Ich kratze mir
die Haut vom Leib.
Will nur sehn,
ob Leben fliesst.
Denn: Fühlen
wag ich nicht
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie eines kreativen Lebens
Dr. Sandra von Siebenthal
Philosophische Gedanken zu Politik, zur Lage der Welt, zur gesellschaftlichen und menschlichen Situation
Ich kratze mir
die Haut vom Leib.
Will nur sehn,
ob Leben fliesst.
Denn: Fühlen
wag ich nicht
©Sandra Matteotti
Da sass sie nun.
Sie hatte schon so viel geschrieben, nichts schien den anvisierten Empfänger erreicht zu haben.
In allen Farben hatte sie es ausgemalt, herbstfarbenbunt.
Ab und an dachte sie, sie sollte einfach loslassen.
Es war vorbei, unwiederbringlich.
Doch dann – kam es über sie…
Sie wünschte sich die Laterne, die den Strahl zündete, hin zu ihm, der nichts mehr hören oder sehen zu wollen schien, für den sie aber allein schrieb.
Und so schrieb sie Tag für Tag über ihr Leben, ihr Befinden, in der Hoffnung, er würde es lesen – wohl wissend, dass das wohl eine Illusion war, allein, sie konnte nicht anders, da sie nur an ihn dachte, Tag und Nacht; und schlussendlich hätte das ganze Leben keinen Sinn mehr, würde es gewiss sein, dass er sie nie erhören würde.
Sie wusste um die Gefahr der Illusion, nur hiess es doch schlussendlich doch, dass die Hoffnung zuletzt stürbe, und genau die hatte sie sich bewahrt, weswegen sie tagtäglich betete – und nein, sie glaubte nicht an Gott -, er möge sich doch melden, damit sie ihm sagen könnte, dass nun alles anders wäre, sie einen Weg sähe, einen, den sie bislang nie gesehen hätte, aber nun wirklich plastisch erkenne und gehen möchte.
Und während sie nach mehrfachem Lesen nicht mehr wusste, ob die Sätze nun korrekt seien oder noch einer Korrektur bedurften, wartete sie noch immer auf sein Zeichen, auf das Zeichen, das sagte, dass nun der Punkt da sei, alles Alte loszulassen, die Laterne zu greifen und ein Leben anzugehen, das in herbstfarbenbunten Farben leuchtet.
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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.
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Sie hatten sich schon lange nichts mehr zu sagen.
Und was sie sich sagten, war alles andere als schön.
Oft dachte sie, es wäre Zeit, loszulassen, Zeit, weiterzugehen.
Sie wünschte sich eine Laterne, die den Weg leuchte, eine Laterne, die ihr Licht im Dunkel wäre.
Eine Laterne, die all das Grau wieder herbstfarbenbunt erstrahlen liesse.
Und doch war da nur Dunkel.
Und keiner sagte was.
Und wenn, hätte sie es lieber nicht gehört.
Und sie knipste das Licht aus, damit das Dunkel im Innern dem draussen entspricht.
Und vielleicht träumte sie von einer Welt in allen Farben, von einer Welt voller Licht, einer Welt voller schöner Worte oder aber gemeinsamen Schweigens, von einer Welt, wie sie ihr gefällt, einer Welt, die möglich wäre, liesse sie los und nähme die Laterne, zündete auf den Weg und ginge – aber dann wachte sie auf und blieb.
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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.
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wie laternen
herbstfarben
bunt
hängen
an ästen
die blätter des
frühlings
zeit los
zulassen
@Sandra Matteotti
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Ich bin die, welche so laut schreit, wenn sie eine Spinne sieht, dass das ganze Quartier – was sag ich, die ganze Stadt mit zu Berge stehenden Haaren aus den Sesseln springt. Sogar wenn man mich warnt und sagt: Achtung Sandra, nicht umdrehen, nicht hinschauen, hinter dir ist eine grosse Spinne – ich kann nicht anders als mich umzudrehen und beim Anblick loszuschreien. Ich bin darauf nicht stolz, im Gegenteil, ich finde es sehr peinlich.
