Nichts.
Alles.
Wen kümmert es?
Wieso?
Den Einen bin ich alles,
Den Andern bin ich:
Nichts.
Ab und an
fühl ich gleich.
Mit den Einen.
Mit den Anderen.
Bin schlussendlich Ich.
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Nichts.
Alles.
Wen kümmert es?
Wieso?
Den Einen bin ich alles,
Den Andern bin ich:
Nichts.
Ab und an
fühl ich gleich.
Mit den Einen.
Mit den Anderen.
Bin schlussendlich Ich.
Mal ein Kochbuch der anderen Art!
Zu diesem Zeitpunkt bin ich zweiundzwanzig. Der Umstand, erwachsen zu sein, gefällt mir ausserordentlich. Aber ich weiss in Wahrheit überhaupt nicht, was ich will, einmal in diese Richtung, dann in die andere, einmal alles, einmal nichts. Und immer fühlt es sich absolut richtig an.
Julian ist 22, Tiermedizin-Student und frisch getrennt von seiner Liebe, von Judith. War die Trennung richtig? Wichtig? Auf alle Fälle bringt sie viele Umtriebe mit sich, unter anderem Geldsorgen, die er durch einen Ferienjob zu beheben sucht: Er übernimmt die Pflege eines Zwergflusspferdes.
Während Julian mit dem Leben hadert, ist das Flusspferd diesem gegenüber mehr als entspannt, es gähnt, frisst, furzt, suhlt sich im Dreck und schläft. Julian mag das Flusspferd. Er mag auch dessen Besitzer, Professor Beham und noch mehr mag er dessen Tochter, Aiko. Trotz dieser doch positiven Gefühle ist die ganze Geschichte alles andere als einfach.
Selbstporträt mit Flusspferd ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von der Liebe und vom Leben. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der sich und seinen Platz in der Welt sucht und sich dabei vor immer neuen Herausforderungen sieht.
Arno Geiger beschreibt auf einfühlsame Weise den Weg eines jungen Mannes auf dem Weg zu sich selber. Die Geschichte ist nicht mit-reissend oder emotional packend, aber immer menschlich, einfühlsam, tiefgründig und ab und an mit einer Prise Humor versehen. Man begleitet Julian gerne beim Erwachsenwerden und erkennt dann und wann auch Fragen, die sich wohl das ganze Leben über wieder stellen.
Gegen Ende nehmen (für den Geschichtshergang unnötige) politische Ereignisse aus den Nachrichten zu viel Platz ein. Blendet man diese aus, bleibt eine ruhig fliessende, stilistisch gelungene und schön lesbare Geschichte.
Fazit:
Ein stilles und einfühlsames Buch. Ein Buch, das einen auf die Reise des Erwachsenwerdens mitnimmt. Sehr empfehlenswert.
Zum Autor
Arno Geiger
Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, wuchs in Wolfurt/Vorarlberg auf. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Seit 1993 ist Arno Geiger als freiberuflicher Schriftsteller tätig und nahm 1996 und 2004 am Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teil. 1997 debütierte er mit dem Roman Kleine Schule des Karussellfahrens. 1998 erhielt er den New Yorker Abraham-Woursell- Award, 2005 für Schöne Freunde den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis und den Deutschen Buchpreis für Es geht uns gut. 2008 wurde ihm der Johann Peter Hebel-Preis verliehen, 2011 der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Arno Geiger lebt in Wolfurt und Wien. Ebenfalls von ihm erschienen sind Alles über Sally und Der alte König in seinem Exil.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (14. Oktober 2016)
ISBN: 978-3423145268
Preis: EUR: 10.90 ; CHF 14.90
Zu kaufen in einer Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Wer einen Lebensratgeber erwartet nach dem Titel, der kann das Buch getrost weglegen – aber: Ich würde es nicht raten, denn es enthält etwas viel besseres: Die Lebensgeschichte Montaignes – und das auf eine Weise, wie sie ihresgleichen sucht.
