Lesemonat April

Wieder bricht ein neuer Monat an, schon der fünfte dieses Jahr. Ich bin ein Mensch, der gerne vorausschaut, plant, was er tun will, der sich Ziele setzt und dann schaut, wie er diese auch erreichen kann. Ich lese zwar immer wieder von dem schönen Treibenlassen auf dem Strom des Lebens, doch im Wissen, dass wir das sowieso immer auf eine Weise tun, weil nie alles voraussehbar und planbar ist (und das ist gut so), möchte ich den Rest als selbst gestalteten sehen und leben. 

Manchmal schaue ich auch gerne zurück, um zu sehen, woher ich komme, was ich in der Zeit getan habe, wie meine Wege verliefen. Zu schnell vergisst man so vieles, auch oder vor allem Gutes, denkt, man hätte nichts erreicht und merkt erst beim nochmaligen Hinschauen, dass es doch eine Menge war. Das ist auch bei meinem April der Fall. Ich habe gefühlt keine Zeit zum Lesen gehabt und doch wurden es dreizehn Bücher. Ich habe mich mit den grausamen Zahlen der weltweiten Armut auseinander gesetzt, gelesen, was Würde bedeutet und wieso sie wichtig ist. Ich las über Hannah Arendt als Denkerin und darüber, wie sie in der heutigen politischen Situation noch relevant ist. Ich begleitete Simone de Beauvoir durch ihre Kindheit und Jugend und lernte mit ihr Sartre kennen, um schlussendlich in die Romantik zurückzugehen und anhand von Rahel Varnhagens Biographie zu lesen, was es bedeutete, damals Jüdin und Frau zu sein. 

Ich bin im April von Spanien zurück in die Schweiz gekommen, habe Abende mit lieben Freunden verbringen dürfen und bin jeden Tag dankbar dafür, in all dem einen Menschen in meinem Leben zu wissen, der mich in meinem Sein und Tun versteht, annimmt und begleitet. Es war ein guter Monat. 

Die Bücher

Ferndinand von Schirach: Der MenschSechs Ergänzungen zur Menschenrechtserklärung, eine Utopie für eine wünschenswerte Zukunft in veränderten Zeiten. 5
Ned O’Gorman: Politik für alle. Hannah Arendt lesen in unsicheren ZeitenWas wir von Hannah Arendt über Politik lernen können und müssen, damit wir wieder gemeinsam als Verschiedene in Freiheit unsere gemeinsame Welt schaffen.4
Avishai Margalit: Politik der WürdeEin Buch über die Frage, wie eine Gesellschaft sein muss, damit die Bürger ihre Würde behalten, sprich, damit sie nicht entwürdigt werden. 5
Thomas Pogge: Weltarmut und Menschenrechte
5
Seyla Benhabib: Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der ModerneInterpretation und Einordnung von Hannah Arendts Denken, ein persönlicher, tiefgründiger, weiterführender und auch kritischer Blick auf die Werke und Gedanken von Hannah Arendt.5
Ferdinand von Schirach: Die Würde ist antastbarEssays zu Lebens- und Zeitthemen. 4
Ann-Kristin Tlusty: SüssFrauenfiguren und ihre Verfestigung in patriarchalischen Strukturen. 5
Carolin Emcke: Für den ZweifelFünf Gespräche zu Themen wie das eigene Begehren, Hass, Gewalt, die Zeit als Kriegsreporterin und das eigene Denken und Schreiben. 5
Eva Weber-Guskar, Mario Brandhorst (Hrsg.): MenschenwürdeIst Menschenwürde absolut oder kontingent? Wem kommt sie zu und aus welchen Gründen?4
Lucy Delap: So sieht Feminismus ausabgrebrochen, weil das Bibliotheksbuch sich aufhängte
Arruzza, Bhattacharya, Fraser: Feminismus für die 99%. Ein ManifestEin antikapitalistisches Manifest für gerechtere Lebensbedingungen für alle Frauen, nicht nur eine kleine Elite. 4
Simone de Beauvoir: Memoiren einer Tochter aus gutem HauseAutobiographische Erzählung über die Kinder- und Jugendjahre bis hin zum Kennenlernen Sartres. Die Grundlegung zum Denken und Leben der Simone de Beauvoir. 5
Hannah Arendt: Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der RomantikDas Leben als Jüdin auf der Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft, schwankend zwischen Anpassung und WIderstand.4

Jahresrückblick in Büchern – meine Highlights

Ein Jahresübergang bietet sich immer an, zurückzuschauen auf das, was war. Bücher haben in meinem Leben natürlich eine grosse Rolle gespielt. Es war ein sehr abwechslungsreiches Jahr, das einer Reise glich. Ich startete sehr intensiv mit Lyrik, konzentrierte mich dann bald auf die dichtenden Frauen – und auf Rilke. Es folgte eine Zeit, die hauptsächlich Ingeborg Bachmann gewidmet war, ich las ihre Gedichte, Biographien, Kurzgeschichten – und ich war fasziniert von dieser Frau, mit der ich doch in verschiedenen Punkten Parallelen zu haben schien.

Dann verschob sich der Fokus langsam hin zu Romanen, erst noch bunt gemischt, dann immer mehr darauf blickend, wer das Buch geschrieben hat. Ich kann nicht mal sagen, woher diese Ausrichtung kam. Es kamen verschiedene literaturtheoretische Bücher dazu und dann bewegte ich mich weiter auf meiner Reise, der Feminismus kam in den Fokus und er hat mich gepackt – mit allen Themen, ohne die er kaum zu denken ist: Sexismus, Rassismus, Patriarchat, Klasse – Intersektionalität also. Da bin ich noch, die Reise führte mich also hin (oder zurück, wie man es auch sehen könnte) zur Philosophie, daneben auch mit einer Faszination für Soziologie (und einem kleinen Bedauern, das damals nicht studiert zu haben – bleibt das Selbststudium, das mir sowieso am meisten liegt).

Zu meinen Lesehighlights, dies ohne den Anspruch, dass es wirklich die besten Bücher waren, aber es sind die, welche mir spontan im Sinn waren, als ich danach suchte:

  • Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte – Rilke ist wohl mein Lieblingsdichter, wenn man eine Rangliste machen wollte. Ich habe im Frühjahr dieses ganze Buch durchgearbeitet, habe mich mit der Interpretation einzelner Gedichte und deren Verbindung zum Leben Rilkes beschäftigt. Eine sehr spannende Zeit.
  • Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter – ich liebe diese Lyrikerin für ihre Melancholie, ihren versteckten und teilweise auch offensichtlichen Witz.
  • Edgar Rai: Ascona – einer der ersten Romane, mit denen ich in die nächste Phase stieg. Edgar Rai ist eine packende Romanbiographie über Erich Maria Remarque gelungen, die von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen ist und Lust auf Remarque macht.
  • Erich Maria Remarque: Drei Kameraden – das war dann das Resultat, für mich eine Entdeckung, da ich zwar den Namen kannte, aber noch nie etwas von ihm gelesen hatte. Diese Geschichte über drei Freunde und eine Liebe hat er in Edgar Rays Roman geschrieben – ein grossartiges Buch mit sehr viel Witz, Tiefe und Zeitkolorit.
  • Kate Kirkpatrick: Simone de Beauvoir – ein fundierter Einblick in Leben und Werk einer inspirierenden Frau, die mich ziemlich in ihren Bann zog, ich las viel von ihr und über sie danach, auch Alois Prinz’ Biographie, die ich ebenfalls empfehlen kann.
  • Franziska Schutzbach: Die Erschöpfung der Frau – ein wichtiger Einblick in die Situation der Frau in der heutigen Gesellschaft, ihre Kämpfe, ihre Rollen, ihre Erschöpfung, die daraus resultiert. Ein deutliches Bild, dass wir noch nicht erreicht haben, wonach wir schon so lange streben: Gleiche Rechte, gleiche Entlöhnung, gleiche Chancen, gleiche Sichtbarkeit, gleiche Anerkennung.
  • Nicole Seifert: Frauenliteratur – ein Blick auf die Welt der Literatur, auf die Frauen, die vergessen gingen, auf die, welche nicht berücksichtigt werden, auf die Abwertung, Ignoranz, die ungerechte Verteilung von Sichtbarkeit und Bewertung.
  • Daniel Schreiber: Allein – sehr persönliche Einblicke in ein zwiespältiges Lebensmodell, sein Ruf in der Gesellschaft und das persönliche Erleben.
  • Alice Schwarzer: Lebenslauf – durch ein Interview wurde ich auf sie aufmerksam und war in ihren Bann gezogen. Ich hatte sie vorher völlig anders, falsch eingeschätzt und lernte durch das Interview, vor allem aber auch durch dieses Buch eine grossartige Frau, die mit Mut und Leidenschaft ihren Weg ging und geht, kennen. Den zweiten Band werde ich sicher auch noch lesen (Lebenswerk).
  • Gisèle Halime: Seid unbeugsam – aufgewachsen in Tunesien merkte sie schon bald, dass für Mädchen andere Regeln gelten als für Jungen. Da sie das nicht wollte, begehrte sie auf – mit Erfolg. Sie ging ihren Weg gegen alle Widerstände: Eine beeindruckende Frau, die dafür kämpfte, als Frau Rechte zu haben – für sich und für andere.

Ich freue mich auf mein Lese-Jahr 2022, viele Bücher liegen schon bereit, die thematische Ausrichtung wird da ansetzen, wo das Jahr 2021 aufhörte: Die Gesellschaft und die darin vorherrschenden Verteilungen, Intersektionalität, (soziale) Gerechtigkeit – und sicher werden auch der eine oder andere Roman und ein paar Gedichte Platz finden. Ich hoffe, ihr begleitet mich weiter durchs 2022.

Was waren eure Buchhighlights?





Colm Tóibín: Der Zauberer

Inhalt

«Da geschah etwas: Er sah den Roman, über den er seit Längerem nachdachte, vollständig vor sich. Für dieses Buch würde er sich als ein Einzelkind neu erschaffen…»

Der Inhalt dieses Buches ist leicht erzählt, denn es ist die in einen Roman verpackte Lebensgeschichte von Thomas Mann. Begonnen mit seiner Kindheit in Lübeck geht die Lebensbeschreibung weiter, durchläuft die Schulzeit, Reisen mit dem Bruder nach Italien, die Begegnung und Hochzeit mit Katja Pringsheim, die Kinderschar, die sich bald einstellt, die Machtergreifung und die sich dadurch einstellende Gegnerschaft gegen Hitler bis hin zum amerikanischen Exil. Immer wieder werden auch Schaffensprozesse vom Erlebten hin zum Werk dargestellt, geheime, zumeist sexuelle Gedanken offengelegt und in die Lebenserzählung eingebettet.

