Ich habe mein Glas auf Christian Morgenstern

Ich hebe mein Glas auf Christian Morgenstern, der heute 153 Jahre alt würde. 

Den meisten ist Christian Morgenstern wohl als humoristischer Dichter bekannt. Als solchen lernte auch ich ihn kennen, als ich unter den wirklich wenigen Büchern in meinem Elternhaus seine Galgenlieder fand. Diese waren ursprünglich gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen, hatten aber bei einer Lesung so grossen Erfolg, dass sich Morgenstern umentschloss – zum Glück, wie ich finde. Zur Einleitung seiner 15. Auflage 1913 schreibt Morgenstern:

„In jedem Menschen ist ein Kind verborgen, das heisst Bildnertrieb und will als liebstes Spiel- und Ernst-Zeug nicht das bis auf den letzten Rest nachgearbeitete Miniatür-Schiff, sondern die Walnussschale mit der Vogelfeder als Segelmast und dem Kieselstein als Kapitän. Das will auch in der Kunst mit-spielen, mit-schaffen dürfen und nicht so sehr bloss bewundernder Zuschauer sein. Denn dieses ‚Kind im Menschen’ ist der unsterbliche Schöpfer in ihm…»

In den Galgenliedern finden sich lyrische Grotesken und liebenswürdiger, scharfsinniger Sprachwitz, aber bei weitem nicht nur spassiger Nonsens, sondern auch ein Misstrauen gegen einen zu oberflächlichen Sprachgebrauch:

«Blitzartig erhellt sich dir die völlige Willkür der Sprache, in welcher unsere Welt begriffen liegt, und somit die Willkür dieses Weltbegriffs überhaupt.»

Und zu guter Letzt ein Gedicht mit auf den Weg:

„Wer denn?
Ich gehe tausend Jahre
um einen kleinen Teich,
und jedes meiner Haare
bleibt seinem Wesen gleich,

 
im Wesen wie im Guten,
das ist doch alles eins;
so mag uns Gott behuten
in dieser Welt des Scheins!»

Habt einen schönen Tag!

Inspirationen für die Woche – KW 18

Neue Woche, neue Inspirationen. Es war eine spannende Woche, eine, bei denen ich mich durch die verschiedensten Bücher blätterte und mich auch sonst inspirieren liess.

Aktuell kommt man kaum an Immanuel Kant vorbei, das Jubiläum hat wahre Text- und sonstige Fluten losgelöst. Ich habe vor nunmehr 21 Jahren beschlossen, damals schwanger in einer Kantvorlesung sitzend, dass mein Sohn doch bitte diesen wunderbaren Namen tragen soll: Immanuel. Er wurde für zu altertümlich befunden, so trägt er ihn nun als Zweitnamen. Immerhin.

Kant ist aktuell, immer. Und ja, um gleich die Kritik vorwegzunehmen: Er war rassistisch und frauenfeindlich. Der Zeit geschuldet, obwohl er es auch hätte besser wissen können. Egal. Es bleibt genug, das zu bedenken ist, da es schlicht gut ist. Man muss nicht immer das Kind mit dem Bade ausschütten. Keiner ist über jeden Zweifel erhaben und wäre es einer, ihr wisst schon, solle er den ersten Stein werfen….

Hier ein paar aktuelle Bücher zum Einstieg:

  • Gabriele Gava, Achim Vesper: Kants Philosophie (C.H.Beck 2024) – ein Einblick in das Leben und Schaffen Kants, eine Erläuterung der zentralen Begriffe und Ansätze seines Denkens anhand seiner wichtigsten Werke.
  • Ursula Michels-Wenz: Klarsicht mit Kant (Insel Verlag 2024) – kleine Denkhäppchen aus Kants Denken, ein guter Einstieg für zwischendurch
  • Omri Boehm, Daniel Kehlmann: Der bestirnte Himmel über mir. Ein Gespräch über Kant (Propyläen Verlag 2024) – zwei kluge Köpfe reden darüber, was wir noch heute von Kant zu Themen wie Rassismus, Kolonialismus, Gerechtigkeit, das Böse und vielen mehr lernen könnten
  • Marcus Willaschek: Kant. Die Revolution des Denkens (C.H.Beck 2024) – eine gelungene, informative, kompetente und gut lesbare Einführung in Kants Philosophie und viel Anregung, als Leser selber mitzudenken

Folgendes Buch kann ich euch zudem ans Herz legen, es hat mich beim Lesen sehr berührt:

Sigrid Nunez: Der Freund

Als ihr Freund stirbt, hinterlässt er nicht nur eine grosse Lücke in ihrem Leben, sondern auch seinen vor Trauer depressiven Hund, eine Deutsche Dogge. Abgesehen davon, dass sie Gefahr läuft, ihre Wohnung in New York zu verlieren, weil da keine Hunde erlaubt sind, wollte sie nie einen Hund haben. Sie war Katzenmensch. Die Geschichte eines Zusammenwachsens, einer Liebe, die tief geht und viel ans Licht holt. Gedanken zum Schreiben, zum Tod, zu Liebe und Freundschaft, zum Denken und zu den Unterschieden zwischen Mensch und Tier. Und ja, auch eine Geschichte vom Loslassen.

Ich habe auch wieder einen Podcast gehört, den ich euch empfehlen möchte:

Vor einiger Zeit stiess ich aus irgendeinem Grund, den ich nun nicht mehr weiss, über sieben Ecken wohl, auf ein Buch: Dana von Suffrin, Nochmal von vorne. Das Buch klang spannend, so dass ich es bestellte. Einen Tag nachdem es im Briefkasten war, suchte ich einen neuen Podcast und stiess auf die neuste Folge von «Dear Reader» mit Mascha Jacobs. Ihr Gast? Dana von Suffrin.  Als persönliches Buch hatte sie neben anderen Joseph Roth dabei mit seiner Erzählung «April». Gleich stürzte ich zum Bücherregal, zog Roths Erzählungen heraus, schlug die Geschichte auf und stiess auf diesen wunderbaren Satz (ich habe ihn kürzlich schon hier reingestellt, weil er so wunderbar ist):

«Die Aprilnacht, in der ich ankam, war wolkenschwer und regenschwanger. Die silbernen Schattenrisse der Stadt strebten aus losem Nebel zart, kühn, fast singend gegen den Himmel.»

Und hier der Link zum Podcast:  HIER

Habt eine gute Woche!

Inspirationen für die Woche – KW 16

Beim Gang durch die Welt schnappe ich immer wieder Dinge auf, die mich inspirieren, die mich bewegen, die mich begeistern. Diese möchte ich mit uns teilen. Vielleicht findet ihr etwas für euch dabei.

Folgende Bücher kann ich ans Herz legen, sie haben mich begeistert beim Lesen:

Michael Schmidt-Salomon: Die Evolution des Denkens

«Tatsächlich hat ‘das Genie’ mit der realen Person, die im Zentrum des Verehrungskults steht, oft wenig gemein… Hinter dem Kult verbirgt sich jedoch ein tiefes menschliches Bedürfnis: Wir brauchen Vorbilder, um uns in unserem Leben zu orientieren. Sie sind Teil unserer Identität, sagen uns, wer wir sind oder sein könnten.»

