5 Inspirationen – Woche 15

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ferdinand Schirach denkt schon eine Weile über eine Europäische Verfassung nach, welche für den Menschen in Zukunft wichtige Grundrechte beinhalten soll. Dabei möchte er auf die Utopie einer wünschenswerten Umwelt setzen, nicht auf nach heutiger Sicht mögliche Forderungen – dass dies gelingen kann, zeigt er an historischen Beispielen. Dazu hörte ich kürzlich einen Podcast ( hier auf Video oder auf Spotify und anderen Kanälen als Podcast), dazu gibt es neben seinem Buch „Jeder Mensch“ eine Petition, die man unterschreiben kann: HIER
  • Ein weiterer Podcast, den ich hörte, stammt aus dem letzten Jahr, es war der Literaturpodcast der FAZ, ich weiss leider nicht, welche Folge. Aber: Es drehte sich um das Beethoven-Jahr und die damit zusammenhängenden Neuerscheinungen zum Leben und Wirken Beethovens. Nun mag ich zwar seine Musik, aber ich habe ich nie weiter mit ihm befasst. Ich habe in den wohl 20 Minuten so viel gelernt und gehört, fand einen Zugang zu einem mir neuen Feld, dass ich mir dachte, dass es ab und an wertvoll ist, einfach mal mit offenem Blick in neue Gebiete hineinzuschauen… klar sollten sie wohl einen Bezug zu einem selber haben, sonst schweben sie gar im luftleeren Raum. Aber mit einem Minibezug lassen sich ganz schnell neue Gebiete ertasten, die so wertvoll sind.
  • Mein dritter Punkt ist ähnlich: Ich habe das schon mehrfach in meinem Leben erlebt, nun gerade neu: Ich bin an einem Projekt, das ziemlich fokussiert ist. Und doch habe ich – zwar verwandt, aber eher weitverzweigt – Interessen und Wissensdurst, so dass ich mir Bücher bestelle, Artikel suche. Ich schelte mich im ersten Moment innerlich, dass ich mich wieder verzettle, finde beim nähere Hinschauen Bezüge, auf die ich rein rational nie gestossen wäre. Manchmal denke ich, dass wir, wenn wir unseren Weg haben, wie von Zauberhand auf Passendes stossen. Synergien zeigen sich, wenn man genug in die Tiefe geht und aus sich heraus arbeitet. Es klingt esoterisch, ist aber nicht so gemeint, denn daran glaube ich nicht. So wie Schwangere plötzlich nur noch andere Schwangere sehen, öffnen sich plötzlich Bezugsmomente.
  • Ich schaue in letzter Zeit wieder vermehrt Filme, die mit der Kriegs- oder Nachkriegszeit in Verbindung stehen. Das war über Jahre mein Thema, wissenschaftlich und durch die grosse Präsenz davon auch im Leben. Es war nicht immer leicht, mit all dem Leid, mit all der Schwierigkeit so nah konfrontiert zu sein (und immer noch unglaublich privilegiert durch die zeitliche Distanz). Heute rückt es mir ab und an die Relationen zurecht. Wenn ich höre, wie schwer die Zeiten heute doch seien… und sehe, was mal war… fühle ich mich unglaublich glücklich, heute und nicht damals zu leben. Zumal ich nicht wüsste, wer ich damals gewesen wäre und welches Schicksal mich ereilt hätte…
  • Diese Woche ertappte ich mich beim Gedanken, gerne zu einer Gruppe zu gehören, zu der ich offensichtlich nicht gehöre. Zwar ist sie im nächsten Umfeld und doch bin ich aussen vor. Zuerst kam der Schmerz des Ausgeschlossenseins. Dann das Nachdenken, was ein Eingeschlossensein bedeuten würde. Ich müsste etwas mir sehr Wichtiges aufgeben. Etwas, das in meinem Leben oberste Priorität hat. Auch die zweitoberste Priorität müsste ich aufgeben. Aber dann… wäre es eventuell möglich. Ohne dieses Nachdenken war ich im Schmerz des Ausgeschlossenseins gefangen. Danach merkte ich, dass ein Teil auch bei mir liegt. Wie möchte ich leben? Welche Konsequenzen hat das? Will ich die tragen oder gebe ich was auf? Es ist zumindest teilweise auch meine Entscheidung. Und ich muss sie bewusst fällen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Corona, Gedanken und eine Utopie

Ich bin ein Mensch, der schnell zu viel hat. Zu viel Lärm, zu viele Termine, zu viel Müssen, zu viel von aussen, zu viel Einfluss, zu viel Druck. Vieles von all dem mache ich selber, vieles kommt einfach. Durch die Welt, wie sie ist. Ich suchte mir mein Leben lang Nischen und entzog mich. Das klappte mehrheitlich gut. Das Unverständnis ebenso. 
Es passt nicht in unsere Welt, gerne allein zu sein. In unserer Welt muss man präsent sein, man muss sich zeigen, man muss dabei sein, man braucht Termine, man stellt was dar. In unserer Welt repräsentiert man, fügt sich in Schubladen ein, ist nur genehm, wenn man darin Platz findet. In unserer Welt leistet man, und zwar immer das, was an Leistung gefordert ist aktuell. In unserer Welt ist man, wie man ist, weil man eben so ist und zu sein hat. Wie könnte man nur anders sein?

Und ja in unserer Welt ist man sehr tolerant, man spricht über alles und das soll so sein dürfen. Nur wenn jemand spricht, wie man das nicht möchte, dann grenzt man ihn aus. Das fällt in unserer Welt ja auch so leicht: Ein Klilck, er ist weg. Unsere Welt ist geprägt. Von genau dem. Von diesem Leben in einer pluralistischen und liberalen Gesellschaft, das man sich gross auf die Fahnen schreibt, von dem aber wenig zu spüren ist, da schlussendlich doch nur ein kleiner Teil des Pluralismus genehm und nur ein noch kleinerer Teil vom Liberalismus gedeckt ist. Über den Rest diskutieren wir bevorzugt nicht. 

