Die Erinnerung an den Verlust lebendig halten

Wann endet ein Leben, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder wenn es sinnlos erscheint, dass es noch schlägt?

Neun Jahre ist es her, dass sich Irene das Leben nahm. Hinrich, zum stattlichen Heinrich fehlt ihm ein „e“, hat mit ihr die Liebe seines Lebens verloren. Er ruft sich ihren Geruch, ihr Wesen, jedes Detail von ihr ins Gedächtnis. Hinrich geht in sich, denkt über das Leben und den Tod nach, was die Liebe bedeutet und was, wenn man die Liebe des Lebens verloren hat.

Irene war die Liebe meines Lebens, jede Geste von ihr hatte Weltrang, aber was heisst das, jenseits dieser Worte? Heisst das, ohne sie gab es kein richtiges Leben mehr, oder heisst es, jede andere Liebe fiele dagegen ab?

Wie geht es nach dem Verlust der Liebe weiter? Hinrich lebt sein Leben weiter, da sind noch sein Enkel Malte und seine Tochter Noemi, da ist Zuzan, die sich jeden Monat um ihn kümmert. Auch die Erinnerungen an die Zeit mit einer früheren Geliebten brechen wieder auf. Immer aber bleibt eines im Zentrum: Irene. Und die Frage nach dem Warum. Und die Frage nach Verlust, nach Leben, Tod und danach, wann Liebe endet.

Bodo Kirchhoff schreibt mit Verlangen und Melancholie ein Buch über die Liebe und ein Buch über den Tod. Er erzählt die Geschichte eines Verlustes und wie danach ein Weiterleben möglich ist. Er lässt Hinrich als Ich-Erzähler über sein Leben und seine Erinnerungen sprechen, so dass wir dessen Gedanken direkt und ungefiltert von ihm selber erfahren. Als Leser tauchen wir so ein in die Erinnerungen an ein Leben mit Irene. Wir lernen die Frau, die Hinrichs Lebensliebe war, durch seinen Blick kennen.

Bodo Kirchhoff berührt viele Fragen mit seinem Roman. Es ist ein Roman über das Alter, über Verlust; er handelt von Verrat, Gefühlen, und Verpflichtung – auch über den Tod hinaus. Bodo Kirchhoff schreibt über all diese elementaren Themen in einer tiefgründigen, durchdachten Weise, in einer Sprache, die direkt aus Hinrich herauskommt, die seine Sprache ist, getränkt von seinen Gefühlen, von seinen Erinnerungen, von seinem Kampf zurück ins Leben und davon, diesem Leben noch einen Sinn abzugewinnen, ihn sich wieder zu erarbeiten. Der Roman hat gewisse Längen, die aber in Anbetracht der sonstigen Grossartigkeit vernachlässigbar sind.

Fazit:
Ein tiefgründiger, tiefgehender Roman um die elementaren Themen des Lebens. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Bodo Kirchdorff
Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Zuletzt erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt sein von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeierter Roman Die Liebe in groben Zügen (2012).

 

Angaben zum Buch:
verlangen_und_melancholieGebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt (1. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3627002091
Preis: EUR 24.90 / CHF 37.90

 

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Abschied ohne Ende

Demenz ist eine Krankheit, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Kaum eine Familie, in der kein Mitglied oder Freund daran erkrankt ist. Kaum eine Familie, in der keiner einen Angehörigen eines demenzerkrankten Menschen kennt und immer mehr Menschen werden zu Angehörigen von demenzerkrankten Menschen.

