es kam der tag
die worte gingen
gestern flogen sie
noch durch die luft
messerscharf mit
schmerz und spitzen
trafen sie uns
tief im herz
heute sind wir aus
geschossen
und zu sagen
bleibt nichts mehr
…
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie eines kreativen Lebens
Dr. Sandra von Siebenthal
Philosophische Gedanken zu Politik, zur Lage der Welt, zur gesellschaftlichen und menschlichen Situation
es kam der tag
die worte gingen
gestern flogen sie
noch durch die luft
messerscharf mit
schmerz und spitzen
trafen sie uns
tief im herz
heute sind wir aus
geschossen
und zu sagen
bleibt nichts mehr
…
©Sandra Matteotti
Da sitze ich nun also und habe mir was eingebrockt. 100 Wörter sollen es sein, Drabble. Nie vorher gehört. Aber ich sollte anfangen, denn 100 Wörter sind wenig. Ist eine Zahl eigentlich auch ein Wort? Muss ich also die 100 zählen? Oder nur, wenn ich hundert schreibe?
Ich mach erst mal Kaffee. Dabei überlegt es sich besser. Ich könnte einen Schokokeks dazu essen, dann wäre auch gleich ein Wort verbraucht. Oder reicht nur essen nicht, müsste ich dazu noch schreiben, dass ich den Keks esse? Aber das interessiert doch keinen? Zudem mag ich eigentlich gar keine Kekse. Schon gar keine mit Schokolade. Wobei: Auf Facebook könnte ich für Likes ein Bild mit einer Tasse Kaffee und dem säuberlich drapierten Keks posten. Zu spät, der Keks ist gegessen. Gibt es halt keine Likes.
Das mit den 100 Worten wird eng. Ich muss mal zählen, wie viele es schon sind – am Computer wäre das einfacher gewesen als hier auf dem Papier. Technik hat schon was für sich, nur: Es sollte ja eine Flaschenpost werden – wie wäre der Computer in die Flasche gekommen? Flaschenpost – Ideen haben die Leute… Wo soll ich die Flasche eigentlich hinwerfen? Zwar ist die Schweiz eine Insel, wie an sagt, aber weit und breit kein Meer. Wir haben nur Nachbars Bioteich. Frustrierend ist das, zum Trübsal blasen.
Aber nun losgeschrieben: Ich schreibe ein Märchen von einem Prinzen, der einer Prinzessin eine Sonnenblume schenkt, die sich dann an den Dornen sticht. Heldenhaft verbindet sie der Prinz mit einem Pflaster.
Wer sagt da, Sonnenblumen haben keine Stacheln? Ihr habt doch alle keine Ahnung von künstlerischer Freiheit.
Ich glaube, ich mache ein Tripple-Drabble. Sind verbundene Worte eigentlich ein Wort oder sind es zwei Wörter? Was man alles wissen muss!? So kann ich ja nie anfangen mit dem Schreiben. Das wird nix.
_________
Geschrieben für das Etüdensommerpausenintermezzo 2 (HIER )

Aufgabe war es, ein Drabble, ein Double-Drabble oder ein Trippel-Drabble zu schreiben, wobei ein Drabble 100, ein Double-Drabble 200 und ein Trippel-Drabble 300 Wörter haben darf.
Beim Drabble wären drei Wörter gefragt gewesen: Flaschenpost, Trübsal, Sonnenblume,
Beim Double-Drabble 4: Flaschenpost, Trübsal, Sonnenblume, Schokokeks
Beim Trippel-Drabble 5: Flaschenpost, Trübsal, Sonnenblume, Schokokeks, Pflaster
Und dann sitzt du
so da und du denkst
dir dein Leben so wie
es halt wär,
wenn es wär,
wie gewollt.
Und ich sage dir gleich,
sei hart und begreif,
dass das Leben, dass du
dir hier wünschst
und in hell
bunt ausmalst
mit dem Kind in dir
stirbt.
©Sandra Mattotti
Klaus hob mit einem Greifarm leere Bierbüchsen vom Boden. Das machte er jeden Morgen, schliesslich sollte die Stadt wieder sauber aussehen. Er dachte nicht darüber nach, wer die Büchsen einfach auf den Boden geworfen hatte. Er hörte oft Menschen sich beklagen, dass die Menschheit heute rücksichtslos sei, einfach alles wegwerfe. Keinen Anstand gäbe es mehr, sagten die Leute dann. Es waren meist ältere Leute. Sie sagten es nie zu ihm. Mit ihm redeten sie nicht. Sie sagten es neben ihm zueinander, so dass er es hörte. Er reagierte nie. Das würden sie nicht wollen. Vermutlich ging es ihnen gar nicht um den Abfall. Auch nicht um ihn. Sie mussten ja was sagen. Klaus selber redete nicht viel.
