In den Ferien fliegen wir nach New York. Das Angebot ist günstig (unschlagbar günstig, da quasi geschenkt). Fast eine ganze Woche. Das Hotel ist gebucht, ein richtiges Traumhotel, Hundesitter und Katzenhütedienst gefunden, nun fehlen nur noch die Flüge. Aber das hat ja noch Zeit.

Die Ferien kommen näher, so langsam sollte man sich wohl doch um die Flüge kümmern. Aber: Eine Woche ist schon gar lang. Und der Flug furchtbar weit. Und New York so gross. Zwar auch toll, aber doch gross. Dass sich die Flugbuchung als etwas kompliziert herausstellt, werte ich als Omen. Vielleicht gäbe es eine Alternative, etwas Näheres und damit für mich Besseres?

Wir beraten. Namen wie Rom, Mailand, London, Paris fallen. Ich wäre gerne nach München gefahren, absolute Lieblingsstadt und schon viel zu lange nicht mehr gesehen (sicher 5 Monate), aber München lehnt das Kind ab, das kenne es, da wolle es nicht hin. Schlussendlich fällt die Wahl auf London. Toll. Ich freue mich. Da war ich vor 14 Jahren mal und es hat mir gut gefallen. Schnell ist das Hotel gebucht. Die Flüge haben noch Zeit. Ich schaue derweil, wie man vom Flughafen zum Hotel kommt. Das sieht alles sehr kompliziert aus. Ich bin nicht wirklich reisefreudig, reise eigentlich höchst ungern, solche Kompliziertheiten (die vor allem darum kompliziert sind, weil ich sie nicht kenne) wie nun die Reise zum Hotel machen das nicht besser. Nun gut. Wir buchen auch die Flüge, was dieses Mal ganz einfach geht. Kind freut sich, Mutter hadert noch immer mit dem Weg zum Hotel, findet Fliegen generell zu mühsam und auch London gar weit weg. Trotzdem freut sie sich, dass das Kind sich freut. Immerhin ist es nun keine ganze Woche mehr, nur noch eine halbe.

Die Ferien sind bald da und dann das: Beim Kind lässt die Freude nach. Damit ist sie bei der Mutter auf dem Nullpunkt. Und plötzlich meint das Kind, es wolle nach Deutschland, denn da spreche man Deutsch. Zudem möge es Deutschland. Genauer möchte es nach München. Von wem das Kind das wohl hat? Bloss nicht hinterfragen, sich einfach freuen, umbuchen, noch eine Nacht wegnehmen, so dass es nur noch 3 Tage sind. Zug ist sofort auch gebucht, nun ist alles perfekt. Kind und Mutter freuen sich.

 

(Das klingt kompliziert? Nein, das war ganz einfach. Und: München war toll! Wie immer! Drum: Wir kommen wieder. Und immer wieder!)

 

Ich bin ein Alltagsmensch. Drum gehe ich auch nicht gerne in den Urlaub. Urlaub ist für mich nicht Erholung wie für andere Menschen, Urlaub ist für mich Stress. Er reisst mich nicht nur aus meinem Alltag heraus, er reisst mich- wenn ich weggehe – auch aus meiner Umgebung. Ich habe die Dinge, die mein Leben begleiten, nicht mehr um mich und damit geht für mich ein Stück meines Lebens, meiner Sicherheit, verloren. Ich fühle mich haltlos, weil ich nicht mehr einfach auf meine Dinge zurückgreifen kann. Ich fühle mich unsicher, weil ich nicht einfach meine Wege gehen und die Dinge tun kann, die ich tue, wenn ich mich danach fühle, sie zu tun. Dies, weil sie entweder nicht da sind oder aber einfach die Umstände so sind, dass es nicht geht. Ich fühle mich unbeholfen, weil ich nicht mehr weiss, was ich nun wann, wie machen soll und kann und darf. Und selbst wenn es heisst, ich dürfe alles, wie zuhause, ist es nicht so wie zuhause. Mein Zuhause ist meine Burg, mein sicherer Hafen. Und ich brauche ihn.