Liegt bei vielen Büchern der Schwerpunkt auf der Krankheit, auf dem Patienten, wendet sich Pauline Boss den Angehörigen der Patienten zu und zeigt die Schwierigkeiten auf, mit denen diese Angehörigen tagtäglich zu kämpfen haben. Sie zeigt die Trauer über den Verlust, der doppelt schwer ist, weil der Mensch, um den man trauert, noch da ist, aber nicht als der, den man kennt, sondern in einer veränderten und sich immer weiter verändernden Form. Neben der Trauer kommen weitere Probleme wie Erschöpfung, Isolation, Hilflosigkeit und auch Wut ins Spiel. Und als ob das nicht genug wäre, stehen auch Fragen nach Sinn und Hoffnung im Raum und man kämpft mit Schuldgefühlen, wenn man sich überfordert fühlt als Angehöriger und dementsprechend auch mal handelt, wie man das nicht möchte.

Sinn und Hoffnung zu finden, das ist möglich, selbst in einer so herausfordernden Situation wie in der Begleitung einer geliebten demenzerkrankten Bezugsperson. Doch es braucht Strategien, damit dies möglich ist.

Pauline Boss hat Leitlinien entwickelt, die betreuenden Angehörigen helfen sollen, ihre schwierige Situation an der Seite eines demenzerkrankten geliebten Menschen zu meistern. Diese Leitlinien sollen helfen, die Resilienz (Fähigkeit, in Krisen auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zurückzugreifen, und daran zu wachsen) zu erhöhen und Stress abzubauen.

Eine kontinuierliche individuelle Beratung und Begleitung der Angehörigen sind wichtiger als jeder andere therapeutische Ansatz. Patienten sind das „Spiegelbild“ der Angehörigen. Wenn die Angehörigen nicht überfordert sind, nicht argumentativ, sondern verstehend mit den demenzerkrankten Personen umgehen, fühlen sich die Betroffenen sicher, und es entstehen weniger Verhaltensstörungen.

Wichtig ist wohl die Einsicht, dass es keine perfekten Beziehungen gibt, schon gar nicht in Bezug auf demenzerkrankte Menschen. Ziel soll es sein, so Pauline Boss, genügend gute Beziehungen zu haben. Dies ist nicht einfach, da man immer weiss, wie Beziehungen mal waren und nun einer veränderten Beziehung gegenüber steht, in der einem vieles fehlt, was früher Kern der Beziehung war.

Es ist besonders schwierig, einen Sinn darin zu sehen, weil ein geliebter Mensch gleichzeitig da und doch so fern ist. Die Beziehung, die Sie einmal zu ihm gehabt haben, hat sich grundlegend gewandelt. Es fühlt sich so an, als ob eine fremde Person zu Hause wäre. Nichts ist klar und endgültig. Sie befinden sich in einer Warteschleife, ohne die Möglichkeit zu trauern oder einen Sinn darin zu sehen.

Pauline Boss versucht, Angehörigen Mut zu machen, sie zeigt Wege auf, mit der schweren Situation umzugehen. Sie zeigt die Wichtigkeit, sich auch als Angehöriger eines demenzerkrankten Menschen nicht selber zu vergessen, sondern sein eigenes Leben achtsam gegen sich zu leben. Sehr zentral ist dabei auch der Umgang mit Menschen, um nicht in eine Isolation zu geraten.

Der Umgang mit Demenz ist schwer, er ist körperlich wie seelisch belastend. Die Hilflosigkeit und der Verlust der Kontrolle lösen Stress aus und die Unabwendbarkeit lässt Wut und das Gefühl von Sinnlosigkeit aufsteigen. Sich den Gefühlen zu stellen, ist wichtig, gewisse Situationen in ihrer Absurdität zu erkennen und auch darüber zu lachen, kann dem Ganzen ab und an den Schrecken nehmen. Das Akzeptieren, dass die Beziehung nicht mehr ist, wie sie mal war, aber eine neue entsteht, kann mit der Zeit entlasten und die Trauer etwas mildern.

Die Anforderungen an betreuende Angehörige sind so hoch. Wie kann ich mich da noch um mich selber kümmern?

