Leipziger Buchmesse 2013 – Ein Rückblick

DSC_0013

Die Buchmesse Leipzig verzeichnete auch dieses Jahr wieder einen Besucherrekord. An allen vier Tagen waren die Messehallen prall gefüllt, interessierten sich die Menschen für Verlage, Bücher und die Autoren dahinter. Rund 168’000 Besucher sind gezählt worden, da soll noch wer sagen, das Buch sei ein aussterbendes Medium.

Artikel dazu:

Kultur & Medien, 17.3.13

Berliner Zeitung, 18.3.2013

Leipzig Info, 18.3.13

Eine kritische Stimme zur Buchmesse findet sich in der NZZ:

NZZ, 16. 3. 13

Woran erkennt man eine Buchmesse? Der Literaturkritiker Hubert Winkels, neuer Vorsitzender der Jury des Preises der Leipziger Buchmesse (den wir aus stilistischen Gründen für einmal PLB abkürzen), definiert: Wenn viele begeisterte Leser «einen tumultuösen Haufen bilden, dann ist Messezeit». Was diese Definition auszeichnet, ist der euphorische Ton. Buchmessen verführen alle Beteiligten dazu, sich und ihre Passion herrlich wichtig zu nehmen. Das gilt letztlich wahrscheinlich weniger für die Leser als vielmehr für die Autoren, die Verleger und – die Kritiker.

Sie fährt weiter in einem eher sarkasischen Ton:

Noch keinen ganzen Tag war die Leipziger Buchmesse 2013 alt, da hatte der Literaturbetrieb sich schon dreimal selbst ausgezeichnet

Ebenso kritisch und sehr pointiert meldet sich Silke Buttgereit von die Webagentin zu Wort:

Leipzig war die Messe einer Branche, die sich in den letzten 10 Jahren vom eingebildeten Zentrum des Weltgeschehens zum gefühlten Arsch der Welt bewegt hat – und die sich dieser Erkenntnis nicht mehr verschließt. Leipzig war eben nicht Liebesspiel mit Zuschauern, sondern Komm, wir spielen nochmal Messe! – allein, uns fehlt der Glaube.

Sie bezeichnet die Lobeshymnen der Medien als „müde Metaphern“ und sieht wirkliche Neuerungen nur noch in der elektronischen Welt, nicht mehr im Büchermarkt gegeben.

Die Stimmen, die ich von Besuchern las, waren voller Freude, sie waren voller Begeisterung und sowohl Autoren wie auch Besucher nahmen für sich schöne Momente, gemeinsame Momente mit.

Wo also liegt die Wahrheit? Ist die Büchermesse eine Plattform von gestern, als die sich Produzierenden  Nabel der Welt waren (waren sie das je?), während sie heute nur noch müder Abklatsch dessen sind? Oder ist sie eine Plattform für die, welche gemeinsam ihrer Leidenschaft frönen wollen? Für die, welche ihre Bücher promoten  und die, welche dies live erleben wollen?

Messen sind nicht neu und nicht auf die Welt der Bücher reduziert. Es gibt sie in allen Bereichen und allen Grössenordnungen. Das Rad wird man hier kaum mehr neu erfinden, wirkliche Innovation nicht suchen müssen. So lange aber am Schluss alle Seiten zufrieden auf die Veranstaltung zurück schauen, so lange eine solche Veranstaltung solchen Zulauf verzeichnet und künftige Messen schon freudig erwartet werden, scheint das Format durchaus Daseinsberechtigung und Potential zu haben.

Für Innovation muss man vielleicht auf zu neuen Ufern, das scheint aber nicht der Anspruch solcher Messen zu sein und das ist auch gut so. Gewisse Dinge bewähren sich und dürfen bleiben, wie sie sind. Und: Nach der Messe ist immer vor der Messe. Ich freue mich drauf.

Darum soll zum Abschluss die FAZ zu Wort kommen:

Rekord in Krisenzeiten: Die Leipziger Buchmesse lässt sich weder vom Vormarsch der E-Books noch von Unkenrufen beunruhigen und zelebriert mit Erfolg und Publikumszuspruch die Lust am Buch.

Steglitz stellt Sandra Matteotti mit „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“ vor

Das Netz-Buch-Dickicht etwas lüften will die Reihe „Steglitz stellt bibliophile Blogger vor“. Gedacht ist das so: Buchaffine Blogbetreiber, die sich jeweils in Kurz-Interviews präsentieren, sprechen Blogempfehlungen aus, deren Betreiber ich wiederum einlade, die acht Fragen zu beantworten. –  Langfristig, könnte so ein bibliophiles Blog-Brevier entstehen, das von allgemeinerem Interesse ist. Und darüber hinaus profitieren wir von den Erfahrungen anderer Blogger für unsere eigenen Wege im Netz … (Wer es noch genauer wissen will, was die lose Gesprächsreihe soll, kann das hier nachlesen.)

