Grenzen und die persönliche Freiheit

Eine 66jährige Frau kriegt Zwillinge. Wenn die 20 sind, ist die Mutter (sofern die Natur es gut mit ihnen meint) 86.Darf sie das? Was treibt sie? Kinderliebe? Nächstenliebe? Geht hin und pflanzet euch fort (die Gute war auch noch Pfarrerin)? Egoismus?

Ist ein Mensch frei, das zu tun, was er will, was ihm im Sinn steht? Hat er nicht auch die Pflicht, die eigene Freiheit dann zu beschränken, wenn das Wohl anderer davon abhängt? Doch: weiss man um das Wohl der anderen wirklich? Kann man das abschätzen oder ist es nur eine spekulative Grösse, die man in die Waagschale wirft beim Abwägen der eigenen Freiheit? Hat diese Grösse dann genug Gewicht, dem Drang und Hang nach Freiheit entgegenzustehen? Geht sie nicht unter, klang und sanglos? Ohne grosses Gewicht, als leiser Einwurf nur?

Wo fängt meine Freiheit an und wo hört sie auf? Ist ein Recht auf alles wirklich ein Recht auf nichts, wie Hobbes schon sagte? Kant stimmte ihm dabei zu. Hobbes sah die so rechtlos gewordene Gemeinschaft als Krieg aller gegen alle, weil keiner sich mehr sicher fühlt, weil jeder die Gefahr der Rechte des andern ist. In der östlichen Philosophie ist der Mensch von Natur gut, in gewissen Philosophien wie dem Tantra gibt es gar nur Gutes, alles ist Gut im Ursprung. Woher kommt dann das Böse? Aus unserer Wahl, wie wir agieren? Wer bestimmt die Verhaltensgrundsätze? Sie sind doch vom Menschen gemacht. Und das meist aus Gründen heraus. Seien sie der Gemeinschaft zu dienen oder aber dem eigenen Wohl – welches immer im Zusammenspiel mit dem Wohl anderer steht. Insofern ist der andere immer die Grenze meiner eigenen Freiheit. Da ich ohne den andern auch nicht glücklich lebe, vor allem, wenn ich denken muss, dass ich eben auch nicht die Grenze seiner Freiheit bin.

Jeder braucht seinen Raum und hat ein Recht darauf. Dieser Raum fängt in einem selber an und dehnt sich aus bis zum Raum des nächsten. Ab und an können sich zwei Räume überschneiden, ohne Probleme, weil beide dasselbe wollen, sich in dem Miteinander im Raum wohl fühlen. Wenn dem nicht so ist, gilt es, die eigenen Grenzen zu respektieren und auch die des nächsten. Dem anderen seine Grenzen aufzuzeigen, wenn er die eigenen durchdringt sowie auf die des andern Rücksicht zu nehmen und sie nicht achtlos zu überschreiten.

Das klingt in sich logisch, ist aber oft nicht so einfach, da mit all den Räumen auch Gefühle einhergehen. Einer möchte näher zum andern, als der das erträgt. Der fühlt sich bedrängt und hat nun drei Möglichkeiten: Die Bedrängnis still auszuhalten, sich in sich selber zurückzuziehen und die Grenzen näher zu nehmen oder aber dem andern die Grenzen aufzuzeigen. Beim letzten hat er Angst, den andern zu verletzen, im wahrsten Sinne des Wortes zurückzustossen, im ersten Fall hat er Angst, sich selber zu verlieren und im mittleren wird es immer enger und enger, bis man ausbrechen will.

Es führt also wohl doch nichts daran vorbei, die eigenen Grenzen zu achten und dazu zu stehen. Sich auch zu fragen, wieso andere verletzt sind, wenn sie auf solche Grenzen hingewiesen werden und woher die Angst vor dem eigenen Feiheitsverlust rührt. Wieso klingt es ab un an bedrohlich, nicht einfach alles zu können und zu erreichen, was man will? Wieso fühlt man sich zurückgestossen, wenn der andere seine eigenen Grenzen nennt und diese eingehalten wissen möchte? Und wieso sind die nicht erreichbaren Freiheiten oft verlockender als all das, was erreichbar ist? Was hängt am Wörtchen Freiheit dran, dass es so verlockend scheint, unbedacht, dass eine Freiheit auf alles eigentlich gar keine Freiheit, sondern Gefahr bedeutet? Der lockende Geruch der grossen weiten Welt. Alles ist möglich und ich kann es haben. Das klingt toll, das klingt gross. Allerdings ist der Klang noch nicht das Leben und die Realität besteht aus mehr als Tönen.

Wenn man lernt, die Grenzen zu achten, tun sich innerhalb dieser Grenzen ungeahnte Freiheiten auf, die geschützt und sicher sind, Glück bringen. Grenzen kann man ausloten, abtasten, ab und an ausweiten, ab und an auch wieder zurück nehmen. Jeden Tag von neuem. Ganz bei sich, ganz mit sich. Und im Respekt zu sich, seinem Umfeld und das Leben.

Wo bin ich?

Ich bin denn mal weg – gehe mich selber suchen. Doch wo finde ich mich? In mir drin? Wo da? Im Kopf, im Herzen, im Bauch? Überall? Und wie komme ich in mich hinein? Reinhören? Ist es eine Stimme? Reinfühlen? Ein Gefühl? Am einfachsten wäre reinsehen mit Hilfe eines… CT? MRI? Einfach röntgen? Ultraschall? Das klappte ja schon mal…

Alles nicht so einfach, vermutlich suchen viele deswegen so lange und immer wieder. Und verwerfen irgendwann wieder, was sie gefunden haben, um wieder neu zu starten auf der Suche nach dem innersten Ich.

