
Wunden schmerzen
stets noch mehr,
kommen sie
vom Liebsten her.
Denkzeiten – Philosophie eines kreativen Lebens
Dr. Sandra von Siebenthal

Endlich Sommer und endlich wieder in Spanien. Fast ein Jahr ist vergangen seit meinem letzten Aufenthalt in meiner zweiten Heimat hier, umso grösser war erst die Sehnsucht und dann die Freude, wieder hier zu sein. Ich bin mit vielen Projekten im Kopf und Hoffnungen hierher gekommen und seit der Ankunft auch schon fleissig am Arbeiten. Das tut richtig gut! Ich merke, wie hier immer viel mehr Lebensfreude und Schaffenskraft in mir sind. Und ja, das Geniessen kommt auch nicht zu kurz, was aber leicht ist bei der Umgebung. Nur schon all die wunderbaren Farben, die Sonne und vor allem: Das Meer.
Was hat mich diese Woche inspiriert?
Manchmal wird aus einem vermeintlichen Übel etwas Gutes.
Wenn ich mich nicht mit meinen eigenen Unsicherheiten lähme, kann ich mehr, als ich mir zutraue.
HIER das Video des Interviews.
Der Sommer hat uns wieder – oder wir ihn. Richtig schön, endlich wieder Sonne und Wärme zu spüren, die Abende draussen geniessen zu können. Das ist doch nochmals ein Stück Lebensqualität mehr, wie ich finde. Ich habe beschlossen, aus den fünf Inspirationen drei zu machen – aller guten Dinge sind drei und das soll nun auch bei meinen Inspirationen so sein.
Was hat mich diese Woche inspiriert?
„Mein Unternehmen war mein Leben selbst.“
Eine interessante Aussage, verweist sie doch auf das Leben zurück als Zentrum, nicht auf das Streben im Aussen, dem so viele nachrennen, um da ihren Erfolg zu suchen.
Gelassen bleiben und die Dinge kommen lassen.
oder aber das Motto (als Mantra gesprochen):
Es kommt, wie es kommen muss
Josef von Eichendorff: Wünschelrute
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Wie schön, das Lied in den Dingen zu sehen – möge die Welt klingen.
Heute würde Annelies Marie, genannt Anne, Frank 92 Jahre alt. Schreiben wollte sie, Schriftstellerin werden, doch sie ahnte schon bald, dass dies vielleicht nicht klappen könnte:
«Mit Schreiben werde ich alles los. Mein Kummer verschwindet mein Mut lebt wieder auf. Aber, und das ist die grosse Frage, werde ich jemals etwas Grosses schreiben können, werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden?»
Sie hat nur ein Buch hinterlassen, nämlich ihr Tagebuch. In diesem hält die 13 Jahre alte Anne Frank ihr Leben, Denken und Fühlen während der 25 Monate im Versteck vor den Nationalsozialisten fest. Die Familie Frank, Vater, Mutter und zwei Mädchen und noch vier Menschen versteckten sich in dieser Zeit in insgesamt vier Zimmern in einem Hinterhaus. Vor allem zu ihrem Vater hat Anne ein enges Verhältnis. Dass das Leben auf so engem Raum nicht einfach ist, es auch zu Streit kommt, liegt auf der Hand. Einmal hält Anne Frank fest:
«Ich bin ausser mir vor Wut, aber ich darf es nicht zeigen. Ich möchte mit den Füssen stampfen, schreien […]: Lasst mich doch, gönnt mir doch Ruhe! Muss ich denn jeden Abend meine Kissen nassweinen und mit brennenden Augen und zentnerschwerem Kopf einschlafen? Lasst mich, ich möchte fort von allem, am liebsten aus der Welt. Aber es nützt nichts. Sie haben ja keine Ahnung von meiner Verzweiflung!»
Und schreibt etwas später weiter:
«Wenn du meine Briefe einmal hintereinander durchlesen würdest, würdest du merken, in welchen verschiedenen Stimmungen sie geschrieben sind. Es ist dumm, dass ich hier im Hinterhaus so abhängig bin von Stimmungen. Aber ich bin es nicht allein, wir sind es alle.»
Der letzte Eintrag stammt vom 1. August 1944, drei Tage später wird das Versteck gefunden und Anne Frank wird deportiert. Sie stirbt sieben Monate später im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Auf dass wir nie vergessen, auf dass wir achtsam bleiben, hinsehen, den anderen in seinem Anderssein annehmen und nicht verdammen. Das muss im Kleinen anfangen und sich hoffentlich auf die Welt ausdehnen.
Ebenfalls erschienen hier: Anne Frank (*12. Juni 1929)
Es war eine schöne Woche, eine überraschende Woche, eine lehrreiche Woche, eine arbeitsame Woche. Es war eine Woche, in welcher ich durch viele Erlebnisse und auch durch meine Gedanken dazu Erkenntnisse gewann. Insofern fallen die heutigen Inspirationen vielleicht ein wenig anders aus als sonst.