Klaus hatte nicht immer Büchsen aufgehoben. Es gab eine Zeit, da lebte Klaus auf der Strasse. Die Wege, die dahin geführt hatten, ging er in einem anderen Leben, darüber sprach er nicht. Er dachte auch nicht drüber nach. Das war vorbei, das gehörte nicht mehr zu seinem Leben. An das Leben auf der Strasse konnte er sich aber noch gut erinnern. Hart war es. Und kalt. Und das einzige, was half, war Alkohol. Viel Alkohol. Er wärmte. Und er liess vergessen. Und beides war dringend nötig. Heute hatte Klaus wieder eine Wohnung.
Die Stadt hatte ihm die Aufgabe mit dem Müll übertragen und so konnte er übers Sozialamt eine Wohnung bekommen. Dafür war er sehr dankbar. Er war stolz, diese Aufgabe machen zu können. Er nahm sie ernst. Es gab nur zwei Tage seit dem Beginn, an denen er seinen Dienst nicht antreten konnte. Einer war nach seinem Geburtstag gewesen, ein anderer, als es ihm mal nicht gut ging. An beiden hatte er tags zuvor zuviel getrunken. Er konnte nicht aufstehen. Früher war das die Regel gewesen, heute war es die Ausnahme. Und er war stolz, waren es nur zwei Ausnahmen, denn er wollte nicht dahin zurück, wo er herkam.
Klaus wusste, dass er in den Augen all derer, die ihn Büchsen auflesen sahen, einer war, der es im Leben zu nichts gebracht hatte. Darum sprachen sie nicht mit ihm, sondern neben ihm. Er wusste auch, dass es die Welt halt so funktionierte. Die einen schafften es, die anderen nicht. Er hatte es nicht ganz geschafft. Aber er hatte es zumindest geschafft, es nicht gar nicht geschafft zu haben. Er trank noch immer. Die Büchse Bier zum Frühstück musste sein. Auch in den Pausen gönnte er sich eine. Abends das Feierabendbier – wer könnte es ihm verübeln, nachdem er den ganzen Tag den Dreck anderer Leute weggeputzt hatte. Ab und an auch Dreck, den ihm die Leute unachtsam quasi vor die Füsse kippten. Zigarettenstummel aus manikürten Händen – einfach weggeworfen. „Da ist ja einer, der kümmert sich“, dachten sie wohl.
Und Klaus kümmerte sich. Und er war stolz, denn: Von ihm lag nie eine Bierbüchse oder ein Zigarettenstummel rum. Er hinterliess alles immer sauber. Das war schliesslich seine Aufgabe und die nahm er ernst.
er lag so da
allein sein
alter ego war
weit weg
schwarz und klein ein
wenig dreck
und aus
gebeult
blechlawinen ziehn
vorbei und
alle schaun sie
denken wem
gehört der schuh
©Sandra Matteotti
ich seh dich an
du bist längst weg
nur hülle noch
und leer gefühlt
in deinen worten
flehst du noch
und liebst und willst
so viel und doch
das was du tust
ist deine wahre
sprache einer längst
vergangenen zeit
©Sandra Matteotti
Der Briefwechsel bietet das Doppelporträt zweier […] Enthusiasten der Literatur. Denn so forsch sich Marcel Reich-Ranicki in seiner diktierten Büropost auch gibt, spürbar wird selbst noch in den knappsten Briefen das Verlangen, sich mit einem Gleichgesinnten über Autoren und Bücher auszutauschen.
Wer kennt sie nicht, die markigen Sprüche des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki. Keiner konnte so loben wie er, keiner aber auch so – oft zugegebenermassen theatralisch – verreissen, wie er. Seine Liebe zur Literatur war immer spürbar, bei beidem, erachtete er doch auch – oder gerade – einen Verriss als Dienst an der Literatur: Sie soll besser werden. Zudem ist ein Lob für ein schlechtes Buch eine Beleidigung für alle guten Bücher.
