Die Schweiz – ein braunes Land voller Nazis?

Ich bin kein politischer Mensch, war ich nie, werde ich nie sein. Trotzdem mache ich mir meine Gedanken….

Das gestrige Abstimmungsresultat zur Masseneinwanderungsinitiative mag alles andere als toll sein und ich weiss, dass viele mehr als unglücklich damit sind. Wie die Umsetzung aussehen wird, zeigt die Zeit. Was ich aber genauso bedenklich finde, ist, dass ich nun von verschiedenen Seite lese, dass die Schweiz (als Gesamtes) braun, rassistisch und stark rechts sei, dass die Schweizer (im Kollektiv) als Nazis bezeichnet werden (von deutschen Bewohnern der Schweiz), dass die Schweiz schon immer schlimm war und man von diesem Land eh nichts Gutes erwarten kann. Erstens finde ich Kollektivanklagen mehr als armselig und nie der Realität entsprechend, zweitens wäre eine etwas gezieltere Kritik sicher konstruktiver denn ein solcher Rundumschlag und drittens regt sich in mir ein wenig die Frage: Wieso tut man sich dieses Land an, wenn es ja nur schlimm ist?

Man kann in ganz Europa Tendenzen erkennen, die zur Sorge aufrufen. Die Wirtschaftslage ist angespannt, jeder fürchtet um sein Auskommen, das schürt Ängste und die platziert man gerne konkret – dazu eignen sich die, welche eben nicht zum Wir gehören, die Fremden, die Anderen, die „Eindringlinge“. Dass dies eine dumme, kurzsichtige Sicht ist, liegt auf der Hand, leider wurden diese Ängste nun wieder (wie schon bei manchen Abstimmungen) erfolgreich geschürt.

Ich bin alles andere als glücklich über dieses Resultat, sich nun aber in ausufernden Anklage- und Herabwürdigungsreden zu üben, wird niemandem helfen. Das Leben geht weiter, alles, was wir in der Hand haben, ist, da, wo wir stehen, anzusetzen und unseren Beitrag zu leisten, dass die Tendenzen, die spürbar sind, eine andere Richtung nehmen. Vielleicht würde es auch helfen, wenn man denen, die mit so fadenscheinigen Argumenten diese Kampagne unterstützen, die Wasser predigten und selber Wein tranken, indem sie gegen Einwanderung redeten und selber im Ausland suchten (Namen muss man keine nennen….), weniger trauen würde und die, welche tiefer und weiter denken, auch mal auf den Tisch hauen und Kampagnen starten würden. So lange man still sitzt und auf die Initiativen der andern wartet, dagegen wettert, selber nichts tut, wird das nicht bessern. Dies nur so ein Gedanke….

7 Comments

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  1. Ich teile deine Sicht. Das Resultat der Abstimmung ist sehr zwiespältig, leider.
    Ich denke nicht, dass hier der Rassismus durchgeschlagen hat (es gibt zwar immer einen Teil der Bevölkerung die explizit gegen alles sind, welches irgendwie mit Ausländern zu tun hat).
    Auf der anderen Seite ist das Resultat sehr knapp, also haben viele Stimmenden zusätzlich zu diesem Teil gegen eine „Masseneinwanderung“ gestimmt. Was heisst dies genau?

    Ich denke in grossen Teilen der Bevölkerung herrscht grosse Angst und auch Frust. Angst – wie sieht es mit der Zukunft aus, Frust – weil die Politik viele Anzeichen nicht ernst nimmt und selber, wie du schreibst, nichts tut um eine Besserung zu erreichen. Noch schlimmer, sie predigen eben Wasser und trinken Wein.
    Beispiele gibt es ja genug, sei es „legale“ Steueroptimierung, sei es blockieren von Transparenz und Paralell Importe, Lohndumping ohne wirkliche Mittel dagegen.

    Die grosse Einigkeit Europa besteht aus meiner Sicht nicht, viele Länder sind froh, dass bei ihnen solche Abstimmungen gar nicht möglich sind. Gerade so ist es immer einfach – auf andere zu Poltern anstatt irgendwie die Tendenzen zu erkennen und auch dagegen was tun.

