Herz und Verstand

Heute habe ich diskutiert. Sachlich, fachlich, argumentativ. Mit einem Mann. Wer nun denkt, dass dies ja ganz normal sei, dem sei gesagt, dass dem nicht so ist. Ich bedanke mich. Es hat meinen Tag gerettet. Er hat es getan.

Ich bin relativ aktiv in den sozialen Medien, schon seit einigen Jahren. Ich habe mich immer bemüht, Inhalte reinzustellen, aber ich tat es als Mensch, nie als Unternehmen. Hinter allem stand immer ich. Authentisch. Das war mir wichtig.

Was mir auch wichtig war: Es ging immer nur um mich, nie um mir nahe Menschen. So wusste eigentlich nie jemand, wie ich privat lebe, ob ich Kinder habe, was ich tue… es waren nur ich und meine Themen… man ging von den eigenen Vorstellungen aus, die ich nie befeuert habe. Ich habe nichts verschwiegen, aber es wurde kaum je gefragt…

Kontaktaufnahmen passierten meist aufgrund eines Beitrags, den jemand toll fand – wie er vorgab. Und dann lobte er meinen Intellekt. Um sehr schnell zu Erotik überzugehen. War ich im ersten Anschreiben noch kritisch denkend und thematisch spannend, war im zweiten mein Körper sexy und ich hübsch. Ab und an folgte gleich ein Liebesgeständnis, manchmal sogar eine erotische Phantasie. Die Mehrheit der Herren war übrigens verheiratet. Das ist natürlich ein rein gesellschaftlicher und moralisierender Hinweis, wie sie finden, aber in meinen Augen zeugt dieses Verhalten nur von Feigheit – zumal die Frauen zu Hause nichts von den Avancen ihrer Männer wussten. Ich habe nachgefragt.

Muss ich mich geschmeichelt fühlen, weil jemand mich aufgrund eigener Phantasien in seine Projektionen einbezieht? Ist ein „du bist so sexy und erotisch“ ohne mich zu kennen wirklich ein Lob? Ich finde nicht. Es ist degradierend und entwürdigend. Es ist sicher kein Kompliment.

Ich kenne die Argumente noch von früher: „Sei mal locker, ist doch nichts dabei; einfach ein wenig Spass haben.“ Ich pflegte damals zu sagen, dass ich Sex an jeder Strassenecke kriege, einen denkenden Geist leider kaum. Ich suche lieber den. Das Argument, dass man den Verstand nie über das Herz stellen könne, weise ich gerne zurück. Das Herz spricht, wo es angesprochen wird. Meines reagiert nicht auf plumpe und spätpubertäre Männerphantasien.

Wenn aber ein Mann mit Geist und Esprit kommt und mich herausfordert, dann… freue ich mich. Über das Gespräch, den Kontakt auf Augenhöhe. Und alles, was kommen könnte, kommt oder nicht. Ich bin Mensch und als solcher fähig, mich meiner Vernunft zu bedienen. Dafür bin ich dankbar und darauf bin ich stolz. Ich würde nie ein Tier deswegen herabsetzen, das dies nicht kann… tut es aber ein Mann nicht, war das seine Wahl. Im besten Falle….wenn er nicht anders kann, weil er ja Mann ist (das habe ich gehört, ich würde das nie sagen), wäre er auf einer Stufe mit meinem Hund. Den finde ich auch nicht erotisch. Aber natürlich süss. Er kriegt abends einen Knochen – aber auch nur, weil er schauen kann, wie er es tut… da wäre meist Übungsbedarf bei den werten Herren….

Jeder hat die Wahl. Hund oder Mensch. Der eine kriegt einen Knochen, der andere gute Gespräche. Das Herz spricht eine dritte Sprache – aber sicher keine anzügliche. Drum: Wer mir nichts zu sagen hat, der soll bitte schweigen. Ich bin weder sexy noch sonst irgendwie Objekt. Ich bin ein fühlender und denkender Mensch und möchte gerne in dieser Gesamtheit wahrgenommen werden.