Weitere Betrachtungen
Colm Tóibín hat sich einer schwierigen Aufgabe gewidmet mit diesem Buch: Er erzählt die Geschichte eines herausragenden Schriftstellers in Romanform, welcher sich schon selbst in all seinen Büchern autobiographisch dargestellt hat. Wie wollte er dagegen ankommen, das gar übertreffen? Praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Nun kann man dahin gehen und sagen, dass Thomas Mann das eigene Leben nie ganz der Wirklichkeit entsprechend erzählt hat, sich nur in einzelnen Figuren verewigt hat, so dass durchaus ein Unterschied zu einem nacherzählten Leben besteht. Dies mag zwar so stimmen, nur erscheint Thomas Mann in seinen eigenen Erzählungen plastischer und authentischer, als er dies zumindest im ersten Teil von Tóibíns Buch tut.

Es ist zu ergänzen, dass die vorliegende Romanbiografie wenig Neues ans Licht bringt, das, was sie erzählt, relativ chronologisch dahinplätschert und wenig Mehrwert oder gesteigerten Lesegenuss bringt gegenüber einer fundierten Biographie wie sie zum Beispiel Hermann Kurzke geschrieben hat. Es bleibt die Frage zurück, für welche Zielgruppe dieser Roman geschrieben wurde. Ein Kenner von Thomas Manns Leben und Werk wird sich wohl eher langweilen, da er wenig Neues erfährt, ein Neuling in Bezug auf Thomas Manns Leben kann durchaus Neues erfahren, wobei er sich allerdings wohl durch die ersten Kapitel durchbeissen muss, da diese noch wenig packend geschrieben sind.

Positiv herauszuheben ist, dass sich Tóibín offensichtlich intensiv mit Thomas Mann auseinandergesetzt hat, er hat die Entstehungsgeschichten der einzelnen Werke des Literaten studiert und fundiert in seinen Roman eingebaut. Dies nimmt dem Roman leider etwas Fahrt im Erzählstrang, ist aber für den interessierten und wenig informierten Thomas-Mann-Fan durchaus spannend zu lesen – leider verliert Tóibín wohl genau damit die Leser, welche einen guten und packenden Roman, eine interessante Lebensgeschichte lesen wollen.

Auffällig ist die sehr intensive und plakativ dargestellte sexuelle Ausrichtung von Thomas Mann.

«Und aus der Erzählung würde hervorgehen müssen, dass das Verlangen sexueller Natur war, zugleich aber würde es, natürlich, unerfüllbar und unmöglich sein müssen. Der Blick des älteren Mannes würde umso. brennender sein, als weiter nichts geschehen konnte. Die Begegnung würde das Leben des Protagonisten umso einschneidender. verändern, als sie flüchtig sein und zu nichts führen würde. Denn etwas liesse sich niemals zähmen, niemals bändigen, nie gesellschaftsfähig machen. Es würde die Pforten einer Seele sprengen, die sich für uneinnehmbar gehalten hatte.»

Es werden Situationen und Fantasien teilweise sehr detailliert beschrieben, es werden Gedankengänge und Sehnsüchte ans Licht gezerrt und förmlich breitgetreten, welche Thomas Mann sorgsam unter Verschluss hielt. Nun kann man sagen, dass dies legitim sei für einen Roman und eine Erzählung eines Lebens, dass es sogar um des wahren Blicks auf den Charakter nötig sei, allerdings hätte es nicht so plakativ und fast schon penetrant wiederkehrend passieren müssen. So mutet dem Text fast ein wenig Sensationslust und lüsternes Verlangen an.

Persönliche Einschätzung
Ich habe dieses Buch mit grosser Spannung erwartet, da ich ein grosser Thomas-Mann-Fan bin. Nun mag es durchaus sein, dass die Erwartungen zu hoch und mein Hintergrundwissen schon zu gross war, so dass meine Einschätzung des Buchs nicht objektiv daher kommt. Ich habe mich bemüht, einen möglichst objektiven Blick zu bewahren, was allerdings schwer war, da ich teilweise wütend wurde beim Lesen, vor allem bei den blossstellenden Szenen über Thomas Manns Homosexualität.

Colm Tóibín hat sich einer schwierigen Aufgabe gestellt, das Buch deutet durchaus auf eine sehr intensive Recherche und ein grosses Interesse an seinem Protagonisten hin, aber er hat die Aufgabe in meinen Augen leider nicht erfolgreich gelöst. Trotzdem möchte ich das Buch nicht nur verreissen oder davon abraten. Als erster Einstieg in das Leben und Schaffen von Thomas Mann kann es durchaus lesenswert sein. Und vielleicht stossen dann auch die von mir kritisierten Stellen nicht so sauer auf.

Fazit:
Eine gut recherchierte und fundierte Romanbiografie, welche leider zu sehr nacherzähltes Leben und wenig literarisches Werk ist und den Protagonisten seltsam blass erscheinen lässt. Als Einstiegslektüre in Thomas Manns Leben denkbar.

Colm Tóibín
Colm Tóibín, 1955 in Enniscorthy geboren, ist einer der wichtigsten irischen Autoren der Gegenwart. Bereits sein erster Roman Der Süden (1994) wurde von der Kritik enthusiastisch gefeiert. Bei Hanser erschienen der Henry-James-Roman Porträt des Meisters in mittleren Jahren (2005), Mütter und Söhne (Erzählungen, 2009), Brooklyn (Roman, 2010), Marias Testament (Roman, 2014), Liebe und Tod (Hanser-Box, 2014), Nora Webster (Roman, 2016), Haus der Namen (Roman, 2020) und zuletzt Der Zauberer (Roman, 2021). Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem IMPAC-Preis.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (27. September 2021)
ISBN: 978-3446270893

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Carsten Henn: Der Buchspazierer

Inhalt

«Hier lebte er mit seiner Familie aus Papier, die er in Vitrinen mit Milchglasscheiben vor Licht und staub schützte. Die Bücher wollten immer wieder von ihm gelesen werden. So, wie Perlen getragen werden mochten, weil sie dann schöner wurden, und, mehr noch, wie Tiere gestreichelt werden wollten, um sich geliebt zu fühlen. Manchmal kam es Carl vor, als beständen all die Worte in ihnen aus seinen Zellen, dabei wusste Carl, dass er sie mit den Jahren einfach nur in sich hineingelesen hatte.»

Carl Kollhof war Buchhändler aus Leidenschaft. Heute hat er nur noch ein kleines Pensum, das darin besteht, ausgewählten Kunden die für sie passenden Bücher persönlich vorbei zu bringen. Obwohl die Beziehungen zu seinen Kunden vordergründig auf Bücher und deren Auslieferung beschränkt erscheint, bildet sich doch eine Verbundenheit. Carl versteht die Menschen in ihrem Sein und ihren Nöten, er sieht in der passenden Literatur eine kleine Heilung.

Irgendwann gesellt sich Schascha zu Carl, ein kluges und fröhliches Mädchen, das ihn fortan auf seinen Wegen begleitet und neuen Wind in die Bücherspaziergänge und die Bücherübergaben bringt. Schon bald wächst in den Beiden der Wunsch, noch mehr für seine Bücherkunden zu tun in ihren jeweiligen Lebenssituationen. Dass Carl selber in Schwierigkeiten steckt, verrät er dabei keinem, sondern tut alles, den anderen Menschen, die ihm so wichtig sind, zu helfen.

Weitere Betrachtungen
«Der Buchspazierer» erzählt auf eine sehr feinfühlige Art aus dem Leben eines Mannes, der eine grosse Liebe zur Literatur hat und eine ebensolche zu Menschen. Carl Kollhof ist der Meingung, dass es für jeden Menschen das richtige Buch gibt, das in sein aktuelles Leben passt. Bücher sind Freunde, Bücher sind Heilmittel, Bücher sind mehr als blosse Worte, sie lösen etwas im Leser aus. Insofern ist dieses Buch hier eine grosse Hommage ans Lesen, an das Buch.

«Er wusste, dass er komisch war, doch es fühlte sich nicht so an. Denn wenn man lange genug komisch war, war es wieder normal. Wenn auch nur für einen selbst, aber das reichte ihm.»

Es gelingt Carsten Henn, Carl Kollhof plastisch und authentisch durchs Buch gehen zu lassen, man fühlt sich ihm als Leser von Anfang an tief verbunden und im Herzen berührt. Und vielleicht fühlt man sich auch verstanden in der eigenen Leidenschaft für Bücher.

Schon der Inhalt zeigt es, dass wir es hier nicht mit grosser und tiefgründiger Literatur zu tun haben. Die Sprache ist einfach (aber durchaus dem Inhalt und den einzelnen Personen angepasst und somit stimmig), der Plot ist lieblich aber auch eher offensichtlich gestrickt. Das alles nimmt dem Buch aber nicht den Charme, im Gegenteil. Das Buch lässt einen in eine Bücherwelt eintauchen, es wärmt das Herz, es bereitet von der ersten bis zur letzten Seite schlicht Lesefreude. Und dann und wann regt es auch zum Nachdenken an, über sich, über Beziehungen, über das Leben – ganz ohne mahnenden Zeigefinger oder Erziehungsabsicht, einfach mit einer zu Herzen gehenden Geschichten. Mehr geht eigentlich nicht.

Persönliche Einschätzung
«Der Buchspazierer» ist ein wunderbares Buch, ein Buch, das mich berührt hat, das mich gepackt und nicht losgelassen hat. Ich liebte es, lesend auf Carls Spaziergängen dabei zu sein, verliebte mich in die kleine Schascha, fühlte mit den einzelnen Kunden mit – sprich: Ich war in dem Buch zu Hause beim Lesen. Das ist  mir schon lange nicht mehr passiert mit einem Buch.

Das Thema, dass aus Büchern Heilung kommen kann, beschäftigt mich schon eine Weile. Auch ich bin, wie Carl, der Überzeugung, dass es für jede Lebenslage ein passendes Buch gibt. Ich denke, dass wir durch Geschichten viel über die Welt, über die Möglichkeiten, in ihr zu bestehen, und über uns selber erfahren. Dadurch erweitern wir unseren Horizont im Aussen und im Innen, das Leben kann ein reicheres werden.

Dass Bücher auch Freunde sein können, ist zudem ein schöner und mir bekannter Gedanke. Ich liebte es von klein auf, mich mit einem Buch zurückzuziehen und in andere Welten einzutauchen. Dieses Buch hier hat mir eine ganz wunderbare bereitet.

Fazit:
Ein kleiner, feiner, feinfühliger Roman mit viel Herz, liebenswürdigen Charakteren und einer zu Herzen gehenden Geschichte. Berührend, zum Nachdenken animierend, einnehmend. Sehr empfehlenswert.

