber schuldig, wenn es zur Trennung kommt, d. h. glauben Sie, dass Kinder ein Anrecht haben auf unglückliche Eltern? Und wenn ja: bis zu welchem Lebensalter der Kinder?

Ich denke, Kinder verlieren immer bei Trennungen – es gibt wohl nur wenige Ausnahmen. Die Frage nach dem Anrecht auf unglückliche Eltern empfinde ich als sehr plakativ und polemisch. Glücklich ist man auch getrennt nicht zwangsläufig, dann hätten die Kinder dann also unglückliche Eltern, die obendrein noch getrennt sind. Und ja, ich fühle mich schuldig, dass ich meinem Kind keine „heile“ Familie bieten konnte, ich hätte mir das gewünscht. Ich denke, das wünschen sich wohl die meisten Eltern, wenn sie Kinder kriegen.

  1. Wenn Sie vernehmen, dass ein Partner nach der Trennung nicht aufhört, Sie zu beschuldigen: schliessen Sie daraus, dass Sie mehr geliebt worden sind, als Sie damals ahnten, oder erleichtert Sie das?

Weder noch. Ich denke, das der Grund wären noch immer vorhandene Verletzungen und Frustrationen über eine nicht erfolgreiche Ehe. Das hätte wohl wenig mit dem Grad der Liebe zu tun und wäre auch kein Grund für ein Gefühl der Erleichterung.

  1. Was pflegen Sie zu sagen, wenn es in Ihrem Freundeskreis wieder zu einer Scheidung kommt, und warum haben Sie’s bisher den Beteiligten verschwiegen?

Wohl nur, dass ich es schade und traurig finde, wenn Beziehungen zerbrechen. Für alle Beteiligten. Und: Das konnte ich ja nicht vor dem Bruch sagen.

    1. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer Ehe, die als glücklich zu bezeichnen ist, und einer Inspiration, einer Intelligenz, einer Berufung usw., die das eheliche Glück möglicherweise gefährdet: was wäre Ihnen wichtiger:
      a)als Mann
      b)als Frau

Schwer zu sagen. Ich glaube, jeder wünscht sich eine glückliche Beziehung, da man aus einer solchen unglaublich viel Kraft schöpfen kann. Da Beziehungen aber doch häufig endlich sind, würde ich mich wohl für die Berufung entscheiden, da diese mir ja entspräche und wohl ein Leben lang bliebe, mir durch das Ausleben derselben auch Glück bescheren würde – und vielleicht fände sich ja ein gleich Berufener oder jemand, der mit dieser Art der Berufung leben könnte. Und sonst bliebe ich halt glücklich berufener Einzelgänger. Ich denke, das könnte mir durchaus gut liegen.

  1. Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei Menschen voreinander haben, sie verbindet?

Wenn mit Geheimnis gemeint ist, man tut etwas hinter dem Rücken des anderen im Wissen, dass dieser nicht damit klar käme, im Wissen, dass man damit gemeinsame Regeln verletzt, dann erachte ich das Geheimnis als keine verbindende Angelegenheit, sondern als etwas, das tief drin trennt. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man vor dem Partner das Innerste nach aussen drehen muss. Das hat Arthur Schnitzler in seinem Stück „Die Traumnovelle“ schön beschrieben. Der Vorsatz, dem anderen alles zu erzählen, hat das Ehepaar fast in den Abgrund geführt.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Freitagsfüller – Klappe, die Vierte

Wer hat an der Uhr gedreht…. zum Glück hört ihr mich nicht singen, das ist nämlich etwas, das ich ganz und gar nicht kann – auf alle Fälle ist schon wieder Freitag, Zeit für den nächsten Freitagsfüller, meinen vierten.

