Einkaufsgeschichten

Sandra war einkaufen, kehrte zurück – zum wiederholten Mal – und hatte eines vergessen: Abfallsäcke. Die noch vorhandenen waren nicht nur an einer Hand, sogar an einem Finger abzählbar, es wurde eng. So zog Sandra nochmals los. Abfallsäcke kaufen. Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss.

Als Ort des Geschehens wählte sie ein Einkaufszentrum, das noch so dies und das hat. Wenn man schon ein zweites Mal loszieht, kann man ja auch ein wenig durchs Angebot streifen. Nur so zum Schauen.

Die erste Station war die Papeterie. Noch nie hatte Sandra einen so schönen, rosaroten Minenbleistift gesehen. Den musste sie haben. Und da man eh nie genug Bleistifte haben kann, gleich noch ein Vorteilspack althergebrachter eingepackt. Da man die spitzen muss, müssen auch noch zwei Spitzer mit – man kann nie genug davon haben, auch für unterwegs oder sonst wo. Dass es auch eine grosse Auswahl an Notizbüchern gibt, ist wunderbar, denn auch von denen kann man nie genug haben, zumal eines so schnell voll ist.

Sandra wollte schon weiter, da sah sie sie: Die kleine Eule, ein Plüschmagnet. Sie hatte einen Namen, den hatte sie vergessen. Was sie nicht vergessen hat, war, die kleine Eule in den Einkaufskorb zu legen. Als Eulensammlerin (schon ihre Oma sammelte Eulen, Eulen sind toll) konnte sie sie nicht einfach in diesem grausam grellen Einkaufszentrum darben lassen. Weil sie so klein war, fragte sie bei Mitarbeitenden, ob es aus der gleichen Reihe noch grössere gäbe. Die meinten, dass dem nicht so sei, es aber vielleicht bei den Plüschtieren (ganz oben, in der obersten Etage) mehr Eulen gäbe.

Sandra stieg in die Kinderabteilung hoch, hatte das eine oder andere in der Hand – Beissringe, Einschlafmusikdosen, Rasseln. Aber: Sie war stark, sie nahm nichts davon mit, auch wenn alles süss war. Stattdessen stieg sie wieder hinunter. Und noch weiter hinunter als vorher. Quasi in den Untergrund, wo die wahren Dekoverführungen lauerten.

Schon lange wollte sie das Bad umgestalten. So in ihrem Sinne. Als sie dann die wunderbar rosanen Badetücher sah, war es um sie geschehen. Da es draussen so trüb war, musste auch gleich ein passend-fröhlicher Badevorhang her.

Das war’s. Ok – sie gestand es ein, sie hatte noch so ein Häng-Teil in rosa, Würfelform, auf dem stand „Tussi on the road“, das man ins Auto hängen kann, eingesteckt. Sie fand es so… abartig… sie musste es haben. Um es reinzuhängen. Denn: Mit dem am Spiegel konnte man sich alles erlauben. Wenn jemand motzte? Einfach mit unschuldigem Lächeln winken und auf die Würfel zeigen… ☺

Sie ging also zur Kasse, bezahlte (huff) und rannte schnell raus, wartete mit wippenden Zehen und tippenden Fingern auf den Bus (soll bloss kommen, bevor noch eine Verführung lockt) und fuhr heim. Da merkte Sandra: Sie hatte die Abfallsäcke vergessen……

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