Carsten Henn
Carsten Henn, geboren 1973 in Köln, arbeitet als Schriftsteller, Weinjournalist und Restaurantkritiker. Er ist Chefredakteur des Weinmagazins Vinum. In St. Aldegund an der Mosel besitzt er einen Steilstweinberg mit alten Rieslingreben, den er selbst bewirtschaftet. Wenn er einmal nicht seiner Leidenschaft fürs Kochen nachgeht, ist er auf der Suche nach neuen Gaumenfreuden.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Pendo; 18. Edition (2. November 2020)
ISBN: 978-3866124776

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Ein Monat in Büchern – Juni 21

Wieder ist ein Monat vorbei, es war ein Monat, in dem ich mich mehrheitlich mit Lyrik beschäftigt habe, und doch ging auch das eine oder andere Buch sonst durch meine Hände. Eine Auswahl findet ihr hier. Die aufgeführten Bücher sind solche, die mich diesen Monat interessiert haben, die ich teilweise aktuell gelesen habe, mich sonst an sie erinnert habe aus Gründen oder aber solche, die ich zwar angelesen, aus unterschiedlichen Gründen aber (noch) nicht beendet habe.

Björn Kern: Solikante Solo

«Der ist doch total verrückt geworden, das war immer ein beliebter Ausspruch gewesen in ihrer Ehe, wenn sie einmal auf jemanden trafen, der nicht nur nachplapperte, was in den Zeitungen oder im Internet stand. Der ist total verrückt geworden, das galt in ihrer Ehe immer als Kompliment. Was aber, wenn Jann nun wirklich verrückt geworden war?»

Zwei Menschen werden ein Paar, kriegen ein Kind und plötzlich merken sie, dass alles schwierig wird: Die Wohnung wird eng, das Leben überfordert, Gegensätze zeigen sich mehr und mehr, Gemeinsamkeiten schwinden. Ist das das Ende der Beziehung? Bricht hier alles auseinander? Doch da ist die kleine Tochter, die verbindet. Und noch mehr… Ein Buch über die innere Zerrissenheit zweier Menschen, über die Schwierigkeiten, gemeinsam Unterschiede auszuhalten und damit umzugehen, den Wunsch nach Liebe und Zusammengehörigkeit.

  • Herausgeber : FISCHER Taschenbuch; 1. Edition (10. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 336 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3596700899
  • Preis: EUR 15.32 / CHF 24.90

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Mareike Krügel: Schwester

Als Lone nach einem Unfall im Koma liegt, übernimmt ihre Stiefschwester Julia einige ihrer Aufgaben als Hebamme. Als Bankerin und Frau eines Pastors steht sie plötzlich vor Herausforderungen, die so ganz anders sind als sie sich das Leben gewohnt ist. Julia beginnt, sich und ihr Leben zu hinterfragen, stellt vieles in Frage, und sucht für sich Antworten darauf, wie es weiter gehen soll und kann. Was erwartet sie noch vom Leben? Wonach sehnt sie sich wirklich? Stimmen die gelebten Rollenbilder noch oder ist es Zeit für neue?

  • Herausgeber : Piper; 2. Edition (15. März 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 336 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3492058568
  • Preis: EUR 21.07 / CHF 29.90

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Barney Norris: Die Jahre ohne uns

«Dies ist nicht mein wahres Leben und ich glaube auch nicht, dass es das je sein wird. Wahrscheinlich wird es Zeit für mich zu akzeptieren, dass mein wahres Leben niemals stattfinden wird. Es hätte längst beginnen müssen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben länger als einen Augenblick zu bestehen, sich zu irgendetwas zu entwickeln. Stattdessen sollte ich mich einfach mit dem zufriedengeben, was ich habe.»

Zwei Menschen um die 70 treffen sich an einer Hotelbar und erzählen aus ihrem Leben, ziehen Bilanz. Die Frau erzählt von ihren Plänen, Träumen, von ihrem Scheitern, von Neuanfägen, der Mann erzählt vom grössten Irrtum seines Lebens, bedauert, zeigt, wie all das sein Leben beinflusst hat. Am Ende sitzen sie da und es steht die Frage: Wie gehen beide nun damit um? Wie geht es weiter? Eine sehr ungewöhnlich erzählte Geschichte mit einem äusserst überraschenden Ende.

  • Herausgeber : DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; 1. Edition (12. Februar 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 272 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3832181130
  • Originaltitel : The Vanishing Hours
  • Preis: EUR 21.07 / CHF 33.90

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Roland Buti: Das Leben ist ein wilder Garten

«Ich hatte mir nie die Frage gestellt, ob Mama eigentlich ein glückliches Leben hatte.
Und sie hatte sich durch die Seitentür hinausgeschlichen.»

Als ob das Leben nicht schon kompliziert genug wäre nachdem seine Frau ihn verlassen hat und die Tochter ins Ausland zum Studieren gezogen ist, verschwindet plötzlich auch noch Carlos Mutter spurlos. Carlo, von Beruf Gärtner, zieht mit seinem Angestellten und Freund Agon, der vor kurzem grundlos zusammengeschlagen bei ihm aufgetaucht war, los, um sie zu suchen. Sie finden sie schliesslich im Grand National, einem Hotel der gehobenen Klasse, welches in der Erinnerung der alten Dame eine wichtige Rolle spielt.

Ein Buch über den Trost der Natur, über Menschen, über die Vergangenheit und ihre Spuren in der Gegenwart.

  • Herausgeber : Paul Zsolnay Verlag; 4. Edition (17. August 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Gebundene Ausgabe : 176 Seiten
  • ISBN-10 : 3552059997
  • ISBN-13 : 978-3552059993
  • Originaltitel : Grand National
  • Preis: EUR 20 / CHF 29.90

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Andreas Vollenweider: Im Spiegel der Venus

««Und das alles macht die Musik?», fragte der Junge ungläubig. «Weisst du, es gibt für alle Dinge auf dieser Welt einen grossen Plan der Natur, einen Urplan. Er sieht vor, dass alles, was lebt, gesund, stark und fruchtbar sein soll. Krankheiten und Unglück sind Störungen dieses Plans, sie kommen vor, und manchmal sind sie sogar so stark, dass sie den Plan ganz unter sich begraben, er geht vergessen…»»

Armando Hector Ruiz gilt ab dem neunten Lebensjahr als Wunderkind auf dem Chello, welchem er berührende Melodien entlocken kann. Als seine Musik auch noch heilende Wirkung auf Kranke zeigt, wird er zum Messias. Armando reicht dieser Erfolg irgendwann nicht mehr, Fragen nach den Gründen stellen sich ihm und er sucht an allen möglichen Orten nach Antwort und findet schliesslich einige Erkenntnisse sowohl in den Naturwissenschaften als auch in den alten Philosophien des Buddhismus und der Veden.

Ein Buch über Musik, über das Erwachsenwerden, die nicht fassbaren Dinge zwischen Himmel und Erde.

  • Herausgeber : Midas Collection; 2. Edition (5. Oktober 2020)
  • Sprache : Deutsch
  • Broschiert : 416 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3038761792
  • Preis: EUR 25 / CHF 36.90

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Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

«Noch einmal dachte ich über unsere Begegnung nach. Zwei Einsamkeiten, die zueinander finden, deren eine die Spielregeln kennt, Intelligenz und Bildung über alles stellt, Herz und Güre der moralischen Pflicht opfert, während die andere, instinktiv und empfindsam, spontan Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken weiss, ohne dass Missverständnisse aufkommen. «

Armand, ein pensionierter Philosophiedozent, fährt im Bus nach Hause, als der mit plötzlichem Ruck hält und Armand fast hinfällt. Ein junge Frau hilft ihm und begleitet ihn nach Hause. Obwohl die beiden 50 Jahre trennen, ihre Leben und Lebenseinstellungen nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie etwas: Sie sind beide einsam, ohne Familie, ohne Sinn und Ziel im Leben. Für beide soll diese Begegnung eine Befreiung werden, ein Tor zu Einsichten über das eigene Leben und die eigenen Versäumnisse, und zum Öffner zu mehr Lebensfreude – ein Start in eine neue Lebensetappe.

Ein Buch über die Liebe, über das Glück, ein wunderbares Buch, das uneingeschränkt zu empfehlen ist. HIER findet ihr die ganze Rezension.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber : Diogenes; 6. Edition (25. November 2008)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 144 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3257239034
  • Originaltitel : La douceur assassine
  • Übersetzung Christel Gersch

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Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

«Noch einmal dachte ich über unsere Begegnung nach. Zwei Einsamkeiten, die zueinander finden, deren eine die Spielregeln kennt, Intelligenz und Bildung über alles stellt, Herz und Güre der moralischen Pflicht opfert, während die andere, instinktiv und empfindsam, spontan Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken weiss, ohne dass Missverständnisse aufkommen. «

Armand, ein pensionierter Philosophiedozent, fährt im Bus nach Hause, als der mit plötzlichem Ruck hält und Armand fast hinfällt. Ein junge Frau hilft ihm und begleitet ihn nach Hause. Obwohl die beiden 50 Jahre trennen, ihre Leben und Lebenseinstellungen nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie etwas: Sie sind beide einsam, ohne Familie, ohne Sinn und Ziel im Leben. Für beide soll diese Begegnung eine Befreiung werden, ein Tor zu Einsichten über das eigene Leben und die eigenen Versäumnisse, und zum Öffner zu mehr Lebensfreude – ein Start in eine neue Lebensetappe.

Ein kurzes Buch mit viel Tiefe, mit grossen Themen, mit einer berührenden Wärme und Menschlichkeit. Die Geschichte zweier Menschen, die so unterschiedlich sie auch sind, einander ans Herz wachsen und den Weg gemeinsam gehen auf der Suche nach Verbindung, auf der Suche nach dem, was beiden im Leben so sehr fehlt: Liebe und Familie.

Auf wenigen Seiten entwickelt Françoise Dorner eine zutiefst menschliche Welt, es gelingt ihr, die beiden Charaktere stimmig, authentisch und mit Tiefe zu gestalten. Obwohl es um viele eigentlich schwierige Themen geht wie Tod, Einsamkeit, den Verlust der Familie, das Alter und die Suche nach dem Sinn, wird das Buch nie schwer, nie psychologisierend.

«Die heitere Kraft derer, die begriffen haben, dass selbsterobertes Glück die einzige gültige Antwort auf das anfängliche Unglück ist.»

«Die letzte Liebe des Monsieur Armand» ist eine Geschichte darüber, worauf es im Leben ankommt, es ist eine Geschichte über die Liebe, das Leben, das Glück und darüber, wie es zu finden ist. Eine Geschichte, die zeigt, dass nur, wer sich frei macht von den Erwartungen anderer und sich traut, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, das Leben gewinnt.

