Fussball und der Nahe Osten

Ich lese vermehrt Entsetzen darüber, dass man sich überhaupt noch über die Fussball-WM unterhalten könne, wenn doch im Gaza die Erde brennt. Ich frage mich da bei aller Tragik der Vorkommnisse im Nahen Osten, was genau so schlimm daran ist. Das Leben findet hier statt und es geht weiter. Sollen alle alles einstellen und nur noch in den Nahen Osten schauen? Wem wäre damit gedient? Soll Freude, Spass, das alltägliche Leben keinen Platz haben, nur weil irgendwo Leid herrscht? Wird damit das Leid dort gemildert?

Wir werden die Konflikte im Nahen Osten nicht lösen können, das können die Betroffenen nur selber. Massnahmen von aussen wären eher kontraproduktiv denn hilfreich. Ich finde es auch bedenklich, Stellung zu beziehen für die Israelis oder die Palästinenser, da dies schlussendlich nur hilft, die Fronten auszuweiten, nicht sie einzudämmen.

Ich finde es wichtig, dass wir im Bewusstsein haben, dass es uns verdammt gut geht, können wir uns freuen – an Fussball, an gutem Essen, an schönen Dingen. Wir sind privilegiert, sicher und gut leben zu können. Leider geht das nicht allen so und das ist traurig. Die Freude am Hier und Jetzt heisst nicht, dass das Leid der anderen übersehen oder vergessen wäre, die Freude nicht zu leben wäre aber keine gute Tat, würde man doch das Gute, das wir haben, nicht schätzen und damit wäre es vergeudet.

5 Comments

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  1. Der Fußball gehört zur europäischen Kultur und heutzutage weit darüber hinaus, wie z.B. das Schwingen speziell zur Schweiz. Da sucht doch auch keiner einen politischen Kontext. Es ist einfach ein Sport, wie ihn die Väter und deren Väter schon interessierte. Wenn da alle 4 Jahre eine WM stattfindet, dann geht das konform mit der großartigen weltumspannenden friedensstiftenden olympischen Idee. Eine Verbindung zur Politik oder zu irgendwelchen politischen Ereignissen sehe ich keine – eher zum Kommerz heutzutage.
    Speziell der Palästina-Israel-Konflikt ist doch eine Dauerkrise mit extrem komplexer Ausgangslage und jetziger Konstellation.
    1999 bereiste ich in damals besten Friedensausichten-Zeiten Israel und auch einige palästinensische Autonomiegebiete, wobei auch damals Gaza und Jericho tabu waren, da gefährlich. Ich sah die grosse europäische Aufbauhilfe für Palästina, um einige Zeit später deren Zerstörung durch Israel in den Nachrichten zu sehen, sah die fleißigen jüdischen Siedler, wie sie eigentliche Wüste zu grünen Oasen machten und dies dann den Neid der Araber nährte… und und und… Extrem komplex und kompliziert die dortige Lage… hat eine Eigendynamik jenseits von anderen Ereignissen auf der Welt. WM oder in China fällt ein Sack Reis um… das ist für die dortigen Betroffenen gleichermaßen uninteressant.

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  2. Ja, ich finde auch, mein Leben und was dazu gehört darf ich mit Freude annehmen, auch wenn es um mich herum viel Leid hat. Ich darf dieses Leid nicht einfach negieren, übersehen, ignorieren etc. und dort, wo ich wirklich um Hilfe GEFRAGT werde, diese nicht verweigern, so sie denn meinen Möglichkeiten überhaupt entspricht. Frieden im Nahen oder auch ferneren Osten oder irgendwo sonst in der Welt stiften, das kann ich auf jeden Fall nicht. Höchstens dafür beten.

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