Folge deinem Herzen und schiess die Vernunft in die Wüste?

Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point. (Blaise Pascal)

Ich bin oft sehr vernunftgesteuert und doch kommt ab und an die Lust zur Unvernunft. Dann brodelt das Herz über und ich möchte einfach ausbrechen aus der Vernunftwelt, möchte ausprobieren, was geht – und auch, was nicht geht. Ich möchte Grenzen testen und überschreiten. Und ab und an tu ich es. So ein bisschen. Zaghaft. Ab und an lass ich es auch. Dann denke ich, dass ich nur ein wenig mutiger sein müsste, Dinge wagen. Ich schelte mich als zu zaghaft und schaue auf verpasste Gelegenheiten zurück.

Bei all dem Gezeter übersehe ich wohl eines: Es gibt sicher ganz viele Dinge, die ich ganz unvernünftig gemacht habe, einfach, weil sie mir entsprachen. Nur, wenn ich sie getan habe, dann hinterfrag ich sie nachträglich selten und schaue auch nicht mehr so genau, wieso ich sie tat, ob es Herz oder Verstand war, die mich leiteten.

Vielleicht fällt es uns nur mehr auf, wenn wir eine Herzenssache aus Vernunftgründen nicht machen, weil die emotionale Enttäuschung über die verpasste Umsetzung schwerer wiegt, als es die vernünftige tut im umgekehrten Fall. Vielleicht entsteht so ein Bild der verpassten (Herzens-)Chancen. Wenn man nämlich genau aufs Leben schaut, ist wohl selten bei jemandem ALLES vernünftig. Man muss dabei auch nicht nur die grossen Dinge in die Waagschale legen, auch kleine Unvernünftigkeiten zählen und machen Spass. Sie brauchen vielleicht weniger Mut, aber doch das Ausschalten der Vernunft.

Es ist einfach, sich die Unvernunft zu wünschen oder die eingehaltene Vernunft zu betrauern, weil man eine Chance verloren sieht. Unvernunft ist heutzutage besser gestellt als Vernunft. Dieser hängt ein verstaubter Ruf an, sie gehört quasi zum alten Eisen, zu dem, was man besser ablegt, wenn man von heute sein möchte.

Schliesslich und endlich bleibt bei allem Wunsch um die Unvernunft im Leben zu beachten, dass alles im Leben Konsequenzen hat. Diese dauern meist über die einzelnen Handlungen hinaus an und können mitunter – im schlimmsten oder auch besten Fall – das ganze Leben prägen. Alles im Leben hat seinen Preis, auch Vernunft- und Herzentscheide. Die Frage, die sich wohl immer stellt, ist: Bin ich bereit, diesen zu zahlen? Kann ich ihn überhaupt zahlen? Dinge einfach zu tun, ohne nachher die Rechnung zahlen zu wollen oder zu können, ist nicht nur unvernünftig, sondern kann mitunter verheerende Folgen haben. Sicher für einen selber, oft auch für die Menschen um einen. Aber vielleicht ist das auch zu vernünftig gedacht?

Gefühl und Verstand – Das kommt mir spanisch vor

Ich bin Kopfmensch. Rationalist. Ich kann Argumente hin und her drehen, von allen Seiten betrachten, logische Schlüsse ziehen, Gegenargumente finden, Beweise versuchen, sie verweisen und wieder vorne beginnen. Diese Hirnakrobatik wurde mir wohl schon in die Wiege gelegt, dass ich ein Studium wählte, das gerade das noch fordert und fördert, machte es nicht besser, kam mir eher entgegen.

In meinem Leben, das nun doch schon einige Jahre andauert, kam ich oft an Situationen, in denen ich etwas dachte, so ganz spontan, innerlich wusste, ich habe recht, und dann doch begann, es logisch zu zerpflücken, Argumente zu wälzen und dann einen Schluss zog – dem spontan gedachten diametral entgegengesetzt. Im Nachhinein – so habe ich zumindest das Gefühl – hatte ich immer das Nachsehen, der erste, spontan gedachte Gedanke wäre richtig gewesen.