Das scheint für andere Menschen schwer verständlich zu sein. „Geniesse den Abstand“, „Geniesse, das Nichtstun“, „Geniesse die Ferien“ – alles Tips, die man kriegt. Den ungläubigen Blick und die Verständnislosigkeit in der Stimme gibt es gratis obendrauf. Wie kann man nur nicht gerne im Urlaub und auf Reisen sein? Ich bin gerne auf Reisen, wenn ich ständig irgendwie beschäftigt bin, Neues sehe, Programm habe, das mich möglichst nicht nachdenken lässt. Sobald die Beschäftigung aufhört, kommt die Leere, die ich zu Hause nicht kenne. Dann kommt das Gefühl, irgendwo verloren zu sein. Ich kann das zwar unterdrücken und mich mit Büchern und Computern, notfalls mit dem Fernseher beschäftigen. Das klappt aber nicht ewig und in mir macht sich eine grosse Trauer, Frustration, Hilflosigkeit breit. Und Heimweh.

Bin ich komisch? Mag sein. Bin ich unnormal? Auch das kann durchaus sein. Aber ich bin nun mal, wie ich bin und muss mit diesem Zug zurecht kommen. Ich habe mich immer schlecht gefühlt, weil ich bin, wie ich bin, mich verurteilt dafür, mit mir geschimpft, weil man so ja nicht sein kann. Und ich fühlte mich in dieser Selbstverurteilung im Recht, wurde sie mir doch von aussen als richtig bestätigt, was sich im Unverständnis anderer Menschen deutlich ausdrückte.

Das Problem ist jedoch: Es kann noch so unnormal sein, es ist, wie es ist. Indem ich es unterdrücke, mache ich es nicht besser, ich werde dadurch keine andere, ich leide einfach. Und das Leiden wird grösser. Und es erdrückt. Teilweise körperlich spürbar. Was man unterdrückt ist ja nicht einfach weg, es ist noch immer da und es hat noch immer die Eigenart, die es hat. Das Unterdrücken hält nur den Deckel drauf, kann aber nicht auf Dauer funktionieren. Langsam fängt das Unterdrückte gegen den Deckel zu drücken an, es wird stärker, will raus, versucht, den Deckel zu heben. Der Druck des Zuhaltens fördert den Gegendruck des Ausbrechenwollens. Bis irgendwann der eine nachgibt. Im besten Fall der Deckel, dann kommt es zu einer Explosion. Im schlimmsten Fall die eigene Seele– dann kommt es zu einem zerbrochenen Menschen. Ob das nicht ein zu grosser Preis dafür ist, normal sein zu wollen und von anderen so gesehen zu werden, muss jeder für sich selber entscheiden.

Sommer, Sonne und neue Lebenswege

„Wenn du das Zeitliche segnest, kannst du das ebenso gut unterschreiben“, sagte Frekksen gerade. Er hatte sich den Zigarillo angezündet und blies eine dicke Rauchwolke in Stens Gesicht. „Dann kann dir doch egal sein, was auf der Insel passiert. Hier, unterschreib, du oller Sturkopf.“

Frekksen, schon seit Jahren hinter Stens Grundstück mit dem Strandkorbverleih her, wittert an dessen Sterbebett seine Chance. Allerdings bevorzugt es Sten, zu sterben und seinen besitz seinem Neffen Falk zu vermachen. Dessen Freundin liegt ganz auf Frekksens Linie, auch sie ist für den Verkauf, möchte sich mit dem Geld eine Reise nach Goa leisten. Falk, stur nach Familienart, trennt sich lieber von der Freundin als vom Paradies an der Nordsee, mit dem er Kindheitserinnerungen verbindet. Kurzerhand steigt er ins Auto und freut sich auf seine neue Karriere als Strandkorbverleiher, wenn er auch nicht abschätzen kann, wie sich sein Leben nun entwickeln wird.

Bald schon sieht er sich ungeahnten Schwierigkeiten gegenüber und zwischen den Fronten sich streitender Inselbewohner. Dank der Hilfe von neu gewonnenen Freunden und einer neuen Liebe am Horizont fällt er nicht auf die Nase, sondern stellt sich der Herausforderung.

„Ich bin sicher, du machst das Richtige“, sagte Grit. „Und du wirst wissen, was das ist, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Überstürze nichts. Okay?“

Marie Matisek gelingt mit Nackt unter Krabben ein unterhaltsamer Roman, der den Leser an die Nordsee entführt und das ganz normale Leben in einer Kleinstadt erleben lässt. Liebenswürdig beschriebene Figuren, Lokalkolorit und eine witzig-leichte Erzählweise vereinen sich zu einem unterhaltsamen Lesegenuss.