  1. Schon wieder  – ich sagte es bereits: Freitag. Diese Woche hatte ich Probleme mit den Wochentagen. Da ich kaum Termine auswärts hatte, konnte ich, was ich am liebsten mag, meinen eigenen Rhythmus leben und musste dazu nie in die Agenda schauen. So fragte ich mich sicher jeden Tag mal, welcher Tag denn grad wäre – nicht dass es wirklich wichtig gewesen wäre. Heute weiss ich es aber gut: Freitag. Drum haue ich hier auch fleissig in die Tasten.
  2. Diese Woche habe ich mit Mühe und Not einen Wetterfrust abgewehrt. Es war durchgängig grau in grau, eher feucht und kühl. Da half nur noch ein Krug heisser Tee, Kerzen und Weihnachtslieder – ok, das mit den Weihnachtsliedern stimmt nicht, der Rest aber schon.
  3. Die beste Pizza der Welt ist für mich die, welche es nie zur Pizza schaffte. Ich mache nämlich gerne aus Pizzateig Brötchen. Dazu walle ich den Teig aus, belege oder bestreiche ihn mit den verschiedensten Dingen, rollte den Teig auf und schneide ihn dann in Stücke. Super lecker!
  4.  Ich habe heute mal gesucht, was eigentlich eine Binsenweisheit ist. Natürlich weiss ich, was es bedeutet, nämlich: eine allgemein bekannte Tatsache – aber: Wo kommt der Ausdruck her? Gestossen bin ich auf eine lateinische Wendung (nodum in scirpo quaerere = Stengelknoten auch an der Binse suchen) und auf ein Gleichnis aus dem Altgriechischen, das von König Midas handelt, welchem Eselsohren gewachsen sind. Damit niemand davon Wind kriegt, liess er sich die Haare wachsen – einzig sein Barbier wusste Bescheid, musste sich aber verpflichten, niemandem davon zu erzählen. Er hielt sich dran, wollte seinem Herzen trotzdem Luft verschaffen und rief die Nachricht in ein Erdloch. Da hatte er die Rechnung aber ohne die Binsen gemacht, die trugen die Botschaft weiter, bis alle Binsen davon sprachen. Da haben wir sie dann: die Binsenwahrheit.

Sollte jemand noch nicht eingeschlafen sein beim Lesen, kann der nun bei 5 weiterlesen – ich verspreche, ich halte keine Vorträge mehr.

  1.  Der Austausch von Nettigkeiten liegt mir gar nicht. Ich bin kein Freund von Smalltalk und Floskeln. Fragen wie „Wie geht es dir?“ sind zur Selbstverständlich geworden, kaum einer will wirklich eine Antwort hören, geschweige denn wissen, wie es dem anderen wirklich geht. Auch die vielen Worte, die nur ausgesprochen werden, um die Stile zu überbrücken, gehen mir oft auf die Nerven. Das ist wohl der Grund, dass ich oft eher still bin, da ich schlicht nicht immer etwas zu sagen habe. Und bevor ich einfach etwas sage, schweige ich lieber.
  2.  Ich bin fest überzeugt: Gedankenlosigkeit ist die Wurzel allen Übels. Aber trotzdem ist es auch ab und an mal schön, die Leichtigkeit des Daseins zu geniessen, in den tag zu leben, fünfe grad sein zu lassen. Ich mag zum Beispiel seichte Filme, die mich unterhalten, die etwas fürs Herz dabei haben, viel Humor. Dabei schalte ich ab, lache vor dem Bildschirm und geniesse es, einfach mal nicht denken zu müssen. So gestärkt kann ich mich dann auch wieder dem Denken zuwenden. Und ich hoffe, wenn es drauf an kommt, nicht gedankenlos handelnd durchs Leben zu gehen.
  3. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, , morgen habe ich geplant, – wer mich kennt, ahnt es wohl schon – den Tag ruhig anzugehen. Am Morgen stehen die üblichen Erledigungen wie putzen, einkaufen und ähnliches an, danach findet man mich mit einem Buch auf dem Sofa, vielleicht mal am Klavier, wenn es mal trocken ist, auf einem Hundespaziergang. Am Sonntag möchte ich den Samstag wiederholen, ersetze aber die Erledigungen durch einen Film, vermutlich „Die Buddenbrooks“!

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

I säge: ‹Tschou zäme, es isch schön gsy!›

Mit diesen Worten begann Polo Hofer seine eigene Todesanzeige. Nun könnte man sagen, es sei makaber, seine eigene Todesanzeige zu schreiben, doch das ist es nicht, denn: Wer wüsste besser als man selber, was man noch sagen möchte, wenn man geht? Und Polo Hofer war immer einer, der für sich selber sprach, der sein eigenes Leben lebte, egal, was man über ihn sagte. Er kiffte, er trank, er feierte das Leben. Er schrieb seine Texte und er äusserte sich zur Welt. Und mit allem eckte er an. Keinem war er so genehm. Und darum liebten ihn so viele.

