Hauptsache, es klingt gut

BücherbergeKürzlich stolperte ich über einen Artikel über Empathie. Da mir das Thema sehr am Herzen liegt, war ich erfreut, dass es anderen auch so geht. Die Autorin bezeichnete sich denn auch als Expertin auf dem Gebiet der Empathie. Empathie, so meinte sie, sei ein Akt des gegenseitigen Verständnisses. Nun gut, das ist sehr kurz gefasst, aber nicht grundsätzlich falsch. Im Nächsten Satz fordert sie den Leser auf, Empathie für einen elektronischen Dienst aufzubringen, Empathie für all das Gute, das dieser Dienst für uns täte. Da wurde mir das Ganze schon mehr suspekt. Das wäre in etwa dasselbe, wie wenn ich morgens Empathie mit meinem Käsebrot verspürte, weil es meinen Hunger stillt.

Leider steht die gute Dame nicht allein mit dem, was sie tut. Werbung und Kommunikation lebt häufig von leeren Worten, die gut klingen. Man packt alles, was Klang, Rang und Namen hat, zusammen, mixt etwas peppig klingendes zusammen und spuckt es dem Kunden vor die Füsse. Vermeintliche Botschaft:

Wir sind cool, du hast nur auf uns gewartet.

Empfangenes Gefühl:

Die denken, ich bin dumm, was wollen die von mir?

Ich denke kaum, dass die Rechnung wirklich langfristig aufgeht. Das gerade aktuelle Zugpferd Empathie lässt sich nicht beliebig einsetzen, schon gar nicht, wenn es offensichtlich nicht verstanden wird. Auch wenn die mehrfache Nennung des Schlagwortes und die ebenso offensive Verwendung des Produktenamens dazu führen werden, den Link weit nach oben in den Google Rankings zu bringen, wird ihm ausser vielleicht einigen Klicks wenig zuteil werden.

Auch hier wäre mehr Inhalt und weniger Schein schlussendlich mehr gewesen. Das hätte dann von Empathie mit dem Kunden gezeugt.

2 Comments

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  1. Du hast das wirklich sehr zutreffend beschrieben. Gerade auch in der elektronischen Kommunikation wird sehr inflationär mit Gefühlen und Begrifflichkeiten umgegangen. Die Werbung will auch eine persönliche Nähe herstellen, obwohl sie nur Nähe vorgaukelt, um manipulieren zu können. So ist dann auch die Empathie nur Einfallstor, durch das man Besitz ergreifen will in der doppelten Bedeutung des Wortes.

    Wenn ich einem realen Menschen die Hand reiche und mich auf ihn einlasse, dann spüre ich den Unterschied. Deshalb sollten wir achtsam sein und unsere Gefühle prüfen, damit wir die Wahrhaftigkeit nicht verlieren.

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  2. Empathie ein Euphemismus? Naja, das überrascht mich auch nicht besonders. Schliesslich werben auch alle möglichen Leute mit ihrer „Philosophie“, wenn sie eigentlich ihre Geschäftspraxis meinen. Total gaga. Die wissen nicht mal, was Philosophie ist, aber: Klingt gut.

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