Bildung heute

Durch Erziehung wird der Mensch erst wahrhaftig Mensch. (Platon)

Nicht nur durch Erziehung, auch durch Bildung, im Sinne des Wortes verstanden. Bildung sollte dazu beitragen, dem Menschen in seiner Persönlichkeitsbildung zu helfen, ihn sich selber zu finden und damit auch seinen Stand und sein Zurechtkommen im Leben und in seiner Umwelt. Sie soll dem Menschen helfen, seine Fähigkeiten zu leben, seine Chancen wahrzunehmen, Teil einer (politischen) Gemeinschaft zu sein und diese aktiv mitzugestalten.

Bildung soll für alle zugänglich sein und somit die Menschen vereinen, sie soll keine Klassen kennen, sondern allen den Weg in die Gesellschaft gleichermassen öffnen – jedem nach seinem Potential. Stattdessen separiert sie, legt durch Notendruck, Faktenpauken, Siebmechanismen alles darauf, die Schere noch grösser werden zu lassen und wird instrumentalisiert, indem nur Verwertbarkeit und nicht Persönlichkeit und Charakterbildung im Zentrum stehen.
Vielleicht sollte man sich wieder auf die Ursprünge besinnen, die wirklichen Werte hochhalten?

9 Comments

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    • Natürlich ist Geld ein Faktor, sogar ein ausschlaggebender. Von Armut betroffene Menschen können viele Bildungs und Weiterbildungsangebote nicht wahrnehmen und sind so nicht in der Lage, ihre Fähigkeiten voll zu entfalten. Das ist ein grosses (globales) Problem.

      Im kleinen Rahmen unserer westlichen Zivilisation ist aber auch zu beklagen, dass Bildung immer mehr instrumentalisiert wird. Sie vermittelt Inhalte auf deren Verwertbarkeit hin und ist auch mit vielen lebensunwichtigen Fakten vollgepackt, die hauptsächlich dazu dienen zu sieben, Kinder in Stufen einzuteilen. Wie viele Kinder freuen sich auf die Schule, können es kaum erwarten, dahin zu kommen und sind schon bald ernüchtert und schulmüde? Der natürliche Wissensdrang wird zugedeckt mit Paukerei und Kreativitätsabstumpfung. Damit sage ich nicht, dass alle Fakten für nichts sind, aber der Mensch als Ganzes geht oft vergessen. Zusammenhänge werden ignoriert, Individualität eingestampft, Kreativität erstickt. Das ist schade. Und leider sehe ich das nicht alleine so, ich verweise auf Julian Nida-Rümelins Buch „Philosophie einer humanen Bildung“ und auch viele andere, die sich mit dem Thema befassen aktuell.

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      • Ich bin noch am Überlegen.
        Die Talente der Kinder werden wenig beachtet.
        Es gibt Kinder, die nicht die Begabung haben, Abitur zu machen aber gute Handwerker wären.
        In der Arbeitswelt wird das Abitur geradezu gefordert und Kinder, die es nicht schaffen, wird ein Minderwertigkeitsgefühl vermittelt.
        So kommt es zum Pauken, wo ein Pauken nicht hilft sondern andere Ziele gesetzt werden müßten.
        Andere Kinder wiederum empfinden das Lernen als o.k. und haben einen großen Wissensdrang.
        Manche Kinder sind faul — auch keine Bewertung einfach eine Tatsache, Menschen sind unterschiedlich, es gibt Kinder, die in der Schule den Unterricht durch Mitarbeit bestreiten aber zuhause kein Schulbuch anfassen. Und andere mögen es, auswendig zu lernen.
        Es gibt – zumindestens in Berlin – zu wenig Lehrer, um all diese Möglichkeiten abzufangen. Viel Unterricht fällt aus. Bildung kostet Geld! Wo wir schon wieder beim Geld sind….
        Aber ich glaube, dass es für alle Kinder gut und viel befriedigender ist, wenn sie nach ihren Begabungen in verschiedene Klassen gehen. Ein Kind was schon Bücher list und ein Kind was gerade 3 Buchstaben kennt, zusammen zu unterrichten ist schwer für mein Verständnis fast unmöglich und für alle unbefriedigend.