Polo Hofer ist tot. Seine selber verfassten Worte finden nun also Gebrauch. Wir verlieren mit ihm einen unbequemen Geist, einen Musiker, einen Denker, einen, der Stellung bezog und einen, der sein Leben lebte – es auch in den Abgrund lebte. Man könnte sagen: Er lebte nicht gesund, das konnte nicht gut enden. Aber er hat gelebt. Genauso, wie er leben wollte. Wohl bis zum Schluss.

Langsam gehen uns die Künstler aus, die hinstehen und sagen, was sie denken. Es gehen uns die Künstler aus, die Stellung beziehen, die eine Meinung haben, die diese kundtun. Es gehen uns die Künstler aus, die sich zur Welt in Beziehung setzen. Dagegen anschreiben, ansingen, anreden. Das ist doch Kunst: Sich in Beziehung setzen. Ab und an denke ich, heute geht es Künstlern mehr um sich selber als um die Welt. Sie wollen sich selber produzieren und nutzen dazu alle Mittel, nennen es Kunst. Polo war nicht hochtrabend. Man musste ihn nicht mit bedeutungsschangerem Blick betrachten, seine Texte entziffern und analysieren, um den tieferen Sinn zu verstehen. Er stand hin und sagte und sang es klar und deutlich. Und damit machte er wohl mehr Kunst als so manch einer sonst.

Ich bin traurig. Ich erinnere mich an einen Tag vor nunmehr 26 Jahren. Ich hatte das Glück, in der ortsansässigen Zeitung, bei der auch mein Papa arbeitete, dem Winterthurer Landboten, ein Praktikum zu machen. Mein erster Auftrag war: ein Artikel über das Konzert von Polo Hofer. Es war ein wunderbarer Abend, es wurde ein toller Artikel und beides war für mich wie der erste Kuss: Unvergesslich! Von da an hatte Polo Hofer für mich eine ganz besondere Bedeutung. Nun ist er tot. Zurück bleiben seine Lieder, zurück bleibt die Erinnerung. Möge er da, wo er nun ist, immer ein Glas Wein und Gleichgesinnte finden, mit denen er es geniessen kann. Und vielleicht schmettert er den einen oder anderen Song vom Himmel. Ich hoffe, wir hören ihn.

I säge: ‹Tschou zäme, es isch schön gsy!›

Sologamie – ein neuer Trend

Heute habe ich es beschlossen: Ich heirate mich selber. Man kann das nun, das sei ein Trend. So kann ich mir und der Welt beweisen: Ich liebe mich und das sollen alle wissen. Wir wollen nie mehr auseinander gehen – also ich und ich. Ich habe bei mir also um meine Hand angehalten, habe mich mit Tränen in den Augen angeblinzelt und dann ja gesagt. Und nun tun wir es.

Wobei: Da frage ich mich: Die Scheidungsrate liegt bei 50%. Wieso sollte es mir mit mir selber besser gehen als anderen? Ich meine, ich kenne mich ja schon gut, aber so ab und an gehen mit mir schon die Pferde durch.

Ich schelte mit mir: Was muss ich auch immer alle Romantik kaputt machen, alles hinterfragen, ständig das Haar in der Suppe suchen?

Aber he: Man muss ja zuerst nachdenken, bevor man handelt. Man kann ja nicht einfach so drauflos preschen. Und: Nehmen wir mal an, ich komme zum Schluss, ich kann mit mir nicht mehr länger verheiratet sein, weil wir das Heu schlicht nicht auf derselben Bühne haben: Was dann? Wer zieht aus? Ich oder ich? Und wo gehe ich hin? Und was passiert aus mir? Werde ich dann frei sein? Oder weinen? Brauche ich einen Anwalt oder zwei? Einer könnte ja befangen sein oder parteiisch.

Es ist nicht zum Aushalten. Was eigentlich eine schöne Sache sein sollte, wird nun so zerredet. Wir gehen nun schon so lange zusammen, wir haben uns nie getrennt, 44 Jahre lang nicht. Gut, ab und an waren wir nicht einer Meinung, ab und an hätten wir uns auf den Mond schiessen können. Aber: So im Grossen und Ganzen klappt es doch ganz gut mit uns? Ich bringe die Ratio rein, wenn ich mal wieder in kreativen Idealismen schwebe, ich bringe die Leichtigkeit rein, wenn der Verstand mal wieder alles berechnen und sortieren will. Wir sind ein gutes Team.

