«Das Leben meines Vaters, seine Persönlichkeit und Subjektivität wurden von einer doppelten Einschreibung in einen Ort und in eine Zeit bestimmt, deren Härten und Zwänge sich wechselseitig verstärkten. Der Schlüssel zu seinem Sein: wo und wann er geboren wurde. Ein Segment des sozialen Raums und der historischen Zeit entschied darüber, welchen Platz er in der Welt einnehmen, wie er die Welt entdecken und welchen Weltbezug er aufbauen konnte.» Didier Eribon
Sartre sagte, wir würden in die Welt geworfen und dann sei es an uns, etwas aus unserem Leben zu machen. Damit hat er insofern recht, als dieses Leben nicht durch und durch determiniert ist durch einen ihm inhärenten Sinn. Allerdings steht uns doch nicht ganz frei, was wir tun und werden, sind wir doch geprägt durch unsere Herkunft, die sich in uns einschreibt. Sie schreibt sich umso mehr ein, als von aussen geschaut wird, dass man sie auch ja nicht vergisst. So werden Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Haushalten in Schulen anders behandelt, wird ihnen weniger zugetraut als solchen aus reicheren Elternhäusern. Kinder aus Akademikerfamilien machen einen Grossteil der Gymnasiasten und späteren Studenten aus. Nicht weil sie wirklich intelligenter wären, sondern (auch), weil sie entsprechend geprägt sind und unterstützt werden.
Was für ein Unrecht tun wir ihnen an? Und welches Potential könnte sich entfalten, würden wir es zulassen und fördern? Gedanken zum Weiterspinnen…
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Zur Zeit meine Lieblingslektüre. Zugegeben, ich hatte immer vor, das Buch zu lesen, aber erst Ihre Blogempfehlung gab mir den Anstoß, es jetzt zu tun. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Schule des Lebens nicht immer auf das Gute ausgerichtet ist. Es sind die vielen Momente, die keiner korrektiven Aufsicht unterliegen, die uns formen und uns ein Leben lang begleiten. Danach, falls wir es begreifen, verbringen wir einen beachtlichen Teil unseres Lebens damit, diese Deformationen unter Kontrolle zu bringen.
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Freut mich sehr, dass mein Beitrag zur Lektüre inspiriert hat und diese auch so viel bewegt, wie sie das bei mir tat.
Ich denke auch, dass die Schule des Lebens eher eine willkürliche ist, die sicher der Reflexion und ab und zu auch der Korrektur bedarf.
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Zitat: „Sartre sagte, wir würden in die Welt geworfen…“
Klingt, als sähe er sich (nur)
als Opfer seiner Geschichte.
Das funktioniert nicht mehr, wenn man weiß,
daß man die Lebensbedingungen, in die man
vermeintlich „hineingeworfen“ wurde, minutiös
ausgesucht hat.
🌱
Zitat: „Herkunft prägt“
Wahr ist: Wir prägen die Herkunft. Nur wird
diese Entscheidung eher selten noch erinnert.
Grüße! 🌷
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