    Ich als Schweizer hoffe, dass trotz diesem wir in unserem Land die humanistische Traditionen aufrecht erhalten können, dass Einwanderer nicht nur als Arbeitskräfte gelten, sondern als Beispiel ihre Familien doch nachziehen können und ein anständiges Leben hier führen können.

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  2. Wenn geschrieben wird „«Die Schweiz zu den Europäern: Raus!»“, dann ist das in meinen Augen nur dumm. Meines Wissens wird niemand wegen dieser Abstimmung des Landes verwiesen, der schon da ist. Ob das Resultat nun gefällt oder nicht, ich verstehe es so, dass die Initiative wollte, dass die Zuwanderung in Zukunft besser gesteuert wird.
    Was das „besser“ sein soll, nun ja, das wird sich weisen müssen.

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  3. Wir haben in Österreich keine solche Abstimmung, aber dieselben Probleme. Und es gibt auch in Ö und sicher auch in anderen Ländern Menschen, die das aktuelle Schweizer Ergebnis differenziert betrachten. Nach der Ablehnung der Minarette haben sich auch einige hingesetzt und festgestellt, dass die Ablehnung der Minarette vor allem in der Ostschweiz besonders hoch war, also da, wo ohnehin kaum Moslems sind. Die Westschweiz war mehrheitlich dafür – wohl weil es da persönliche Kontakte zwischen den Kulturen und Menschen gibt. Man hat ja meist nur Angst vor dem, was man nicht kennt.

    Die Ablehnung des Fremden wird natürlich umso grösser, je unsicherer man sich selbst fühlt. Die Lösung läge daher einzig und allein in einer Bewusstseinsbildung, d.h. wenn die Politik versagt in Kampagnen derer, die gewohnt sind zu denken, wie du es ja anregst. Aber das gilt nicht nur für die Schweiz, sondern für ganz Europa.

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  4. Der Rassismus ist auf der ganzen Welt verbreitet. Wird auch gerne verallgemeinert. Und wenn in einem medial eroberten Gebiet so eine Abstimmung in diese Richtung geht fällt es auf. Lange war die Schweiz halt nicht im Fokus der internationalen Ländergemeinschaft. Was sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
    Dummerweise fiel die Schweiz nicht durch positives auf. Sondern duch negatives. Kein Wunder dass man von ausserhalb also auch so ein Bild der Schweiz bekam. Und jetzt mit dem Finger auf die Schweiz zeigt. Egal wie es da ausschaut von wo man den Finger zeigt.
    Aber als Schweizer muss man eingestehen dass man nun an der Situation selber schuld ist. Also muss man mit der Häme leben. Und auch mit den Konsequenzen die es unter Umständen haben kann und ganz sicher haben wird.
    Die Schweiz lebte ganz gut im Schatten und hat von den umliegenden Gegenheiten profitiert und sehr viel Vermögen angehäuft. Oft genug auch mit sehr zweifelhaftem Verhalten.
    Unterm Strich kann man jedoch sagen das Demokratie funktioniert. Man verdient genau das was man wählt. Muss dann aber später nicht über die Reaktion der Anderen jammern. Und schon gar nicht die Schuld den bösen Anderen in die Schuhe schieben.
    Und ich denke da hat die Schweiz tatsächlich eine Sonderstellung. Es wählen viel zu viele die dieses Prinzip nicht verstanden haben könnten. Zumindest macht es mir den Anschein.
    Das wissen vermutlich die Ängstiger nur zu genau, die selbst von Ängsten getrieben, diese dafür empfänglichen Verängstigten noch mehr zu verängstigen vermögen.
    Diese sind dann für rationale und normale Gedankengänge wie du hier schön darstellst nicht mehr empfänglich.
    Cogito ergo sum geht dann in der Masse unter. Das sollten unsere Nachbarn auch wissen. Besonders die nördlichen. Wenn ich mir als Schweizer so die sächsische Schweiz betrachte, so seh ich tatsächlich viel braunes am Horizont.
    Wir Schweizer stehen nun in der Pflicht. Vor allem unsere Milizpolitik mal zu überdenken. Ob politische Volksvertreter von Politik auch tatsächlich etwas verstehen. Denn ich vermute das wir momentan viel mehr politische Handpuppen haben als eigenständig denken könnende echte Volksvertreter. Denn zur Zeit scheinen nur ein paar wenige Puppenspieler in der Schweiz schalten und walten zu können wie sie wollen. Wenn also die Schweizer diese wieder mal in den Griff bekommen, wird es auch in der Schweiz wieder vorwärts gehen, anstatt mit rückwärtsgewanten und fragwürdigem Gedankengut einen gewissen ländlichen Teil in Panik zu versetzen.
    Wie heisst es doch so schön. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und das kann ich nur bestätigen. Doch ich denke das nach dieser Abstimmung die Angst in der Schweiz noch zu nimmt. Die Angst das die wirtschaftliche Prosperität eingebremst wird. Und dafür brauchts dann auch wieder einen Schuldigen. Vermutlich wird die verängstigste Masse dafür die EU verantwortlich machen wollen. Nicht das eigene Verhalten. Bei Wahlen und Mitmenschen gegenüber.