Das denken sie aber alle. Die einen schwören auf Gegensätze, die andere auf gleiche Charaktere. Den einen wird es langweilig, die anderen verbrennen sich die Finger. Wer brennt denn und wer gähnt von uns? Ich oder ich?

So ne Ehe sollte gut überlegt sein. Und man muss ja nicht jedem Trend folgen. Ich beschliesse also, weiter in wilder Ehe mit mir zusammenzuleben. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch morgen so friedlich und fröhlich weiter.

Nur eine Frage hätte ich noch:

 Wenn nicht mich, wen dann??

Montagsfrage: Erfahrungen mit Gay Romance

Die zweite Woche für mich bei der Montagsfrage vom Buchfresserchen: HIER – und gleich eine, die eigentlich so gar nichts mit mir zu tun hat.

Die Frage für diesen Montag lautet:

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gay Romance gemacht? Was reizt euch daran, was stößt euch ab? Habt ihr Lesetipps?

Ich habe eigentlich gar keine wirkliche Erfahrung damit, da ich mich mit dem Thema schlicht kaum auseinandersetze. Mich interessiert die sexuelle Ausrichtung von Menschen überhaupt nicht, das einzige, was mich interessiert ist, dass alle ihre frei leben können und deswegen nicht irgendwie benachteiligt sind.

Da mich das Thema Homosexualität nicht selber betrifft, habe ich auch keine Bücher gezielt dazu gesucht – und in der Literatur, die ich gelesen habe, kam kaum ein Buch vor, das speziell das Thema behandelte (oder ich hätte es vergessen).

Ausnahme ist Thomas Manns Tod in Venedig: Der berühmte Schriftsteller Gustav von Aschenbach fährt zur Erholung nach Venedig, wo er einen Knaben sieht, in den er sich verliebt. Zwar hält er die Distanz, tut aber doch alles, um jugendlicher auszusehen und vielleicht doch Eindruck zu machen, wodurch er schlussendlich jegliche Selbstachtung verliert. – Also nicht eine Romanze im wirklichen Sinne und schon gar kein der Homosexualität gegenüber aufgeschlossenes Buch, was wohl mit Thomas Manns eigener unterdrückter Neigung zusammenhängt.

Ein wirklich wunderbares Buch zum Thema Homosexualität habe ich aber gelesen: Bethan Roberts Der Liebhaber meines Mannes: Bethan Roberts gelingt es, in einer sehr feinfühligen Art die Geschichte dieser drei Menschen nachzuzeichnen. Sie präsentiert die Geschichte in den Worten von Marion, welche 1999 zurückblickt, und durch Patricks Tagebuch aus der Zeit der 50er Jahre. Tom ist sprachlos, er findet weder eigene Worte für das, was geschah noch findet er sie für die Gegenwart. Er ist nur die Figur, um welche Marion und Patrick drehen, quasi die Sonne in deren Universum. Strahlend ist dabei nur seine optische Schönheit, sein Wesen bleibt merkwürdig blass, er scheint nur als Projektionsfläche für zwei Menschen zu dienen, welche ihren Platz in der Gesellschaft suchen und Tom dazu brauchen. Ein feinfühliger Roman mit viel Tiefe, Sensibilität, der ohne Kitsch und Schnörkel die Komplexität menschlicher Beziehungen beschreibt. Berührend, zum Nachdenken animierend, einnehmend.

Meine Rezension dazu: HIER

Sonst fällt mir auf die Schnelle kein Buch zu dem Thema ein. Wie sieht das bei euch aus?

Max Frisch: Fragebogen I

FrischFragebogenDas vorliegende Buch umfasst 11 Fragebogen zu Themen wie Hoffnung, Humor, Tod, Eigentum Geld und mehr. Jeder Fragebogen umfasst mehrere Fragen, die man als Leser selber durchdenken kann. Ein spannendes Buch, ein Buch, das anregt, hinterfragen lässt – sich, andere, die Welt und die Beziehungen zwischen allen.

Ich werde mir in unregelmässigen Abständen einen Fragebogen vornehmen und mich einigen Fragen daraus stellen. Die Auswahl unterliegt verschiedenen Kriterien, ein Grund ist sicher, dass der Artikel nicht ausufern soll. Wen die vollständen Fragebogen interessieren, der findet die Angaben zum Buch ganz am Schluss. Hier der erste Fragebogen:

Fragebogen I

  1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Nein

  1. Warum? Stichworte genügen.

Ich sehe den Menschen nicht als Gewinn für diese Welt.