Marcel Reich-Ranicki schätzte Thomas Manns Werk hoch, er war immer an seinen Büchern sowie an seinem Leben interessiert, was sich in vielen Aufsätzen und auch Büchern zeigte. Dieses Interesse teilte er mit Golo Mann, bei dem das Interesse und der Bezug natürlich schon aus familiären Gründen gegeben war – eine Familiengeschichte, die nicht nur einfach war, litt Golo Mann doch bis weit ins Erwachsenenalter (wenn nicht bis am Schluss) unter seinem Vater oder zumindest unter der Beziehung zu diesem.
Das Buch vereint den Briefwechsel zwischen den beiden Literaturliebhabern und Aufsätze, die in diesen Briefen thematisiert werden. Aus den Briefen ist nicht nur der Austausch – durchaus kritisch, immer aber freundlich – über Literatur herauszulesen, sie sind auch Zeugnis einer sich über die Jahre vertiefenden Freundschaft aus der Ferne (getroffen haben sie sich nur selten) sowie ein Einblick in die Persönlichkeit der Menschen, die sie hinter ihren allseits bekannten Rollen waren. Golo Mann offenbart in vielen Lebensätzen und Nachträgen seine – mehr als schwierige Beziehung zu seinem Vater, den er aber, wenn er ihn in Artikeln angegriffen sah, doch in Schutz nahm.
Ich wusste schon viel über die Familie Mann und einzelne Mitglieder derselben, einige neue Mosaiksteinchen sind dazugekommen. Die Beziehung Thomas Manns zu seinen Kindern, die Beziehung zwischen Klaus Mann und Golo Mann, Überlegungen zu Klaus Manns Fühlen und Denken, das ihn bis hin zum Selbstmord brachte, sind nur einige davon.
Fazit:
Ein wunderbares Buch, das leider nur noch antiquarisch zu erhalten ist, das ich aber jedem Literaturfreund, Thomas-Mann-Liebhaber und Verehrer von Marcel Reich-Ranicki oder Golo Mann nur ans Herz legen kann.
(Herausgeber ist Volker Hage, von ihm stammt auch das Vorwort)
HIER finden sich noch einige gebrauchte Exemplare
Tanz
auf dem Drahtseil
der möglichen
Bedeutungen.
Wort
in der Schale
des abwägenden
Verständnisses.
Ton
als der Brennstoff
im zerrütteten
Miteinander
©Sandra Matteotti
Es gibt so viele
Blender hier,
dass man sich fragt:
Wo kommt denn nur
das Grau des
Himmels her?
©Sandra Matteotti
Nachts sind
alle Katzen grau
– und –
im Grau in Grau
sind alle
etwas bunter.
@Sandra Matteotti
Es gibt so Tage,
da möchtest du bloss,
wie’s deine Natur,
lieb nur sein,
nur…
es gelingt dir nicht.
Das sind die Tage,
an denen dir dann
so wider Natur
geht der Strich –
nur…
du kommst nicht raus.
Das sind die Tage,
wenn’s tief in dir drin
laut rumpelt und kracht,
Feuer entfacht –
und…
du speist es aus.
Es gibt so Tage,
da bleibt schliesslich nur
Asche zurück
und du mittendrin
bist…
ausgebrannt.
Das sind die Tage,
wenn weiter wer brennt,
der trägt dann den Kelch
mit dieser Flamme,
die…
Hass übergibt.
©Sandra Matteotti
common sense?
there’s none.
and would be some?
it would be wrong!
©Sandra Matteotti
Über alle die wichtigen
Dinge, die laut schreien
aus mir heraus
wollen schweige ich;
über all die Bosheiten,
die in mir stechen
sich mit ihren Spitzen
festsetzten, schweige ich.
Und ich höre die Stille
und ich spüre das Schweigen
als Loch in der Mitte
und als Stocken im Hals.
Und doch schweige ich
und fühle die Leere
und atme noch schwerer
und bald schon, da weiss ich,
was langsam sich zeigte
in all diesem Schweigen
geschrieener Worte:
Stille ist Tod.
©Sandra Matteotti
festgehalten
mit dem stativ
unverrückbarer
kindheitstraum
ohne mal
nachzuspüren
ob er noch immer
passt oder je
der eigene war
©Sandra Matteotti
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Für die abc.etüden, Woche 30.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Anna-Lena von „Meine literarische Visitenkarte“ und lauten: Stativ, Kindheitstraum, nachspüren.
Der Ursprungspost: HIER
Es ist zu schwer,
ich halte mir –
die Augen zu.
Ich bin so leer,
verstumme ganz
von innen her.
Wo sitzt es fest?
was weiss denn ich
und wusst ich je?
Es geht nicht weg,
weil wegzuschaun
das hilft schlicht nicht.
©Sandra Matteotti