10 grosse Denker, ihr Leben und Schaffen im Blick, um daraus Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Michael Schmidt-Salomon zeigt, dass all die klugen Geister ihr mutiges und neugieriges Denken und Forschen, ihre Unabhängigkeit, ihr Sinn für Vernetzung und ihr offener Blick sowie der Umstand, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, zu den Denkriesen machte, als die wir sie heute sehen. Was können sie uns also zeigen, was uns für unsere Zeit nützt? Ein sehr informatives, kurzweiliges, packendes Buch.

(Michael Schmidt-Salomon: Die Evolution des Denkens: Das moderne Weltbild – und wem wir es verdanken, Piper Verlag 2024)

Sarah Bakewell: Wie man Mensch wird

«Ich bin ein Mensch, und nichts Menschliches erachte ich als mir fremd.» Publius Terentius Afer

Sarah Bakewell rollt die Geschichte des Humanismus von Anfang an auf. Was heisst es, humanistisch zu denken und zu handeln? Worauf gründen Entscheidungen, was macht den Menschen aus? Ausgehend von der Idee, dass der Mensch im Kern gut sei, bildete sich vor über 700 Jahren eine Lebenshaltung aus, deren Ziel es ist, den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zum Menschen zu machen, der er ist: ein freies, glückliches, im Hier und Jetzt lebendes Wesen, dem das friedliche Miteinander am Herzen liegt, weswegen er auf Mitgefühl und Verantwortung setzt statt auf Gebote und Gesetze. Bakewell erzählt aus dem Leben verschiedener Literaten, Künstler, Denker und zeigt ihre Lebens- und Denkwege auf. Für mich etwas viel Geschichte und zu wenig Denken, was aber subjektiven Vorlieben geschuldet ist.

(Sarah Bakewell: Wie man Mensch wird: Auf den Spuren der Humanisten, C. H. Beck Verlag 2023)

Arthur Schnitzler: Die Traumnovelle

«So gewiss, als ich ahne, dass die Wirklichkeit einer Nacht, dass nicht einmal die eines ganzen Menschenlebens zugleich auch seine innerste Wahrheit bedeutet.»

«Und kein Traum», seufzte er leise, «ist völlig Traum.»

Die Geschichte von Fridolin und Albertine, einem jungen Ehepaar mit einer kleinen Tochter, verbunden in einer innigen Beziehung, die Risse bekommt, als sie beschliessen, sich alles zu sagen. Die jeweiligen erotischen und Fantasien und Hoffnungen verwirren nicht nur jeden für sich, sondern führen auch zu emotionalen Abgründen miteinander. Was für eine Sprache, was für eine Welt, in die man da hineingerät: In die Tiefen des menschlichen Fühlens und Wünschen. Wo liegt die Wahrheit? Was ist wirklich gewollt, gelebt, was nur geträumt?

(Arthur Schnitzler: Traumnovelle – in verschiedenen Ausgaben, unter anderem SZ Bibliothek 2004)

Folgenden Podcast habe ich gehört:

Freiheit Deluxe mit Jagoda Marinić und Ilker Çatak

Hier geht’s zum Podcast

«Freiheit kommt mit Bewusstsein.» David Foster-Wallace (abgekürzt)

Ein Gespräch über Freiheit, über Ausgrenzung, darüber, ignoriert und ausgeschlossen zu werden. Es ist ein Gespräch über die blinden Flecken in der Gesellschaft, in welcher Exklusion schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass es nicht mehr auffällt – ausser, man ist betroffen. Es ist ein Gespräch darüber, wie wir mit mehr Bewusstsein unser Leben leben sollen, denn nur so sind wir frei. Und vieles mehr.

Das vollständige Zitat lautet:

„Die wirklich wichtige Art der Freiheit beinhaltet Aufmerksamkeit und Bewusstsein, Disziplin und Anstrengung, und die Fähigkeit, sich wirklich um andere Menschen zu sorgen, für Sie Opfer zu bringen, jeden Tag auf neue auf unzählige, kleine, unsittliche Arten und Weisen.“

Überhaupt möchte ich euch den Podcast von Jagoda Marinić ans Herz legen. Sie hat eine sehr warme, kompetente Art zu fragen und zuzuhören. Es sind Gespräche, die in die Tiefe gehen, die Persönliches ans Licht bringen und auch die Gesellschaft, wie sie ist, und unser Sein darin immer wieder hinterfragen.

In der ARD-Mediathek und bei SRF Play findet sich nun der von Daniel Kehlmann geschriebene Sechsteiler über Franz Kafka. Da kommt alles zur Sprache: Das Verhältnis zum Vater, die Beziehungen zu den verschiedenen Frauen, seine Freundschaft zu Max Brod – und vieles mehr. Ich bin sehr gespannt, ich habe die Serie noch nicht gesehen.

Hier geht’s zur Sendung

Zu Kafka werde ich in den nächsten Wochen sicher noch mehr schreiben.

Ich hoffe, ihr habt etwas gefunden, das euch anspricht. Wenn ihr Tipps für mich habt, immer nur her damit.

Habt eine gute Woche!

Simone de Beauvoir: In den besten Jahren

Inhalt

«Als ich im September 1929 wieder nach Paris kam, berauschte mich vor allem meine Freiheit. Seit meiner Kindheit hatte ich von ihr geträumt…»

Nach Memoiren eines Mädchens aus gutem Haus ist dies der zweite Teil von Simone de Beauvoirs autobiografischen Schriften. Sie schreibt darin über ihr Leben ab 20, das ihr endlich die ersehnte Freiheit gibt. Es ist die Erzählung ihrer Beziehung zu Sartre, zu ihren Beziehungen und Freundschaften, die sich über die Jahre bilden. Es ist ein Schreiben über ihr eigenes Schreiben und das Ringen um die ersten Romane sowie ein Blick in das Erstarken des Nationalsozialismus und den Ausbruch des Weltkrieges, wie die Kriegsjahre sich auf das Leben und die Gesinnung der Menschen auswirkten, sowie die Analyse der eigenen Verwandlung von einem apolitischen hin zu einem politisch engagierten Menschen.

Gedanken zum Buch

«Mit fünfzig Jahren hielt ich den Augenblick für gekommen; mein erinnerndes Bewusstsein hat für das Kind und das junge Mädchen – die beide auf dem Grunde der verlorenen Zeit ausgesetzt und mit ihr verloren sind – das Wort ergriffen. Ich habe ihnen eine Existenz in Schwarz und Weiss geschaffen.»

