3 Inspirationen – Woche 26

Endlich Sommer und endlich wieder in Spanien. Fast ein Jahr ist vergangen seit meinem letzten Aufenthalt in meiner zweiten Heimat hier, umso grösser war erst die Sehnsucht und dann die Freude, wieder hier zu sein. Ich bin mit vielen Projekten im Kopf und Hoffnungen hierher gekommen und seit der Ankunft auch schon fleissig am Arbeiten. Das tut richtig gut! Ich merke, wie hier immer viel mehr Lebensfreude und Schaffenskraft in mir sind. Und ja, das Geniessen kommt auch nicht zu kurz, was aber leicht ist bei der Umgebung. Nur schon all die wunderbaren Farben, die Sonne und vor allem: Das Meer.

Was hat mich diese Woche inspiriert?

  • Als mich diese Woche eine Mail erreichte, ich müsse sofort sämtliche Gedichte von Erich Fried aus dem Blog nehmen, da diese rechtlich geschätzt seien, ich ansonsten eine Strafe erwarten müsse, hat mich das zuerst aus der Bahn geworfen. Erstens hatte ich gedacht, mit meinem Engagement der sonst eher stiefmütterlich behandelten Lyrik zu helfen und somit auch dem Verlag, und zweitens sah ich durch das Zitieren in einem Artikel, der oft durchaus literaturwissenschaftliche Ansätze trägt, die Rechte nicht verletzt. Nun denn – ich fügte mich, löschte auch Gedichte anderer nicht gemeinfreier Autoren und merkte, wie die Luft draussen war. Doch dann regte sich etwas und es kamen neue Ideen, solche auch, die schon lange im Kopf waren, aber noch nicht angepackt, obwohl sie mich reizten. Was soll ich sagen:

Manchmal wird aus einem vermeintlichen Übel etwas Gutes.

  • Mein Englisch war früher sehr gut, auch heute ist das Verständnis lesend und hörend gut, nur das Sprechen habe ich stark vernachlässigt und dadurch verloren geglaubt. Wenn ich in Situationen kam in der letzten Zeit, wo ich etwas sagen musste, wurde ich unsicher und durch diese Unsicherheit fiel mir alles schwer. Dann war ich kürzlich in einem Restaurant, auf dem Weg zur Toilette kam ich an einem Ehepaar mit Hund vorbei, die ich ansprach. Schon bald befand ich mich in einem angeregten Gespräch mit ihnen – auf Englisch. Es ging wunderbar. Dies vermutlich darum, weil ich nicht musste, weil ich mich gar nicht fragte, ob ich das kann, sondern einfach loslegte. Ich habe daraus dies gelernt:

Wenn ich mich nicht mit meinen eigenen Unsicherheiten lähme, kann ich mehr, als ich mir zutraue.

  • Ein Interview mit Adolf Muschg hat mich sehr inspiriert. Es ging um Grenzen und wie nur durch diese Freiheit überhaupt möglich ist – eine Sicht, die ich teile. Grenzenlose Freiheit ist nicht nur undenkbar, sondern auch nicht wirklich wünschenswert, wäre der Mensch doch eine Insel, wollte er sie irgendwie haben. Grenzen bringen auch Sinn und Kreativität. Wäre das Leben grenzenlos, wo läge der Sinn, es zu gestalten? Wären Möglichkeiten unendlich, was wollte man noch finden oder kreativ selber schaffen?

HIER das Video des Interviews.

3 Inspirationen – Woche 24

Der Sommer hat uns wieder – oder wir ihn. Richtig schön, endlich wieder Sonne und Wärme zu spüren, die Abende draussen geniessen zu können. Das ist doch nochmals ein Stück Lebensqualität mehr, wie ich finde. Ich habe beschlossen, aus den fünf Inspirationen drei zu machen – aller guten Dinge sind drei und das soll nun auch bei meinen Inspirationen so sein.

Was hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich habe ein Hörbuch gehört über Simone Beauvoir: C. Bernd Suchers Leidenschaften: Simone de Beauvoir. Auf eine locker, fundierte und gut nachvollzierbare Weise stellt Bernd Sucher Leben und Werk dieser spannenden Frau vor, immer durchsetzt von Zitaten. Der Podcast hat mich gleich dazu angeregt, ihre Bücher mal wieder in die Hand zu nehmen.

„Mein Unternehmen war mein Leben selbst.“

Eine interessante Aussage, verweist sie doch auf das Leben zurück als Zentrum, nicht auf das Streben im Aussen, dem so viele nachrennen, um da ihren Erfolg zu suchen.