Sarah Bakewell gelingt in diesem Buch die Quadratur des Kreises: Sie entführt den Leser in die Zeit Montaignes, zeigt ihm die historischen Gegebenheiten, politischen Verhältnisse und gesellschaftlichen Vorstellungen dieser Zeit, stellt dann Montaigne als Mensch hinein in die Zeit und beschreibt, wie er sich darin bewegte. In der Folge spinnt sie ein Netz aus Zeit, Mensch und Werk, beleuchtet dabei Montaignes Gedankengänge und wie sie sich in seinem Werk niederschlugen.
Mein wesentlicher Charakterzug […] ist die Neigung, mich mitzuteilen und zu offenbaren: Zu Geselligkeit und Freundschaft geboren, bin ich vor aller Augen ganz nach aussen gewandt.
Montaigne beschloss eines Tages, seine politische Laufbahn zu beenden und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Dazu zog er sich in sein Turmzimmer zurück und schrieb. Er schrieb nicht, um zu belehren, vielmehr schrieb er, was er alles bei sich entdeckte, in der Welt wahrnahm, dachte.
Ich wende meinen Blick nach innen, und da halte ich ihn fest und lasse ihn verweilen. Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein. Ich habe es nur mit mir selbst zu tun. Ich beobachte mich unablässig und prüfe mich, ich koste mich […]. Ich wälze mich in mir selbst.
Kein Thema war tabu, er schaute hin. Damit stiess er, als es ums verlegen ging, nicht nur auf offene Türen, auch später noch fanden sich seine Essais immer mal wieder auf den Listen der verbotenen Bücher.
Montaigne liess sich nicht beirren, er schrieb weiter neue Essais oder ergänzte die alten durch neue Gedanken oder Sichtweisen. Dies und der Umstand, dass die Essais in den Händen zweier Freunde waren, die unter Umständen auch Ergänzungen und Veränderungen vornahmen, ist die wirkliche Entstehungsgeschichte der Essais nicht ganz gesichert, was dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Montaigne wurde über all die Jahre begeistert gelesen und hinterliess bleibende Eindrücke, allen voran den Eindruck: Da schrieb einer, der in mich hineinschauen konnte.
Auch der Rezeption von Montaignes Essais widmet sich Bakewell ausführlich und schliesst damit den Kreis. Montaigne wollte sich mitteilen, wollte etwas hinterlassen, das über ihn hinausweist. Das ist ihm gelungen, wie man aufgrund der vielfältigen Stimmen seiner (oft berühmten) Leser sieht.
Trotz einer Flut von Informationen ist das Buch nie langatmig oder gar staubtrocken. Sarah Bakewell ist es gelungen, eine flüssig lesbare, fundierte, durch breites Wissen und tiefe Kenntnis betechende Biographie zu schreiben, die einen grosse Lust auf die Lektüre Montaignes selber macht. Sie hat also einfach alles richtig gemacht!
Fazit
Ein wunderbares, fundiertes, gut lesbares und umfassendes Buch über das Leben Montaignes, das Lust auf mehr macht. Absolut empfehlenswert!
Zum Autor:
Sarah Bakewell
Sarah Bakewell lebt als Schriftstellerin in London, wo sie außerdem Creative Writing an der City University lehrt und für den National Trust seltene Bücher katalogisiert.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: C. H. Beck Verlag (21. Juli 2016)
Übersetzung: Rita Seuss
ISBN: 978-3406697807
Preis: EUR: 16.95 ; CHF 23.90
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„Wohnideen aus dem wahren Leben“ verspricht das Buch und liefert damit auch Wohnideen für das wahre Leben. Sind die meisten Bücher zu Interior Design immer schön anzuschauen, aber weit weg von der eigenen Wohnsituation und finanziellen Möglichkeit, stellt Petra Harms hier Ideen für die Umgestaltung des eigenen Zuhauses vor, die jeder leicht nachmachen kann.
Eine Jury aus den bekannten Bloggern Igor Josifovic von Happy Interior Blog, Gudy Herder von Eclectic Trends und Ricarda Nieswandt von 23qm Stil hat die besten Wohnblogger im Netz aufgestöbert und gleich noch prämiert. Im vorliegenden Buch finden sich nun wunderbare Ideen derselben, das eigene Zuhause zu gestalten, nach Themen gegliedert, so dass der Leser ganz einfach findet, was er sucht: Egal ob es Inspiration für Farbkonzepte, Wanddekoration oder verschiedene Stile ist, er wird fündig.