Es gibt Bücher, die eignen sich nicht fürs Lesen mit dem D-Zug, Bücher, die Satz für Satz gelesen werden wollen. Jeder Satz erschliesst dabei neue Gedankenwelten, die man ergründen, in die man sich hineindenken will. Solche Bücher weisen über sich hinaus, sie verleiten zu weiteren Lektüren, sie wecken neue Interessen. Wenn man sie dann gelesen hat, ist man nicht am Ende angelangt, sondern am Anfang, weil man am liebsten nach dem Umblättern der letzten Seite mit der ersten wieder beginnen möchte, es oft auch tut, und sei es nur, um nochmals einzelnen Sätzen nachzuspüren.

Ich habe Simone durch die Jahre nach dem Studium begleitet, habe mit ihr die Wandlung von einer politisch uninteressierten Frau hin zu einer, die sich engagieren will, erlebt. Ich habe sie ihr Schreiben bezweifeln und feiern sehen und die Kriegsjahre politisch wie lebenswirksam Revue passieren lassen. Ich habe sie auf ihre Wander- und Velotouren durch Frankreich begleitet und neue Freundschaften zu grossen Namen der damaligen Zeit kennengelernt.

Ich bin in Simone und in Sartres Schreiben und Denken eingetaucht, habe mitgedacht, markiert und notiert. Ich bin tiefer in das Leben und Schaffen einer Frau eingedrungen, die mich mehr und mehr fasziniert, weil ich immer wieder Parallelen entdecke, weil mich ihr Denken und ihr Leben faszinieren. Ich bin gespannt, wohin mich die weitere Reise mit Simone bringen wird.

«Ich möchte vom Leben alles.»

Zu Simone de Beauvoir
Simone de Beauvoir wurde am 9.1.1908 in Paris in ein ursprünglich wohlhabendes, später mit den Finanzen kämpfendes Elternhaus geboren. Mit fünfeinhalb Jahren kam Simone an das katholische Mädcheninstitut, den Cours Désir, Rue Jacob; als Musterschülerin legte sie dort den Baccalauréat, das französische Abitur, ab. 1925/26 studierte sie französische Philologie am Institut Sainte-Marie in Neuilly und Mathematik am Institut Catholique, bevor sie 1926/27 die Sorbonne bezog, um Philosophie zu studieren. 1928 erhielt sie die Licence, schrieb eine Diplomarbeit über Leibnitz, legte gemeinsam mit Merleau-Ponty und Lévi-Strauss ihre Probezeit als Lehramtskandidatin am Lycée Janson-de-Sailly ab und bereitete sich an der Sorbonne und der École Normale Supérieure auf die Agrégation in Philosophie vor. In ihrem letzten Studienjahr lernte sie dort eine Reihe später berühmt gewordener Schriftsteller kennen, darunter Jean-Paul Sartre, ihren Lebensgefährten seit jener Zeit.

1932-1936 unterrichtete sie zunächst in Rouen und bis 1943 dann am Lycée Molière und Camille Sée in Paris. Danach zog sie sich aus dem Schulleben zurück, um sich ganz der schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Zusammen mit Sartre hat Simone de Beauvoir am politischen und gesellschaftlichen Geschehen ihrer Zeit stets aktiv teilgenommen. Sie hat sich, insbesondere seit Gründung des MLF (Mouvement de Libération des Femmes) 1970, stark in der französischen Frauenbewegung engagiert. 1971 unterzeichnete sie das französische Manifest zur Abtreibung. 1974 wurde sie Präsidentin der Partei für Frauenrechte, schlug allerdings die «Légion d’Honneur» aus, die ihr Mitterrand angetragen hatte. Am 14.4.1986 ist sie, 78-jährig, im Hospital Cochin gestorben. Sie wurde neben Sartre auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch; 32. Edition (1. Januar 1969)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Pocket Book ‏ : ‎ 744 Seiten
  • Übersetzung ‏ : ‎ Rolf Soellner
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499111129

Ich hebe mein Glas auf: Virginia Woolf

Screenshot

„Mein Tagebuch soll sein wie eine Reisetasche, in die ich ungeprüft allen Krimskrams hineinwerfe. Wenn ich später nachsehe, ist das Durcheinander wie von Geisterhand geordnet, gesintert zu einem Ganzen, so fest und unnahbar wie ein Kunstwerk – aber so transparent, daß das Licht des Lebens durchscheint.“

Heute vor 83 Jahren starb Virginia Woolf nach einem bewegten und produktivenLeben. Von Kind an musste sie sich mit Schicksalsschlägen und anderen Widrigkeiten umgehen, welchen die sensible Psyche des empfindsamen Mädchens nicht standhielten. Virginia wuchs in einem Haus auf, in welchem Schriftsteller und Künstler verkehrten. Schon bald war ihr klar: Sie will auch Schriftstellerin werden. Dieses Ziel verfolgte sie fortan konsequent, wurde sich bald bewusst, dass dieser Weg für eine Frau ungleich schwerer war als für einen Mann. Überhaupt stellte sie die ungleichen Massstäbe immer wieder fest, die an die beiden Geschlechter angesetzt wurden. Sie thematisierte dieses Problem immer wieder:

„Viele erfolgreiche Männer haben keine sichtbare Qualifikation, ausser der, keine Frau zu sein.“

Die Schwierigkeiten, mit denen sich eine schreibende Frau konfrontiert sieht, sind auch Thema ihres Essays „A Room of One’s Own“, aus welchem der berühmte Satz (der mir so aus dem Herzen spricht) stammt:

„Eine Frau braucht Geld und ein eigenes Zimmer, wenn sie Literatur schreiben will.“

Trotz fehlender Liebe heiratetVirginia Woolf, der Umstand, dass Leonard Woolf sie liebte, reichte ihr und gab ihr wohl, trotz widerstreitender Gefühle, Halt und sogar so etwas wie zeitweises Glück. Die beiden lebten fortan gemeinsam für die Literatur, sowohl als Schreibende als auch als Verleger. Virginia Woolf hinterlässt ein reiches Werk mit grossen Romanen, die die Psyche des Menschen ergründen wollen und dazu verschiedene Techniken (Montagetechnik, inneren Monolog, experimentelle Ansätze) verwenden. Auch ihre Tagebücher und Essays sind sehr zu empfehlen, sie überzeugen durch die Tiefe der Gedanken wie auch die Schönheit der Sprache.

Ich hebe mein Glas auf diese wunderbare Künstlerin!

Bärbel Reetz: Emmy Ball-Hennings. Leben im Vielleicht

Inhalt
Will man Emmy Hennings beschreiben, weiss man kaum, wo anfangen, so vieles war sie: Tänzerin, Schauspielerin, Dichterin, Schriftstellerin, Künstlerin und vor allem auch Mensch. Sie wollte hoch hinaus, hatte Träume, und fiel immer wieder. Sie kämpfte um ihr Leben, ums Überleben gegen Mächte, Zwänge, Widrigkeiten und Sorgen. Sie hatte Talent und wurde einerseits hochgeschätzt und gelobt, andererseits doch verkannt. Sie fand kein Auskommen und kein Ankommen. Eigentlich eine tragische Geschichte.

