Immer wieder stelle ich fest, wie leicht ich in die Falle des Leistungsdrucks, des Mich-beweisen-Müssens tappe. Während es mir leicht viel, mich als Literaturwissenschaftlerin (habe ich studiert und mit Papier bestätigt), Philosophin (ebenso) oder Yogalehrerin (auch da mehrere Ausbildungen mit Diplomen und Stempeln von einschlägigen Stellen) zu bezeichnen, fällt es mir in der Kunst schwer. Ich habe keinen Brief und Sigel, dass ich das „kann“ (ausser einige Zertifkate von Kursen an Kunst- und Illustrationsschulen). Kam jemand und meinte, ich könne nicht schreiben, keine Literatur verstehen oder logisch denken, konnte ich belegen, dass ich das sehr wohl kann. Bei den Bildern ist es anders. Einige finden es zu banal, was ich mache, zu gefällig, anderen ist es nicht gefällig genug. Einige fänden es schlichter schöner, andere farbiger. Und in mir kommt immer gleich die Frage auf: Was, wenn sie recht haben?
Tief im Innern weiss ich, dass diese Frage unsinnig ist, da Kunst ein Ausdruck sein soll davon, wie ich die Welt sehe (vielleicht auch sehen möchte?). Genauso tief drinnen steckt aber der Stachel, der ständig piekst. Wie schön wäre es doch, wenn man einen Kalenderspruch nehmen und ihn glauben und leben könnte:
„Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“
Hier müsste ein Punkt kommen, doch meistens kommt ein Komma, gefolgt von einem „aber“…
Nun denn: Zum Glück sind nicht alle Tage so zerfressen und gespalten, oft ist es schlicht nur Schaffensfreude und Erkundung der Möglichkeiten. Leider liegt darüber an den zerfressenen Tagen ein Schleier und man sieht den Weg zurück schwer. Manchmal hilft es dann, sich bewusst zu fragen: Wann habe ich in meinem Tun am meisten Freude? Und egal, was es ist, wie sinnlos es einem vorkommt: Genau das sollte man dann tun. Und mit der Freude lüftet sich der Schleier.
Wo habt ihr eure Selbstzweifel? Oder bin ich die einzige damit?
Habt einen schönen Tag!