Ein Licht

Ich bin ein Licht.
Ein kleines nur.
Ich leuchte hell
in meinem Kreis.

Ich bin ein Licht.
Mein Kreis ist klein.
Doch ich bin da
und schaue hin.

Ich such das Licht.
Die Welt ist grau.
Sie sucht nach Licht
ich such’ es auch.

Ich bin ein Licht
Und suche stets
nach Sonnenschein
in meiner Welt.

Und wär ein Licht
in jeder Welt,
dann wär sie hell
und lebenswert.

Wir suchen Licht
und sehen nicht,
dass wir es wär’n
im Hier und Jetzt.

Rezension: Martin F. Meyer: Illustrierte Geschichte der Philosophie

Eine Reise durch die Philosophie von der Antike bis in die Neuzeit

Epochen – Autoren – Werke, so heisst der Untertitel dieses reich bebilderten Übersichtswerk über die Geschichte der Philosophie. Martin F. Meyer startet bei den Vorsokratikern und führt den Leser in einer gut verständlichen Sprache durch die Zeit bis hin in die Neuzeit. Dabei bettet er die einzelnen Philosophen immer in ihre Zeit ein, gibt einen kurzen Einblick in ihre persönliche Herkunft und den Werdegang und geht dann auf die zentralen Werke und deren grundlegenden Aussagen ein.

Die Illustrierte Geschichte der Philosophie ist sehr geschmackvoll aufgemacht, das Layout ist schlicht, übersichtlich und überzeugt ästhetisch. Kleine Infoblöcke (in Kreisform, was dem Layout ein gewisses Etwas gibt) bieten schnell erfassbare Überblicke über die vorherrschenden Denker einer Zeit oder aber erläutern deren wichtigsten Theorien. Eine schöne Auswahl an Bildern rundet den Gesamteindruck ab.

Philosophie hat mitunter nicht den Ruf, sehr unterhaltsam und prickelnd zu sein, dieses Buch hat aber Suchtcharakter und es birgt die Gefahr, zur nächsten Buchhandlung rennen zu wollen und alle vorgestellten Bücher gleich auch noch lesen zu wollen. Ich kann es jedem, der sich mal einen Überblick über die Geschichte der Philosophie verschaffen will, nur ans Herz legen. Aber: Nicht nur denen, das Buch ist wirklich einfach eine wunderbare Unterhaltung und man entdeckt ja auch als alter Hase immer wieder etwas Neues oder findet etwas wieder, das in Vergessenheit geriet.

Fazit
Ein sehr fundiertes, umfassendes, lesbares und schön aufbereitetes Buch, das eine breite Übersicht über die Geschichte der Philosophie bietet und zu weiterer Lektüre verleitet. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Martin F. Meyer ist Privatdozent am Philosophie-Seminar der Universität Koblenz-Landau

Angaben zum Buch:
MeyerIlluPhiloTaschenbuch: 186 Seiten
Verlag: J. B. Metzler Verlag (16. März 2016)
ISBN: 978-3476026484
Preis: EUR: 24.95 ; CHF 31.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Wie wir unsere Welt an die Wand fahren

Ich bin ja bei Facebook. Ab und an frage ich mich selber, wieso. Aber nun denn. Jüngst lese ich fast nur noch Stimmen gegen Trump. Ach was, es sind keine Stimmen, es sind ganze Chöre. Es sind Jammergesänge. Man könnte Nabucco neu vertonen. Es wäre gewaltig. Die Chöre entspringen dem Frust. Die Singenden kriegten nicht, was sie wollten. Nun jammern sie. Wozu? Hilft das was?

