Tagesbild: Der Nachtschwärmer

Guten Morgen

Abschied
Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt. 
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes 
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes 
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt. 

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen, 
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ, 
zurückblieb, so als wärens alle Frauen 
und dennoch klein und weiß und nichts als dies: 

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen, 
ein leise Weiterwinkendes – , schon kaum 
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum, 
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.
Rainer Maria Rilke

Noch ist es dunkel draussen, doch bald bricht der neue Tag und damit auch die neue Woche an. Für mich ist es die letzte Woche in Spanien, dann geht es zurück in die graue und doch eher kühle Schweiz. Auch wenn ich mich auf vieles freue, hängt ein wenig Wehmut in der Luft. Das ist immer so bei den Abschieden. Beim Leben an zwei Orten überwiegt klar das Schöne und Gute, aber es fehlt auch immer etwas, etwas, das eben am anderen Ort ist. Aber noch lasse ich der Wehmut keinen zu grossen Platz, ich habe noch viele Ideen, die ich diese Woche noch umsetzen will, dann freue ich mich noch auf viele schöne Momente hier.

Habt einen schönen Tag!

Tagesbild: Katze im Skizzenbuch

Guten Morgen
Als Kind waren wir immer in einem Hotel mit zugehörigem Bauernhof in den Ferien. In den Ställen tummelten sich die Katzen, sie waren mehrheitlich wild und doch versuchten wir Kinder, sie zu zähmen. Wie schön, wenn sich eine wirklich mal streicheln liess. Ich hätte mit immer als Hundemensch bezeichnet, bin auch mit Hunden aufgewachsen. Als ich auszog, zog ich mit einer Katze zusammen, da ein Hund nicht in meinen Alltag gepasst hätte und ich ohne Tier nicht leben wollte. Wie naiv war ich gewesen, als ich dachte, eine Katze sei wie ein Hund, die müsse nur nicht raus. Es war ein regelrechtes Zusammenraufen, doch wir haben es gut hingekriegt.

Viel später wurde dann der Traum vom eigenen Hund doch wahr, zuerst noch parallel mit Katze, später dann allein. Hätte man mich noch vor wenigen Tagen gefragt, ob ich ein Katzen- oder Hundemensch bin, wäre die überzeugte Antwort gewesen: Hundemensch. Doch dann sah ich diese Sendung im TV. Und war fasziniert. Ich sass wohl die ganze Zeit mit einem Strahlen im Gesicht vor dieser Kiste und war wie gebannt. Danach musste ich gleich eine Katze zeichnen. Und erinnerte mich dabei, dass mein Name bei den Pfadfindern Felia gewesen ist – damals sagten sie mir, das hiesse Katze auf Ägyptisch. Ich habe das heute nachgeprüft, es heisst „die Glückliche“, „die Helfende“, „die Erfolgreiche“. Auch nicht schlecht.

Was bin ich denn nun? Hunde- oder Katzenmensch? Und ihr?

Habt einen schönen Tag! 💕

Tagesbild: Die Aubergine

Guten Morgen

„Die Regenzeit lässt sich durch Auberginen-Genuss gut ertragen.“

Dieses koreanische Sprichwort deutet darauf hin, dass Auberginen den Sommer in sich tragen. Die Zeit der Sehnsucht kann man sich also quasi durch den Genuss versüssen. Nun bin ich ja durch und durch Sommermensch (wenn auch im Winter geboren – vielleicht gerade drum), so dass ich mir das zu Herzen nahm und die Aubergine zwar nicht gegessen, aber gezeichnet habe. 

Ich verstehe gut, was Goethe meinte, als er sagte: 

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiss, was ich leide…“

Ein wirkliches Leiden ist es zwar nicht, und doch: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer…“

Habt einen schönen Tag!

(Bild des Tages: Die Aubergine)

Tagesbild: Der Olivenzweig

„Vom Wind umweht, mit leisem Rauschen, sieht
der Baum den Wellen zu. Er steht schon lang, ist
alt und weise, stolze Kraft auf festem
Grund, der hält und ihn zum Himmel treibt .

Was klein begann mit einem Stein, das wuchs
in Ringen an und an. Erst nur ein Stamm,
dran Äste dann, die weit und breit ins Land
ausschweifen, es ergreifen, Blätterregen

um sich legen und daran ganz klein
ein Stein in grüner Hülle, die in sich
Genuss mitträgt. Es scheint die Sonne, nährt

Die Früchte, lässt sie reifen, rund und prall, bis
eines Tages diese fallen, und zu
neuem Leben streben – irgendwann.“
SVS

Vor meinem Schlafzimmer steht ein Olivenbaum. Zu ihm geht mein erster Blick, wenn ich auf die Wiese trete. Nie habe ich mich an ihm satt gesehen, immer wieder entdecke ich Neues an ihm. Matisse sagte einst:

„Eine vertiefte Studie erlaubt es mir, vom Gegenstand meiner Betrachtung Besitz zu ergreifen und mich bei der endgültigen Ausführung des Bildes mit ihm zu identifizieren.“ 

Ähnlich auch Wolfgang Tillmans:

„Wenn man sich nicht für die vielseitigen Qualitäten eines Baumstamms interessiert, kann man sich den Gegenstand auch nicht künstlerisch aneignen, indem man ihn malt, zeichnet, filmt oder fotografiert.“

Und so wird mich der Baum auch weiter jeden Morgen fesseln. 

Habt einen schönen Tag. 

Tagesbild: Spassvogel

„Der humorvolle Vogel

Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Wie das so ist
Und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.“

Wilhelm Busch

Manchmal muss man die Dinge mit Humor nehmen, sonst werden sie zu schwer. Das merkte ich gestern, als die Batterie des Mietautos abgelegen ist. Nach dem Überbrücken musste ich Fahrt aufnehmen, tat dies den steilen Hügel vor dem Haus rauf, wo das gute Gefährt ein paar Meter weiter oben den Geist aufgab. Ich wollte rückwärts wieder nach Hause rollen, da blockierten die Bremsen, wir küssten stürmisch die Wand. Eine romantische Begegnung, auf die ich hätte verzichten können. Dafür war nachher für den Abendsport gesorgt: Ich musste der Pannenhilfe entgegenrennen, den ganzen Hügel rauf. Dafür durfte ich dann mit dem netten Herrn runterfahren, der einen so rasanten Fahrstil hatte, dass ich dankbar meine Resterinnerungen an das „Vater unser“ hervorkramte. Ein paar Turbulenzen später lief dann alles wieder normal, nur mein Herz raste noch immer im Tempo des gehetzten Waldaffen. 

Neuer Tag, neues Glück. Habt einen schönen Tag!

(Zeichnung im Skizzenbuch)