Aufforderung an den Dichter

er sagte so
du mach mal was
mit sichelmond*
du reimst so schön
das müsste gehn

nimm halt noch
ein bisschen schmus
so herz und schmerz
und bitte sehr
nicht zu konfus

bleib im takt
ohne zäsur
das wirkt sonst gleich
so hart und nach

nem bruch
das mag ich nicht
das macht mir das
gefühl kaputt

so schreib mal was
ich kann ja dann
noch kontrolliern
ob alles passt

wie ich es möcht

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Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von autopict und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

*Ich entschuldige mich für die Umdrehung, ich hoffe, das geht so noch so knapp irgendwie….

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Gefühle

Im Wagen
zum Abgrund
und kurz vor dem Ende
die Wende

Achterbahn
Rummel im Kreis
und mal hoch
und mal runter

vom Berg
bis ins Tal
hin zu holprigen
Strassen

schluchten
mal wieder
und doch
einzigartig

bei jeder
Fahrt.

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2017_27-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni von Wortbehagen.de und lauten: Achterbahn, Strassenschlucht, einzigartig.

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Ernst Jandl: Mein Gedicht und sein Autor (Rezension)

Was einer tut, wenn einer dichtet

Dichtung, ausgelöst durch die Zusammenstösse eines Menschen mit der Umwelt; Dichtung, die mit dem Anlass, der sie auslöst, identisch ist; Dichtung, die den Menschen in den Ring stellt

JandlGedichtAutorKaum einer, der Ernst Jandls Gedicht von Ottos Mops nicht kennt. Kaum einer, der nicht darüber lachte, sich auch fragte, was den Dichter bewegt hat, ein solches Gedicht zu schreiben. Was bewegt einen Dichter überhaupt? Was macht Dichtung aus? Kann man es allgemein sagen?

Der vorliegende sechste und letzte Band der Neuausgabe der Werke Ernst Jandls vereint Aufsätze, Reden und Vorträge des Autors, darunter auch seine Frankfurter Poetik-Vorlesungen.

In verschiedenen Statements lernt der Leser den Autoren besser kennen, erfährt über dessen Gedanken und Beweggründe für einzelne Gedichte, sein Leben als Lehrer, sein Schreiben als Kunst sowie seine Meinung zur Dichtkunst und ihre Situation. Neben seinen eigenen Gedichten analysiert Jandl auch einige seiner Partnerin Friederike Mayröcker, zeigt sowohl bei sich wie auch bei ihr auf, was ihrer beider Dichtung bewirken soll.

…stiftet der Dichter, der uns angeht, Unruhe dort, wo die einen die Furcht lähmt und die andern ruhig schlafen.

Neben diesen Statements finden sich Reden und Vorträge, gehalten anlässlich von Preisverleihungen sowie Laudationen. Autobiographische Texte runden den Band ab, sie enthalten neben Selbstporträts auch Einsichten, wie man einen Verlag findet als Dichter.

Wer mehr über diesen innovativen und kreativen, immer an der Sprache und an deren Wirkung interessierten Dichter erfahren möchte, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Müsste man einen Kritikpunkt anfügen, so ist das Layout eher gewöhnungsbedürftig. Das Verwenden einer serifenlosen, etwas grösseren Schrift lässt den Text sehr dicht wirken. Dass die Nachbemerkungen dann in der üblichen Serifenschrift daherkommen, lässt das Buch uneinheitlich wirken und der Grund für diese Schriftenwahl erschliesst sich nicht. Dies aber nur eine Bemerkung am Rande, die den Inhalt in keiner Weise schmälert.

Fazit:
Ein Muss für alle, die sich eingehender mit dem Dichter Ernst Jandl befassen möchten, die dem Autor von „Ottos Mops“ auf die Finger schauen und mehr über sein Denken und Arbeiten erfahren wollen.

Autor und Mitwirkende
Ernst Jandl wurde 1925 in Wien geboren. Nach Schule, Militärdienst und Kriegsgefangenschaft studierte er Germanistik und Anglistik. Von 1949 bis 1974 arbeitete er als Gymnasiallehrer. Seit 1952 schrieb und veröffentlichte er Gedichte, seit 1954 bis zu seinem Lebensende war er mit Friederike Mayröcker befreundet. Sein Werk wurde mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter 1968 dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (gemeinsam mit Friederike Mayröcker), 1982 dem Mülheimer Dramatikerpreis, 1984 dem Großen Österreichischen Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis. 1995 erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis und ein Jahr danach das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Klaus Siblewski, geboren 1950 in Frankfurt am Main, lebt in Holzkirchen bei München. Er ist Verlagslektor, lehrt als Professor am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft an der Universität Hildesheim und veranstaltet seit Jahren die „Deutsche Lektorenkonferenz“. Er hat u.a. die Werke von Ernst Jandl, Peter Härtling und Peter Turrini herausgegeben. Zuletzt sind von ihm erschienen: „Die diskreten Kritiker. Was Lektoren tun“ (2005) und die Bände „Wie Romane entstehen“ (2008 zusammen mit Hanns-Josef Ortheil) und „Wie Gedichte entstehen“ (2009 zusammen mit Norbert Hummelt).