Kaum! Es sind schlicht Parolen, die nun plakativ ins Auditorium geworfen werden. Was soll das helfen? Und wem? Wo ist da IRGENDETWAS Konstruktives? Es ist schlichtes Jammern aufgrund gemachter Aussagen des Herrn Trump, die zwar dumm und doof und unter aller Sau waren, aber damit nur ein Spiegel des Wahlkampfes, der hier geführt wurde. Den hat er nicht alleine geführt. Und schon wieder wird man mich als Trump-Befürworter lesen. Meine erste Reaktion nach seiner Wahl war „holy shit“ – und ich bleibe dabei. Ihre [Clintons – Anmerkung der Redaktion] Wahl wäre aber nicht viel gewinnbringender gewesen. Ich sah ihn immer plastisch als Kandidaten (die Medien sahen das wohl anders und hatten nur Spott und Häme sowie vorgedruckte Siegesartikel für Clinton in der Hand). Der Mechanismus hat ihm in die Hände gespielt. Vielleicht sollte man sich mal echt hinterfragen, was man überhaupt tut?! Einfach einen Kandidaten als Nonsens abzutun, weil er so unter allem ist (aber genau die Ängste und Sorgen derer anspricht, die offensichtlich zur Urne gehen. Der Rest polemisiert ja offensichtlich lieber mit grossen Worten auf FB oder hinterher auf der Strasse), führt offensichtlich in die Irre. Wir können was draus lernen und vor allem begreifen, was Demokratie wirklich wäre: Einen Diskurs zu führen, der alle zu Wort kommen lässt und nicht von oben herab diktieren will, was nun gut und schlecht ist – oder wir werden noch ganz oft solchen Wahlen gegenüber stehen.

Es ist verdammt einfach, nun Trump den Schwarzen Peter zuzuschieben (und ich sage es nochmals: Ich mag ihn nicht, er ist nicht mein Wunschpräsident). Das führt uns einfach schlicht nirgends hin.

Aktuell ist die Demokratie mehr als gefährdet. Daran sind weder Trump noch die AfD schuld. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir das, was eine Demokratie ausmacht, verlernt haben: den offenen Diskurs. Früher ging man hin, sprach miteinander, zoffte auch. Man traf sich auf dem Markt, im Wirtshaus, man setzte sich auseinander. Heute sitzt jeder zuhause, liest sich in den sozialen Medien und bei Gratiszeitungen was an, schart die um sich, die gleicher Meinung sind, degradiert die anderen. Man ruft übers Netz zum Aufstand auf und es treffen sich Menschen, die sich nicht kennen, aber virtuell befeuern.

So fahren wir alle unsere Welt an die Wand. Dazu brauchen wir keinen Donald.

Rezension: Dietmar von der Pfordten: Menschenwürde

Menschenwürde – in aller Munde und doch schwer greifbar

Der erste Grundsatz in den Grundgesetzen vieler Menschen lautet (so oder ähnlich):

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Dieser Grundsatz stellt die Menschenwürde aufs Podest der Werte und Bestimmungen, alles andere erscheint nachrangig, wichtig ist, dass die Menschenwürde bewahrt wird in allem Tun und Erleben. Diese Sicht ist allerdings, schaut man auf den Lauf der Geschichte, eher neu, bis vor einigen Jahrzehnten war von Menschenwürde kaum je die Rede, zumindest nicht im alltäglichen Leben, aber auch sonst nicht in dieser Gewichtung.

Dietmar von der Pfordten geht im vorliegenden Buch zur Menschenwürde dem Begriff nach, stellt dar, wie er historisch entstanden ist, wie er sich philosophisch entwickelt hat, wie er Einzug ins Rechtssystem gefunden hat und welches Gewicht er da hat und auch was unter dem Begriff überhaupt zu verstehen ist. Er tut das sehr fundiert,

Für die Begriffsanalyse definiert von der Pfordten Teilbereiche der Menschenwürde:

  • die Selbstbestimmung über die eigenen Belange (grosse Menschenwürde)
  • die wesentliche soziale Stellung des Menschen (kleine Menschenwürde), sowie deren natürliche und damit prinzipiell unveränderliche Gleichheit als Grenzbereich (mittlere Menschenwürde)
  • das menschenwürdige Dasein als ökonomische Bedingung der Menschenwürde

Anschliessend referiert von der Pfordten die Frage, ob auf Menschenwürde verzichtet werden kann und unter welchen Bedingungen dies der Fall wäre. Auch geht er der Frage nach, ob man, wenn man eines anderen Menschen Würde verletzt, damit automatisch seine eigene tangiert. Das abschliessende Kapitel wendet sich schliesslich aktuellen Fragen zu und setzt diese in Beziehung zur Menschenwürde. Es geht dabei um Abtreibung, Klonen, terroristische Angriffe, etc.

