Lebenskunst: Panta Rhei

«Wer in denselben Fluss steigt, dem fliesst ein anderes und wieder anderes Wasser zu.» Heraklit

Heraklits Lehre vom Wasser ist eine Lehre vom Leben. Es gibt nichts, was einfach ist und bleibt, alles bewegt sich, verändert sich fliesst weiter, ändert sich in seiner Form. Eigentlich wünschen wir uns oft Kontinuität, diese wird auch als wichtige Eigenschaft bewertet, weil sie Verbindlichkeit und eine Form von Sicherheit mit sich bringt. Wir wissen, woran wir sind, bei uns und bei anderen. Nur: Das ist nicht nur nicht möglich immer, es entspricht auch den Tatsachen nicht.

Wenn ich an etwas festhalte, mich selbst aber verändere, werden irgendwann ich und das von mir Festgehaltene nicht mehr zusammenpassen. Wenn ich mich dann krampfhaft daran klammere, weil ich nicht aufgeben will, wofür ich mich mal entschieden habe, entferne ich mich langsam von mir selbst. Ich klammere an einem Selbst, das ich nicht mehr bin und ignoriere das, was ich geworden bin. Dass dies mit der Zeit Leid mit sich bringen wird, liegt auf der Hand.

Nun ist auch eine Veränderung nicht immer ohne Leid. Oft werden wir auch von aussen auf das festgesetzt, was wir einmal waren. Sind wir nun plötzlich durch eine Veränderung anders geworden, verlieren andere Menschen den Faden, sie haben die Entwicklung nicht nur nicht durchgemacht, sie haben sie vielleicht auch nicht gewollt – vor allem, wenn ich mich auf eine Weise verändert habe, die sie tangiert, weil ich vielleicht selbstbewusster geworden bin, auch mal nein sage, meinen eigenen Kopf habe und dieser meinen Weg bestimmt Das mag schmerzhaft sein, zeigt aber auch viel: Wer nicht bereit ist, mit mir meinen Wandel mitzuleben, der will in einem leblosen Dasein verharren. So wenig, wie ich jemandem in den Tod folgen wollte, so wenig sollte ich ihm meine Lebendigkeit opfern, indem ich mich weiter in den vorgespulten Mustern bewege, denn: Sie sind nicht mehr ich, ich bin in ihnen nicht mehr zu Hause.

«Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.» Heraklit

So hat sich über die Jahre auch bei mir immer wieder eine Veränderung angezeigt, Dinge kamen, Dinge gingen, Lebensinhalte wurden wichtig, schwanden wieder, um neuen Platz zu machen. Und manchmal kommt einer wieder hervor, der über lange Zeit prägend, tief und wichtig war, lebenswichtig: Yoga und die östliche Philosophie, die Meditation und der Buddhismus. Zwar waren sie nie ganz weg, aber sie haben sich über ein paar Jahre nun nur auf meine Übungen auf der Matte jeden Morgen beschränkt. Zwar wusste ich immer, wie viel mir fehlte, ich spürte immer diese Sehnsucht in mir, aber ich konnte all dem nicht nachgeben. Bis ich es nun wieder tat. Und da war es: Dieses Gefühl: Nun bin ich zu Hause Ich bin nicht mehr am selben Ort, wie ich aufhörte, ich bin nicht mehr dieselbe auf der Matte, Yoga hat eine neue Qualität bekommen, auch das ist nicht mehr dasselbe Es ist tiefer, es ist grösser, es ist noch wichtiger als je zuvor. Und fast will mir scheinen, dass diese Zeit dazwischen genauso zu meinem Yogaweg gehörte wie die intensive Zeit vorher und jetzt. Sie hat mich Dinge gelehrt, hat mir vieles gezeigt, hat mich wandeln und wachsen lassen.

Am Schluss ist es doch nur ein Leben, ein Selbst und ein Fluss. Und doch auch wieder nicht.

4 Kommentare zu „Lebenskunst: Panta Rhei

      1. Liebe Sandra,
        vielen Dank für deine Antwort.
        Könntest du mir bitte ein paar Stichwörter nennen,um dann die passenden Artikel lesen zu können. Ich bin sehr gespannt und wurde von deinen Beiträgen noch nie enttäuscht
        Herzlichst
        Hanni

        Gefällt 1 Person

        1. Liebe Hanni
          Es freut mich, dass dich meine Beiträge nie enttäuschten. Wenn du nach den Kategorien suchst, wirst du sicher was finden. Ansonsten kannst du einfach das eingeben, was dich interessiert und dich überraschen lassen.

          Alles Gute fürs neue Jahr dir, herzliche Grüsse
          Sandra

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