Es ist wichtig zu sehen, dass man nicht alleine ist, dass man Hilfe annehmen darf, dass man auch zu sich schauen soll, nicht nur für den anderen da sein muss. Pauline Boss zeigt Mittel und Wege, wie man als Angehöriger einen Weg finden kann, mit den Herausforderungen der Begleitung und Betreuung eines demenzerkrankten Menschen umgehen kann. In einem Anhang findet man weiterführende Informationen und Empfehlungen der Herausgeberinnen sowie Literaturtipps.

Fazit:
Ein schwieriges Thema von einer neuen Seite angepackt. Ein Buch, das Angehörigen von Demenzkranken Mut machen und ihnen Wege zur besseren Bewältigung ihrer Rolle aufzeigen will. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Pauline Boss
Pauline Boss, PhD, ist emeritierte Professorin an der Universität Minnesota und hielt eine Gastprofessur an der Harvard Medical School inne. Bekanntheit erlangte sie mit ihren bahnbrechenden Untersuchungen zur Stressreduktion bei Personen, deren Angehörige oder Freunde von Demenz betroffen sind.

Dr. med. Irene Bopp-Kistler (Hg.)
Irene Bopp-Kistler hat an der Universität Zürich Medizin studiert und sich zur Fachärztin für innere Medizin ausbilden lassen. Später spezialisierte sich Bopp auf das Gebiet der Geriatrie. Heute ist sie leitende Ärztin der Memory-Klinik Waidspital Zürich. Ein grosses Anliegen ist ihr die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Sie hält Vorträge und publiziert Schriften zum Thema Demenz.

Marianne Pletscher (Hg.)
Marianne Pletscher hat seit den frühen 1970er-Jahren für das Schweizer Fernsehen gearbeitet, unter anderem als Newsredaktorin, Kassensturz- und Rundschaureporterin, Auslandkorrespondentin und Produzentin. Seit rund 20 Jahren arbeitet sie fast ausschliesslich als Dokumentarfilmerin. Zum Thema Demenz hat sie die Filme »Glück im Vergessen?« (2009), »Behütet ins gemeinsame Boot« (2012) und »Sinn und Hoffnung Finden« (2013) realisiert. Zudem ist sie als Dozentin für Dokumentarfilm tätig.

Angaben zum Buch:
BossDaGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: rüffer & rub Sachbuchverlag (12. September 2014)
ISBN-Nr.: 978-3-907625-74-3
Preis: EUR 29.80 / CHF 36

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Was zählt im Leben

Heute ist der erste Schultag nach dem Tod meiner Mutter. Ich steige die Treppe zu meinem Klassenraum hinauf und spüre, wie mich alle anstarren. ich bemühe mich, möglichst normal zu wirken, obgleich ich mich fühle, als hätte die Welt mir mein innerstes Geheimnis entrissen.

Als Alessandra 17 Jahre alt ist, verliert sie ihre Mutter nach langer Krebskrankheit und bleibt bei ihrer Grossmutter zurück. Alessandra kann nicht einfach weiter machen wie bislang, sie entzieht sich dem bislang gelebten Leben und verzieht sich in eine eigene Welt. Was im Aussen nur als neuer Platz im Schulzimmer aussieht, nämlich die hinterste Bank neben dem Klassen-Loser Zero, entwickelt sich nach und nach zu einer Suche nach einem neuen Dasein.

Nach Hause zu kommen ist immer das Schwerste. Alles ist so still und ordentlich, als wäre die Zeit an jenem Tag stehengeblieben.

Dabei rebelliert Alessandra gegen alles und jeden, gegen das Leben an sich, trotzdem kann sie ihrer Erinnerung nicht entkommen.

Das Letzte, woran ich denke, ehe der Schlaf mich übermannt, ist, dass ich auf der Flucht in einem Käfig lebe.

Alessandra muss sich ihren Gefühlen stellen, kann ihnen nicht mehr davon rennen und findet dabei heraus, was wirklich zählt im Leben.

