Zu sich stehen

Austausch zwischen Frauen:

„Heute treffe ich Klaus.“

„Klaus ist nett, der gefiel mir immer.“

„Stört es dich, wenn ich Klaus treffe?“

(Und wie es mich stört, ich mag das nicht.) „Nein, kein Problem, mach nur, ist ja nicht mein Besitz!“

„Ich kann es wirklich lassen, er und das Treffen bedeuten mir nichts.“

„Nein, geh nur.“ (Du kannst doch selber merken, dass du das Treffen absagen solltest, muss ich drum betteln?)

 

Szenen einer Ehe:

„Ich gehe heute noch weg, ist das ok?“

(Eigentlich wäre ich froh, heute nicht alleine zu sein) „Ja, geh nur. Ich hätte zwar noch etwas besprechen wollen, das reicht aber morgen.“

„Bist du sicher? Ich kann auch hier bleiben.“

„Nein, geh nur, ist schon ok.“ (Du kannst doch selber merken, dass du bleiben sollst, muss ich betteln?)

„Ok, dann gehe ich, wir besprechen es morgen.“

 

Und während der eine tut, was er ankündigte und was ihm so geraten wurde, zürnt der andere, dass er es tut und nicht merkte, dass die Worte nicht ehrlich, der Wunsch ein anderer war. Hatte er zu wenig Feingefühl? Wusste er insgeheim, dass er nicht sollte, überhörte das aber und machte einfach, was er vorhatte? Log er sich vor, dass es ja ok sei, man die Erlaubnis eingeholt und verbal gekriegt hatte. 

Die Folge solcher Szenen sind meist verletzte Gefühle gefolgt von Vorwürfen gefolgt von Streit, im schlimmsten Fall Zerwürfnissen. Die Schuld wird dem zugeschoben, der getan hat, was nicht gewollt war. Weil er es tat. Weil er die eigenen Wünsche nicht erfüllte, von denen er gar nichts gewusst hatte. Die er vielleicht geahnt hatte, aber dann dachte, den Worten trauen zu können. Vielleicht ahnte er sogar, dass er denen nicht trauen konnte, dachte aber, dass es nicht so schlimm sei, er ja nichts böses tue. Doch die Falle schnappt zu. 

Wieso fällt es einem ab und an so schwer, zu den eigenen Wünschen zu stehen? Wohl, weil man sich keine Blösse geben will. Man möchte nicht bitten, nicht betteln. Man möchte stark erscheinen, über der Sache stehend. Was man im Vorfeld in Worten gut hinkriegt, im Nachhinein aber in Taten zurücknimmt. Und damit noch viel mehr die eigene Verletzlichkeit demonstriert. Doch das kümmert nicht. Man ist in Wut, in Rage, fühlt sich im Recht, sieht den anderen als Schuldigen für das eigene Leid, das eigentlich durch das Verneinen der eigenen Wünsche zustande kam. 

Eigentlich weiss man schon beim Verneinen der eigenen Wünsche, dass dieses Spiel nicht gut enden kann. Man kennt den Lauf der Dinge irgendwann. Und doch haut man immer wieder in dieselbe Kerbe. Kommt aus diesem Muster nicht raus, das aus verschiedenen Komponenten besteht:

  • Sich keine Blösse geben, über den Dingen stehen
  • Sich unterzuordnen und zu denken, die eigenen Wünsche wiegen weniger als die des anderen
  • Dem Denken, dass man eigentlich nicht richtig handelt, etwas zu verbieten
  • Selbstzweifeln generell
  • Ängsten
  • Frust
  • etc.