  1. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Nein, ich erachte Vergessen oft als Segen. Was dann wieder in die Erinnerung zurück kommt oder da geblieben ist, ist es wert, bedacht zu werden.

  1. Wie heisst der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Es gibt verschiedene Politiker, die ich lieber nicht mehr im Amt sehen würde, aber: Ich wünsche keinem den Tod, trotz allem, und: Ich glaube nicht, dass das viel helfen würde. Oft liegen die Probleme tiefer und es hängt nicht alles nur an einer Person, sondern auch an den Umständen, die ermöglichten, dass die Person in die Position kommen konnte.

  1. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Natürlich gibt es Menschen, die mir fehlen, deren Tod schmerzte. Nur: Was würde ein Wiedersehen bringen? Ich denke, wir sollten eher so leben, dass wir wissen, dass das Leben (das eigene und das des Anderen) endlich ist und zu Lebzeiten realisieren, was möglich ist.

  1. Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?

Natürlich habe ich dann und wann was auszusetzen an meinem Land, der Kultur hier, aber ich bin grundsätzlich dankbar, in der Schweiz geboren worden zu sein.

  1. Wie alt möchten Sie werden?

So alt, dass ich noch selber denken, essen und aufs Klo gehen kann.

  1. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

Nein

  1. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich halte wenig von Alleingängen in Situationen, die für alle stimmen müssen am Schluss. Ich schätze das Leben in einer Demokratie und dazu gehört, dass man Entscheide diskutiert, abwägt, abstimmt. Klar kann es sein, dass so nicht immer die Entscheidungen gefällt werden, die man sich wünschen würde, doch ich erachte die Gefahr von Alleingängen als grösser als die Beschwernis, ab und an unliebsame Entscheide mittragen zu müssen.

Wo (diktatorische, despotische, idiotische) Alleingänge dominieren, führt das oft zu Chaos, Unterdrückung, Unglück, wie man in der Geschichte oft sah und heute leider in vielen Ländern noch sehen kann.

  1. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?

Ich neige nicht zu Hass, denke aber, dass ein so starkes Gefühl ein individuelles Gefühl ist. Klar gibt es Aversionen in Ländern gegen Teile ihres Landes, einzelne Gruppierungen, oder auch gegen andere Länder. Ich würde die aber nicht als Hass bezeichnen, eher wohl als durch die Muttermilch und Kultur aufgesogene Stimmungen und Haltungen.

  1. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Nein

  1. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschen Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Ich hoffe und glaube, dass der Tod das Ende ist. Da spricht keiner mehr, weder ich noch andere. Irgendwann muss auch mal Ruhe sein.

  1. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Einerseits eine zu hohe Hemmschwelle, es bewusst zu tun, andererseits das Glück, nie durch einen Unfall in die Situation gekommen zu sein.

  1. Was fehlt Ihnen zum Glück?

Das Talent dazu.

  1. Wofür sind Sie dankbar?

Dass ich bin in einem guten und sicheren Land geboren bin, dass ich einen Weg gehen konnte, wie er mir lag, und ich die Möglichkeit habe, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Ich bin dankbar, dass ich mich mit und durch das Schreiben täglich neu entdecken und weiter entwickeln kann, dass ich Menschen erreiche mit dem, was ich tue, und ab und an anderen eine Freude bereiten kann damit.

  1. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Ich wäre gerne mein Hund Caruso. Wenn ich ihn so ansehe, wirkt er glücklich – und dafür bin ich dankbar.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

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Lebensfragen

wieviel gefühls
kälte
erträgt ein mensch?

mit wieviel ignoranz
nicht gesehen werden
kommt er klar?

wie wenig licht
benötigt er
zum leben

und sag

wie viel liebe
um nicht
unterzugehen?

sag

stirbt er ab oder aus?
Nur innen oder ganz?

wie viel gefühl kann er
über
leben

niegelebtnichtmalversprochennurvermisst

sag:
weiss
man
das?

