Andrea Stoll: Ingeborg Bachmann. Der dunkle Glanz der Freiheit

„Wer sich heute Person und Werk der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zu nähern versucht, wird mit einem widersprüchlichen Bild konfrontiert. Eine moderne, selbständige Frau scheint uns da anzuschauen, weltgewandt und voller Lebensfreude. Doch die glanzvolle Erscheinung der österreichischen Autorin…war nur eine Seite ihrer Existenz. Die andere, von unauslöschlicher Angst und immer wiederkehrender Verzweiflung geprägte Seite gehörte ebenso dazu.“

1929 in Kärnten geboren, wird Ingeborg Bachmann schon bald mit dem Krieg und seinen Schrecken konfrontiert. Dieses Trauma wird sie ein Leben lang begleiten, immer wieder Thema ihres Werks sein. Andrea Stoll präsentiert uns in ihrer Biografie ein stimmiges Bild dieser spannenden Frau und ihres Schaffens. Sie zeigt die vielen Gesichter Ingeborg Bachmanns, beleuchtet die Hintergründe ihres Seins und Tuns.  

Es ist kein leichtes Unterfangen, eine Biografie von Ingeborg Bachmann zu schreiben, hielt sich diese doch zeitlebens eher bedeckt, was Privates anbelangte. Sie gab nicht nur nach aussen wenig preis, sie wusste sogar die einzelnen Bereiche ihres Lebens voneinander so abzugrenzen, dass die verschiedenen Kreise, in denen sie verkehrte, wenig bis nichts voneinander wussten und vor allem auch nie durchmischt wurden.

„Seit frühester Jugend hatte Ingeborg Bachmann davon geträumt, als freie Schriftstellerin leben und arbeiten zu dürfen, und mit dem ihr eigenen Ehrgeiz und unbedingten Willen alles darangesetzt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Doch der Preis für ihre Freiheit war hoch, ja, er überstieg im Laufe der Jahre ihre Kraft – und doch hielt sie daran fest, auch dann, als sie längst krank und von den Anstrengungen ihrer freien Autorenexistenz körperlich und seelisch gezeichnet war.“

Leben und Schreiben ist bei Ingeborg Bachmann nicht zu trennen, da Schreiben für sie lebenswichtig, lebensfüllend war. Diesem ordnete sie alles unter. Auch ihre Sehnsucht nach Liebe, nach einer Familie. Sie selber war es oft, die auf Distanz ging, ihre Unabhängigkeit verteidigte, und somit Beziehungen schwierig bis unmöglich machte. Andrea Stoll ist ein offener Blick gelungen, der von offensichtlichem Verständnis für Ingeborg Bachmann geprägt ist. Insofern brauchte sie wohl einen anderen Schuldigen für deren Zerbrechen an einer gescheiterten Liebe. In Max Frisch hatte sie diesen gefunden (das ist nur ein Beispiel, es gäbe andere, da war es am deutlichsten). Dass er da sein wollte, ein Miteinander wollte, drang zwar ab und zu durch die Zeilen, aber dann war er doch der, welcher so viel Leid über Bachmann brachte. Was die Trennung durchaus tat. Aber nicht Frisch allein. Und doch bleibt die Sicht nachvollziehbar. Aus dem, was draus resultierte.

Es ist schlussendlich wohl schwierig, ein wirklich objektives Bild einer so diffusen und komplexen Persönlichkeit zu zeichnen. Andrea Stoll ist mit dieser Biografie eine grösstmögliche Annäherung gelungen. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich für Ingeborg Bachmann interessiert, der sich für Frauenexistenzen in einer von Männern gemachten Welt interessiert, der sich für Lyrik, Literatur, Geschichte und was sie mit Menschen macht interessiert. Ach, ein Buch, das man lesen sollte.

Fazit:
Eine echte, wirkliche Leseempfehlung für alle, die an Ingeborg Bachmann interessiert sind, die am Literaturbetrieb (gerade auch für Frauen) nach der Kriegszeit interessiert sind. Eine absolute Leseempfehlung.

Über die Autorin
Dr. phil. Andrea Stoll hat als Autorin und Dramaturgin zahlreiche Essays, Bücher und Filme geschrieben und war über fünfzehn Jahre als Dozentin für Literatur an der Salzburger Universität tätig. Sie gilt als ausgewiesene Bachmann-Kennerin und hat seit ihrer Dissertation „Erinnerung als ästhetische Kategorie des Widerstandes im Werk Ingeborg Bachmanns“ (1992) zum Werk der österreichischen Autorin mehrere Essays und Bücher vorgelegt, u.a. als Mitherausgeberin des zum internationalen Beststeller avancierten Ingeborg Bachmann–Paul Celan-Briefwechsels „Herzzeit“ (2008).

Angaben zum Buch:
Kindleversion, da leider vergriffen: 11809 KB
Seitenzahl der Printversion: 382 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag (9. September 2013)
ASIN : B00E7PVO4K
Preis: EUR  9.49 / CHF 12.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

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