Was hat mich diese Woche inspiriert, welche Erkenntnisse habe ich gewonnen?
Egal wie andere Menschen Dinge anpacken, ich muss für mich meinen eigenen Weg finden. Diese Erkenntnis klingt ziemlich banal und offensichtlich, und doch kam sie mir diese Woche wieder ganz bewusst in den Sinn. Ich habe seit vielen Jahren eine Schwäche für die Schreibprozesse anderer Autoren. Und immer wieder, wenn mich einer begeistert, denke ich, dass sein Schreibprozess «der Richtige» sei. Und bin dann erst mal blockiert für eine Weile. Bis ich wieder zu meinem eigenen zurück finde.
Es bringt nichts, über ungelegten Eiern zu brüten. Das fiel mir mal wieder auf, als ich etwas frustriert in die Woche startete, welche in der Agenda und in den Wetterprognosen eher nicht nach meinem Geschmack aussahen. Die Woche nahm ihren Lauf, einzelne Termine verflüchtigten sich, andere waren besser als gedacht, und das Wetter liess immer mal wieder die Sonne scheinen, so dass ich sogar draussen essen und schöne Spaziergänge unternehmen konnte.
Mach mal Pause – bewusst und mit Genuss. Ich neige dazu, viel zu wollen und auch zu tun. Und es fällt mir oft schwer, aus all den (teilweise auch selbst auferlegten) Pflichten auszubrechen und abzuschalten. Einfach mal ein Buch zum Spass lesen, wo ich noch so viele für einzelne Projekte zu lesen habe? Geht doch nicht… Doch dann machte ich es, ein dünnes Büchlein nur, ohne Ansprüche, ohne Ziel, ausser: Freude am Lesen. Es hat gut getan und ich war fast produktiver als sonst. Ich habe vermutlich nicht mal mehr pausiert als vorher, aber wohl bewusster und freudvoller, während ich vorher eher mal durchs Netz surfte, um ein wenig abzuschalten.
Ich und mein Tun sind nicht der Nabel der Welt. Ich las schon immer viele Biographien, hauptsächlich solche von Schriftstellern, einige auch von Malern. Immer wieder fiel mir auf, dass diese in ihrem Schaffen so grossartigen Menschen persönlich mit sehr schwierigen Charakteren ausgestattet waren, dass sie von sich selber und ihrem eigenen Schaffen eingenommen, anderen Menschen kaum Raum neben sich liessen. Das fiel mir auch im persönlichen Umgang mit Künstlern manchmal auf: Für manche gibt es nur sie und ihre Kunst als Thema. Ob das mit der Kunst kommt oder kommt die Kunst aus dem Naturell? Vielleicht ist es gar nicht auf die Kunst und die Künstler zu beschränken, sondern es gibt grundsätzlich Menschen mit dieser Eigenart, es gibt Menschen, die sich nur für sich interessieren und davon reden, und andere, die an einem wirklichen Dialog interessiert sind. Ich hoffe, ich verliere das selber nie aus den Augen.
Ein Zitat aus meinem letzten gelesenen Buch Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand) fand ich wunderschön und so wahr:
«Die heitere Kraft derer, die begriffen haben, dass selbsterobertes Glück die einzige gültige Antwort auf das anfängliche Unglück ist.»
Den Gedanke, dass auch unter schwierigen Umständen die Möglichkeit besteht, sein eigenes Glück zu suchen, finde ich sehr ermutigend und hoffnungsfroh.
Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?
Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Ende.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wendenDie Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.
Ein Gedicht, das Hoffnung macht, das nicht nur den Frühling lobt, sondern darauf hinweist, dass nach kargen, kühlen, düsteren Zeiten auch wieder andere kommen. Wie tröstlich, wenn man das in den schweren Zeiten im Sinn behalten kann.
Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!
Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?
Ich kann nicht die Welt ändern, ich habe es nur in der Hand, wie ich auf diese reagiere.
«Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.»
Mögen wir an die Wunder dieser Welt und dieses Lebens glauben, egal, was uns begegnet.
Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!
Das Wetter war diese Woche eher uninspirierend, das ewige Grau in Grau konnte doch ganz schön aufs Gemüt schlagen. Immerhin drang zwischendurch die Sonne durch, ein kleiner Lichtblick dann und wann – im wahrsten Sinne des Wortes.
Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?
Was in der Schule du gelernt, ist’s wohl vergebens,
Weil du gebrauchen es nicht kannst im Lauf des Lebens?
O nein, den Acker hat zum Anbau es entwildert,
Zum Wesentlichen hat’s dich förmlich vorgebildet.