Bärbel Reetz beschreibt in ihrer Biografie das Leben dieser aussergewöhnlichen Frau, sie zitiert aus Briefen und Tagebüchern von Weggefährten, sprach mit Leuten, die sie gekannt oder von ihr gehört haben, zeigt die Stationen ihres Lebens auf und zeichnet ihre Wege nach.

Gedanken zum Buch

„Es ist so seltsam, keine Legitimation zu haben. Es ist so traurig, vaterlandslos zu sein. Ich kann nichts dafür, dass ich es bin, aber meine Sprache ist doch deutsch und meine Sprache sollte verraten, wohin ich gehöre… du kannst es nicht so verstehen, wie das ist, Hugo, nirgends eine Aufenthaltsbewilligung zu haben.“

Sie war eine Reisende, mal aus eigener „Weltflucht“, mal, weil sie nicht bleiben durfte, wo sie war. Die Gründe für die Reisen waren vielfältig. Sie träumte von besseren Orten, die politischen Bestimmungen duldeten ihr Bleiben nicht mehr, das Geld war zu knapp. So zog sie von Ort zu Ort, immer eine Suchende, die aber nie fand und von ihrer Sehnsucht nach einem Ankommen innerlich zermürbt wurde.

„Aber wie immer, wenn sie ernstlich gefordert wird, zeigt die labile Emmy überraschende Stärke.“

Emmy Hennings war oft auf Hilfe angewiesen. Ihre vielen Freunde machten sich viele Sorgen um sie, ihre Gesundheit, ihre Zu- und Umstände. Doch sie war nicht nur die Schwache und Kränkelnde, sie war auch immer für ihre Freunde da, setzte sich ein, kämpfte. Wo sie hinkam, nahm sie die Herzen der Menschen durch ihre spielerische, leicht kindliche, frische Art ein. Sie zeigte Humor, Enthusiasmus, Esprit und vor allem immer viel Herz.

«Es kommt freilich nicht darauf an, wie das Leben wirklich ist, sondern wie es einem vorkommt. Ich hielt es für verfehlt.»

Ein Mädchen, eine junge Frau mit Tatendrang, Visionen, Träumen und Zielen, die den Mut hat, all diese zu verfolgen, die in die Welt aufbricht, sich alles erkämpfen muss und dabei unten durch geht, die tanzt, dichtet, liebt, sich verkauft, abstürzt, im Gefängnis landet, sich immer wieder aufrappelt. Sie beweist immer wieder, dass sie etwas kann, viele verehren sie – und doch reicht es nie zum Leben, knapp nur zum Überleben. Wie oft stürzte sie das in Zweifel, in eine Erschöpfung, Krankheit gar. Wie oft haderte sie mit dem Leben, mit sich, mit der Welt. Und doch rappelte sie sich immer wieder auf, schritt mutig voran, um ihre Träume, ihre Leidenschaften, ihr Schreiben weiterzutreiben. Die grossen Namen (allen voran Hermann Hesse) hielten grosse Stücke auf sie, schätzten ihr Talent und ihre Literatur hoch ein, doch sie fand keine Verleger und wenig Publikum.

«Ein gefallenes Mädchen… von gefallen Männern hörte man bei uns nie. Männer konnten wahrscheinlich nicht fallen.»

Für ihren Traum, auf der Bühne zu stehen, nimmt Emmy Hennings viel auf sich. In grosser Geldnot prostituiert sie sich, endlich beim Theater angekommen, merkt sie, dass es auch da mehr um Körper als um Kunst geht, dass der Einsatz nach dem Fall des Vorhangs noch nicht zu Ende ist. Sie fühlt sich dreckig, fragt sich sogar, ob sie nicht auf der Strasse reiner gewesen ist als nun auf der Bühne. Sie wird von Männern (teilweise vorgeblich liebevoll) Hure genannt, während die Männer selbst doch fantasieren, wann sie sie wieder sehen, was mehrheitlich auch nehmen bedeutet. In Erich Mühsams Tagebüchern (um nur einen zu nennen) finden sich viele explizite Passagen dazu. Emmy erlebt, nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal, am eigenen Leib, was für ein Nachteil es ist, als Frau in dieser Welt zu leben.

Bärbel Reetz zeichnet das Leben und Schaffen der Emmy Hemmings nach, wobei sie zu viel Gewicht auf all die Figuren um sie herum und zu wenig auf Emmy selbst schaut. Dadurch ist eine sehr langatmige, oft verwirrende, zeitlich hin und her springende Biografie entstanden, welche den Menschen Emmy Hemmings nicht wirklich fassbar macht.

Fazit
Bärbel Reetz beschreibt das Leben von Emmy Hennings informativ und mit Verweis auf viele Quellen und Zitate. Sie lässt dabei den roten Faden und die Chronologie etwas zu oft aus dem Blick, so dass das Ergebnis etwas unübersichtlich wird. Trotzdem sehr empfehlenswert.

Zur Autorin
Bärbel Reetz, geb. 1942, Studium der Germanistik und Anglistik lebt als Autorin und freie Journalistin in Berlin; ihre Arbeiten wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. 1994 Bettina-von-Arnim-Preis für die Erzählung Virginia oder die Gleichzeitigkeit.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Suhrkamp Verlag; Originalausgabe. Edition (21. Mai 2001)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 399 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3518397404

Hugo Ball (22. Februar 1886 – 14. September 1927)

Einen Hansdampf in allen Gassen könnte man ihn nennen, einer, der seinen Weg ging, Neues ergründen und schaffen wollte. Er versuchte, liess fallen, versuchte neu, stellte auf die Beine und lief wieder davon.

Geboren wurde Hugo Ball am 22. Februar 1886 in ein bürgerliches Umfeld. Dem väterlichen Befehl folgend brach Hugo die Schule vor Abschluss des Gymnasiums ab und besuchte eine Lehre, die er dann aber wieder abbrach, das Gymnasium beendete und mit dem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie begann. Dieses brachte er bis zur geplanten Dissertation, als er befand, der Wissensbestrieb sei ihm erstorben. Er wollte ins Leben, wollte spielen, wollte auf die Bühne. In seinem Tagebuch vermerkte er:

“1910-1914 war alles für mich Theater: das Leben, die Menschen, die Liebe, die Moral. Das Theater bedeutete mir: die unfassbare Freiheit”

Und er schrieb. 1911 erschien sein erstes Buch «Die Nase des Michelangelo». Er beteiligte sich an Zeitschriften, plante weitere schriftstellerische Projekte, doch der Krieg machte diesen ein Ende. Theater wurden geschlossen, Ball wandte sich mehr dem Schreiben zu, veranstaltete literarische Abende und brach dann 1915 die Zelte in Deutschland ab, um in die Schweiz zu reisen. Mit ihm reiste Emmy Hennings, seine spätere Frau und Mitbegründerin des Cabaret Voltaire in Zürich.

«Das Leben ist so reich, wenn man arm ist.»