Fazit:
Die Geschichte zweier Menschen, die trotz vieler Gegensätze zueinander finden. Ein Buch über die Liebe, über das Glück, ein wunderbares Buch, das uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Über die Autorin
Françoise Dorner, geboren 1949 in Paris, ist Schauspielerin gewesen und hat fürs Theater geschrieben. Sie hat nicht nur in ›Flic Story‹ mitgespielt an der Seite von Alain Delon und Jean-Louis Trintignant, sondern auch in ›Maigret und der Weihnachtsmann‹. Als Drehbuchautorin hat sie ›Eine Frau nach Maß‹ und ›Die Sekretärin des Weihnachtsmanns‹ (mit Marianne Sägebrecht) verfasst. Sie erhielt den Theaterpreis der Académie française und 2004 den Goncourt du Premier Roman für ihren von der Kritik in Frankreich wie in den USA gelobten Erstling ›La fille du rang derrière‹, der jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Heute widmet sie sich ganz dem Schreiben und lebt in Paris.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber : Diogenes; 6. Edition (25. November 2008)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 144 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3257239034
  • Originaltitel : La douceur assassine
  • Übersetzung Christel Gersch

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Bücher 21- Mai

Die letzten Monate stand an dieser Stelle ein Überblick über alle gelesenen (und abgebrochenen) Bücher des Monats. Ich habe auch diesen Monat damit begonnen, diesen zu schreiben, kam über die Tage und Wochen doch auf 12 gelesene Bücher und drei abgebrochene – dann hörte ich auf, weiterzuschreiben. Im Laufe dieses Monats hat sich meine Leseverhalten stark verändert, da zunehmend neue Projekte dazukamen, die viel Fach- und spezifische Literatur erfordern. Die Zeit für vollständige Rezensionen und viele Bücher nebenher fehlt dadurch leider und das effektiv gelesene ist wohl wenig spannend für andere.

Nun möchte ich diese Bücherrückblicke doch nicht ganz streichen und habe mir überlegt, wie ich das machen könnte. Hier die Lösung:

Ich werde weiter ein paar Bücher vorstellen, die ich gelesen habe, diese auch kurz beschreiben und die bibliographischen Angaben hinterlassen, so dass sie für Interessierte schnell auffindbar sind. Dieser kleine Rückblick wird grossenteils ausführliche Rezensionen ersetzen. Zudem möchte ich fortan ab und zu Bücherempfehlungen reinstellen von Büchern, die mir aus irgendwelchen Gründen in die Hände oder in den Sinn kamen. Und ab und an gibt es sicher auch mal wieder eine Rezension.

Ich hoffe, das wird ein für mich und euch schöner Weg sein, denn ganz ohne Bücher und Gespräche über Bücher soll und kann es hier nicht weitergehen für mich. Der heutige Rückblick ist noch ziemlich ähnlich wie die letzten, es fehlen einfach die zu spezifischen Bücher drauf.

Gelesene Bücher

  • Ingeborg Bachmann: Undine geht (Erzählung)
    Undine sinniert über die Welt, welche eine Welt von Ungeheuern ist, eine Welt von Männern namens Hans, die die Welt und auch sie beherrschen. Doch einige sind anders, einen Hans liebt sie sogar. Und doch wird sie nicht glücklich mit dieser Liebe.
  • Doris Dörrie: Die Welt auf dem Teller
    In ihrem Buch „Die Welt auf dem Teller“ nimmt uns Doris Dörrie mit auf eine Reise durch die Welt des Essens. Wir haben auf unserem Leseteller ein Arrangement von kurzweiligen Lesehäppchen für den kleinen Lesehunger zwischendurch.
  • Irmgard Keun: Nach Mitternacht
  • Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein
    Ein wunderbares kleines Buch. Was sie hier im politischen Raum aufzeichnet, lässt sich auch gut auf das Miteinander im engen Rahmen runterbrechen. Was also ist Freiheit für Hannah Arendt?

„Diese öffentliche Freiheit ist eine handfeste lebensweltliche Realität, geschaffen, von Menschen, um in der Öffentlichkeit gemeinsam Freude zu haben – um von anderen gesehen, gehört, erkannt und erinnert zu werden. Und diese Art von Freiheit erfordert Gleichheit, sie ist nur unter seinesgleichen möglich.“

«Er war meine grosse Liebe» – Das sagte Ingeborg Bachmann über Paul Celan. Und doch war die Liebe nicht lebbar auf Dauer, kam es immer wieder zu Brüchen und auch Abbrüchen. Helmut Böttiger beleuchtet die Geschichte der beiden Königskinder, die nicht zueinander finden konnten, er zeigt auf die gegenseitigen Verweise in Leben und Werk und verortet die Beziehung im Lebensumfeld der beiden Literaten.

  • Ina Hartwig: Wer war Ingeborg Bachmann? Eine Biografie in Bruchstücken
    Wer war Ingeborg Bachmann? Dieser Frage geht Ina Hartwig nach und zeigt das Leben dieser faszinierenden Frau in kleinen Puzzlestücken, die sich irgendwie zu keinem ganzen Bild zusammenfügen, aber trotzdem tief blicken lassen. Wir werden mit einer Frau voller Geheimnisse konfrontiert, einer Frau, die verschiedene Seiten in sich trug und diese je nach Bedarf ans Licht holte. Und bei all dem bleibt das Gefühl zurück, dass tief drin ganz viel dunkel war und auch im Dunkeln bleiben sollte. Bachmann war eine Meisterin des Vertuschens, des Versteckens, des Geheimhaltens. 
  • Peter von Matt: Liebesverrat
    Wo gelebt wird, wird geliebt und oft auch verraten. Peter von Matt streift auf die ihm eigene, kompetente, humorvolle und scharfsichtige Art durch die Bücher von Antike bis heute und Erzählt von den Liebenden und den Gehörnten, von den Verrätern und den Enttäuschten.
  • Stephen Fry Feigen, die fusseln. Entfessle den Dichter in dir
    Stephen Fry ist hier ein sehr unterhaltsames Buch gelungen, das einerseits fundiert in die Theorie der Gedichtanalyse einleitet, andererseits dazu auffordert, selber zu Papier und Stift zu greifen und das Gelernte umzusetzen.
  • Hilde Domin: Dichterin des Dennoch
    Das Porträt einer Dichterin, die im Leben viel erlebt hat und in der grössten Not das Schreiben angefangen hat. Ilka Scheidgen beleuchtet das Leben und Schaffen der unermüdlich für die Lyrik einstehenden Hilde Domin auf eine persönliche Weise. Ab und an wird die Geschichte etwas verklärt, aber das tut dem Buch keinen Abbruch, zumal nicht ersichtlich ist, ob das nicht sogar Hilde Domins Wunsch gewesen ist.

Abgebrochene Bücher

  • Ingrid Noll: Kein Feuer kann brennen so heiss
    Die Geschichte handelt von der nicht wirklich attraktiven, aber doch sehr patenten Altenpflegerin Lorina, welche bei einer alten Dame ihre Dienste verrichtet. Mit im Spiel sind auch noch ein am Erbe interessierter Grossneffe der Arbeitgeberin, ein Techtelmechteln gegenüber nicht abgeneigter Masseur und ein kleiner Pudel. Es wird sicher wieder ein paar beiläufige Todesfälle geben, wie das bei Ingrid Noll so üblich ist, allerdings zieht sich das Buch unglaublich in die Länge mit ganz viel Anfangsgeplauder. Irgendwann ging mir der Leseatem aus…
  • Kent Haruf: Kostbare Tage
    Nachdem ich Unsere Seelen bei Nacht sehr liebte, freute ich mich sehr auf das Buch, doch es hat mich nicht gepackt. Der Anfang versprach noch eine menschlich warme Geschichte, doch dann wurde es zu einer Aneinanderreihung einzelner Episoden, bei der es mir nicht möglich war, in die Geschichte hineinzufinden.
  • Max Küng: Fremde Freunde
    Drei Paare, die sich nur von den Elternabenden ihrer Kinder kennen, verbringen gemeinsame Ferien in einem Haus in Frankreich. Der Roman fängt locker, flockig an mit vielen geplauderten Oberflächlichkeiten, die Sprache ist leicht und flapsig, die Sprüche teilweise ebenso. Und: Es passiert nichts, was man als Handlung bezeichnen könnte. Mir fehlte der Atem, bis zu den versprochenen tieferen Stellen vorzudringen, zumal willkürlich aufgeschlagene Textpassagen den Eingangston weiterführten.

Hermann Hesse: Bücher

Bücher (1918)

Auf den Text muss hier leider verzichtet werden aus urheberrechtlichen Gründen. Das Gedicht kann HIER nachgelesen werden.

Hermann Hesse schrieb dieses Gedicht in einer für ihn schwierigen Zeit. Verschiedene Schicksalsschläge haben ihn psychisch so belastet, dass er sich in Behandlung geben musste, dabei Erfahrungen mit der Psychoanalyse machte. Daneben war seine Ehe am Zerbrechen, seine Kriegsgegnerschaft hat ihm nicht nur Freunde beschert. Kurz vor diesem Gedicht hat Hesse seinen Demian geschrieben, den er folgendermassen einleitete:

«Mancher wird niemals Mensch, bleibt Frosch, bleibt Eidechse, bleibt Ameise. Mancher ist oben Mensch und unten Fisch. Aber jeder ist ein Wurf der Natur nach dem Menschen hin. Und allen sind die Herkünfte gemeinsam, die Mütter, wir alle kommen aus demselben Schlunde; aber jeder strebt, ein Versuch und Wurf aus den Tiefen, seinem eigenen Ziel zu. Wir können einander verstehen; aber deuten kann jeder nur sich selbst.»

Der Roman zeichnet das Leben des Protagonisten Emil Sinclair vom zehnjährigen Kind hin zum sich selber bewussten, sich selber hinterfragenden Erwachsenen auf. Fast scheint es, er hätte diese Thematik im wahrsten Sinne des Wortes verdichtet. Im Gedicht erzählt er nicht vom möglichen Weg hin zur Erkenntnis, er spricht den Leser an, sagt ihm, wo er das Glück sicher nicht findet: In allen Büchern dieser Welt. Dahin flieht vor allem der Literaturliebhaber in schwierigen Zeiten gern, eröffnen sich in Büchern doch neue Welten, welche ein Abtauchen ermöglichen. Und daraus erhofft man sich dann ein bisschen Glück.

Und nun also Hesses Absage an das Glück aus Büchern. Er kommt zum Schluss, dass man unzählige Bücher lesen kann, sie alle werden das Glück nicht bringen. Dabei belässt er es aber nicht: Zwar findet man nicht unmittelbar Glück, aber Bücher helfen, sich durch das Lesen fremder Sichtweisen, durch das Erfahren neuer Möglichkeiten, sich selber genauer zu sehen. So wird Literatur zum Spiegel und sie öffnet dadurch neue Tore, allen voran das zum eigenen Ich.

Ist man erst mal bei sich selber angekommen, merkt man, dass eigentlich alles, was man suchte, schon da ist. Das deckt sich mit dem, was Buddha einst sagte:

«Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.»