  • Bald steht bei mir ein Tapetenwechsel an und das hat so viele Ideen freigesetzt, die ich dann umsetzen will, dass ich es kaum erwarten kann. Die Vorfreude ist also gross, auch wenn immer ein wenig Unsicherheit mitschwingt, da ich doch meine geregelten Abläufe schätze und auch brauche für mein Schreiben und Sein. Generell bin ich vor Neuem immer unsicher, versuche mir aber immer wieder zu sagen, dass es immer gut war, wenn es erst mal eingetreten ist. Fazit daraus:

Gelassen bleiben und die Dinge kommen lassen.

oder aber das Motto (als Mantra gesprochen):

Es kommt, wie es kommen muss

  • Ein Gedicht ist mir begegnet, welches ich wunderschön finde:

Josef von Eichendorff: Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Wie schön, das Lied in den Dingen zu sehen – möge die Welt klingen.

Andenken an Anne Frank

Heute würde Annelies Marie, genannt Anne, Frank 92 Jahre alt. Schreiben wollte sie, Schriftstellerin werden, doch sie ahnte schon bald, dass dies vielleicht nicht klappen könnte:

«Mit Schreiben werde ich alles los. Mein Kummer verschwindet mein Mut lebt wieder auf. Aber, und das ist die grosse Frage, werde ich jemals etwas Grosses schreiben können, werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden?»

Sie hat nur ein Buch hinterlassen, nämlich ihr Tagebuch. In diesem hält die 13 Jahre alte Anne Frank ihr Leben, Denken und Fühlen während der 25 Monate im Versteck vor den Nationalsozialisten fest. Die Familie Frank, Vater, Mutter und zwei Mädchen und noch vier Menschen versteckten sich in dieser Zeit in insgesamt vier Zimmern in einem Hinterhaus. Vor allem zu ihrem Vater hat Anne ein enges Verhältnis. Dass das Leben auf so engem Raum nicht einfach ist, es auch zu Streit kommt, liegt auf der Hand. Einmal hält Anne Frank fest:

«Ich bin ausser mir vor Wut, aber ich darf es nicht zeigen. Ich möchte mit den Füssen stampfen, schreien […]: Lasst mich doch, gönnt mir doch Ruhe! Muss ich denn jeden Abend meine Kissen nassweinen und mit brennenden Augen und zentnerschwerem Kopf einschlafen? Lasst mich, ich möchte fort von allem, am liebsten aus der Welt. Aber es nützt nichts. Sie haben ja keine Ahnung von meiner Verzweiflung!»

Und schreibt etwas später weiter:

«Wenn du meine Briefe einmal hintereinander durchlesen würdest, würdest du merken, in welchen verschiedenen Stimmungen sie geschrieben sind. Es ist dumm, dass ich hier im Hinterhaus so abhängig bin von Stimmungen. Aber ich bin es nicht allein, wir sind es alle.»

Der letzte Eintrag stammt vom 1. August 1944, drei Tage später wird das Versteck gefunden und Anne Frank wird deportiert. Sie stirbt sieben Monate später im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Auf dass wir nie vergessen, auf dass wir achtsam bleiben, hinsehen, den anderen in seinem Anderssein annehmen und nicht verdammen. Das muss im Kleinen anfangen und sich hoffentlich auf die Welt ausdehnen.

Ebenfalls erschienen hier: Anne Frank (*12. Juni 1929)

5 Inspirationen – Woche 23

Es war eine schöne Woche, eine überraschende Woche, eine lehrreiche Woche, eine arbeitsame Woche. Es war eine Woche, in welcher ich durch viele Erlebnisse und auch durch meine Gedanken dazu Erkenntnisse gewann. Insofern fallen die heutigen Inspirationen vielleicht ein wenig anders aus als sonst.

Was hat mich diese Woche inspiriert, welche Erkenntnisse habe ich gewonnen?

Egal wie andere Menschen Dinge anpacken, ich muss für mich meinen eigenen Weg finden. Diese Erkenntnis klingt ziemlich banal und offensichtlich, und doch kam sie mir diese Woche wieder ganz bewusst in den Sinn. Ich habe seit vielen Jahren eine Schwäche für die Schreibprozesse anderer Autoren. Und immer wieder, wenn mich einer begeistert, denke ich, dass sein Schreibprozess «der Richtige» sei. Und bin dann erst mal blockiert für eine Weile. Bis ich wieder zu meinem eigenen zurück finde.

Es bringt nichts, über ungelegten Eiern zu brüten. Das fiel mir mal wieder auf, als ich etwas frustriert in die Woche startete, welche in der Agenda und in den Wetterprognosen eher nicht nach meinem Geschmack aussahen. Die Woche nahm ihren Lauf, einzelne Termine verflüchtigten sich, andere waren besser als gedacht, und das Wetter liess immer mal wieder die Sonne scheinen, so dass ich sogar draussen essen und schöne Spaziergänge unternehmen konnte.