Im Yoga ist die Antwort eigentlich einfach: Ich bin… Ende. Ich bin nichts ausser Sein, Existenz. Da müsste man gar nicht mehr suchen gehen, da wäre man schon da. Quasi angekommen. Aber irgendwie strebt man ja auch im Yoga weiter – nach Erleuchtung. Die dann erreicht ist, wenn das Sein als solches absolut erkannt ist, man einsieht, fühlt, glaubt, denkt, zu sein und dass genau das das eigene Ich ist?! In dem Wissen könnte man dann ja aufhören, doch: wieso suchen dann so viele doch noch weiter? Was suchen sie? Krampfhaft den Punkt, der sie eben doch unterscheidet vom Alleinssein, von der Masse? Streben nach Individualität, koste es, was es wolle? Vielleicht sind wir wirklich alle gleich und es ist wirklich nur unser Geist, der uns von den andern separiert.

Konkret gesprochen sind wir wohl wirklich gleich, ein definierbarer Klumpen von Zellen, der nach meistens gleich aufgebauten Mustern funktioniert. Die Individualität kommt dann durch die Prägung und Eigenarten, die man sich im Laufe eines Lebens so aneignet. Und die möchte man ab und an ergründen, vielleicht, weil man nicht ganz zufrieden ist mit sich und seinem Leben, vielleicht, weil man merkt, dass gewisse Dinge immer wieder ähnlich laufen. Vielleicht auch, weil man sich irgendwie noch mehr erhofft im Leben und denkt, sich zuerst kennen zu müssen, um überhaupt herauszufinden, was es denn sein könnte.

Nur, gesetzt den Fall, ich finde mich: was mach ich dann mit mir? Dann sind wir ja zu zweit und meine Wohnung ist jetzt schon eng genug. Wir sässen dann gemeinsam auf dem Sofa, jeder in ein Buch vertieft. Das gefundene Ich in das, welches mir entspricht, weil ich ja endlich ich bin, ich selber in eines, das ich einfach aus der Unwissenheit gewählt habe. Und überall im Alltag müsste es dann ja so ablaufen: das wahre Ich macht das, was mir ganz entspricht während ich selber meine alten Muster weiter abtrample. Oder: verschwinde ich dann und nur noch das wahre Ich bleibt? Wo geh ich dann hin? Sterbe ich? Oder lebe ich erst richtig? Ist das nun nur existieren, leben kommt dann? Existierst du noch oder lebst du schon? Wobei: IKEA ist out. Ich nehme den Satz zurück. Ich könnte auch mit dem Rotstift durch mein Leben, das alte Ich ausradieren und das neue stünde da (wobei bei Möbelpfister passiert dann immer ein Abschreiber, was hier ja eigentlich umgekehrt wäre…). Und wenn ich weg bin, was machen dann alle die, welche mich so kannten? Haben die nun zwei Freunde oder gar keinen mehr – oder einen neuen?

Diese Suche nach dem Ich scheint eine schwierige Sache zu sein. Erstens ist der Weg dahin nicht ganz einfach und zweitens weiss man auch nicht, was einen wirklich erwartet… und vielleicht… vielleicht bin ich ja ich – genau so, wie ich bin, mit all den Schwächen, Ungereimtheiten, Fehlern, Unsicherheiten, auch Unentdecktheiten (schönes Wort, grad erfunden). Vielleicht bin ich genau so und liege offen da in meiner ganzen Unperfektheit, aber gerade darum gut so? Vielleicht ist der beste Weg zu sich selber, sich eben genau so anzunehmen, wie man ist, heute, jetzt. Und sich lieben zu lernen, mitfühlend, nachgiebig, aber auch kritisch. Sein eigener liebevoller Kritiker. Nicht der böse, der alles verdammt, verurteilt, beschimpft, sondern der, welcher umarmt, hinweist und hilft? Ich glaube, das fühlt sich gut an.

Ich, mir und mich sind zufrieden (wo kommt eigentlich der Dritte her?? Bis hier hin waren wir ja nur zwei…nun: aller guten Dinge sind drei)

Offene Augen

Die Vergangenheit ist längst vorbei, sie lässt sich nicht mehr beeinflussen, die Zukunft noch nicht da, auch sie können wir nicht aktiv leben, lebbar ist nur die Gegenwart. Drum lebe im Jetzt, es ist das einzige, was wirklich ist. So und ähnlich klingen die östlichen (und neu auch westliche) Lebensanweisungen zum Glücklichsein. Die Wahrheit darin ist augenscheinlich, keine Frage. Die Vergangenheit ist unweigerlich vorbei, wir werden sie nicht nochmals leben können, wir können nichts ungeschehen machen, nichts nochmals durchleben oder gar vermeiden, was wir taten oder erlebten. Es ist vorbei. Aber es hinterlässt seine Spuren in uns. Wir tragen die Vergangenheit in uns mit, in jeder unserer Zellen steckt ein Stück Vergangenheit, die die Zelle, uns als Ganzes, so werden liess. Wir wuchsen aus der Vergangenheit ins heute. Und wir werden weiter wachsen in eine Zukunft.

