Aus des Dichters Leben

Wer denkt, was einer dichtet,
sei auch so wahr und ganz sein Leben,
der glaubt wohl auch, dass einer liebt,
der grad gestorben war.

Wie bunt wär so ein Leben,
so voller Liebe und auch Not,
grad noch in Liebelei verlor’n,
stürb er den nächsten Tod,

Doch leider sind’s nur Zeilen,
die einer – gar im Abendrot? –
zu Papier gebracht, dabei gedacht:
Der Wein war gut, fruchtig und rot.

@Sandra Matteotti

Alles was zählt

Ich spüre dich
im ganzen Körper,
ich fühle dich
mit jedem Wort.

Verstehe dich,
ohne zu denken,
ich liebe dich,
drum sei mein Hort.

Ich sehne mich,
mit jeder Faser
vermisse dich
mit Haut und Haar.

Ich höre dich,
auch wenn du nichts sagst,
was sind schon Worte –
es ist fühlbar.

©Sandra Matteotti

Die Angstfalle

Ich habe so Angst,
nicht zu genügen
so diese Angst,
nicht gut zu sein.

Es ist diese Angst,
dass einer käme,
und einfach nur fragte:
Was soll das sein?

Ich hab’ diese Angst,
nicht zu genügen,
dass einer schlicht sagt:
„Das reicht so nicht.“

Es ist diese Angst,
die stetig brodelt,
selbst einfach mal schlafen –
das geht schlicht nicht.

©Sandra Matteotti

Was bleibt

Ein Flügelschlag
ein Wort im Ohr
ein kurzer Satz
und alles dreht.

Ein Wendepunkt
und was mal war,
ist nun vorbei,
kommt nimmer mehr.

Ein Meilenstein,
der alles teilt
in vor und nach,
der Bruch besteht.

Was bleibt ist nur
die Dankbarkeit,
dass einmal war,
was immer zählt.

©Sandra Matteotti

lebenstanz

ich mag keine
halben sachen
mag die dinge
richtig machen
denn zwei halbe
sind kein ganzes
sind 3/4
nur des tanzes
den man durch
das leben geht

und sich selbst
im wege steht
macht man nur so
halbe sachen

ich mag nur die
ganzen sachen
so mit haut und haar
und einem wachen
verstand noch
obendrein der
niemals doch
das herz besiegt
wenn wange sich
an wange schmiegt

©Sandra Matteotti

Generationen

Es war einmal ein Drachenei,
doch mit dem Ei war’s schnell vorbei,
mit einem Rums und einem Knall,
zerbrach die Hülle, Feuerschwall
trat heraus und dann ein Drache.

Doch da war diese eine Sache
mit dem strengen Elternpaar,
das sich zwar freute, ist ja klar,
doch befand bei solch Geschehen,
sei das Feuer ein Vergehen.

Ein wenig Anstand und auch Sitte,
so die einstimmige Bitte,
wären wichtig, täten Not,
und keine Flamme in tiefrot.
Das Drachenkind zog eine Schnute,

ärgerlich war ihm zumute,
dass die zwei altbackenen Greise,
begrüssten es auf solche Weise.
Es ist denn auch bei kleinen Drachen
oft gar wenig Grund zu lachen,

wenn die Eltern schlicht nur motzen,
– so beginnen sie zu trotzen.
Diese Alten sollen niemals denken,
sie alleine könnten lenken,
denn auch Kinder wollen Macht,

woraus erfolgt, dass es mal kracht.
Doch ist der Streit dann erst verflogen,
und glätten sich die wilden Wogen,
herrscht auch wieder Sonnenschein,
so war es immer, denn so soll es sein.

 

©Sandra Matteotti

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Für die abc.etüden, Woche 26.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 26.18 kommt von Frau Flumsel (wortgeflumselkritzelkram)

Sie lautet: Drachenei, altbacken, knallen

Der Ursprungspost: HIER

Was bleibt

fragen
immer
fragen

doch die antwort
seh ich nicht

dunkel
immer
dunkel

und was mir fehlt
das ist das licht

suchen
immer suchen

aber finden
kann ich nicht

hoffen
immer
hoffen

aber glauben
trau ich nicht

leben
weiter
leben

denn was andres
bleibt schlicht nicht

©Sandra Matteotti

du fehlst mir

mir fehlt ganz schlicht

der eine…
mit dem man einfach
reden kann

der erste
wenn was auf
der Seele brennt

der eine
mit dem man
Schönes teilt

Der mit dem
man gerne
Wein geniesst

der welcher
versteht wie man
so selber denkt

wenn ich es
selber nicht
versteh’

©Sandra Matteotti

Hermann Hesse: Glück

Hermann Hesse (1877 – 1962)

Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
Und wäre alles Liebste dein.

Solang du um Verlornes klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man glücklich ist oder das Glück sucht