Gefühl und Verstand – Das kommt mir spanisch vor

Ich bin Kopfmensch. Rationalist. Ich kann Argumente hin und her drehen, von allen Seiten betrachten, logische Schlüsse ziehen, Gegenargumente finden, Beweise versuchen, sie verweisen und wieder vorne beginnen. Diese Hirnakrobatik wurde mir wohl schon in die Wiege gelegt, dass ich ein Studium wählte, das gerade das noch fordert und fördert, machte es nicht besser, kam mir eher entgegen.

In meinem Leben, das nun doch schon einige Jahre andauert, kam ich oft an Situationen, in denen ich etwas dachte, so ganz spontan, innerlich wusste, ich habe recht, und dann doch begann, es logisch zu zerpflücken, Argumente zu wälzen und dann einen Schluss zog – dem spontan gedachten diametral entgegengesetzt. Im Nachhinein – so habe ich zumindest das Gefühl – hatte ich immer das Nachsehen, der erste, spontan gedachte Gedanke wäre richtig gewesen.

Nun denkt man, Frau sei klug, sie lerne was, achte fortan auf ihre spontanen Eingebungen. Doch der Verstand besagter Frau ist unglaublich hartnäckig und hat – drum heisst es wohl DER Verstand – machoähnliche Züge, indem er immer denkt, im Recht zu sein, nur hart genug insistieren zu müssen, um am Schluss erhört zu werden. Und: Es funktioniert.

Frau denkt sich, irgendwas sei nicht ganz koscher, der Gedanke festigt sich. Sie fängt an, zu überlegen, denkt sich, dass es gar keinen Grund gebe, findet Erklärungen dafür, dass es ist, wie es ist, womit das, was nicht koscher erscheint, eben erklärbar und damit verständlich und somit in Ordnung ist. Irgendwo tief drin grummelt zwar noch was, aber es wird immer wieder mundtot gemacht. Dies umso mehr, wenn noch jemand genau die Argumente runter betete, die frau selber zur Mundtotmachung des ach so aufsässigen und mühsamen Spontangefühls bemüht.

Es gibt ein Sprichwort:

Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Dieses spontane Gefühl speist sich irgendwoher. Klar aus Erfahrungen und die werden nicht immer der aktuellen Situation gerecht. Trotz alledem hat die Natur den Menschen (und alle Lebewesen) so eingerichtet, Mechanismen zu entwickeln, die bekannte Gefahren erkennen und entsprechend reagieren helfen. Da auch der Mensch nichts anderes als ein Tier ist und damit durchaus Naturprodukt (was er mit all seiner Gedankenkraft gerne wegdiskutieren möchte, erscheint ihm das doch unangebracht minderwertig ob der hohen Ansprüche, die er an sich und seinen Status stellt), sollte man irgendwann wohl zu der Einsicht gelangen, dass an diesen Gefühlen durchaus was dran ist und was spanisch erscheint auch spanisch ist.

Und ja, vielleicht greift man wirklich mal daneben mit seinen Gefühlen. Interpretiert zuviel in etwas, das nicht da ist. Selbst dann bliebe zu hinterfragen, wo das Spanische herkam, denn irgendwo lag es versteckt.

3 Comments

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  1. Das erste Gefühl mag sagen: Vorsicht! Doch dieses „Vorsicht“ ist auch immer eine Prägung aus dem Elternhaus.
    Selbstverständlich kann ich auch Beispiele anführen, wo ich ein deutliches „Vorsicht“ spürte (bei einer Frau, die mir sehr gefiel) und ich trotzdem (vehement) losging. Kräftig bezahlte ich dafür, weil der Wunsch nach einer neuen Beziehung stärker war als alle Ahnung und auch Wissen.

    Man muß wohl immer unterscheiden, wo sich Risiko lohnt und wo nicht. Risiko eingehen ist schon wichtig ab und an, sonst ist man völlig blockiert..Doch möchte ich niemanden raten..

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    • Es ist schon so, Gefühle können viele Ursprünge haben und nicht alle sind gute Fundamente für eine eigenständige und gute Entscheidung. Prägung ist eine Sache, die schwer zu durchschauen ist und uns oft einfach aus gemachten Erfahrungen leitet, dabei das Aktuelle gar nicht wirklich wahrnehmen, sondern nur ein Muster abspulen lässt.

      Ich möchte nicht sagen, dass man immer nur aufs Gefühl hören soll, es aber immerhin berücksichtigen sollte und nicht immer versuchen, darüber hinwegzugehen. Ein Miteinander von Verstand und Gefühl wäre wohl noch immer die beste Lösung. Und: Risiko ist immer dabei, denn wissen, was kommt, tut man nie, man kann immer nur Annahmen treffen und es lohnt sich, das zu tun, da man sonst im Leben nichts machen könnte.

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      • Aufs Gefühl hören, es mitsprechen zu lassen…ja! Bei Dir, so sagtest Du ja im urspr. Post, führt längeres Abwägen und Durchdenken zum Verwässern des zunächst Gefühlten und Empfundenen, was für Dich bedenklich scheint.

        Bei mir ist es so oder war es zumindest so, daß eine „ausgelassene“ Chance oft wie eine Wunde lange, lange schwären konnte. Um diese schreckliche Erfahrung des Endlos-Bedauerns zu umgehen, entschied ich mich dann manchmal zu schnell.

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