Alles, was wir heute tun, wird unsere Zukunft mitprägen, legt den Grundstein zu dem, was wir in der Zukunft sind. Zwar können wir die Zukunft heute nicht leben, aber wir können das Fundament dafür legen (und wenn man weiter denkt, legen wir auch das Fundament für unsere Nachkommen). Klar kann man sagen, die Zukunft sei noch nicht da und man wisse nicht, was sie wirklich bringe. Trotzdem wird sie (sehr wahrscheinlich, wenn nicht etwas schlimmes passiert) kommen und sie will dann vorbereitet sein, dass sie auch lebbar ist – so, wie man sie eben leben möchte. Man hat immer Pläne im Leben, Ziele im Leben, möchte Wege einschlagen, die zum Ziel führen, das man sich in seinen Träumen und Wünschen vorstellt. Und dazu ist das Heute: diesen Weg auch zu gehen.

Ich denke, die Essenz des Vorsatzes im Heute zu leben, ist nicht, die Zukunft und die Vergangenheit auszuklammern, sie zu negieren, sondern sich bewusst zu sein, dass wir heute nur dieses Heute haben und dieses auch schätzen sollen. Die Vergangenheits- und Zukunftsgedanken sollten nicht das ganze Heute eliminieren im Kopf und die ganze Aufmerksamkeit abziehen. Das Heute soll bewusst und achtsam gelebt werden, mit Genuss, präsent. Trotzdem gilt es, auch nach vorne zu schauen, um zu sehen, wo man hin will und wie man dahin kommen kann. Und es gilt nach hinten zu schauen, um zu sehen, wieso wir sind, was wir sind. Und auch gewisse Fehler, die wir machten, in der Gegenwart vermeiden zu können – oder zumindest als solche erkennen zu können.

Vergangenheit vergeht nie – wir tragen sie mit. Aber wir können ihr den Platz zuweisen, der ihr zukommt: Sie ist Teil unseres Lebens und unseres Seins, aber sie ist vorbei und damit abgeschlossen. Mit diesem Bewusstsein die Gegenwart angehend, die Zukunft im Blick, werden wir den Weg gehen – bewusst, präsent, aber nicht blind – weder nach hinten noch nach vorne – und schon gar nicht im Jetzt.

Sicherheit

Sicherheit – gibt es sie?
Nur ein Schein?
Placebo?
Sehnsucht?
Halt im Haltlosen?
Rückendeckung beim Angriff?
Ritter in der Rüstung?
In mir selber?
Nur da?
Kein Verlass?
Nie im Aussen?
Nur tief drin?

Unsicherheit – übermannt sie?
Zerstört?
vernichtet?
Wo ist die Rettung?
Nirgens?
Keine Ritter mehr?
In mir drin?
Nirgends sonst?
Versinken?
Selbstschutz?

Im Moment habe ich mehr Fragen als Antworten – das spiegelt sich wohl auch sehr deutlich in meinem Blog nieder. Wobei ab und an zu sagen ist, dass Fragen mehr aussagen als Antworten, da sie das aufzeigen, was eben hinterfragt wird. Und das Hinterfragen geschieht oft aus Gründen – die man sich vielleicht nicht mal bewusst ist, aber irgendwo in der Tiefe etwas spürt, eine Frage halt, die aufsteigt. Und diese Fragen suchen das Licht, wollen gestellt werden, um dann auf Antworten zu treffen. Ab und an gibt es vielleicht auch keine Antworten, weil die Frage falsch gestellt ist, weil die Frage nur suggestiv ist – oder aber, weil niemand die Antwort wissen kann – man sie erfahren muss – oder auch nicht.

Und dann bleiben die Fragen im Raum stehen, als unbeantwortete Fragen. Harren der Dinge, lassen den Fragenden harren und kommen nicht weiter. Sie versinken im Nirwana der Fragen, unbeantwortet, vielleicht unreflektiert. Ab und an drehen sie auch. Im Kopf. Im Herzen. Lösen Widersprüche aus. Lösen sie wieder auf. Um neue entstehen zu lassen. Und man wäre dankbar um Antwort. Um selber Klarheit zu finden. Aber alles schweigt.

Oder doch nicht?

Luft oder Unsinn – oder beides

Ich atme ein
Ich atme aus.
Mal schneller,
mal langsamer.

Stimmt das?
Was mache ich?
Nichts.
Oder doch?

Es atmet in mich,
es atmet aus mir raus.
Still.
Und stetig.

Wer atmet?
Wer ist es?
Und wie um Gottes Willen,
kam es in mich rein?

Um Gottes Willen?
Was hat der schon wieder hier zu suchen?
Der verfolgt mich.
Ich will hier weg.

Wohin?
Er sei überall.
Big Brother.
Wir brauchen gar keine Kameras.

Es atmet noch immer.
In mir.
Aus mir.
Durch mich.

Wohin?
In die Luft.
Da kam es auch her.
Oder Sie?

Was ist es?
Luft?
Nichts?
Alles?

Ich könnte aufhören zu atmen.
Wobei, ich atme nicht.
Ich bin ausgeliefert.
Opfer.

Wovon?
Von wem?
Keine Ahnung.
Egal.

