Wie Janus zeigt zuweilen mein Gedicht
Seines Verfassers doppeltes Gesicht:
Die eine Hälfte des Gesichts ist lyrisch,
Die andere hingegen fast satirisch.
Zwei Seelen wohnen, ach in mir zur Miete
– Zwei Seelen von konträrem Appetite
Dies ein Ausschnitt aus dem Gedicht Masha Kalékos, das sie „Statt eines Vorworts“ an den Anfang ihres Gedichtband „Verse für Zeitgenossen“ stellte. Der Gedichtband erschien 1945 im amerikanischen Exil, 13 Jahre später wurde er auch in Deutschland publiziert.
„Ich habe mehr gelitten in den letzten zwei Jahren, als es menschenmöglich ist.“
So heisst es in einer Tagebuchnotiz aus dem Jahr 1938. Nachdem Kalekos Gedichte anfänglich grossen Erfolg hatten, wurden sie in dem Jahr von den Nationalsozialisten als „schädliche und unerwünschte Schriften“ verboten, Mascha emigrierte mit ihrer Familie in die USA. Der Gedichtband setzt sich denn auch mit den Themen Heimat und Fremde auseinander. Melancholisch und doch mit leisem Witz fliessen Gedanken und Gefühle Worten aufs Papier.
Gebet
Herr: unser kleines Leben – ein Inzwischen,
Durch das wir aus dem Nichts ins Nichts enteilen.
Und unsere Jahre: Spuren, die verwischen,
Und unser ganzes Sein: nur ein Einstweilen.
[…]
Eine wunderbare Dichterin, die es verdient, gelesen zu werden. Schön, hat die dtv Verlagsgesellschaft es sich zur Aufgabe gemacht, die Gedichtbände neu zu verlegen.
Fazit:
Ein Gedichtband voller melancholischer, sprachlich und inhaltlich pointierter Gedichte, die mitten ins Herz trifft. Sehr empfehlenswert.
Autorin
Mascha Kaléko (1907 – 1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker- Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (8. Dezember 2017)
ISBN-Nr: 978-3423281393
Preis: EUR 12/ CHF 19.90
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Dalai Lama und Desmond Tutu trafen sich anlässlich des 80. Geburtstags des Dalai Lama in dessen Exilheimat Indien und sprachen eine Woche lang über die Freude. Begleitet wurden sie dabei vom Journalisten Douglas Abrams, der die Gespräche schlussendlich zu diesem fertigen Text zusammentrug und das Thema mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie wie durch persönliche Beobachtungen aus seinem Leben sowie aus dem Zusammentreffen der beiden alten Freunde anreicherte.
Tenzin Gyatso, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, bezeichnet sich selbst als einfachen buddhistischen Mönch. Geboren 1935, floh er nach der Besetzung Tibets 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Das geistliche und (bis zu seinem freiwilligen Rückzug 2011) weltliche Oberhaupt der Tibeter wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seine spirituelle Arbeit, seine Bemühungen um die politische, religiöse und kulturelle Identität Tibets sowie sein Einsatz für den Weltfrieden finden Anerkennung in der ganzen Welt.
Desmond Mpilo Tutu, geboren 1931, ist emeritierter Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Südafrika. Als wichtigste Symbolfigur neben Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. Ab 1995 war er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, die nach den Prinzipien von Mahatma Gandhi arbeitete. Seine Politik der Vergebung und Aussöhnung wurde zum leuchtenden Beispiel für gewaltfreie Konfliktlösung. Auch im Alter von 84 Jahren setzt sich Bischof Tutu unermüdlich weltweit für Frieden und Menschlichkeit ein.