    Und ich entschuldige mich für Schreibfehler. 😉

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  5. Eben gerade war das Abstimmungsresultat zur Masseneinwanderungsinitiative auch Thema der Sendung ‚hart aber fair‘. Die Zuschauerbefragungen/-meinungen (zumeist aus Deutschland) waren bestimmt zu etwa 80% pro-Schweiz. Der souveränen Entscheidung der Eidgenossen wurde Respekt gezollt, dem Anliegen zumeist sowieso.
    Um solche Entscheidungsmöglichkeiten von „Schwarm-Intelligenz“ in einer funktionierenden direkten Demokratie wird die Schweiz doch von einem großen Teil der Welt beneidet.
    Und wer die Schweiz etwas tiefer kennt und objektiv bereist hat, weiss doch, dass die Confoederatio Helvetica ein sehr vielfältiges, buntes, weltoffenes, gut aufgestelltes und äußerst interessantes Land ist – alles andere als irgendwo braun und nazistisch. Das hat irgend ein Wirrkopf geschrieben. Die Dummheit ist auf der Welt gleichmäßig verteilt.

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  6. Hallo Cosima,
    ich bin da auch bei Dir.
    Die Diskussion in Deutschland wird mir auch viel zu einseitig von Politik und Wirtschaft geführt. Erstaunlich fand ich eine Statistik, die im deutschen Fernsehen lief. Soweit ich es erinnere, hat die Schweiz einen Ausländeranteil von ca. 25%!!! Deutschland nur 8-10%.
    In Zürich ist jeder Dritte Ausländer. Frankfurt hat mit 25% den größten Ausländeranteil einer deutschen Stadt. Diese Zahlen sprechen wohl für sich.
    Es ist immer noch tabuisiert, darüber zu sprechen, wie viel Integration ein Land hinbekommen kann und ob jeder integrierbar ist.
    Natürlich muss man die Debatte viel komplexer führen als das jetzt die SVP getan hat oder Populisten in Deutschland tun.
    Zum Verhältnis Deutsche – Schweizer zum Beispiel: Es ist leider viel zu wenig Verständnis für die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen da. Wir Deutschen trampeln oft viel zu arrogant oder „selbstbewusst“ durch die Schweiz. Allerdings hat dieses Selbstbewusstsein natürlich auch einen Hintergrund. In Mitteleuropa oder „im Zentrum“ Europas sind wir das bevölkerungsreichste und wirtschaftsmächtigste Land. Wir haben sehr pluralistische Medien bzw. eine sehr pluralistische Gesellschaft. Nur als Beispiel bin ich zum Beispiel immer wieder erschüttert, wie sexistisch die schweizer Medienlandschaft ist.
    Die Schweizer sind eher zurückhaltend. Dafür habt ihr zum Beispiel ein moderneres System der direkten Demokratie. Letztendlich sind sich Schweizer und Deutsche aber in vielem sehr ähnlich. Ein bisschen mehr Milde und Verständnis, dem Bruder/der Schwester gegenüber, täte beiden Seiten gut.

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