Und nun sitzen wir in diesem Lockdown. Und mir ist es – um es in meiner Sprache zu sagen – vögeliwohl. Ich bin wohl der Profituer eines Umstandes, den ich mir in meinen wildesten Träumen nie gewünscht hätte. NIcht mal geträumt. Nein, schlicht nicht gewollt. Was aber wertvoll ist: Ich muss nirgends hin. Ich darf nicht. Keiner fragt mich, wieso ich nicht will. Es ist klar: Ich kann nicht. Endlich ist die Ruhe da, die mir gut tut. Endlich darf ich so leben, wie es für mich passt, ohne schräg angeschaut zu werden. Endlich bin ich kein Exot, sondern halt einfach so wie alle anderen. Etwas, das ich nicht kenne. Endlich muss ich mich nicht rechtfertigen – auf Arten und Weisen, die dann doch keiner versteht. 
Und langsam kommt die Angst auf: Es wird ein Nachher geben. Kommt dann alles doppelt und dreifach zurück? Was kommt auf mich zu? Kann ich dem bestehen? Was, wenn nicht? Was mir auffällt ist, dass sich meine schon vorher so ausgeprägten Züge nach Rückzug nicht nur gestillt, sondern verstärkt haben. Was vorher noch mal so ging, ist in der Vorstellung nun schon viel. Ich komme mehr als gut klar mit dem Rückzug (auch wenn sogar mir das Eine oder Andere durchaus fehlt), aber ich merke eine immer grössere Angst, dass ich mit einer Umkehr Mühe haben würde. 

Wird nachher mehr Verständnis da sein? Ich denke, dass eher das Gegenteil der Fall sein wird. Jeder, der Mühe hatte, wird umso mehr darauf bedacht sein, einen Zustand hinzukriegen, der all dem entgegen wirkt. Er wird kompensieren wollen. 

Noch ist es nicht so weit. Und noch behalte ich die Hoffnung, dass diese Zeit, die trotz allem nicht einfach ist und war, etwas bewirkt hat in den Köpfen. Und ich wünsche mir, dass wir mit mehr Miteinander daraus hervor gehen. Vielleicht ist das eine Utopie. Nur: Schon ganz viele Staatsphilosophien gründeten auf Utopien, die Amerikanische Verfassung war eine, um nur ein Beispiel zu nennen… und vieles konnte umgesetzt werden. Wieso nicht auch das?

5 Inspirationen – Woche 14

Es war eine kurze Woche durch das Osterwochenende. Ich war sehr vertieft in mein neues Projekt und merkte, wie viel Spass es mir macht, mich endlich mal wieder in die Tiefe zu begeben, zu wühlen, zu forschen. Einmal Wissenschaftler, immer Wissenschaftler wohl… die Leidenschaft am Stöbern ist ungebrochen und sie hat diese Woche mit viel Energie befeuert. Es bleibt nicht aus, dass dabei so einiges auf der Strecke blieb – aber ich habe schlussendlich alles noch reingepackt. Auch reingepackt habe ich die erste von zwei Impfungen gegen (für/wegen?) Corona… der Arm schmerzte am ersten Tag doch ziemlich, ein Ponstan später war besser, der zweite Tag war noch spürbar, aber ich bin ja hart im Nehmen. Oder so. Oder aber der Zahnarzttermin gleich am nächsten Tag hat die Aufmerksamkeit schlicht abgezogen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich hörte den FAZ Bücher-Podcast mit Helga Schubert. Mit 80 Jahren gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis und hat nach nun 60 Jahren des Schreibens noch mehr Mut gefasst, Neues zu versuchen. Was sicher bleibt, so Schubert, ist das Schreiben an sich, sei es doch ihre Art des Ausdrucks. Die Frau hat mich in ihrer Lebensfreude, in ihrer Erzählenergie, in ihrem Mut und Witz, ihrem Umgang auch mit schwierigen Themen sehr beeindruckt.
  • Eine eMail von brainpickings in meiner Inbox hat mich dazu gebracht, wieder einmal meinen Gedichtband von Emily Dickinsen hervorzuholen und darin zu lesen. Sie hat es wohl wie keine andere geschafft, die Natur in klingende Bilder zu verpacken. In fast immer gleichem Rhythmus singt sie ihre kleinen Lieder. Hier das Gedicht:

A Light exists in Spring
Not present on the Year
At any other period —
When March is scarcely here

A Color stands abroad
On Solitary Fields
That Science cannot overtake
But Human Nature feels.

It waits upon the Lawn,
It shows the furthest Tree
Upon the furthest Slope you know
It almost speaks to you.

Then as Horizons step
Or Noons report away
Without the Formula of sound
It passes and we stay —

A quality of loss
Affecting our Content
As Trade had suddenly encroached
Upon a Sacrament.

  • Ich schaute im Fernsehen die Verfilmung von Ferdinand Schirachs «Schuld». Schirach zeigt auf eindrückliche Weise, wie schwer es ab und an ist, Schuld von Unschuld zu trennen, ein Urteil zu fällen. Die Verfilmung wie das Buch kann ich nur ans Herz legen, beide laden – wie bei Ferdinand von Schirach üblich – zum Nachdenken ein.
  •  Es gab Zeiten, da hatte ich einen hohen Anspruch an mein Zeichnen und Malen. Und ich setzte mich selber unter Druck. Als Kind spielte ich Klavier und hörte ständig, ich müsste mehr üben. Und verlor die Freude. Irgendwann kaufte ich mir ein Keyboard, das machte unsinnig Spass, doch es erfüllte keinen Anspruch. Ich verkaufte es und ersetzte es durch ein Klavier. Der Spass war raus und es stand bis zum Wiederverkauf rum. Kürzlich setzte ich mich hin und fing an, Mandalas zu zeichnen. Grund? Mir war grad danach. Dann setzte ich mich an mein Keyboard (ich hatte mir in Erinnerung an die frühere Freude eines angeschafft, ohne Anspruch auf irgendwas). Und ich sass da und spielte und freute mich. Wohl länger als gezwungen je geschafft. Und ich merkte: Es gibt im Leben sicher Dinge, die man muss. Wo es aber keinen Grund für einen Zwang gibt, bringt ein solcher gar nichts ausser den Verlust an jeglicher Lust und Freude. Ich geniesse es, einen Ausgleich zu haben beim Zeichnen und beim Klimpern (Musik möchte ich das gar nicht nennen). Ein freudvoller Ausgleich tut gut – und was ich lange vernachlässigte: Er raubt keine Zeit, er bringt neue Energie. Nicht alles muss einem Anspruch genügen.
  • Und irgendwie in Anlehnung daran, hier mein fünfter Punkt: Ich lass mal fünfe grad sein. Es könnten auch mal vier Punkte sein, wieso müssen es fünf sein? Zwar habe ich damit nun einen fünften und sogar einen, den ich für ganz wichtig erachte… aber die Botschaft dahinter liegt mir am Herzen: Wie oft setzen wir uns selber unter Druck? Wie oft wollen wir etwas/jemandem genügen? Wie oft gehen wir sogar über unsere Grenzen, um dies zu tun? Wozu?