Nun denkt man, Frau sei klug, sie lerne was, achte fortan auf ihre spontanen Eingebungen. Doch der Verstand besagter Frau ist unglaublich hartnäckig und hat – drum heisst es wohl DER Verstand – machoähnliche Züge, indem er immer denkt, im Recht zu sein, nur hart genug insistieren zu müssen, um am Schluss erhört zu werden. Und: Es funktioniert.

Frau denkt sich, irgendwas sei nicht ganz koscher, der Gedanke festigt sich. Sie fängt an, zu überlegen, denkt sich, dass es gar keinen Grund gebe, findet Erklärungen dafür, dass es ist, wie es ist, womit das, was nicht koscher erscheint, eben erklärbar und damit verständlich und somit in Ordnung ist. Irgendwo tief drin grummelt zwar noch was, aber es wird immer wieder mundtot gemacht. Dies umso mehr, wenn noch jemand genau die Argumente runter betete, die frau selber zur Mundtotmachung des ach so aufsässigen und mühsamen Spontangefühls bemüht.

Es gibt ein Sprichwort:

Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Dieses spontane Gefühl speist sich irgendwoher. Klar aus Erfahrungen und die werden nicht immer der aktuellen Situation gerecht. Trotz alledem hat die Natur den Menschen (und alle Lebewesen) so eingerichtet, Mechanismen zu entwickeln, die bekannte Gefahren erkennen und entsprechend reagieren helfen. Da auch der Mensch nichts anderes als ein Tier ist und damit durchaus Naturprodukt (was er mit all seiner Gedankenkraft gerne wegdiskutieren möchte, erscheint ihm das doch unangebracht minderwertig ob der hohen Ansprüche, die er an sich und seinen Status stellt), sollte man irgendwann wohl zu der Einsicht gelangen, dass an diesen Gefühlen durchaus was dran ist und was spanisch erscheint auch spanisch ist.

Und ja, vielleicht greift man wirklich mal daneben mit seinen Gefühlen. Interpretiert zuviel in etwas, das nicht da ist. Selbst dann bliebe zu hinterfragen, wo das Spanische herkam, denn irgendwo lag es versteckt.

Das Leben und die Träume

Es war einmal ein Traum, der wollte gelebt werden. Das sei sein Recht, glaubte er, denn überall hörte und las er: „Lebe deine Träume!“ Genau das sollte auch mit ihm getan werden. Das Leben machte ihm einen Strich durch die Rechnung, es stellte ihm die Pflicht an die Seite, die gelebt werden müsse und sagte dem Traum: „Schau, wie du aus der Nummer rauskommst.“ Das Leben wollte sich aber nicht lumpen lassen und bot noch Herz und Verstand als Entscheidungshilfen. Wirklich einfacher wurde es mit den beiden Streithähnen nicht, denn was der eine wollte, fand das andere daneben, wonach sich das eine sehnte, fand der andere untragbar. Und so stritten sie bis in alle Nächte, Traum und Pflicht harrten der Entscheidungen, die da kommen mochten und hielten sich still. Das Leben ebenso.

Endlich kam Licht ins Dunkel, Herz und Verstand näherten sich an, empfanden die Pflicht zwar durchaus als wichtig und nicht zu vernachlässigen, den Traum aber als unbedingt lebenswert. Was wäre das Leben ohne Träume? Das Herz fand, es wäre fad, traurig, leer und trist, der Verstand musste ein wenig einlenken, immer mit dem doch stetig leiser werdenden Einwand: „Aber wenn jeder nur täte, wie er wollte, wo kämen wir da hin?“, den er schlussendlich runterschluckte und nur noch dachte, dass man vielleicht in ein zufriedeneres Leben steuern würde. Das konnte er aber natürlich nicht laut zugeben.

