Das vorliegende Buch umfasst 11 Fragebogen zu Themen wie Hoffnung, Humor, Tod, Eigentum Geld und mehr. Jeder Fragebogen umfasst mehrere Fragen, die man als Leser selber durchdenken kann. Ein spannendes Buch, ein Buch, das anregt, hinterfragen lässt – sich, andere, die Welt und die Beziehungen zwischen allen.
Ich werde mir in unregelmässigen Abständen einen Fragebogen vornehmen und mich einigen Fragen daraus stellen. Die Auswahl unterliegt verschiedenen Kriterien, ein Grund ist sicher, dass der Artikel nicht ausufern soll. Wen die vollständen Fragebogen interessieren, der findet die Angaben zum Buch ganz am Schluss. Hier der erste Fragebogen:
Fragebogen I
- Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?
Nein
- Warum? Stichworte genügen.
Ich sehe den Menschen nicht als Gewinn für diese Welt.
- Möchten Sie das absolute Gedächtnis?
Nein, ich erachte Vergessen oft als Segen. Was dann wieder in die Erinnerung zurück kommt oder da geblieben ist, ist es wert, bedacht zu werden.
- Wie heisst der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?
Es gibt verschiedene Politiker, die ich lieber nicht mehr im Amt sehen würde, aber: Ich wünsche keinem den Tod, trotz allem, und: Ich glaube nicht, dass das viel helfen würde. Oft liegen die Probleme tiefer und es hängt nicht alles nur an einer Person, sondern auch an den Umständen, die ermöglichten, dass die Person in die Position kommen konnte.
- Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?
Natürlich gibt es Menschen, die mir fehlen, deren Tod schmerzte. Nur: Was würde ein Wiedersehen bringen? Ich denke, wir sollten eher so leben, dass wir wissen, dass das Leben (das eigene und das des Anderen) endlich ist und zu Lebzeiten realisieren, was möglich ist.
- Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?
Natürlich habe ich dann und wann was auszusetzen an meinem Land, der Kultur hier, aber ich bin grundsätzlich dankbar, in der Schweiz geboren worden zu sein.
- Wie alt möchten Sie werden?
So alt, dass ich noch selber denken, essen und aufs Klo gehen kann.
- Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.
Nein
- Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?
Ich halte wenig von Alleingängen in Situationen, die für alle stimmen müssen am Schluss. Ich schätze das Leben in einer Demokratie und dazu gehört, dass man Entscheide diskutiert, abwägt, abstimmt. Klar kann es sein, dass so nicht immer die Entscheidungen gefällt werden, die man sich wünschen würde, doch ich erachte die Gefahr von Alleingängen als grösser als die Beschwernis, ab und an unliebsame Entscheide mittragen zu müssen.
Wo (diktatorische, despotische, idiotische) Alleingänge dominieren, führt das oft zu Chaos, Unterdrückung, Unglück, wie man in der Geschichte oft sah und heute leider in vielen Ländern noch sehen kann.
- Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?
Ich neige nicht zu Hass, denke aber, dass ein so starkes Gefühl ein individuelles Gefühl ist. Klar gibt es Aversionen in Ländern gegen Teile ihres Landes, einzelne Gruppierungen, oder auch gegen andere Länder. Ich würde die aber nicht als Hass bezeichnen, eher wohl als durch die Muttermilch und Kultur aufgesogene Stimmungen und Haltungen.
- Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?
Nein
- Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschen Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?
Ich hoffe und glaube, dass der Tod das Ende ist. Da spricht keiner mehr, weder ich noch andere. Irgendwann muss auch mal Ruhe sein.
- Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?
Einerseits eine zu hohe Hemmschwelle, es bewusst zu tun, andererseits das Glück, nie durch einen Unfall in die Situation gekommen zu sein.
- Was fehlt Ihnen zum Glück?
Das Talent dazu.
- Wofür sind Sie dankbar?
Dass ich bin in einem guten und sicheren Land geboren bin, dass ich einen Weg gehen konnte, wie er mir lag, und ich die Möglichkeit habe, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Ich bin dankbar, dass ich mich mit und durch das Schreiben täglich neu entdecken und weiter entwickeln kann, dass ich Menschen erreiche mit dem, was ich tue, und ab und an anderen eine Freude bereiten kann damit.
- Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?
Ich wäre gerne mein Hund Caruso. Wenn ich ihn so ansehe, wirkt er glücklich – und dafür bin ich dankbar.
Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen
Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Ein Roman, angelehnt an die wahre Geschichte der Lucy Joyce, von der wenig überliefertes Material existiert. Die Geschichte springt hin und her zwischen der Lucy Joyces Psychoanalyse bei C. G. Jung im Jahr 1934 in Zürich, und dem Leben der Familie Joyce in Paris ab 1928. Geschrieben ist alles in einer einfachen Sprache mit kurzen Sätze, die fast ein wenig an einen Plauderton erinnert. Dieser Eindruck wird noch unterstützt durch die fast inflationär verwendete Koseform „Babbo“, mit welcher Lucy ihren Vater anspricht oder an ihn denkt oder über ihn spricht, oder sehr markig formulierte Gedanken Lucys:
Patricia Duncker gelingt es im vorliegenden Roman, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und mitzureissen. Immer tiefer taucht man selber in die Welt des Ich-Erzählers, später in die von Paul Michel und vor allem: in die Geschichte der beiden ein.