Freitagsfüller – Klappe, die Dritte

Die Woche ist förmlich gerast, wo sind all die Tage hin? Heute steht mein dritter Freitagsfüller an:

  1.  Oh Mist,   die Kaffeemaschine motzt schon wieder, der Tresterbehälter sei voll. Da er das vor kurzem schon tat, ist das wohl das deutliche Zeichen dafür, dass ich doch ziemlich viel Kaffee trinke. Ich habe unlängst mal gehört, man könne Kaffeesatz als Dünger benützen. Das habe ich dann einmal auch probiert, lief also mit dem vollen Behälter in den Garten und packte den Trester um meine neu gepflanzten Bäumchen. Ob die nur deswegen zu kommen scheinen (ich muss ja gestehen, dass ich absolut keinen grünen Daumen habe), weiss ich nicht. Ich habe es nach diesem einen Mal auch nicht nochmals probiert, auch der Kaffeesatz gerade eben landete im Eimer, schliesslich wollte ich meinen Kaffee haben und hier weiter schreiben – was ich offensichtlich getan habe, drum steht das alles hier. Und: Der Kaffee riecht so lecker vor mir.
  2. Wenn ich mal wieder mit mir innerlich hart ins Gericht gehe, dann sage ich mir: Kein Mensch ist ohne Fehler und jeder darf seine Schwächen haben. Klar kann man an einigen Dingen arbeiten, aber schlussendlich sind wir, wie wir sind – und das ist auch gut so. Was ich höchstens aufhören könnte, ist ständig mit mir zu schimpfen, denn dieser permanente innere Kritiker, welcher einem sagen will, was man mal wieder nicht gut gemacht hat, wo man sich hätte besser verhalten können oder was man alles noch hätte tun sollen, der bringt keinem was.
  3. Wollte ich nicht diese Woche so viel erledigen und tun, die Zeit nutzen und reisen und und und? Was habe ich schlussendlich getan? Ich habe es schlicht genossen, keine Termine zu haben, einfach meinen Rhythmus zu leben, die Dinge zu machen, wie sie mir zufallen. War sehr, sehr schön!
  4. Ich bin nicht gerne unterwegs. Ich nehme mir immer wieder vor, mehr zu reisen, um neue Eindrücke zu gewinnen, auch mal weg zu kommen – bleibe dann aber doch zu Hause. Erstens bin ich schlicht gerne hier, zweitens finde ich Reisen immer eher beschwerlich. Die ganze Warterei auf Bahnhöfen, das Geschleppe des Gepäcks, das Organisieren im Vorfeld, die Zeit im Zug, die ich doch selten nutzen kann, weil mich Zugfahren müde macht, aber nicht müde genug, um zu schlafen. Und so sitze ich dann halt selbst dann, wenn ich die Gelegenheit hätte (wie diese Woche) hier und geniesse meine Freiheiten. Ab und an melden sich innere Kritiker (siehe Punkt 2) und erzählen mir was (siehe Punkt 3).
  5. Die Modesünde des Sommers sind diese ultrakurzen Röcke und Hosen, die aussehen, als ob man vergessen hätte, einen Rock oder eine Hose anzuziehen.
  6. Ich hatte dieses Jahr noch erstaunlich wenige Mückenstiche, obwohl ich mal irgendwo gelesen hatte, es gäbe dieses Jahr viele Mücken. Ich beklage mich nicht 😉 Es gibt ja nichts Schlimmeres als in der Nacht plötzlich dieses SSSSSSSSSSSS zu hören. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Da sieht man mal, wie viel Macht auch kleine Wesen haben können. Da will noch einer sagen, der einzelne Mensch sei zu klein, etwas zu bewirken.
  7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf den leckeren Chardonnay zum Wochenstart, den ich soeben in den Kühlschrank gepackt habe, etwas Leckeres zu essen und einfach einen ruhigen Abend ins Wochenende hinein , morgen habe ich geplant, was ich immer am Samstag mache (ich bin ja so ein langweiliges Gewohnheitstierchen): waschen, einkaufen, lesen, hoffentlich den Garten geniessen, schreiben und Sonntag möchte ich einen guten Film schauen, mit dem Hund spazieren gehen, noch mehr lesen, das Kind wieder zu Hause begrüssen nach 10 Tagen Ferien und dann das Wochenende gemütlich ausklingen lassen!

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

ausgesaugt

sie rief mich an
sie brauchte was
wieso auch sonst
sonst tat sie’s nie

sie rief mich an
kam gleich zum punkt
ich sollt’ was tun
das musst ich stets

sie rief mich an
und als sie hatte
was gebraucht
da war sie weg

was hätte sie
auch sagen sollen
es ging ja nur
um diese chose

nun sitz ich hier
wie schon zuvor
nur um eine grosse

leere reicher

©Sandra Matteotti