Ent-Täuschung

Nimm einem Menschen sein Spielzeug weg und er zeigt sein wahres Gesicht.

So lange ein Mensch hat oder kriegt, was er möchte oder zumindest die Hoffnung behält, es (wieder) zu erlangen, zeigt sich derselbe von seiner besten Seite, verspricht, wenn nötig, das Blaue vom Himmel, ist zu allem bereit. Wehe, wenn die Hoffnung schwindet, die Dinge nicht nach seinem Sinn laufen. Wie weggewischt ist das freundliche Lächeln, all die Schwüre, Versprechen, noblen Gesten sind vergessen, zurück bleibt, was immer schon da war, allerdings überdeckt wurde durch den angenommenen Nutzen.

So gesehen erlebt man in solchen Situationen eine wahre Enttäuschung, indem wegfällt, was eh nur vorgetäuscht war und sich zeigt, was wirklich dahinter steckte. Enttäuschungen können insofern befreiend sein, indem sie einem deutlich zeigen, was wirklich Sache ist. Schade, treten sie oft erst dann ein, wenn die Täuschung schon zu gross war und man Folgen trägt, die man mit einer früheren Enttäuschung hätte vermeiden können. Tröstlich ist, dass mit jeder Enttäuschung die Erfahrung wächst und hilft, weitere Täuschungen zu vermeiden. Schade wäre es allerdings, aufgrund negativer Erfahrungen keine neuen mehr machen zu wollen, denn ab und an steckt wirklich drin, was vorne drauf steht.

4 Comments

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  1. Ich kenne den konkreten Fall absolut nicht – aber ich stelle mir vor: Vielleicht sind beide Seiten nicht konkret genug geworden. Jeder meint, was anderes wäre „verhandelt“ worden. Man hat nicht nachgefragt, was gemeint war, aus Angst vielleicht – und hegt stattdessen stille Hoffnung, an die man sich klammert. Und wird dann enttäuscht, weil man eigentlich nicht „die Kommunikation“ verstanden hat und auch sich selbst mit seiner Not.

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    • Es gibt immer zwei Seiten bei einer Geschichte – oft noch mehr. Wer nun Schuld hat oder wer zu verurteilen ist, bringt in meinen Augen nichts. Jeder kümmert sich um seine Seite, versucht, mit dieser aufzuräumen. Schön wäre der Versuch, Verständnis für die andere Seite aufbringen zu können. Das muss nicht heissen, dass man gut heisst und findet, was der andere tut, aber zumindest zu verstehen versucht, wieso er es tut.

      Charaktere sind verschieden und jeder geht mit Situationen anders um. Es geht nicht mal um einen spezifischen Fall, sondern es fiel mir schon oft auf, dass der Mechanismus ähnlich abläuft. Das freundliche Gesicht bleibt so lange stehen, wie es noch was bringt. Ist alles verloren geglaubt, packt man andere Mittel aus. Natürlich sind nicht alle Menschen so, es gibt auch andere. Wer nun die Ausnahme sei und wer nicht, muss jeder mit sich selber klären. Ich schreibe hier ja nur immer meine Gedanken auf, aus meiner Sicht der Dinge. Dabei bin ich immer dankbar um eine Sicht von aussen, denn ich bin der festen Überzeugung, dass man nur im Diskurs zu weiteren Erkenntnissen kommt. Drum danke ich dir für deinen immer sehr differenzierten Input zu meinen Gedanken.

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      • Ich danke Dir!

        Das Verstehenkönnen des anderen, das Du anführst, ist nach meiner Ansicht nicht ohne weiteres möglich. Das hängt auch damit zusammen, daß sich jeder selbst nicht ausreichend kennt.
        Ich denke, man muß immer ein „vermutlich“ oder vielleicht“ bei seiner Darstellung über die oder den anderen anfügen. Das Beste, was man sagen kann, ist, daß man „viel“ über die andere oder den anderen weiß..

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        • Wissen kann man über den anderen nichts, man kann sich nur anhören, was er sagt und versuchen, das nachzuvollziehen – mit einem offenen und verständnisvollen Herzen. Aber das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn Gefühle (verletzte noch dazu) im Spiel sind. Wo Menschen sind und miteinander agieren, wird es schwierig. 😉

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