Gott ist tot

Wer ist Gott? Wann starb er?
Wer hat ihn gekannt?
Kommt er wieder?
Wie kann er ewig sein, wenn er tot ist?
Ist sein Tod eine Lüge?
Wo ist er also?
Überall?
Wie kann ich ihn sehen?
Kann ich ihn fühlen?
Was ist Glaube?
Wo hört die Hoffnung auf?
Da wo der Glaube anfängt?
Wo hört der Glaube auf?
Wieso kann man nicht wissen?
Gibt er Zeichen?
Wie höre ich sie?
Wo finde ich sie?
Bin ich hoffnungslos?
Könnte ich dann glauben?
Wer weiss es?

Alles im Fluss

Ist das Leben ein Fluss?
Fliesst er von selber oder ist das Bachbett Bahn gebend?
Kann ich den Fluss lenken oder werde ich von ihm mitgerissen, mit ihm mitgeführt?
Ist, woran ich mal vorbei geflossen bin, für immer verloren oder kann es mich wieder einholen – ich zurück schwimmen?
Wenn ich zurückschwimme, ist dann noch da, was mal da war oder floss das auch weiter?
Für immer verloren?
Kreuzen sich Flüsse?
Und wenn, mischt sich dann das Wasser oder fliesst jeder mit seinem Wasser weiter?
Was passiert, wenn ein Fluss überfliesst?
Ist es sinnvoll, gegen den Strom zu schwimmen oder soll man sich dem Fluss fügen, mit ihm mitgehen?
Ist man beim Schwimmen immer alleine oder schwimmt es sich zu zweit leichter?
Bin ich ein Rückenschwimmer oder eher ein (Ab)Taucher?
Bin ich der ganze Fluss oder nur ein Teil davon?
Wann kommt das Meer?
Und wo war meine Quelle?
Bleibt die Sehnsucht nach der Quelle oder ist das Sehnen Todessehnsucht?
Was ist mit mir, wenn ich im Meer lande? Fliesse ich dann weiter?
Was ist das Meer?
Bin ich Meer schon wenn ich (im) Fluss bin?

Emanzipation, Auslaufmodelle und verlorene Träume

Früher hatte ich immer einen Traum, wie mein Leben aussehen sollte: ich wollte Ehefrau, Mutter und Hausfrau sein. Daneben meine vielen kreativen Projekte verfolgen, aber grundsätzlich hätte ich einfach gerne für meine Familie gesorgt und wäre für alle da gewesen. Das Leben kam anders, gewisse Träume muss man im Leben wohl mal loslassen, vor allem, wenn der Zug dafür abgefahren ist. Das ist nicht immer einfach, da gewisse Träume ja doch tief sitzen, vielseitig begründet sind und dem eigenen Wesen entsprechen.

Für viele wurde ich durch die Nichtlebbarkeit des Traumes aber quasi gerettet, denn mit dem Traum war ich ein Auslaufmodell. Wie viele Frauen hätten dafür gekämpft, dass Frauen endlich arbeiten können, gleichberechtigt wären (sind sie es??)? Wie viele Frauen hätten sich eingesetzt für die Rechte der Frau, die ich nun mit meinem Wunsch mit Füssen trete – so hiess es. Tat ich das? Heisst Emanzipation wirklich, Frau muss nun arbeiten, darf gar nicht mehr anders wollen? Ich denke nicht, denn so verstanden wäre Emanzipation die Umkehr das vorherigen Zustands, Frau wäre nun einfach von den Zielen der dafür Kämpfenden bestimmt, noch immer nicht frei in der Wahl. Und darum ging es ja schliesslich und endlich: Die Möglichkeit zu haben, zu tun, was man will, im Arbeitsleben, im Miteinander. Gleiche Rechte (der Wahl, der Möglichkeiten) zu haben und nicht aufgrund des eigenen Frauseins diskriminiert sein. Das deckt sich auch mit dem ersten Gerechtigkeitsprinzip von John Rawls:

1. „Jede Person soll ein gleiches Recht auf das umfassendste Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten haben, das mit einem entsprechenden System der Freiheit für alle vereinbar ist.“

Das zweite würde dann nachlegen:

2. „Soziale und ökonomische Ungleichheiten sollen so beschaffen sein, dass sie zum größten Vorteil der am schlechtesten Gestellten sind, und an Ämter und Stellungen geknüpft sind, die allen offen stehen unter Bedingungen fairer Chancengleichheit.“

Da hapert es noch stark, nicht nur bei der Emanzipation, sondern generell in der heutigen Wirtschaft, glaubt man den entsprechenden Kritiken, welche bemängeln, dass es immer den Obersten besser geht bei Änderungen, kaum je den Unteren. Das mag oft stimmen, positive Ausnahmen gibt es zum Glück auch. Und die Hoffnung bleibt, dass irgendwann ein Umdenken hin zu einem wirklich sozialeren Miteinander entsteht, welches weitere und breitere Kreise zieht – Stück für Stück.

Und nachdem nun der Bogen geschlagen ist von persönlichen, zu verabschiedenden Auslaufmodellträumen hin zu politischer Gerechtigkeit, stellt sich die Frage: Ist das Leben immer gerecht? Müsste ich im Leben nicht auch die grösstmögliche Freiheit auf alles haben? Gerade kürzlich las ich, dass wir alle frei wären, wenn wir es nur erkennen würden. Wir könnten alles tun, was wir wollten, hielten uns aber selber wie Käfigvögel. Ist das wirklich so? Kann ich in die Welt hinaus gehen und nur noch machen, wonach mir der Sinn steht, ohne Rücksicht, ohne Gewissen, ohne Einschränkung? Rawls grenzt die absolute Freiheit immerhin ein, indem er sagt, die persönliche Freiheit müsse mit dem System, in dem man lebt, vereinbar sein, so dass auch die anderen dieselbe Freiheit hätten wie ich selber. Das ist dann eine Gleichheit der Freiheiten, die wiederum fair ist. Lebte ich alles frei aus, was ich gerade möchte, wäre ein anderer eingeschränkt durch mein Ausleben – oder ich durch seines. Das Miteinander in Fairness greift dem vor. Zu recht, wie ich finde. Und dabei gilt es dann wohl auch dann und wann, einen Traum zu begraben, weil entweder andere davon betroffen wären.