Der erste Schritt aus dem raus ist wohl, das Muster zu erkennen, hinzuschauen, was abläuft und zu sehen, was dabei heraus kommt. Sieger gibt es auf diesem Weg keine, verlieren tun am Schluss alle. Jeder auf seine Weise. Der zweite Schritt wäre wohl, sich selber ernst zu nehmen und sich zu trauen. Sich zu trauen zu seinen Wünschen zu stehen, zu seinen eigenen Bedürfnissen zu stehen und zu sehen, dass diese gleich viel wiegen wie die des Anderen. Dass man sie ausspricht heisst nicht, dass der andere danach genau danach handelt, aber er weiss, woran er ist, wirklich ist. Und kann das in seine Entscheidung miteinbeziehen. Selbst wenn er dagegen handelt, fühlt man sich besser, weil man sich selber ernst genommen hat, für sich selber einstand. Man machte die eigenen Wünsche nicht klein, versteckte sie nicht, sondern stand hin und sagte:

„Das bin ich, das will ich.“

4 Kommentare zu „Zu sich stehen

  1. Zu der „Szenen einer Ehe“
    Das immer währende alte Thema der Sprache Mann/Frau, oder vielleicht besser Hund/Katze? Wedelt der Eine, zeigt er damit Freude und wedelt der Andere, oder sollte ich sagen DIE, heisst es „pass auf“ und doch tun sie das Selbe.

    Klar kann man nun in dem Beispiel oben anbringen, dass wenn er ein zweites Mal nachfragt, er doch ahnen kann, dass sie es nicht möchte. Andererseits gibt er ihr damit die Chance NEIN zu sagen!! Schliesslich möchte er ja fortgehen. Vielleicht denkt er aber auch, dass er aus dem Tonfall, der Antwort auf das wiederholte Fragen raus hört, ob es in Ordnung ist. Was wiederum ein häufig gemachter Fehler der Männer ist. OK – manchmal auch ein gewollter.
    Aber mal im Ernst. Wir Männer ticken im Grossen und Ganzen doch ziemlich einfach. Es wird etwas gesagt und das nehmen wir wahr! Es wird nix gesagt und……… Nun gut, ab einem gewissen Alter des Mannes und Erfahrung durch Beziehungen oder Ehe(n) beginnt man(n) das gesagte zu hinterfragen UND DAS KANN ANSTRENGEND SEIN. Deshalb mal hier meine Frage an die lieben Frauen, welche wir doch so mögen; „da ihr ja so gesehen, auf dem höheren Niveau der Kommunikation, euch bewegt und es bekanntlich einfacher ist, von oben nach unten, wieso sagt ihr nicht ganz einfach was ihr meint und erwartet und nicht wie so oft, dass er eure Gedanken kennen sollte, er erahnen müsste, was ihr hinter dem gesagten meint?“ Es könnte doch um so einiges einfacher sein, das Miteinander! Einzig vielleicht, das „wie es gesagt wird“ ganz im Sinn des alten Spruches „c’est le ton qui fait la musique“ wär dabei noch hilfreich.
    Vielleicht noch so viel für den umgekehrten Fall. Wenn die Damen möchten, dass ihr Herzblatt auch etwas sensibler wird, so wäre es vielleicht eine Idee, ihn darauf zu konditionieren?
    Etwas salopp ausgedrückt und ich hoffe die Herren verzeihen mir den Vergleich, wie bei einem geliebten Vierbeiner. Sagt ihm doch wie ihr es möchtet, worauf er achten sollte, aber lieb und wie beim beibringen des gewünschten, beim besten Freund des Menschen, ab und an auch loben nicht vergessen 🙂

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    1. Danke für diesen Kommentar. Ich weiss nicht, ob das verschlüsselte Kommunizieren der Frauen eine höhere Ebene der Kommunikation darstellt oder ob es schlicht ein kulturelles Problem ist, dass Mädchen oft anerzogen wurde, dass sie eben dem Manne „Untertan“ sind, ihre Bedürfnisse weniger zählen, sie gefallen müssen. Vielleicht nicht mal bewusste Erziehung, sondern die Erfahrung, dass man besser dasteht, wenn man gefällt, wenn man sich fügt, wenn man „das liebe Mädchen“ ist.

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  2. „Selbst wenn er dagegen handelt, fühlt man sich besser, weil man sich selber ernst genommen hat“

    Zwar sollte man sich nicht allzu ernst nehmen,
    aber es Dinge, die sind einem wichtig und zu denen
    sollte man sich auch bekennen.

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