Angaben zum Buch:
Broschiert: 464 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (21. März 2016)
Herausgeber: Klaus Siblewski
ISBN-Nr: 978-3630874869
Preis: EUR 16.99/ CHF 25.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Limericks – mir war danach

Ich stiess als Kind
auf Limericks
und fand die dann
auch ach so toll.

Nur: Limericks,
die sind vorbei,
da ist man heut
so drüber weg.
Das ist heut halt
nicht mehr ganz hipp,
man wächst ja auch

– und sollte das!!! –

so über sich
hinaus – was sonst.

Das nennt man dann
laut Weitergehn –
und Schritt nach vorn,
so ist das heut.

Ich mache nun
nen Schritt zurück.
Und mach mal so
nen Limerick.
Mir war grad so
genau danach
und es hat sogar
viel Spass gemacht.

(Eine Einleitung – man kann sie singen, wenn man singen kann. Ansonsten liest man sie besser. Auch gerne laut. Wenn man laut lesen kann. Ansonsten lieste man sie besser leise. Zum Schutz. Der Umwelt.)

Et voilà:

Der mallorquinische Vamp
Da war noch die Frau auf Malle,
die hatte ne scharfe Kralle,
die war ganz pink
die war auch flink,
und krallt’ sich die Männer alle.

Der Geniesser
Es gibt diesen Mann aus Bern
den hatten sie alle gern,
er war ganz rund
und pumperlgsund,
er konnt’ sich Genuss nur schlecht verwehr’n.

Beruf und Privatleben sollte man trennen
Kennen’s Frau Horn aus der Pathologie?
Die sagte allen nur immer sie.
Sie hielt halt Distanz
und ging nie zum Tanz.
„Weil irgendwann sezier ich die!“

Namen sind Schall und Rauch
Es war mal ein Kamel im Zoo,
das nannten sie alle nur Boo.
Es hiess eigentlich Fritz,
das ist nun kein Witz,
aber es reimte halt einfach nur so.

Wie weiter?

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.
Was ich muss,
will ich nicht tun.
Was ich kann,
muss ich noch finden,
was ich darf
lässt keine Wahl.

Was ich will,
muss ich noch werden.
Was ich soll,
erdrückt mich oft.
Wer ich bin,
wird einmal sterben.
Was ich weiss,
ist einzig das:

Wo ich bin
kann ich nicht bleiben.

©Sandra Matteotti

Lebenssuppe

Wenn Tränen fliessen,
sich ergiessen
Bäche werden
in der Wanne des Lebens,
als Badesalz,
das in die Wunden
sich streut.

Wenn man platt
vom Leben gewalzt
am Boden liegt
und nur noch ein Wort
im Sinn ist:
flundernplatt.

Ist doch oft das Leben
der beste Lehrmeister
gerade dann,
wenn es ist, wie man es
nicht haben will.

©Sandra Matteotti

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2017_25-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Elke (elke-boehm.de) und lauten: Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister.

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Bittersüsses Leben

Gefangen im dunklen Bunker der Ängste
krebs’ ich zurück und decke mich zu.
Was hier eingestürzt ist die längste
Zeit, machte so müde, nun such ich nur Ruh.

Träume vom Leben mit Farben und Sommer
blüten, so süss und so fein.
Es ist oft einfach Wunsch nur, ein frommer,
und doch kann’s so ab und an sein.

So ist wohl das Leben denn mitunter bitter
und süss auch mit Sonne, Gewitter
Wolken, die ziehen – und dann kommt der Knall.

Ich stelle mir vor, sie wären nur Decken, die
einhüllen, schützen, dass von den Blüten sie
Erinnerung sind, ein Nachhall.

©Sandra Matteotti

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2017_24-17_3_drei

Für die abc.etüden, Woche 24.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Sabine Wortgeflumsel (wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com) und lauten: Bunker, Sommerblüten, bittersüss.

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