Es gibt aber sicher auch noch andere Gründe, Träume zu begraben. Wenn der Preis, den Traum zu leben, zu hoch ist. Dann beginnt das Abwägen, was wirklich zählt im Leben, was man bereit ist, zu zahlen für das Erreichen eines Traums und ob ein Kompromiss möglich und vielleicht gar besser wäre. Theoretisch klar, praktisch nicht immer einfach – Träume sitzen tief.

Lebe deinen Traum – das wünsche ich mir und allen.

Schreiben im Fluss

Gestern probierte ich ein neues Spielzeug und musste einfach aus dem hohlen Bauch heraus schreiben, was mir grad in den Sinn kam, was gar nicht so einfach war, da einem ja nicht immer etwas in den Sinn kommt, vor allem dann nicht, wenn man dringend was im Sinn bräuchte, um es überhaupt schreiben zu können, weil jemand meint, man müsse nun das im Sinne stehende niederschreiben, um so eine Schreibprobe zu haben, die man dann eben anschauen könnte, quasi als Probe aufs Exempel, als Anschauungsbeispiel, welches beim Ausprobieren des Spielzeuges helfen soll, da ohne etwas Geschriebenes schlecht zu sehen ist, wie so ein Schreibprogramm funktioniert, wenn man denn etwas geschrieben hat. Die Hauptproblematik war aber nicht mal so sehr das Schreiben des im Sinne Stehenden, denn irgendwie fällt einem ja immer etwas ein, selbst wenn es nur ist, dass einem grad nichts einfällt und man das niederschreibt, immer versuchend, es möglichst ausführlich zu tun, da man sonst, täte man es nur kurz und knapp und präzis prägnant noch mehr fällig wäre und man sich erneut überlegen müsste, was denn nun noch kommen könnte, nachdem das geschrieben ist, was einem kam, nämlich das Nichts, das grad im Sinn lag und einmal kein weisses Blatt – beziehungsweise Bildschirm – hinterliess, sondern eine Flut von schwarzen Buchstaben auf weissem Bildschirmhintergrund, die aber nicht ausreichte, zu zeigen, was zu zeigen war.

Erschwerend dazu kam, dass das Spielzeug keine Tastatur hatte, so dass man ständig auf einem Touchscreen (wie heisst so was eigentlich auf Deutsch, gibt es überhaupt einen Namen dafür oder muss man immer diesen unmöglichen Anglizismus benutzen, wo man doch solche gar nicht mag als bekennende die deutsche Sprache liebende Person) abmühte und dabei einen Fehler nach dem anderen schrieb, welchen man dann – so will es wohl die Spielregel des Spielzeugprogramms – nicht verbessern durfte, dabei aber bei jedem weiteren Buchstaben, den man da so schrieb, wieder zurück blickte, den Makel sah, sich dran störte, ob dem Stören einen neuen produzierte, den man fortan auch im Blick hatte und unter der Potenz der Makel kaum mehr weiter zu schreiben wagte, um nicht noch mehr solche Fehler zu produzieren, sich ab und an genötigt fühlte, doch die Delete-Taste (wieder so ein doofer Anglizismus) zu benutzen, um das Schriftbild nicht gar so schrecklich aussehen zu lassen.

Schliesslich und endlich entpuppte sich die Anstrengung als speziell anstrengend, da der Satz lang sein musste, um nicht noch mehr Sätze generieren zu müssen und lange Sätze oft die Schwierigkeit mit sich bringen, dass sie an einem Punkt anfangen, dann über mehrere Punkte weiter gehen, sich drehen, wenden, wieder drehen, an einen weiteren Punkt kommen, den man dann in Klammern, Bindestrichen, Kommata unterteilen kann, ausführen kann, weiter führen kann, um dann zurück zu kommen zum Eigentlichen, welches man schon fast vergessen hatte, knapp aber wieder erinnerte, also aufgriff und weiter führte, um dann wieder einen Einschub zu generieren und so den Satz in die Länge zu ziehen, bis dass er die Länge hatte, die er brauchte, um zu zeigen, was zu zeigen war – quod erat demonstrandum, um noch ein wenig Bildung in den Text einfliessen zu lassen – und dann oft Gefahr lief, zu vergessen, wo man den Satz eigentlich anfing, mit welchem Ziel man ihn weiter führte, um ihn dann – ja dann am Ende irgendwannn (wobei man das Ende nicht mal erahnen konnte, da man ja den Anfang fast vergessen hatte und dem Ganzen eh kein Ziel unterlag als Text zu produzieren, um ein Anschauungsobjekt zu haben) zu beschliessen, womit auch immer, denn wie soll ein Ende Sinn ergeben, wenn der Anfang schon keinen suchte?