Menschenwürde steht in der Reihe C. H. Beck Wissen, welche immer für kurze, fundierte Einführungen in relevante Themen steht. Das ist auch im vorliegenden Fall hervorragend gelungen, bietet von der Pfordten doch eine sachlich kompetente, inhaltlich fundierte, stringente Einführung zum Thema Menschenwürde.

Fazit
Eine sehr gute, fundierte und informative Einführung in ein wichtiges Thema unserer Zeit. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor:
Dietmar von der Pfordten ist seit 2002 Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Georg-August-Universität Göttingen und dort Direktor der Abteilung für Rechts- und Sozialphilosophie. Vorher war er seit 1999 Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Erfurt. Seit 2001 ist er Mitglied der Thüringer Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und Mitglied der Kommission der Bundesregierung zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz

Angaben zum Buch:
vonderPfordtenMenschenwürdeTaschenbuch: 128 Seiten
Verlag: JC. H. Beck Verlag (10. Februar 2016)
ISBN: 978-3406688379
Preis: EUR: 8.95 ; CHF 12.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Sandburg

Worte nur,
just aus dem Nichts,
weckten auf
das grosse Sehnen
nach so viel,
das niemals war.

Es gab die Zeit,
da möglich schien,
was nur erträumt,
doch nie gelebt.
Trügerisch,
bloss Illusion.

Den Wolken gleich,
zerstob sogleich,
was Burg mal schien
und Sand nur war.
Doch manchmal kommt
ein Korn zurück.

Melanie Trump – oder: die zwei Messlatten der Feministinnen

Es ist noch nicht lange her, da ging durch die Schweiz ein Aufschrei. Frauen äusserten sich, wie sie diskriminiert, wie ihre Leistungen degradiert, wie sie für Männer geopfert wurden.

Heute wurde Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA gewählt. Dieselben Frauen, die vorher aufschrien, gehen nun dahin und spotten über die neue First Lady. Sie betiteln sie als geldgeile Prostituierte, stellen Bikinibilder mit hämischen Sprüchen ins Netz. Melanie Trump wird zum Bauernopfer. Mehrheitlich Frauen benutzen sie, um ihrem Frust über den Wahlausgang Luft zu verschaffen.

Ich bin wahrlich nicht glücklich über den Wahlausgang. Leider stand mein Wunschkandidat nicht mal zur Wahl, es galt, das kleinere Übel zu wählen. Wer das global und auch national sein würde, konnte man nur ahnen, die Geschichte – das wusste schon Kierkegaard – erklärt sich erst hinterher. Trotzdem hätte ich Hilary gewählt. Nur: Das steht hier nicht zur Debatte, darum geht es mir nicht. Worum es mir geht?

Wie kann man auf der einen Seite für die Rechte der Frau einstehen, sich stark machen dafür, dass Frauen nicht mehr als blosse Anhängsel, Instrumente, Objekte gesehen werden sollen, um dann im nächsten Atemzug auf einer Frau genau auf diese Weise rumzuhacken? Oder: Gilt Feminismus nur, wenn er einem selber dient?

Wer nun meint, sagen zu müssen, Melanie Trump hätte es ja aber drauf angelegt, sie hätte sich zum Objekt gemacht, indem sie Fotos von sich veröffentlicht, indem sie diesen Mann geheiratet hätte, indem sie eben tat und war, was sie tat und war… dem sei die Frage gestellt: Standest du noch nie vor dem Spiegel und fragtest dich, wie der Rock wirkt? Wie der Lippenstift? Wie gross der Ausschnitt sein soll, darf, kann? Wir alle spielen mit dem, was wir haben. Situativ. Und trotzdem sind wir Menschen mit einer Würde, die es zu schützen gilt. Wir können nicht einstehen für Werte, um sie dann im nächsten Augenblick selber mit Füssen zu treten.