Ich wollte mir meine Spinnenphobie schon abgewöhnen. So im Stil einer Desensibilisierung. Ich dachte, wenn ich mir eine kleine (also so wirklich klein, kaum stecknadelkopfgross) tapfer über die Hand spazieren lasse, dann bin ich nachher gut Freund mit Spinnen. Denn:
Size doesn’t matter
Oder so. Er mattert offensichtlich doch. Das Experiment mit dem Kleinsteil ging erstaunlich gut, beim Anblick der nächsten unwesentlich grösseren Spinne hüpfte ich schon wieder im Dreieck und stiess schrille Laute aus.
Mein Hund hat seinen Fressnapf direkt neben einem Bücherregal. Immer morgens und abends gehe ich dahin und gebe ihm Futter. In den Napf. ich knie mich nieder (der Napf ist relativ klein, da der Hund ebenso ist – wobei der Hund durchaus einen grösseren Napf haben wollte, so ist es nicht. Eines Abends bei diesem Vorgang sah ich sie. Eine Spinne. Nicht sehr gross, aber doch grösser als mein Handlaufexperiment. Kaum hatte ich mich hingekniet, verschwand sie hinter dem Regal. Ich dachte noch so bei mir:
Wart du nur, dich erwische ich.
Es ging nun jeden Morgen und Abend so. Die kleine Spinne sass, wenn ich kam, an der Wand, immer an derselben Stelle. Kaum ging ich in die Knie, verschwand sie hinter dem Regal. Irgendwann nannte ich sie Fritz. Das war der Anfang vom Ende. Nun gehörte sie quasi zu uns. Sie hatte einen Namen. Mittlerweile finde ich Fritz süss, wie er schnell hinters Regal huscht.
Irgendwie tut er mir aber auch ein wenig leid. Ich vermute, er leidet an einer Menschenphobie. Ich hoffe, er wird eines Tages lernen, damit umzugehen. Und wer weiss: Vielleicht gibt er mir dann auch einen Namen. Und irgendwann schauen wir uns in die Augen und sagen hallo.
Kann, was war, wieder werden?
Muss, was ist, bewahrt werden?
Kann, was fehlt, gefunden werden?
Muss, was soll, gelebt werden?
Wer sagt, was wer kann?
Wer weiss, was wer muss?
Wer findet, was wer sucht?
Wer lebt, wenn nicht ich?
©Sandra Matteotti
Im Jahr 2015 war es bereits das 35. Jahr, in welchem das Jahrbuch der Lyrik herausgekommen ist. Ziel der jeweiligen Ausgaben ist es, Gedichte aus der aktuellen Zeit zu vereinen und so dem Leser einen Eindruck zu geben vom zeitgenössischen Dichten und Denken der Lyriker.
Es finden sich im vorliegenden Band Gedichte, die sich mit der Zeit und den Menschen, mit den politischen Verhältnissen und dem Leiden unter ihnen auseinander setzen. Es finden sich aber auch Gedichte, welche den Mensch an sich thematisieren mit seinem Leiden, seinem Denken, seinem Sein in dieser Welt.
Aus über 1000 Einsendungen haben Christoph Buchwald und Nora Gomringer einen interessanten Ausschnitt ausgesucht und präsentieren damit eine grosse Bandbreite an Zeitgenössischer Lyrik – thematisch, formal und sprachlich.
Fazit:
Ein breiter Ausschnitt zeitgenössischen Dichtens. Sehr empfehlenswert für jeden Lyrik-Interessierten.
Die Herausgeber
Christoph Buchwald, geboren 1951 in Tübingen, ist seit 1979 ständiger Herausgeber des Jahrbuchs der Lyrik. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft und experimentellen Komposition war er als Lektor tätig und hat dabei zahlreiche Lyriker begleitet. Heute ist er Verleger des literarischen Verlags Cossee in Amsterdam.