So oder so – der Blog ist nun zu Ende, ich hoffe, ich habe alle Sätze zu einem sinnvollen Ende gebracht, Spass hat es nämlich gemacht, es war ein Schreiben im Maschinengewehrtakt, was ich zwar als friedliebende Person so nicht sagen dürfte, da ich ja Waffen absolut ablehne als Gewaltobjekte, die nur Unfrieden und Unheil bringen, nie aber was Gutes, es aber trotzdem sage, weil das Schreiben sich in etwa so anfühlte – wobei ich ja nicht weiss, wie es sich anfühlt, ein Maschinengewehr abzuschiessen, da ich das nie tun würde aus oben genannten Gründen) und ich es irgendwie genoss, einfach die Finger über die Tasten fliegen zu lassen, ohne Sinn und ohne Ziel, ohne Nachdenken, einfach im Fluss, auf den Spuren Thomas Manns mit seinen Monstersätzen, für die ihn wohl so mancher erwürgen könnte, würde er noch leben, was er aber nicht mehr tut (ob leider oder nicht darf jeder, der Thomas Mann lesen MUSS, selber für sich entscheiden) und sich somit nur noch – wenn er das denn noch kann, weil man ja nie weiss, was nach dem Ableben eines Menschen passiert, er kann weg sein, wiedergeboren sein, sich im Grab drehen und wenden oder still liegen – amüsieren ob der textlichen Ergüsse, die da eine auf den Bildschirm fliessen liess im Suchen nach ein paar Zeilen, um ein Spielzeug auszuprobieren.

Schlussfrage: Um welches Spielzeug handelte es sich?

Eifersucht und anderes Leid

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

Eifersucht spielt in uns und nirgends sonst. Sie ist nicht mal selbst gemacht, sondern sie macht etwas mit uns. Wir sind ihr ausgeliefert. Kopfkino und oft sind wir nicht Regisseur, denn wir können den Film kaum stoppen, sondern wir sind Zuschauer. Der ganze Film, was passieren könnte oder gar schon passiert sein könnte, spielt sich vor unserem inneren Auge ab und lässt uns drauf reagieren – mit körperlichen Symptomen, mit geistigem Leiden, mit Wut, Ärger, Trauer.

Wo liegt sie begraben, diese Leidenschaft? In der Unsicherheit in uns selber, in der Unsicherheit dem andern gegenüber und im mangelnden Vertrauen auf bestehendes Glück. Geprägt vom Wissen um die Vergänglichkeit sehen wir diese überall drohen, am ehesten in realistisch scheinenden Gefahren wie potentiellen Rivalen. Was wir haben wollen, soll uns niemand streitig machen. Und sehen wir uns in Gefahr, gehen wir zur Verteidigung über, welche oft als Angriff endet – der ja schliesslich die beste Verteidigung sei. Dabe merken wir oft nicht, dass wir durch diesen Angriff aus dem Nichts (und meistens unbegründet) mehr zur Vergänglichkeit beitragen als zum Erhalt. Denn: was ist wirklich passiert? Nichts. Und was tun wir? Wir greifen an. Mit Unterstellungen, Misstrauen, Anschuldigungen, bösen Worten, oft mit mehr noch. Ab und an sind wir uns dessen sogar bewusst und können doch nicht aus unserer Haut. In uns brodelt es. Und im Wissen um die Irrationalität und Haltlosigkeit unseres Verhaltens lassen wir das ganze Programm ablaufen. Uns innerlich scheltend und doch gefangen in den Emotionen.

Liebe mich dann am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe. Dieser Spruch aus dem Umgang mit Kindern greift wohl auch noch im Erwachsenenalter. Wenn man nämlich weiss, in welcher Not sich der so agierende Mensch befindet, sieht man auch seine Not und dass es nur ein Mittel dagegen gibt: Liebe. Denn um die fürchtet der Eifersüchtige. In der Angst gefangen, etwas zu verlieren, schlägt er um sich (sinnbildlich) und sehnt sich dabei nach nichts mehr als eben geliebt zu werden. Dass es zu dem Zeitpunkt nicht einfach ist, Liebe zu zeigen, zu geben, liegt auf der Hand. Man wird grad (zu Unrecht meist) angegriffen und was läge da ferner, als mit Liebe darauf zu reagieren. Was aber soll Gegenangriff bringen? Streit. Was Verteidigung? Misstrauen und damit noch mehr Angriff von der anderen Seite. Was bleibt ist die Liebe. Und auch wenn es schwer fallen mag, vielleicht ist es einen Versuch wert.

Angst

Angst lässt die Füsse schwer,
die Beine träge werden.
Die Knie drohen nachzugeben.

Angst lässt den Magen klumpen,
Leere aufsteigen.
Alles zittert innerlich.

Angst lässt das Herz erstarren
und rasen zugleich.
Es pocht bis zum Hals.

Angst lässt die Augen brennen,
die Lider zittern.
Alles scheint verschwommen.

Angst lässt den Kopf schwer werden,
und leert ihn zugleich.
Er droht zu zerbersten

Angst schnürt zu,
höhlt aus.
Sie brennt und lähmt.

Weil du so fern scheinst,
wie in einer anderen Welt.