Fabian, Dr. der Germanistik und zweiunddreissig Jahre alt, hält sich finanziell mehr schlecht als recht in abwechselnden Jobs über Wasser. In seiner Freizeit treibt er sich in zweifelhaften Etablissements herum, trinkt mit befreundeten Journalisten eines über den Durst, hat Liebschaften und diskutiert mit seinem Freund Labude über die pessimistischen Aussichten für Deutschland und Europa.
Des Sommers letzte Rosen bringt sicher nicht die neue Erkenntnis in Sachen Gedichten, man findet – vor allem als begeisterter Gedichte-Leser – keine Neuentdeckungen. Auch kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, Ranglisten aus Gedichten anzulegen – so mutet es ein wenig an. Aber: Es ist ein sehr schön aufgemachtes Buch mit einem ansprechenden Deckblatt, das Layout ist schnörkellos und ganz auf die einzelnen Texte ausgerichtet – ein schönes Geschenk für einen guten Freund, die Mutter oder einen Einsteiger in die Welt der Lyrik.
Was entsteht, wenn eine Frau aus einer Metzgerfamilie, die Literatur liebt, ein Buch schreibt? Wer sich die Frage schon mal gestellt hat, der findet die Antwort in diesem Buch. Cara Nicoletti kam als Kind einer Metzgersfamilie schon früh mit dem Kochen in Berührung. Von klein an zog sie sich aber auch gern mit einem guten Buch zurück. Halfen die Bücher ihr in der Kindheit und Jugend, vor der oft überfordernden Realität zu fliehen, so identifizierte sie sich auch später noch gerne mit den Figuren aus den fiktiven Welten. Noch näher fühlte sie sich ihnen, wenn sie ass, was diese assen, sprich: Sie kochte sich die Rezepte aus den Büchern einfach selber.
Das vorliegende Buch entält eine Zeitreise durch unsere Weltliteratur. 1001 Bücher, die man gelesen haben sollte, bevor man stirbt, will es beinhalten. Ausgewählt wurden diese 1001 Bücher von 157 Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Journalisten aus der ganzen Welt. Wir lassen uns am Anfang unserer Reise durch die Literatur von Scheherezade aus 1001 Nacht verzaubern, der Weg führt weiter zu Jane Austens Romanen über heiratswillige junge Damen, sticht mit Moby Dick ins Meer, wendet sich nach einer Wegstrecke dem Bildnis des Dorian Gray zu, führt bei Max Frischs Stiller vorbei zu Jakob dem Lügner, um dann weiter zu gehen zum Parfum von Süskind, Henning Mankells Mörder ohne Gesicht und schliesslich bei Swetlana Alexejiewitschs Secondhand-Zeit zu enden.
Villa am Meer ist eine Familiensage, ein historischer Roman und die Geschichte des Strandkorbs in einem. Zwar soll der Roman ausdrücklich nicht als Sachbuch über den Strandkorb, sondern als fiktive Geschichte verstanden werden, trotzdem wirkt das hier geschilderte sehr authentisch.
J. M. Coetzee wird am 9. Februar 1940 in Kapstadt als Kind einer Grundschullehrerin und eines Juristen, die Familie hat niederländische Wurzeln, geboren. Gesprochen wird wird in der Familie Englisch, trotzdem ist er auch des Afrikaans mächtig. Die politischen Umstände sind alles andere als einfach, die Apartheid bahnt sich an und spaltet das Land. Coetzee studiert Englisch, absolviert daneben ein Zweitstudium in Mathematik. Er fühlt sich – glaubt man seinem autobiographischen Roman Die jungen Jahre – immer zum Dichter berufen, findet aber selten die richtigen Umstände, um wirklich mit dem Schreiben zu beginnen, so wie er es gerne täte. Entweder wähnt er sich am falschen Ort oder er fühlt von der Muse – der richtigen Frau, die für ihn bestimmt ist und die in ihm die Kreativität entzünden wird – ungeküsst.
Kaum einer, der Ernst Jandls Gedicht von Ottos Mops nicht kennt. Kaum einer, der nicht darüber lachte, sich auch fragte, was den Dichter bewegt hat, ein solches Gedicht zu schreiben. Was bewegt einen Dichter überhaupt? Was macht Dichtung aus? Kann man es allgemein sagen?
Addie Moore und Louis Waters leben im kleinen Städtchen Holt, nur wenige Häuser voneinander, trotzdem kennen sie sich nur oberflächlich. Beide sind allein, ihre Partner sind verstorben, die Kinder längst ausgezogen. Eines Tages klingelt Addie bei Louis und stellt ihm eine ungewöhnliche Frage: Ob er nicht ab und an für die Nacht zu ihr käme, damit sie einfach im Dunkeln nebeneinander liegen, reden und dann nicht allein einschlafen könnten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Jane, eine Waise, arbeitet als Dienstmädchen bei einer reichen Familie. Dass sie daneben eine Beziehung zu Paul hat, dem Sohn einer mit ihren Arbeitgebern befreundeten, ebenso wohlhabenden Familie, ist ihr Geheimnis. Sie wird es nie jemandem erzählen. Am 30. März 1924 wird sie das letzte Mal mit Paul zusammen sein, denn Paul heiratet bald standesgemäss. Es ist nochmals eine Chance, für eine kurze Zeit ein Glück zu geniessen, das nachher blosse Erinnerung ist. Danach wird alles anders sein. Wie sehr, ahnt sie mittags um 12 noch nicht, erst gegen Abend ist ihr klar: Es wird nie mehr sein, wie es mal war.
Taschenbuch: 208 Seiten