Mir geht es hier nicht um Melanie Trump. Ich kenne sie nicht. Ich behaupte auch nicht, dass sie über jeden Zweifel erhaben ist. Es bestehen doch (wohl berechtigte) Zweifel über Punkte in ihrer Biografie. Diese anzusprechen ist legitim. Das wären sachliche Argumente. Auf der sexistischen Schiene zu agieren oder aber sie als Blitzableiter zu benutzen entbehrt jeglicher sachlichen Begründung – von der humanen ganz zu schweigen.

Du aber auch…

Sie sagt was. Er erwidert. Sie legt nach. Er ebenso. So ergibt ein Wort das andere. Sie werden härter. Die Worte. Die Positionen. Sie. Er.

Sie sagt was. Er sagt*:

„Du aber auch.“

Damit ist es gegessen. Vielleicht war es schon vorher. Nur: Das Argument findet keine Erwiderung. Keine sachliche. Es selber ist es schon nicht. Etwas zu tun, damit zu rechtfertigen, dass ein Anderer Gleiches tat, ist nie ein Argument. Es fänden sich Beispiele in Hülle und Fülle. Nur: Es gibt kein Argument dagegen. Wie will man auf ein Nicht-Argument reagieren?

„Du aber auch“ ist der Tod jeder Diskussion und das Ende jeden erwachsenen Austauschs. Und doch bemüht man genau das so oft. Wieso? Weil man sich ertappt fühlt? Weil man keine Argumente habt? Weil man selber weiss, wie dumm man agierte, es aber nicht zugeben kann?

Es hat was von

„Er hat angefangen!“

im Kindergarten, ist aber im Erwachsenenalter so präsent. Und ich denke nicht, dass das damit gemeint ist, wenn es darum geht, das Kind in sich zu bewahren…

*Die Rollen sind auch andersrum denkbar

Patrick Schuchter: Sich einen Begriff vom Leiden Anderer machen

Eine Praktische Philosophie der Sorge

Philosophie als Lebenspraxis

Es gibt im Leben philosophische Momente, die uns über das Alltagsgeschäft und unsere eingespielten Wahrnehmungsroutinen erheben. Möglicherweise hängt manchmal im Leben alles davon ab, ob wir es verstehen, die in solchen Momenten aufleuchtende Weisheit ernst zu nehmen und sie für unser tägliches Leben und Arbeite zu nutzen.

Auf der Basis eigener Lebenserfahrung im Pflegebereich und Leseerfahrungen in der Philosophie will uns Patrick Schuchter eine Abhandlung über eine Ethik der Sorge, verstanden als lebenspraktische Anleitung und nicht als wissenschaftliche Abhandlung vorlegen. Nach einer Analyse des Begriffs „Sorge“ erzählt Schuchter die Geschichte der legendären Krankenschwester Florence Nightingale und arbeitet an ihrem Beispiel weitere Punkte der Sorge aus verschiedenen Blickwinkeln heraus, sei es die Religion, sei es auch das Frauenbild oder das Verhältnis zwischen praktischer Pflegearbeit und Theorie der Sorge.

Danach wendet er sich der Philosophie zu, bei welcher er sich hauptsächlich auf die hellenistische bezieht, diese kurz in der Zeit verortet als Ganzes, ihre einzelnen Richtungen und Philosophen vorstellt, um dann ihre Aussagen zum Bereich Sorge herauszuarbeiten. Auffallend ist, dass sich alle Philosophen grundsätzlich mit der Selbstsorge beschäftigen, nicht mit der Fürsorge. Es geht ihnen in erster Linie also darum, dass der Mensch sich selber erkennen und sich um sich kümmern soll. Allerdings kann Schuchter den Bogen von der Selbst- zur Fürsorge schlagen, indem er aufzeigt, dass diese Selbstsorge dem Gemeinwohl dient, also im Endeffekt die Basis für eine Fürsorge sein muss.