Mach mal Pause – bewusst und mit Genuss. Ich neige dazu, viel zu wollen und auch zu tun. Und es fällt mir oft schwer, aus all den (teilweise auch selbst auferlegten) Pflichten auszubrechen und abzuschalten. Einfach mal ein Buch zum Spass lesen, wo ich noch so viele für einzelne Projekte zu lesen habe? Geht doch nicht… Doch dann machte ich es, ein dünnes Büchlein nur, ohne Ansprüche, ohne Ziel, ausser: Freude am Lesen. Es hat gut getan und ich war fast produktiver als sonst. Ich habe vermutlich nicht mal mehr pausiert als vorher, aber wohl bewusster und freudvoller, während ich vorher eher mal durchs Netz surfte, um ein wenig abzuschalten.

Ich und mein Tun sind nicht der Nabel der Welt. Ich las schon immer viele Biographien, hauptsächlich solche von Schriftstellern, einige auch von Malern. Immer wieder fiel mir auf, dass diese in ihrem Schaffen so grossartigen Menschen persönlich mit sehr schwierigen Charakteren ausgestattet waren, dass sie von sich selber und ihrem eigenen Schaffen eingenommen, anderen Menschen kaum Raum neben sich liessen. Das fiel mir auch im persönlichen Umgang mit Künstlern manchmal auf: Für manche gibt es nur sie und ihre Kunst als Thema. Ob das mit der Kunst kommt oder kommt die Kunst aus dem Naturell? Vielleicht ist es gar nicht auf die Kunst und die Künstler zu beschränken, sondern es gibt grundsätzlich Menschen mit dieser Eigenart, es gibt Menschen, die sich nur für sich interessieren und davon reden, und andere, die an einem wirklichen Dialog interessiert sind. Ich hoffe, ich verliere das selber nie aus den Augen.

Ein Zitat aus meinem letzten gelesenen Buch Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand) fand ich wunderschön und so wahr:

«Die heitere Kraft derer, die begriffen haben, dass selbsterobertes Glück die einzige gültige Antwort auf das anfängliche Unglück ist.»

Den Gedanke, dass auch unter schwierigen Umständen die Möglichkeit besteht, sein eigenes Glück zu suchen, finde ich sehr ermutigend und hoffnungsfroh.

5 Inspirationen – Woche 22

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte einen Podcast mit Remo Largo. Sein Lebenswerk ist beeindruckend genug und wohl den meisten bekannt, was mir von diesem Podcast speziell geblieben ist, sind zwei Dinge: Jeder Mensch ist einzigartig, es gab ihn nie vorher und wird ihn nicht mehr geben. Der Mensch ist bestimmt durch seine Anlagen, die er nicht verändern kann. Er kann seine Möglichkeiten aber ausschöpfen und genau das zu tun gibt dem Leben auch einen Sinn. Es geht also darum, sich selber kennenzulernen und zu sehen, wozu man in der Lage ist, was einem liegt, weil es in einem angelegt ist. Das Zweite war sein Spruch vom Getriebensein: Schöpferische Menschen seien immer getriebene, sie wollen nicht, sie müssen schaffen. Das kenne ich von mir, merke, dass ich innerlich unruhig und unzufrieden werde, wenn ich nicht kann, weil äussere Umstände dazwischen kommen. Wie oft hörte ich, ich solle gelassener sein, es käme ja ein neuer Tag. Aber nein, das geht nicht. Irgendwie spürte ich wie eine Bestätigung, so sein zu dürfen.
  • Ich las einen Artikel mit einem Interview mit Francis Fukuyama, Professor in Stanford, Politikwissenschaftler und politischer Ökonom. Er vertritt darin eine Sicht, die ich seit langem – leider oft auf verlorenem Posten – teile: Wir reiten unsere Demokratie zugrunde. Offene Dialoge finden kaum mehr statt, jeder versucht krampfhaft, die eigene Meinung als der eigenen Identiät geschuldete Maxime hochzuhalten, andere Argumente werden ausgeblendet, beschimpft, in den Sozialen Medien, welche praktisch der Totalersatz früherer Marktplätze und Stammtische sind, geblockt und damit unsichtbar gemacht. Genehm ist, was einem entspricht. So ist keine Demokratie möglich, die wirklich noch beinhaltet, was der Begriff verheisst.
  • Kürzlich sass ich beim Nachtessen und mir ging spontan durch den Kopf, wofür ich alles dankbar bin. Ich hatte – vor allem in schwierigen Zeiten – ein Ritual, mir jeden Abend drei Dinge zu notieren, für die ich an dem Tag dankbar war. Das half mir, den Blick vom Dunkel ins Licht zu heben, das half mir, einen klareren Blick zu bewahren. Es kam dann eine Zeit, in welcher sich die drei Punkte jeden Tag hätten wiederholen können. Nicht, dass nichts mehr schlecht war, aber das Gute war immer auch im Blick und half, die Waage im Gleichgewicht zu halten. Heute dachte ich an die Dankbarkeitsübungen zurück, war dankbar, sie in dunklen Zeiten zur Hand gehabt zu haben. Und ich spürte das wunderbare Gefühl, das Dankbarkeit in mir auslöste. Einfach mal wieder hinschauen. Dankbar sein. Danke sagen. Es tut so gut.
  • Manchmal ertappe ich mich dabei, zu viel zu wollen. Ich schreibe ganze Listen, was ich unbedingt an dem Tag reinbringen will, darunter auch ganz viele kreative Projekte. Und dann bleibt die Inspiration aus, die Schaffenskraft versiegt, ich sitze da und bin unzufrieden. Ich habe gemerkt, dass es oft mehr bringt, ohne Vorsätze, ohne Absichten an die Dinge heranzugehen. Vielleicht mich einfach mal ein wenig treiben lassen zuerst. Sehr oft springt mich dann etwas an, das mich inspiriert, das einen Gedanken auslöst, aus dem sich dann ganz viel entwickelt. Und einmal dran, läuft der Tag nachher wie von selber. Vielleicht ist dies dieses „In der Ruhe liegt die Kraft“?
  • Abschliessen möchte ich mit einem Gedicht. Zwar sind die Temperaturen schon sommerlich draussen, aber ich lasse Ludwig Uhland doch nochmals den Frühling preisen:

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Ende.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ein Gedicht, das Hoffnung macht, das nicht nur den Frühling lobt, sondern darauf hinweist, dass nach kargen, kühlen, düsteren Zeiten auch wieder andere kommen. Wie tröstlich, wenn man das in den schweren Zeiten im Sinn behalten kann.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 21

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Wenn man mich fragt, was ich so in meiner Freizeit mache (wobei sich bei mir Frei- und Arbeitszeit ziemlich deckungsgleich überscheiden), sage ich oft: Nichts. Und ich meine damit, dass ich nicht machte, was ich mir vorgenommen habe. Oft setzte ich mich hin, fing mit etwas an, wurde davon zu etwas inspiriert, ging ins Netz, recherchierte, und ich kam von einem zum anderen… und Zeit verging. Angefühlt hat es sich schlussendlich nach nichts. Aber: Ich habe gelernt. Das merkte ich kürzlich, als ein Thema aufkam. Und genau dem habe ich hinterhergeforscht. Ich habe unglaublich viel schon gelernt auf die Weise. Wenn ich schlicht bei Facebook hängen bleibe, ist das sicher nicht dasselbe, aber: Das Netz hat viel zu bieten. Wenn man mit einer Portion Neugier reinsticht, wird man immer mit einem Lerneffekt rauskommen.
  • Kürzlich brauchte ich ein Foto für einen Artikel, auf die Schnelle kam mir nichts anderes in den Sinn, als schnell das Gesicht eines Autors zu zeichnen und es dann abzulichten. Ich schimpfe ab und an mit mir, dass ich zu viel spannend finde und mich ab und an verzettle, weil ich vom Einen zum Anderen fliege… unter anderem flog ich auch mal zum Zeichnen und Malen. Ich wollte das unter den Teppich kehren, nie mehr erwähnt wissen, schliesslich bin ich ein schreibender Mensch. Und man muss sich ja auch mal entscheiden. Doch plötzlich war ich dankbar, konnte ich einfach mit ein paar Strichen ein Gesicht zeichnen… Alles, was in einem ist, gehört zu einem. Und es darf seinen Platz haben. Nur so wird man selber zu einem Ganzen.
  • Da war so dieser Lockdown. Und ja, mir fehlte wenig, einiges so ein bisschen, aber es ging gut. Und immer wieder kam der neue Entscheid, alles wurde weitergeführt, auch wenn gewisse Öffnungen wünschenswert gewesen wären. So rein persönlich. Das ohne Klagen, es ging auch so wirklich gut. Und dann… einmal hätte eine Nicht-Öffnung etwas Positives gebracht für mich. Just da wurde geöffnet. Und ich sass da und war ein wenig frustriert. Es wäre nicht nötig gewesen. Aber es war ein Lehrplatz: Es bringt nichts, sich über Dinge aufzuregen, die nicht in der eigenen Hand liegen. Es ist auch so gut. Wenn ich es selber als gut ansehe und etwas Gutes draus mache.

Ich kann nicht die Welt ändern, ich habe es nur in der Hand, wie ich auf diese reagiere.

