Freitagsfüller – Klappe, die zehnte

Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr anstrengende Woche – ich bin jeden Tag nach Thun gefahren, um meinen Papa zu besuchen, der da im Spital liegt. Drum kommt der heutige Freitagsfüller nun auch später als sonst, ich bin nämlich soeben erst wieder zu Hause angekommen. Jetzt noch ein paar liegengebliebene Dinge abarbeiten, Mails checken, welche schreiben, eine Offerte machen und dann: Wochenende – und das sieht diese Woche noch mehr so aus, wie sonst schon immer: ruhig. Und los geht es:

  1. Die letzte erfreuliche Postsendung warheute im Briefkasten – sieht nach Büchern aus und nach etwas für Caruso – was weiss ich aber noch nicht, muss erst mal auspacken, dazu kam ich nämlich noch nicht.
  2. In dieser Woche war ich dankbar für die Möglichkeit, viel Zeit mit meinen Eltern verbringen zu können. Ohne Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen und auch für diese bin ich sehr dankbar.
  3. Rotwein ist das köstlichste, was es gibt. Und wenn es dann noch guten Käse, Brot und ein paar Knabbereien dazu gibt, bin ich im siebten Himmel.
  4. Alles, was ich sehe, inspiriert mich. Ich bin die, welche immer mit Skizzenbuch durch die Gegend rennt und alles zeichnet: Häuser, Bäume, Menschen – auch wenn die nie so aussehen, wie sie das in Wirklichkeit tun.
  5. Ich bin momentan am glücklichsten, wenn ich zeichnen kann. Gerade in der nicht ganz einfachen Zeit aktuell bin ich sehr froh, dieses Mittel zu haben, um bei mir zu bleiben, zu entspannen, mir was Gutes zu tun.
  6. Und alle Wege die wir gehen müssen, sollten wir uns möglichst so gestalten, dass es nicht reines Müssen ist, sondern wir etwas Schönes daran erkennen können. Das ist oft nicht einfach, vor allem, wenn es schwierige Wege sind. Da wir sie aber gehen MÜSSEN, haben wir wohl keine Wahl. Sie werden nicht leichter, wenn man sie nur schwarz und sieht. Das Bewusstsein, dass auch auf dem schwersten Weg etwas Schönes zu finden ist, kann helfen und Kraft für den Weg geben. .

Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens einigermassen übernehmen:

  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, Käse und Brot (siehe 3), morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, viel zu zeichnen und zu lettern, etwas zu lesen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich wieder viel zeichnen, lettern, lesen, meinen Sonntagsfilm schauen und hoffentlich viel Ruhe haben.

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

 

Freitagsfüller – Klappe, die neunte

Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr anstrengende Woche – vor allem emotional. Ich bin froh, ist Freitag, auch wenn der nochmals ein paar schwierige Situationen mit sich bringt. Aber danach ist Wochenende und das sieht diese Woche noch mehr so aus, wie sonst schon immer: ruhig. Und los geht es:

  1. Jetzt kann man hier in der Wohnung endlich wieder atmen – vor allem ansatzweise. Ich wurde am frühen Morgen von einem beissenden Brandgeruch geweckt. Ich lief durch die Wohnung, fand nichts. Ich schaute beim Kind, ob das in seinem Zimmer Unsinn machte –nichts. Da ich durch den Gestank nicht mehr schlafen konnte, stand ich um 4 auf… um 5 liess mir dieser Geruch doch keine Ruhe, ich suchte wieder die Wohnung ab, schaute in den Abstellraum, wo auch die Mikrowelle steht, öffnete die… und hatte die Ursache. Das Kind hatte Tassenkuchen gemacht und war eingeschlafen – der Schalter viel zu lang eingestellt. Die Tasse war gefüllt von einem schwarzen Klumpen, die ganze Mikrowelle innen braun und alles zusammen stank zum Himmel. Ich habe nun eingeweicht, geschruppt, gesprayt, geschruppt, gelüftet, gesprayt, Räucherstäbchen geschwenkt… langsam geht es wieder. Was für ein Morgen.
  2.  Unsicherheit auszhalten ist für mich fast unmöglich. Wir hatten nun in letzter Zeit einige Situationen, die mit langem Warten und Unsicherheit daher kamen. Immer heisst es wieder: In zwei Tagen wissen wir mehr – nach zwei Tagen kommt ein Sorry, man wisse doch nichts, es ginge nochmals zwei Tage. Oder Wochen? Oder…
  1. Es macht Spaß, kreativ zu sein, Dinge auszuprobieren. Immer wieder lerne ich: Fehler gibt es nicht, man kann aus allem was machen, wenn man kreativ an die Dinge ran geht. Und so versuche ich, aus meinem eher geordneten Naturell ein wenig auszutreten und zu improvisieren. Immer mehr. Was daraus entstanden ist diese Woche, seht ihr dann am Sonntag wieder.
  2. Mein kreativer Weg wird mein Highlight der 2. Jahreshälfte. Und wohl der Halt, den ich dringend brauche bei dem, was uns als Familie bevorsteht auf verschiedenen Ebenen.
  3. Ich frage mich, ob es Menschen gibt, die ein Leben haben, das einfach locker flockig plätschert. Ab und an macht es in den sozialen Medien den Anschein, dass dem so wäre. Nicht dass man mich falsch versteht, ich gönne es jedem von Herzen. Ich hätte auch gern ein wenig mehr davon.
  4. Ich hoffe, dass ich am Ende des Jahres sagen kann, all der Aufwand, all die kaputten Nerven, all die erschöpfenden Situationen und Umstände auszuhalten, das war es wert. Weil: Alles ist gut und wir sitzen fröhlich mit einem Glas Champagner da und stossen auf ein neues Jahr an, das kommt.

Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens übernehmen:

  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, viel zu zeichnen und zu lettern, etwas zu lesen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich wieder viel zeichnen, lettern, lesen, meinen Sonntagsfilm schauen und hoffentlich viel Ruhe haben.

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

Soll man fürs Fernsehprogramm bezahlen?

Billag-Gebühren auf dem Prüfstand

Immer wieder schlagen unsere Fernsehgebühren Wellen. Immer werden Stimmen laut, die fordern, diese abzuschaffen. Ja, ich fände das auch nett. Zumal mein Budget nicht unendlich und das Leben teuer ist.

Ich schaue selten fern. Schon gar nicht am Fernseher. Der hängt eher so als dekoratives schwarzes Rechteck in der Stube und wird nie benutzt. Wenn ich am Computer schaue, geht die Auswahl des Programms quer durch die Sender, je nach aktuellen Vorlieben. Meist Zattoo und Netflix. Ich käme auch mit Netflix alleine aus. Wieso also Billag? Was hab ich mit dem Schweizer Fernsehen am Hut?

Ich mag vieles auf SRF. Vieles auch nicht. Manches finde ich höchst fragwürdig. Zum Beispiel die Übertragung stundenlanger Imam-Gebete. Am Sonntag Morgen. Ich möchte auch keine anderen Gebete schauen – aber das bin ich, andere sind anders. Die Mischung macht’s und SRF kriegt die gut hin. Ganz viel hat ganz viel Hand und Fuss – man denke an die Sternstunden, die Doks, die Nachrichtenformate.

Krimi und Liebesschnulz halten sich die Waage, die Informationsformate sind (ok, Arena ausgeschlossen) informativ – ja, für Leistung soll man bezahlen. Heute herrscht aber leider eine Mentalität vor: Ich will möglichst viel und ich möchte es gerne gratis. Irgendeiner verkauft sich sicher für lau. Damit erpresst man dann die, welche für ihre Leistung Geld wollen.

Und die, die so handeln, gehen dann dahin und predigen Ethik und Werte. Sie stellen sich hin und fordern eine menschlichere Welt. Wo man sich so gegenseitig schätzt. Anerkennt, was jeder leistet. Da gebe ich ihnen Recht. So soll es sein. Nur: Das hört dann wohl beim eigenen Geldbeutel auf.