Wie beim Callwey-Verlag üblich präsentiert sich das Buch hochwertig mit wunderbaren Bildern, einem stilvollen Layout sowie ansprechender Typographie – so wird das Anschauen zur wahren Freude.
Wer noch weiter stöbern will, findet im Buch Links zu den einzelnen Blogger sowie zu deren Lieblingsshops im Netz.
Fazit:
Ein sehr inspirierendes Buch, das Ideen aus dem Leben fürs Leben und Wohnen gibt. Wunderschön aufgemacht, eine wahre Augenfreude. Sehr empfehlenswert.
Zum Autor und den weiteren Mitwirkenden
Petra Harms ist freie Autorin und schreibt für diverse Frauenmagazine, u.a. die Zeitschriften „Myself“ und „InStyle“. „Wohnideen aus dem wahren Leben“ hat sie bereits redaktionell begleitet. Petra Harms lebt und arbeitet in München. Die Blogger-Jury: Igor Josifovic von Happy Interior Blog ist einer der bestvernetzten Designblogger in Europa. Er ist unter anderem Gründungsmitglied von „Urban Jungle Bloggers“, einer internationalen Blogger-Community. Sein Blog verzeichnet durchschnittlich 30.000 Besucher im Monat. Ricardas Blog „23qm Stil“ gehört zu den bekanntesten Wohnblogs in Deutschland. Ausserdem ist sie Gründerin von BLOGST, einem Netzwerk für deutsche Lifestyle Blogger, für das sie Events und Workshops organisiert. Gudy Herder von Eclectic Trends lebt seit vielen Jahren in der Szene-Stadt Barcelona. Sie ist in der europäischen Blogger-Community bekannt als Trend Expertin, gibt Konferenzen und berät Kunden zum Thema Interior&Lifestyle Trends. In ihren Workshops unterrichtet sie die Kreativtechnik Moodboarding und zeigt dabei Techniken, Tipps und Tricks wenn ein Konzept visuell und haptisch verständlich gemacht werden soll.
Angaben zum Buch:
Broschiert:224 Seiten
Verlag: Verlag Georg D.W. Callwey (16. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3-7667-2176-1
Preis: EUR 29.95 / CHF 42.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei CALLWEY.DE, AMAZON.DE und BOOKS.CH
Aktuell lese ich überall Spott über das Ehe-Aus von Sarah und Pietro. Wie traurig ist das?Haben erwachsene Menschen nichts Besseres zu tun, als ihre Schadenfreude und ihren Spott zu feiern?
Da verliert grad ein Kind seine heile Familie (und ich höre den Spott und die Korinthenkackerei jetzt schon wieder ob dieses Begriffs) und man hat nichts Besseres zu tun, als sich ach so witzig zu fühlen? Ist das die Welt, in der ihr leben wollt? Echt jetzt?
Ich könnte sagen, ich habe es gesagt (und ja, das tat ich) – nur: Wir müssen nicht richten, wir können es selber besser machen. Ich habe so die Nase voll von all dem moralinsauren Urteilen über andere – und immer unter dem Deckmantel von Ironie, Satiere oder „es war nur witzig gemeint“.
Wir haben auf der Welt echt schlimmere Probleme als ein auseinander gehendes Pseudopromipaar. Und jeder hat wohl mit sich selber nochmals genug zu tun – eigentlich.
Heute bedeutet ein Zuhause weit mehr als Schutz und Unterkunft. Wir richten es zwar so ein, dass es diese Notwendigkeiten erfüllt, aber auch so, dass es unsere Persönlichkeit widerspiegelt, unsere Hoffnungen, unser Innerstes. Man kann das auf vielerlei Farben tun. Licht und Farbe, die beiden Faktoren, die uns auch in der Natur umgeben, können unseren Lebensraum grundlegend beeinflussen und verändern.
Die Autorin will dem Leser ihres Buches helfen, sein Zuhause nach den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Geschmack zu gestalten. Dazu führt sie zuerst in die Farblehre Ewald Herings ein, liefert kurze Definitionen verschiedener Farbgruppen und konzentriert sich auf die Neutralfarben, welche eher gedeckt erscheinen.