Die Dinge aber, in dem Fall die Bücher, können uns helfen, unseren Blick zu schärfen dafür, was da ist, dafür, was möglich ist. Bei allem, was wir lesen, lesen wir uns mit. Mit allem, was wir erfahren, treten wir in Kontakt mit unserer eigenen Erfahrungswelt. Ist der Blick erstmal klar und wir unserer selbst bewusst, werden wir in uns selber das Licht erzeugen, welches das Dunkel des Unverständnisses, das Dunkel der Welt erhellt.

Bücher 21- April

Gelesene Bücher

  1. Ingeborg Bachmann: Der gute Gott von Manhatten
    Jennifer und Jan treffen sich zufällig am Bahnhof, aus einer als Affäre gedachten Nacht wird Liebe, was dem guten Gott von Manhattan nicht gefällt, da diese mit der bürgerlichen Ordnung nicht vereinbar ist. Vor Gericht muss er sich für den Mord an Jennifer verantworten.
  2. Thommy Bayer: Das Glück meiner Mutter
    Der Drehbuchautor Philip Dorn, ein alleinstehender Mann in den mittleren Jahren, der sich nach dem Scheitern seiner letzten Beziehung in seinem Leben allein eingerichtet hat, beschliesst, sich sein Traumauto, einen Mini, zu kaufen und damit in die Toskana zu fahren. Beim Dahingleiten auf den Strassen, erinnert er sich an seine Kindheit, an seine Beziehung zu seinen Eltern, vor allem die zu seiner Mutter, und an seine gescheiterte Beziehung zu Bettina. Ein Buch mit leisen Tönen, das berührt und bewegt.
  3. Klara Jahn: Die Farbe des Nordwinds
    Klara Jahn erzählt zwei Lebensgeschichten in zwei unterschiedlichen Zeiten, einerseits die von Ellen, welche nach vielen Jahren auf die Halligen zurückkehrt und da ihre Heimat sucht, andererseits die von Arjen, einem Waisen, der nach einer Ausbildung ausserhalb ebenfalls zurückkehrt auf die Halligen, um die Kinder dort zu unterrichten. Mehr als das aber erzählt sie die Geschichte der Halligen, beschreibt die Natur und die Landschaft mit all ihren Eigenheiten, Schönheiten, mit den Menschen, die da leben und welche durch die Natur geprägt sind. Neben diesem wunderschön beschriebenen Landschaftsbild bleiben die Figuren des Romans eher blass, sind schwer fassbar. Zwar widerspiegelt das durchaus ihr Naturell, doch bleibt man als Leser dadurch immer aussen vor, fällt es nicht leicht, wirklich in die Geschichten einzutauchen.
  4. Dr. Mirriam Priess: Die Kraft des Dialogs
    Mirriam Prieß erläutert auf fundierte und gut lesbare Weise das Dialogprinzip, welches sie als grundlegend für ein erfülltes Beziehungsleben und damit für ein gelingendes Leben erachtet. Sie gibt dem Leser immer wieder Übungen an die Hand, mit denen dieser prüfen kann, wo er im Moment steht und wie er an einzelnen Punkten arbeiten kann. Zusätzlich führt Mirriam Prieß Beispiele aus der Praxis an, um an konkreten Fällen zu demonstrieren, wie sich eine fehlende Dialogstruktur auswirken kann und womit Verbesserungen herbeigeführt werden können.
  5. Marietheres Wagner: Epikurs Bibliothek
    Marie Theres Wagner stellt anhand von Büchern aus verschiedenen Genres Epikurs Philosophie vor.
  6. Ingeborg Bachmann: Malina
    Eine Liebesgeschichte, ein Roman um Themen wie Tod, Angst, Mord, ein Gesellschaftsroman, eine Zeitkritik, eine Sozialkritik, eine Suche nach der richtigen Sprache – und vieles mehr. Das ist Malina, die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern, einer Frau, auf der Suche nach Leben, ihrem Leben, eine Frau, die lieben will und durch die Traumata der Vergangenheit zu unsicher ist, sich wirklich einlassen zu können – ohne sich selber zu vergessen.
  7. Ingeborg Bachmann: Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews
    Obwohl Ingeborg Bachmann Interviews, generell Fragen zu ihrer Person als eher unangenehm empfand, existieren mehr als 50 davon. Dieser Band enthält dreissig davon in chronologischer Reihenfolge. Man erfährt einiges über Bachmanns eigene Ansichten zu ihrem Schreiben und zu den Absichten hinter einzelnen Büchern.
  8. Ingeborg Bachmann: Alles (Erzählung)
    Wie ein Kind das Leben von zwei Menschen verändern kann, wie Menschen unterschiedlich mit Kindern umgehen aus ihrer Sicht der Welt heraus: Die liebende Mutter, welche das Kind umsorgt und herzt und fördert, der ängstliche Vater, welcher distanziert hofft, dass das Kind nicht zu einem gewöhnlichen Menschen heranwächst, wie sie in dieser kranken Welt alle sind – und weiss, dass es doch passieren wird. Und hinter allem liegt ein drohendes Unglück.
  9. Volker Weidermann: Lichtjahre
    In vielen kleinen Kapiteln, von welchen jedes zwischen zwei und fünf Schriftstellern behandelt führt uns Volker Weidermann auf eine humorvolle, pointiert geschriebene und neben dem sehr hohen Unterhaltungsfaktor auch sehr fundierte, aus grossem Wissen schöpfende Reise durch die Literaturgeschichte nach 1945.
  10. Ingeborg Bachmann: Unter Mördern und Irren (Erzählung)
    Männer unter sich in einer von Männern und für Männer gemachten. Während die Ehefrauen sich zu Hause ihrem Leben als Opfer einer so ausgerichteten Gesellschaft ausgeliefert sehen, tauschen die Männer in Wirtshäusern Meinungen aus, suchen sich dabei selber und stehen immer wieder vor der einen Frage: Wie lebt man weiter nach dem Krieg, wenn plötzlich vorherige Opfer und Täter wieder in einer Gesellschaft zusammenleben müssen?

Abgebrochene Bücher

  1. Anna Brüggemann: Trennungsroman
    «Trennungsroman» handelt von den letzten Tagen einer Beziehung, davon, was wichtig ist in einer solchen und wann es Zeit ist zu gehen. Das Thema klang erst spannend, war dann aber nur ein alltägliches Dahinfliessen der Zeit mit einigen Gedanken und Zweifeln, umgeben von den Anforderungen des Alltags. Die Kapitel sind die verbleibenden Tage rückwärts gezählt, der Countdown läuft, leider fehlt die Spannung, das Ziel zu erreichen.