Klar kann man hinterfragen, wofür die gezahlten Gelder gebraucht werden. Schlussendlich sollte das Programm einer möglichst breiten Masse entsprechen und es soll diese über das, was in unserer Welt passiert, informieren. Das passiert aktuell eigentlich sehr gut. Darum werde ich weiter zahlen. Nicht gerne, ich zahle nichts gerne. Aber:

Jeder soll kriegen, was er verdient.

Freitagsfüller – Klappe, die achte

Es ist wieder soweit: Der Freitag ist da und damit auch der Freitagsfüller. Es war eine sehr bewegte Woche mit vielen Tiefschlägen, aber auch dem wunderbaren Gefühl, Menschen um mich zu haben, die da sind, denen ich nicht egal sind. Die vielen aufbauenden Worte, die mich erreicht haben, taten mir sehr gut. Dafür bin ich sehr dankbar. Und los geht es:

  1. Heute könnte mal wieder raus zum Zeichnen – es ist wunderbares Wetter, noch ist alles grün und die umliegenden Gärten sind voller wundervoller Blumen.
  2. Es heißt, am Ende wird alles gut. Darauf hoffe ich nun in ganz verschiedenen Bereichen in meinem Leben, die gerade schwierig sind. Ich dachte schon vor einiger Zeit, ich sei am Rand meiner Kräfte, mehr ginge nicht. Aber es kommt immer noch was dazu und es geht trotzdem weiter. Es muss ja auch. Eine Alternative gibt es nicht.
  3. Bald können wir die Sommerkleider wieder versorgen, heute Morgen sah es schon sehr herbstlich aus draussen. Nebel hing über dem Boden, es war eher kühl. Nun scheint aber die Sonne, es wird ein schöner Tag!
  4. Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Wie oft sieht man – vor allem auf Facebook und Instagram – Bilder von schönen Menschen mit schönen Häusern und schönen Autos und schönen Leben und schönen… was auch immer. Und dann denkt man sich: Wow, die stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Bis man mal per Zufall hinter die Fassade sieht. Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn es einem mal nicht gut geht: Bei anderen sieht man die schwierigen Dinge oft nicht, bei sich kennt man sie. Es ist nicht gesagt, dass nichts ist, nur weil man nichts sieht. Das soll nicht dazu gedacht sein, Schadenfreude zu empfinden oder ähnlich negative Gefühle, sondern es hilft vielleicht, zu sehen, dass man nicht alleine ist mit Problemen.
  5. Berlin steht schon lange auf meiner Wunschliste der zu besuchenden Städte. Ich war vor einigen Jahren mal da und habe die Stadt geliebt mit ihrer Atmosphäre, ihrer Kultur, ihren vielen unterschiedlichen Gesichtern.
  6. Vor langer Zeit habe ich mal begonnen, vermehrt zu zeichnen und malen und hatte viel Freude daran. Zu der Zeit verlagerten sich meine Interessen etwas weg von der Literatur und mehr hin zur Kunst. Ich habe dann irgendwann aufgehört, weil ich mir selber mit meinen Selbstzweifeln im Weg stand. Als es mir in letzter Zeit immer schlechter ging, merkte ich, wie mir das Zeichnen fehlt. Und ich habe wieder angefangen. Es tat/tut mir gut. Ich will nun wieder vermehrt in die Richtung gehen und freue mich auf den Weg. Lesen werde ich immer gerne und auch sicher weiter drüber schreiben dann und wann, aber ich möchte da den Druck rausnehmen von „du musst nun eine Rezension schreiben“, „du musst nun ein Bücherbild auf Instagram stellen“ und dergleichen, denn das hätte mir fast die Lust am Lesen genommen.

Die Nummer sieben kann ich eigentlich meistens übernehmen:

  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, viel zu zeichnen, zu lesen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich wieder viel zeichnen, lesen, meinen Sonntagsfilm schauen (vermutlich „Meine Zeit mit Cezanne“) und hoffentlich viel Ruhe haben.