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 11

Noch immer ist es ungewiss, wie alles weiter geht, noch immer scheint die Welt in einem Ausnahmezustand, der irgendwie doch langsam auch so etwas wie normal wird… und noch immer hört man Stimmen, die sich das alte Normal wieder wünschen. Und mir stellt sich ein wenig die Frage, was genau eigentlich „normal“ bedeutet. Nicht immer das, was man sich als Einzelner oder Gesellschaft eigentlich wünscht? Die Frage ist dann: Wie einheitlich ist das? Ich habe keine Ahnung, ich frage nur, bin dabei sehr dankbar, dass ich auch jetzt tun kann, was ich tue. Und ja, mir kommt aktuell mein Naturell als Leseratte und zurückgezogener Schreibtischarbeiter wohl entgegen.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Der Podcast „Eins zu Eins. Der Talk“ mit Brigitte Riebe hat mich diese Woche begeistert. Besprochen werden Themen wie die Kriegs- und Nachkriegszeit, das Schreiben unter Pseudonymen, und Bücher, die zum passenden Leser finden.
  • Einmal mehr hat mich dir Verfilmung von Marcel Reich-Ranickis Autobiografie „Mein Leben“ sehr beeindruckt. Die Lebensgeschichte zeigt die Gräuel unserer Vergangenheit und der Verbrechen an den Juden auf, seine Liebe zur Kultur und zur Literatur dringt aus jeder Szene, jedem Buchstaben. Ich kann sowohl das Buch wie auch den Film sehr empfehlen, was oft nicht so ist, enttäuscht doch die Verfilmung eines geliebten Buches häufig. Was Marcel Reich-Ranicki selber zu der Verfilmung dachte, findet man HIER
  • Der Film „Mut zum Leben“ hat mich sehr berührt, bewegt, zum Nachdenken gebracht. Überlebende des Holocaust kamen zu Wort, Menschen, die in Auschwitz waren und die wohl schlimmsten Gräuel erleben mussten, die man sich vorstellen kann, denen man alles nahm: Familie, Freunde, Hab und Gut. Menschen, denen man die Menschenwürde wegnehmen wollte, die sie aber doch bewahrten, sogar im Kleinsten. Menschen, die überlebten und sich nicht als Opfer der Geschichte sahen (die sie durchaus waren), sondern hin standen und sich nicht kleinkriegen liessen. Die sagten, dass dieses Überleben ein Leben sein soll, das sie in den Händen haben und welche die Chance nutzen wollten. Ich wünsche uns allen ein wenig von diesem Mut. Der Film liess mich mit ganz viel Dankbarkeit für das, was ich habe, zurück.
  • Ich las im Netz von einem eigentlich gebildeten, durchaus intelligenten Menschen den Begriff „Coronanazis“. Ich habe mich in meinem ganzen Studium, sehr intensiv während meiner Dissertation mit der Zeit des Nationalsozialismus, mit dem Holocaust, mit dem Regime der Nazis beschäftigt und damit, was diese Zeit den Opfern antat. Corona mag eine Herausforderung sein, das teilweise hilflose Versuchen, damit umzugehen auf politischer Ebene mag unbefriedigend sein, Verbote und Gebote mögen einschneidend und teilweise zumindest im finanziellen, sicher aber auch im psychischen Bereich mögen ans Lebendige gehen. Und doch würde ich mir wünschen, wenn wir die Relationen bewahren würden, wenn wir den Sprachgebracht prüfen und sehen würden, wo wir wirklich stehen mit all dem. Ich schaue im Moment gerade den Vierteiler „Holocaust“. Die fiktive (aber durchaus realistische) Geschichte der Familie Weiss. Ich würde jedem, der die heutige Politik mit damals vergleichen will, diese ans Herz legen. Wer es noch realistischer mag, soll Claude Lanzmanns Dokumentation „Shoah“ empfohlen… Es gibt zudem sehr viele Bücher von Zeugnissen Überlebenden. Bei Interesse gebe ich gerne Tipps.
  • Friedrich Hölderlin schrieb einst:
    „Glaube und Liebe und Hoffnung sollen nie aus meinem Herzen weichen. Dann gehe ich, wohin es soll, und werde gewiß am Ende sagen: „Ich habe gelebt.“ Und wenn es kein Stolz und keine Täuschung ist, so darf ich wohl sagen, daß ich in jenen Stunden nach und nach, durch die Prüfungen meines Lebens, fester und sicherer geworden bin.“
    Das wünsche ich uns allen. Hölderlin würde übrigens am 20. März 2021 251 Jahre alt. Vielleicht ein schöner Anlass, ein wenig in seinen Gedichten zu stöbern. Sein Porträt erscheint dann auf meinem Blog,

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

5 Inspirationen – Woche 10

Wieder ist eine Woche förmlich vorbeigeflogen, Zeit, Rückschau zu halten. Es war für mich eine nachdenkliche Woche, eine Woche, die viel Innensicht und Selbsthinterfragung beinhaltete. Die heutigen fünf Punkte spiegeln das wohl ein wenig wieder. Als Motto könnte man vielleicht ein Zitat aus den Yoga Sutras voranstellen:

„Selbsterforschung führt zum inneren Licht.“ (Patanjalis Yoga Sutras, 2.44)

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Diese Woche stiess ich auf einen Artikel, der mich sehr berührte: Was würde ich meinem zukünftigen Ich sagen? Wo stehe ich im Leben, worauf kann ich bauen? Es werden fünf Fragen empfohlen, die man sich stellen soll:
    • was habe ich bis heute gelernt?
    • Welche Menschen möchte ich in meinem Leben nicht missen?
    • Was bringt mein Herz zum Lächeln?
    • Kümmere ich mich gut um mich selber?
    • Wofür bin ich dankbar?
  • Am Montag war Weltfrauentag, auf Instagram sah ich lauter Bücher, die von Frauen geschrieben wurden. Es liegt in der Natur der Sache bei mir, dass ich früher hauptsächlich Männer las, da es bei den Klassikern gab und diese im Studium den grossen Schwerpunkt hatten. Ich habe bislang selten bewusst darauf geachtet, ob ein Buch von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde, ich schaute mehr auf Themen und wählte danach, was mich da anspricht. Als ich mir so Gedanken machte, dachte ich plötzlich, dass mir aber doch in letzter Zeit mehrheitlich Bücher von Frauen gut gefallen. Ob das Zufall ist oder nicht? Ich werde das mal bewusst im Auge behalten, einfach, weil es mich interessiert.
  • Diese Woche hörte ich den Podcast Unlocking us von Brené Brown mit Dr. Yaba Blay und der Buch One Drop: Shifting the Lens on Race. Yaba Blay sprach über eine Zeit, in welcher sie versuchte, es allen recht zu machen, zu beweisen, was sie alles schafft, was andere ihr nicht zutrauen, und wie ihre Seele darunter gelitten hat. Brené Brown hatte dazu eine Geschichte aus ihrer Therapie, als die Therapeutin sie fragte: „Was bräuchten Sie, dass es für sie endlich genug wäre, dass Sie sich als gut genug fühlen.“ Ich fragte mich, wie oft wir unseren Selbstwert aus den Erwartungen anderer ableiten, wie oft wir leiden, weil wir nicht selber unser Massstab sind, sondern dem Lob und der Anerkennung anderer nachrennen. Und ich fragte mich weiter, was wir uns selber damit antun.