Den acht Fragen stellt sich heute die Schweizerin Sandra Matteoti, die seit einigen Jahren bloggt. Ihre beiden Hauptblogs sind „Bücherwelten“ und „Denkzeiten“. Als Interviewgäste empfiehlt sie die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“.

Dein Steckbrief in wenigen Stichworten …

Ich habe als Kind die ganze Ortsbibliothek verschlungen und die Liebe zu Büchern, zur Literatur führte mich dann geradewegs ins Studium. Ich habe Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert, mit einer Arbeit über Thomas Mann, der mich als Schriftsteller und Mensch fasziniert, abgeschlossen. Danach promovierte ich in Philosophie, mit literarischem Exkurs. Dabei ging es mir weniger um den Titel als mehr ums Schreiben, die Vertiefung in ein Thema. Danach schrieb ich in den unterschiedlichsten Bereichen und zu unterschiedlichen Themen weiter. Sei es freischaffend als Journalistin, als Texterin im Bereich Kommunikation und PR oder als Autorin in eigenen Projekten. – Schreiben ist mein Leben, bestimmt es maßgeblich.

Seit wann, warum und wo bloggst du?

Ich blogge seit einigen Jahren. Den genauen Anfang weiß ich nicht mal mehr, der erste Blog existiert auch nicht mehr. Früher war es Tagebuch, waren es Texte für die eigenen Notizbücher und die Nachttischschublade, heute geschieht das meiste Schreiben am Computer. Schreiben ist meine Leidenschaft, ich muss schreiben, sonst fehlt mir etwas. Ich drücke mich in Buchstaben und Texten aus, lebe mich aus, finde auch immer wieder ganz neue Dinge über mich heraus, indem ich schreibe, Texte fließen lassen. Oft haben die Texte wie auch die Gedichte eine eigene Dynamik. Ich beginne irgendwo und am Schluss hat mich mein Schreiben geleitet. Das geht natürlich nicht in allen Bereichen. In mir gibt es zwei Seiten, die sehr strukturierte und die kreativ-intuitive. Ich habe gelernt, dass ich beiden ihren Raum geben muss.

Sandra Matteotti © Sandra Matteotti

Ich habe zwei Hauptblogs. Einer enthält meine Gedanken, meine Gedichte. Er befasst sich mit dem Leben, der Welt, mit dem, was mir gerade durch den Kopf geht, mich beschäftigt, mir zufliegt. Er heiß Denkzeiten. Hier lebe ich meine philosophische Ader aus. Der andere heißt Bücherwelten. Hier findet man hauptsächlich Rezensionen, aber auch Artikel und Gedanken zur Literatur. Den zweiten Blog habe ich relativ neu gestartet. Ich habe früher schon Rezensionen verfasst und natürlich rund um die Literatur geschrieben, allerdings in anderen Formaten und zu anderen Zwecken.

Ich bloggte zuerst auf Blogger, wechselte dann zu WordPress. Das hatte nicht einmal wirkliche Gründe. Zuerst hatte ich meine Blogs auf beide Portale verteilt, dann entschloss ich mich, dass es einfacher wäre, nur bei einem zu sein. Bei WordPress habe ich mehr Vernetzung, da die meisten Blogs, die mir gefallen, bei WordPress sind. Dazu kommt, dass mir die Plattform irgendwie sympathisch ist. Bauchgefühl.

Der Austausch ist dir beim Bloggen wichtig …

Ja, ich schätze es, wenn ich Menschen kennen lerne, die mit ähnlichen Interessen und Themen beschäftigt sind, ich finde einen Austausch da schön. Das ist mir insofern auch wichtig, als ich doch meistens alleine zu Hause an meinem Tisch sitze und vor mich hin schreibe. Vom universitären Bereich bin ich jedoch vielleicht ein wenig vorbelastet, als ich da sehr viel Neid und Intrigen kennenlernte. Das hat mich sicher ein Stück weit zurückhaltend und vorsichtig gemacht. Bislang kann ich mich aber nicht beklagen. Alle werden sich nie mögen, in keinem Bereich …

Deine Themenschwerpunkte …

Die Schwerpunkte sind – wie bereits erwähnt – Literatur und Philosophie. Ich bin lange Zeit immer hin und her geschwankt, dachte, mich für das eine oder andere entscheiden zu müssen. Es hat beides Platz, manchmal überwiegt das eine, manchmal das andere …

Was treibt dich in der Literatur-, Kulturszene derzeit besonders um?