  • Ich nehme mir gerne Projekte vor. Weil sie mich anspringen und begeistern. Und dann merke ich über die Zeit, dass sie doch schwierig werden. Und ich frage mich: Soll ich daran festhalten, da ich es mir schlicht vorgenommen habe? Oder darf ich auch Anpassungen vornehmen? Oder gar mal ein Projekt beerdigen, weil es schlicht seine Zeit hatte und für mehr nicht genug da war – wovon auch immer. Ein solches Projekt sind diese Inspirationen. Ich schaue und höre und lese viel in der Woche. Und denke drüber nach. Vieles ist inspirierend. Und bei vielem denke ich dann, dass das aber zu wenig allgemein relevant wäre, es reinzustellen. Und vermutlich ist auch das, was ich schlussendlich wähle, eher subjektiv und einer persönlichen Momentaufnahme geschuldet. Es stellt sich die Frage: Zieh ich es so weiter? Höre ich auf? Lockere ich die Vorgaben an Menge und Regelmässigkeit? Ich habe noch keine Antwort.
  • Zum Abschluss möchte ich ein Gedicht von Hilde Domin zitieren, einer Lyrikerin, die mich mit ihrer Lebensgeschichte, ihrer Haltung zu ihrem Schicksal und ihrem Einsatz für die Lyrik immer wieder beeindruckt:

«Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.»

Mögen wir an die Wunder dieser Welt und dieses Lebens glauben, egal, was uns begegnet.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 20

Das Wetter war diese Woche eher uninspirierend, das ewige Grau in Grau konnte doch ganz schön aufs Gemüt schlagen. Immerhin drang zwischendurch die Sonne durch, ein kleiner Lichtblick dann und wann – im wahrsten Sinne des Wortes.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte einen Podcast eins zu eins des Bayern Rundfunks mit Matze Hielscher. Ich mag ihn selber vom Podcast Hotel Matze, den ich auch schon oft erwähnte. Spannend hier war seine Betonung der Neugier. Wenn er eine Idee hat, so Hilscher, dann will er die umsetzen. Und das tut er dann auch. Geht nicht? Scheint’s nicht zu geben. Und auch wenn mal was nicht klappt, ist das kein Untergang.

  • Etwas ähnliches hörte ich bei einem weiteren Podcast, derselbe Sender, Gast dieses Mal Herlinde Koelbl, eine deutsche Fotografin. Nach Büchern über deutsche Wohnzimmer und Gesichter der Macht kam ihr neuster Band „Faszination Wissenschaft“ heraus. Ihr Herangehen an Menschen, an Geschichten hat mich fasziniert. Gefragt, was sie von den Wissenschaftlern gelernt hätte, kam die Aussage: Dass es kein Scheitern gibt, dass alles Schritte hin zum Erfolg, zum Ziel sind.
  • Ich kam erst spät zur Lyrik, doch dann kam sie über mich. Und ich liebe sie bis heute sehr. War ich früher ein intensiver Romanleser, finde ich die heute oft so geschwätzig. Ich mag die konzentrierte Form, die Reduktion auf das Nötige. Und so habe ich beschlossen, fortan noch mehr Gewicht auf die Lyrik zu legen, mich noch tiefer reinzubegeben und der Lyrik auch mehr Gehör und Gewicht zu verschaffen. Ein für mich sinnvolles, sinnstiftendes und bereicherndes Projekt, von dem ich überzeugt bin, dass es auch denen, die ich erreiche, viel Schönes und viel Freude bringen kann. Ich habe es schon ein wenig zu spüren bekommen durch das, was ich schon mache, und ich merke, wie gerade diese bereitete Freude so unbezahlbar ist.
  • Im Zuge dieses Vorhabens dachte ich, mal wieder in die Tiefen der Gedichtanalyse zu steigen und die Schulbücher zu konsultieren. Es gibt immer Neues zu lernen. Zwar rauchte der Kopf, doch hatte dieses Lernen auch viel Bereicherndes. Lernen ist wunderbar. Wir sollten nie damit aufhören. Leider werden wir im Leben oft auch lernmüde, vor allem dann, wenn wir mit zu Lernendem konfrontiert werden, das fürs weitere Leben schlicht unbrauchbar scheint – das wusste schon Friedrich Rückert:

Was in der Schule du gelernt, ist’s wohl vergebens,
Weil du gebrauchen es nicht kannst im Lauf des Lebens?

O nein, den Acker hat zum Anbau es entwildert,
Zum Wesentlichen hat’s dich förmlich vorgebildet.

So was im Leben selbst, der großen Schule, du
Gelernt hast, bringst du nicht umsonst dem Himmel zu.

Du mußt die irdischen Aufgaben recht nur treiben,
Und ewig wird davon die Segenswirkung bleiben.

Schön, wenn man sich den Lernhunger wieder zurückholen kann.

  • Kürzlich kam mir mein altes Buch von Wilhelm Busch wieder in die Hände. Es ist beinahe so alt wie ich und begleitet mich seit Kindertagen. Ich mochte ihn da schon wegen seiner Zeichnungen und seiner kleinen und witzigen Verse. Daran hat sich nichts geändert. Dass in diesem so oberflächlich klingenden Witz durchaus auch eine tiefgründige Spitze steckt, macht die Verse heute umso grossartiger. Drum zum Abschluss ein kleines Gedicht:

Glückspilz

Geboren ward er ohne Wehen
Bei Leuten, die mit Geld versehen.
Er schwänzt die Schule, lernt nicht viel,
Hat Glück bei Weibern und im Spiel,
Nimmt eine Frau sich, eine schöne,
Erzeugt mit ihr zwei kluge Söhne,
Hat Appetit, kriegt einen Bauch,
Und einen Orden kriegt er auch,
Und stirbt, nachdem er aufgespeichert
Ein paar Milliönchen, hochbetagt;
Obgleich ein jeder weiß und sagt:
Er war mit Dummerjahn geräuchert!
(Busch, Gedichte, Schein und Sein, 1909)

Frei nach dem Motto: Lass die anderen reden, leb dein Leben und sei glücklich damit!