Bücher 2021 – Februar

Gelesene Bücher

  1. Natascha Lusenti: Die Welt in meinen Farben
    „Die Welt in meinen Farben“ ist die Geschichte einer jungen Frau, die ihren Platz im Leben erst finden muss, weil sie ihn durch zu viele Verluste verloren hat. Die Geschichte fängt sehr langatmig, wird dann aber immer einnehmender, bis sie den Leser vollends in den Bann zieht. Emilia wirkt als Charakter so glaubwürdig, so authentisch in ihrem Denken, Fühlen, Tun, das sich in einer grossen Verletzlichkeit äussert, dass man sie als Leser ins Herz schliesst und weiter begleiten will.Alles in allem ist Natascha Lusenti eine kleine, feine Geschichte voller Zärtlichkeit, Nachdenklichkeit, Mit-Menschlichkeit gelungen, die von der Suche nach sich selbst, von Zugehörigkeit, von Liebe, Angst und Glück handelt. Wären der unbefriedigende Anfang und ein paar zu ausführliche Ausschweifungen später nicht, könnte man sie rundum wunderbar nennen. (Rezension)
  2. Dorothea Brande: Schriftsteller werden
    Dorothea Brande schrieb das vorliegende Buch 1934 und seit da gilt es als Klassiker. Wichtig ist, was einen Schriftsteller überhaupt zum Schriftsteller macht, die Antwort lautet: Er schreibt. Was so einfach klingt, ist es in Tat und Wahrheit aber nicht. Wie viel hält Schreibwillige oft von dem ab, was sie eigentlich tun wollen? Ganz verschiedene Ängste treten plötzlich auf und lassen zögern, blockieren gar. Schriftsteller werden“ ist keine strukturierte Anleitung hin zu einem Roman, es ist ein Buch über die Entwicklung des Menschen hin zu dem, was er sein will: Schriftsteller. Brande schöpft dabei aus ihrer Erfahrung als Autorin und Lehrerin für Kreatives Schreiben. (Rezension)
  3. Anselm Grün: Das kleine Buch vom guten Leben
    Anselm Grün geht in diesem kleinen Buch der Frage nach, was ein gutes Leben ist und wie wir dieses leben können. Er beruft sich dabei auf die Religionen und Philosophien aus aller Welt, zitiert literarische Werke und alte Weisheiten. Für ein gutes Leben, so Anselm Grün, braucht es nicht viel, ausschlaggebend ist die innere Haltung, das, wonach wir unser Leben ausrichten.Anselm Grün überzeugt durch eine tiefe Weisheit, durch eine Belesenheit und einen offenen Blick ohne religiöse, philosophische oder lokale Grenzen. (Rezension)
  4. Doris Dörrie: Alles inklusive
    „Alles inklusive“ ist die Geschichte verschiedener Menschen, die alle mit ihrem Leben hadern, daran verzweifeln, falsche Entscheidungen treffen, sich selber ins Unglück reiten. Alle wirklichen sie auf ihre Weise verrückt und doch auch wie Menschen mit ihren Abgründen und Hoffnungen. Es ist die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung, die nie eine wirklich gelebte und gefühlte war und doch Boden für viele Anschuldigungen mit sich bringt. Doris Dörrie gelingt es, ohne Moralkeule und hochgehobenen Zeigefinger menschliche Schwächen zu erzählen, trotz vieler Tiefschläge und auch verkorkster Lebensentwürfe driftet das Buch nie ins Schwere ab. Es ist wohl gerade die Leichtigkeit des Erzählens, die einen immer weiter lesen lässt, auch wenn die Geschichte ab und an etwas langatmig und gar abstrus wird. (Rezension)
  5. Steven King: Vom Leben und vom Schreiben
    Einer der erfolgreichsten Schriftsteller erzählt aus seinem Leben, das immer auch sein Schreiben mitbeinhaltet, macht es doch einen Grossteil seines Lebens aus. In diesem Buch lässt Steven King den Leser hinter die Kulissen schauen, zeichnet seinen Lebensweg nach und erläutert, was er für grundlegend wichtig hält, wenn jemand schreiben will: Ein Zimmer mit einer Tür, die man abschliessen kann, einen geregelten Tagesablauf mit festen Schreibzeiten, festgesetzte Tagesziele gehören ganz oben auf die Liste. (Rezension)
  6. Marco Missiroli: Treue
    Carlo und Margherita sind ein schönes und ein glückliches Paar, er Dozent für Literatur, sie Inhaberin einer Immobilienagentur. Als Carlo eines Tages auf der Universitätstoilette mit einer jungen Studentin erwischt wird, behauptet er, dieser nur nach einem Schwächeanfall geholfen zu haben. Der Vorfall bleibt als Stachel in der Beziehung. War wirklich alles nur ein Missverständnis? Oder ist entgegen der Behauptungen mehr passiert? Carlo und Margherita gehen unterschiedlich mit dieser Geschichte um, doch auf ihre Weise wird sie für beide eine Obsession. (Rezension)
  7. Jesse Falzoi: Creative Writing
    Ein Schreibkurs in 16 Lektionen, der sich damit befasst, das Handwerk des Autors zu vermitteln. Wie müssen Charaktere gestaltet sein, damit sich ein Leser mit ihm identifizieren kann, wo fängt eine Geschichte an und wie endet sie, was ist ein Thema der Geschichte und worauf baut der Plot auf? Welchen Stellenwert hat der Dialog, und womit beginnt man beim Schreiben einer Geschichte? Wann ist diese fertig? Diese und weitere Fragen behandelt Jesse Falzio und gibt immer auch Übungen vor, an denen man das Gelesene ausprobieren kann.
  8. Maxim Leo: Wo wir zu Hause sind
    Maxim Leos Berliner Familie ist sehr überschaubar, das, was man landläufig sonst als Familie bezeichnet, ist über den ganzen Erdenball verteilt, an spannenden Orten, wie Maxim als Junge denkt, während er im langweiligen Deutschland sitzt. Die Verteilung hatte ernste und tragische Gründe, die Machtübernahme der Nationalsozialisten liess der Familie keine andere Wahl, wollte sie überleben. Ein gelungenes Buch, ein Buch über Menschen, denen das Leben viel genommen hat, ein Buch über Menschen, die Opfer eines Unrechtsregimes wurden, ein Buch, das von den Sehnsüchten und Wünschen von Menschen handelt, welche ein Leben weit weg vom ursprünglichen Lebensentwurf suchen mussten, und ein Buch über Menschen, die dieses Leben fanden und lebten. (Rezension)
  9. Colum McCann: Briefe an junge Autoren
    Briefe an junge Autoren ist kein Schreibratgeber im üblichen Sinne. Column McCann sieht sich eher als Begleiter, als einer, der schreibt, dabei das ein oder andere über die Jahre gelernt hat und nun ein bisschen davon weitergeben will. Entstanden sind leicht lesbare, mit viel Humor und Selbstironie gewürzte kurze Texte rund ums Schreiben, Texte, die anregen, die Mut machen wollen, die dem verzweifelt vor dem leeren Blatt sitzenden jungen Autor sagen wollen: Wir waren alle an dem Punkt, wir kommen wieder an den Punkt, es gibt nur eines: Weiter schreiben. (Rezension)
  10. Ronald B. Tobias: 20 Masterplots
    Nach welchen Mustern ist eine Geschichte aufgebaut? Was steht im Zentrum der Geschichte? Figur oder Handlung? Wie muss ich meine Geschichte aufbauen, dass sie für einen Leser spannend ist? Ronald B. Tobias skizziert 20 verschiedene Möglichkeiten von Plots, ob es eine Liebesgeschichte, eine Suche nach Rache, eine Rettung oder eine Flucht sein soll, in allen Varianten zeigt er auf, wie und wieso sich ein Protagonist verändert und worauf das Augenmerk liegen muss, damit der Plot funktioniert.
  11. Doris Dörrie: Diebe und Vampire
    Diebe und Vampire ist ein Roman über das Schreiben, ein Roman über das Leben einer jungen Frau, die vom Traum, Schriftstellerin besessen ist, aber mehr Gründe dafür findet, nicht zu schreiben, als zu schreiben. Es ist ein Buch, das von den Ängsten und Nöten des Schreibens handelt, ein Buch, das auch autobiographische Züge trägt zumindest, was den Schreibprozess, den Akt des Schreibens betrifft. Es ist aber auch ein Buch über das Scheitern, das Älterwerden – schonungslos, offen, teilweise etwas abstrus, teilweise verwirrend, weil nicht klar ist, was real und was Phantasie der Protagonistin ist, dabei aber unterhaltsam und flüssig zu lesen. (Rezension)
  12. Clara Maria Bagus: Die Farbe von Glück
    Antoine ist sechs, als ihn seine Mutter verlässt. Verzweifelt und tieftraurig bleibt er im Haus zurück, wo ihn Charlotte findet und bei sich aufnimmt. Mit viel Liebe und Geduld schafft sie es, anstelle von Trauer und Verlassenheit durch Zuversicht und Lebensfreude zu ersetzen. Sie haben nicht viel, aber sie haben einander und das ist für beide das wichtigste. Und genau das gerät in Gefahr, als eines Tages Jules auf Charlotte bei ihrer Arbeit im Krankenhaus zukommt und von ihr verlangt, sein gerade geborenes kränkliches Kind mit einem gesunden zu tauschen. Sonst nähme er ihr Antoine. Ein Buch über Schuld, Verlust und Trauer, aber auch über Liebe, Vertrauen und Selbstverantwortung. Wenn auch teilweise langatmig und zu esoterisch, so doch empfehlenswert. (Rezension)
  13. Elisabeth Jacquet: Wir zwei
    Elisabeth Jacquet denkt sich in kleinen Häppchen durch das Leben zu zweit, auf das gefühlte und geteilte Miteinander. Sie zeigt, wie aus Dingen plötzlich gemeinsame Dinge werden, sogar die Welt wird zu einer geteilten. (Rezension)
  14. Inka Piepgras: Schreibtisch mit Aussicht. Schriftstellerinnen über ihr Schreiben
    Schriftstellerinnen über die Schulter geschaut: Was bedeutet es, zu schreiben? Wie sieht der Weg vom Gedanken hin zum Buch aus? Womit hat man dabei zu kämpfen? Vor allem als Frau? Das Buch konzentriert sich auf Frauen, da diese auch heute noch wenig präsent sind im Literaturbetrieb. Entstanden ist ein offenes und ehrliches Buch, das von Ängsten und Nöten spricht, vom Spagat zwischen Familie und Schreibtisch, von Schuldgefühlen und Zweifeln. (Rezension)

Abgebrochene Bücher:

  1. Julian Barnes: Der Mann im roten Rock
    „Die Kunst überdauert persönliche Launen, Familienstolz, gesellschaftliche Dogmen; die Kunst hat immer die Zeit auf ihrer Seite.“
    Ein schöner Satz aus einem sonst sehr schwierigen Buch für mich. Ich habe mit Julian Barnes’ „Der Mann im roten Rock“ begonnen und von Anfang an gekämpft. Ich liebe Barnes, vor allem „Vom Ende einer Geschichte“ war wunderbar, aber hier? Erzählt wird das Leben eines zu seiner Zeit bekannten Arztes (Gynäkologen). In Bruchstücken werden Beziehungen vorgestellt, Lebensabschnitte beleuchtet, wird das Bild eines Menschen und seiner Zeit gemalt. Das Buch ist wahrlich gut recherchiert, aus einem reichen Fundus von Hintergrundwissen heraus geschrieben, aber es spricht mich in seiner Form und Sprache gar nicht an. Mir fehlt die Geschichte, mir fehlt das wirklich erzählende Element. So ist es für mich zu wenig strukturiert, Sachbuch zu sein, zu wenig erzählt, um Roman zu sein.
  2. Carole Fives: Kleine Fluchten
    Eine alleinerziehende Mutter, ein bildschöner, kleiner Junge, und doch zu viel alles. Sie hadert, sie leidet, sie sucht Fluchten, denkt daran, ihn mit einer Weste zu ersticken, obwohl sie ihn liebt. Ein wichtiges Thema ein reales Problem. Und doch… es war zu viel. Zuviel an Dramatik, zu viel an Deprimierendem. Ich weiss wahrlich aus eigener Erfahrung, wie viel es sein kann… in einer Geschichte wäre weniger mehr gewesen. Für mich. Ich konnte nicht weiter lesen. Vielleicht war ich auch zu nah dran – wer weiss.
  3. Thea Dorn: Trost. Briefe an Max
    Eine Postkarte ihres alten Lehrers löst bei Johanna einiges aus. Die ganze Verzweiflung über Corona, den Tod ihrer Mutter, den Schmerz des Verlustes und vieles mehr bricht aus ihr heraus. Ich hatte vom Buch mehr Philosophie erhofft, in dieser Form und vor allem mit dem Inhalt sprach es mich leider gar nicht an. Gut möglich, dass es auch damit zusammen hängt, dass Corona aktuell schon zu viel Thema ist, ich möchte es wohl nicht auch noch lesen.
  4. Christine Girard: Mademoiselle Edith. Hymne an die Liebe
    Die Geschichte einer grossen Sängerin und einer Frau, die ihr Leben lang die Liebe sucht und viele Enttäuschungen erleben muss – bis sie auf den Einen trifft. Das Buch wechselt sprunghaft zwischen den Zeiten (etwas, das ich generell nicht mag, wenn es nicht dringend nötig ist), gewisse Rückblenden bringen dem Fortgang der Geschichte wenig. Auch sonst vermisste ich das Tempo in der Geschichte, zu viele Dialoge mit Geplänkel und Beschreibungen liessen den Lesefluss kaum in Gang kommen.
  5. Gillian Best: Martha und das Meer
    Martha braucht das Meer wie andere Menschen die Luft zum atmen. Als sie John kennenlernt und sie eine Familie gründen, steigt sie für 10 Jahre nicht mehr ins Meer, bis ihr bewusst wird, dass sie sich damit selber verloren hat – und sich wieder finden muss. Sie weiss, wenn sie nicht wieder ins Meer steigt, wenn sie nicht wieder schwimmt, wird sie dieses Leben so nicht weiter führen können…
    Das Buch klang so vielversprechend, doch es schleppte sich dahin, die Figuren waren zu schwach, als dass sie die fehlende Handlung hätten ausgleichen können.
  6. Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees
    Als sein Freund aus der Abtei austritt und eine Familie gründet, sieht sich Lukas vielen Fragen ausgeliefert: Ist sein Weg wirklich noch der richtige? Als dann auch noch eine Frau in sein Leben tritt, steht er vor einer Entscheidung.
    Auch hier wäre das Thema wirklich spannend, doch ich fand nicht in die Erzählung rein. Die Figuren blieben unfassbar, es war für mich alles zu abgehackt und mir fehlte ein wirklicher Erzählfluss. Dem Buch gebe ich aber noch eine Chance.