Nora Gomringer, Jahrgang 1980, ist Schweizerin und Deutsche, schreibt Lyrik und für Radio und Feuilleton. Seit 2000 hat sie sechs Lyrikbände und eine Essay-Sammlung bei Voland & Quist veröffentlicht. Sie rezitiert, schreibt und liest preisgekrönt vor. Zuletzt wurden ihr der Joachim-Ringelnatz-Preis (2012) und der August-von-Platen-Preis (2013) zugesprochen. Sie hatte die Poetikdozenturen in Landau, Sheffield und in Kiel inne und lebt in Bamberg, wo sie seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia leitet.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Deutsche Verlagsanstalt (23. Februar 2015)
ISBN-Nr: 978-3813507850
Preis: EUR 19.99 / CHF 28.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Sabine beim Abendessen plötzlich: „Wir brauchen mehr Achtsamkeit in unserer Welt!“
Klaus: „Wie meinst du das nun?“
Sabine: „Du isst hier, was ich heute gekocht habe, und ich wette, du könntest nicht sagen, was da alles drin war. DU hast es schlicht nicht wahrgenommen.“
Klaus: „Was weiss ich, was du verwurschtelt hast, ich esse doch aber mit Appetit, also schmeckt es?! Aber jetzt wo du es sagst: Was ist das Rosa-Grüne hier?“
Sabine: „Siehst du, das meine ich. Du schmeckst nicht mal mehr, man muss dir sagen, was du isst. Ist doch klar: Broccoli mit Lebensmittelfarbe.“
Klaus: „Wieso tut man Lebensmittelfarbe an Broccoli?“
Sabine: „Das ist Kunst am Essen.“
Klaus: „Aha… Kunst liegt ja auch immer im Auge des Betrachters….“
Nachbemerkung: Klaus hat das Rosa-Grüne nun in den Haaren, der Teller liegt in Scherben am Boden neben Klaus.
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Für die abc.etüden, Woche 38.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Herbert von HTR Knife http://htr-knife.de und lauten: Achtsamkeit, verwurschteln, rosa-grün.
Der Ursprungspost: HIER
müde bin ich
ach so müde
zu müde
von allem
für alles
einfach so
müde
unendlich
endlich
schlafen
unendlich
lange
©Sandra Matteotti
und dann
gibt es noch die
die vorgeben
dich zu lieben
ohne zu sehen
wer du bist
oder was
du tust.
©Sandra Matteotti
Wenn alle geh’n
und keiner bleibt,
vermeidet man
am besten Streit.
@Sandra Matteotti
Auf der Strasse
durchs Leben
trennten sich
unsere Wege.
©Sandra Matteotti
Schon wieder so ein Tag. Einer gleicht dem anderen. Das Frühstück kommt um sieben, also zu einer Zeit, zu der kein normaler Mensch Hunger hat. Zwei Scheiben Brot, Butter, Marmelade. Hans nimmt immer zwei Tassen Kaffee mit viel Milch dazu. Das erzählt er jedem, der es hören will. Den anderen auch. Nach dem ersten Tag mit zwei Scheiben hat er allerdings gesagt, eine Scheibe reiche auch. Schliesslich esse er zu Hause auch nur eine und hier mache er ja nichts als rumzuliegen.
Hans liegt nicht alleine hier, er teilt das Spitalzimmer mit drei Männern in seinem Alter. Also eigentlich dachte er, als er eintrat, das seien alles alte Männer, bis er merkte, dass er der Älteste in der Runde ist. Wenn man aber die anderen sähe, würde man das nicht glauben. Sagt Hans. Und er muss es ja wissen, er liegt hier täglich.
Die Tage sind lang, schon der Morgen zieht sich hin. Irgendwann kommt die Visite. Heute sind sie zu fünft. Der leitende Arzt – den hat er noch nie gesehen, bislang kam eine junge Assistenzärztin, eine sehr nette – mit vier angehenden Ärztinnen. Die waren auch schon dabei, alle jung, sehr jung. Am Anfang hätte er gedacht, das seien Schwestern, so jung hätten die ausgesehen. Aber nein, das seien alles schon angehende Ärztinnen. Aber alle sehr nett, beeilt er sich zu sagen. Der Arzt redet dann auch von diesem und jenem, vornehmlich um den heissen Brei. Hans findet, das hätte ihm die nette Ärztin am Vortag alles schon erklärt und da hätte er es auch verstanden. Er hört drum gar nicht mehr richtig zu. Dann sind der Redner und seine Entourage auch schon weg und beim nächsten Bett.
