Schweizer Unis: Geld oder Unabhängigkeit

«Wir appellieren an die Leitung der Universitäten und an alle Bildungsverantwortlichen im In- und Ausland, dem kostbaren und von der Verfassung geschützten Gut der akademischen Freiheit und Unabhängigkeit Sorge zu tragen und das wissenschaftliche Ethos nicht mit problematischen Kooperationen zu gefährden.»

27 Professoren aus dem In- und Ausland stellen eine Streitschrift mit dem Titel „Zürcher Appell“ ins Internet. Sie sorgen sich um „das akademische Ethos“ und sprechen von „fragwürdigem Universitäts-Sponsoring“. Was ist geschehen?

Die UBS hat 100 Millionen an die  an die Uni Zürich gespendet, um damit ein „UBS International Center of Economics in Society“ zu finanzieren. Zwar blieben die Details des Vertrags geheim, doch wurde versichert, dass die UBS keinen Einfluss auf Forschungsinhalte hätte. Die Verfasser beklagen die mangelnde Kommunikation und dass niemand – weder Bevölkerung noch Unilehrkörper – gefragt worden sei, ob man das überhaupt wolle. Zudem befürchten sie, dass damit die Unabhängigkeit der Forschung beeinträchtigt sei (n könnte).

Drittmittelgewinnung ist nichts Neues an Universitäten. Dabei fällt es gewissen Fachrichtungen leichter, an solche zu gelangen als anderen. Die Zahlungsfreude hängt mit der wirtschaftlichen Brauchbarkeit des Studienganges zusammen. Das zeigt schon mal, dass die Zahlungen nicht ganz unabhängig und frei von irgendwelchen Hintergedanken sind. Meistens vertreten Geldgeber Eigeninteressen, welche aber unterschiedlicher Natur sein können – Gewichten möchte ich die an dieser Stelle nicht.

Die verfügbaren Gelder sind oft Streitthema zwischen Professoren. Wenn sie zu verteilen sind, versucht jeder, das grössere Stück vom Kuchen abzukriegen. Das führte schon zu grossen internen Zerwürfnissen innerhalb von Projekten. Eigentlich schade, aber es zeigt, dass auch an Unis nur „normale Menschen“ sitzen, die genau gleich funktionieren wie die in der Privatwirtschaft es tun. Und natürlich ist das eigene Forschungsprojekt immer näher und damit wichtiger. Zudem ist das Geld knapp und man weiss, dass man nur zu leicht leer ausgeht. Wo Mangel ist, herrscht Kampf ums Überleben.

In anderen Ländern ist es teilweise üblich, dass Firmen Doktoranden übernehmen, sie ihren Fächern gemäss einsetzen und diese dann innerhalb ihrer Tätigkeit ihre Doktorarbeit fertig stellen. Auch das wäre ja bei Lichte betrachtet ein Einmischen von aussen in die Forschung. Die Forschungsergebnisse stehen immer unter dem Patronat der Firma, die forschen lässt. Zuviel Einfluss? Wie steht es mit den Rechtsgutachten von Jusprofessoren? Sind die immer völlig unabhängig?

An der Uni Basel findet am 6. März 2013 eine Podiumsdiskussion zur Hochschulfinanzierung mit dem Titel „Wer finanziert mein Studium? statt.Die Kantone diskutieren momentan intensiv, wie die nächste Periode bezahlt werden soll. Die Erhöhung der Studiengebühren steht ebenso zur Debatte wie private Förderung, Drittmittel. Die Frage bei der letzteren ist halt immer, dass meist nur die Studienrichtungen am offenen Geldhahn stehen, welche für  Wirtschaftsunternehmen interessant sind. Gerechte Verteilung und freie Forschung sieht anders aus. Freie Forschung auch. Wo liegt die Lösung?

Private Gelder sind nicht per se ein Problem. Die Universitäten müssen sich irgendwie finanzieren und alles auf Studenten abzuwälzen würde den Zugang für finanziell schwächer Gestellte erschweren und damit zu einer Ungleichbehandlung aufgrund von Einkommensverhältnissen führen (was man unter Umständen mit Steuergeldern wieder ausgleichen müsste, so dass dann indirekt doch der Staat aufkäme). So gesehen wären private Gelder sicher willkommen. Um eine Einmischung in die Forschung zu vermeiden, könnte es helfen, dass die Gelder direkt in Forschungsunabhängige Stiftungen einbezahlt würden, die dann der ganzen Uni zur Verfügung stünden, so dass sie je nach Bedarf inneruniversitär verteilt werden könnten. Dass dies zur Frage nach dem wirklichen Bedarf führen wird, liegt in der Natur der Sache. Ebenso wird eventuell das Interesse der privaten Sponsoren abnehmen. Wenn jedoch so unter dem Strich mehr Geld bleibt, als wenn gar nichts käme, dieses fairer verteilt ist und die schlechten Gefühle und Bedenken wegfallen, könnte das durchaus eine gute Lösung für alle sein.

 

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Dieser Artikel wurde durch einen Artikel des Tagesanzeigers vom 1.3.2013 angeregt: UBS-Millionen: Professoren fürchten um die Unabhängigkeit der Universitäten

Ein Kommentar zu „Schweizer Unis: Geld oder Unabhängigkeit

  1. Die Idee ist ja an und für sich gut, aber ich hab direkt miterlebt, wenn die Sponsoren dann Forschungswege blockieren, weil a) das nicht ist, was sie bezahlen möchten und b) selten in solchen Sponsorenkreisen jemand Sinn für das freie Schaffen hat, das nunmal mit Recherche, Forschen etc. einhergeht.

    Es ist gefährlich multinationalen Konzernen mit klaren Zielen, die sich an Gewinnmaximierung orientieren, hier Einflüsse zu erlauben.

    Forschung muss gemäss dem Geist und dem Sinn des Forschers fliessen dürfen, nicht gemäss dem Soll und Einstellungen einiger Weniger. Denn, wenn diese wüssten, wo und was gefunden werden muss, dann brauchte es keine Uni oder andere Forschungseinrichtung und alle Suche würde zu reinem Fleiss verkommen. /rant off.

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