Bücher 2021 – Januar

Meine Lesereise im Januar auf einen Blick – Eine Liste der Bücher, die ich im Januar 2021 gelesen habe:

  1. Blake Gopnik. Andy Warhol
    Angefangen bei seiner Kindheit in Pittsburgh als Sohn einer armen Bauernfamilie erzählt Gopnik auf mitreissende und nie langweilig anmutende Weise Warhols Lebensweg, lässt den Leser daran teilhaben, wie die einzelnen Etappen Warhols späteres Schaffen beeinflusst haben könnten. Nach einem sehr erfolgreichen Start in der Werbe- und Textilindustrie entschied sich Warhol für ein Leben als Künstler, nahm dabei aber viel seiner früheren Arbeit mit.
  2. Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen – eine Einladung zum Schreiben
    Doris Dörrie schreibt mit diesem Buch wohl eines der persönlichsten, das sie bislang geschrieben hat. Es ist ein Buch über ihr Leben, über ihre Erinnerungen an einzelne Momente dieses Lebens. Ein wunderbares Buch, das zum nachdenken, weiterdenken, sich erinnern und schreiben animiert.
  3. Santiago Amigorena: Kein Ort ist fern genug
    Die Geschichte eines polnschen Auswanderers, der im fernen Argentinien mit dem Leid seiner zurück gebliebenen Mutter im Krieg konfrontiert ist und sich Fragen nach Identität, Schuld und Verantwortung stellt. Ein tiefes, bewegendes, mitreissendes Buch, das zum nachdenken, weiterdenken, sich und das Leben hinterfragen anregt.
  4. Bas Kast: Das Buch eines Sommers
    Bas Kast erzählt sehr fein und leise die Geschichte eines Mannes, der sich selber wieder finden muss, weil er sich vor Jahren von sich entfernt hat – ohne dies selber zu merken. Es ist eine Geschichte einer Liebe, die Geschichte vom Erfolg, aber auch eine Geschichte über Verlust und Aufgabe. Ein wunderbares Buch, das einen an die Hand nimmt und auf eine Reise mitnimmt, die im besten Fall zu einem selber führt.
  5. Ilona Hartmann: Land in Sicht
    Ilona Hartmann schreibt mit „Land in Sicht“ die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln. Sie begibt sich auf eine Reise, wo sie ihren Vater trifft, ohne den sie aufgewachsen ist. Jana trifft auf dieser Reise nicht nur ihren Vater, sie wird auch mit vielen eigenen Vorurteilen, Vorstellungen konfrontiert, die sie revidieren muss. Und sie wird immer wieder auf sich selber zurück geworfen, erkennt, was sie nicht wahrhaben wollte.
  6. Hera Lind: Die Frau zwischen den Welten
    Als Kind einer Deutschen und eines Tschechen erfährt Ella schon als kleines Kind, wie es ist, zwischen den Stühlen zu sitzen. Das Schicksal will es, dass ihre Familie immer auf der falschen Seite steht und das machthabende Regime gegen sich hat. Die Frau zwischen den Welten ist ein bewegendes Buch über eine Frau, die vom Schicksal mehr als auf die Probe gestellt wurde. Als sie auf die Liebe ihres Lebens trifft, scheint endlich alles gut zu werden – doch hält das Glück an?
  7. Ray Bradbury: Zen in der Kunst des Schreibens
    Das Buch versammelt 11 zu unterschiedlichen Zeiten geschriebene Essays, welche sich mit verschiedenen Aspekten von Bradburys Schreiben befassen. Dabei kann der erste als grundlegend für die anderen gelten, heisst er doch „Die Freude am Schreiben“. Einblicke in das Schreiben eines Autoren, auf humorvolle und unterhaltsame Weise vermittelt. Kein Schreibratgeber im üblichen Sinne, aber ein Buch, bei der die Freude am Schreiben aus allen Zeilen tropft.
  8. Delphine de Vigan: Dankbarkeiten
    Früher unabhängig und stolz auf ihre Fähigkeit, mit Sprache umzugehen, verliert Michka nach und ach, was ihr mal wichtig war: Wörter. Eins ums andere lässt sich nicht mehr finden, sie taucht vergeblich danach oder ersetzt es durch ein anderes, ähnlich klingendes. Delphine de Vegan erzählt auf stille und fast zärtliche Weise die Geschichte einer Frau, die damit konfrontiert ist, immer mehr zu verlieren. Dankbarkeit ist ein Buch über das Altern, über den Verlust, aber auch ein Buch über das Leben, die Dankbarkeit und die Kraft des Mitgefühls, des Mit- und Füreinanders.

Rezension: Mark Franley – Schmutzige Seelen

Als ihr irgendwann die Sinne schwanden und der Kopf nach vorne überkippte, hatte er endlich von ihr abgelassen und deutlich ruhiger als zuvor gefragt: »Hast du es jetzt verstanden?«
Nun saß sie da, schmeckte den Schweiß, die Tränen und das Blut im Mund. Die Schläge schienen in ihren Ohren nachzuhallen. Ja, sie hatte seine Worte verstanden. Doch die Forderung war so ungeheuer, dass sich ihr Kopf weigerte, auch nur darüber nachzudenken.

FranleyRuben Hattinger macht Ferien mit seiner Familie, was selten genug vorkommt, als es vor Ort zu einem grausamen Verbrechen kommt – Sein Berufseifer ist geweckt, er macht sich an die Ermittlungen. Unterstützt wird er dabei von der ortsansässigen Oberkommissarin, die einerseits von seiner Beobachtungsgabe beeindruckt ist, sich andererseits nicht zu selten über seine exzentrische, wenig zugängliche und auch mal schroffe Art wundert. Vor allem mit dem Wundern steht sie nicht alleine, da sich Hattinger durch seine wenig zugängliche Art nicht nur Freunde macht.

Aus einem Fall wird schnell eine Serie, Verdächtige sind schnell gefunden, dann auch ein Täter. Nur: Hattinger ist sich nicht sicher, ob sie sich nicht irrten. Sein Verdacht gilt einem anderen, einem, dem man nichts nachweisen kann, einer, der über alles erhaben scheint. Hat er sich verrannt?

Nach einer sehr langen Lesepause, was Literatur und Krimis anbelangt, war dies mein erster Griff ins Regal und ich wurde nicht enttäuscht. Von der ersten Seite packte mich die Geschichte, deren Plot schlüssig und mit dem nötigen Spannungsbogen versehen ist. Die plastischen Charaktere, die durch ihre verschiedenen Facetten sehr authentisch erscheinen, haben den Sog, den die Geschichte ausübte, noch verstärkt.

Die sehr detaillierten sexuellen Szenen hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht, sie taten dem Buch aber auch keinen Abbruch. Die Verbrechen schlugen dafür in die andere Richtung aus, liessen an Perfidität und Grausamkeit wenig Luft nach oben. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Thriller, den man so leicht nicht mehr aus der Hand legt.
Fazit:
Scmutzige Seelen ist ein Krimi, der einen durch einen stimmigen Plot und plastische Figuren kaum mehr loslässt – ein wahrer Pageturner. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor: Mark Franley
1972 in Nürnberg geboren, ist Mark Franley bis heute seiner Heimat treu geblieben. Inspiriert durch die lange und oftmals auch dunkle Geschichte seiner Stadt, wird diese zur perfekten Kulisse für das, was einen guten Psychothriller ausmacht.
Die Eigenschaft mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, spiegelt sich in all seinen Geschichten wieder und erklärt sicherlich auch seinen Erfolg.
Immer wieder finden sich gesellschaftliche Themen, geschickt eingebettet in fiktive Geschichten, und regen so zum Nachdenken an. Einige kurze, prägnante Sätze genügen, um den Leser in eine andere Welt zu holen und ihn dort festzuhalten. Spannung ist in jedem Fall garantiert!

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 383 Seiten
Edition M (27. August 2019)
ISBN-Nr.: 978-2919807505
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90

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Tischsituation 2/12

September 2017

Schon wieder ein Monat vorbei – mein Monatsbild steht an. Ein Jahr lang soll man jeden Monat vom selben Ort/Gegenstand ein Bild machen und damit den Lauf der Zeit dokumentieren. Darum nun hier:

Die Tischsituation am 1. September

Die Platzbelegung durch die Bücher hat einige Male geändert über die Tage/Wochen, neue Schwerpunkte kamen dazu, Rezensionen wurden geschrieben, Bücher gelesen und gingen zurück ins Regal – andere gingen ungelesen oder nur angelesen zurück.

Was liegt aktuell da und wieso? (um nicht auszuufern werde ich nicht zu allem etwas schreiben)

Beginnen wir links unten:

  • Mohaefez, Rittiner & Gomez: Kitsune (Drei Mikroromane wunderbar illustriert von Rittiner und Gomez – wegen der Illustrationen musste ich es auch unbedingt haben und: Wirklich toll!)

Darüber liegen von unten nach oben:

  • Joan Didion: Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben (Essays über die Aufbruchsstimmung im Amerika der 60er Jahre, über Joen Baez, John Wayne und andere – wollte ich unbedingt lesen, kam aber bislang nicht dazu und stelle es wohl nächstens ins Regal zurück)
  • Robert Gernhardt: Der letzte Zeichner /(Robert Gernhardt schreibt und zeichnet sich mit spitzer Zunge und Feder durch die Welt der Kunst – auch da kam ich bislang nicht dazu, etwas zu lesen)
  • Robert Gernhardt: Reim und Zeit (Gedichte – ich liebe Gedichte und ich liebe Robert Gernhardt)
  • Robert Gernhardt: Hier spricht der Zeichner (Wie ich schon sagte: Ich liebe Robert Gernhardt, hier haben wir Bildwitze, Cartoons, Bildergeschichten- und Gedichte)
  • Milne: Ich und DU, der Bär heisst Pu (Dazu muss man wohl nicht mehr sagen als nur: WUNDERBAR!)
  • Hans Traxler: Alpentrilogie (Traxler liebe ich auch – hier sind drei Bild-Romane in einem Band)ich neben Kant auf meiner Zugfahrt nach Thun dabei und habe mehrmals laut gelacht – mein Gegenüber schaute mich ganz erstaunt an J )

Der Stapel darüber besteht aus:

  • Hanna Frey: Es konnte mich nicht zerstören (Die Geschichte einer schweren Kindheit zwischen Alkohol, Pflegefamilien und Heimen)
  • Michael Fehr: Glanz und Schatten (Erzählungen eines Schweizer Autors in einer sehr eigentümlichen Sprache – leider habe ich noch viel gelesen, will ich aber sicher noch tun)
  • Emerson: Von der Schönheit des Guten (Betrachtungen und Beobachtungen, die ich immer mal wieder auszugsweise lese)
  • Roger Willemsen: Die Enden der Welt (will ich unbedingt lesen, komme aber nicht dazu – vermutlich geht es ihm bald wie Joal Didion, was aber nicht an den beiden Büchern liegt, sondern meiner aktuellen Stimmung geschuldet ist)
  • Rainer Maria Rilke: „Im ersten Augenblick“. Bildbetrachtungen (Herr Rilke schreibt über Bilder – immer mal schön, drin zu blättern der Texte und der Bilder wegen)