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Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

Tagesroutinen

Schon wieder so ein Tag. Einer gleicht dem anderen. Das Frühstück kommt um sieben, also zu einer Zeit, zu der kein normaler Mensch Hunger hat. Zwei Scheiben Brot, Butter, Marmelade. Hans nimmt immer zwei Tassen Kaffee mit viel Milch dazu. Das erzählt er jedem, der es hören will. Den anderen auch. Nach dem ersten Tag mit zwei Scheiben hat er allerdings gesagt, eine Scheibe reiche auch. Schliesslich esse er zu Hause auch nur eine und hier mache er ja nichts als rumzuliegen.

Hans liegt nicht alleine hier, er teilt das Spitalzimmer mit drei Männern in seinem Alter. Also eigentlich dachte er, als er eintrat, das seien alles alte Männer, bis er merkte, dass er der Älteste in der Runde ist. Wenn man aber die anderen sähe, würde man das nicht glauben. Sagt Hans. Und er muss es ja wissen, er liegt hier täglich.

Die Tage sind lang, schon der Morgen zieht sich hin. Irgendwann kommt die Visite. Heute sind sie zu fünft. Der leitende Arzt – den hat er noch nie gesehen, bislang kam eine junge Assistenzärztin, eine sehr nette – mit vier angehenden Ärztinnen. Die waren auch schon dabei, alle jung, sehr jung. Am Anfang hätte er gedacht, das seien Schwestern, so jung hätten die ausgesehen. Aber nein, das seien alles schon angehende Ärztinnen. Aber alle sehr nett, beeilt er sich zu sagen. Der Arzt redet dann auch von diesem und jenem, vornehmlich um den heissen Brei. Hans findet, das hätte ihm die nette Ärztin am Vortag alles schon erklärt und da hätte er es auch verstanden. Er hört drum gar nicht mehr richtig zu. Dann sind der Redner und seine Entourage auch schon weg und beim nächsten Bett.

Hans seufzt schon innerlich. Der da Liegende hat immer zu jammern. Ständig läutet er nach dem Personal, ständig tut was weh, fehlt was – und dann ist doch nichts. Ausserdem beklagt der sich über alles. Klingelt nach den Schwestern, weil die Bauarbeiter vor dem Spital zu laut sind. Reklamiert, weil sonst zu viel Lärm herrscht. Aber kürzlich, da liess der doch Musik laufen in einer Lautstärke, da kriegte man Kopfschmerzen von. Hans hat ihm dann gesagt, er solle die Musik runterschrauben. Es war zwar gute Musik, aber laut war sie. Zu laut. Und das von dem, dem sonst alles zu laut ist. Denkt Hans. Und erzählt es, wenn er jemanden hat, dem er es erzählen kann.

Schon bald kommt das Mittagessen. Er mag die Krankenhausküche nicht. Sie sähe immer schön angerichtet aus, aber nach dem ersten Bissen sei fertig. Alles hat so einen komischen Beigeschmack, findet Hans. Er kann sich das nicht erklären. Schliesslich kochen da Köche. Er zwingt sich immer, eine oder zwei Gabeln zu essen von allem. Immerhin sei es gut für die Figur, erzählt Hans seinem Besuch. Er hätte schon zwei Kilo abgenommen. Der Schalk sitzt ihm im Nacken beim Erzählen. Wenn man Hans kennt, weiss man wohl, an welche Leckereien er denkt, mit denen er die Gewichtsverluste wieder beheben will.

Aber nun kommt erst mal das Mittagessen, dann ein lang(weilig)er Nachmittag, dann das Abendessen mit gleichem Nicht-Ess-Ritual und dann die Nacht. Und morgen startet alles wieder neu. Und Hans wird alle Gedanken wieder neu denken. Und wenn Besuch kommt, erzählt er davon.

Und jeden Tag kommt Sabine vorbei, setzt sich zu Hans, hört sich alles an und nickt. Und sie ist froh, ihn hier reden zu hören, denn zu Hause ist der Platz auf dem Sofa plötzlich leer. Und im Bett schnarcht niemand mehr und hält sie vom schlafen ab. Fast glaubt sie nun, ohne das nicht mehr schlafen zu können.