„Wenn der Blick auf die Aussenwelt nötig ist, um zu erkennen und zu verstehen, wer wir sind, dann sind wir für uns selbst nur in begrenztem Umfang eine Autorität.“

Dabei geht es nicht darum, die eigene Meinung über die anderer zu stellen, aber wer sollte uns selber, unsere Wünsche und Träume besser kennen als wir selber? Wieso also beschäftigen wir uns nicht mit denen, sondern versuchen, die anderer zu erfüllen, indem wir sind, wie sie uns haben wollen?

  • Ich lese gerade das Buch von Ferdinand von Schirach, Kaffee und Zigaretten. Ich kann es nur empfehlen, es ist ein wunderbares Buch mit kleinen Kapiteln voller Lebensgeschichten, Nachdenklichkeiten, Weltbeobachtungen.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Emanzipation? Es ist noch ein weiter Weg!

Diese Woche schaute ich eine Sendung im Fernsehen, in welcher es um Schönheitsoperationen im Intimbereich von Frauen ging. Ich sah mich mit Gedanken konfrontiert, die ich selber noch nie gehabt hatte. Und ich fragte mich:

Wieso stellt man sich hin, verbiegt sich mit Spiegel, um dann etwas an sich zu finden, das zu optimieren wäre.

Die Aussage, man täte das für sich selber, konnte ich irgendwie nicht gelten lassen, denn: So ich für mich (und ich bin ja nicht ganz unbeweglich) seh das selten und denke: Nein, das geht gar nicht, da muss ich was tun. Das denke ich nicht mal bei meinem Gesicht und das sehe ich täglich… es entspricht nun nicht den gängigen Modelidealen von landläufigen Sendungen, dazu hat es schon zu viel gesehen und durchstanden – sei es nur an Jahren.

Und dann fielen mir in den Sozialen Medien immer wieder Fotos von – in meinen Augen – wirklich schönen Frauen auf, welche so weichgezeichnet waren, dass alles leicht verschwommen, aber sicher kein Fältchen mehr zu sehen war. Das war wohl der Anspruch. Und ich ertappte mich dabei zu denken:

Wie schade. Das ganze Leben aus dem Gesicht gewischt.

Wieso? Und ja, ich kenne mich zu gut aus bei Fotoprogrammen, um es nicht zu sehen

Wir stehen hin und wollen für die Emanzipation kämpfen, schaffen es aber nicht mal selber, zu uns zu stehen und uns so, wie wir sind, als schön und wertvoll zu erachten. Wir müssen uns selber zuerst optimieren, dass es passt.
Wir haben einen weiten Weg vor uns. Und er wird bei uns selber anfangen müssen. Jetzt. Denn:

Wenn nicht jetzt, wann dann??

5 Inspirationen – Woche 5

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert? Fast hätte ich es verpasst, ich wusste zwar irgendwie immer mal wieder, dass Freitag ist, aber ich war in diversen Gedanken und Aufgaben gefangen… bis es gerade eben ausploppte… die Inspirationen. Ich sammle sie zum Glück durch die Woche, hier sind sie:

  • Der Artikel „Wieso du darüber schreiben solltest, was du liest“ hat mich diese Woche dazu angeregt, selber eine Liste meiner Bücher, die ich 2021 lese, zu machen. Ich schreibe zwar schon über die einzelnen Bücher und mache das auch gerne, da es mich dazu anregt, das Buch nochmals für mich vor Augen zu führen, aber ich finde die Idee, alle Bücher mal aufgelistet zu sehen, um meine Lesereise zu sehen, schön. Hier findet ihr die Seite, wo ich das fortan tun werde: Bücher 2021
  • Der Podcast „Gin and Talk“ mit Doris Dörrie hat mich diese Woche inspiriert. Wer mich ein wenig kennt, weiss wohl mittlerweile, dass ich diese Frau generell sehr spannend, inspirierend und toll finde in ihrer frischen, humorvollen, mitreissenden Art. Ein Stelle aus dem Podcast hat mich speziell angesprochen: Doris Dörrie braucht immer wieder Momente, in denen sie einfach da liegt und nichts tut. Ohne diese gehe es auch nicht mit dem Schreiben, mit der Inspiration. Und oft denke sie dann, sie sei faul. Dass sie das nicht ist, darauf deuten doch 26 Bücher und 33 Filme, die sie bis heute auf die Beine gestellt hat. Mir zeigt das, dass ich mir durchaus auch mal ruhige Momente gönnen darf. ich fühle mich oft wie unter Strom, denke immer noch zu wenig gemacht zu haben. Nicht umsonst heisst es wohl „In der Ruhe liegt die Kraft“.
  • Noch ein weiterer Podcast hat mich diese Woche inspiriert: Ildiko von Kürthis „Frauenstimmen“ mit Maria Furtwängler. Es ging um Themen wie den eigenen Umgang mit Erwartungen anderer, um die Tendenz, den Schwerpunkt auf Schwächen zu legen, die man ausmerzen will, statt die eigenen (und die anderer Menschen) Stärken zu fördern sowie auch um Maria Furtwänglers Engagement für den Feminismus, für eine Welt, in der Menschen gleichberechtigt miteinander leben können. Für diese Belange setzt sich ihre Malisa Stiftung ein https://malisastiftung.org/Für mich nahm ich zwei Dinge mit: Dass gerade wir Frauen, die ian vielen Belangen das Privileg haben, uns für eine gleichberechtigtes Leben für uns selber einzusetzen, in der Pflicht sind, solidarisch zu sein und denen eine Stimme zu geben, die das nicht können. Das zweite war Maria Furtwänglers Erzählung, wie sie früher immer als kühle Blonde betitelt wurde, was sie immer bestreiten wollte, bis sie merkte, dass sie anderen nicht die Sicht nehmen kann, die sie von einem haben wollen. Jeder Versuch dazu ist verlorene Energie.
  • Das Buch von Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben
    Eigentlich hängt ganz viel von uns selber ab: Worauf richten wir unser Augenmerk? Wie verhalten wir uns zu dem, was passiert? Wir können nicht alles ändern, aber wir können entscheiden, wie wir dazu stehen. Das fällt nicht immer leicht, oft sind wir zu geprägt, sitzen unbewussten Mustern auf. Aber es gibt kleine Mittel, es gibt Werte, die wir uns auf die Fahne schreiben können. Und vielleicht wird das Leben etwas bunter: Was ist gut aktuell? Gibt es etwas, wofür ich dankbar sein kann? Was macht mir Freude? Kann ich mehr davon in mein Leben bringen? Bin ich grosszügig? Liebe ich? Das Buch ist ein Kleinod – ich kann es nur empfehlen.
  • Eine Dokumentation im Schweizer Fernsehen. Die gesellschaftliche Schere zwischen arm und reich. Und ja, sie stimmte nachdenklich. Die Schweiz ist ein reiches Land im internationalen Vergleich. Und doch gibt es Familien, die am Ende des Monats für Tage kein Geld mehr haben. Trotz drei Jobs. Ich habe vor einiger Zeit das „Handbuch Armut Schweiz“ der Caritas lektoriert und kannte viele Studien und Zahlen. Auch die gefährdeten Gruppen, zu der ich durchaus gehöre. Ich hörte heute einen Podcast mit Ferdinand Schirach, der sich um Recht und Gerechtigkeit drehte. Und – es ist nicht neu – das ist nicht dasselbe. Nach unserem Recht sollte für alle gesorgt sein. In Tat und Wahrheit fallen Menschen durch die Maschen – aus verschiedenen Gründen. Was wäre gerecht? Mir kam ein privates Netz in den Sinn. Aus Dankbarkeit etwas zurückgeben. Im Wissen, es verdient zu haben als Mensch, etwas annehmen dürfen.
    Ich möchte den Staat nicht abschaffen, er ist gut und wichtig und er muss das Allgemeine regeln, alles andere wäre nicht machbar. Er differenziert schon so gut es geht. Bietet ein mögliches Höchstmass an Sicherheit. Den Rest müssten wohl Menschen machen. Eine Utopie? Vielleicht.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben


„Gut ist, was mir gut tut. Aber was tut mir wirklich gut? Und was ist gut – für mich und für andere? Was ist es wert, dass ich mein Leben danach ausrichte? Welche Haltungen braucht es dazu?

Anselm Grün geht in diesem kleinen Buch der Frage nach, was ein gutes Leben ist und wie wir dieses leben können. Er beruft sich dabei auf die Religionen und Philosophien aus aller Welt, zitiert literarische Werke und alte Weisheiten. Für ein gutes Leben, so Anselm Grün, braucht es nicht viel, ausschlaggebend ist die innere Haltung, das, wonach wir unser Leben ausrichten.

„Ob unser Leben gelingt, hängt davon ab, dass wir den richtigen Werten folgen. […] Werte sind Quellen, aus denen wir schöpfen können, damit unser Leben erblüht und gelingt.“

Am Anfang von allem steht die Achtsamkeit. Wenn wir nicht achtsam mit uns und dem Leben umgehen, wird es an uns vorbeiziehen, wir verlieren uns selber. Achtsamkeit bedingt den klaren Blick auf das, was ist. Wo stecke ich fest, in welchen Abhängigkeiten bin ich gefangen? Was tue ich täglich und wie tue ich es? Wonach richte ich mich aus und tut mir das gut? Danach geht die Reise durch die verschiedenen wichtigen Werte weiter, Themen wie Alter, Alleinsein, Dankbarkeit, Freundschaft, Genuss, Loslassen und Gesundheit werden auf eine kurze und doch eindrückliche Weise behandelt.

Als Leser wird man immer wieder dazu angeregt, nachzudenken, das eigene Leben zu hinterfragen. Wo halte ich mich krankhaft fest? Womit stehe ich mir und meinem Glück im Weg? Was könnte ich ändern? Wo bräuchte ich mehr Mut und wo mehr Nachsicht?

Anselm Grün überzeugt durch eine tiefe Weisheit, durch eine Belesenheit und einen offenen Blick ohne religiöse, philosophische oder lokale Grenzen. Das gute Leben wohnt dem Menschen inne, unabhängig von seiner Zugehörigkeit zu einer wie auch immer gearteten Gruppierung. Und jeder hat es selber in der Hand, sein Leben in bestmöglicher Weise zu einem guten Leben zu machen.

Fazit:
„Das kleine Buch vom guten Leben“ ist ein Kleinod an kurzen Texten, die zur Selbsthinterfragung anregen und so dabei helfen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Klug, weise und sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Anselm Grün studierte zunächst Philosophie und Theologie und danach BWL. Er ist Mönch der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, geistlicher Begleiter und Kursleiter in Meditation, Fasten, Kontemplation und tiefenpsychologischer Auslegung von Träumen.
Seine erfolgreichen Bücher zu Spiritualität und Lebenskunst sind weltweit in über 30 Sprachen übersetzt. In ihnen vereint sich die tiefe Religiosität des Benediktinerpaters mit der reichen Lebenserfahrung eines besonderen Menschen.
Sein einfach-leben-Brief begeistert monatlich zahlreiche Leser (www.einfachlebenbrief.de)

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Verlag Herder (11. Mai 2005)
ISBN-Nr.: 978-3451070440
Preis: EUR 8 / CHF 12.90

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Lebensseiten

Ich bin nicht immer glücklich,
ich bin nicht immer froh,
man sagt ja auch landläufig,
das sei halt eben so.

Doch find ich dies auch wichtig,
und finde, es tut Not,
als Salz in meiner Suppe,
und Butter auf dem Brot.

Wär’n Menschen immer glücklich
und alles wunderbar,
blieb alles stets beim Alten,
blieb alles, wie es war.

Wir sässen noch wie Affen,
auf Bäumen dumm und satt,
wir lausten uns am Nacken,
und mümmelten ein Blatt.

Nie wären wir entstiegen,
den alten Kinderschuh’n,
wir sähen schlicht den Grund nie,
noch irgendwas zu tun.

Oft brauchen wir das Leiden,
sind wir mal aus dem Lot,
so wachsen und gedeihen
wir aus unsrer Not.

Das Leben hat zwei Seiten,
sonst wären wir nicht hier,
und diese beiden Seiten,
gehören auch zu mir.

©Sandra von Siebenthal

5 Inspirationen – Woche 3

Es ist ein neues Jahr, doch irgendwie hat sich gar nicht viel verändert. Das ist ja meistens so. Wir setzen uns zeitlich Termine wie Geburtstage, Jahresenden und -anfänge und dann soll alles anders sein. Dabei war nur eine normale Nacht dazwischen. Noch immer ist Corona in aller Munde, die Möglichkeiten sind beschränkt, die Aussichten ungewiss. Ich versuche weiter, das zu sehen, was geht, das bewusst wahrzunehmen, was gut ist – so auch heute wieder die fünf Inspirationen der letzten Woche.