Der Regen in deinem Zimmer ist ein sehr nachdenkliches Buch, das in einer klaren Sprache, ohne Pathos, ohne zu viel Emotionalität oder Psychologisierung der Figuren und Situationen den Umgang eines Teenagers mit dem Verlust seiner Mutter und damit mit dem Auseinanderbrechen der eigenen gewohnten Welt erzählt.

Fazit:
Ein tiefgründiges, stilles Buch, das zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert.

 

Zum Autor
Paola Predicatori
Paola Predicatori, geboren in Senigallia (Marken), ist Buchhändlerin und lebt in Mailand. „Der Regen in deinem Zimmer“ ist ihr erster Roman.

 

PredicatoriRegenAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 238 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag (1. März 2013)
Übersetzung: Verena von Koskull
ISBN-Nr.: 978-3351035204
Preis: EUR  16.99 / CHF 26

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Des Lebens Tiefen

Als Cal beim Untergang einer Bohrplattform ums Leben kommt, steht Helen mit ihren vier Kindern von einem Tag auf den anderen alleine da. Sie sieht sich vor der Situation, das Leben, das sie gemeinsam mit ihrer grossen Liebe meistern wollte, nun alleine bestreiten zu müssen.

Wegen der Kinder verspürte Helen grossen Druck, so zu tun, als gäbe es kein Ausserhalb. Oder wenn es doch eines gab, so zu tun, als sei sie ihm entkommen. Helen wollte, dass die Kinder glaubten, sie sei drinnen, bei ihnen. Das Ausserhalb war eine hässliche Wahrheit, die sie für sich zu behalten gedachte.

Während sie nach aussen die Starke Frau markiert, für ihre Kinder eine liebevolle Mutter ist, wird sie innerlich zerfressen von dem Verlust, der Trauer. Oft sind es nur ihre Kinder, die sie davor bewahren, ihrem Mann in die Wellen zu folgen. Die Kinder werden grösser, Helen wird sogar Grossmutter, das Familienleben ist bunt, nicht immer einfach. Das Leben geht beständig weiter und es hält auch für Helen noch viel bereit, für das sie sich langsam wieder öffnen kann.

Lisa Moore gelingt mit Und wieder Februar eine Familiengeschichte, die einen ganz und gar in den Bann zieht. Ihre eigenwillige Erzählform, bei welcher aktuelle Alltagserlebnisse mit Erinnerungen durchsetzt werden, fügt Teil für Teil ein ganzes Lebens-Puzzle zusammen. Langsam wird so die Vergangenheit in die Gegenwart eingewoben, nimmt die Geschichte von Helen Raum im Heute ein und zeigt, wie dieses Heute entstanden ist. Ohne Kitsch und Pathos versteht es Lisa Moore, eine Geschichte von Verlust, Trauer, Weiterleben, Liebe und Familie zu erzählen. Es ist die Geschichte einer Frau, die nach dem Verlust ihres Mannes die gemeinsamen Kinder grosszieht und für sie stark ist, trotz ihrer Trauer um den geliebten Mann, trotz des Verlustes und der fehlenden Unterstützung durch diesen.

Fazit
Ein Buch, das einen einnimmt und nicht mehr loslässt. Sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
Lisa Moore
Lisa Moore, 1964 in St. John’s, Neufundland, geboren, studierte Kunst am Nova Scotia College of Art and Design. Sie gilt als eine der talentiertesten Schriftstellerinnen ihrer Generation. Ihr Debütroman „Alligator“ sowie der Erzählungsband „Open“ waren nationale Bestseller. Mit „Und wieder Februar“ war sie Finalistin für den „Man Booker Prize“.

MooreFebruarAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. August 2013)
Übersetzer: Kathrin Razum
ISBN: 978-3442479054
Preis: EUR  8.99/ CHF 14.90

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Fragte man vor einigen Jahrzehnten, was Familie ist, so war die Antwort einigermassen einfach: Vater, Mutter, Kinder im innersten Kreis, dazu kamen Onkel, Tanten, Cousinen, Grosseltern, Grosstanten. Alles einfach, alles einigermassen linear. Dann begann es, schwierig zu werden. Innerste Kreise brachen auf. Wo vorher Vater, Mutter Kinder waren, blieben Mutter und Kinder hier, Vater und Kinder dort. Als ob das nicht genug wäre, gesellten sich auch Onkel, Tanten, Cousinen und Grosseltern zu den jeweiligen Elternteilen, zu denen sie ursprünglich gehörten. 

Verstandesmässig ist die ganze Sache immer noch einfach zu verstehen. Sie ist auch rational nachvollziehbar und liegt im alten Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ begründet. Blickt man tiefer, wird es schwerer. Man heiratet eines Tages aus Liebe einen Menschen und kriegt eine neue Familie dazu. Im besten Fall wird man willkommen geheissen, hört Sprüche, die einen als neue Tochter, neuen Sohn begrüssen. Bricht die Ehe, wird man oft zum verstossenen Sohn, zur fallengelassenen Tochter. Man steht wieder alleine da. Zurück bleibt das Gefühl, nur aufgrund der Liaison angenommen worden zu sein. Es ging gar nie um einen selber.  

Nun könnte man also sagen, dass die Welt böse und schlecht geworden ist, früher alles besser war. Allerdings würde man dabei vernachlässigen, dass man von einem sehr idealen Bild einer sehr heilen Welt ausgegangen ist. Früher waren vielleicht Scheidungen weniger aktuell, dafür starben Mütter weg, Familien waren nie in dem Sinne aktuell, wie wir sie heute als Idealbild vor Augen haben, und Schwiegermütter mochten Schwiegertöchter nicht (auch da ging es selten um den Mensch, mehr um die Rolle). Dann war auch kein eitel Sonnenschein und alles war genauso kompliziert. 

Erschwerend ist wohl der Wechsel der Gefühle. Erst grosse Liebe und Familie, dann grosse Leere und Verstoss. Das Wechselbad macht die Situation schwierig. Wo liegt die Lösung? Ausrufen „habt euch alle lieb“? Sich nie auf neue Modelle einlassen, weil sie zerbrechen könnten? Dann dürfte man gar keine Beziehungen mehr eingehen, denn Partner gehen, entlieben sich oder werden entliebt, Eltern werden älter, man selber flügge, Hunde entlaufen und alle miteinander sterben sie irgendwann.

Damit würde man aber all die schönen Momente verpassen, würde sich um viel Glück betrügen und wozu? Weil die Gefahr bestehen könnte, dass es nicht hält, dass es kein ewiges Glück ist? Aber ist Glück je ewig? Sind es nicht immer neue Glücksmomente, die einem das Leben schön machen, um wieder zu gehen, bis ein nächster kommt. Das Leben ist ein ständiger Wandel, was so auch gut ist, denn sonst stünden wir noch heute da, wo wir vor 5/10/20 Jahren waren. Wir hätten keine neuen Erkenntnisse gewonnen, uns nicht weiter entwickelt. Kaum einer fände das erstrebenswert. Zum Wandel des Lebens gehört auch, gewisse Dinge loszulassen, wenn die Zeit dazu reif ist.

Das gilt auch für Menschen. Es gibt Menschen, die streifen dein Leben, werfen dir einen Blick zu. Es gibt Menschen, die treten in dein Leben, zeigen dir etwas, gehen wieder. Und es gibt Menschen, die kommen, um zu bleiben. Für eine Zeit, für lange, für sehr lange. Alle haben ihren Platz, alle ihre Bedeutung. Ob man diese Menschen nun Familie, Freunde, Geliebte, Bekannte nennt, ist dabei gar nicht so wichtig. Wichtig ist, das Gefühl anzunehmen, das sie einem geben in dem Moment, in dem sie da sind.