Wo noch halten

Und wieder sitze ich da. Und weiss nicht, was kommt. Denke an die Zeit zurück. An die Erzählungen, wie er sich freute, als er erfuhr, dass ich zur Welt gekommen und ein Mädchen bin. Durch ganz Winterthur sei er gelaufen, hätte alle auf alles eingeladen in seiner Freude. Ein Mädchen. Seine Tochter. Und ich war/bin seine Tochter. Ich bin ein Papakind. Er ist mir ein wunderbarer Papa. Als Kind baute er mit mir, balgte mit mir, zeigte mir die Welt. Oft seine, die er für die einzig richtige hielt, aber wer tut das nicht ab und an.

Ich erinnere mich, wie ich später in die Stadt ging, Kieselsteine an sein Fenster schoss. Er zeigte mir die neue Ausgabe des Landboten, an der er bastelte. Erklärte mir die Welt von Layout und Typografie. Und kam mit mir zum Plattenladen, wo ein Album darauf wartete, von mir besessen zu werden.

Er fuhr mich zu Verabredungen, holte mich von Parties. Ein Anruf genügte, er holte mich von der Schule ab – samt Veloverlad für die faule Tochter. Er half mir beim Auszug und bei vielen Umzügen danach. Er kam mich besuchen und war immer da. Er ist der Mensch, auf den ich bau. Immer baute. Bauen konnte. Sonst auf wenige im Leben.

Heute Morgen der Anruf.

Papa liegt im Spital.

Der Boden rutschte unter den Füssen weg, das Herz fiel in die Magengrube. Da sitzt es noch. Untersuchungen, Ungewissheit. Warten. Aus einem Tag bleiben sind 4 geworden. Biopsie ist das Damoklesschwert, das am Himmel hängt.

Ich schiebe hartnäckig die Gedanken weg, die kommen. Sie scheinen mir den Meister zeigen zu wollen. Angst macht sich breit. Ja, ich bin schon gross. Ich lebe seit 22 Jahren mein eigenes Leben. Und doch ist er der, der da ist. Er ist die Institution für mich. Ich habe ihn schon mal fast verloren. Das darf nicht sein. Nicht jetzt.

Verstummt

Ich wollte es
in Gedichten schreiben,
eine Geschichte spinnen.

Wollte Worte reihen,
dass sie Bilder werden –
sie in Farbe tauchen.

Allein: es schweigt.

Neues ausprobieren


Sabine und Klaus sassen am Frühstückstisch und tranken ihren gewohnten Morgenkaffee. Bald war ihre Ferienwoche vorbei, bald hatte sie der Alltag wieder. Noch genossen sie aber den Blick über die geliebten Berge wie jedes Jahr im August. Schon seit Jahren kamen sie hier her in die Ferien. Sie schätzten das, denn diese Ferienroutine bedeutete, alles schon zu kennen, sich gleich vom ersten Tag an entspannen zu können, ohne zuerst noch die Gegend erkundigen zu müssen.

Es war eine schöne Ferienwoche gewesen. Sie hatten alte Bekannte getroffen, die auch schon seit Jahren zur selben Zeit hier in den Ferien waren, und konnten am Sonntag am Dorffest teilnehmen. Am Montag waren sie – wie jedes Jahr – aufs Stockhorn gewandert, danach kamen das Brienzer Rothorn und der Niesen an die Reihe und heute stand ein Ausflug nach Thun auf dem Programm. Plötzlich sagte Sabine zu Klaus:

„Meinst du nicht, wir sollten mal etwas verändern in unserem Leben? Ich habe gerade in einem Artikel gelesen, man solle aus Gewohnheiten ausbrechen, das brächte neuen Wind ins Leben, man sei dann kreativer.“

Klaus schaute sie an: „Ich will nicht malen oder töpfern.“

„Wie kommst du denn nun auf malen und töpfern?“

„Du sagtest doch, man sei dann kreativer.“

Sabine verdrehte die Augen: „Das ist doch nicht so gemeint. Auf alle Fälle finde ich, uns täte etwas frischer Wind gut. Wir könnten nächstes Jahr mal an einem anderen Ort Ferien machen. Lass uns ans Meer fahren.“

Klaus sagte nichts mehr. Er kannte Sabine lange genug und wusste, wann es besser war, zu schweigen.