Neutralfarben bestehen aus zwei bis vier Primärfarben, die unterschiedliche Grau- und Brauntöne bilden. Durch Hinzufügen von Schwarz oder Weiss erhält man aufgehellte oder abgedunkelte Töne. .
Diese eher gedeckten (oft als langweilig bezeichneten) Farben soll eine harmonische Stimmung erzielt werden. Wichtig ist dabei, auch die Funktion des Raumes einzubeziehen bei der Auswahl der Farbnuance, da verschiedene Farbkonzepte verschiedene Stimmungen erzeugen.
Alice Buckley betont, dass Inspiration überall geholt werden kann: In Filmen, Alben, in der Natur. Man soll mit offenen Augen durchs Leben gehen und aufnehmen, wie die Dinge auf einen wirken. Daraus kann man dann auch Ideen schöpfen für das passende Zuhause.
Bei der Auswahl des passenden Farbkonzeptes darf auch das Licht und dessen Fluss nicht ausser Acht gelassen werden. Nach einem kleinen Abschnitt über Textur als weiteres Gestaltungsmittel präsentiert das Gestaltungsbuch 200 Farbpaletten, bestehend aus einer Hauptfarbe und passenden Akzentfarben. Ein kurzer Text leitet die Palette ein, zeigt, woher die Inspiration stammt, die zu diesem Konzept führte und zeigt die Gefühle auf, die daraus wachsen können.
Die Gestaltung als Ringbuch macht dieses Buch zu einem guten Begleiter bei der Arbeit des Einrichtens. Es bleibt offen liegen, lässt sich so gut als Arbeitswerkzeug einsetzen. Das Layout ist generell ansprechend, der Text kurz und prägnant. Zu bemängeln ist die Konzentration auf Neutralfarben, welche aus dem Titel nicht ersichtlich ist sowie die kaum vorhandenen Beispielbilder zu jeder Palette. Ein Bild ist etwas knapp, um wirklich einen Eindruck der Wirkung zu erhalten. Da wären weniger Paletten mehr gewesen.
Fazit:
Ein schön gestaltetes Buch, welches einen guten Einblick in die Welt der Neutralfarben gibt. Man kann sicher nichts falsch machen, wenn man sich an die vorgeschlagenen Konzepte hält. Es fehlt die Anschaulichkeit des möglichen Ergebnisses.
Ringbuch: 256 Seiten
Verlag: Bassermann Inspiration
Übersetzung: Ulrich Magin
Preis: EUR: 9.95 ; CHF 16.90
Als ob nicht alle Worte Taschen wären, in welche bald Diess, bald Jenes, bald Mehreres auf einmal gesteckt worden ist! (Nietzsche)
Werte scheinen in aller Munde. Hört man heutigen Politikern zu, nehmen Werte einen wichtigen Platz in ihren Reden ein. Egal, ob es um die Flüchtlingsproblematik, das Bildungswesen oder Gesundheitssysteme geht – mit Werten wird die eigene Haltung gerechtfertigt und dem Volk schmackhaft gemacht, da es schliesslich die Werte des Volkes seien und man diesen verpflichtet wäre. Während wir im Alltag also ständig mit Werten konfrontiert sind und auch selber drauf bauen, erfahren sie in der Wissenschaft eine eher stiefmütterliche Behandlung.
Andreas Urs Sommer stellt im vorliegenden Buch die Frage, wovon wir eigentlich sprechen, wenn wir von Werten reden. Wer bestimmt sie, was beinhalten sie, was bedeuten sie für eine Gesellschaft und für das Individuum? Er geht dabei strukturiert vor, hält sich an Aristoteles’ Kategorienlehre und stellt entsprechend Fragen:
Das Buch handelt nicht davon, welche konkreten Werte wir haben oder haben sollen, sondern versucht sich in einer systematischen Begriffsanalyse dahingehend, herauszufinden, wozu Werte gut und wichtig sind, wie sie beschaffen sind und sein müssen, um in der heutigen Gesellschaft von Nutzen zu sein.
Ein Exkurs des Buches setzt sich mit der Beziehung von Werten und Menschenrechten auseinander, ein weiterer nimmt die Tagespolitik rund um das aktuelle Flüchtlingsthema unter die Lupe. So schlägt Urs Andreas Sommer den Bogen von der theoretischen Analyse hin zur aktuellen Weltlage, wobei er das auch innerhalb der einzelnen Kapitel immer wieder anschaulich und fundiert tut.