Rücken wir eine Position nach rechts:

  • Max Frisch: Fragebogen (ich habe ja immer mal wieder einen beantwortet, mache ich vielleicht mal wieder, drum liegen sie noch da)
  • Goscinny & Sempé: Le Petit Nicolas (mein Französisch-Lern-Projekt *hüstel)
  • Arezu Weitholz: Der Fisch ist ein Gedicht. Beste Fischgedichte (Der Name sagt schon alles – soll noch rezensiert werden)

Und noch eins nach rechts:

  • Jahrbuch der Lyrik 2015 (Einblicke in die aktuelle Lyrik – will noch rezensiert werden)
  • Meine beste Freundin. Geschichten, Gedichte, Briefe (wollte ich noch rezensieren, würde allerdings nicht wirklich berauschend. Ich hatte mir das Buch so schön vorgestellt und war dann eher enttäuscht… Es fehlt für mich an Gefühl, an rotem Faden, an… aber lassen wir das hier)
  • Theodor Storm: Wohin du gehst, wohin du irrst. Notwendige feine Gedichte (ich liebe Gedichte, ich lese Gedichte, man kann nie genug Gedichte haben – wird bald auch noch rezensiert, weil es einfach ein schönes Buch ist)
  • Henry David Thoreau: Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen. Spitze Ungehorsamkeiten (Der Titel verlockt, nicht? Ging mir eben auch so, drum liegt es hier und will noch gelesen werden)
  • Frank Berzbach, Saskia Wragge: Die Sprache der Schuhe (Toll illustriert, schön beschrieben – was uns Schuhe zu sagen haben – werde ich bald noch rezensieren)

Wir gehen weiter nach rechts:

  • T.A. Hoffmann, Lisbeth Zwerger: Der Nussknacker (Ich mag Hoffmann, ich mag illustrierte Bücher, die Kombination hier ist wunderbar.)
  • Antje Herzog: Lampe und sein Meister Immanuel Kant (war natürlich ein Muss für mich – und es ist wirklich ein wunderbares Buch, das mir die Fahrt nach Thun diese Woche enorm verkürzt hat)
  • Graham Greene: Der dritte Mann, illustriert von Annika Siems (wie schon gesagt, liebe ich illustrierte Bücher, ich bin also gespannt, denn das habe ich noch vor mir)
  • Hermann Hesse: Kinderseele (eine autobiographische Erzählung von Hermann Hesse über seine Kindheit, sehr interessant illustriert von Marie Wolf – will ich noch rezensieren)
  • Mehrdad Zaeri: Kluge Frauen sind gefährlich. Aphorismen von Jane Austen bis Katharina die Grosse (ganz toll illustriert)
  • Laozi: Daodejin, übertragen von Jan Philipp Reemtsma
  • Catherine Krahmer: Kollwitz (Die Biographie wollte ich unbedingt lesen, kam aber noch nicht dazu)
  • Peter Jenny: Notizen zur Fotogestaltung. Findet Sie der Zufall? (Das Buch will dazu anregen, in den eigenen vier Wänden auf Fotosafari zu gehen – ich bin gespannt, kam noch nicht dazu, es anzusehen)

Und zu guter Letzt:

  • Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne (ein wunderbarer Bildband – ich werde ihn bestimmt bald noch rezensieren)
  • Kollwitz – Dix – Grosz. Kriegszeit (auch das ein wunderbarer Bildband, den ich noch rezensieren werde)
  • Kunstmuseum Basel: Der verborgene Cezanne (Cezannes Skizzenbücher erstmals so ausführlich vorgestellt – die Ausstellung läuft noch, ich hoffe, ich schaffe es. Aber: Der Bildband ist toll, wirklich einfach nur schön!)
  • Christoph Niemann: Words (ich habe kürzlich eine Doku über Christoph Niemann gesehen und da kam dieses Buch vor – gefährlich. Aber: Wirklich witzig: Um die Ecke gedacht und gezeichnet)

Fast hätte ich die Mitte vergessen:

  • Chris Riddell: A Doodle a Day (ein wirklich witziges Buch, das zum täglichen Doodeln anregen will)

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Das war meine Tischsituation für den September – ich bin gespannt, wie das alles im Oktober aussieht.

Literatur im Netz – 26. August 2017

Es ist wieder Samstag und ich möchte weitere 10 Artikel vorstellen, über die ich die Woche durch im Netz gestolpert bin. Allen gemeinsam ist, dass sie sich um Literatur im weitesten Sinne drehen.

Bücher im Café

Der Kaffeehaussitzer liest gerne in Kaffees – der Name verrät es schon –, liest Bücher und bloggt darüber. Er hat Karla Paul ein Interview dazu gegeben

Der Artikel: HIER

Mit Adam Zagajewski durch Krakau

Der wohl wichtigste polnische Lyriker zeigt seine Heimat Krakau.

Der Artikel: HIER

Äsops Fabeln

Tierfabeln, die unterhalten, dabei aber eine tiefere Botschaft mit sich bringen – Weisheiten in Geschichten verpackt, damit der Leser etwas fürs Leben lernt.

Der Artikel: HIER

Ägypten in Zeiten des Umbruchs – eine Schriftstellerin erzählt

Die Autorin Mansura Eseddin erzählt über Ihre Heimat, die politische Situation und die Funktion von Literatur für sie.

Der Artikel: HIER

Wenn Literatur Brücken baut

Das Literaturfest »Poetische Quellen« in Bad Oeynhausen und Löhne sowie die »Sarajevoer Poesietage« wollen in Zukunft zusammenarbeiten. Der Autor Dzevad Karahasan hat daran massgeblichen Anteil und er spricht darüber.

Der Artikel: HIER

Sketchnotes – Notizen aufgepeppt

Wer genug hat von den ewig gleichen langweiligen Notizen, für den gibt es Sketchnotes. Man muss dafür nicht Picasso sein, und: Man kann es lernen. Zum Beispiel mit dem Buch hier.

Der Artikel: HIER

Die Interior-Design-Welt der Buchblogger

Buchbloggern scheint es nicht mehr so sehr um Literatur zu gehen, sondern um die ästhetische Präsentation des Leseerlebnisses.. Habe ich bei Instagram genauso gefühlt und bewege mich drum ein wenig weg da. Was denkt ihr dazu??

Der Artikel: HIER

Buchblog-Award

Welcher Buchblog hätte einen Award verdient? Es winken Preise.

Der Artikel: HIER

Kindern Lesefreude vermitteln

In Wien gibt es im Wiener Allerhgeiligenpark eine Leseaktion. Unter dem Motto „Wer sich auf die Decke setzt, ist willkommen“ soll Kindern Freude am Lesen vermittelt werden.

Ein Projekt, das man vielleicht auch an anderen Orten starten könnte?!

Der Artikel: HIER

Der Zeichner und Autor Hans Traxler im Gespräch

Jeder kennt sie wohl, die Zeichnung, die aus Helmut Kohl eine Birne machte. Ihr Schöpfer erzählt, wie er auf die Idee kam.

Der Artikel: HIER

Auch heute wieder eine Zugabe:

Max und Moritz – wer kennt sie nicht?

Ein Artikel über die Geschichte des Comics, die natürlich auch Max Buschs „Max und Moritz“ ins Visier nimmt.

Der Artikel: HIER

Literatur im Netz – 19. August 2017

DSC_0013Es ist wieder Samstag und ich möchte weitere 10 Artikel vorstellen, über die ich die Woche durch im Netz gestolpert bin. Allen gemeinsam ist, dass sie sich um Literatur im weitesten Sinne drehen.

Ein Interview mit Affinity Konar

Affinity Konars Roman „Mischling handelt vom Schicksal der Zwillingsschwestern Perle und Stasia, die 1944 nach Auschwitz deportiert und dort zu Mengeles Versuchsopfern werden.

Der Artikel: HIER

Martin Suter im Interview

Martin Suter hat auf Stichworte reagiert und plaudert aus dem Nähkästchen zu frühen Erinnerungen, Reisen, Beziehungen.

Der Artikel: HIER

Nele Neuhaus im Gespräch

Die bekannte Krimiautorin Nele Neuhaus erzählt über die Angst vor dem weissen Blatt Papier, wie sie mit den Verrissen ihrer Bücher durch Denis Scheck geht und über Krimis allgemein.

Der Artikel: HIER

Bolivianische Bücher und Literatur

Ein Artikel über die Lage der bolivianischen Literatur – Verlage, Autoren, Hoffnungen

Der Artikel: HIER

Goethes Faust – kurz und knapp

Für all die, deren Schulzeit schon ein bisschen zurück liegt und die die Handlung von Goethes Faust vergessen haben: Eine Zusammenfassung.

Der Artikel: HIER

Ausstellung: Grosser Stoff in kleiner Schale

Bücher im Kleinstformat lagern im Magazin des Mainzer Gutenberg-Museums. Ein Lesevergnügen wird das wohl kaum mit Lupe und Pinzette, aber süss anzuschauen sind sie allemal.

Artikel: HIER

Ausstellung: Kafka. Der ganze Prozess

Das fand ich nicht, das möchte ich einfach jedem nochmals ans Herz legen, der Kafka mag – die Ausstellung dauert noch bis am 28. August. Gezeigt wird das 100 Jahre alte Manuskript von Kafkas Roman „Der Prozess“.

Der Artikel: HIER

Auf den Spuren Lessings

15 Orte, an denen Gotthold Ephraim Lessing gewesen ist – Eine Literaturreise, die beim Lessing Museum in Kamenz beginnt und in Braunschweig endet.

Der Artikel: HIER

Der deutsche Buchpreis 2017

Von Jahr zu Jahr gibt es mehr kritische Stimmen zum deutschen Buchpreis, die Auswahlkriterien, Themenwahl sowie die Geschlechterverteilung bei den Autoren werden heiss diskutiert. Hier einige Gedanken dazu sowie die diesjährige Longlist.

Der Artikel: HIER

Wenn die Regale zu voll werden

Wer gerne liest, kennt das Problem: Die Regale platzen aus allen Nähten, Bücher müssen weg. Was läge näher, als ein neues Zuhause für sie zu suchen? Tipps und Tricks, wie man gebrauchte Bücher am besten online verkaufen kann.

Der Artikel: HIER

Ich weiss, die 10 sind eigentlich voll, aber den hier wollte ich euch nicht enthalten:

Lesen als Medizin

Als hätten wir das nicht schon immer gewusst: Bücher tun gut und sie können mitunter auch helfen.

Der Artikel: HIER