Nach dem Kaffee brachen Sabine und Klaus auf, um nach Thun zu fahren. Da wollten sie auch gleich in einem Reisebüro Prospekte mit möglichen Feriendestinationen besorgen und diese dann in ihrem Stammcafé auf dem Mühleplatz studieren.

Thun begrüsste sie mit prächtigem Wetter und dem gewohnten Charme. Mit einer riesigen Beige an Prospekten machten sie es sich an der Sonne bequem. Sie blätterten sich durch spanische Inseln und toskanische Felder, streiften durch die Provence und machten einen Abstecher nach Griechenland. Balearen oder Kanaren? Italien oder Frankreich?

Bald schon rauchte den beiden der Kopf, zumal alles irgendwie ähnlich aussah. Grosse weisse Betonbauten oder aber kleine Bungalo-Siedlungen mit Pools, Strand, Palmen, Badetuch an Badetuch. Die anpreisenden Texte klangen auch alle etwa gleich. Worauf sollte man da achten? Nach welchen Kriterien entscheiden? Blätterten beide anfangs noch eifrig, wurde das Umschlagen der Seiten stiller und stiller – und die Stimmung bedrückter.

„Was machen wir denn da den ganzen Tag?“, fragte Sabine.

„Ich weiss auch nicht. Ausruhen? Uns erholen? Baden?“

„Du weißt doch, dass ich nicht gerne bade?“

„Aber du wolltest doch ans Meer? Kreativ werden und so…“

Sabine packte schnaubend ihre Prospekte zusammen, stand auf, schmetterte das Papier in den nächsten Eimer und stapfte davon. Klaus hatte Mühe, sie noch einzuholen, er wusste nur eines: Besser war es, nun nichts zu sagen. So fuhren sie schweigend wieder zurück in die Berge, zurück in „ihr“ Hotel. Als sie oben ankamen, stiegen sie aus dem Auto und Sabine fragte Klaus:

„Sag mal, könnten wir nicht schon fürs nächste Jahr buchen? Nicht dass unser Zimmer schon belegt ist und wir in ein anderes ausweichen müssen.

Wochenthema: Gewohnheit

Der Mensch neigt oft dazu, Gewohnheiten auszubilden. So bildet er eine Tagesroutine aus, bei welcher jeder Tag in den grossen Zügen dem anderen gleicht. Man steht auf, bereitet sich nach dem täglich gleichen Muster auf den Tag vor, geht auf demselben Weg zur Arbeit, sitzt im Bus oft am selben Platz und sieht die anderen, die auch immer im gleichen Bus und auf dem gleichen Platz sitzen. Die Arbeit läuft nach gewohntem Muster ab, der Feierabend oft auch. Gewohnheiten bieten Sicherheit, Gewohnheiten geben auch eine Art von Ruhe in einer sonst eher hektischen Zeit. In der Gewohnheit fühlt man sich zu Hause. Und das ist gut.

Gewohnheiten können aber auch schädliche Züge annehmen, vor allem dann, wenn es sich um krankmachende Gewohnheiten handelt. Jeder kennt die wohl bei sich: Man tröstet sich mit einem Schokoriegel vom Frust des Tages, spült den Ärger mit einem Glas Wein weg oder trinkt ein Feierabendbier, um zu entspannen. Was am Anfang noch ein gewähltes Mittel war, geht langsam in Fleisch und Blut über, man greift zum probaten Mittel, ohne zu studieren, bald auch ohne Ärger oder Anspannung als Grund, sondern aus reiner Gewohnheit.

