Fritz

Ich bin die, welche so laut schreit, wenn sie eine Spinne sieht, dass das ganze Quartier – was sag ich, die ganze Stadt mit zu Berge stehenden Haaren aus den Sesseln springt. Sogar wenn man mich warnt und sagt: Achtung Sandra, nicht umdrehen, nicht hinschauen, hinter dir ist eine grosse Spinne – ich kann nicht anders als mich umzudrehen und beim Anblick loszuschreien. Ich bin darauf nicht stolz, im Gegenteil, ich finde es sehr peinlich.

Ich wollte mir meine Spinnenphobie schon abgewöhnen. So im Stil einer Desensibilisierung. Ich dachte, wenn ich mir eine kleine (also so wirklich klein, kaum stecknadelkopfgross) tapfer über die Hand spazieren lasse, dann bin ich nachher gut Freund mit Spinnen. Denn:

Size doesn’t matter

Oder so. Er mattert offensichtlich doch. Das Experiment mit dem Kleinsteil ging erstaunlich gut, beim Anblick der nächsten unwesentlich grösseren Spinne hüpfte ich schon wieder im Dreieck und stiess schrille Laute aus.

Mein Hund hat seinen Fressnapf direkt neben einem Bücherregal. Immer morgens und abends gehe ich dahin und gebe ihm Futter. In den Napf. ich knie mich nieder (der Napf ist relativ klein, da der Hund ebenso ist – wobei der Hund durchaus einen grösseren Napf haben wollte, so ist es nicht. Eines Abends bei diesem Vorgang sah ich sie. Eine Spinne. Nicht sehr gross, aber doch grösser als mein Handlaufexperiment. Kaum hatte ich mich hingekniet, verschwand sie hinter dem Regal. Ich dachte noch so bei mir:

Wart du nur, dich erwische ich.

Es ging nun jeden Morgen und Abend so. Die kleine Spinne sass, wenn ich kam, an der Wand, immer an derselben Stelle. Kaum ging ich in die Knie, verschwand sie hinter dem Regal. Irgendwann nannte ich sie Fritz. Das war der Anfang vom Ende. Nun gehörte sie quasi zu uns. Sie hatte einen Namen. Mittlerweile finde ich Fritz süss, wie er schnell hinters Regal huscht.

Irgendwie tut er mir aber auch ein wenig leid. Ich vermute, er leidet an einer Menschenphobie. Ich hoffe, er wird eines Tages lernen, damit umzugehen. Und wer weiss: Vielleicht gibt er mir dann auch einen Namen. Und irgendwann schauen wir uns in die Augen und sagen hallo.

7 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Grüß‘ Dich Sandra ❤ Kommt mir irgendwie bekannt vor…

    Allerdings konnte ich diese (blödsinnige) Phobie bereits überwinden, als mein Sohn noch ganz klein war bzw. kurz nachdem wir aus dem Krankenhaus wieder zuhause waren.
    Just zu jener Zeit im September hatten wir (aus welchem Grund auch immer) so richtig ekelige, dicke, fette Spinnen im Haus! Die waren so gruselig, dass ich mir einbildete, ich könne sie sogar krabbeln hören!
    Als ich noch schwanger war, ließ ich auch immer einen Schrei ab und suchte das Weite, doch als das Kind dann da war und tatsächlich so ein Spinnentier die Wand in Richtung Stubenwagen hochkrabbelte, erwachte irgendwie die Löwin in mir 😉 Ohne (Ge-)Schrei und mit einem riesigen Selbstverständnis holte ich das Spinnentier mit einem Küchenkrepp in aller Ruhe von der Wand – immerhin mußte der kleine Prinz doch gerettet werden❣❣❣
    Ab diesem Moment war ich die mutigste Spinnen-Dompteuse der Welt 😂

    Cordialement und sonnige Herbstgrüße
    🌿 🌺 🌿 🌻 🌿 🌺 🌿 bTINA

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s