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Ich stiess im Netz auf einen Artikel über die täglichen Routinen von Schriftstellern, ein Thema, das mich schon lange interessiert: Wie tut ein Schriftsteller das, was er tut? Ich schrieb auch meine Masterarbeit zu diesem Thema am Beispiel von Thomas Mann. Die Herangehensweisen an das Schreiben sind oft unterschiedlich, und doch finden sich auch Parallelen. Etwas, das ich oft las, dass viele Schriftsteller eine tägliche Routine haben, dass sich die Tage und das Schreiben in immer gleichem Rhythmus abspielt. Diese Verpflichtung dem eigenen Schreiben gegenüber scheint, so interpretiere ich das, eine grundlegende Voraussetzung zu sein für das erfolgreiche Schreiben (im Sinne eines wirklich stattfindenden und zu einem Ergebnis führenden). In dem Zusammenhang finde ich es auch spannend, die Schreibplätze von Schriftstellern zu sehen – dazu gab es in der NY Times mal einen Artikel: Hier
  • Gerald Hüthers Buch „Würde“ hat mich zum Nachdenken angeregt – nicht zum ersten Mal: Hier die Rezension. Was bedeutet Würde eigentlich? Ist sie eine absolute Grösse oder aber eine individuelle Bestimmung? Können wir als Einzelne würdevoll leben oder bedürfen wir der Gesellschaft dazu? Ist ein Leben im Alleingang würdevoll oder zeigt sich Würde gerade auch im Miteinander?
  • Freundschaft – diese Woche wurde mir einmal mehr bewusst, wie wichtig Freunde sind, wie wichtig, irgendwie lebensnotwendig es ist (in meinem Leben teilweise wirklich wortwörtlich), welche zu haben. Menschen, die da sind Die auch ehrlich sind. Die dir deine Schwächen durchaus zeigen, aber dich trotzdem lieben und dich damit begleiten. Bei denen du weisst: Ich muss mich nur melden, da kommt was zurück. Ich kann drauf zählen. Ich bin sehr dankbar, in meinem Leben Menschen kennengelernt zu haben, die ich wirklich Freunde nennen darf. An einem Tag, an dem ich Freunde brauchte waren welche da. Und ich las zufällig (?) dieses Gedicht:

Der Freundschaft Immergrün
Glücklich, was in Lieb und Treue
sich hienieden einst verband
und sich immerfort aufs Neue
noch wie weiland wiederfand!
 
Schön wie eine liebe Sage
klinget die Erinnerung
und im Zauber schöner Tage
fühlt das Herz sich wieder jung.
 
So nur gibt′s für uns kein Altern,
kein Verwelken, kein Verblühn,
wenn wir treu verbunden halten
fest der Freundschaft Immergrün.
(Hoffmann von Fallersleben, * 02.04.1798, † 19.01.1874)

  • Dankbarkeit – die Freundschaft führt mich gleich zum nächsten. Aristoteles nannte das grösste Gut des Menschen die Glückseligkeit. Damit war durchaus etwas anderes gemeint das das heute alltägliche Glück – und doch… ich würde die Dankbarkeit höher einstufen. Jeden Tag zu sehen, wofür wir dankbar sein können, ist eine Gabe und eine Wohltat. Ich sage nicht, dass damit jeder Schmerz und jedes Leid aus dem Leben weggewischt ist, aber: Selbst wenn wir leiden, selbst wenn Dinge weh tun: Wir haben immer auch gute Dinge im Leben. Es hilft oft schon viel, sich diese wieder ganz bewusst vor Augen zu führen. In ganz dunkeln Stunden im Leben habe ich immer wieder damit begonnen, mich abends hinzusetzen und fünf Dinge aufzuschreiben, wofür ich an dem Tag dankbar war. Ich habe immer fünf Dinge gefunden. Die mussten nicht gross sein. Ein schönes Gespräch beim Einkaufen, eine Blume am Wegesrand, ein Hundespaziergang bei Sonnenschein, ein Lächeln, ein schönes Lied, das Erinnerungen weckte… ich hätte sie übersehen in all dem Tagesgeschehen und dem drückenden Leid. So aber brachten sie ein Gegengewicht – ein Wohlgefühl sogar. Und das tat gut. Und genau das hatte ich so dringend nötig. Und ja, vielleicht ist auch das schon ein kleines Quäntchen Glück.
  • #the100dayproject – Es ist nicht neu, es findet glaube ich schon viele Jahre statt. Es geht dabei darum, 100 Tage einem Projekt zu widmen und dies dann in den sozialen Medien zu zeigen. Die Idee dahinter ist nicht neu: Wenn man etwas lang genug macht, entwickelt sich eine Routine, man wird besser. Da man aber mit solchen Projekten oft alleine ist und bei einem Durchhänger alles schwer wird, soll die Gemeinschaft der Mitstreiter helfen, die Motivation zu behalten. Es gibt dafür ein bezahltes Programm, aber das ist für mich gar nicht nötig. Das offizielle Projekt startet am 31. Januar, aber eigentlich kann man zu jedem Zeitpunkt anfangen. Nur schon die eine Frage finde ich wertvoll: Was ist mir so wichtig, was möchte ich so gerne, dass ich mich für 100 Tage verpflichten würde, es zu tun. Um selber zu wachsen. Um selber tiefer zu gehen und zu sehen, ob es wirklich meins ist. Oder auch schlicht: Um Spass zu haben. Ich habe ein paar Ideen für meinen Instagram-Account. Ich kann nicht garantieren, dass ich es jeden Tag machen werde, denn dann und wann werden Aktualitäten dazwischen kommen… aber ich bin gespannt. Und ich lasse mir die Zeit bis zum 31. Januar noch für die definitive Entscheidung.

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Bas Kast: Das Buch eines Sommers

Werde, der du bist

„Was an ihm war es, das mich so faszinierte? War es die schlichte Tatsache, dass er Schriftsteller war und ich das damals selbst auch so gern werden wollte?

In jungen Jahren war es klar: Nicolas wollte Schriftsteller werden wie sein skurriler Onkel, der von seinem Vater belächelt, von ihm verehrt wurde. Als er nach dem Abi quasi die Welt offen hatte, auf Reisen gehen wollte, versank er im Liebeskummer und die Reise führte ihn schliesslich zu seinem Onkel aufs Land, wo er einen Sommer verbrachte. Schriftsteller wird er dann doch nicht, sondern er übernimmt pflichtbewusst das Geschäft seines Vaters, heiratet, wird Vater, wenn auch ein durch die Arbeitslast eher abwesender. Auch die Liebe läuft mehr nebenher, ist Nicolas doch hauptsächlich damit beschäftigt, das Familienunternehmen erfolgreich zu führen.