Die Schweiz war nicht nur Paradies, wie anfänglich gedacht. Denunziation und sogar Gefängnis warteten. Aber es war auch Zeit des Auf- und Umbruchs. Die Zeiten waren schwierig, das Geld knapp, die Engagements trugen kaum, Hennings Prostitution füllte die Haushaltskasse, bis die beiden sich entschlossen, selbst ein literarisches Kabarett zu gründen. Zuerst ohne festes Ensemble bildete sich bald eine Gruppe, die zu den grossen Namen des Dadaismus wurden: Hans Arp, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara. «Dada» als Begriff ist im Programmheft 1916 das erste Mal dokumentiert.

Das Ganze wuchs Ball schon bald wieder über den Kopf und er zog sich zurück, schrieb vermehrt für die Zeitung und Bücher, darunter 1919 «Zur Kritik der deutschen Intelligenz», in welchem er die Kriegsschuld Deutschlands thematisierte. Die finanzielle Lage wurde drückend, Ball heiratete Hennings und wollte mit deren Tochter zurück nach Deutschland, wo sie sich aber nicht mehr zurechtfanden und wieder in die Schweiz zurückkehrten, wo Ball weiter Bücher schrieb. 1920 kam es zu einer folgenreichen Begegnung mit Hermann Hesse, eine Freundschaft bis ans Lebensende entstand. Hugo Balls Gesundheit bröckelt, eine Krebsdiagnose und Operationen zeigen das nahe Ende auf, das am 14. September 1927 im Tessin, wo die kleine Familie die letzten Jahre lebte, eintritt.

Roger Willemsen (15. August 1955 – 7. Februar 2016)

«Der einsame Mensch ist eine Skulptur, herausmodelliert vom Pathos der Abwesenheit.» Roger Willemsen

Es sind unter anderem Sätze wie dieser, welche ihn ausmachten. Es ist seine Liebe zur Sprache, sein scharfer Blick auf das Leben und die Menschen, die es lebten. Es ist sein klarer Geist, welcher ihn diese Welt in Worte packen liessen, die Bilder lebendig werden liessen. 

«Mit seiner Geburt tritt der Mensch in den Verfall ein. Lässt man diesen gewähren, stirbt man alt und faltig, lässt man sich liften, stirbt man alt und grotesk.» Roger Willemsen

Er nahm das Leben nicht einfach hin, liess die Dinge nicht einfach «gut sein», sondern er hielt den Finger drauf, zeigte auf die Missstände, auf die Schwierigkeiten, auf die Verirrungen, aber auch auf die Schönheiten, das zu Feiernde, das Wunderbare. Immer wieder sprach er deswegen auch über Literatur, über Bücher, über all die Schätze auf und zwischen den Seiten, die neue Welten eröffnen. Einige schuf er selbst. Darin nimmt er den Leser mit auf seine eigenen Reisen, auf welchen er die Welt durchdringen wollte, und lässt neue Horizonte entstehen. 

«Der Rigorismus öffentlicher Moral – der Moral der Klatschkolumnisten, der Boulevard-Magazine und Leitartikel – bezieht sich auf diese exemplarische Übereinkunft, sein zu müssen, wie auch immer.» Roger Willemsen

Roger Willemsen mag vieles gewesen sein, nie so, wie man sein müsste. Er war ein eigenständiger Denker, einer, der sein Leben auf seine Weise lebte. Bis am Schluss. Heute vor acht Jahren ist Roger Willemsen gestorben. Er fehlt.

Buchtipp – Annie Ernaux: Die Scham

Die zwei Welten der Welt

Und plötzlich erinnert man sich an etwas, und man hat ihn, den

«Beweis für die Existenz zweier Welten und unsere Zugehörigkeit zur unteren.» Annie Ernaux

Oft heisst es, wir haben diese eine Welt, in der wir leben, wir teilen sie. Das mag rein physikalisch materiell so sein, doch im Leben, ideell, in den sozialen Strukturen sind es mehrere Welten, schon zwei reichen nicht aus. Früher sprach man von der Dritten Welt, um Länder zu bezeichnen, welche nach westlichen Massstäben weniger entwickelt und finanziell arm waren. Diese klare Hierarchie hat man sprachlich abgemildert, doch hat sich sonst etwas geändert?

Die Frage, die sich immer wieder stellt, ist doch, welche Massstäbe auf das Leben und die Welt angelegt werden, um eine Hierarchie zu schaffen. Alle sind sie an einer Norm ausgerichtet, die nach den Werten der entsprechenden Gesellschaft, teilweise auch nur von Teilen davon, bestimmt sind.

Es sind Grundsätze, die in der Luft hängen, für jeden spürbar, als Geländer im Leben, das zeigt, dass nur diesem entlang ein richtiges, weil passendes möglich ist. Über einem Misstritt, einem Fehlverhalten schwebt das vernichtende Urteil:

«Was sollen die anderen von dir denken?»

Sitzt man drin im eigenen Leben, erscheint es als einzig mögliches, als einzig lebbares, als normal. Erst wenn der Blick auf andere Leben fällt, man sieht, was es auch noch gibt in dieser Welt an anderen Welten, kommt aus dem Vergleich das Werten. Man setzt den Bezug und je nachdem ist die Fallhöhe hoch. Was vorher die Welt war, ist nun ein kleiner Teil davon, schwierig wird es, wenn es nicht der wünschenswerte im Ganzen ist. Plötzlich fühlt man sich klein, sieht in den Augen der anderen die Abwertung, spürt sie in deren Verhalten, fühlt den eigenen Platz unten. Und damit kommt die Scham. Sie wird von nun an das Leben begleiten, sich über alles legen, bei allem mitschwingen. Sie wird das Nebengefühl beim eigenen Tun und Sein.

«Das Schlimmste an der Scham ist, dass man glaubt, man wäre die Einzige, die so empfindet.» Annie Ernaux

Ein Merkmal der Scham ist, dass sie im Stillen herrscht, im Privaten. Dort schwingen Angst und Mangel mit. Die Scham behält man für sich, sie zu benennen fühlte sich noch beschämender an. Und mit diesem Schweigen verstärkt sie sich noch, sie füllt das eigene Denken und sie bewirkt, dass man sich damit allein fühlt, weil man sich nicht vorstellen kann, dass es noch jemanden gibt, der so denkt.

Und vielleicht liegt genau da das Heilmittel: Im Teilen und Mitteilen. Denn dadurch würde man merken, dass es noch mehr Menschen in der gleichen Welt gibt, welche die gleiche Scham teilen. Und wenn man merkt, dass man mit Dingen, derentwegen man sich schämt, nicht allein ist, stellt man fest, dass diese in der Welt normal sind, so dass sie keinen Grund zur Scham darstellen. Annie Ernaux hat das für sich erkannt und über ihre Scham geschrieben. Weil Schreiben Öffentlichkeit ist, es ist ein Heraustreten aus der eigenen Scham, aus dem eigenen privaten Empfinden des eigenen Unwerts hinaus in die Welt der Gleichgesinnten.