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 19

Eine schöne Woche liegt hinter mir, das Highlight war sicher der Muttertag mit einer wunderschönen Überraschung und dem Brunch mit meiner Mutter. Trotz miserabler Wetterprognosen schien dann und wann die Sonne, die ich sehr genossen habe, was will man mehr?

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

Dürrenmatt schwankte am Anfang, ob er Maler oder Schriftsteller werden solle, entschied sich dann fürs Schreiben, da er sich nicht aufraffen konnte, in eine Kunstschule zu gehen. Er war ein Autodidakt und wollte das auch bleiben, wollte seine eigene Vorstellung als Massstab haben. Das allein fand ich schon eine eindrückliche Sichtweise, aber noch mehr hat mich angesprochen, dass er sein Leben lang zeichnete und malte, dies aber nur für sich tat, ohne es an die Öffentlichkeit zu bringen. Das sei sein Schonraum gewesen, der Raum, wo er bei sich war und keiner Kritik ausgesetzt. Das Bild eines Schonraums als Raum, in dem man sicher ist, sich selber sein kann, seine Ideen und sein Wesen ausleben kann, das fand ich schön und irgendwie wichtig.

  • Ich schaute den Film „Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei“ – die Verfilmung der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als die Sowietunion den Westteil Berlins von der Versorgung abschnitten und die Amerikaner die Bevölkerung nur über eine Luftbrücke mit dem Nötigsten versorgen konnten. Erstens fand ich es spannend, ein historisches Ereignis so verbildlicht zu sehen, zweitens regte der Film auch sehr zum Nachdenken an. Ich kann ihn nur empfehlen.
  • Mein Lebensmotto seit Jahren stammt aus einem Rilke-Gedicht: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“. Diese Vertonung kenne ich schon lange, stiess kürzlich wieder drauf und möchte sie gerne mit euch teilen, weil sie so wundervoll ist:
  • Nicht neu, aber es gibt immer wieder Anlässe, mir dessen bewusst zu werden: Dankbarkeit ist so wichtig. Und sie tut so gut. Einfach mal beim durchs Leben treiben Lassen innehalten und hinschauen, was alles gut ist, was wir für selbstverständlich nehmen, obwohl es das eigentlich nicht ist. Und dankbar sein dafür.
  • Ab und an inspiriere ich mich selber. Ich habe bei Twitter seit langem einen angehefteten Text.

„Notiz an mich: Ich muss nicht alles können. Ich muss nicht jedem gefallen. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht jeden mögen.“

Ab und an lese ich ihn wieder und frage mich: Habe ich es schon ganz verinnerlicht oder arbeite ich noch dran? Ich denke, es geht immer besser, aber ab und an tappe ich noch in Fallen und hadere doch mit Dingen, die ich nicht weiss, Menschen, von denen ich mich nicht akzeptiert fühle. Es ist ein Prozess…

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Bücherverbrennung – 88 Jahre später

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ (Heinrich Heine, 1823)

Heinrich Heine hätte sich wohl nie träumen lassen, wie wahr sein Ausspruch schon ein gutes Jahrhundert später sein könnte. Und doch ist genau das passiert:

Heute jährt sich etwas wieder, das nie hätte geschehen dürfen. Man kann nun sagen, es waren nur Bücher, aber es ging ja um mehr: Die Gedanken, die in den Büchern waren, wollte man nicht mehr haben. Keiner durfte sie lesen, sie waren „systemfeindlich“. Erschreckend genug. Was ich aber auch erschreckend finde, ist, dass diese Aktion von Studenten ausging. Eine Gruppe von jungen Menschen also, die man als denkende Elite ansieht. Wo haben sie wirklich selber gedacht? Mal wirklich hingeschaut? Wie konnten sie so weit kommen? Sie waren im System. Wurden von diesem geprägt, bis sie so tief drin waren, es unbedacht hinzunehmen und zu einem Extrem zu führen. 

Wie oft haben „ganz normale, arme, ungebildete“ Menschen vor dem System fliehenden Menschen geholfen? Einfach aus einer Menschlichkeit heraus? Wir haben auf der einen Seite die geistige Elite, auf der anderen Seite den fühlenden Menschen. Nun gab es aber durchaus auch das andere: Unglaublich dumme, ungebildete Menschen, die in diesem System ihre Chance auf ein wenig Anerkennung sahen und drum blind ihre Nachbarn ans Messer lieferten. Oder aber im System integrierte Menschen, die sich besannen und halfen, wo sie konnten. 