Von grossen und kleinen Lieben

Ist Liebe messbar? In einer Skala von 1-10 einteilbar? Ist 10 besser als 5? Und sollte man 7 vergessen, weil 10 möglich wäre? Hält 10 ewig und 3 vergeht nach kurzer Zeit? Ist es falsch, sich auf 5 einzulassen, weil es nur eine halbe Sache wäre? Oder könnte aus einer halben Sache auch was Ganzes werden? Fehlt immer was bei 7 oder vermisst man es gar nicht, weil ja 7 da ist, nur drei fehlt? Würde es reichen, sich über 7 zu freuen, statt 3 zu vermissen?

Ist Liebe mathematisch? Gleichung, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Multiplikation oder Potenz? Und ist Glück am Faktor Liebe messbar? je mehr Liebe desto mehr Glück? Kann man mit 7 glücklich sein oder braucht es dazu 10? Ist 10 möglich? Oder ist die Skala nach oben offen? Was passiert, wenn bei einer 3 4 schwinden? Ist es dann Hass oder Gleichgültigkeit? Ist bei Hass noch Liebe da, weil er ja auch Gefühl ist, einfach mit negativem Vorzeichen? Ist Gleichgültigkeit gefühlslos? Kann man zwei Menschen lieben? Und wenn, dann nur mit Maximalsumme 10? Oder geht dann die Liebesskala höher? 7 für einen, 10 für den andern? Ist Liebe teilbar?

Fragen über Fragen, liefert mir jemand Antworten?

Leichen im Keller

In wohl jedem Leben gibt es Dinge, die man gerne ungeschehen machte, auf die man nicht stolz ist, die man aber nicht ändern kann. Man trägt sie mit sich, versucht, sie zu verheimlichen, vor sich selber und vor anderen und fühlt sich dabei immer schuldig und irgendwie schmutzig. Man denkt, wie man bloss so doof sein konnte, etwas im Leben zu tun, was man aus einer Laune, aus einer Schwäche heraus, aus einem Drang oder auch aus einem Mangel im Leben heraus tat. Das hängt nun wie ein Makel an einem und trübt doch ab und an das Leben.

Wie nun damit umgehen? Indem wir es immer als Makel sehen, werden wir uns immer und immer von Neuem damit belasten. Wir werden erneut leiden und uns von dem als Makel gewerteten herunterziehen lassen. Somit geben wir dem Fehler auch im Heute eine Bedeutung, eine, die ihm nicht mehr zukommt. Wir haben den Fehler eingesehen und könnten weiter gehen. Was bleibt, ist wohl die Angst, was andere von uns halten, wenn sie von dem Fehler erfahren, wenn sie die Torheit fassen können und uns im Lichte dieser vergangenen Torheit neu betrachten. Wir fürchten, daran gemessen und dafür im Heute verurteilt zu werden. Wir fürchten, dass wir diesen Makel nie mehr los werden und er uns auch noch das Heute verdirbt.

Jesus sagte zu den Menschen, die die Hure verstiessen: Wer unter euch ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein. Jeder macht im Leben Fehler. Grössere, kleinere, bedeutsamere, nachhaltigere, vergängliche. Jeder hat die Möglichkeit, daraus zu lernen. Wenn dich heute jemand kennenlernt und findet, du bist gut, dich dann wegen der Vergangenheit anders sieht, dann liegt das Problem nicht bei dir selber, sondern ganz allein bei ihm. Klar schmerzt es doch, wenn er sich abwendet, denn man büsst für etwas, das man schon hinter sich hat und verliert etwas, jemanden, der einem vielleicht wichtig ist. Doch ist es nicht im Grunde besser? Wie viel Selbstherrlichkeit legt jemand an den Tag, der denkt, als Richter über deine Vergangenheit walten zu dürfen? Dich klein zu achten, weil du einen Fehler machtest, falsch handeltest, entschiedest an einem Punkt in deinem Leben?

Die Indianer sagen: Bevor du jemanden verurteilst, gehe zuerst ein Stück in seinen Mokasins. Es ist leicht, von aussen zu richten, wenn man nicht drin steckt. Und es ist auch leicht über sich selber in der Vergangenheit zu richten, wenn man den Blick zurück hat und in sicherer Distanz steht, weiss, wie alles rauskam.

Liebe heisst verzeihen, heisst auch, grosszügig sein. Also liebe dich selber und sei milde im Urteil über deine Vergangenheit. Das heisst nicht, dass man alles gut heissen soll, gar vergessen soll. Aber man soll sich auch verzeihen können und zu sich und seinen Fehlern stehen, daraus lernen und gestärkt weiter gehen.

Sinn? – Überbewertet

Das Bundesamt für Umwelt hat eine Umfrage gemacht. Das ist an sich nicht spektakulär und auch nicht bemerkenswert, das tun die dann und wann. Die neuste Befragung ging zum sinnigen Thema: Wald. Was gefällt Menschen im Wald? Was machen sie da? Was für eine Art Wald hätten sie denn gerne? Resultat: Die Menschen entspannen gerne im Wald und mögen Laub-/Nadelbaumgemische,die von einem Bächlein durchzogen sind. Ob nun die eifrigen Bundesbeamten dahingehen, in Laubwälder Nadelhölzer, in Nadelwälder Laubbäume zu pflanzen? Sehen wir nächsten Sonntag Bundesangestellt mit Schaufeln und Wassereimer beschäftigt Bächlein legen? Und was, ja was, hätten sie getan, hätte die Mehrheit gerne lichtdurchflutete Pinienwälder gehabt? Fussballfeldbeleuchtungen montiert und Piementesische Wälder implantiert? Im Glauben an das Gute im Menschen und im Staat und vor allem in der Schweizer Verwaltung gehe ich aber davon aus, dass sicher viel Sinn hinter dieser Umfrage steckte und die Fragenden nun um Vieles klüger sind und sich die nächste Umfrage ausdenken.