Der Apell an die Selbstsorge ist also als ein Weckruf zu sehen, sich nicht um äusserliche Güter wie Macht, Reichtum oder Ansehen zu kümmern, sondern um die Schönheit und Tugend der Seele, um die Pflege der moralischen Werte

Patrick Schuchter liefert in diesem Buch auf der Grundlage einer breiten und fundierten Begriffsanalyse der Sorge unter Zuhilfenahme hellenistischer Philosophie eine Ethik der Sorge, welche Impulse für eine philosophische Praxis und Lebenskunst bereitstellen kann.

Das Buch ist sehr komplex, sehr dicht, oft etwas überladen und ausschweifend, verschiedene Kapitel hätten ohne Verlust kürzer und stringenter geschrieben werden. Die Verwendung einer politisch korrekten feministischen Schreibweise kann den Sprachliebhaber etwas stören, die Ersetzung von „man“ durch „frau“ wirkt eher bemühend als frauenfreundlich. Zudem ist das Bemühen nicht konsequent verfolgt worden, heisst es doch im Buch dann „der Philosophierende“. Dies aber nur noch eine Sprach- keine Inhaltskritik. 

Fazit
Ein komplexes, analytisches, fundiertes Buch zur Praktischen Philosophie der Sorge. Empfehlenswert.

Zum Autor:
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter (Dr. phil., MPH), Philosoph, Krankenpfleger, Gesundheitswissenschaftler, forscht und lehrt am Institut für Palliative Care und Organisationsethik an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) Wien der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt | Wien Graz. Er ist in unterschiedlichen Palliative-Care- und Ethik-Projekten tätig und beschäftigt sich mit der Frage, wie Reflexionsprozesse zu existenziellen, philosophischen und ethischen Grundfragen organisiert und gestaltet werden können.

Angaben zum Buch:
schuchterbegriffleidenTaschenbuch: 390 Seiten
Verlag: transcript Verlag (18. Juli 2016)
ISBN: 978-3837635492
Preis: EUR: 39.99 ; CHF 44.50
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. AMAZON.DE und BOOKS.CH

Halloween – oder: Wer bin ich?

Heute ist Halloween. An der Tür klingelt es im Minutentakt. Alle wollen was. Ich öffne nicht. Ich mag Halloween nicht. Es ist nicht mein Fest. Im Netz lese ich von Gleichgesinnten. Ich lese aber auch viele Deutungsversuche. Alle versuchen, den Tag einer Tradition zuzuordnen und sich darin zu verorten.

Ich bin ich und ich lebe heute. Ich kenne viele der verschiedenen Theorien. Greifen sie noch heute? So echt? Oder wollen wir nur in einer Tradition stehen? Und in welcher stehen wir? So wirklich? So ganz? Ich bin durchaus für Traditionen, da zählt für mich aber immer die, in welcher ich aufwuchs. Gar zu oft stemmen wir uns aber genau gegen diese und legen uns eine neue, fremde zu. Wir denken, die sei viel toller als unsere. Und das oft nur, weil wir von aussen kommen und uns nur nehmen, was uns gerade passt.

Der Westen wendet sich dem Osten zu, turnt Yogaübungen und meditiert. Der Osten sieht den Westen als Rettung und sucht, da unterzukommen. Die Halloweengegner sehen sich als Kelten und feiern was, die Christen sehen die christliche Deutung und feiern das. Und alle tun was, alle begründen und keiner schaut auf sich. Ich öffne derweil eine Flasche Wein, schaue ins Glas und feier mich. Ich weiss nicht viel, weiss nur, dass ich von allen oft verlacht werde, weil ich ab und an gerne die Musik meiner Kindheit höre, weiss nur, dass mir fremde Feste nie in Mark und Blut übergingen, weiss nur, dass ich wohl zu viel denke – wobei ich eigentlich nur fühle, dass all das mit MIR nichts zu tun hat.