Zum Inhalt:
Ein Erlebnis 1952, das die Welt in ein Davor und ein Danach einteilt. Die Erfahrung, dass es zwei Welten gibt, eine unten und eine oben, zu der sie, als eine von unten, nie gehören wird. Die Scham dieser Erkenntnis, die Scham, die sich im Leben festsetzt, die sich in den Zellen des Körpers speichert und immer wieder hervorbricht. All das sind die Themen dieses Buches, das aus Erinnerungen und Reflexionen des schreibenden Erinnerns besteht – Erinnerungen an die Schulzeit, an das Leben zu Hause, an die Eltern, an sich selbst.

Zur Autorin
Annie Ernaux, 1940 in Lillebonne (Frankreich) geboren, Schriftstellerin mit mehrheitlich autobiografisch geprägten Werken, die 2022 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat.

Bücherwelten: Mutter

Man soll sie lieben, achten, Respekt haben. Eine zu sein, bedeutet Liebe, Fürsorge, (Selbst-?)Aufgabe. Kaum ein Begriff, eine Rolle ist so befrachtet mit Ansprüchen, Zuschreibungen und Erwartungen wie die Mutter. Sie wird verklärt und verflucht, sie ist an allem schuld und für vieles verantwortlich. Man könnte meinen, wenn man so viel drüber weiss oder zumindest «geregelt» hat, sei alles klar und einfach, doch wie so oft in diesen Fällen fangen genau da die Probleme an: Was, wenn man diese Punkte nicht erfüllt? Was, wenn man einfach nicht fühlt, was man fühlen soll? Was, wenn diese engste aller Beziehungen einfach nicht entsteht? Oder aber irgendwann verloren geht?

Fragen über Fragen und ein Thema, über das es sicher viel nachzudenken gäbe. Die folgenden vier Bücher haben alle in einer Form mit dem Thema „Mutter“ zu tun:

Bonnie Garmus schreibt über eine Frau, der nichts ferner lag, als Mutter zu werden, die diese Rolle dann aber alleinerziehend mit Tatkraft und selbstbestimmt auf ihre persönliche Weise ausfüllt. 

Anneleen Van Offel schreibt von einem Band der Liebe, das durch Distanz zerrissen wurde, und dessen sich die Mutter nach dem Tod des Sohnes wieder versichern will.

Thommie Bayer erzählt von einem Sohn, der sich seiner Rolle im Leben der Mutter gewahr wird und in diesem Bewusstwerden auch die Mutter für sich besser kennenlernt. 

David Rieff wollte über das Sterben seiner Mutter schreiben und zeichnete stattdessen ein starkes Bild einer grossartigen Frau mit all ihren Herausforderungen, ihrer Tatkraft, ihrer Widerspenstigkeit und ihrem Mut.

Habt einen schönen Tag!

Biografien von A bis Z: B

Die Reise durch die Leben von Menschen, die mich beeindrucken, geht mit dem Buchstaben B weiter: Ein Gruppenbild mit Herrn quasi. Das Gemeinsame meiner Verbindung zu den einzelnen ist, dass ich mich mit jedem von ihnen eine Zeit lang intensiv auseinandergesetzt habe, da förmlich in ihr Werk eingetaucht bin. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich alle mit dem Thema der Identität auseinandergesetzt haben, jeder auf seine ganz eigene Weise.

Martin Buber setzte zeitlebens auf den Dialog. In ihm entwickelt sich das Leben, in ihm erkennt sich jeder selbst. Das Ich existiert nur, weil es ein Du gibt. Im Dialog kann sich etwas entwickeln, der Dialog ist die Schöpfungskraft von Neuem und der Weg zur Erkenntnis dessen, was ist.

«Ich habe keine Lehre. Ich zeige nur etwas…Ich habe keine Lehre, aber ich führe ein Gespräch.»

Simone de Beauvoir wusste von klein auf, was sie will: Schreiben und frei sein. Sie hat sich diesem Ziel verschrieben und es gelebt, immer aus der Überzeugung heraus, dass wir in diese Welt geworfen werden, ohne uns das ausgesucht zu haben, und es nun an uns selbst ist, uns darin zu positionieren, uns quasi nach unseren Massgaben zu erschaffen. Sie stiess mit ihrem Forschungsdrang und Lebenswillen nicht immer auf Zustimmung:

«Niemand nahm mich so, wie ich war, niemand liebte mich; ich selbst werde mich genügend lieben, beschloss ich, um diese Verlassenheit wieder auszugleichen.»

Das Glück wollte es, dass sie auf einen Menschen stiess, der ihren eigenen Lebensentwurf und damit den Menschen, der sie dadurch wurde, anerkannte und unterstützte. So befand Sarte, wie Simone de Beauvoir in ihren «Memoiren einer Tochter aus gutem Hause» schrieb:

«Auf alle Fälle sollte ich mir das bewahren, was das Schätzenswerteste an mir sei: Meinen Hang zur Freiheit, meine Liebe zum Leben, meine Neugier, meinen Willen zu schreiben.»

Auch Ingeborg Bachmann war eine, die schreiben wollte. Diesem Drang ordnete sie alles unter, für ihr Schreiben war sie zu Opfern bereit, sie zahlte einen hohen Preis dafür, denn Ingeborg Bachmann sollte das Glück einer lebenslangen Liebe verwehrt sein – sie verwehrte es sich wohl teilweise selbst. Sie suchte diese Liebe unentwegt, sie sehnte sich danach, fand zwar viele Männer, die sie verehrten, ihren Weg eine Zeit lang begleiteten, aber nie die überdauernde Liebe, welche ihr hätte Halt und Lebenssinn geben.

«…ich habe in der Liebe und durch die Liebe immer den Boden verloren und daher nie einen gehabt… ich werde, solange ich liebe, keinen Platz in der Welt finden, nie das bekommen, was ich am meisten ersehne, und darum wird alles, was ich sonst bekomme und wofür ich mich bemühe , dankbar zu sein, für immer ohne Glanz sein.»

Welche Biografien zum Buchstaben B könnt ihr empfehlen?

Biografien von A bis Z: A

KI ist in aller Munde, dass diese nun auch schreiben kann, ängstigt. Was wird dann aus den Schreibenden? Sind die überflüssig? Ich denke, die Frage ist falsch gestellt. Abgesehen davon, dass Schreibende natürlich, um leben zu können, gelesen werden müssen, schreiben sie auch, weil sie nicht anders können. Schreiben ist Leidenschaft, Drang, Notwendigkeit. Ebenso bei den Philosophen das Denken, das dann in einer Form auch aufs Papier fliesst. Seit ich denken kann, interessieren mich hinter den Texten immer auch die Menschen, die sich diese ausgedacht haben: Wie haben sie gelebt, wie haben sie geschrieben und wieso? Was hat ihr Denken geprägt? 

Aus diesem Grund liebe ich Biografien. Ein paar davon möchte ich hier vorstellen, ich taste mich dazu dem ABC entlang und starte heute mit A:

Wie könnte es anders sein: Hannah Arendt – Lieblingsdenkerin, spannende Persönlichkeit, interessante und vielschichtige Frau. Müsste ich eine empfehlen, wäre es die von Elisabeth Young-Bruehl, sie ist und bleibt für mich der Klassiker.