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        • Würde man Kinder nicht nach Zahlen einteilen, wäre man schon ein Stück weiter. Nicht jeder 5jährige ist gleich weit, nicht jeder mit einer ungenügenden Note in einem Fach ist zwangsläufig generell unfähig, die Schule zu bestehen. Wir haben für alles Schubladen, für Altersstufen, für ZIelvorgaben in einzelnen Fächern, nie aber angepasst auf die Kinder selber. Wir konzentieren uns bei Bildung auf den Kopf und wollen ihn möglichst mit viel Wissen vollstopfen, dies aber so, dass er nur für einzelne Prüfungen abfragbar da sein muss, danach dem Vergessen gewidmet ist. Wieso braucht eine Kleinkinderzieherin Abitur, für welches sie sich zuerst durch Algebra und chemische Formeln quälen musste? Wären Mitgefühl, Kreativität, Sensibilität, Freude am Spiel, am Erzählen nicht wichtiger? Dies nur als Beispiel. Ich denke, man könnte ohne wirklich viel Mehraufwand schon sehr viel kind- und menschengerechtere Schulen gestalten, wenn man nicht nur auf das baute, was immer so war und ja irgendwie ging.

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          • Liebe Sandra,
            in Berlin ändert sich viel im Bildungswesen, meine Ex-Schwägerin ist Lehrerin „an der Front“ also an einer ehemaligen Hauptschule, die jetzt gemischt ehemals Real- und Hauptschule ist.
            Nach den ersten Schwierigkeiten, als ehemalige Hauptschule überhaupt Schüleranmeldungen zu erhalten, läuft es jetzt besser und sie ist zufrieden.
            Es gibt das Modell, lerne selber zu lernen. Das mag ich auch sehr. In solch eine Grundschule ist mein Sohn damals gegangen und ich finde es immer noch erstaunlich, wie struckturiert er sich Wissen beschafft.
            Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

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  1. Liebe Denkzeiten, dass Bildung im umfassenden Sinne es schwer hat (und vielleicht schon immer schwer hatte, da in früheren Zeiten nicht mal alle lesen konnten), sehe ich ähnlich wie du. Es gibt einen guten Artikel in der Zeit von Peter Bieri: Bildung beginnt mit Neugierde: http://www.zeit.de/2007/32/Peter-Bieri Sehr zu empfehlen. Ich würde aber das Problem nicht nur in der Schule suchen: Ich habe schon so viele Schülerinnen und Schüler erlebt, die aufgrund familiärer Schieflage oder Wohlstandsvernachlässigung gar nicht wissen, was Neugier eigentlich ist. Zur Neugier, wie Bieri sie versteht, gehört auch immer die Einsicht, dass es etwas zu entdecken gibt, dass mein kleiner Ausschnitt der Welt nicht alles ist, dass es sich lohnt, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Dass das bereichernd sein kann… Sommerliche Grüße von Anna

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    • Liebe Anna, danke für den Hinweis auf Peter Bieri. Wir sind uns einig, ja, es liegt nicht nur an der Schule, es fängt schon früher an. Das meinte ich ja auch mit meiner Antwort auf Susanne vorher, dass auch Geld nicht zu vernachlässigen ist bei diesen Überlegungen, da es ein oft ausschlaggebender Faktor über die Möglichkeiten eines Menschen sind. Platz für Neugier und Kreativität entsteht oft erst, wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind, ein lebenswürdiges Leben möglich ist.
      Liebe Grüsse
      Sandra

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  2. Hallo, Cosima1973… Über das Platon-Zitat bin ich auf deinen Artikel gestoßen. Etwa zeitgleich habe ich ebenfalls „Bildungs-Artikel“ auf meinem Blog veröffentlicht (die letzten beiden Einträge – http://platonischeseite.wordpress.com/). Du schreibst: „Bildung sollte dazu beitragen, dem Menschen in seiner Persönlichkeitsbildung zu helfen, ihn sich selber zu finden und damit auch seinen Stand und sein Zurechtkommen im Leben und in seiner Umwelt. Sie soll dem Menschen helfen, seine Fähigkeiten zu leben, seine Chancen wahrzunehmen, Teil einer (politischen) Gemeinschaft zu sein und diese aktiv mitzugestalten.“ Da war ich schon etwas überrascht, denn eine derart direkte Bildungsdefinition ist (meiner Meinung nach) in der Öffentlichkeit nicht vorhanden; die „Bildungsfrage“ wird eher im Rahmen des allgegenwärtigen Verteilungskampfs gedacht und praktiziert (deine Kritik geht ja – wenn ich es halbwegs richtig verstanden habe – in diese Richtung). Es handelt sich dabei primär nicht um diverse ideologische Grabenkämpfe, sondern um Psychologismen (die dann meistens auch unausgesprochen bleiben und somit zur Verwirrung beitragen).

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    • Danke für deinen Kommentar, Platoniker. Die Definition speist sich sicherlich teilweise aus diversen Quellen, unter anderem Nida-Rümelin, Salman Ansari und anderen, und widerspiegelt zudem meine eigene Sicht der Dinge.

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