Ausbrechen

Freddie Mercury sang „I want to break free“ und ich kann ihm so gut nachfühlen. Wenn immer ich mich eingeengt fühle, von aussen Druck oder Ketten spüre, kommt in mir erst langsam, dann immer deutlicher der Wunsch, auszubrechen, frei zu sein, alles hinter mir zu lassen, nach vorne zu stürmen. Der Käfig, der so einengt, wird schnell zu eng, fängt an zu erdrücken, bis ich es kaum noch aushalte, tobe, schreie, zapple, um irgendwie raus zu kommen.

Ich mag meinen Alltag, wie ich ihn mir gestalte. Termine, Einflüsse von aussen, Ferien, sonstige Störungen sind da höchst unwillkommen. Sie reissen mich aus meinem für mich stimmenden und passenden Rhythmus und bringen Unruhe, die mir nicht gefällt. Während andere Spannung, Hektik, Abwechslung zu suchen scheinen, bin ich darum bemüht, mein tägliches Einerlei zu bewahren und zu schützen. Ich versuche der Abwechslung zu entkommen und so viel Alltag wie möglich zu retten.

Ich bin in meinem Leben oft umgezogen. Widerspricht das meinem Hang zum ewig Gleichen? Nur auf den ersten Blick: Die Umzüge sind nicht wirklich Veränderung. Ich verbessere damit (vermeintlich?) nur meine Umgebung, bewahre aber überall, wo ich bin, meinen selbst gewählten Rhythmus. Ich ziehe nicht wirklich gerne um, fürchte vorher auch, dass es zu viel Veränderung mit sich bringen könnte. Denke dann aber, dass der neue Ort Vorteile bringt, die der alte nicht hatte, und gehe, um dann wieder in meinen mir passenden Rhythmus zu fallen. Ich selber strebe die Veränderung im Aussen an, in der Hoffnung, im Inneren noch zufriedener meinen eigenen Rhythmus leben zu können.

Was ist Freiheit? Freiheit ist grob gesagt, wenn man frei von (äusseren wie inneren) Zwängen sein Leben führen kann, wie man es gerne möchte. Eingeschränkt wird diese Freiheit durch die Freiheit des Nächsten, die man durch die eigene nicht tangieren sollte. Nun scheint es, dass ich sehr nach Freiheit strebe, mir selber aber durch diesen sehr gewollten alltäglichen Tramp Ketten auferlege, die mich im spontanen Sein zurückbinden. Diese Ketten ertrage ich deshalb gut, da sie meinen eigenen Bedürfnissen entspringen, von mir gewollt, fast schon gebraucht sind, um mich wohl zu fühlen. Die von aussen auferlegten Ketten sind jedoch Ballast; sie entfernen mich von mir selber, behindern mich im Ausleben dessen, was ich für mich als essentiell empfinde: Mein Leben so zu gestalten, dass es sich für mich gut anfühlt und das an einem Ort, der dies unterstützt.

Die vielen Umzüge der letzten Jahre haben die Ahnung wachsen lassen, dass es wohl keinen Ort gibt, der alles in sich vereint. Irgendetwas fehlt immer, irgendetwas ist immer gut und gewollt, so dass es einem fehlt, wenn man den Ort wechselt. Dies wissend kann man sich irgendwann denken, dass man auch da bleiben kann, wo man ist, da meistens vieles gut ist, man hatte sich mal mit guten Argumenten für den Ort entschieden. Würde man ihn wechseln, fehlte genau das, was letztes Mal für diesen Ort gesprochen hat.

Das ist die rational-sachliche Lösung. Emotional gehen ab und an die Pferde durch, die hadern, zaudern, hoffen, wünschen. Die Pferde, die das Joch loswerden wollen, um frei durch die Prärie galoppieren zu können, neue Felder, neue Stätten aufzusuchen. Zwar sagt ihnen eine leise Stimme: Du wirst dich da auch bald so fühlen, wie du dich hier nun fühlst. Und doch möchten sie galoppieren , der Freiheit entgegen, frei wie der Wind, mit Elan, so lebendig.

3 Kommentare zu „Ausbrechen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s