Ein weiterer Unsinn, der mir heute begegnete, ereignete sich mit einem netten Zustelldienst einer Ware, auf die ich schon lange warte. Zweimal waren sie vergebens da, auf meine Anfrage, ob sie noch ein drittes Mal kämen und etwa sagen könnten, wann, meinten sie, ich solle sagen, wann ich da sei.

Ich: Ich bin am Montag und Mittwoch nächster Woche den ganzen Tag hier.
Die: Nennen sie einen genauen Zeitpunkt, wann sie die Lieferung haben wollen.
Ich: Ok, dann kommen Sie doch am Montag um 9 Uhr.
Die: Wir werden am Montag kommen, den genauen Zeitpunkt können wir leider noch nicht sagen.
Ich dachte mir den Rest nur noch….

Kürzlich haben sie bei Sohnemann in der Schule Milchprodukte getestet. Alle mussten von allen vorhandenen MIlchprodukten essen (ich halte ehrlich gesagt nicht sooo viel von Milchprodukten, schon gar nicht in so grossen Mengen – aber einmal ist keinmal und wirklichen Schaden wird er nicht davon tragen – dass diese Kinder dann nicht mehr wirklich Mittagessen wollten, sei mal dahingestellt) und dann eine Bewertung abgeben, was am Besten sei, was weniger gut. Da waren Joghurt, verschiedene Käse, Milch, Käse, Quark und Butter. Also mussten sie auch in einen Block Butter beissen. Wer um Gottes Willen isst Butter pur? Ergibt das Sinn, das so auf Geschmack zu testen und darauf, ob ich es gerne habe, wenn ich es so nie esse? Aber – das waren die Regeln und komischer Weise fand niemand Butter toll… Auch hier wird sicher viel gedacht worden sei vor dem Experiment – mir erschliesst sich das nicht ganz, aber ich muss ja auch nicht alles wissen.

Und so bleibt die Welt ein einziges Mysterium, ich sitze mittendrin und schaue zu und staune.

Von Diplomen und Zertifikaten

Heute gibt es für alles Diplome. Früher einfache Berufe werden mit poetisch klingenden Namen versehen und erscheinen gleich in neuem Licht. Es wimmelt überall von Fachfrauen und Managern, jeder klitzekleinste Kram wird zertifiziert und damit standardisiert – vermeintlich.
Das Diplom soll Qualitätssicherung bieten, ohne Diplom zählt der Mensch nichts mehr, zumindest nicht in der Arbeitswelt; da aber die Gesellschaft die Geltung in der Arbeitswelt fast eins zu eins in das private Leben überträgt und der Herr Prof. Dr. im Freundeskreis doch besser klingt als der nette Nachbar von nebenan, zieht es sich imemr weiter durch. Menschen identifizieren sich mit ihren (beruflichen) Rollen und werden daran gemessen.
Der wahre Wert des Menschen fällt immer mehr unter den Tisch und damit fängt das Problem an: was, wenn der Beruf wegfällt? Früher kannte man die Probleme bei der Pensionierung. Menschen wurden jäh aus dem Berufsleben gerissen und verloren damit ihre ganze Identifikation, den Lebensinhalt. Heute hat die nicht ganz rosige Wirtschaftslage diesen Verlust vorgezogen, Menschen stehen auf der Strasse, verlieren ihre Stellen und sehen sich vor dem Nichts – beruflich und damit auch für sich selber und in den Augen der Gesellschaft. Das nagt. An der Psyche, am Selbstwert, an der Existenz.

Doch lassen wir die persönliche Schiene mal aussen vor, so schwierig sie auch sein mag. Auch beruflich ist dieser Titel- und Diplomwahn nicht ganz unproblematisch. Reichte früher eine Ausbildung, ein Studium, um eine Stelle zu kriegen und diese auch bis zur Pensionierung zu behalten, steht man heute damit ganz am Anfang, hat quasi die erste Hürde genommen, der viele weitere folgen. Diplom soll auf Diplom folgen, Weiterbildung 2 Weiterbildung 1 ablösen; das Leben ist schon lebenslange Schule, nun folgt die never ending story auch in der Berufswelt. Ressourcen werden knapp und knäpper, Freizeit desgleichen, der berufliche Druck zieht an wegen Stellenabbau und daneben sollen noch Abendschulen und Wochenendeinsätze geleistet werden, um auch wirklich up to date zu bleiben. Wozu? Um ein Diplom zu haben. Wieso? Weil nur darauf geachtet wird.

Talent reicht nicht mehr, wenn das Diplom fehlt. Steht das Diplom da, wird auf Können wenig Wert gelegt. Wie oft lese ich fehlerhafte Artikel, Anzeigen von Textfachfrauen (und -männern, keine Frage), die sich anpreisen, fremde Texte zu redigieren, selber aber orthographisch, typographisch und stilistisch öfter mal ins Leere greifen statt in den Duden. Aber unter dem Deckmantel der nötigen Diplome ist das absolut unproblematisch. Hoch lebe der Schein.

Wer nun in diesem Text Fehler findet, darf sie rot anstreichen auf dem Bildschirm und mir dann alles schicken. Wer die meisten fand, kriegt einen Preis.