Eigentlich nicht viel. Ich befasse mich wenig mit der Szene.

Wie machst du dein Blog und deine Beiträge bekannt?

Ich verbreite sie momentan hauptsächlich über Twitter und Facebook. Die Rezensionen findet man auch auf anderen Bücherseiten wie LovelyBooks und Amazon.

Was sollte ein Blogger besser sein lassen?

Ich denke, das muss jeder für sich selber wissen. Wichtig ist, dass man sich immer bewusst ist, dass das, was man schreibt, danach öffentlich sichtbar ist, wenn man es nicht schützt. Man muss sich also immer überlegen, was man preisgeben will, wie offen man sein will. Es kommen Reaktionen und die Menschen neigen dazu, das, was steht, eins zu eins auf dich anzuwenden.

Welche Hürden muss ein Blogger nehmen?

Ab und an kommt die Sinnfrage auf: Wozu machst du das eigentlich? Das liest doch eh niemand, das braucht die Welt doch nicht, niemand wartet auf deine Texte. Das zweite Problem ist die Isolation teilweise. Kein berufliches Umfeld da ist beim Schreiben, wie ich es tue. Auf der anderen Seite ist es ja genau das Leben, das ich leben will. Die Zweifel gehören wohl einfach zu mir dazu.

Dein schönstes Erlebnis als Blogger …

Schön sind Feedbacks, die mir sagen, sie hätten sich wiedererkannt in meinen Texten, die Texte hätten ihnen etwas gegeben. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. Es ist schön, jemandem etwas mit auf den Weg geben zu können. Und wenn es nur ein Lächeln ist oder eine kleine Hilfe, etwas zu sehen.

Wie gehst du damit um, wenn dir Verlage, Agenturen oder Autoren Rezensionsexemplare anbieten?

Grundsätzlich freue ich mich darüber. Schwierig wird es ab und an, wenn ich das Buch wirklich schlimm finde. Schönreden werde ich nie ein Buch, dann verzichte ich eher auf eine Rezension. Einen Verriss schreiben möchte ich eher nicht, Kritikpunkte anmerken aber immer!

Wie hältst du es mit dem E-Book?

Ich habe ein iPad und sowohl darauf wie auch auf dem Computer die Kindle-App. Ich war schon einmal froh darum, im Store Bücher zu finden, die nicht mehr publiziert werden und vergriffen sind. Sie waren sogar gratis! In schlaflosen Nächten nutzte ich den Kindle auch deshalb, weil man dann kein Licht anmachen muss. Ich mag es allerdings nicht wirklich, so zu lesen. Ich bin sehr technisch interessiert, kenne mich mit Technik auch recht gut aus, aber etwas wird dadurch nie zur Seite geschoben: Papier und vor allem Bücher. Dass ich auch meine Papieragenda liebe, gehört hier wohl nicht her. Ist aber auch so.

Welche anderen Blogs empfiehlst du (max. 5). Und welcher bibliophile Blogger sollte in dieser Gesprächs-Reihe möglichst auch zu Wort kommen?

SteglitzMind darf ich nicht empfehlen, lese ich aber sehr gerne. Daneben lese ich eigentlich wenig Bücher- oder Literaturblogs. Ich klicke mich ab und an durch die Blogs durch, finde einzelne Artikel gelungen. Einige möchte ich aber doch nennen, die mir als Ganzes positiv aufgefallen sind: Gunnar Kaisers Philosophieblog Philosophisch leben – eine Reise durch verschiedene Themen des Alltags, philosophische Themen, die zum Nachdenken anregen.Zeitspiegel – vielfältige Themen wie Politik, Kultur, Leben, Wissen. Schön geschrieben, mit viel Hintergrund und Tiefe. Christian Köllerers Blog „Dr. Christian Köllerers Notizen“ – ich mag seinen Zugang zur Literatur und seine Auswahl der Werke. Und Karla Pauls Buchkolumne –  ein Blog direkt aus dem Leben. Ihre Texte gefallen mir durch ihre Natürlichkeit. Zudem spricht eine große Liebe zur Literatur aus ihren Zeilen. Ich kenne sie nicht persönlich, aber irgendwie habe ich sie ins Herz geschlossen. – Für ein Gespräch würde ich gerne die Betreiber von „Buchkolumne“ und „Zeitspiegel“ empfehlen. Da möchte ich mich nicht festlegen.

Danke sehr, Sandra. Vielleicht unterstützt du mich dabei, Karla Paul und den Betreiber von Zeitspiegel dazu zu bewegen, die Fragen ebenfalls zu beantworten?

Im Original nachzulesen bei SteglitzMind – Ich danke für die Plattform und das Interesse. Hat Spass gemacht!