Und wie es im Märchen so ist, käme nun der Abspann: „Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute glücklich. Der Traum ist gelebt, die Pflicht nicht ganz vernachlässigt, Herz und Verstand schauen eng umarmt zu, nicken sich freudig an und lächeln.“ Das Leben macht es den Vieren aber nicht so einfach, es holt einen neuen Traum aufs Tapet. Und vielleicht noch einen. Und auch diese Träume wollen alle gelebt werden, kommen sich aber in die Quere. Wenn der eine gelebt wird, muss der andere weichen und untergehen. Wenn der dritte zum Zuge kommen will, müssen erst zwei aus dem Leben aussteigen.

Herz und Verstand schauen sich an und verstehen das Leben nicht mehr. Sie suchen nach Worten und finden sie nicht. Sie schauen die Träume an und finden sie alle dem ersten nicht minderwertig. Sie schimpfen mit dem Leben und finden es ungerecht. Sie fragen, was sie denn tun sollen und wissen schon, dass sie keine Antwort kriegen. Das macht sie noch wütender. Das Leben selber rollt die Augen gegen den Himmel und findet, sie sollen sich alle nicht so haben. So sei es nun mal.

Ohne Liebe ist alles nichts

Gestern liebt‘ ich,
Heute leid‘ ich,
Morgen sterb‘ ich:
Dennoch denk‘ ich
Heut und morgen
Gern an gestern.

Gotthold Ephraim Lessing hat dieses Gedicht geschrieben. Zwar trägt es den Titel Lied. Aus dem Spanischen, allerdings findet sich trotz Suchen kein spanisches Original, das diesem Gedicht nur ähnlich sähe. Dazu kommt, dass es zu gut in die Biographie des Dichters passt und dadurch darauf hindeutet, dass er mit dem Nachsatz, von sich ablenken, dem Gedicht einen allgemeinen Anstrich geben wollte.

Liebe gilt als höchstes der Gefühle. Wir alle streben danach, suchen sie, brauchen sie gar zum Überleben. So gewünscht und gewollt sie ist, so schwer kann sie auch sein. Die Liebe ist ein Wagnis. Sich darauf einzulassen bedeutet immer ein Risiko, denn nichts macht verletzlicher, als zu lieben und diesem Gefühl freien Lauf zu lassen. Der Geliebte besitzt eine Macht und eine Kraft, die alles übertrifft. Und doch kommt man nicht davon los, sie zu ersehnen. Man nimmt das Leiden in Kauf, nimmt sogar den eigenen Tod in Kauf, nur um diese Liebe spüren und erleben zu können.

Lessing spricht nur von sich. Die Geliebte ist kein Thema. Das Gefühl des Liebens ist an sich schon Glück bringend. Das Wiedergeliebtwerden verdoppelt dieses Glück, aber davon ist hier nicht die Rede. Das Ich steht im Zentrum, es erscheint vier Mal in sechs Zeilen. Es ist die Innensicht eines vormals Liebenden, der nun der Liebe entbehrt, leidet, gar sterben wird, aber trotzdem zurück denkt. Damit geht er auf die rationale Ebene. Er denkt. Er fühlt nicht mehr nur, er denkt auch noch. Und selbst beim Denken erscheint das Fühlen richtig. Trotz des Wissens, wie es endete. Der Verstand rechtfertigt das Gefühl. Das vergangene Gefühl. Es rechtfertigt ein Gefühl, das zum Leid führte, was zeigt, dass das Fühlen des Gefühls, der Liebe, das Leid, das resultieren kann, übertrifft. Und das ist wohl der Grund, wieso man das Risiko immer und immer wieder eingeht. Weil man weiss, dass dieses Gefühl alles übertrifft und jedes Leid wert ist. Selbst wenn man beim Scheitern schwört, nie mehr lieben zu wollen, nie mehr vertrauen zu wollen. Schlussendlich siegt die Sehnsucht nach der Liebe.