So was im Leben selbst, der großen Schule, du
Gelernt hast, bringst du nicht umsonst dem Himmel zu.
Du mußt die irdischen Aufgaben recht nur treiben,
Und ewig wird davon die Segenswirkung bleiben.Schön, wenn man sich den Lernhunger wieder zurückholen kann.
Glückspilz
Geboren ward er ohne Wehen
Bei Leuten, die mit Geld versehen.
Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,
Hat Glück bei Weibern und im Spiel,
Nimmt eine Frau sich, eine schöne,
Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,
Hat Appetit, kriegt einen Bauch,
Und einen Orden kriegt er auch,
Und stirbt, nachdem er aufgespeichert
Ein paar Milliönchen, hochbetagt;
Obgleich ein jeder weiß und sagt:
Er war mit Dummerjahn geräuchert!
(Busch, Gedichte, Schein und Sein, 1909)
Frei nach dem Motto: Lass die anderen reden, leb dein Leben und sei glücklich damit!
Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!
Eine schöne Woche liegt hinter mir, das Highlight war sicher der Muttertag mit einer wunderschönen Überraschung und dem Brunch mit meiner Mutter. Trotz miserabler Wetterprognosen schien dann und wann die Sonne, die ich sehr genossen habe, was will man mehr?
Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?
Dürrenmatt schwankte am Anfang, ob er Maler oder Schriftsteller werden solle, entschied sich dann fürs Schreiben, da er sich nicht aufraffen konnte, in eine Kunstschule zu gehen. Er war ein Autodidakt und wollte das auch bleiben, wollte seine eigene Vorstellung als Massstab haben. Das allein fand ich schon eine eindrückliche Sichtweise, aber noch mehr hat mich angesprochen, dass er sein Leben lang zeichnete und malte, dies aber nur für sich tat, ohne es an die Öffentlichkeit zu bringen. Das sei sein Schonraum gewesen, der Raum, wo er bei sich war und keiner Kritik ausgesetzt. Das Bild eines Schonraums als Raum, in dem man sicher ist, sich selber sein kann, seine Ideen und sein Wesen ausleben kann, das fand ich schön und irgendwie wichtig.
„Notiz an mich: Ich muss nicht alles können. Ich muss nicht jedem gefallen. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht jeden mögen.“
Ab und an lese ich ihn wieder und frage mich: Habe ich es schon ganz verinnerlicht oder arbeite ich noch dran? Ich denke, es geht immer besser, aber ab und an tappe ich noch in Fallen und hadere doch mit Dingen, die ich nicht weiss, Menschen, von denen ich mich nicht akzeptiert fühle. Es ist ein Prozess…
Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!
„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine, 1823)
Heinrich Heine hätte sich wohl nie träumen lassen, wie wahr sein Ausspruch schon ein gutes Jahrhundert später sein könnte. Und doch ist genau das passiert:
Heute jährt sich etwas wieder, das nie hätte geschehen dürfen. Man kann nun sagen, es waren nur Bücher, aber es ging ja um mehr: Die Gedanken, die in den Büchern waren, wollte man nicht mehr haben. Keiner durfte sie lesen, sie waren „systemfeindlich“. Erschreckend genug. Was ich aber auch erschreckend finde, ist, dass diese Aktion von Studenten ausging. Eine Gruppe von jungen Menschen also, die man als denkende Elite ansieht. Wo haben sie wirklich selber gedacht? Mal wirklich hingeschaut? Wie konnten sie so weit kommen? Sie waren im System. Wurden von diesem geprägt, bis sie so tief drin waren, es unbedacht hinzunehmen und zu einem Extrem zu führen.
Wie oft haben „ganz normale, arme, ungebildete“ Menschen vor dem System fliehenden Menschen geholfen? Einfach aus einer Menschlichkeit heraus? Wir haben auf der einen Seite die geistige Elite, auf der anderen Seite den fühlenden Menschen. Nun gab es aber durchaus auch das andere: Unglaublich dumme, ungebildete Menschen, die in diesem System ihre Chance auf ein wenig Anerkennung sahen und drum blind ihre Nachbarn ans Messer lieferten. Oder aber im System integrierte Menschen, die sich besannen und halfen, wo sie konnten.
Was ich damit sagen will? Wie oft lassen wir uns blenden von Status, Symbolen, Äusserlichkeiten? Was eigentlich zählt, ist der Mensch dahinter. Und: Ich hoffe, es kommt nie mehr so weit… Ich hoffe, wir dürfen uns immer trauen, hinzusehen, Missstände aufzudecken, gefährliches Gedankengut zu erkennen und einzudämmen. Für ein Miteinander in Frieden und Toleranz.
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Ich freue mich sehr, dass dieser Text ins Projekt „Lesen gegen das Vergessen“ aufgenommen wurde und da von Peder W. Strux gelesen wurde: