Puff um einen Kicker

Die Spannung im Stadion steigt, Bochum steht kurz vor dem Aufstieg in die nächste Liga, doch der alles entscheidende Kick des Nachwuchsfussballers Oran Mongabadhi geht daneben. Am nächsten Morgen ist dieser tot, niedergestreckt durch einen Schuss in den Hinterkopf. Die Polizei ermittelt gegen Mongabadhis Freundin, eine Prostituierte mit Lockenkopf, welche kurz nach der Tat blutverschmiert vor der Haustür des Ermittlerduos Lila und Danner steht.

„Ich muss Sie beauftragen“, sagte Curly-Mo ohne Nachnamen. „Ich habe auch Geld“, fügte sie rasch hinzu, als sie meine noch immer gerunzelte Stirn bemerkte. […] „Ich sitze echt in der Scheisse“, gestand Curly […]

Die Suche nach dem wahren Täter gestaltet sich schwierig, da die Verdächtigen zunehmen, die Situationen zunehmend brenzliger werden, Streitereien zwischen Lila und Danner noch erschwerend dazu kommen. Nach einem besonders heftigen Streit nimmt Lila die Nachforschungen in die eigenen Hände und begibt sich dabei in Gefahr. Nicht nur die Aufklärung des Falls, sondern auch ihr Leben steht plötzlich auf dem Spiel.

Tödlicher Kick ist ein solide gestrickter Krimi, der kriminalistische Aufklärungsarbeit mit Beziehungsproblemen, Vergangenheitsbewältigung der Protagonisten und aktuellen Themen wie Homosexualität im Fussball und Prostitution und Frauenhandel zu einem unterhaltsamen Ganzen verwebt.

Man dachte schon nach Das fünfte Foto, dass Lila ihre Vergangenheit aufgearbeitet hätte und nun froh in die Zukunft ginge, allerdings scheint ihre Vergangenheit Stoff für mehrere Bewältigungsschübe zu liefern, so dass sie auch in diesem Buch wieder eines der zentralen Hintergrundthemen ist. Dass Danner ebenfalls mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, macht das Miteinander des Ermittlerteams umso schwerer und die Beziehungsthematik nimmt einen vergleichsweise grossen Stellenwert in der ganzen Geschichte ein. Nichtsdestotrotz ist Lucie Flebbe auch mit Tödlicher Kick ein flüssig zu lesender, unterhaltsamer und spannender Krimi gelungen. Krimifreunde werden bei dem Buch auf ihre Kosten kommen.

Fazit:
Ein solide gestrickter Krimi, unterhaltsame und spannende Lektüre. Empfehlenswert.

 

Zur Autorin
Lucie Flebbe
Lucie Flebbe wurde 1977 in Hameln geboren. Bereits mit 14 Jahren verfasste sie ihren ersten belletristischen Text, Die Geschichte eines Rennpferdes, welchen sie in einem spanischen Verlag veröffentlichen konnte. Lucie Flebbe ist Physiotherapeutin und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Bad Pyrmont. Mit ihrem Krimidebüt Der 13. Brief wurde sie mit dem Friedrich-Glauser-Preis als beste Newcomerin ausgezeichnet. Von ihr erschienen sind bislang unter anderem Der 13. Brief (2008), Hämatom (2010), Fliege machen (2011), 77 Tage (2012), Das fünfte Foto (2013).

Ein Interview mit der Autorin findet sich hier.

Angaben zum Buch:
FlebbeKickTaschenbuch: 285 Seiten
Verlag: Grafit Verlag (11. März 2014)
ISBN: 978-3894254353
Preis: EUR 10.99/ CHF 17.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Ich lese vermehrt Entsetzen darüber, dass man sich überhaupt noch über die Fussball-WM unterhalten könne, wenn doch im Gaza die Erde brennt. Ich frage mich da bei aller Tragik der Vorkommnisse im Nahen Osten, was genau so schlimm daran ist. Das Leben findet hier statt und es geht weiter. Sollen alle alles einstellen und nur noch in den Nahen Osten schauen? Wem wäre damit gedient? Soll Freude, Spass, das alltägliche Leben keinen Platz haben, nur weil irgendwo Leid herrscht? Wird damit das Leid dort gemildert?

Wir werden die Konflikte im Nahen Osten nicht lösen können, das können die Betroffenen nur selber. Massnahmen von aussen wären eher kontraproduktiv denn hilfreich. Ich finde es auch bedenklich, Stellung zu beziehen für die Israelis oder die Palästinenser, da dies schlussendlich nur hilft, die Fronten auszuweiten, nicht sie einzudämmen.