Wie schrieb schon Goethe:

Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh ich ans Firmament
nach jener Seite.
Ach! Der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt
Mein Eingeweide
Nur wer die Sehnsucht kennt
Weiß was ich leide!

Die Sehnsucht ist erst gestillt, wenn die Liebe wieder da ist. Denn: Ohne Liebe ist alles nichts.

Geld oder Liebe?

Als ich Kind war, gab es im Fernsehen die Sendung „Geld oder Liebe“, in der auf spielerische Weise Wettbewerbe zu bestehen waren und am Schluss eine Entscheidung darüber gefällt werden musste, ob man sich für die Liebe – den Mann/die Frau vor Ort – oder aber für Geld – den erspielten Betrag – aussprechen möchte. Der Romanitker hätte gerne die Liebe gewählt gesehen, da ich noch jung war, überwog der immens. Der kleine Rationalist in mir sagte zwar schon, dass es a) nur ein Spiel, b) der anwesende Mensch ein unbekanntes Zufallsprodukt und c) wirkliche Liebe anders aussehen müsste. Trotzdem wäre es schön, den Himmel voller Geigen (oder Herzen) zu sehen und sich im Geiste ein „und sie lebten fortan in Glück und Frieden“ vorzustellen.

Wie ist es im wirklichen Leben? Was zählt, was ist wichtig, wofür entscheidet man sich, wenn es hart auf hart kommt? Was sind die Kriterien der Partnerwahl? Entscheidet nur das Herz, wo der Pfeil des Amor einschlägt, bleibt er stecken, ungeachtet dessen, was diese Einschussstelle mit sich bringt, oder zählen auch andere Werte, andere Kriterien? Welchen Stellenwert hat Geld? Welchen gleiche Interessen, gleiche Vorstellungen, gleiche Lebensmuster? Oder sind es gerade die gegensätzlichen Einstellungen, die anziehen?

Die erste spontane Antwort auf diese Frage ist sicher: Nur die Liebe zählt. Wo sie hinfällt, wächst nicht kein Gras mehr, sondern da wächst ganz viel. Wie aber fällt die Liebe? Einfach so? Aus dem Nichts auf einen Menschen? Was macht den anderen zu dem Menschen, den man liebt? Wie verliebt man sich? Haben die Biologen recht, wenn sie von den 3 Sekunden der Entscheidung aufgrund irgendwelcher Lockstoffe und passenden Gerüche sprechen? (Herr Biologe, zu Hilf!) Haben die Psychologen recht, die auf einer ähnlichen Schiene fahren und auch eine kurze Zeit als Matchentscheidend sehen? Wo aber bleiben da die Eigenheiten des anderen? Die Übereinstimmungen? Die Gemeinsamkeiten oder Gegensätzlichkeiten, die so anziehend sein sollen? Alles Schall und Rauch, da wir nur Trieb und animalisch gesteuert sind?

Wo blieben dann all die inneren Werte? Die kennt man doch gar noch nicht. Oder drücken die sich im Geruch aus? Riecht man, ob der andere hilfsbereit, intelligent, verlässlich, treu, ehrlich, verantwortungsbewusst und humorvoll ist? Wenn es nicht der geruch sondern doch ein Anflug von romantischer Liebe per Pfeilschuss ist: sind es dann die inneren Werte oder irgendwelche Phantasien, die der andere weckt? Und woher stammen die Phantasien? Sind sie nicht auch im weitesten Sinne verstandesprodukte? Wie weit entfernt sind wir dann noch vom Geld? Die Phantasie von der goldenen Kreditkarte, man selber in Highheels, gut aussehend neben dem machtvollen erfolgreichen Mann stolzierend, jeden Wunsch von den Lippen abgelesen bekommend da alles möglich ist? Ist sie verwerflicher als die Romantik des mittellosen Jünglings, der so gut aussieht, ein grosses Herz hat, einen auf Händen in den Sonnenuntergang trägt und dabei Gitarre spielt (bitte mich nicht auf die Unmöglichkeit dieses Zusammenspiels hinweisen, das Bild ist grad so schön – nicht plastisch sichtbar allerdings)? Zerplatzt diese Romantik nicht bei der ersten nicht bezahlten Telefonrechnung und spätestens im dritten Winter ohne Heizung, wenn die durch Nähe entstehende Wärme nicht mehr jeglichen weiter führenden Wünsche tilgt?