Was ich damit sagen will? Wie oft lassen wir uns blenden von Status, Symbolen, Äusserlichkeiten? Was eigentlich zählt, ist der Mensch dahinter. Und: Ich hoffe, es kommt nie mehr so weit… Ich hoffe, wir dürfen uns immer trauen, hinzusehen, Missstände aufzudecken, gefährliches Gedankengut zu erkennen und einzudämmen. Für ein Miteinander in Frieden und Toleranz. 

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Ich freue mich sehr, dass dieser Text ins Projekt „Lesen gegen das Vergessen“ aufgenommen wurde und da von Peder W. Strux gelesen wurde:

Doris Dörrie: Die Welt auf dem Teller

„Im Kindergarten hatte ich eine Freundin, die hiess Kohlrabi. Das kann doch nicht sein, sagte meine Mutter, die heisst bestimmt nicht Kohlrabi. Doch, doch, wütend bestand ich darauf: Sie heisst Kohlrabi..“

In ihrem Buch „Die Welt auf dem Teller“ nimmt uns Doris Dörrie mit auf eine Reise durch die Welt des Essens. Sie schreibt über Brot, Erbsen und Schokolade, über Kohl, Hühnchen und Apfelsinen.

„Es tut mir wirklich leid, wenn ich Ihnen immer wieder ein Lebensmittel vermiese. Ich kann nichts dafür. Eine Information ereilt mich – und prompt bereue ich, etwas aus Ignoranz so lange gegessen zu haben.“

In kurzen, meist drei bis vier Seiten langen Geschichten erfahren wir, was Doris Dörrie isst, wenn sie in Japan ist, dass sie Kaffee liebt, Grillen dafür weniger. Wir reisen mit ihr nach Neapel, um da die perfekte Pizza zu finden, lesen, an welches Essen sie denken muss, wenn sie an die USA denkt, und welches Essen sie mit Spanien verbindet. Wir lernen, dass Tintenfische intelligent sind, wer Hermann ist und was Essen mit Toleranz zu tun hat.

Wer kennt sie nicht, die kulinarischen Kindheitserinnerungen? Bei wem wecken Nahrungsmittel nicht auch Erinnerungen an Erlebtes? Wer Doris Dörrie kennt, dem sind auch ihre Schreibübungen sicher bekannt (und eventuell ihr Buch „Leben, Schreiben, Atmen“ sowie das Handbuch dazu „Einladung zum Schreiben“). In einigen fordert sie ihre Leser auch auf, über Nahrungsmittel zu schreiben. Mit diesem Buch gibt sie uns nun Beispiele, wie solche Texte aussehen könnten. Zudem denkt man bei gewissen Nahrungsmitteln automatisch an persönliche Bezüge und Assoziationen.  

Die auf Farbe und Form reduzierten und klaren Illustrationen runden das Buch wunderbar ab. Wir haben auf unserem Leseteller ein Arrangement von kurzweiligen Lesehäppchen für den kleinen Lesehunger zwischendurch.

Fazit:
Ein kurzweiliges Buch für zwischendurch, ein anregendes Buch, um selber Papier und Bleistift zur Hand zu nehmen und eigene kulinarische Erinnerungen aufzuschreiben. Empfehlenswert.

Über die Autorin
Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Parallel zu ihrer Filmarbeit (zuletzt der Spielfilm ›Kirschblüten und Dämonen‹) veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Romane, ein Buch über das Schreiben und Kinderbücher. Sie leitet den Lehrstuhl ›Creative Writing‹ an der Filmhochschule München und gibt immer wieder Schreibworkshops. Sie lebt in München.

Angaben zum Buch:
Gebundenes Buch: 208 Seiten
Verlag: Diogenes; 1. Edition (26. August 2020)
ISBN-Nr.: 978-3257070514
Preis: EUR  22 / CHF 29.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