Der Titel des Buches mag etwas sperrig klingen und Widerspruch herausfordern, beruft sich aber einfach auf die zugrundeliegende These. Die Wendung, dass es Werte nicht gäbe, besagt schlussendlich nur, dass sie nicht aus sich heraus existieren, sondern vom Menschen gemacht sind.
Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt ist ein fundiertes, analytisch tiefgehendes Buch, das den Begriff des Wertes von allen Seiten betrachtet und versucht, den Sinn und den Nutzen von Werten für den modernen Menschen in seiner Welt herauszuarbeiten. Müsste man etwas negativ anmerken, so wäre dies der oft sehr metaphorische, blumige, in Bilder abdriftende Schreibstil des Autors, der teilweise den Inhalt zu sehr überlagert und in dem Umfang den eher sachlich veranlagten Leser etwas irritieren kann.
Fazit
Ein sehr tiefgehendes, breit abgestütztes und scharfsichtiges Buch über ein Thema, das in aller Munde und trotzdem (oder deswegen?) oft vernachlässigt wird. Sehr empfehlenswert!
Zum Autor:
Andreas Urs Sommer (*1972) lehrt Philosophie an der Universität Freiburg i.B. und leitet die Forschungsstelle Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Einem breiteren Publikum ist er mit Zeitungs und Zeitschriftenartikeln sowie insbesondere mit seinen Büchern Die Kunst, selber zu denken und Lohnt es sich, ein guter Mensch zu sein? sowie Die Kunst des Zweifelns bekannt geworden.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 152 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (10. Juni 2016)
ISBN: 978-3476026491
Preis: EUR: 19.95 ; CHF 25.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Und dann gibt es noch die armen Menschen, die denken,mit Geld alles und jeden kaufen zu können.
Auf Twitter gibt es grad eine neue Aktion. Sie soll darstellen, dass Sexismus in der Schweiz aktuell ist. Ich bin ja bekanntlich keine Feministin, ich mag Genderdingens nicht. Ich finde, die Menschen sollten langsam mal merken, dass es nichts hilft, wenn das eine Geschlecht gegen das andere schiesst, sondern man müsste zusammenspannen und sich Aug in Auge auf gleicher Höhe begegnen.
Nur… als ich es auf mich wirken liess, sprudelte es nur noch aus mir raus:
Als Doktorandin hören, als Alleinerziehende könne man keine Diss schreiben, drum kriegt die Stelle ein junger Mann
oder
Als Doktorandin hören, man benutze als Alleinerziehende das Geld des Stip. nur zur Kindsaufzucht und es nicht kriegt
oder
Nach der Masterprüfung hören, du hast die Note 6 nur wegen eines kurzen Rocks gekriegt
oder
Nach bestandener Doktoratsprüfung hören, man hätte dem Professor wohl schöne Augen gemacht
oder
Vom Chef auf einem Gang zum Kunden diverse Sexpraktiken erzählt kriegen, die er gerne noch ausprobieren möchte…
oder
„Wärst du ein Mann, traute ich dir, so muss ich dich überprüfen.“ Aussage des Projektbetreuers an der Uni
Alles so passiert. Und noch viel mehr. Es bleibt wohl doch noch viel zu tun.
Bob Dylan kriegt den diesjährigen Literaturnobelpreis. Einige jubeln, einige finden „endlich“ und ganz viele regen sich auf. Sie meinen, das sei keine Literatur. Sie weinen um die verpassten Chancen von Roth und Murakami. Der Buchhandel weint mit, weil er nun keine Bücher verkauft.
Aber: Wann ist Literatur Literatur? Hört ein Text auf, Literatur zu sein, wenn er musikalisch unterlegt wird? Muss Literatur zwischen Buchtexten stehen? Sind Gedichte Literatur und wo ist ihre Grenze zum Musiktext?