Liebe ist ein schwieriges Gebiet. Zum einen weiss jeder genau, was es ist, kann es aber nicht so deutlich beschreiben. Zum anderen stecken so viele Hoffnungen, Wünsche, Ziele drin, dass das arme Gefühl kaum noch atmen kann und sichtlich überfordert ist, was sich im häufigen Verflüchtigen derselben (so genannten) zeigt. Was ist die Lösung? Es gibt Kulturen, in denen Ehen geschlossen werden von den Eltern. Die zu Vermählenden kennen sich kaum bis gar nicht, wenn sie vor den Traualtar treten. Oft halten diese Ehen ein Leben lang, die involvierten Menschen scheinen nicht unglücklich. Ich kenne keine Statistiken, habe selber keine dazu gefälscht, glaube das einfach mal so. Woran liegt es? Nur weil sie keine Wahl haben, es zu ändern? Oder vielleicht doch daran, dass gemeinsame Werte und Wertvorstellungen zusammen halten, einen Weg finden helfen? Ist Liebe schlussendlich doch keine Leidenschaft, sondern ein Zusammenraufen und gemeinsam Gehen?

Was also nun? Geld oder Liebe? Das geld steht dabei wohl sinnbildlich für die Verstandesdinge, die Werte im Leben. Dabei gibt es wichtigere und unwichtigere, relevantere und solche, die man aussshliessen kann. Schlussendlich zählt wohl doch über kurz oder lang eine gemeinsame Basis, die Amorpfeil hin oder her, da sein sollte. Geld allein macht nie glücklich, das zeigen all die ach so reichen Promis mit ihren ach so grossen Problemen. Gar kein Geld macht auch nicht glücklich, das sieht man leider viel zu oft auf dieser Welt. Frei entfalten kann sich der Mensch dann, wenn seine Grundbedürfnisse gedeckt sind. Luxus ist schön, aber nicht glückselig machend. Wenn dann das Herz fehlt, nützt alles Geld, alle Vernunft, alle Rationalität nichts – man wird nicht glücklich werden. Das Herz entscheidet, wen man will, der Verstand prüft, ob es gut ist – und schweigt. Entscheidet der Verstand nach Pflichtenheftmanier, was man zu wollen hat, wird das Herz eingehen und die Seele krank.

Geld

Was sind Gefühle
in einer kalten Welt,
in der man bloss
den Schein noch sucht.
Sich zu offenbaren,
als Schwäche gilt,
sich zu öffnen,
zum Angriff ruft.

Was sind Gefühle
in einer harten Welt,
in der man stark sein
und bestehen muss,
um nicht unterzugehen.
Wo als Schwäche gilt,
wenn man offen
fühlt.

Was sind Gefühle
in einer schnellen Welt,
die antreibt nur
zu Höchstleistung.
Wo Romantik als Geplänkel scheint,
Geld nur herrscht
und Macht
gesucht.

Was sind Gefühle
in einer toten Welt,
wo jedes Fühlen
abgewürgt
und der der fühlt
in Ketten darbt,
als Idealist beschimpft
und ruhig gestellt,
auf dass er schweige.

Was sind Gefühle
in dieser heut’gen Welt?
Gibt man auf
Und ist nur Schein?
Gewinnt Verstand,
das Herz soll Schweigen?
Oder wagt man doch
Und ist.

Sein braucht manchmal Mut, ab und an bedeutet es Verzicht. Schein ist Verzicht auf der ganzen Ebene – nicht gleich, aber langsam bohrend, mitten ins Herz, es verletzend. Und mit dem Herz leidet die Seele und das gekaufte Glück ist plötzlich nichts mehr wert.