Fazit
Locker flockige Geschichte für die leichte Lektüre zwischendurch. Flüssig geschrieben, mit einer Prise Humor, holt das Buch Ferienfeeling in die Lesestube.

Zum Autor
Marie Matisek
Marie Matisek führt einen chaotischen Haushalt mit Mann, Kindern und Tieren im idyllischen Umland von  München. Neben dem Muttersein und dem Schreiben pflegt sie ihre Hobbys: kochen, ihren Acker umgraben und Kröten über die Straße helfen. Ihre große Leidenschaft allerdings gehört der schönsten aller Inseln: Heisterhoog (die in Wirklichkeit ganz anders heißt, aber das ist geheim). Von ihr erschienen sind Mutter bei die Fische (2013) und Nackt unter Krabben (2013).

 

MatisekKrabbenAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: List, Verlag der Ullstein Buchverlag GmbH (12. April 2013)
ISBN-Nr.: 978-354828547
Preis: EUR  8.99 / CHF 14.90

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Die Ferien sind vorbei. Ich erinnere mich gut, als sie bevor standen. Sie waren so lang, so gross, so erschreckend anders als der Alltag. Ich bin ein Mensch, der seinen gewohnten Ablauf schätzt, die Freiräume, die Engpässe, die geregelten Strukturen. Man weiss, was kommt, man ist es gewohnt, läuft in den vorgespurten Pfaden. Manche mögen das langweilig finden, ich mag es – brauche es ein Stück weit.

Mein Alltag ist eher einsam. Ich wurstel mich so durch den Tag, vermeide es, zu viele Menschen zu sehen, geniesse meine Ruhe. Für diese Ferien hatte ich Programm geplant. Das macht man so. Vor allem an Festtagen. Besuche quer durch die Schweiz, Familie hier, Familie dort. Je näher die Tage kamen, desto grösser wurde der Schrecken des Vorgenommenen. Nicht nur sollten wir ständig unterwegs sein (ich mag keine Reisen), wir würden überall unter Menschen, teilweise vielen Menschen, sein.

Nun gut, es war nicht aufzuhalten, die Zeit nahm ihren Lauf, die Ferien kamen – und alles wurde noch viel schwieriger als geplant. Pläne wurden umgestossen, ganze Gruben taten sich auf. Dass alles noch viel Schlimmer wurde, als je ausgemalt, hatte sehr traurige Gründe. Diese Ferien haben mich aber Vieles gelehrt und in mir eine sehr grosse Dankbarkeit zurück gelassen. 

Ich habe einmal mehr gelernt, was wirklich zählt im Leben. Gemerkt, worauf man bauen kann, was blosse Hülsen sind. Ich habe gesehen, wie viel Wertvolles ich im Leben habe und worauf ich meinen Schwerpunkt setzen sollte, statt meine Zeit mit unnützen Dingen zu vertun. Prioritäten setzen heisst es so schön. Man weiss es und tut es so selten. Wieso nicht? Was bringt einem der ganze Rest? Hofft man auf Anerkennung? Von wem? Sind es die wert, die man so „erobern“ muss? Handelt man aus Pflichtgefühl? Tut man wirklich Gutes, wenn man es nicht aus freiem Herzen, sondern reiner Pflichterfüllung tut? Will man dazu gehören? Wozu eigentlich, wenn es einem gar nicht entspricht? 

Ich bin unendlich dankbar für die Menschen, die da waren in dieser Zeit. Menschen, die Halt gaben, Zuspruch und Liebe. Ich bin dankbar für die Hilfe, das Mitgefühl und die positiven Gedanken und Worte, die ich erfahren durfte. Und ich bin dankbar für das Gefühl, nicht alleine zu sein, auf Menschen bauen zu können. 

Ich habe in diesen Ferien:

– viel erhalten

– etwas geschaffen und mich dabei toll gefühlt

– die ganze Bandbreite an Gefühlen durchlebt

– viel gelernt

– Pläne umgestossen und gemerkt, es geht

Ich denke nicht, dass ich mich grundlegend geändert habe. Der Alltag kommt nun wieder; da der Wechsel von den Ferien hin zum Alltag wieder ein Wechsel ist, liegt er mir auf dem Magen. Aber ich bin guter Dinge, denn ich weiss: ich bin nie allein. Und dafür bin ich sehr sehr dankbar.