Hans seufzt schon innerlich. Der da Liegende hat immer zu jammern. Ständig läutet er nach dem Personal, ständig tut was weh, fehlt was – und dann ist doch nichts. Ausserdem beklagt der sich über alles. Klingelt nach den Schwestern, weil die Bauarbeiter vor dem Spital zu laut sind. Reklamiert, weil sonst zu viel Lärm herrscht. Aber kürzlich, da liess der doch Musik laufen in einer Lautstärke, da kriegte man Kopfschmerzen von. Hans hat ihm dann gesagt, er solle die Musik runterschrauben. Es war zwar gute Musik, aber laut war sie. Zu laut. Und das von dem, dem sonst alles zu laut ist. Denkt Hans. Und erzählt es, wenn er jemanden hat, dem er es erzählen kann.
Schon bald kommt das Mittagessen. Er mag die Krankenhausküche nicht. Sie sähe immer schön angerichtet aus, aber nach dem ersten Bissen sei fertig. Alles hat so einen komischen Beigeschmack, findet Hans. Er kann sich das nicht erklären. Schliesslich kochen da Köche. Er zwingt sich immer, eine oder zwei Gabeln zu essen von allem. Immerhin sei es gut für die Figur, erzählt Hans seinem Besuch. Er hätte schon zwei Kilo abgenommen. Der Schalk sitzt ihm im Nacken beim Erzählen. Wenn man Hans kennt, weiss man wohl, an welche Leckereien er denkt, mit denen er die Gewichtsverluste wieder beheben will.
Aber nun kommt erst mal das Mittagessen, dann ein lang(weilig)er Nachmittag, dann das Abendessen mit gleichem Nicht-Ess-Ritual und dann die Nacht. Und morgen startet alles wieder neu. Und Hans wird alle Gedanken wieder neu denken. Und wenn Besuch kommt, erzählt er davon.
Und jeden Tag kommt Sabine vorbei, setzt sich zu Hans, hört sich alles an und nickt. Und sie ist froh, ihn hier reden zu hören, denn zu Hause ist der Platz auf dem Sofa plötzlich leer. Und im Bett schnarcht niemand mehr und hält sie vom schlafen ab. Fast glaubt sie nun, ohne das nicht mehr schlafen zu können.
Es ist wieder Samstag und ich möchte weitere 10 Artikel vorstellen, über die ich die Woche durch im Netz gestolpert bin. Allen gemeinsam ist, dass sie sich um Literatur im weitesten Sinne drehen.
Affinity Konars Roman „Mischling handelt vom Schicksal der Zwillingsschwestern Perle und Stasia, die 1944 nach Auschwitz deportiert und dort zu Mengeles Versuchsopfern werden.
Der Artikel: HIER
Martin Suter hat auf Stichworte reagiert und plaudert aus dem Nähkästchen zu frühen Erinnerungen, Reisen, Beziehungen.
Der Artikel: HIER
Die bekannte Krimiautorin Nele Neuhaus erzählt über die Angst vor dem weissen Blatt Papier, wie sie mit den Verrissen ihrer Bücher durch Denis Scheck geht und über Krimis allgemein.
Der Artikel: HIER
Ein Artikel über die Lage der bolivianischen Literatur – Verlage, Autoren, Hoffnungen
Der Artikel: HIER
Für all die, deren Schulzeit schon ein bisschen zurück liegt und die die Handlung von Goethes Faust vergessen haben: Eine Zusammenfassung.
Der Artikel: HIER
Bücher im Kleinstformat lagern im Magazin des Mainzer Gutenberg-Museums. Ein Lesevergnügen wird das wohl kaum mit Lupe und Pinzette, aber süss anzuschauen sind sie allemal.
Artikel: HIER
Das fand ich nicht, das möchte ich einfach jedem nochmals ans Herz legen, der Kafka mag – die Ausstellung dauert noch bis am 28. August. Gezeigt wird das 100 Jahre alte Manuskript von Kafkas Roman „Der Prozess“.
Der Artikel: HIER
15 Orte, an denen Gotthold Ephraim Lessing gewesen ist – Eine Literaturreise, die beim Lessing Museum in Kamenz beginnt und in Braunschweig endet.