5 Inspirationen – Woche 18

Es war eine nachdenkliche Woche, eine Woche mit viel Einkehr, mich Hinterfragen. Das sind nicht immer einfache Wochen, oft aber sehr bereichernde, da ich am Schluss meinem Motto gemäss (Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen) finde, eine neue Stufe erreicht zu haben, gewachsen zu sein, indem ich mich tiefer ergründet habe. Nun freue ich mich aber auf ein erholsames Wochenende, hoffe auf wenig Fragen, viel Ruhe und Genuss.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Diese Woche stiess ich auf den Ausspruch „Freiheit ist nur innerhalb von Grenzen möglich“. Und ich stimmte dem spontan zu, wusste aber bei näherem Nachdenken nicht gleich, wieso. Kurz darauf stand eine Entscheidung an. Ich hörte, ich hätte freie Hand, es sei alles gut. Und irgendwie… wäre das ja die totale Freiheit. Und doch: Ich fühlte mich nicht frei, ich fühlte mich irgendwo verloren. Da die Entscheidung nicht nur mich beträfe, wollte ich sie für alle stimmig machen. Und sah mich nun in der Pflicht, das selber in der Waagschale zu wägen. Die Aussage, das müsste ich nicht, half wenig, denn MEIN Bedürfnis war, dass es gemeinsam entschieden und für alle gut wäre. So gut halt möglich. Insofern war diese grenzenlose Freiheit mehr Haltlosigkeit denn freiheitliches Glücksgefühl. Der Mensch ist immer nur innerhalb von Grenzen Mensch, da er als soziales Wesen Freiheiten nur bis zu den Freiheiten des nächsten ausreizen darf. Das ist wohl irgendwo tief in uns, da auch so wichtig, um ein Miteinander überhaupt friedlich lebbar zu machen. Dies mein aktueller Stand der Überlegungen. Was denkt ihr?
  • Ich bin im Moment an einem grossen Projekt, da noch ganz am Anfang. Als generell vielseitig interessierter Mensch, mag ich Einschränkungen kaum, in der Vergangenheit scheiterte einiges daran, weil mir zu viel fehlte. Ich überlegte mir dann, wie ich die Offenheit behalten kann und doch an meinem Projekt dran bleiben kann. Und ich fand Nebenprojekte, die alle kurz waren und mir so eine gewisse Bandbreite ermöglichten. Das beruhigte mich, ich musste mich nicht beschränken, nichts Interessantes aufgeben. Und merkte plötzlich: Das eigentliche Projekt zieht mich so an, dass ich mich fast dazu zwingen muss, die anderen Projekte zu verfolgen. Mein Schluss für mich ist: Wenn etwas wirklich meins ist, reicht es. Wenn ich das noch nicht gefunden habe, kann aber die Vielfalt durchaus wertvoll sein. Und es muss ja auch nichts in Stein gemeisselt sein. Sollte mich die Freude an etwas nebenher anspringen, kann ich ihr durchaus nachgeben. Oft ergibt sich durch solche Nebenprojekte sogar noch etwas für das Hauptprojekt. Das habe ich bei früheren grossen Projekten oft erlebt. Wie ist das bei euch? Gerne etwas, das richtig, oder aber lieber viele kleine Dinge und Abwechslung im Tun?
  • Ich stiess auf Gottfried Benns Gedicht „Wer allein ist“:

Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut.

Trächtig ist er jeder Schichtung
denkerisch erfüllt und aufgespart,
mächtig ist er der Vernichtung
allem Menschlichen, das nährt und paart.

Ohne Rührung sieht er, wie die Erde
eine andere ward, als ihm begann,
nicht mehr Stirb und nicht mehr Werde:
formstill sieht ihn die Vollendung an.

Es hat mich sehr berührt. Benn zeigt den Einzelnen in seinem Alleinsein, wie er auf sich selber zurückgeworfen wird. Er hat keinen, mit dem er sich über die Welt austauschen kann, insofern ist all sein Erkennen ein Geheimnis, es bleibt bei ihm. Alles, was bewegt, was anregt und anrührt, stellt sich ein, da es nicht teilbar ist und dadurch wird er ein stiller Beobachter – ohne Bewertung, ohne Zuschreibung von Bedeutung. Das wäre zu einem Teil das Ideal des Buddhismus, das nicht bewerten, das nur beobachten dessen, was ist. Doch fangen wir damit wohl an, sobald wir einen haben, mit dem wir uns austauschen können. Ansonsten könnten wir uns nicht gegenseitig verorten.

  • Vor meinem Fenster stehen Kirschenbäume. Noch vor kurzem waren sie wunderbar in rosa Blüte gewandet. Fast möchte ich sagen «über Nacht» waren die Blüten alle weg, die Bäume standen grün vor mir. Ich spürte ein Bedauern. Vergessen war, dass die Bäume noch vor nicht allzu langer Zeit ganz kahl waren. Vergessen war auch, dass es ohne das Verblühen keine Früchte gäbe. Für einen Moment war da nur Bedauern. Bis ich merkte, dass auch dieses Grün wunderschön ist. Und: Nicht nur hat alles seinen Sinn und Zweck, durch das Festhalten an Zuständen verpassen wir oft, was Neues Gutes bringen könnte.
  • Als ich kürzlich mal mit dem Auto unterwegs war, spielten sie am Radio die Mondscheinsonate. Und irgendwie hat mich diese Musik berührt, fast kam es mir vor, als schwebe mein Auto durch die Gegend, getragen durch die Musik. Und drum möchte ich dieses Stück mit euch teilen – hier gespielt vom wunderbaren Igor Levit, von dem übrigens gerade eine Biografie erschienen ist:

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!