Schlechte Laune

Ich habe heute schlechte Laune. Sie kam so über mich und blieb. Der gefällt es bei mir besser als es mir mit ihr gefällt. Üblerweise hat sie mich nicht mal gefragt, ob sie kommen darf, sie war einfach da, schlich sich so ein, Schritt für Schritt. Und blieb dann. Vermutlich wusste die ganz genau, dass ich sie nicht haben wollte, drum fragte sie gar nicht erst. Mein Sohn hat dieselbe Taktik. Wenn er weiss, es kommt ein Nein, fragt er gar nicht erst, sondern macht einfach. Später darauf angesprochen, wieso er nicht gefragt hat, kommt: „Du hättest eh nein gesagt.“ Die Logik ist bezwingend.

Heute war ein Tag des Wartens. Ich hasse warten. Dass es dann gleich gehäuft kommt, macht es nicht besser, man gewöhnt sich nicht wirklich dran. Denkt nicht: „Warten, ach, das kenne ich schon, das ist mittlerweile mein Leben, so mag ich das, weil es immer so ist.“ Nein. Auch wenn ich sonst sehr auf Gewohnheiten und Alltag stehe, es gibt so gewisse Dinge, die ich da nie dazu zählen würde. Warten ist eines davon. Klar könnte man sich der östlichen Philosophie folgend darauf einigen, man meditiert die Zeit. Nervt sich nicht, dass man warten muss, sondern geniesst die Zeit als geschenkte Ruhe. So quasi. Nur: wenn ich Zeit für mich möchte, findet das nicht zwingend am Rand eines Fussballplatzes statt, wo man nix tun kann, als den hin und her trippelnden Kinderchen zuzusehen. Klar, wäre ich eine absolut begeisterte Übermutter, die mit vollem Eifer hinter den wie auch immer gearteten Talenten ihres Fussballsprosses steht und alle durch die Anfeuersalven in Grund und Boden schreit, dann wäre das was anderes. Leider gehöre ich nicht zu dieser Gattung, bin sogar ziemlich weit davon entfernt.

In der Annahme, das Training dauere eine Stunde (es war das erste Mal) nahm ich nichts mit, die eine Stunde, so dachte ich, geht vorbei. 30 Minuten waren um, ich berdauerte diesen Entscheid. 45 Minuten – ich flehte den netterweise abwesenden Herrn des Hause Cosima an, mich doch bitte anzurufen, wenn er schon vorzog, das Land zu verlassen statt das Kind zum Fussball zu bringen. Das tat er auch. Da ich nicht wirklich gerne telefoniere, er dazu noch Termine hatte, dauerte das Telefonat nicht wirklich ausreichend lang.

Und dann. Kam sie. Die Hiobsbotschaft. Das Training dauert nicht eine Stunde. Das dauert ganze 100 Minuten. Der Akku des Handys neigte sich zum Ende, der Hintern schmerzte, der Kopf brummte. Der Hund mit Durchfall wartete zu Hause. Die Gedanken, wie die Wohnung aussieht, wenn man endlich mal wieder zu Hause ist, überschlugen sich. Die Stimmung war nicht wirklich steigend.

Doch irgendwann schien es soweit. Sie standen still auf dem Rasen. Mein Herz schlug höher. Ich stand auf, fing auch an zu trippeln – von einem Fuss zum andern. Zu früh gefreut. Penalty Schiessen. Wie die nur schon ihre Bälle büschelten. Sich sammelten. Den Abstand ausmassen. Alles reine Zeitmache. Ich habe es durchschaut. Die wollen mich fertig machen. Die schaffen das. Dann die Diskussionen, wer nun dran sei. Die Trainingszeit ist abgelaufen. Ich hätte es geschafft. Aber nein. Die wollen wohl besonders enthusiastische Trainer sein. Die überziehen. Mist. Ich will das nicht. Ich will nun heim. Sofort. In mein wohl ziemlich verschi…enes Zuhause. Wobei das Zuhause nichts dafür kann, das liegt eher am Hund. Aber auch der kann nichts dafür. Der hat Durchfall. Und war noch nie so lange alleine. Und hätte auch nie so lange alleine bleiben sollen, wäre das Training nur eine Stunde gegangen. Oder wenigstens nicht noch in Überlänge zelebriert worden.

Ich erinnere mich kurz an mein vorgängiges Telefonat mit dem Trainer. Er wolle keine Kinder von Müttern, die ihre Kinder zu sehr pushen, zu sehr auf Erfolg trimmen und drum ins Fussball zwingen. Wer hat eigentlich mal an die Mütter gedacht, die gezwungen sind, am Spielrand zu sitzen und die Zeit totzuschimpfen? Gut, dass niemand an uns denkt, daran könnten wir uns mal gewöhnt haben. Schon wenn wir bei der Geburt sagen, das soll nun einfach aufhören, weh zu tun, der Mitbewohner soll nun einfach rausflutschen und gut ist. Niemand hört auf einen. Der Mitbewohner am wenigsten. Und das wird später zum Programm. Das weiss man zum Glück nicht, man behielte ihn wohl sonst drin. Stiller wäre es allemal. Und man sässe nie am Fussballfeldrand.

Sagte ich schon, dass ich heute schlechte Laune habe? Es war mir so. Ich muss wohl abgeschweift sein. Aber ist nun auch egal. Ich bin nun zu Hause, das war heil, der Hund dicht. Das Kind schläft. Ruhe herrscht. Eigentlich ein schöner Tag, nicht?

4 Comments

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  1. Wunderschön geschrieben, nur habe ich nicht verstanden, warum Du 60 oder 100 Minuten dabei sitzen musstest. Hat der kleine Mann noch Panik alleine in der Gruppe und ohne Mama?

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  2. Gut rausgelassen. Braucht man auch mal, schlechte Laune. Ich bin ja Fußballfanatiker, hätte mich da angeboten (Wieso bietet Twitter beamen da nicht an? 😉 Fußball also nicht dein Ding. Nächstes Mal geht wieder der männliche Part oder vielleicht nimmt eine andere Mutter deinen Sohn mit. Einen Becher Eis solltest Du Dir jetzt gönnen oder was anderes. Man muss sich auch mal selbst belohnen für andauernde Pflichterfüllung. Ben u. Jerrys?

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    • Dass ich Fussball nicht mag, kann man nicht mal sagen, es war wohl eher das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das zur Laune führte. Beamen wäre toll, du hättest mir zumindest das Eis bringen können (noch lieber wäre mir ein Kaffee gewesen, man hätte sogar welchen rauslassen können, nur hatte ich mein Portemonnaie zu Hause – du siehst, die Verkettung…;) )

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