Musiktexte sind Literatur. Dass sie bislang ignoriert wurden, könnte man auch bemängeln. Literatur will sich immer wieder neu erfinden, liest man heutige Romane, lesen die sich anders als noch vor einigen Jahren. Und man jubelt darüber und schilt die, welche dem alten Roman nachtrauern einen Ewiggestrigen. Und dann, wenn Literatur weiter gefasst wird, als sie es grad für richtig halten, dann hört der Fortschrittsgeist auf? Dann möchte man die Literatur zwischen Deckel pressen und in Schubladen verstanden wissen?
Zudem: Ist der Literaturnobelpreis echt dazu geschaffen, einer Branche Einkünfte zu verschaffen? Wohl kaum. Dafür haben wir noch den Buchhandelspreis, den kann man gerne so steuern, dass er einträglich ist.
Die Frau ist Ende zwanzig und hat dunkle, kurz geschnittene Haare. Hier und das schiessen ein paar eigenmächtige Strähnchen hervor. Ihr Gesicht ist schmal, hell. Sie betrachtet ihn irritiert, wie er da im Anzug und mit Aktentasche vor ihr sitzt. Vermutlich ist er nicht der Typ Mann, mit dem sie üblicherweise zu tun hat.
Auf dem Weg zu einer Konferenz in Berlin, welche um die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs betrifft, lernt Roland Ziegler, Vorstand eines Familienunternehmens, Zoe kennen. Zwar scheint sie in einer komplizierten Beziehung zu einem älteren Mann verstrickt zu sein, trotzdem lässt sie ihn nicht los und er will sie wiedersehen. Zoe begleitet Roland schliesslich nach Amsterdam, wo die beiden eine wunderbare Zeit erleben, frei von irgendwelchen Zwängen und voller Nähe.
Roland wird indes immer mehr von der Vergangenheit seiner Familie und seiner Firma eingeholt. Und dann verschwindet auch Zoe plötzlich und es bleibt die Frage zurück: Wer ist sie eigentlich? Ist diese Liebe möglich? Hat Liebe in den heutigen Zeiten überhaupt noch eine Chance? Und aber: Können wir lieben, wenn wir nicht wissen, wer wir sind?
Ulrich Woelks Buch handelt von der Liebe. Es handelt aber auch von der Vergangenheit, vom Erinnern, von Familie. Wie prägt uns unsere Herkunft und welche Verantwortung tragen wir heute für diese und die Taten unserer Vorfahren? Was ist eigentlich Liebe und kann sie bestehen – auch zwischen Gegensätzen?
Was Liebe ist beginnt sehr leise und langsam. Der Erzählfluss plätschert dahin und wird oft unterbrochen von Roland Zieglers Epilepsieerkrankung, welche gerade am Anfang im Roman zu dominant wird, weil sie immer wieder den Fluss stoppt, Informationen bringt, die nicht relevant erscheinen. Den Impuls, deswegen das Buch wegzulegen, sollte man unterdrücken, denn die Geschichte gewinnt mehr und mehr an Fahrt.
Ulrich Woelk hat auf sprachlich hohem Niveau einen tiefgründigen Roman mit stimmigem Plot entwickelt, welcher einerseits ein schwieriges, gesellschaftspolitisches Thema berührt, andererseits den menschlich immer präsenten Fragen der Liebe nachforscht. Entstanden ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt.
Fazit
Ein sprachlich und erzähltechnisch hochstehendes Buch, welches zum Nachdenken anregt durch die Mischung aus Liebe und Gesellschaftspolitik. Empfehlenswert!
Zum Autor:
Ulrich Woelk, 1960 geboren, in Köln aufgewachsen, studierte in Tübingen Physik und promovierte 1991 an der TU Berlin, wo er bis 1994 als Astrophysiker tätig war. Literarische Arbeiten seit den 1980er Jahren; „Aspekte“-Literaturpreis für das Debüt ›Freigang‹ (1990). Seither erschienen Romane, Erzählungen, Theaterstücke. Der Roman ›Die letzte Vorstellung‹ wurde mit Heino Ferch und Nadja Uhl für das ZDF verfilmt (›Mord am Meer‹). Ulrich Woelk lebt in Berlin.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (23. September 2016)
ISBN: 978-3423145206
Preis: EUR: 10.90 ; CHF 14.90
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Der Falke fliegt,
weit über mir,
trägt Hoffnung mit,
die da noch ist.
Wie tonnenschwer
wiegt doch die Angst,
die runterzieht,
mich fest umschlingt.