Wenn der Tag nur noch aus Gewohnheiten besteht, läuft man automatisch durchs Leben. Man weiss, was kommt, ohne daran denken zu müssen, man geht den Weg, ohne ihn überhaupt noch zu sehen. Man spult quasi blind sein Leben ab. Man muss ja nicht mehr hinsehen, alles funktioniert, weil es lange eingeübt wurde, weil es eben Gewohnheit ist. Schleichend greift dabei eine Abstumpfung um sich, das Bewusstsein und die Achtsamkeit auf das, was das Leben ist und was es umgibt, nehmen ab. Immer mehr sind wir in unseren Gewohnheiten auch gefangen, können gar nicht mehr ausbrechen.

Nun kann man sagen, dass das ja nicht so bedenklich ist, zumal dann nicht, wenn die Gewohnheit nicht schädlich, sondern ganz normale Alltagsroutine ist. Schliesslich muss man ja zur Arbeit und der Kaffee vorher muss genauso sein wie die Dusche am Morgen. Der Arbeitsweg ergibt sich aus der Lage von Wohnung und Büro – wie also was ändern? Das hat man immer so gemacht, das kennt man schon und es funktioniert. Man funktioniert. Und genau da fängt das Problem an.

Blindes Abstrampeln eines Lebens ist nicht nur eine oberflächliche Angelegenheit. Das greift tiefer. Sind es zuerst nur die Alltagsroutinen, die automatisch funktionieren, ist man es selber bald als Mensch, der nur noch funktioniert. Man hört nicht mehr hin, wie es einem dabei geht, man spürt nicht, wenn es nicht mehr passt. Man macht, weil man immer machte. Man funktioniert. Dass aber reines Funktionieren nicht wirklich Leben bedeutet, liegt wohl auf der Hand. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, merkt man spätestens dann, wenn der Körper und die Seele so laut um Hilfe schreien, dass man sie nicht mehr überhören kann. Und oft ist es dann schon sehr spät. Manchmal zu spät. Kein Wunder, nehmen Krankheiten wie Depressionen oder Süchte immer mehr zu. Kein Wunder, verzweifeln so viele Menschen am Leben, sind erschöpft, weil sie mit den ganzen täglichen Routinen und Anforderungen nicht mehr umgehen können. Das Leben wurde zuviel und man lief blind funktionierend in dieses Zuviel hinein.

Was helfen kann? Die Augen wieder aufzumachen. Man sollte lernen, wieder hinzusehen, was ist, hinzusehen, was man tut und wieso man es tut. Man muss lernen, die Gewohnheiten zu erkennen und zu sehen, welche gut tun, welche nicht. Hinsehen, welche man braucht, welche Halt geben, und welche mehr Last sind. Und dann kann man dahin gehen und etwas ändern. Nicht alles aufs Mal, Schritt für Schritt mal die eine oder andere Gewohnheit durchbrechen, kreativ werden. Vielleicht sitzt man einfach mal auf einen anderen Stuhl im Bus und sieht plötzlich andere Menschen. Die waren vorher auch alle da, allein, man sah sie nicht. Und so ist es wohl mit vielem im Leben: Es ist ganz viel da, was wir nicht sehen, weil wir nie hinsehen. Die Perspektive zu verändern kann da helfen, es in den Blick zu kriegen.

Dabei kann man ruhig mal kreativ werden, Neues probieren, Gewohntes durchbrechen. Das kann helfen, wieder mehr Leben im Leben, sich selber lebendiger zu fühlen. Vielleicht findet sich auch Zeit, ein neues Hobby zu beginnen? Zeichnen, malen, ein Instrument spielen, schreiben – sich kreativ ausdrücken. Und wer weiss: Plötzlich braucht man die Schokolade oder das Bier nicht mehr, bildet neue Gewohnheiten aus, solche, die gut tun. Man will nichts mehr abreagieren, sondern etwas ausleben. Man tankt auf, weil die Dinge Freude machen, man Schönes sieht, das vorher untergegangen war. Alles unter dem Motto:

Mach mehr von dem, was dir gut tut und was dich glücklich macht.