Plötzlich klingelt das Telefon, seine Frau: Valentin ist gestorben. Die kleine Familie bricht auf, um sich vor Ort um die Beerdigung und andere Formalitäten zu kümmern. Aus dieser Reise wird für Nicolas eine Reise zu sich selber. Ist er wirklich der geworden, der er sein will? Hat er seinen Traum verraten? Ihm fällt auf, dass er in den letzten Jahren nur noch durchs Leben gehetzt ist.

„Wer oder was hetzte mich eigentlich? Woher kam dieser Drang, jeden Moment bloss so schnell wie möglich hinter mich bringen zu müssen, nur, um zum nächsten Moment zu eilen, als würde dieser das grosse Glück für mich bereithalten?“

Doch: Hatte er eine Wahl gehabt? Wirklich? Wie viel an eigenen Idealen und Wünschen steckt in seinem jetzigen Leben? Ist das, was er führt, ein gelungenes Leben?

Nach seinem sehr erfolgreichen Sachbuch „Der Ernährungskompass“ ist „Das Buch eines Sommers“ Bas Kasts erster Roman und: Es ist ihm damit ein grossartiges Buch gelungen. Bas Kast erzählt sehr fein und leise die Geschichte eines Mannes, der sich selber wieder finden muss, weil er sich vor Jahren von sich entfernt hat – ohne dies selber zu merken. Es ist eine Geschichte einer Liebe, die Geschichte vom Erfolg, aber auch eine Geschichte über Verlust und Aufgabe. Nie wird psychologisiert, nie moralisiert, nie über Gebühr philosophiert, es wird erzählt. Und in diesem Erzählen wird der Leser mitgenommen auf eine Reise – im besten Fall auch zu sich selber.

Fazit:
Ein wunderbares Buch, das einen an die Hand nimmt und auf eine Reise mitnimmt, die im besten Fall zu einem selber führt. Sehr empfehlenswert.

Über den Autor
Bas Kast, geboren 1973 in Landau, Pfalz, ging in den Niederlanden, Deutschland und Kalifornien zur Schule, studierte Psychologie und Biologie unter anderem am MIT in Boston. Ursprünglich wollte er Hirnforscher werden oder zumindest etwas Vernünftiges tun, wandte sich dann aber dem Schreiben zu. ›Der Ernährungskompass‹ wurde ein Weltbestseller, den allein in Deutschland über eine Million Menschen gelesen haben. ›Das Buch eines Sommers‹ ist sein erster Roman und erschien 2020 im Diogenes Verlag. Kast schreibt herzzerreißend schön und mit großer Sachkenntnis.

Mehr Infos unter: baskast.de

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (23. September 2020)
ISBN-Nr.: 978-3257071504
Preis: EUR 22 / CHF 33.90

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5 Inspirationen – Woche 1

Nun geht auch schon die erste Woche des neuen Jahres zu Ende. Die Woche war bei mir sehr intensiv, sie war geprägt von Einkehr, von Fragen an mich und mein Tun. Erstens habe ich mir vorgenommen, bewusster durchs Leben zu gehen, mir bewusster, zweitens ist ein Geburtstag ja immer auch die Gelegenheit zu fragen: Bin ich die, welche ich sein will, mache ich, was mir entspricht?

Was ist mir diese Woche begegnet, hat mich diese Woche inspiriert?

  • Morgenseiten: Ich habe wieder begonnen, jeden Morgen gleich nach meiner Yogapraxis zu schreiben. Bei diesem Schreiben geht es darum, zehn Minuten ohne Unterbruch zu schreiben, was einem ohne Nachdenken einfach in den Sinn kommt – ohne Korrektur und Bewertung.
  • Die Morgenseiten werden schön beschrieben in Doris Dörries Buch „Leben Schreiben Atmen – eine Einladung zum Schreiben“. Dieses Zusammentreffen ist eher zufällig, ich hatte damit nicht gerechnet, als ich begann, dieses Buch als Hörbuch zu hören. Mir gefällt der autobiographische Ansatz des sich Erinnerns, die kleinen Anekdoten aus dem Leben, anhand derer Doris Dörrie aufzeigt, wie Schreiben zu einem bewussteren Wahrnehmen des eigenen Lebens führen kann.
  • Ein Gedicht von Joseph von Eichendorff fand ich auch sehr inspirierend:
    Wünschelrute
    Schläft ein Lied in allen Dingen,
    die da träumen fort und fort,
    und die Welt hebt an zu singen,
    triffst du nur das Zauberwort.

    Mögen wir die Lieder in den Dingen hören und uns dran erfreuen.
  • Persönliche Herausforderungen – Ich habe mir auf Instagram selber eine „Challenge“ (es gibt auf Instagram auch ganz viele organisierte Challenges, bei denen man mitmachen kann) auferlegt: 100 Tage zeichne ich einen Vogel. Egal in welchem Stil, einfach ein Vogel muss es sein. Was ich nach nun 35 Tagen gemerkt habe:
    • Reduktion entfaltet Kreativität.
    • Wiederholung tut dasselbe
    • Neugier entwickelt sich aus dem Wunsch, neue Wege zu begehen
    • An etwas dran zu bleiben bringt eine neue Art Ernsthaftigkeit ins Tun
    • Ich liebe Vögel (gut, das war nicht neu)

      Eine solche persönliche Herausforderung kann ich wirklich empfehlen. Das kann auch unabhängig von sozialen Medien passieren, muss rein gar nichts mit Kunst oder Kreativem zu tun haben.
      Mögliche Projekte, die mir spontan in den Sinn kommen: 100 Tage jeden Tag
    • ein Gedicht lesen
    • etwas aus dem Haushalt werfen, um zu reduzieren
    • sich etwas sagen, das man an dem Tag gut gemacht hat
    • für etwas dankbar zu sein
    • Morgenseiten zu schreiben, um zu sehen, ob das etwas wäre
    • die eigene Kaffeetasse zeichnen
  • Der Podcast „Inside the Edge“ mit Tami Simon. Ich hörte die Folge mit Rebecca Walker und Lily Diamond, in dem es darum ging, wie man dem eigenen Leben eine neue Geschichte zugrunde legen kann. Das Prinzip ist nicht neu, schon Paul Ricoeur nannte die Identität eine narrative, weil sie sich aus den Geschichten zusammen setzt, die wir uns selber erzählen. Und wenn man mal hinschaut, was man sich so alles erzählt und unzufrieden damit ist, dann könnte man sich doch fragen, ob das wirklich alles war – oder ob die eigene Lebensgeschichte nicht ganz viel beinhaltet, das im Alltag einfach ausgeblendet ist, wenn wir unsere Geschichten erzählen. Und wer weiss: Vielleicht ergäbe eine neu erzählte Geschichte ein ganz neues Leben. Die Gedanken sind nicht aus dem Podcast, sondern die meinen basierend auf meinen Studien zur narrativen Identität, was aber bei der Suche nach einer eigenen Geschichte helfen könnte, ist das Buch, das Rebecca Walker und Lily Diamond herausgegeben haben: What’s your Story?

