Bring es auf den Punkt

Keiner will sich langweilen. Schon gar nicht im Internet. Wer was zu sagen hat, soll das tun. Bitte schnell. Denn viel Zeit hat er nicht. Der Leser ist schneller weg, als man auf drei zählen kann. Ich lege ja schon Bücher zur Seite, wenn die erste Seite nicht packt. Spätestens nach dem ersten Kapitel ist aber endgültig Schluss. Ich kriege meine Zeit nicht geschenkt und da draussen wartet mehr auf mich, als ich je lesen können werde. Also:

Packt mich oder lasst es sein.

Kürzlich sah ich bei Twitter einen Link einer Kommunikationsexpertin. Die muss es wissen. Dachte ich. Klick. Ich bin drin. In ihrem Text. Lese einen Satz. Stirnrunzeln. Den zweiten. Augenrollen. Mann, die muss es wissen. Nur drum lese ich weiter. Aber: Es wird nicht besser. Bla bla ohne Hand und Fuss; und schon gar kein Biss.

Drum merke: Auch sogenannte Experten wissen es nicht immer, sie tun nur so. Was dich nicht packt, ist schlicht nicht gut. Wer dich nicht überzeugt, den lese nicht, sondern suche weiter.

Und an die Schreibenden: Ihr habt ganze 2 Sekunden. Sie entscheiden über gelesen werden oder weggeklickt. Nutzt sie.

4 Comments

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  1. Hmm, ich weiss nicht, ob man das verallgemeinern kann oder zumindest, ob dies für alle Menschen so ist.
    Bei der Musik ist es bei mir so, dass Musikstücke, die mir auf Anhieb total gut gefallen, vielfach einen sehr raschen „Abturn-Effekt“ haben. Soll heissen: Je mehr ich sie höre, desto rascher geht es, dass sie mir nicht mehr gefallen. Und Musikstücke, die vielfach auch ein bisschen komplexer strukturiert sind, mir am Anfang nicht super gefallen, aber je mehr ich sie höre, desto mehr gefallen sie mir und sie verleiden mir viel weniger schnell als die, die mir am Anfang gleich super gefallen haben.

    Bei theoretischer Lektüre, aber ev. auch bei der Literatur, könnte ich bei mir einen ähnlichen Effekt vorstellen und dies eigentlich auch noch plausibel begründen und zwar mit der „hermeneutischen Spirale oder dem hermeneutischen Zirkel“. Ich gehe mit meinem Vorwissen an einen Text und verstehe am Anfang vielfach nix oder nicht sehr viel, deshalb packt mich der Text wohl auch zu Beginn nicht und je mehr ich den Text wiederholend lese, desto mehr vergrössert sich mein Vorwissen und mit diesem breiteren Vorwissen geht es wieder an den Text, den ich nun bei jedem Anlauf ein bisschen besser verstehe, weil sich mein Vorwissen vergrössert hat.
    Ich vermute also zumindest bei mir, dass es Bekanntes und Unbekanntes haben sollte, damit mir Musik, Literatur oder Theorie längere Zeit super gefällt. 🙂

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    • Bei Musik oder (komplexer) Literatur mag das so sein – auch bei wissenschaftlichen Abhandlungen. Man muss sich oft quasi hineinlesen. In der Kommunikation oder Werbung hast du die Zeit nicht, da der Mensch mit viel zu vielen Informationen tagtäglich überflutet wird und er (das hat man erforscht) kaum mehr als 2 Sekunden (und das ist im Internet schon lange, die Zahlen sind noch aus der Printwerbung) verweilt. Wenn du ihn dann nicht gepackt hast, ist er weg. Auf nimmerwiedersehen.

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  2. In der Musik gibt es ja, so hatte ich mal gelesen, neuerdings Bezahlmodelle für Stücke, die allerdings erst dann greifen, wenn ein User länger als einen bestimmter Zeitraum beim Stück verbleibt. Sagen wir mal 30 Sekunden.
    Das korrumpiert ja sozusagen das Komponieren von Stücken. Ich darf sie nicht mehr langsam beginnen lassen, sondern muß sofort einen „Haken“ einbauen, der den Hörer bis zur Einnahmeschwelle dran hält. Für „Ambient“ also kaum eine Chance?

    Was Texte anbelangt: es wird sehr flott gelesen. Erst kürzlich passiv eine Diskussion verfolgt, in der sich ein Teilnehmer ungefähr beim 20. Kommentar in der Runde anschickt, seinen Allerweltsbegriff des 7. Kommentars nochmal zu erläutern, denn der wurde offenbar „falsch verstanden“! Man liest den Begriff, bildet sich daraus und um ihn herum eine Antwort – und der nächste darauf basierend wieder eine Replik – aber niemand fragt sich eingehend: Was genau war im 7. Kommentar gemeint, was könnte gemeint gewesen sein? Nein, man ist angetrieben, seinen persönlichen Senf schnell beizumengen.
    Wenn ich manchmal im Netz kommentiere, dann könnte ich, abhängig vom Zeitpunkt, von eigener innerer Durcharbeitung, vom Grad des Aufgenommenen, völlig unterschiedliche Texte und Meinungen von mir geben. Ich mache das sogar sehr oft, einen Kommentar von mir, sobald fertiggestellt, sogleich wieder zu löschen, ohne ihn wegzuschicken – weil er mir einfach nicht mehr zu stimmen scheint! Weil er nichts Eindeutiges transportiert. Weil er wenig mit mir zu tun hat. Weil er einfach nur Gerede ist, ohne Substanz. Weil er schlicht nicht sauber durchdacht und abgewogen war. Weil er nichts beiträgt!
    Weil er nicht zdas Thema des Blogeintrags aufgreift – das könnte jetzt auch so gewesen sein!

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  3. Kenn Follet hat mal in einem Interview gesagt, dass er viel Zeit aufwendet, um den ersten Satz in seinem Buch interessant zu machen, und alle 6 Seiten kommt eine neue Wendung. Bei Werbung gehe von deiner Aufmerksamkeitsspanne aus, auch bei Online Artikeln, es sein denn, sie stammen von mir bekannten Verfassern, aber bei Büchern gilt das für mich nicht, denn sonst hätte ich sehr viele Klassiker nicht gelesen, die sich langsam in einen Stoff hineinarbeiten, und es wären keine Klassiker, hätten diese Bücher nicht sehr viele Menschen gelesen. Ich behalte mir vor, meine Bücher langweilig zu beginnen, keinen KO Satz am Anfang rauszuhauen und nicht alle 6 Seiten die Geschichte auf Links zu drehen, aber ich ordne auch nicht alles dem Erfolg unter, sondern meinen Vorstellungen, und die verdanke ich auch Langweilern wie Twain, Dumas, Tolkien und vielen anderes Heroen der Literatur 😉

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