Der Artikel: HIER
Von Jahr zu Jahr gibt es mehr kritische Stimmen zum deutschen Buchpreis, die Auswahlkriterien, Themenwahl sowie die Geschlechterverteilung bei den Autoren werden heiss diskutiert. Hier einige Gedanken dazu sowie die diesjährige Longlist.
Der Artikel: HIER
Wer gerne liest, kennt das Problem: Die Regale platzen aus allen Nähten, Bücher müssen weg. Was läge näher, als ein neues Zuhause für sie zu suchen? Tipps und Tricks, wie man gebrauchte Bücher am besten online verkaufen kann.
Der Artikel: HIER
Ich weiss, die 10 sind eigentlich voll, aber den hier wollte ich euch nicht enthalten:
Als hätten wir das nicht schon immer gewusst: Bücher tun gut und sie können mitunter auch helfen.
Der Artikel: HIER
Es war eine schöne Ferienwoche gewesen. Sie hatten alte Bekannte getroffen, die auch schon seit Jahren zur selben Zeit hier in den Ferien waren, und konnten am Sonntag am Dorffest teilnehmen. Am Montag waren sie – wie jedes Jahr – aufs Stockhorn gewandert, danach kamen das Brienzer Rothorn und der Niesen an die Reihe und heute stand ein Ausflug nach Thun auf dem Programm. Plötzlich sagte Sabine zu Klaus:
„Meinst du nicht, wir sollten mal etwas verändern in unserem Leben? Ich habe gerade in einem Artikel gelesen, man solle aus Gewohnheiten ausbrechen, das brächte neuen Wind ins Leben, man sei dann kreativer.“
Klaus schaute sie an: „Ich will nicht malen oder töpfern.“
„Wie kommst du denn nun auf malen und töpfern?“
„Du sagtest doch, man sei dann kreativer.“
Sabine verdrehte die Augen: „Das ist doch nicht so gemeint. Auf alle Fälle finde ich, uns täte etwas frischer Wind gut. Wir könnten nächstes Jahr mal an einem anderen Ort Ferien machen. Lass uns ans Meer fahren.“
Klaus sagte nichts mehr. Er kannte Sabine lange genug und wusste, wann es besser war, zu schweigen.
Nach dem Kaffee brachen Sabine und Klaus auf, um nach Thun zu fahren. Da wollten sie auch gleich in einem Reisebüro Prospekte mit möglichen Feriendestinationen besorgen und diese dann in ihrem Stammcafé auf dem Mühleplatz studieren.
Thun begrüsste sie mit prächtigem Wetter und dem gewohnten Charme. Mit einer riesigen Beige an Prospekten machten sie es sich an der Sonne bequem. Sie blätterten sich durch spanische Inseln und toskanische Felder, streiften durch die Provence und machten einen Abstecher nach Griechenland. Balearen oder Kanaren? Italien oder Frankreich?
Bald schon rauchte den beiden der Kopf, zumal alles irgendwie ähnlich aussah. Grosse weisse Betonbauten oder aber kleine Bungalo-Siedlungen mit Pools, Strand, Palmen, Badetuch an Badetuch. Die anpreisenden Texte klangen auch alle etwa gleich. Worauf sollte man da achten? Nach welchen Kriterien entscheiden? Blätterten beide anfangs noch eifrig, wurde das Umschlagen der Seiten stiller und stiller – und die Stimmung bedrückter.
„Was machen wir denn da den ganzen Tag?“, fragte Sabine.
„Ich weiss auch nicht. Ausruhen? Uns erholen? Baden?“
„Du weißt doch, dass ich nicht gerne bade?“
„Aber du wolltest doch ans Meer? Kreativ werden und so…“
Sabine packte schnaubend ihre Prospekte zusammen, stand auf, schmetterte das Papier in den nächsten Eimer und stapfte davon. Klaus hatte Mühe, sie noch einzuholen, er wusste nur eines: Besser war es, nun nichts zu sagen. So fuhren sie schweigend wieder zurück in die Berge, zurück in „ihr“ Hotel. Als sie oben ankamen, stiegen sie aus dem Auto und Sabine fragte Klaus:
„Sag mal, könnten wir nicht schon fürs nächste Jahr buchen? Nicht dass unser Zimmer schon belegt ist und wir in ein anderes ausweichen müssen.