Ich hoffe, es war was für euch dabei, das euch angesprochen hat. Wenn ihr etwas habt, das euch diese Woche angesprochen, bewegt, inspiriert hat – ich würde mich freuen, wenn ihr davon berichten würdet. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Schweigemauern

Ein liebes Wort,
Gefühl gezeigt,
fällt häufig schwer –
wie oft man schweigt.

Viel leichter gehen
Tadelworte,
Unmutsgesten,
Wutgeschrei.

Da ist man stark,
da ist man gross,
da zeigt man drauf,
und nicht sich auch.

Dort steckt die Angst,
da zögert man,
was mal gezeigt,
das sieht man dann.

Drum mauern wir
mit Stein und Sand,
und bauen höher
jede Wand.

Auf dass sie schütze,
was uns eigen,
doch der Preis
ist häufig Schweigen,

das verdammt
in Einsamkeit,
das damit nimmt
Gemeinsamkeit.

©Sandra von Siebenthal

Streit – wie weiter?

„Ich mache sicher nicht den ersten Schritt – sonst bin ich unterlegen!“

Wer ist nicht schon mit anderen Menschen aneinander gerasselt. So unschön wie es ist, am schlimmsten ist es wohl, wenn das mit dem Menschen passiert, der einem der wichtigste im Leben ist, weil: Der liebste.

So viele positive Eigenschaften man ihm normalerweise zugesteht, im Streitfall treten sie zurück. Im besten Fall weiss man noch, dass sie da sind, im schlimmsten Fall sieht man all das, was grad bedrohlich vor einem ist: Einen bösen Blick, harsche Worte, eine versteinerte Haltung, eine drohende Stimme… und das macht etwas mit einem. Nicht nur sind die liebevoll schauenden Augen, die vielen lieben Worte und Blicke und Zuwendungen verdrängt, Ängste kommen hoch. Einerseits die Verlustangst, andererseits die Angst, manipuliert und degradiert zu werden.

Wie oft denken wir: Wenn ich nachgebe, gebe ich ihm recht. Oder aber ich bin schwächer. Wenn ich die Erste bin, die ihn umarmt aus einem Streit heraus, zeige ich meine Schwäche und mein Liebesbedürfnis. Damit wird er immer über mir stehen. Er wird jede Meinung durchbringen, da er weiss: Irgendwann kommt sie (angekrochen?) und sucht die Nähe. Und dann läuft es so, wie ich es will.

Ich würde nicht mal behaupten, dass diese Haltung(en) bewusst ablaufen. Auf beiden Seiten. Meinungen, die einfach mal geäussert werden, auch im Hinblick auf Streit, scheinen wichtig. Und der, welcher sie verteidigt, ist davon überzeugt. Und es ist ihm wichtig, das zu sagen, immerhin riskiert er einen Streit. Das würde er ja wohl kaum für eine Banalität wagen. Es ist durchaus ein Privileg, alles sagen zu dürfen, was man sagen will, die Frage, die sich stellt, ist nur: MUSS man es tun? Was bringt es wirklich? Mir, den andern, dem Gemeinsamen? Ich mag in dem Fall die drei Siebe des Sokrates sehr:

Ist es wahr?
Ist es gut?
Ist es nötig?

Was ich nur vom Hören-Sagen her kenne, lasse ich vielleicht besser liegen. Wenn ich weiss, dass das, was ich sage, verletzend ist, böse ist, lasse ich es vielleicht auch besser liegen, AUSSER: Es ist nötig. Wenn ich mit der Wahrheit, die zwar schmerzhaft ist, aber mit guten Absichten geäussert, weil sie jemanden vor wirklichem Schaden bewahren kann (und ich weiss, er wird es annehmen, ansonsten ist es eh obsolet), dann ist es durchaus angebracht. Was aber bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass er nachts immer furzt, dass er schielt wie der Löwe aus Daktari? Was bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass sein Hinterteil schlicht so breit wie der Äquator und die Oberweite einem Brotbrett vergleichbar sei? Alles mag stimmen. Aber: Es ist weder gut noch nötig. Würde man gefragt, ob der eng anliegende Rock über dem Hintern für ein erstes Date die beste Wahl ist, sähe das anders aus. Ebenso bei der weit ausgeschnittenen Bluse, welche mangels Füllmaterial bis zum Bachnabel blicken lässt.

Und so sehr wir solche Dinge ja eigentlich kennen und wissen, so oft kommen wir an Punkte, wo es Streit gibt. Ein Wort gibt das andere, tiefgelegte Gefühle brechen auf und bringen Reaktionen, welche kaum durchdacht, sondern instinktiv verheerend sind. Weil sie einen Prozess in Gang bringen. Und den gilt es zu stoppen. Nur: Wie? Klein beigeben? Dann hat man ja gleich verloren. Denkt man so. Und nein, die eigene Meinung war ja durchaus auch was wert. Und nicht einfach so dahin gesagt.

Nur: Dabei gewinnt keiner. Und ja, ab und an ist das Nachgeben eigentlich wirklich keine Schwäche, sondern Stärke, hinzustehen, loszulassen, Nachsicht walten zu lassen. Nicht überheblich. Mit Blick auf die eigenen Anteile und Fehler, die man selber gemacht hat. Aber auch im Wissen, dass einer den Schritt gehen muss. Wieso nicht man selber? Und ja: Sollte das immer so sein, der andere sich damit als Sieger fühlen, dann ist wohl demselben und der Beziehung nicht mehr zu helfen. Die hätte man aber sicher nie gerettet, hätte man ehern auf seinem Platz beharrt. Und vor allem: Man macht sich selber das Leben immer mit schwer. Und leidet. Unter dem Streit. Unter der Distanz dadurch. Unter der Trauer, dass es so ist. Unter der Angst, was draus wird. Und man hat es in der Hand. Man kann es beenden. Und wenn man das selber hinkriegt, dann ist das Stärke, keine Schwäche. Es gibt keinen Sieger oder Verlierer, es gibt nur zwei Menschen, die wieder mit besseren Gefühlen weiter gehen können.