Steuern – alle Jahre wieder

Kürzlich las ich auf Facebook eine Anzeige, dass eine Firma für sage und schreibe CHF 50 eine komplette Steuererklärung erstelle inkl. Gratisordner, in welchem alles fein säuberlich abgelegt wäre. Nun erwirke ich grundsätzlich jedes Jahr eine Fristerstreckung, die ich bin zum letzten Tag ausreize und dann am Nachmittag, kurz vor Briefkastenleerung, hinsitze, um sie doch noch auszufüllen. Ein Problem ist es eigentlich keines, ich kann das… aber ich schiebe es zu gerne auf.

Ich füllte das Formular aus, harrte der Dinge, die da kommen sollten und wollten – und sie kamen. Heute rief ein netter Herr mit undefinierbarem Dialekt (ich schwanke zwischen St. Gallen, Freiburg und Thurgau, tendiere zu einer Mischung aus allem) an und erklärte mir nochmals alles, was ich schon aus dem Inserat wusste. Es folgte die Aufzählung dessen, was ich alles bräuchte und die besorgte Frage, ob ich das alles hätte. Irgendwann unterbrach ich den guten Mann und meinte, ich könnte grundsätzlich eine Steuererklärung ausfüllen, da ich in dem Bereich gearbeitet hätte (noch dazu für eine sehr renommierte Firma), sei aber einfach zu faul, es zu tun. Schweigen. Das erste mal seit einer gefühlten Ewigkeit. Ich genoss sie. Und studierte gleich nochmals, was für ein Dialekt das wohl gewesen sei. Die Stimme war noch dazu etwas grell, was den Effekt des Dialekts nicht verbesserte. So oder so lag aber meine Ungeduld wohl weniger an der Stimme oder am Dialekt, sondern vielmehr dran, dass ich grad selber auf dem Sprung war und keine Zeit hatte – wie immer, wenn es um meine Steuererklärung ging, wieso ich sie auch immer aufschiebe, erstrecke, vergesse, verdränge, mit schlechtem Gewissen dran zurückdenke, um sie dann wieder in eine Schublade (geistig oder real) zu stecken.

Dann sprach er wieder. Meinte, dass er verstehe. Fragte nach einem Termin. Kriegte ihn. Meinte nochmals – unterbrach sich selber, indem er bemerkte, ich wisse ja, sei buchstäblich nur zu faul – wie ich selber sage. Es war ihm peinlich, es gesagt zu haben, ich bestätige drum schnell lachend. Er war sichtlich aus dem Konzept. Stotterte. Ich versuchte ihn zu retten, indem ich ihn zum Fachmann erklärte, dem man das überlassen müsse, weil jeder seine Fähigkeiten habe. Er nahm den Faden auf – sein Konzept war jedoch dermassen ausser Rand und Band, dass er keinen Satz mehr zu Ende brachte. Zum Termin käme nicht er, meinte er nur noch, sondern einer seiner Mitarbeiter. Ich bin gespannt.

3 Comments

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  1. Ich brauche so jemand nicht. Ich erledige das in einem schieren „Gewaltakt“ – und der wird jedes Jahr heftiger, d.h. schneller, hurtiger, mit noch mehr Konzentration. Weil diese Erklärung vom Tisch muß!.
    Witzig ist dann noch, daß ich es in den letzten Jahren noch am gleichen Abend einwarf, obwohl ich doch am nächsten Tag ohnehin vorbeigekommen wäre.

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