«Man könnte wohl sagen, dass die lebendige Menschlichkeit des Menschen in dem Masse abnimmt, in dem er auf das Denken verzichtet..» (Hannah Arendt)


Aristoteles – Einer der ersten, der wohl systematisch über alles, was auf dieser Welt vorkommt, nachdachte. Gewisse Gedanken sind noch heute bedenkenswert, zum Beispiel seine Theorie eines gerechten Staates. Flashar als ausgewiesener Experte zu Aristoteles hat hier eine grossartige Biographie geschrieben.

„Denn das ist den Menschen vor den anderen Lebewesen eigen, dass sie Sinn haben für Gut und Böse, für Gerecht und Ungerecht und was dem ähnlich ist. Die Gemeinschaftlichkeit dieser Ideen aber begründet die Familie und den Staat.“ (Aristoteles)


Ilse Aichinger – Repräsentantin der deutschen Nachkriegsliteratur, deren Werk immer wieder die sozialen und politischen Zustände kritisierte und die Verantwortung des Menschen thematisierte.

«Schreiben kann eine Form zu schweigen sein.» (Ilse Aichinger)

Lou Andreas-Salomé – faszinierende, intelligente, vielschichtige Frau, die die Herzen der berühmtesten Männer brach.

«Glaubt mir, die Welt wird euch nichts schenken. Wenn ihr ein Leben wollt, so stehlt es.» (Lou Andreas-Salomé)

Rose Ausländer – Verfasserin wunderbarer Lyrik mit einem sehr bewegten Leben.

«Ich schreibe mich ins Nichts – es wird mich ewig aufbewahren.»

Was für Biografien zu A könnt ihr empfehlen?

George Tabori (24. Mai 1914 – 23. Juli 2007)

George Tabori wird am 24. Mai 1914 in Budapest geboren. Seine Eltern ziehen ihn erst katholisch auf, bis sie ihm mit sieben Jahren erklären, dass die jüdisch sei. Weil sein Vater findet, Schreibende gäbe es bereits genug und er müsse was Anständiges lernen, beginnt Tabori in Berlin eine Hotelfachlehre, bis sich die antisemitischen Vorfälle häufen und er schliesslich 1933 Deutschland verlässt.

„Als der Reichstag brannte, war es Zeit zu verschwinden.»

Die folgenden Jahre verschlagen ihn nach Budapest, London, in die Türkei, nach Palästina und Ägypten. 1941 erhält er die britische Staatsbürgerschaft. Er arbeitet Kriegsberichterstatter, später als Journalist und Übersetzer.

„Was ich immer erzählen muss, immer sagen muss: dass ich keine Heimat habe, dass ich ein Fremder bin, und das meine ich nicht pathetisch, sondern als gute Sache. Weil ein Schriftsteller, nach meinem Geschmack, muss ein Fremder sein.“

1943 erscheint Taboris erster Roman («Beneath the stone»), weitere folgen. 1947 fliegt er auf Drängen einer Literaturagentin in die USA, wo er als Drehbuchautor engagiert wird. Aus den geplanten drei Monaten werden zwanzig Jahre. In den USA lernt er auch die ganze schreibende Zunft der Auswanderer kennen und arbeitet teilweise mit ihnen.

„Stell dir vor, du lebst in einem Haus, und jeden Sonntag kommen Büchner, Kafka, Flaubert, Mahler und so weiter zu Besuch …“

1968 reist er zum ersten Mal zurück nach Deutschland, um da ein Auschwitzstück am Theater zu inszenieren. Er tut dies nicht ohne Befürchtungen, doch es wird ein Erfolg. 1971 zieht er ganz nach Deutschland, wo er sich in diversen Städten mit verschiedenen Tätigkeiten rund ums Theater einen Namen macht.

George Tabori stirbt am 23. Juli 2007 in Berlin.

Zu seinem Werk

„Der kürzeste deutsche Witz ist Auschwitz.“

Das Thema «Auschwitz» hat George Tabori nie losgelassen. Nicht nur liessen ihn die Verfolgungen durch das Naziregime von einem Ort zum anderen reisen, so dass er sich immer als Fremder fühlen musste, er hat auch seinen Vater da verloren, welcher 1944 in Auschwitz starb.

„Sechzig Jahre später besuchte ich Auschwitz, suchte nach einem Zeichen, das er mir zurückgelassen hatte. Ohne viel Hoffnung. Die Toten waren in Rauch aufgegangen… Ich hob einen Stein auf, wo ist er, ich hielt den Stein in der Hand, versuchte, seine Gegenwart zu spüren, umsonst, ich steckte ihn in die Tasche, ein Souvenir… Mahnmale sind für die Lebenden. Die Toten kümmern sie nicht.“

George Tabori war ein Mann, dem Humor wichtig war, was sich auch in seinen Theaterstücken zeigte: Er brachte den Holocaust auf eine komische und politisch nicht korrekte Weise auf die deutschen Bühnen, er provozierte und forderte sein Publikum immer wieder heraus, weil sich dieses oft schwertat, in seine Art Humor hineinzufinden. Die Anstrengung lohnt sich!

Buchempfehlung:

Neben den Klassikern wie «Autodafé» und «Meine Kämpfe» möchte ich dieses Buch ans Herz legen: «Gefährten zur linken Hand»

Der Krieg wütet im Sommer 1943 überall, nur einen kleinen Badeort in Italien scheint er vergessen zu haben: San Fernando. Dahin zieht es den Autor Stefan Farkas, welcher aber immer am Rand bleibt, das Geschehen aus Distanz beobachtet und sich mit einer zynischen Gelassenheit über alles stellt – bis der Krieg auch hier einbricht. Fakras kommt zum Schluss:

«Es gibt Zeiten, in denen das einzig Nützliche der Tod ist.»

Ingeborg Gleichauf: Jetzt nicht die Wut verlieren.

Max Frisch – eine Biografie

Inhalt

«Es scheint eine Leidenschaft zu sein, die sich da entwickelt, unabhängig von äusserem Erfolg. Da will und muss sich einer Luft verschaffen, sich ausdrücken, sich aufteilen auf mehrere Stimmen, Rollen entwerfen, die man für das Leben halten könnte.»

Max Frisch war ein Zweifelnder. Ein Suchender. Er war ein Mensch voller Gegensätze und ein Mensch der Sprache, mit denen er all das zu erfassen suchte. Diesem Menschen hat sich Ingeborg Gleichauf in der vorliegenden Biografie auf eine persönliche, kenttnisreiche und poetische Weise angenommen. Sie beleuchtet das Leben und Schaffen eines Menschen, bei dem beides nicht zu trennen ist, weil ohne das Leben und seine Erfahrungen das Schreiben nicht möglich wäre, ohne das Schreiben ein Leben ebenso wenig. Zumindest könnte es ohne die Sprache und das Schreiben nicht verstanden werden.