Es kämpft der Falke
mit Gewicht,
mal schweb ich mit,
mal sink ich ab.
Ich pendle hin
und dann zurück,
ich such das Licht,
ich hoff auf Glück.
Drum Falke, flieg! –
ganz hoch hinaus,
dass keine Kette
dich noch hält.
Und sink ich doch,
dann sei es so.
Jedoch bis dann,
da hoffe ich.
Wenn wir keine persönlichen Worte finden, dann bleibt auch die Persönlichkeit unerkannt.
Gregor Eisenhauer ist Nachrufeschreiber. Seit vielen Jahren besucht er Hinterbliebene, um von ihnen etwas über den Verstorbenen zu erfahren. Wider Erwarten trifft er selten auf weinende und verzweifelte Menschen, sondern auf solche, die wollen, dass ein Mensch, der nicht mehr ist, in Erinnerung bleibt – so wie er war. Aus dem gehörten entsteht dann der Text Eisenhauers. Es soll ein Text sein, welcher den Verstorbenen so wiedergibt, wie er war, mit all seinen Facetten.
Wenn ein Freund über einen Freund schreibt, dann will er nur Gutes erzählen. Aber das ist kein Porträt. Das ist Schönfärberei.
Eisenhauer ist überzeugt, dass es jedem von uns gut täte, wenn wir einen Nachruf auf uns selber schrieben schon zu Lebzeiten. Das würde uns dazu bringen, über uns nachzudenken, in uns zu gehen und herauszufinden, wer wir wirklich sind, wie wir wirklich sind. Drei Seiten gibt er uns, das zu tun.
Damit es nicht gar so schwer fällt, gibt er uns zehn Fragen an die Hand, die wir uns stellen können. Die Fragen reichen vom Sinn des Lebens über unsere Einschätzung, ob wir schön sind hin zu Gott und dem Leben nach dem Tod. Zu allen Fragen gibt es ein Kapitel, in welchem Eisenhauer aus dem Nähkästchen plaudert. Er erzählt von Gesprächen, die er führte wegen eines zu schreibenden Nachrufs, gibt (Lebens-)Philosophien zum besten und erzählt von Gesprächen unter Freunden.
Ein guter Ansatz mit einigen tiefgründigen Gedanken. Der Autor wirkt teilweise aber sehr überheblich, als ob er im Gegensatz zum Rest der Welt die Wahrheit erkannt hätte. zudem ist das Buch mehrheitlich wirklich ein Plaudern, das dahinplätschert und damit oft etwas langatmig wird. Es fehlt der rote Faden, es fehlt die wirkliche Anleitung, die er ja zu geben verspricht. Man könnte fast denken, er hätte bis zum Schluss des Buches vergessen, was er eigentlich wollte und sich in seinen eigenen Fragen selber verloren. Trotzdem regt das Buch durchaus zum Nachdenken an. Es behandelt mit dem Sterben und dem Tod sensible Thema und nimmt diesen durch die Leichtigkeit der Sprache ein wenig von ihrer Schwere.
Fazit
Ein sensibles Thema wird mit Leichtigkeit und anregenden Fragen behandelt, leider ab und an etwas langatmig und besserwisserisch.
Zum Autor:
Gregor Eisenhauer
Geboren 1960, hat Germanistik und Philosophie studiert. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin und schreibt u. a. Nachrufe für den Tagesspiegel.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag (9. Februar 2016)
ISBN: 978-3832163501
Preis: EUR: 9.99 ; CHF 14.90
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Wenn man vermisst,
was niemals ging,
wenn man ersehnt,
was noch nie war.
Wenn man stets will,
aber nie kann,
wenn man stets geht
und immer nur fällt.
Dann sitzt man da,
zwischen den Stühlen,
schielt mal hier hin
und mal da.
Wo man auch sitzt,
es ginge weicher,
wo man auch schaut,
da wär’ das Glück.
Und doch bleibt nur
das Sehnen zurück,
es bleibt ganz stark
der eine Wunsch.
Dass da was wäre,
was nicht ist,
dass da mal ginge,
was nie ging.
Wenn man vermisst,
was noch nie ging,
und doch immer hofft,
dass es mal würd.