Ich finde es wichtig, dass wir im Bewusstsein haben, dass es uns verdammt gut geht, können wir uns freuen – an Fussball, an gutem Essen, an schönen Dingen. Wir sind privilegiert, sicher und gut leben zu können. Leider geht das nicht allen so und das ist traurig. Die Freude am Hier und Jetzt heisst nicht, dass das Leid der anderen übersehen oder vergessen wäre, die Freude nicht zu leben wäre aber keine gute Tat, würde man doch das Gute, das wir haben, nicht schätzen und damit wäre es vergeudet.

Stell dir vor, es ist Weltmeisterschaft und alle schauen weg

Bald geht es los mit der Fussballweltmeisterschaft in Brasilien. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, es wird geplant, gebaut, geklotzt. Tausende von Menschen werden ihrer Häuser beraubt, Schulen geschlossen, Gelder in der Höhe von drei vergangenen Weltmeisterschaften verschwendet. Brasilien ist im Fussballfieber oder besser: Das Fussballfieber macht Brasilien krank? Ist das Irrsinn oder wirklich noch Sport und Freude?

Wenn in einem Land so viele Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, weil Armut um sich greift, ist es ein Hohn an der Menschlichkeit und ein Schlag gegen die Menschenwürde, wenn man so viel in glänzendes Fussballambiente investiert und die ansässigen Menschen gar noch mit Füssen tritt, indem man Ihnen das Zuhause und die Bildungsmöglichkeiten nimmt. Fussball ist zu einem reinen Finanzgeschäft geworden (nicht erst heute, nicht erst seit Brasilien).  Was schon im nationalen Fussball zu sehen ist, indem die zahlungskräftigsten Mannschaften oft die Ranglisten anführen, nimmt international immer haarsträubendere Formen an.

Schon die Weltmeisterschaften in Südafrika schlugen hohe Wellen. Gefahren und Risiken wurden in den schwärzesten Farben ausgemalt. Das ganz grosse Fiasko blieb aus (keine Tausende von Toten und dergleichen), aber von positiven Effekten (für das Land) ist auch wenig zu sehen.  Eine Studie[1], im Auftrag des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks erstellt, zeigt die eher düsteren Auswirkungen der FIFA Weltmeisterschaften auf Südafrika. Als Fazit kann gelten:

Heute ist es offensichtlich, dass sich die Schätzungen von 2003, in denen Südafrika nur  minimale“ Kosten und „signifikante“ materielle Nutzen versprochen worden waren, ins  Gegenteil gedreht haben.

Das Geld, das nun auch in Brasilien investiert wird, könnte in Anbetracht des Mangels in diesem Land (und auf der ganzen Welt) besser eingesetzt werden. Das müsste nicht mal zwingend auf Kosten des sportlichen Wettkampfes gehen, der könnte trotzdem stattfinden, einfach anders und zu menschen- und umweltfreundlicheren Konditionen. Dabei nun das Argument anzuführen, dass es auch andere Gelder gäbe, welche man umverteilen könnte, so dass niemand Mangel leiden müsste, wäre Milchbüchleinverfahren. Wenn man immer das andere Töpflein als das bezeichnet, aus welchem genommen werden soll, das eigene aber nur gefüllt haben möchte, zeugt das von keiner gemeinschaftlichen und vor allem solidarischen Verteilungspolitik. Wenn nun jeder so denkt, was heutzutage der Fall scheint, wird sich nie etwas ändern und die Schere zwischen Arm und Reich immer noch grösser werden. Die, welche Macht über einen Geldtopf haben, werden ihn verschlossen halten, die, welche des Geldes bedürfen, schauen in die Röhre.

Ich habe heute schlechte Laune. Sie kam so über mich und blieb. Der gefällt es bei mir besser als es mir mit ihr gefällt. Üblerweise hat sie mich nicht mal gefragt, ob sie kommen darf, sie war einfach da, schlich sich so ein, Schritt für Schritt. Und blieb dann. Vermutlich wusste die ganz genau, dass ich sie nicht haben wollte, drum fragte sie gar nicht erst. Mein Sohn hat dieselbe Taktik. Wenn er weiss, es kommt ein Nein, fragt er gar nicht erst, sondern macht einfach. Später darauf angesprochen, wieso er nicht gefragt hat, kommt: „Du hättest eh nein gesagt.“ Die Logik ist bezwingend.