In chronologischer Reihenfolge begleiten wir Max Frisch durch sein Leben, seine Reisen, seine Beziehungen und seine Werke, die jeweils kurz dargestellt werden. Entstanden ist ein romanhaft anmutendes Buch, welches für ein junges Publikum genauso zugänglich und aufschlussreich ist wie für ein erwachsenes.

Gedanken zum Buch

«Diese Frage nach sich selbst, nach dem, was man ist und sein könnte: Bereits der junge Frisch sieht hierin ein existenzielles Problem.»

Max Frisch wurde oft vorgeworfen, er drehe nur um sich, er sei quasi sein einziges Thema, um das er nachher alles geschrieben hat. Dass dies sicher zu kurz gegriffen ist, liegt auf der Hand, allerdings ist nicht zu bestreiten, dass das Thema der (eigenen) Identität eines seiner zentralen war. Was ist der Mensch und wer kann er sein? Wie steht er in der Gesellschaft und was bedarf es, darin und nicht am Rand zu stehen? Gerade die letzte Frage beschäftigte ihn stark, schwankte er doch in jungen Jahren zwischen seiner Sehnsucht nach Bürgerlichkeit, nach Zugehörigkeit, und seinem Drang, Schriftsteller, und damit am Rande stehender Beobachter, zu sein.

«Wie man sich doch immer in die Quere kommt, wenn man eigentlich ‘sachlich’ sein soll. IN allem, was man schreibt, ist man selbst enthalten. Und so ist das Schreiben, auch das journalistische Schreiben, immer eine Möglichkeit, mir und meinen Erfahrungen auf die Spur zu kommen.»

Schon Goethe sagte, dass alles Schreiben autobiographisch sei. Das bedeutet nicht, dass einer immer nur die eigene Lebensgeschichte schreibt, sondern es bleibt nicht aus, dass sich im Schreiben die eigenen Gedanken, Erfahrungen und Gefühle widerspiegeln. Frisch sah sich denn auch als Beobachter, als Augenmensch war ihm das klare (Hin-) Sehen wichtig. Wirklich gesehen und erfahren, vor allem aber verstanden, hat er die Dinge aber nur, wenn er für sie eine Sprache gefunden hat.

«Mit dem Seltsamen des Lebens umgehen wird für ihn bedeuten, sich vor allem sprachlich damit auseinanderzusetzen.»

Das Schreiben war immer auch sein Weg zu sich selbst, sein Weg zum klareren Verständnis. Daneben war es aber auch die Möglichkeit des Ausdrucks. Ohne einen solchen, so Frischs Überzeugung, sei das Leben kaum ertragbar. Frisch selbst sagte einst, dass Schreiben sei wie Reisen, indem er durch die Sprache aus sich herausgehe, um schliesslich wieder bei sich zu landen.

«Nichts ist dem Menschen so fern als das eigene Ich, er ist sich selbst das Fremde, daher kommt er sich gerade dann näher, wenn er in einen grossen Abstand zu sich tritt.»

Dass es notwendig ist, sich selbst auf die Spur zu kommen, führt Max Frisch auf den Umstand zurück, dass man sich eigentlich fremd ist. Wir leben in unserem Alltag und bewegen uns oft unbewusst in ihm. Viele unserer Reaktionen und Handlungen sind Automatismen, sind Gewohnheiten geschuldet. Max Frisch gibt sich damit nicht zufrieden, er will tiefer gehen, sich kennenlernen, herausfinden, wer er wirklich ist. Dazu dient ihm das Schreiben. Das ist auch eines der Hauptthemen seines Schreibens: Identität sowie die Verortung des Ichs in der Welt. Am besten gelingt das in Frischs Augen durch das Theater, weil dies immer eine Auseinandersetzung mit sich und der Gesellschaft darstellt. Das Stückeschreiben ist eine Form von Zeitzeugenschaft, die sich aktuellen Themen wie sozialer Ungerechtigkeit, den Fesseln des bürgerlichen Lebens und der Freiheit zuwendet.

Max Frisch erfindet keine neuen Welten, er beobachtet die vorhandene genau. Er ist ein Augenmensch, der sich im Sehen schult und das so Erfahrene in Sprache, in Sprachbilder umformt. SO geht er als Sehender durch die Welt, beobachtet sie, die Menschen in ihr und das Zeitgeschehen. Doch erst, wenn er es schafft, das alles in Sprache zu fassen, kann er es verstehen, existiert es im tatsächlichen Sinn.

Fazit
Ingeborg Gleichauf ist eine leicht zu lesende, dadurch auch einem jungen Publikum zugängliche, fast schon romanhafte, und doch fundierte Biografie gelungen, die einen sehr persönlichen Blick auf Max Frisch offenbart.

Zur Autorin
Ingeborg Gleichauf wurde 1953 in Freiburg geboren, studierte Germanistik und Philosophie und promovierte über Ingeborg Bachmann. Sie veröffentlichte erfolgreiche Biographien, darunter Hannah Arendt (2000), Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir (2007) und Denken aus Leidenschaft (2008). Zuletzt erschien bei Nagel und Kimche Jetzt nicht die Wut verlieren. Max Frisch – eine Biografie (2010).
Ingeborg Gleichauf wurde 1953 in Freiburg geboren, studierte Germanistik und Philosophie und promovierte über Ingeborg Bachmann. Sie veröffentlichte erfolgreiche Biographien, darunter Hannah Arendt (2000), Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir (2007) und Denken aus Leidenschaft (2008). Zuletzt erschien bei Nagel und Kimche Jetzt nicht die Wut verlieren. Max Frisch – eine Biografie (2010).

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag Nagel & Kimche AG; 2. Edition (16. August 2010)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3312009893

Gepsräche mit Max Frisch: Der unerkannte Geliebte

«Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält…» (Tagebuch 1, 27)

Jemanden zu sehr zu kennen, bedeutet danach, dass das Lebendige einer Art Starre weicht. Wenn ich denke, jemanden durch und durch zu kennen, dann weiss ich, wie er ist, was er tut, ich muss nicht mehr hinschauen, mich nicht mehr interessieren, es steht alles fest.

«Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden: weil wir sie lieben, solang wir sie lieben.» (Tagebuch 1, 27)

Die Liebe führt dazu, immer weiterzugehen, tiefer zu tauchen, den anderen in seinem Sein zu durchschauen. Nur wird das nie gelingen, weil alles, was die Natur hervorbringt, unerschöpflich ist, schrankenlos, wie es Max Frisch ausdrückt «alles Möglichen voll».

Vielleicht ist es aber auch so, dass wir den kennen, den wir nicht lieben, weil wir nur soviel erkennen wollen, wie sich uns darbietet. Wir haben gar nicht den Wunsch, tiefer zu tauchen, immer mehr zu kennen. Wir sind weniger forsch forschend, eher zurückhaltend erkennend und annehmend. Die kleinen Eigenheiten, die tiefen Geheimnisse, sie offenbaren sich erst in der Nähe, deren grösste die Liebe darstellt.