Heute war ein Tag des Wartens. Ich hasse warten. Dass es dann gleich gehäuft kommt, macht es nicht besser, man gewöhnt sich nicht wirklich dran. Denkt nicht: „Warten, ach, das kenne ich schon, das ist mittlerweile mein Leben, so mag ich das, weil es immer so ist.“ Nein. Auch wenn ich sonst sehr auf Gewohnheiten und Alltag stehe, es gibt so gewisse Dinge, die ich da nie dazu zählen würde. Warten ist eines davon. Klar könnte man sich der östlichen Philosophie folgend darauf einigen, man meditiert die Zeit. Nervt sich nicht, dass man warten muss, sondern geniesst die Zeit als geschenkte Ruhe. So quasi. Nur: wenn ich Zeit für mich möchte, findet das nicht zwingend am Rand eines Fussballplatzes statt, wo man nix tun kann, als den hin und her trippelnden Kinderchen zuzusehen. Klar, wäre ich eine absolut begeisterte Übermutter, die mit vollem Eifer hinter den wie auch immer gearteten Talenten ihres Fussballsprosses steht und alle durch die Anfeuersalven in Grund und Boden schreit, dann wäre das was anderes. Leider gehöre ich nicht zu dieser Gattung, bin sogar ziemlich weit davon entfernt.

In der Annahme, das Training dauere eine Stunde (es war das erste Mal) nahm ich nichts mit, die eine Stunde, so dachte ich, geht vorbei. 30 Minuten waren um, ich berdauerte diesen Entscheid. 45 Minuten – ich flehte den netterweise abwesenden Herrn des Hause Cosima an, mich doch bitte anzurufen, wenn er schon vorzog, das Land zu verlassen statt das Kind zum Fussball zu bringen. Das tat er auch. Da ich nicht wirklich gerne telefoniere, er dazu noch Termine hatte, dauerte das Telefonat nicht wirklich ausreichend lang.

Und dann. Kam sie. Die Hiobsbotschaft. Das Training dauert nicht eine Stunde. Das dauert ganze 100 Minuten. Der Akku des Handys neigte sich zum Ende, der Hintern schmerzte, der Kopf brummte. Der Hund mit Durchfall wartete zu Hause. Die Gedanken, wie die Wohnung aussieht, wenn man endlich mal wieder zu Hause ist, überschlugen sich. Die Stimmung war nicht wirklich steigend.

Doch irgendwann schien es soweit. Sie standen still auf dem Rasen. Mein Herz schlug höher. Ich stand auf, fing auch an zu trippeln – von einem Fuss zum andern. Zu früh gefreut. Penalty Schiessen. Wie die nur schon ihre Bälle büschelten. Sich sammelten. Den Abstand ausmassen. Alles reine Zeitmache. Ich habe es durchschaut. Die wollen mich fertig machen. Die schaffen das. Dann die Diskussionen, wer nun dran sei. Die Trainingszeit ist abgelaufen. Ich hätte es geschafft. Aber nein. Die wollen wohl besonders enthusiastische Trainer sein. Die überziehen. Mist. Ich will das nicht. Ich will nun heim. Sofort. In mein wohl ziemlich verschi…enes Zuhause. Wobei das Zuhause nichts dafür kann, das liegt eher am Hund. Aber auch der kann nichts dafür. Der hat Durchfall. Und war noch nie so lange alleine. Und hätte auch nie so lange alleine bleiben sollen, wäre das Training nur eine Stunde gegangen. Oder wenigstens nicht noch in Überlänge zelebriert worden.

Ich erinnere mich kurz an mein vorgängiges Telefonat mit dem Trainer. Er wolle keine Kinder von Müttern, die ihre Kinder zu sehr pushen, zu sehr auf Erfolg trimmen und drum ins Fussball zwingen. Wer hat eigentlich mal an die Mütter gedacht, die gezwungen sind, am Spielrand zu sitzen und die Zeit totzuschimpfen? Gut, dass niemand an uns denkt, daran könnten wir uns mal gewöhnt haben. Schon wenn wir bei der Geburt sagen, das soll nun einfach aufhören, weh zu tun, der Mitbewohner soll nun einfach rausflutschen und gut ist. Niemand hört auf einen. Der Mitbewohner am wenigsten. Und das wird später zum Programm. Das weiss man zum Glück nicht, man behielte ihn wohl sonst drin. Stiller wäre es allemal. Und man sässe nie am Fussballfeldrand.

Sagte ich schon, dass ich heute schlechte Laune habe? Es war mir so. Ich muss wohl abgeschweift sein. Aber ist nun auch egal. Ich bin nun zu Hause, das war heil, der Hund dicht. Das Kind schläft. Ruhe herrscht. Eigentlich ein schöner Tag, nicht?